II.

_Leipzig_, am 29sten Fbr. 1828.

_Eure Wohlgeboren,

Höchstzuverehrender Herr Hofrath!_

Da ich in einigen Wochen Leipzig verlassen werde, so sehe ich mich

genöthigt, Ihnen diese Veränderung meines Wohnortes zu melden. Ich

werde nach Marktneukirchen, ein Städtchen im Voigtländischen Kreise

gehen. Wollten Eure Wohlgeboren noch so gütig seyn, mir Etwas über

das Lied vom Ritter Wahn zu schreiben, so würde mich zunächst eine

so erwünschte Nachricht dort treffen. Fast an jedem Posttage fragte

ich bei dem Buchhändler in der letztern Zeit, oder um die Wahrheit

einzugestehen, in jedem Monate in diesem Halbjahr an. Allein ich

hoffte, immer vergebens. Dieses aber betrübte mich um so mehr, da

ich jetzt bei Weiten schwieriger hier in Leipzig einen Buchhändler

ausmachen kann, der mir das Gedicht abnimmt, wenn Sie mir endlich das

Manuscript zurückschicken sollten. Sollten Sie, Herr Hofrath, Sich

noch nicht entschlossen haben, dieses Gedicht durchzulesen, so bitte

ich Sie nochmals recht herzlich darum. Sie werden gewiß finden, daß

-- mag auch meine Bearbeitung der Sage sehr nichtsnutzig seyn -- der

Stoff wenigstens vor Allem großartig und herrlich ist, so wie fast alle

Volksdichtungen, die durch Jahrhunderte sich gerungen haben. Möchten

Sie meiner und meines Wunsches in einer Stunde der Erholung gütig

gedenken! --

Mit dem aufrichtigen Wunsche, daß Ihnen Gott dauerhafte, freudige

Gesundheit verleihen möchte, damit Sie unbehindert den blühenden Garten

Ihrer Dichtkunst pflegen mögen, verbleibt

Eurer Wohlgeboren

beständiger Verehrer

_Julius Mosen_.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 57 / 309 题