ihrem Hoehepunkt stand. ------------------------------------------

^3 Wir haben dafuer das Zeugnis des Polybios (28, 1), das die weitere

Geschichte Judaeas vollkommen bestaetigt; Eusebios (chron. p. 117 Mai)

irrt, wenn er Philometor zum Herrn von Syrien macht. Allerdings finden

wir, dass um 567 (187) syrische Steuerpaechter ihre Abgaben nach

Alexandreia zahlen (Ios. ant. Iud. 12, 4, 7); allein ohne Zweifel

geschah dies unbeschadet der Souveraenitaetsrechte nur deswegen, weil

die Mitgift der Kleopatra auf diese Stadtgefaelle angewiesen war;

und eben daher entsprang spaeter vermutlich der Streit.

------------------------------------------- Waehrend also von langer

Hand und im weitesten Umfang der Sturm gegen Rom vorbereitet ward, waren

es wie immer die in diese Unternehmung verwickelten Hellenen, die am

wenigsten bedeuteten und am wichtigsten und ungeduldigsten taten. Die

erbitterten und uebermuetigen Aetoler fingen nachgerade selber an zu

glauben, dass Philippos von ihnen und nicht von den Roemern ueberwunden

worden sei, und konnten es gar nicht erwarten, dass Antiochos in

Griechenland einruecke. Ihre Politik ist charakterisiert durch die

Antwort, die ihr Strateg bald darauf dem Flamininus gab, da derselbe

eine Abschrift der Kriegserklaerung gegen Rom begehrte: die werde er

selber ihm ueberbringen, wenn das aetolische Heer am Tiber lagern werde.

Die Aetoler machten die Geschaeftstraeger des syrischen Koenigs

fuer Griechenland und taeuschten beide Teile, indem sie dem Koenig

vorspiegelten, dass alle Hellenen die Arme nach ihm als ihrem rechten

Erloeser, ausstreckten, und denen, die in Griechenland auf sie hoeren

wollten, dass die Landung des Koenigs naeher sei, als sie wirklich war.

So gelang es ihnen in der Tat, den einfaeltigen Eigensinn des Nabis zum

Losschlagen zu bestimmen und damit in Griechenland das Kriegsfeuer

zwei Jahre nach Flamininus' Entfernung, im Fruehling 562 (192) wieder

anzufachen; allein sie verfehlten damit ihren Zweck. Nabis warf sich auf

Gythion, eine der durch den letzten Vertrag an die Achaeer gekommenen

Staedte der freien Lakonen und nahm sie ein, allein der kriegserfahrene

Strateg, der Achaeer Philopoemen, schlug ihn an den Barbosthenischen

Bergen und kaum den vierten Teil seines Heeres brachte der Tyrann wieder

in seine Hauptstadt zurueck, in der Philopoemen ihn einschloss. Da

ein solcher Anfang freilich nicht genuegte, um Antiochos nach Europa

zufuehren, beschlossen die Aetoler, sich selber in den Besitz von

Sparta, Chalkis und Demetrias zu setzen und durch den Gewinn dieser

wichtigen Staedte den Koenig zur Einschiffung zu bestimmen. Zunaechst

gedachte man sich Spartas dadurch zu bemaechtigen, dass der Aetoler

Alexamenos, unter dem Vorgeben, bundesmaessigen Zuzug zu bringen, mit

1000 Mann in die Stadt einrueckend, bei dieser Gelegenheit den Nabis aus

dem Wege raeume und die Stadt besetze. Es geschah so und Nabis ward bei

einer Heerschau erschlagen; allein als die Aetoler darauf, um die Stadt

zu pluendern, sich zerstreuten, fanden die Lakedaemonier Zeit sich zu

sammeln und machten sie bis auf den letzten Mann nieder. Die Stadt

liess darauf von Philopoemen sich bestimmen, in den Achaeischen

Bund einzutreten. Nachdem den Aetolern dies loebliche Projekt also

verdientermassen nicht bloss gescheitert war, sondern gerade den

entgegengesetzten Erfolg gehabt hatte, fast den ganzen Peloponnes in den

Haenden der Gegenpartei zu einigen, ging es ihnen auch in Chalkis wenig

besser, indem die roemische Partei daselbst gegen die Aetoler und die

chalkidischen Verbannten die roemisch gesinnten Buergerschaften von

Eretria und Karystos auf Euboea rechtzeitig herbeirief. Dagegen glueckte

die Besetzung von Demetrias, da die Magneten, denen die Stadt zugefallen

war, nicht ohne Grund fuerchteten, dass sie von den Roemern dem

Philippos als Preis fuer die Hilfe gegen Antiochos versprochen sei;

es kam hinzu, dass mehrere Schwadronen aetolischer Reiter unter dem

Vorwende, dem Eurylochos, dem zurueckgerufenen Haupt der Opposition

gegen Rom, das Geleite zu geben, sich in die Stadt einzuschleichen

wussten. So traten die Magneten halb freiwillig, halb gezwungen auf

die Seite der Aetoler, und man saeumte nicht, dies bei dem Seleukiden

geltend zu machen. Antiochos entschloss sich. Der Bruch mit Rom, so

sehr man auch bemueht war, ihn durch das diplomatische Palliativ der

Gesandtschaften hinauszuschieben, liess sich nicht laenger vermeiden.

Schon im Fruehling 561 (193) hatte Flamininus, der fortfuhr, im Senat

in den oestlichen Angelegenheiten das entscheidende Wort zu haben, gegen

die Boten des Koenigs Menippos und Hegesianax das roemische Ultimatum

ausgesprochen: entweder aus Europa zu weichen und in Asien nach seinem

Gutduenken zu schalten, oder Thrakien zu behalten und das Schutzrecht

der Roemer ueber Smyrna, Lampsakos und Alexandreia Troas sich gefallen

zu lassen. Dieselben Forderungen waren in Ephesos, dem Hauptwaffenplatz

und Standquartier des Koenigs in Kleinasien, im Fruehling 562 (192) noch

einmal zwischen Antiochos und den Gesandten des Senats Publius Sulpicius

und Publius Villius, verhandelt worden, und von beiden Seiten hatte man

sich getrennt mit der Ueberzeugung, dass eine friedliche Einigung nicht

mehr moeglich sei. In Rom war seitdem der Krieg beschlossen. Schon im

Sommer 562 (192) erschien eine roemische Flotte von 30 Segeln mit

3000 Soldaten an Bord unter Aulus Atilius Serranus vor Gythion, wo

ihr Eintreffen den Abschluss des Vertrags zwischen den Achaeern und

Spartanern beschleunigte; die sizilische und italische Ostkueste wurde

stark besetzt, um gegen etwaige Landungsversuche gesichert zu sein;

fuer den Herbst ward in Griechenland ein Landheer erwartet.

Flamininus bereiste im Auftrag des Senats seit dem Fruehjahr 562 (192)

Griechenland, um die Intrigen der Gegenpartei zu hintertreiben und

soweit moeglich die unzeitige Raeumung Griechenlands wiedergutzumachen.

Bei den Aetolern war es schon so weit gekommen, dass die Tagsatzung

foermlich den Krieg gegen Rom beschloss. Dagegen gelang es dem

Flamininus, Chalkis fuer die Roemer zu retten, indem er eine Besatzung

von 500 Achaeern und 500 Pergamenern hineinwarf. Er machte ferner einen

Versuch, Demetrias wieder zu gewinnen; und die Magneten schwankten. Wenn

auch einige kleinasiatische Staedte, die Antiochos vor dem Beginn des

grossen Krieges zu bezwingen sich vorgenommen, noch widerstanden, er

durfte jetzt nicht laenger mit der Landung zoegern, wofern er nicht die

Roemer all die Vorteile wiedergewinnen lassen wollte, die sie durch

die Wegziehung ihrer Besatzungen aus Griechenland zwei Jahre zuvor

aufgegeben hatten. Antiochos nahm die Schiffe und Truppen zusammen, die

er eben unter der Hand hatte - es waren nur 40 Deckschiffe und 10000

Mann zu Fuss nebst 500 Pferden und sechs Elefanten - und brach vom

thrakischen Chersonesos nach Griechenland auf, wo er im Herbst 562 (192)

bei Pteleon am Pagasaeischen Meerbusen an das Land stieg und sofort das

nahe Demetrias besetzte. Ungefaehr um dieselbe Zeit landete auch ein

roemisches Heer von etwa 25000 Mann unter dem Praetor Marcus Baebius bei

Apollonia. Also war von beiden Seiten der Krieg begonnen. Es kam darauf

an, wie weit jene umfassend angelegte Koalition gegen Rom, als deren

Haupt Antiochos auftrat, sich realisieren werde. Was zunaechst den Plan

betraf, in Karthago und Italien den Roemern Feinde zu erwecken, so

traf Hannibal wie ueberall so auch am Hof zu Ephesos das Los, seine

grossartigen und hochherzigen Plaene fuer kleinkraemerischer und

niedriger Leute Rechnung entworfen zu haben. Zu ihrer Ausfuehrung

geschah nichts, als dass man einige karthagische Patrioten

kompromittierte; den Karthagern blieb keine andere Wahl, als sich den

Roemern unbedingt botmaessig zu erweisen. Die Kamarilla wollte eben

den Hannibal nicht - der Mann war der Hofkabale zu unbequem gross, und

nachdem sie allerlei abgeschmackte Mittel versucht hatte, zum Beispiel

den Feldherrn, mit dessen Namen die Roemer ihre Kinder schreckten, des

Einverstaendnisses mit den roemischen Gesandten zu bezichtigen, gelang

es ihr, den grossen Antiochos, der wie alle unbedeutenden Monarchen auf

seine Selbstaendigkeit sich viel zugute tat und mit nichts so leicht zu

beherrschen war wie mit der Furcht, beherrscht zu werden, auf den weisen

Gedanken zu bringen, dass er sich nicht durch den vielgenannten Mann

duerfe verdunkeln lassen; worauf denn im hohen Rat beschlossen ward, den

Phoeniker kuenftig nur fuer untergeordnete Aufgaben und zum Ratgeben zu

verwenden, vorbehaltlich natuerlich den Rat nie zu befolgen. Hannibal

raechte sich an dem Gesindel, indem er jeden Auftrag annahm und jeden

glaenzend ausfuehrte. In Asien hielt Kappadokien zu dem Grosskoenig;

dagegen trat Prusias von Bithynien wie immer auf die Seite des

Maechtigeren. Koenig Eumenes blieb der alten Politik seines Hauses

getreu, die ihm erst jetzt die rechte Frucht tragen sollte. Er hatte

Antiochos' Anerbietungen nicht bloss beharrlich zurueckgewiesen, sondern

auch die Roemer bestaendig zu einem Kriege gedraengt, von dem er die

Vergroesserung seines Reiches erwartete. Ebenso schlossen die Rhodier

und die Byzantier sich ihren alten Bundesgenossen an. Auch Aegypten trat

auf die Seite Roms und bot Unterstuetzung an Zufuhr und Mannschaft an,

welche man indes roemischerseits nicht annahm. In Europa kam es vor

allem an auf die Stellung, die Philippos von Makedonien einnehmen

wuerde. Vielleicht waere es die richtige Politik fuer ihn gewesen, sich,

alles Geschehenen und nicht Geschehenen ungeachtet, mit Antiochos

zu vereinigen; allein Philippos ward in der Regel nicht durch solche

Ruecksichten bestimmt, sondern durch Neigung und Abneigung,

und begreiflicherweise traf sein Hass viel mehr den treulosen

Bundesgenossen, der ihn gegen den gemeinschaftlichen Feind im Stich

gelassen hatte, um dafuer auch seinen Anteil an der Beute einzuziehen

und ihm in Thrakien ein laestiger Nachbar zu werden, als seinen

Besieger, der ihn ruecksichts- und ehrenvoll behandelt hatte. Es kam

hinzu, dass Antiochos durch Aufstellung abgeschmackter Praetendenten

auf die makedonische Krone und durch die prunkvolle Bestattung der bei

Kynoskephalae bleichenden makedonischen Gebeine den leidenschaftlichen

Mann tief verletzte. Er stellte seine ganze Streitmacht mit aufrichtigem

Eifer den Roemern zur Verfuegung. Ebenso entschieden wie die erste Macht

Griechenlands hielt die zweite, die Achaeische Eidgenossenschaft fest am

roemischen Buendnis; von den kleineren Gemeinden blieben ausserdem dabei

die Thessaler und die Athener, bei welchen letzteren eine von

Flamininus in die Burg gelegte achaeische Besatzung die ziemlich starke

Patriotenpartei zur Vernunft brachte. Die Epeiroten gaben sich Muehe, es

womoeglich beiden Teilen recht zu machen. Sonach traten auf Antiochos'

Seite ausser den Aetolern und den Magneten, denen ein Teil der

benachbarten Perrhaeber sich anschloss, nur der schwache Koenig der

Athamanen, Amynander, der sich durch toerichte Aussichten auf die

makedonische Koenigskrone blenden liess, die Boeoter, bei denen die

Opposition gegen Rom noch immer am Ruder war, und im Peloponnes die

Eleer und Messenier, gewohnt, mit den Aetolern gegen die Achaeer

zu stehen. Das war denn freilich ein erbaulicher Anfang; und der

Oberfeldherrntitel mit unumschraenkter Gewalt, den die Aetoler dem

Grosskoenig dekretierten, schien zu dem Schaden der Spott. Man hatte

sich eben wie gewoehnlich beiderseits belogen: statt der unzaehlbaren

Scharen Asiens fuehrte der Koenig eine Armee heran, kaum halb so stark

wie ein gewoehnliches konsularisches Heer, und statt der offenen

Arme, die saemtliche Hellenen ihrem Befreier vom roemischen Joch

entgegenstrecken sollten, trugen ein paar Klephtenhaufen und einige

verliederlichte Buergerschaften dem Koenig Waffenbruederschaft an.

Fuer den Augenblick freilich war Antiochos den Roemern im eigentlichen

Griechenland zuvorgekommen. Chalkis hatte Besatzung von den griechischen

Verbuendeten der Roemer und wies die erste Aufforderung zurueck;

allein die Festung ergab sich, als Antiochos mit seiner ganzen Macht

davorrueckte, und eine roemische Abteilung, die zu spaet kam, um sie zu

besetzen, wurde beim Delion von Antiochos vernichtet. Euboea also war

fuer die Roemer verloren. Noch machte schon im Winter Antiochos in

Verbindung mit den Aetolern und Athamanen einen Versuch, Thessalien zu

gewinnen; die Thermopylen wurden auch besetzt, Pherae und andere Staedte

genommen, aber Appius Claudius kam mit 2000 Mann von Apollonia heran,

entsetzte Larisa und nahm hier Stellung. Antiochos, des Winterfeldzugs

muede, zog es vor, in sein lustiges Quartier nach Chalkis

zurueckzugehen, wo es hoch herging und der Koenig sogar trotz seiner

fuenfzig Jahre und seiner kriegerischen Plaene mit einer huebschen

Chalkidierin Hochzeit machte. So verstrich der Winter 562/63 (192/91),

ohne dass Antiochos viel mehr getan haette als in Griechenland hin-

und herschreiben - er fuehre den Krieg mit Tinte und Feder, sagte

ein roemischer Offizier. Mit dem ersten Fruehjahr 563 (191) traf der

roemische Stab bei Apollonia ein, der Oberfeldherr Manius Acilius

Glabrio, ein Mann von geringer Herkunft, aber ein tuechtiger, von den

Feinden wie von seinen Soldaten gefuerchteter Feldherr, der Admiral

Gaius Livius, unter den Kriegstribunen Marcus Porcius Cato,

der Ueberwinder Spaniens, und Lucius Valerius Flaccus, die nach

altroemischer Weise es nicht verschmaehten, obwohl gewesene Konsuln,

wieder als einfache Kriegstribune in das Heer einzutreten. Mit sich

brachten sie Verstaerkungen an Schiffen und Mannschaft, darunter

numidische Reiter und libysche Elefanten, von Massinissa gesendet, und

die Erlaubnis des Senats, von den ausseritalischen Verbuendeten bis zu

5000 Mann Hilfstruppen anzunehmen, wodurch die Gesamtzahl der roemischen

Streitkraefte auf etwa 40000 Mann stieg. Der Koenig, der im Anfang des

Fruehjahrs sich zu den Aetolern begeben und von da aus eine zwecklose

Expedition nach Akarnanien gemacht hatte, kehrte auf die Nachricht von

Glabrios Landung in sein Hauptquartier zurueck, um nun in allem Ernst

den Feldzug zu beginnen. Allein durch seine und seiner Stellvertreter in

Asien Saumseligkeit waren unbegreiflicherweise ihm alle Verstaerkungen

ausgeblieben, so dass er nichts hatte als das schwache und nun noch

durch Krankheit und Desertion in den liederlichen Winterquartieren

dezimierte Heer, womit er im Herbst des vorigen Jahres bei Pteleon

gelandet war. Auch die Aetoler, die so ungeheure Massen hatten ins Feld

stellen wollen, fuehrten jetzt, da es galt, ihrem Oberfeldherrn nicht

mehr als 4000 Mann zu. Die roemischen Truppen hatten bereits die

Operationen in Thessalien begonnen, wo die Vorhut in Verbindung mit dem

makedonischen Heer die Besatzungen des Antiochos aus den thessalischen

Staedten hinausschlug und das Gebiet der Athamanen besetzte. Der Konsul

mit der Hauptarmee folgte nach; die Gesamtmacht der Roemer sammelte sich

in Larisa. Statt eilig nach Asien zurueckzukehren und vor dem in jeder

Hinsicht ueberlegenen Feind das Feld zu raeumen, beschloss Antiochos,

sich in den von ihm besetzten Thermopylen zu verschanzen und dort die

Ankunft des grossen Heeres aus Asien abzuwarten. Er selbst stellte

in dem Hauptpass sich auf und befahl den Aetolern, den Hochpfad zu

besetzen, auf welchem es einst Xerxes gelungen war, die Spartaner zu

umgehen. Allein nur der Haelfte des aetolischen Zuzugs gefiel es, diesem

Befehl des Oberfeldherrn nachzukommen; die uebrigen 2000 Mann warfen

sich in die nahe Stadt Herakleia, wo sie an der Schlacht keinen andern

Teil nahmen, als dass sie versuchten, waehrend derselben das roemische

Lager zu ueberfallen und auszurauben. Auch die auf dem Gebirg postierten

Aetoler betrieben den Wachdienst laessig und widerwillig; ihr Posten

auf dem Kallidromos liess sich von Cato ueberrumpeln, und die asiatische

Phalanx, die der Konsul mittlerweile von vorn angegriffen hatte, stob

auseinander, als ihr die Roemer den Berg hinabeilend in die Flanke

fielen. Da Antiochos fuer nichts gesorgt und an den Rueckzug nicht

gedacht hatte, so ward das Heer teils auf dem Schlachtfeld, teils auf

der Flucht vernichtet; kaum dass ein kleiner Haufen Demetrias, und der

Koenig selbst mit 500 Mann Chalkis erreichte. Eilig schiffte er sich

nach Ephesos ein; Europa war bis auf die thrakischen Besitzungen ihm

verloren und nicht einmal die Festungen laenger zu verteidigen. Chalkis

ergab sich an die Roemer, Demetrias an Philippos, dem als Entschaedigung

fuer die fast schon von ihm vollendete und dann auf Befehl des Konsuls

aufgegebene Eroberung der Stadt Lamia in Achaia Phthiotis die Erlaubnis

ward, sich der saemtlichen zu Antiochos uebergetretenen Gemeinden im

eigentlichen Thessalien und selbst des aetolischen Grenzgebiets, der

dolopischen und aperantischen Landschaften, zu bemaechtigen. Was sich in

Griechenland fuer Antiochos ausgesprochen hatte, eilte, seinen

Frieden zu machen: die Epeiroten baten demuetig um Verzeihung fuer ihr

zweideutiges Benehmen, die Boeoter ergaben sich auf Gnade und Ungnade,

die Eleer und Messenier fuegten, die letzteren nach einigem Straeuben,

sich den Achaeern. Es erfuellte sich, was Hannibal dem Koenig

vorhergesagt hatte, dass auf die Griechen, die jedem Sieger sich

unterwerfen wuerden, schlechterdings gar nichts ankomme. Selbst die

Aetoler versuchten, nachdem ihr in Herakleia eingeschlossenes Korps nach

hartnaeckiger Gegenwehr zur Kapitulation gezwungen worden war, mit den

schwer gereizten Roemern ihren Frieden zu machen; indes die strengen

Forderungen des roemischen Konsuls und eine rechtzeitig von Antiochos

einlaufende Geldsendung gaben ihnen den Mut, die Verhandlungen noch

einmal abzubrechen und waehrend zwei ganzer Monate die Belagerung in

Naupaktos auszuhalten. Schon war die Stadt aufs Aeusserste gebracht und

die Erstuermung oder die Kapitulation nicht mehr fern, als Flamininus,

fortwaehrend bemueht, jede hellenische Gemeinde vor den aergsten Folgen

ihres eigenen Unverstandes und vor der Strenge seiner rauheren Kollegen

zu bewahren, sich ins Mittel schlug und zunaechst einen leidlichen

Waffenstillstand zustande brachte. Damit ruhten in ganz Griechenland,

vorlaeufig wenigstens, die Waffen. Ein ernsterer Krieg stand in Asien

bevor, den nicht so sehr der Feind, als die weite Entfernung und

die unsichere Verbindung mit der Heimat in sehr bedenklichem Licht

erscheinen liessen, waehrend doch bei Antiochos' kurzsichtigem Eigensinn

der Krieg nicht wohl anders als durch einen Angriff im eigenen Lande

des Feindes beendet werden konnte. Es galt zunaechst, sich der See

zu versichern. Die roemische Flotte, die waehrend des Feldzugs

in Griechenland die Aufgabe gehabt hatte, die Verbindung zwischen

Griechenland und Kleinasien zu unterbrechen, und der es auch gelungen

war, um die Zeit der Schlacht bei den Thermopylen einen starken

asiatischen Transport bei Andros aufzugreifen, war seitdem beschaeftigt,

den Uebergang der Roemer nach Asien fuer das naechste Jahr vorzubereiten

und zunaechst die feindliche Flotte aus dem Aegaeischen Meer zu

vertreiben. Dieselbe lag im Hafen von Kyssus auf dem suedlichen Ufer der

gegen Chios auslaufenden Landzunge Ioniens; dort suchte die roemische

sie auf, bestehend aus 75 roemischen, 23 pergamenischen und sechs

karthagischen Deckschiffen unter der Fuehrung des Gaius Livius. Der

syrische Admiral Polyxenidas, ein rhodischer Emigrierter, hatte nur 70

Deckschiffe entgegenzustellen; allein da die roemische Flotte noch

die rhodischen Schiffe erwartete und Polyxenidas auf die ueberlegene

Seetuechtigkeit namentlich der tyrischen und sidonischen Schiffe

vertraute, nahm er den Kampf sogleich an. Zu Anfang zwar gelang es den

Asiaten, eines der karthagischen Schiffe zu versenken; allein sowie

es zum Entern kam, siegte die roemische Tapferkeit und nur der

Schnelligkeit ihrer Ruder und Segel verdankten es die Gegner, dass

sie nicht mehr als 23 Schiffe verloren. Noch waehrend des Nachsetzens

stiessen zu der roemischen Flotte 25 rhodische Schiffe und die

Ueberlegenheit der Roemer in diesen Gewaessern war nun zwiefach

entschieden. Die feindliche Flotte verhielt sich seitdem ruhig im Hafen

von Ephesos, und da es nicht gelang, sie zu einer zweiten Schlacht zu

bestimmen, loeste die roemisch-bundesgenoessische Flotte fuer den Winter

sich auf; die roemischen Kriegsschiffe gingen nach dem Hafen von Kane

in der Naehe von Pergamon. Beiderseits war man waehrend des Winters

fuer den naechsten Feldzug Vorbereitungen zu treffen bemueht. Die Roemer

suchten die kleinasiatischen Griechen auf ihre Seite zu bringen:

Smyrna, das alle Versuche des Koenigs, der Stadt sich zu bemaechtigen,

beharrlich zurueckgewiesen hatte, nahm die Roemer mit offenen Armen auf

und auch in Samos, Chios, Erythrae, Klazomenae, Phokaea, Kyme und sonst

gewann die roemische Partei die Oberhand. Antiochos war entschlossen,

den Roemern womoeglich den Uebergang nach Asien zu wehren, weshalb er

eifrig zur See ruestete und teils durch Polyxenidas die bei Ephesos

stationierende Flotte herstellen und vermehren, teils durch Hannibal

in Lykien, Syrien und Phoenikien eine neue Flotte ausruesten liess,

ausserdem aber ein gewaltiges Landheer aus allen Gegenden seines

weitlaeufigen Reiches in Kleinasien zusammentrieb. Frueh im naechsten

Jahre (564 190) nahm die roemische Flotte ihre Operationen wieder auf.

Gaius Livius liess durch die rhodische Flotte, die diesmal, 36 Segel

stark, rechtzeitig erschienen war, die feindliche auf der Hoehe von

Ephesos beobachten und ging mit dem groessten Teil der roemischen und

den pergamenischen Schiffen nach dem Hellespont, um seinem Auftrag

gemaess durch die Wegnahme der Festungen daselbst den Uebergang des

Landheeres vorzubereiten. Schon war Sestos besetzt und Abydos aufs

Aeusserste gebracht, als ihn die Kunde von der Niederlage der rhodischen

Flotte zurueckrief. Der rhodische Admiral Pausistratos, eingeschlaefert

durch die Vorspiegelungen seines Landsmannes, von Antiochos abfallen zu

wollen, hatte sich im Hafen von Samos ueberrumpeln lassen, er selbst

war gefallen, seine saemtlichen Schiffe bis auf fuenf rhodische und

zwei troische Segel waren vernichtet, Samos, Phokaea, Kyme auf diese

Botschaft zu Seleukos uebergetreten, der in diesen Gegenden fuer seinen

Vater den Oberbefehl zu Lande fuehrte. Indes als die roemische Flotte

teils von Kane, teils vom Hellespont herbeikam und nach einiger Zeit

zwanzig neue Schiffe der Rhodier bei Samos sich mit ihr vereinigten,

ward Polyxenidas abermals genoetigt, sich in den Hafen von Ephesos

einzuschliessen. Da er die angebotene Seeschlacht verweigerte und bei

der geringen Zahl der roemischen Mannschaften an einen Angriff von der

Landseite nicht zu denken war, blieb auch der roemischen Flotte nichts

uebrig, als gleichfalls sich bei Samos aufzustellen. Eine Abteilung ging

inzwischen nach Patara an die lykische Kueste, um teils den Rhodiern

gegen die sehr beschwerlichen, von dorther auf sie gerichteten Angriffe

Ruhe zu verschaffen, teils und vornehmlich, um die feindliche Flotte,

die Hannibal heranfuehren sollte, vom Aegaeischen Meer abzusperren. Als

dieses Geschwader gegen Patara nichts ausrichtete, erzuernte der neue

Admiral Lucius Aemilius Regillus, der mit 20 Kriegsschiffen von Rom

angelangt war und bei Samos den Gaius Livius abgeloest hatte, sich

darueber so sehr, dass er mit der ganzen Flotte dorthin aufbrach; kaum

gelang es seinen Offizieren, ihm unterwegs begreiflich zu machen, dass

es zunaechst nicht auf die Eroberung von Patara ankomme, sondern auf die

Beherrschung des Aegaeischen Meeres, und ihn zur Umkehr nach Samos zu

Römische Geschichte — Buch 3 · 第 27 / 51 段