_Dresden_, 10ten April 1843.
Da nur die Briefe, welche eine Antwort erfordern, Ihnen unwillkommen
sind, so darf sich dieser wohl einer gütigen Aufnahme erfreun, weil ich
damit nichts weiter will, als daß Sie, verehrter Herr Geheimer Rath,
nur einen Augenblick an mich denken mögen. Auch verlange ich nicht,
daß Sie das beifolgende Buch lesen. Ich halte als ein eingerosteter
Legitimer so sehr auf alte, gute Gebräuche, daß ich Ihnen dieses Buch
aus verjährter Gewohnheit übersende, ohne mir einzubilden, meine
Schriften könnten Ihnen eine Unterhaltung gewähren. Es ist mir die
größte Freude, als Zeichen und Tribut wahrster Verehrung Ihnen zu
überreichen, was ich in den einsamen Winterabenden gesponnen habe.
Die Recensenten, welche es nun auf die Bleiche bringen und mit Wasser
begießen, werden nicht fein damit umgehn, zumal mit Stellen, wie die
Vorrede und ~pag.~ 36-41, 89-93 und 290-291. Wer dem Volke nicht
schmeichelt, ist jetzt der wahre Freimüthige.
Da jedermann an Ihnen den lebhaftesten Antheil nimmt, so bin ich über
Alles unterrichtet und habe mich über das Gute und besonders die
Wiederherstellung Ihrer Gesundheit herzlich erfreut.
Mein Leben geht in seiner, ich möchte sagen, bunten Einförmigkeit, halb
auf dem Lande, halb in der Stadt, so fort, wie Sie es kennen. Bei der
Academie und den Museen hat sich nichts verschlimmert. Ich wüßte Ihnen
also nichts Neues zu erzählen.
Meine Frau und ich empfehlen uns der Gräfin von Finkenstein bestens
und insbesondere wünscht meine Frau Ihrem Andenken freundschaftlichst
empfohlen zu seyn, so wie ich mit größter Verehrung verharre
Ihr
allerergebenster Diener
_v. Quandt_.
=Rahbek, Knud Lyne.=
Geb. zu Kopenhagen am 18. December 1760, gest. im Jahre 1830.
Ein fruchtbarer Schriftsteller, der vielerlei litterarische,
dramatische und andere poetische Werke herausgab -- z. B.
~Poetiske Forsoeg~ (Versuche), 2 Bde. (1794-1802) -- obwohl
ihn seine Landsleute nicht zu Dänemarks _ersten_ Dichtern
zählen.
Er docirte in verschiedenen Epochen von 1798 bis 1825 Aesthetik und
Geschichte, als Professor an der Kopenhagener Universität und am
Christians-Institut. Dazwischen durchreiste er mehrfach Deutschland
und Frankreich, mit besonderer Berücksichtigung litterarischer
und theatralischer Zustände, sammelte vielseitige Erfahrungen,
und wurde nach seiner Heimkehr Mitglied der Theater-Commission,
so wie auch Vorstand einer durch ihn ins Leben gerufenen, von der
Regierung gegründeten Theaterschule, die er zehn Jahre hindurch
geleitet hat.
_Hamburg_, am 2ten Jan. 1823.
Ich ergreife die Gelegenheit, da mein Freund und Collega, der Herr
Prof. Bang -- Freund und Verwandter unseres Freundes Steffens --
nach Dresden geht, um eine alte Schuld abzutragen, und Ihnen meinen
innigen Dank abzustatten, für die liberale Herzlichkeit, womit Sie
sich von Zeit zu Zeit so vieler meiner theuren hingeschiedenen
Zeitgenossen und Freunde annehmen, gegen die.. (_unlesbar_) des
jetzigen Zeitgeistes. Wahr ist es, wir mögen uns zu unserer Zeit
wohl ein Bischen übergeschätzt, wenigstens übergelobt (sagt man so,
_könnte_ man doch so sagen! würde mein Schwager Oehlenschläger
hinzufügen) haben; wie es denn nun wohl überhaupt eine etwas
überhöfliche Zeit war. Daß man aber in späteren Zeiten manchmal das
Kind mit dem Bade verschüttet, das haben Sie jetzt bei so mancher
Veranlassung, besonders in der Abendzeitung, so deutlich bewiesen,
daß mir, dem das Andenken seiner Hingeschiedenen über Alles werth
und theuer ist, das Herz dabei aufgegangen, und daß ich mich seit
Monaten mit dem Gedanken herumgetragen haben, Ihnen schriftlich Dank
auszusprechen im Namen meiner Schröder, Fleck, Iffland, Jünger und so
vieler der Meinigen; besonders da der freundliche Gruß, den Professor
Rosenvinge mir vor zwei Jahren von Ihnen brachte, mir die Freude
gewährt, daß Sie meiner mit Güte gedenken.
Ich werde Ihnen meinen Freund Bang nicht empfehlen, denn die
Empfehlung, die er in seinem gebildeten und feinen Geiste, in seinem
hellen Kopfe, in seinen mannigfaltigen Kenntnissen, und in seinem
liebenswerthen Charakter allenthalben mitbringt, macht ihm jede andere
Empfehlung überflüssig.
Eine andere Neuigkeit, die Sie als einen gerechten Schätzer unseres
trefflichen Holberg interessiren wird, kann ich mir nicht versagen
Ihnen zu melden: daß ich, durch eine Notiz in einem sehr gut gewählten,
in Copenhagen erschienenen Handbuch der deutschen poet. Litteratur
(von dem dasigen Professor F. C. Meyer) bewogen, Ihren alten Gryphius
durchgegangen bin, und mich -- gegen meine vorhergehegte Meinung --
überzeugt habe, daß Holberg nicht bloß manche Idee seines „Bramarbas,“
sondern auch die ~prima stamina~ mehrerer Stücke und Scenen dem
~Horribili scribifax~ verdanke. Ich habe in einem Aufsatze meines
Journales Hesperus diese Entdeckung dem dänischen Publiko mitgetheilt.
Wenn es Sie interessiren sollte diesen Aufsatz, so wie auch eine
eigene Schrift, die ich über Holberg im Geschmack der „~Etudes sur
Molière~“ geschrieben, zu kennen, bitte ich Sie es mir durch
meinen Freund B. wissen zu lassen, und ich werde die erste Gelegenheit
ergreifen, die sich darbietet sie zu übersenden.
Genehmigen Sie die Versicherung meiner innigsten Hochachtung, und
entschuldigen Sie wenn dieser Brief gar zu viele Spuren einer
undeutschen Feder an sich tragen sollte.