_K. L. Rahbek_.
=Rake.=
Professor an der Universität zu Breslau; ein schlichter,
anspruchsloser Gelehrter, von dessen Leben und wissenschaftlichem
Wirken wir nichts Näheres beizubringen vermögen. Sein Schreiben
soll nur als historisches Dokument hier stehen, und findet sich
noch eine Beziehung darauf in einem der Steffens’schen Briefe.
_Breslau_, d. 13ten Februar 1816.
_Wohlgeborner
Hochgelehrter Herr Doctor,
Hochzuehrender Herr!_
Ew. Wohlgeboren habe ich das Vergnügen bekannt zu machen, daß die
philosophische Facultät der Universität zu Breslau bey Gelegenheit der
Feier des Friedensfestes Ihnen die philosophische Doctor-Würde ertheilt
hat. Es ist mir eine sehr angenehme Pflicht, bey diesem ehrenvollen
Geschäfte das Organ der Facultät zu seyn. Indem ich Ew. Wohlgeboren
hiermit das Doctor-Diplom übersende, bitte ich Sie, dasselbe als einen
Beweis der Hochachtung anzusehen, welche die philosophische Facultät
einem Manne von so ausgezeichneten litterarischen Verdiensten mit dem
größten Vergnügen öffentlich zu erkennen giebt.
Genehmigen Sie die Versicherung der vollkommensten Hochachtung, mit
welcher ich die Ehre habe zu seyn
Ew. Wohlgeboren
ergebenster Diener
_Rake_
z. Z. Decan
der philosophischen Facultät
der Universität zu Breslau.
=Raßmann, Christian Friedrich.=
Geb. den 3. Mai 1772, gestorben den 9. April 1831.
Die von ihm verfaßten Schriften sind sehr zahlreich. Meistentheils
sind es Sammelwerke verschiedenartigsten Inhaltes, die Umsicht,
Kenntniß und gewissenhaften Fleiß an den Tag legen.
Handwörterbuch verstorbener deutscher Dichter von 1137 bis 1824
-- Kurzgefaßtes Lexikon deutscher pseudonymer Schriftsteller --
Sonette der Deutschen -- Triolette -- Pantheon der Tonkünstler --
und viele andere. -- Auch Mancherlei eigene Poesieen. --
Er war gewissermaßen ein Vorläufer solcher hochverdienter Männer
wie z. B. _Gödeke_; und wenn seine vielfach beschränkten und
mangelhaften Bestrebungen auch nicht im Entferntesten hinanreichen
an dessen immense Leistungen, so muß man ihm doch, seine Zeit und
hauptsächlich seine gedrückten Verhältnisse im Auge, zugestehen,
daß er tüchtig, redlich, unverdrossen gearbeitet hat, während er
leider oft mit dem Hunger kämpfte. Er war der Sohn des gräflichen
Stollberg’schen Bibliothekars in Wernigerode, wurde nach
zurückgelegten Universitätsjahren Lehrer an der Marienschule zu
Halberstadt, und gab diese, allerdings dürftige Stellung auf, um in
seiner Vaterstadt von der _Schriftstellerei_ zu leben, -- die
ihm dann, wie ach! so vielen ihrer Jünger, das Nöthigste versagte.
Er kam aus Noth und Mangel nicht heraus. Uns sind Fälle bekannt,
wo er ihm unentbehrliche schriftliche Zusendungen uneröffnet
zurückgeben lassen mußte, weil er -- die paar Groschen Postgeld
nicht aufzutreiben vermochte.
Leidend und niedergebeugt wehrte er sich, so weit er konnte, durch
rege Thätigkeit bis an’s Ende, und verfiel niemals -- wie so
mancher seiner Mitbrüder -- auf das verächtliche Auskunftsmittel,
seine Feder in Gift zu tauchen, damit Furcht, Eitelkeit oder
Bosheit sie erkaufen möchten.
Deshalb bleibe das Andenken des armen Mannes in Ehren!
Sestine.
Wer säumt, die herbe Schlehe hinzugeben,
Wird ihm die süße Traube dargeboten?
So tauschen heißt fürwahr, ein Fest begehen. --
Auch mir ist solch ein schönes Loos gefallen:
Drum laß’ ich jetzt die Lust, die nektarreiche,
Durch der Sestine Echopforten ziehen.
Wohl manches Jahr sah ich vorüberziehen,
Seit ich antiker Dichtung mich ergeben!
Nur Hellas Rhythmus konnte mir gefallen,
Der Mythen Sprache, ha! die bilderreiche;
Mit Sprea’s Schwan, der mir den Gruß geboten,
Mocht’ ich so gern im Tempel mich ergehen.
Doch endlich sollte diese Nacht vergehen,
Herauf ein helles Morgenroth mir ziehen,
Vom Auge sollten mir die Schuppen fallen,
Des argen Wahnes sollt’ ich mich begeben,
Daß Poesie die höchste Stuf’ erreiche,
Wenn Griechheit drin die Kräfte aufgeboten.
Dich sah ich, Tieck, den leichtbeschwingten Boten
Aus Südens Zone, der Romantik Reiche,
Im blüthenvollen Frühlingswalde gehen:
Da lag mir das _Antike_ schnell zerfallen!
Mit Dir, mit Dir mußt’ ich den Wald durchziehen,
Und Deines Liedes Zauber mich ergeben.
O, könnt’ ich halb den Ton nur wiedergeben,
Den Ton, geschaffen, tief ins Herz zu gehen,
Den Du im „Octavianus“ ließest fallen!
Der Märchenwelt, der herrisch Du geboten,
O könnt’ ich meine Muse ihr erziehen,
Aufschließen Wunder in dem Wunderreiche!
Umsonst! ich bin nicht mehr der Jugendreiche,
Dem Irrlicht hab’ ich meinen Lenz gegeben!
Die Furche naht, die Stirn mir zu beziehen,
Die Locke will zur Bleichung übergehen.
Dir nachzujagen ist mir drum verboten;
Mein Schloß der Phantasie steht fast verfallen.
So oft des Lenzes Boten aber ziehen,
Und Blüthen fallen, will zum Wald’ ich gehen,
Und Deine reiche Dichtung neu mir geben.
_Friedrich Raßmann_.
=Raumer, Karl v.=
Geb. am 9. April 1783 zu Wörlitz; zur Zeit der bekannten
Turnstreitigkeiten Professor in Breslau; seit 1827 an der
Universität in Erlangen; gelehrter und berühmter Verfasser
zahlreicher geognostischer und geographischer Werke; auch einer
Geschichte der Pädagogik, 3 Bde. (2 Aufl. 1846-52.)
Da wir leider keinen Brief seines Bruders _Friedrich_ mehr
vorfanden, weil diesem vertrautesten Freunde Tiecks sämmtliche
Blätter von seiner Handschrift geziert zu eigner Verwendung
zurückgestellt wurden, so wären an und für sich diese beiden
Schreiben des Herrn Prof. _Karl_ von Raumer schon höchst
willkommen gewesen, damit solch’ hochgeachteter Name in der
Sammlung nicht fehle. Doppelter Gewinn ist es nun, daß die
Zuschrift von 1832 durch ihren tiefen Gehalt unschätzbaren Werth
besitzt, und zu einem der anziehendsten Stücke im bunten Gemisch so
verschiedenartiger Expektorationen wird.
Für diejenigen, welche den Familienverhältnissen fremd blieben, sei
noch erwähnt, daß Frau von Raumer, eine Tochter Reichardt’s, die
Schwester der verstorbenen Johanna Steffens, und daß Ludwig Tiecks
Gemahlin ihrer Mutter Schwester war.