die Belagerung von Pergamon begonnen, waehrend Antiochos mit dem
Hauptheer das pergamenische Gebiet und die Besitzungen der Mytilenaeer
auf dem Festland verwuestete; man hoffte, mit den verhassten Attaliden
fertig zu werden, bevor die roemische Hilfe erschien. Die roemische
Flotte ging nach Elaea und dem Hafen von Adramyttion, um den
Bundesgenossen zu helfen; allein da es dem Admiral an Truppen fehlte,
richtete er nichts aus. Pergamon schien verloren; aber die schlaff und
nachlaessig geleitete Belagerung gestattete dem Eumenes, achaeische
Hilfstruppen unter Diophanes in die Stadt zu werfen, deren kuehne und
glueckliche Ausfaelle die mit der Belagerung beauftragten gallischen
Soeldner des Antiochos dieselbe aufzuheben zwangen. Auch in den
suedlichen Gewaessern wurden die Entwuerfe des Antiochos vereitelt.
Die von Hannibal geruestete und gefuehrte Flotte versuchte, nachdem sie
lange durch die stehenden Westwinde zurueckgehalten worden war, endlich
in das Aegaeische Meer zu gelangen; allein an der Muendung des Eurymedon
vor Aspendos in Pamphylien traf sie auf ein rhodisches Geschwader
unter Eudamos, und in der Schlacht, die die beiden Flotten sich
hier lieferten, trug ueber Hannibals Taktik und ueber die numerische
Ueberzahl die Vorzueglichkeit der rhodischen Schiffe und Seeoffiziere
den Sieg davon - es war dies die erste Seeschlacht und die letzte
Schlacht gegen Rom, die der grosse Karthager schlug. Die siegreiche
rhodische Flotte stellte darauf sich bei Patara auf und hemmte hier die
beabsichtigte Vereinigung der beiden asiatischen Flotten. Im Aegaeischen
Meer ward die roemisch-rhodische Flotte bei Samos, nachdem sie durch
die Entsendung der pergamenischen Schiffe in den Hellespont zur
Unterstuetzung des dort eben anlangenden Landheers sich geschwaecht
hatte, nun ihrerseits von der des Polyxenidas angegriffen, der
jetzt neun Segel mehr zaehlte als der Gegner. Am 23. Dezember des
unberichtigten Kalenders, nach dem berichtigten etwa Ende August 564
(190), kam es zur Schlacht am Vorgebirg Myonnesos zwischen Teos und
Kolophon; die Roemer durchbrachen die feindliche Schlachtlinie und
umzingelten den linken Fluegel gaenzlich, so dass 42 Schiffe von ihnen
genommen wurden oder sanken. Viele Jahrhunderte nachher verkuendigte
den Roemern die Inschrift in saturnischem Mass ueber dem Tempel der
Seegeister, der zum Andenken dieses Sieges auf dem Marsfeld erbaut ward,
wie vor den Augen des Koenigs Antiochos und seines ganzen Landheers die
Flotte der Asiaten geschlagen worden und die Roemer also "den grossen
Zwist schlichteten und die Koenige bezwangen". Seitdem wagten die
feindlichen Schiffe nicht mehr, sich auf der offenen See zu zeigen
und versuchten nicht weiter, den Uebergang des roemischen Landheers zu
erschweren. Zur Fuehrung des Krieges auf dem asiatischen Kontinent
war in Rom der Sieger von Zama ausersehen worden, der in der Tat den
Oberbefehl fuehrte fuer den nominellen Hoechstkommandierenden, seinen
geistig unbedeutenden und militaerisch unfaehigen Bruder Lucius Scipio.
Die bisher in Unteritalien stehende Reserve ward nach Griechenland, das
Heer des Glabrio nach Asien bestimmt; als es bekannt ward, wer dasselbe
befehligen werde, meldeten sich freiwillig 5000 Veteranen aus dem
Hannibalischen Krieg, um noch einmal unter ihrem geliebten Fuehrer zu
fechten. Im roemischen Juli, nach der richtigen Zeit im Maerz fanden
die Scipionen sich bei dem Heere ein, um den asiatischen Feldzug zu
beginnen; allein man war unangenehm ueberrascht, als man statt dessen
sich zunaechst in einen endlosen Kampf mit den verzweifelnden Aetolern
verwickelt fand. Der Senat, der Flamininus' grenzenlose Ruecksichten
gegen die Hellenen uebertrieben fand, hatte den Aetolern die
Wahl gelassen zwischen Zahlung einer voellig unerschwinglichen
Kriegskontribution und unbedingter Ergebung, was sie aufs neue unter die
Waffen getrieben hatte; es war nicht abzusehen, wann dieser Gebirgs-
und Festungskrieg zu Ende gehen werde. Scipio beseitigte das unbequeme
Hindernis durch Verabredung eines sechsmonatlichen Waffenstillstandes
und trat darauf den Marsch nach Asien an. Da die eine feindliche Flotte
in dem Aegaeischen Meere nur blockiert war und die zweite, die aus
dem Suedmeer herankam, trotz des mit ihrer Fernhaltung beauftragten
Geschwaders taeglich dort eintreffen konnte, schien es ratsam, den
Landweg durch Makedonien und Thrakien einzuschlagen und ueber den
Hellespont zu gehen; hier waren keine wesentlichen Hindernisse zu
erwarten, da Koenig Philippos von Makedonien vollstaendig zuverlaessig,
auch Koenig Prusias von Bithynien mit den Roemern in Buendnis war und
die roemische Flotte leicht sich in der Meerenge festzusetzen vermochte.
Der lange und muehselige Weg laengs der makedonischen und thrakischen
Kueste ward ohne wesentlichen Verlust zurueckgelegt; Philippos sorgte
teils fuer Zufuhr, teils fuer freundliche Aufnahme bei den thrakischen
Wilden. Indes hatte man teils mit den Aetolern, teils auf dem Marsch
soviel Zeit verloren, dass das Heer erst etwa um die Zeit der Schlacht
von Myonnesos an dem Thrakischen Chersonesos anlangte. Aber Scipios
wunderbares Glueck raeumte wie einst in Spanien und Afrika so jetzt in
Asien alle Schwierigkeiten vor ihm aus dem Wege. Auf die Kunde von der
Schlacht bei Myonnesos verlor Antiochos so vollstaendig den Kopf, dass
er in Europa die starkbesetzte und verproviantierte Festung Lysimacheia
von der Besatzung und der dem Wiederhersteller ihrer Stadt treu
ergebenen Einwohnerschaft raeumen liess und dabei sogar vergass, die
Besatzungen aus Aenos und Maroneia gleichfalls herauszuziehen, ja die
reichen Magazine zu vernichten, am asiatischen Ufer aber der Landung der
Roemer nicht den geringsten Widerstand entgegensetzte, sondern waehrend
derselben sich in Sardes damit die Zeit vertrieb, auf das Schicksal zu
schelten. Es ist kaum zweifelhaft, dass, wenn er nur bis zu dem nicht
mehr fernen Ende des Sommers Lysimacheia haette verteidigen und sein
grosses Heer an den Hellespont vorruecken lassen, Scipio genoetigt
worden waere, auf dem europaeischen Ufer Winterquartier zu nehmen, in
einer militaerisch wie politisch keineswegs gesicherten Lage. Waehrend
die Roemer, am asiatischen Ufer ausgeschifft, einige Tage
stillstanden, um sich zu erholen und ihren durch religioese Pflichten
zurueckgehaltenen Fuehrer zu erwarten, trafen in ihrem Lager Gesandte
des Grosskoenigs ein, um ueber den Frieden zu unterhandeln. Antiochos
bot die Haelfte der Kriegskosten und die Abtretung seiner europaeischen
Besitzungen sowie der saemtlichen in Kleinasien zu Rom uebergetretenen
griechischen Staedte; allein Scipio forderte Kriegskosten und die
Aufgebung von ganz Kleinasien. Jene Bedingungen, erklaerte er, waeren
annehmbar gewesen, wenn das Heer noch vor Lysimacheia oder auch
diesseits des Hellespont staende; jetzt aber reichten sie nicht, wo
das Ross schon den Zaum, ja den Reiter fuehle. Die Versuche des
Grosskoenigs, von dem feindlichen Feldherrn in morgenlaendischer Art
den Frieden durch Geldsummen zu erkaufen - er bot die Haelfte seiner
Jahreseinkuenfte! -, scheiterten wie billig; fuer die unentgeltliche
Rueckgabe seines in Gefangenschaft geratenen Sohnes gab der stolze
Buerger dem Grosskoenig als Lohn den Freundesrat, auf jede Bedingung
Frieden zu schliessen. In der Tat stand es nicht so; haette der Koenig
sich zu entschliessen vermocht, den Krieg in die Laenge und in das
innere Asien zurueckweichend den Feind sich nachzuziehen, so war ein
guenstiger Ausgang noch keineswegs unmoeglich. Allein Antiochos, gereizt
durch den vermutlich berechneten Uebermut des Gegners und fuer jede
dauernde und konsequente Kriegfuehrung zu schlaff, eilte, seine
ungeheure, aber ungleiche und undisziplinierte Heermasse je eher desto
lieber dem Stoss der roemischen Legionen darzubieten. Im Tale des Hermos
bei Magnesia am Sipylos unweit Smyrna trafen im Spaetherbst 564 (190)
die roemischen Truppen auf den Feind. Er zaehlte nahe an 80000 Mann,
darunter 12000 Reiter; die Roemer, die von Achaeern, Pergamenern und
makedonischen Freiwilligen etwa 5000 Mann bei sich hatten, bei weitem
nicht die Haelfte; allein sie waren des Sieges so gewiss, dass sie nicht
einmal die Genesung ihres krank in Elaea zurueckgebliebenen Feldherrn
abwarteten, an dessen Stelle Gnaeus Domitius das Kommando uebernahm. Um
nur seine ungeheure Truppenzahl aufstellen zu koennen, bildete Antiochos
zwei Treffen; im ersten stand die Masse der leichten Truppen, die
Peltasten, Bogentraeger, Schleuderer, die berittenen Schuetzen der
Myser, Daher und Elymaeer, die Araber auf ihren Dromedaren und die
Sichelwagen; im zweiten hielt auf den beiden Fluegeln die schwere
Kavallerie (die Kataphrakten, eine Art Kuerassiere), neben ihnen im
Mitteltreffen das gallische und kappadokische Fussvolk und im Zentrum
die makedonisch bewaffnete Phalanx, 16000 Mann stark, der Kern des
Heeres, die aber auf dem engen Raum nicht Platz fand und sich in
Doppelgliedern 32 Mann tief aufstellen musste. In dem Zwischenraum der
beiden Treffen standen 54 Elefanten, zwischen die Haufen der Phalanx
und der schweren Reiterei verteilt. Die Roemer stellten auf den linken
Fluegel, wo der Fluss Deckung gab, nur wenige Schwadronen, die Masse der
Reiterei und die saemtlichen Leichtbewaffneten kamen auf den rechten,
den Eumenes fuehrte; die Legionen standen im Mitteltreffen. Eumenes
begann die Schlacht damit, dass er seine Schuetzen und Schleuderer gegen
die Sichelwagen schickte mit dem Befehl, auf die Bespannung zu halten;
in kurzer Zeit waren nicht bloss diese zersprengt, sondern auch die
naechststehenden Kamelreiter mit fortgerissen; schon geriet sogar im
zweiten Treffen der dahinterstehende linke Fluegel der schweren Reiterei
in Verwirrung. Nun warf sich Eumenes mit der ganzen roemischen Reiterei,
die 3000 Pferde zaehlte, auf die Soeldnerinfanterie, die im zweiten
Treffen zwischen der Phalanx und dem linken Fluegel der schweren
Reiterei stand, und da diese wich, flohen auch die schon in Unordnung
geratenen Kuerassiere. Die Phalanx, die eben die leichten Truppen
durchgelassen hatte und sich fertig machte, gegen die roemischen
Legionen vorzugehen, wurde durch den Angriff der Reiterei in der Flanke
gehemmt und genoetigt, stehenzubleiben und nach beiden Seiten Front zu
machen, wobei die tiefe Aufstellung ihr wohl zustatten kam. Waere die
schwere asiatische Reiterei zur Hand gewesen, so haette die Schlacht
wiederhergestellt werden koennen, aber der linke Fluegel war zersprengt,
und der rechte, den Antiochos selber anfuehrte, hatte, die kleine, ihm
gegenueberstehende roemische Reiterabteilung vor sich hertreibend, das
roemische Lager erreicht, wo man des Angriffs sich mit grosser Muehe
erwehrte. Darueber fehlten auf der Walstatt jetzt im entscheidenden
Augenblick die Reiter. Die Roemer hueteten sich wohl, die Phalanx mit
den Legionen anzugreifen, sondern sandten gegen sie die Schuetzen und
Schleuderer, denen in der dichtgedraengten Masse kein Geschoss fehlging.
Die Phalanx zog sich nichtsdestoweniger langsam und geordnet zurueck,
bis die in den Zwischenraeumen stehenden Elefanten scheu wurden und
die Glieder zerrissen. Damit loeste das ganze Heer sich auf in wilder
Flucht; ein Versuch, das Lager zu halten, misslang und mehrte nur
die Zahl der Toten und Gefangenen. Die Schaetzung des Verlustes des
Antiochos auf 50000 Mann ist bei der grenzenlosen Verwirrung nicht
unglaublich; den Roemern, deren Legionen gar nicht zum Schlagen gekommen
waren, kostete der Sieg, der ihnen den dritten Weltteil ueberlieferte,
24 Reiter und 300 Fusssoldaten. Kleinasien unterwarf sich, selbst
Ephesos, von wo der Admiral die Flotte eilig fluechten musste, und die
Residenzstadt Sardes. Der Koenig bat um Frieden und ging ein auf die von
den Roemern gestellten Bedingungen, die, wie gewoehnlich, keine anderen
waren als die vor der Schlacht gebotenen, als namentlich die Abtretung
Kleinasiens enthielten. Bis zu deren Ratifikation blieb das Heer in
Kleinasien auf Kosten des Koenigs, was ihm auf nicht weniger als 3000
Talente (5 Mill. Taler) zu stehen kam. Antiochos selber nach seiner
liederlichen Art verschmerzte bald den Verlust der Haelfte seines
Reiches; es sieht ihm gleich, dass er den Roemern fuer die Abnahme der
Muehe, ein allzugrosses Reich zu regieren, dankbar zu sein behauptete.
Aber Asien war mit dem Tage. von Magnesia aus der Reihe der Grossstaaten
gestrichen; und wohl niemals ist eine Grossmacht so rasch, so voellig
und so schmaehlich zugrunde gegangen wie das Seleukidenreich unter
diesem Antiochos dem Grossen. Er selbst ward bald darauf (567 187)
in Elymais oberhalb des Persischen Meerbusens bei der Pluenderung des
Beltempels, mit dessen Schaetzen er seine leeren Kassen zu fuellen
gekommen war, von den erbitterten Einwohnern erschlagen. Die roemische
Regierung hatte, nachdem der Sieg erfochten war, die Angelegenheiten
Kleinasiens und Griechenlands zu ordnen. Sollte hier die roemische
Herrschaft auf fester Grundlage errichtet werden, so genuegte dazu
keineswegs, dass Antiochos der Oberherrschaft in Vorderasien entsagt
hatte. Die politischen Verhaeltnisse daselbst sind oben dargelegt
worden. Die griechischen Freistaedte an der ionischen und aeolischen
Kueste sowie das ihnen wesentlich gleichartige pergamenische Koenigreich
waren allerdings die natuerlichen Traeger der neuen roemischen
Obergewalt, die auch hier wesentlich auftrat als Schirmherr der
stammverwandten Hellenen. Aber die Dynasten im inneren Kleinasien und
an der Nordkueste des Schwarzen Meeres hatten den Koenigen von Asien
laengst kaum noch ernstlich gehorcht, und der Vertrag mit Antiochos
allein gab den Roemern keine Gewalt ueber das Binnenland. Es war
unabweislich eine gewisse Grenze zu ziehen, innerhalb deren der
roemische Einfluss fortan massgebend sein sollte. Dabei fiel vor allem
ins Gewicht das Verhaeltnis der asiatischen Hellenen zu den seit
einem Jahrhundert daselbst angesiedelten Kelten. Diese hatten die
kleinasiatischen Landschaften foermlich unter sich verteilt und
ein jeder der drei Gaue erhob in seinem Brandschatzungsgebiet die
festgesetzten Tribute. Wohl hatte die Buergerschaft von Pergamon unter
der kraeftigen Fuehrung ihrer dadurch zu erblichem Fuerstentum gelangten
Vorsteher sich des unwuerdigen Joches entledigt, und die schoene
Nachbluete der hellenischen Kunst, welche kuerzlich der Erde wieder
entstiegen ist, ist erwachsen aus diesen letzten, von nationalem
Buergersinn getragenen hellenischen Kriegen. Aber es war ein kraeftiger
Gegenschlag, kein entscheidender Erfolg; wieder und wieder hatten die
Pergamener ihren staedtischen Frieden gegen die Einfaelle der wilden
Horden aus den oestlichen Gebirgen mit den Waffen zu vertreten gehabt,
und die grosse Mehrzahl der uebrigen Griechenstaedte ist wahrscheinlich
in der alten Abhaengigkeit verblieben ^4. Wenn Roms Schirmherrschaft
ueber die Hellenen auch in Asien mehr als ein Name sein sollte, so
musste dieser Tributpflichtigkeit ihrer neuen Klienten ein Ziel gesetzt
werden; und da die roemische Politik den Eigenbesitz und die damit
verknuepfte stehende Besetzung des Landes zur Zeit in Asien noch viel
mehr als auf der griechisch-makedonischen Halbinsel ablehnte, so blieb
in der Tat nichts anderes uebrig, als bis zu der Grenze, welche Roms
Machtgebiet gesteckt werden sollte, auch Roms Waffen zu tragen und bei
den Kleinasiaten ueberhaupt, vor allem aber in den Keltengauen die
neue Oberherrlichkeit mit der Tat einzusetzen.
---------------------------------- ^4 Aus dem erwaehnten Dekret von
Lampsakos geht mit ziemlicher Sicherheit hervor, dass die Lampsakener
bei den Massalioten nicht bloss Verwendung in Rom erbaten, sondern auch
Verwendung bei den Tolistoagiern (so heissen die sonst Tolistoboger
genannten Kelten in dieser Urkunde und in der pergamenischen Inschrift
CIG 3536, den aeltesten Denkmaelern, die sie erwaehnen). Danach sind
wahrscheinlich die Lampsakener noch um die Zeit des Philippischen
Krieges diesem Gau zinsbar gewesen (vgl. Liv. 38, 16).
--------------------------------- Dies hat der neue roemische
Oberfeldherr Gnaeus Manlius Volso getan, der den Lucius Scipio in
Kleinasien abloeste. Es ist ihm dies zum schweren Vorwurf gemacht
worden; die der neuen Wendung der Politik abgeneigten Maenner im Senat
vermissten bei dem Kriege den Zweck wie den Grund. Den ersteren Tadel
gegen diesen Zug insbesondere zu erheben, ist nicht gerechtfertigt;
derselbe war vielmehr, nachdem der roemische Staat sich in die
hellenischen Verhaeltnisse, so, wie es geschehen war, eingemischt
hatte, eine notwendige Konsequenz dieser Politik. Ob das hellenische
Gesamtpatronat fuer Rom das richtige war, kann gewiss in Zweifel gezogen
werden; aber von dem Standpunkt aus betrachtet, den Flamininus und
die von ihm gefuehrte Majoritaet nun einmal genommen hatten, war die
Niederwerfung der Galater in der Tat eine Pflicht der Klugheit wie
der Ehre. Besser begruendet ist der Vorwurf, dass es zur Zeit an einem
rechten Kriegsgrund gegen dieselben fehlte; denn eigentlich im Bunde mit
Antiochos hatten sie nicht gestanden, sondern ihn nur nach ihrem
Brauch in ihrem Lande Mietstruppen anwerben lassen. Aber dagegen fiel
entscheidend ins Gewicht, dass die Sendung einer roemischen
Truppenmacht nach Asien der roemischen Buergerschaft nur unter ganz
ausserordentlichen Verhaeltnissen angesonnen werden konnte und, wenn
einmal eine derartige Expedition notwendig war, alles dafuer sprach,
sie sogleich und mit dem einmal in Asien stehenden siegreichen Heere
auszufuehren. So wurde, ohne Zweifel unter dem Einfluss des Flamininus
und seiner Gesinnungsgenossen im Senat, im Fruehjahr 565 (189) der
Feldzug in das innere Kleinasien unternommen. Der Konsul brach von
Ephesos auf, brandschatzte die Staedte und Fuersten am oberen Maeander
und in Pamphylien ohne Mass und wandte sich darauf nordwaerts gegen die
Kelten. Der westliche Kanton derselben, die Tolistoager, hatte sich auf
den Berg Olympos, der mittlere, die Tectosagen, auf den Berg Magaba mit
Hab und Gut zurueckgezogen, in der Hoffnung, dass sie sich hier wuerden
verteidigen koennen, bis der Winter die Fremden zum Abzug zwaenge.
Allein die Geschosse der roemischen Schleuderer und Schuetzen, die gegen
die damit unbekannten Kelten so oft den Ausschlag gaben, fast wie in
neuerer Zeit das Feuergewehr gegen die wilden Voelker, erzwangen die
Hoehen, und die Kelten unterlagen in einer jener Schlachten, wie sie gar
oft frueher und spaeter am Po und an der Seine geliefert worden
sind, die aber hier so seltsam erscheint wie das ganze Auftreten des
nordischen Stammes unter den griechischen und phrygischen Nationen. Die
Zahl der Erschlagenen und mehr noch die der Gefangenen war an beiden
Stellen ungeheuer. Was uebrig blieb, rettete sich ueber den Halys zu
dem dritten keltischen Gau der Trocmer, welche der Konsul nicht angriff.
Dieser Fluss war die Grenze, an welcher die damaligen Leiter der
roemischen Politik beschlossen hatten innezuhalten. Phrygien, Bithynien,
Paphlagonien sollten von Rom abhaengig werden; die weiter oestlich
gelegenen Landschaften ueberliess man sich selber. Die Regulierung der
kleinasiatischen Verhaeltnisse erfolgte teils durch den Frieden mit
Antiochos (565 189), teils durch die Festsetzungen einer roemischen
Kommission, der der Konsul Volso vorstand. Ausser der Stellung von
Geiseln, darunter seines juengeren gleichnamigen Sohnes, und einer nach
dem Mass der Schaetze Asiens bemessenen Kriegskontribution von 15000
euboeischen Talenten (25« Mill. Taler), davon der fuenfte Teil sogleich,
der Rest in zwoelf Jahreszielern zu entrichten war, wurde Antiochos
auferlegt die Abtretung seines gesamten europaeischen Laenderbesitzes
und in Kleinasien aller seiner Besitzungen und Rechtsansprueche
noerdlich vom Taurusgebirge und westlich von der Muendung des Kestros
zwischen Aspendos und Perge in Pamphylien, so dass ihm in Vorderasien
nichts blieb als das oestliche Pamphylien und Kilikien. Mit dem Patronat
ueber die vorderasiatischen Koenigreiche und Herrschaften war es
natuerlich vorbei. Asien oder, wie das Reich der Seleukiden von da an
gewoehnlich und angemessener genannt wird, Syrien verlor das Recht,
gegen die westlichen Staaten Angriffskriege zu fuehren und im Fall eines
Verteidigungskrieges von ihnen beim Frieden Land zu gewinnen, das
Recht, das Meer westlich von der Kalykadnosmuendung in Kilikien mit
Kriegsschiffen zu befahren, ausser um Gesandte, Geiseln oder Tribut zu
bringen, ueberhaupt Deckschiffe ueber zehn zu halten, ausser im Fall
eines Verteidigungskrieges, und Kriegselefanten zu zaehmen, endlich
das Recht, in den westlichen Staaten Werbungen zu veranstalten oder
politische Fluechtlinge und Ausreisser daraus bei sich aufzunehmen. Die
Kriegsschiffe, die er ueber die bestimmte Zahl besass, die Elefanten und
die politischen Fluechtlinge, welche bei ihm sich befanden, lieferte er
aus. Zur Entschaedigung erhielt der Grosskoenig den Titel eines Freundes
der roemischen Buergergemeinde. Der Staat Syrien war hiermit zu Lande
und auf dem Meer vollstaendig aus dem Westen verdraengt und fuer immer;
es ist bezeichnend fuer die kraft- und zusammenhanglose Organisation des
Seleukidenreichs, dass dasselbe allein unter allen von Rom ueberwundenen
Grossstaaten nach der ersten Ueberwindung niemals eine zweite
Entscheidung durch die Waffen begehrt hat. Die beiden Armenien, bisher
wenigstens dem Namen nach asiatische Satrapien, verwandelten sich, wenn
nicht gerade in Gemaessheit des roemischen Friedensvertrages, doch unter
dessen Einfluss in selbstaendige Koenigreiche und ihre Inhaber Artaxias
und Zariadris wurden Gruender neuer Dynastien. Koenig Ariarathes
von Kappadokien kam, da sein Land ausserhalb der von den Roemern
bezeichneten Grenze ihrer Klientel lag, mit einer Geldbusse von 600
Talenten (1 Mill. Taler) davon, die dann noch auf die Fuerbitte seines
Schwiegersohnes Eumenes auf die Haelfte herabgesetzt ward. Koenig
Prusias von Bithynien behielt sein Gebiet, wie es war, ebenso die
Kelten; doch mussten diese geloben, nicht ferner bewaffnete Haufen ueber
die Grenze zu senden, und die schimpflichen Tribute der kleinasiatischen
Staedte hatten ein Ende. Die asiatischen Griechen ermangelten nicht,
diese allerdings allgemein und nachhaltig empfundene Wohltat mit
goldenen Kraenzen und den transzendentalsten Lobreden zu vergelten. In
Vorderasien war die Besitzregulierung nicht ohne Schwierigkeit, zumal da
hier die dynastische Politik des Eumenes mit der der griechischen Hansa
kollidierte; endlich gelang es, sich in folgender Art zu verstaendigen.
Allen griechischen Staedten, die am Tage der Schlacht von Magnesia frei
und den Roemern beigetreten waren, wurde ihre Freiheit bestaetigt
und sie alle mit Ausnahme der bisher dem Eumenes zinspflichtigen der
Tributzahlung an die verschiedenen Dynasten fuer die Zukunft enthoben.
So wurden namentlich frei die Staedte Dardanos und Ilion, die alten
Stammgenossen der Roemer von Aeneas' Zeiten her, ferner Kyme, Smyrna,
Klazomenae, Erythrae, Chios, Kolophon, Miletos und andere altberuehmte
Namen. Phokaea, das gegen die Kapitulation von den roemischen
Flottensoldaten gepluendert worden war, erhielt zum Ersatz dafuer,
obwohl es nicht unter die im Vertrag bezeichnete Kategorie fiel,
ausnahmsweise gleichfalls seine Mark zurueck und die Freiheit. Den
meisten Staedten der griechisch-asiatischen Hansa wurden ueberdies
Gebietserweiterungen und andere Vorteile zuteil. Am besten ward