Besitzungen, Argos, Messene, die kretischen Staedte und ueberdies

noch die ganze Kueste, abtreten, sich verpflichten, weder auswaertige

Buendnisse zu schliessen noch Krieg zu fuehren und keine anderen

Schiffe zu halten als zwei offene Kaehne, endlich alles Raubgut wieder

abzuliefern, den Roemern Geiseln zu stellen und eine Kriegskontribution

zu zahlen. Den spartanischen Emigranten wurden die Staedte an der

lakonischen Kueste gegeben und diese neue Volksgemeinde, die im

Gegensatz zu den monarchisch regierten Spartanern sich die der "freien

Lakonen" nannte, angewiesen, in den Achaeischen Bund einzutreten. Ihr

Vermoegen erhielten die Emigrierten nicht zurueck, indem die ihnen

angewiesene Landschaft dafuer als Ersatz angesehen ward; wogegen

verfuegt wurde, dass ihre Weiber und Kinder nicht wider deren Willen

in Sparta zurueckgehalten werden sollten. Die Achaeer, obwohl sie durch

diese Verfuegung ausser Argos noch die freien Lakonen erhielten, waren

dennoch wenig zufrieden; sie hatten die Beseitigung des gefuerchteten

und gehassten Nabis, die Rueckfuehrung der Emigrierten und die

Ausdehnung der achaeischen Symmachie auf den ganzen Peloponnes erwartet.

Der Unbefangene wird indes nicht verkennen, dass Flamininus diese

schwierigen Angelegenheiten so billig und gerecht regelte, wie es

moeglich ist, wo zwei beiderseits unbillige und ungerechte politische

Parteien sich gegenueberstehen. Bei der alten und tiefen Verfeindung

zwischen den Spartanern und Achaeern waere die Einverleibung Spartas

in den Achaeischen Bund einer Unterwerfung Spartas unter die Achaeer

gleichgekommen, was der Billigkeit nicht minder zuwiderlief als der

Klugheit. Die Rueckfuehrung der Emigranten und die vollstaendige

Restauration eines seit zwanzig Jahren beseitigten Regiments wuerde nur

ein Schreckensregiment an die Stelle eines anderen gesetzt haben; der

Ausweg, den Flamininus ergriff, war eben darum der rechte, weil er beide

extreme Parteien nicht befriedigte. Endlich schien dafuer gruendlich

gesorgt, dass es mit dem spartanischen See- und Landraub ein Ende hatte

und das Regiment daselbst, wie es nun eben war, nur der eigenen Gemeinde

unbequem fallen konnte. Es ist moeglich, dass Flamininus, der den

Nabis kannte und wissen musste, wie wuenschenswert dessen persoenliche

Beseitigung war, davon abstand, um nur einmal zu Ende zu kommen und

nicht durch unabsehbar sich fortspinnende Verwicklungen den reinen

Eindruck seiner Erfolge zu trueben; moeglich auch, dass er ueberdies

an Sparta ein Gegengewicht gegen die Macht der Achaeischen

Eidgenossenschaft im Peloponnes zu konservieren suchte. Indes der erste

Vorwurf trifft einen Nebenpunkt und in letzterer Hinsicht ist es wenig

wahrscheinlich, dass die Roemer sich herabliessen, die Achaeer zu

fuerchten. Aeusserlich wenigstens war somit zwischen den kleinen

griechischen Staaten Friede gestiftet. Aber auch die inneren

Verhaeltnisse der einzelnen Gemeinden gaben dem roemischen

Schiedsrichter zu tun. Die Boeoter trugen ihre makedonische Gesinnung

selbst noch nach der Verdraengung der Makedonier aus Griechenland

offen zur Schau; nachdem Flamininus auf ihre Bitten ihren in Philippos'

Diensten gestandenen Landsleuten die Rueckkehr verstattet hatte, ward

der entschiedenste der makedonischen Parteigaenger, Brachyllas,

zum Vorstand der Boeotischen Genossenschaft erwaehlt und auch sonst

Flamininus auf alle Weise gereizt. Er ertrug es mit beispielloser

Geduld: indes die roemisch gesinnten Boeoter, die wussten, was nach dem

Abzug der Roemer ihrer warte, beschlossen den Tod des Brachyllas, und

Flamininus, dessen Erlaubnis sie sich dazu erbitten zu muessen glaubten,

sagte wenigstens nicht nein. Brachyllas ward demnach ermordet; worauf

die Boeoter sich nicht begnuegten, die Moerder zu verfolgen, sondern

auch den einzeln durch ihr Gebiet passierenden roemischen Soldaten

auflauerten und deren an 500 erschlugen. Dies war denn doch zu arg;

Flamininus legte ihnen eine Busse von einem Talent fuer jeden Soldaten

auf, und da sie diese nicht zahlten, nahm er die naechstliegenden

Truppen zusammen und belagerte Koroneia (558 196). Nun verlegte man sich

auf Bitten; in der Tat liess Flamininus auf die Verwendung der Achaeer

und Athener gegen eine sehr maessige Busse von den Schuldigen ab, und

obwohl die makedonische Partei fortwaehrend in der kleinen Landschaft

am Ruder blieb, setzten die Roemer ihrer knabenhaften Opposition nichts

entgegen als die Langmut der Uebermacht. Auch im uebrigen Griechenland

begnuegte sich Flamininus, soweit es ohne Gewalttaetigkeit anging,

auf die inneren Verhaeltnisse namentlich der neubefreiten Gemeinden

einzuwirken, den Rat und die Gerichte in die Haende der Reicheren

und die antimakedonisch gesinnte Partei ans Ruder zu bringen und die

staedtischen Gemeinwesen dadurch, dass er das, was in jeder Gemeinde

nach Kriegsrecht an die Roemer gefallen war, zu dem Gemeindegut der

betreffenden Stadt schlug, moeglichst an das roemische Interesse zu

knuepfen. Im Fruehjahr 560 (194) war die Arbeit beendigt: Flamininus

versammelte noch einmal in Korinth die Abgeordneten der saemtlichen

griechischen Gemeinden, ermahnte sie zu verstaendigem und maessigem

Gebrauch der ihnen verliehenen Freiheit und erbat sich als einzige

Gegengabe fuer die Roemer, dass man die italischen Gefangenen, die

waehrend des Hannibalischen Krieges nach Griechenland verkauft worden

waren, binnen dreissig Tagen ihm zusende. Darauf raeumte er die letzten

Festungen, in denen noch roemische Besatzung stand, Demetrias, Chalkis

nebst den davon abhaengigen kleineren Forts auf Euboea, und Akrokorinth,

also die Rede der Aetoler, dass Rom die Fesseln Griechenlands von

Philippos geerbt, tatsaechlich Luege strafend, und zog mit den

saemtlichen roemischen Truppen und den befreiten Gefangenen in die

Heimat. Nur von der veraechtlichen Unredlichkeit oder der schwaechlichen

Sentimentalitaet kann es verkannt werden, dass es mit der Befreiung

Griechenlands den Roemern vollkommen ernst war, und die Ursache, weshalb

der grossartig angelegte Plan ein so kuemmerliches Gebaeude lieferte,

einzig zu suchen ist in der vollstaendigen sittlichen und staatlichen

Aufloesung der hellenischen Nation. Es war nichts Geringes, dass eine

maechtige Nation das Land, welches sie sich gewoehnt hatte, als ihre

Urheimat und als das Heiligtum ihrer geistigen und hoeheren Interessen

zu betrachten, mit ihrem maechtigen Arm ploetzlich zur vollen Freiheit

fuehrte und jeder Gemeinde desselben die Befreiung von fremder Schatzung

und fremder Besatzung und die unbeschraenkte Selbstregierung verlieh;

bloss die Jaemmerlichkeit sieht hierin nichts als politische Berechnung.

Der politische Kalkuel machte den Roemern die Befreiung Griechenlands

moeglich, zur Wirklichkeit wurde sie durch die eben damals in Rom und

vor allem in Flamininus selbst unbeschreiblich maechtigen hellenischen

Sympathien. Wenn ein Vorwurf die Roemer trifft, so ist es der, dass sie

alle und vor allem den Flamininus, der die wohlbegruendeten Bedenken

des Senats ueberwand, der Zauber des hellenischen Namens hinderte, die

Erbaermlichkeit des damaligen griechischen Staatenwesens in ihrem ganzen

Umfang zu erkennen, und dass sie all den Gemeinden, die mit ihren in

sich und gegeneinander gaerenden ohnmaechtigen Antipathien weder zu

handeln noch sich ruhig zu halten verstanden, ihr Treiben auch ferner

gestatteten. Wie die Dinge einmal standen, war es vielmehr noetig,

dieser ebenso kuemmerlichen als schaedlichen Freiheit durch eine an Ort

und Stelle dauernd anwesende Uebermacht ein- fuer allemal ein Ende zu

machen; die schwaechliche Gefuehlspolitik war bei all ihrer scheinbaren

Humanitaet weit grausamer, als die strengste Okkupation gewesen sein

wuerde. In Boeotien zum Beispiel musste Rom einen politischen Mord,

wenn nicht veranlassen, doch zulassen, weil man sich einmal entschlossen

hatte, die roemischen Truppen aus Griechenland wegzuziehen und somit den

roemisch gesinnten Griechen nicht wehren konnte, dass sie landueblicher

Weise sich selber halfen. Aber auch Rom selbst litt unter den Folgen

dieser Halbheit. Der Krieg mit Antiochos waere nicht entstanden ohne

den politischen Fehler der Befreiung Griechenlands, und er waere

ungefaehrlich geblieben ohne den militaerischen Fehler, aus den

Hauptfestungen an der europaeischen Grenze die Besatzungen wegzuziehen.

Die Geschichte hat eine Nemesis fuer jede Suende, fuer den impotenten

Freiheitsdrang wie fuer den unverstaendigen Edelmut. 9. Kapitel Der

Krieg gegen Antiochos von Asien In dem Reiche Asien trug das Diadem der

Seleukiden seit dem Jahre 531 (223) der Koenig Antiochos der Dritte, der

Urenkel des Begruenders der Dynastie. Auch er war gleich Philippos

mit neunzehn Jahren zur Regierung gekommen und hatte Taetigkeit und

Unternehmungsgeist genug namentlich in seinen ersten Feldzuegen im Osten

entwickelt, um ohne allzu arge Laecherlichkeit im Hofstil der Grosse zu

heissen. Mehr indes durch die Schlaffheit seiner Gegner, namentlich des

aegyptischen Philopator, als durch seine eigene Tuechtigkeit war es ihm

gelungen, die Integritaet der Monarchie einigermassen wiederherzustellen

und zuerst die oestlichen Satrapien Medien und Parthyene, dann auch den

von Achaeos diesseits des Tauros in Kleinasien begruendeten Sonderstaat

wieder mit der Krone zu vereinigen. Ein erster Versuch, das schmerzlich

entbehrte syrische Kuestenland den Aegyptern zu entreissen, war im

Jahre der Trasimenischen Schlacht von Philopator bei Raphia blutig

zurueckgewiesen worden, und Antiochos hatte sich wohl gehuetet, mit

Aegypten den Streit wieder aufzunehmen, solange dort ein Mann, wenn auch

ein schlaffer, auf dem Thron sass. Aber nach Philopators Tode (549 205)

schien der rechte Augenblick gekommen, mit Aegypten ein Ende zu machen;

Antiochos verband sich zu diesem Zweck mit Philippos und hatte sich

auf Koilesyrien geworfen, waehrend dieser die kleinasiatischen Staedte

angriff. Als die Roemer hier intervenierten, schien es einen Augenblick,

als werde Antiochos gegen sie mit Philippos gemeinschaftliche Sache

machen, wie die Lage der Dinge und der Buendnisvertrag es mit sich

brachten. Allein nicht weitsichtig genug, um ueberhaupt die Einmischung

der Roemer in die Angelegenheiten des Ostens sofort mit aller Energie

zurueckzuweisen, glaubte Antiochos seinen Vorteil am besten zu wahren,

wenn er Philippos' leicht vorauszusehende Ueberwaeltigung durch die

Roemer dazu nutzte, um das Aegyptische Reich, das er mit Philippos

hatte teilen wollen, nun fuer sich allein zu gewinnen. Trotz der engen

Beziehungen Roms zu dem alexandrinischen Hof und dem koeniglichen

Muendel hatte doch der Senat keineswegs die Absicht, wirklich, wie er

sich nannte, dessen "Beschuetzer" zu sein; fest entschlossen, sich um

die asiatischen Angelegenheiten nicht anders als im aeussersten Notfall

zu bekuemmern und den Kreis der roemischen Macht mit den Saeulen des

Herakles und dem Hellespont zu begrenzen, liess er den Grosskoenig

machen. Mit der Eroberung des eigentlichen Aegypten, die leichter gesagt

als getan war, mochte es freilich diesem selbst nicht recht ernst sein;

dagegen ging er daran, die auswaertigen Besitzungen Aegyptens eine nach

der andern zu unterwerfen und griff zunaechst die kilikischen sowie die

syrischen und palaestinensischen an. Der grosse Sieg, den er im Jahre

556 (198) am Berge Panion bei den Jordanquellen ueber den aegyptischen

Feldherrn Skopas erfocht, gab ihm nicht bloss den vollstaendigen Besitz

dieses Gebiets bis an die Grenze des eigentlichen Aegypten, sondern

schreckte die aegyptischen Vormuender des jungen Koenigs so sehr, dass

dieselben, um Antiochos vom Einruecken in Aegypten abzuhalten, sich

zum Frieden bequemten und durch das Verloebnis ihres Muendels mit der

Tochter des Antiochos, Kleopatra, den Frieden besiegelten. Nachdem also

das naechste Ziel erreicht war, ging Antiochos in dem folgenden Jahr,

dem der Schlacht von Kynoskephalae, mit einer starken Flotte von

100 Deck- und 100 offenen Schiffen nach Kleinasien, um die ehemals

aegyptischen Besitzungen an der Sued- und Westkueste Kleinasiens in

Besitz zu nehmen - wahrscheinlich hatte die aegyptische Regierung diese

Distrikte, die faktisch in Philippos' Haenden waren, im Frieden an

Antiochos abgetreten und ueberhaupt auf die saemtlichen auswaertigen

Besitzungen zu dessen Gunsten verzichtet - und um ueberhaupt die

kleinasiatischen Griechen wieder zum Reiche zu bringen. Zugleich

sammelte sich ein starkes syrisches Landheer in Sardes. Dieses Beginnen

war mittelbar gegen die Roemer gerichtet, welche von Anfang an Philippos

die Bedingung gestellt hatten, seine Besatzungen aus Kleinasien

wegzuziehen und den Rhodiern und Pergamenern ihr Gebiet, den

Freistaedten die bisherige Verfassung ungekraenkt zu lassen, und nun an

Philippos' Stelle sich Antiochos derselben bemaechtigen sehen mussten.

Unmittelbar aber sahen sich Attalos und die Rhodier jetzt von Antiochos

durchaus mit derselben Gefahr bedroht, die sie wenige Jahre zuvor zum

Kriege gegen Philippos getrieben hatte; und natuerlich suchten sie die

Roemer in diesen Krieg ebenso wie in den eben beendigten zu verwickeln.

Schon 555/56 (199/98) hatte Attalos von den Roemern militaerische Hilfe

begehrt gegen Antiochos, der sein Gebiet besetzt habe, waehrend Attalos'

Truppen in dem roemischen Kriege beschaeftigt seien. Die energischeren

Rhodier erklaerten sogar dem Koenig Antiochos, als im Fruehjahr 557

(197) dessen Flotte an der kleinasiatischen Kueste hinauf segelte, dass

sie die Ueberschreitung der Chelidonischen Inseln (an der lykischen

Kueste) als Kriegserklaerung betrachten wuerden, und als Antiochos sich

hieran nicht kehrte, hatten sie, ermutigt durch die eben eintreffende

Kunde von der Schlacht bei Kynoskephalae, sofort den Krieg begonnen und

die wichtigsten karischen Staedte Kaunos, Halikarnassos, Myndos, ferner

die Insel Samos in der Tat vor dem Koenig geschuetzt. Auch von den

halbfreien Staedten hatten zwar die meisten sich demselben gefuegt,

allein einige derselben, namentlich die wichtigen Staedte Smyrna,

Alexandreia, Trogs und Lampsakos hatten auf die Kunde von der

Ueberwaeltigung Philipps gleichfalls Mut bekommen, sich dem Syrer zu

widersetzen, und ihre dringenden Bitten vereinigten sich mit denen

der Rhodier. Es ist nicht zu bezweifeln, dass Antiochos, soweit er

ueberhaupt faehig war, einen Entschluss zu fassen und festzuhalten,

schon jetzt es bei sich festgestellt hatte, nicht bloss die aegyptischen

Besitzungen in Asien an sich zu bringen, sondern auch in Europa fuer

sich zu erobern und einen Krieg deswegen mit Rom wo nicht zu suchen,

doch es darauf ankommen zu lassen. Die Roemer hatten insofern alle

Ursache, jenem Ansuchen ihrer Bundesgenossen zu willfahren und in

Asien unmittelbar zu intervenieren; aber sie bezeigten sich dazu wenig

geneigt. Nicht bloss zauderte man, solange der Makedonische Krieg

waehrte, und gab dem Attalos nichts als den Schutz diplomatischer

Verwendung, die uebrigens zunaechst sich wirksam erwies; sondern auch

nach dem Siege sprach man wohl es aus, dass die Staedte, die Ptolemaeos

und Philippos in Haenden gehabt, nicht von Antiochos sollten in Besitz

genommen werden, und die Freiheit der asiatischen Staedte Myrina,

Abydos, Lampsakos ^1, Kios figurierte in den roemischen Aktenstuecken,

allein man tat nicht das Geringste, um sie durchzusetzen und liess es

geschehen, dass Koenig Antiochos die gute Gelegenheit des Abzugs der

makedonischen Besatzungen aus denselben benutzte, um die seinigen

hineinzulegen. Ja man ging so weit, sich selbst dessen Landung in

Europa im Fruehjahr 557 (197) und sein Einruecken in den Thrakischen

Chersonesos gefallen zu lassen, wo er Sestos und Madytos in Besitz nahm

und laengere Zeit verwandte auf die Zuechtigung der thrakischen Barbaren

und die Wiederherstellung des zerstoerten Lysimacheia, das er zu

seinem Hauptwaffenplatz und zur Hauptstadt der neugegruendeten Satrapie

Thrakien ausersehen hatte. Flamininus, in dessen Haenden die Leitung

dieser Angelegenheiten sich befand, schickte wohl nach Lysimacheia an

den Koenig Gesandte, die von der Integritaet des aegyptischen Gebiets

und von der Freiheit der saemtlichen Hellenen redeten; allein es

kam dabei nichts heraus. Der Koenig redete wiederum von seinen

unzweifelhaften Rechtstiteln auf das alte, von seinem Ahnherrn Seleukos

eroberte Reich des Lysimachos, setzte auseinander, dass er nicht

beschaeftigt sei, Land zu erobern, sondern einzig die Integritaet seines

angestammten Gebiets zu wahren, und lehnte die roemische Vermittlung in

seinen Streitigkeiten mit den ihm untertaenigen Staedten in Kleinasien

ab. Mit Recht konnte er hinzufuegen, dass mit Aegypten bereits Friede

geschlossen sei und es den Roemern insofern an einem formellen Grund

fehle zu intervenieren ^2. Die ploetzliche Heimkehr des Koenigs nach

Asien, veranlasst durch die falsche Nachricht von dem Tode des jungen

Koenigs von Aegypten und die dadurch hervorgerufenen Projekte einer

Landung auf Kypros oder gar in Alexandreia, beendigte die Konferenzen,

ohne dass man auch nur zu einem Abschluss, geschweige denn zu einem

Resultat gekommen waere. Das folgende Jahr 559 (195) kam Antiochos

wieder nach Lysimacheia mit verstaerkter Flotte und Armee und

beschaeftigte sich mit der Einrichtung der neuen Satrapie, die er

seinem Sohne Seleukos bestimmte; in Ephesos kam Hannibal zu ihm, der von

Karthago hatte landfluechtig werden muessen, und der ungemein ehrenvolle

Empfang, der ihm zuteil ward, war so gut wie eine Kriegserklaerung

gegen Rom. Nichtsdestoweniger zog noch im Fruehjahr 560 (194) Flamininus

saemtliche roemische Besatzungen aus Griechenland heraus. Es war dies

unter den obwaltenden Verhaeltnissen wenigstens eine arge Verkehrtheit,

wenn nicht ein straefliches Handeln wider das eigene bessere Wissen;

denn der Gedanke laesst sich nicht abweisen, dass Flamininus, um nur

den Ruhm des gaenzlich beendigten Krieges und des befreiten Hellas

ungeschmaelert heimzubringen, sich begnuegte, das glimmende Feuer des

Aufstandes und des Krieges vorlaeufig oberflaechlich zu verschuetten.

Der roemische Staatsmann mochte vielleicht recht haben, wenn er jeden

Versuch, Griechenland unmittelbar in roemische Botmaessigkeit zu bringen

und jede Intervention der Roemer in die asiatischen Angelegenheiten

fuer einen politischen Fehler erklaerte; aber die gaerende Opposition in

Griechenland, der schwaechliche Uebermut des Asiaten, das Verweilen

des erbitterten Roemerfeindes, der schon den Westen gegen Rom in Waffen

gebracht hatte, im syrischen Hauptquartier, alles dies waren deutliche

Anzeichen des Herannahens einer neuen Schilderhebung des hellenischen

Ostens, deren Ziel mindestens sein musste, Griechenland aus der

roemischen Klientel in die der antiroemisch gesinnten Staaten zu bringen

und, wenn dies erreicht worden waere, sofort sich weiter gesteckt

haben wuerde. Es ist einleuchtend, dass Rom dies nicht geschehen lassen

konnte. Indem Flamininus, all jene sicheren Kriegsanzeichen ignorierend,

aus Griechenland die Besatzungen wegzog und gleichzeitig dennoch an den

Koenig von Asien Forderungen stellte, fuer die marschieren zu lassen er

nicht gesonnen war, tat er in Worten zu viel, was in Taten zu wenig

und vergass seiner Feldherrn- und Buergerpflicht ueber der eigenen

Eitelkeit, die Rom den Frieden und den Griechen in beiden Weltteilen

die Freiheit geschenkt zu haben wuenschte und waehnte.

------------------------------------------------------ ^1 Nach einem

kuerzlich aufgefundenen Dekret der Stadt Lampsakos (AM 6, 1891, S. 95)

schickten die Lampsakener nach der Niederlage Philipps Gesandte an den

roemischen Senat mit der Bitte, dass die Stadt in den zwischen Rom und

dem Koenig (Philippos) abgeschlossenen Vertrag mit einbezogen werden

moege (op/o/s symperil/e/phth/o/men [en tais synth/e/kais] tais

genomenais R/o/maiois pros ton [basilea]), welche der Senat, wenigstens

nach der Auffassung der Bittsteller, denselben gewaehrte und sie im

uebrigen an Flamininus und die zehn Gesandten wies. Von diesem erbitten

dann dieselben in Korinth Garantie ihrer Verfassung und Briefe an die

Koenige. Flamininus gibt ihnen auch dergleichen Schreiben; ueber

den Inhalt erfahren wir nichts Genaueres, als dass in dem Dekret die

Gesandtschaft als erfolgreich bezeichnet wird. Aber wenn der Senat und

Flamininus die Autonomie und Demokratie der Lampsakener formell und

positiv garantiert haetten, wuerde das Dekret schwerlich so ausfuehrlich

bei den hoeflichen Antworten verweilen, welche die unterwegs um

Verwendung bei dem Senat angesprochenen roemischen Befehlshaber den

Gesandten erteilten. Bemerkenswert ist in dieser Urkunde noch die gewiss

auf die troische Legende zurueckgehende "Bruederschaft" der Lampsakener

und der Roemer und die von jenen mit Erfolg angerufene Vermittlung

der Bundesgenossen und Freunde Roms, der Massalioten, welche mit den

Lampsakenern durch die gemeinsame Mutterstadt Phokaea verbunden waren.

^2 Das bestimmte Zeugnis des Hieronymos, welcher das Verloebnis der

syrischen Kleopatra mit Ptolemaeos Epiphanes in das Jahr 556 (198)

setzt, in Verbindung mit den Andeutungen bei Livius (33, 40) und Appian

(Syr. 3) und mit dem wirklichen Vollzug der Vermaehlung im Jahre 561

(193) setzen es ausser Zweifel dass die Einmischung der Roemer in die

aegyptischen Angelegenheiten in diesem Fall eine formell unberufene war.

----------------------------------------------------- Antiochos

nuetzte die unerwartete Frist, um im Innern und mit seinen Nachbarn die

Verhaeltnisse zu befestigen, bevor er den Krieg beginnen wuerde, zu

dem er seinerseits entschlossen war und immer mehr es ward, je mehr der

Feind zu zoegern schien. Er vermaehlte jetzt (561 193) dem jungen Koenig

von Aegypten dessen Verlobte, seine Tochter Kleopatra; dass er zugleich

seinem Schwiegersohn die Rueckgabe der ihm entrissenen Provinzen

versprochen habe, ward zwar spaeter aegyptischerseits behauptet, allein

wahrscheinlich mit Unrecht, und jedenfalls blieb faktisch das Land bei

dem Syrischen Reiche ^3. Er bot dem Eumenes, der im Jahre 557 (197)

seinem Vater Attalos auf dem Thron von Pergamon gefolgt war, die

Zurueckgabe der ihm abgenommenen Staedte und gleichfalls eine seiner

Toechter zur Gemahlin, wenn er von dem roemischen Buendnis lassen wolle.

Ebenso vermaehlte er eine Tochter dem Koenig Ariarathes von Kappadokien

und gewann die Galater durch Geschenke, waehrend er die stets

aufruehrerischen Pisidier und andere kleine Voelkerschaften mit den

Waffen bezwang. Den Byzantiern wurden ausgedehnte Privilegien bewilligt;

in Hinsicht der kleinasiatischen Staedte erklaerte der Koenig, dass

er die Unabhaengigkeit der alten Freistaedte wie Rhodos und Kyzikos,

zugestehen und hinsichtlich der uebrigen sich begnuegen wolle mit einer

bloss formellen Anerkennung seiner landesherrlichen Gewalt; er gab sogar

zu verstehen, dass er bereit sei, sich dem Schiedsspruch der Rhodier zu

unterwerfen. Im europaeischen Griechenland war er der Aetoler gewiss und

hoffte auch Philippos wieder unter die Waffen zu bringen. Ja es erhielt

ein Plan Hannibals die koenigliche Genehmigung, wonach dieser von

Antiochos eine Flotte von 100 Segeln und ein Landheer von 10000 Mann zu

Fuss und 1000 Reitern erhalten und damit zuerst in Karthago den Dritten

Punischen und sodann in Italien den Zweiten Hannibalischen Krieg

erwecken sollte; tyrische Emissaere gingen nach Karthago, um die

Schilderhebung daselbst einzuleiten. Man hoffte endlich auf Erfolge der

spanischen Insurrektion, die eben als Hannibal Karthago verliess auf

Römische Geschichte — Buch 3 · 第 26 / 51 段