und zwar auch noch an das Vaterland, aber mehr an sich und an das
Hellenentum dachte. Ein geschickter Offizier und besserer Diplomat, war
er in vieler Hinsicht fuer die Behandlung der schwierigen griechischen
Verhaeltnisse vortrefflich geeignet; dennoch waere es vielleicht fuer
Rom wie fuer Griechenland besser gewesen, wenn die Wahl auf einen minder
von hellenischen Sympathien erfuellten Mann gefallen und ein Feldherr
dorthin gesandt worden waere, den weder feine Schmeichelei bestochen
noch beissende Spottrede verletzt haette, der die Erbaermlichkeit
der hellenischen Staatsverfassungen nicht ueber literarischen und
kuenstlerischen Reminiszenzen vergessen und der Hellas nach Verdienst
behandelt, den Roemern aber es erspart haette, unausfuehrbaren Idealen
nachzustreben. Der neue Oberbefehlshaber hatte mit dem Koenig
sogleich eine Zusammenkunft, waehrend die beiden Heere untaetig sich
gegenueberstanden. Philippos machte Friedensvorschlaege; er erbot sich,
alle eigenen Eroberungen zurueckzugeben und wegen des den griechischen
Staedten zugefuegten Schadens sich einem billigen Austrag zu
unterwerfen; aber an dem Begehren, altmakedonische Besitzungen,
namentlich Thessalien, aufzugeben, scheiterten die Verhandlungen.
Vierzig Tage standen die beiden Heere in dem Engpass des Aoos, ohne dass
Philippos wich oder Flamininus sich entschliessen konnte, entweder den
Sturm anzuordnen oder den Koenig stehenzulassen und die vorjaehrige
Expedition wieder zu versuchen. Da half dem roemischen General die
Verraeterei einiger Vornehmer unter den sonst gut makedonisch gesinnten
Epeiroten, namentlich des Charops, aus der Verlegenheit. Sie fuehrten
auf Bergpfaden ein roemisches Korps von 4000 Mann zu Fuss und 300
Reitern auf die Hoehen oberhalb des makedonischen Lagers und wie alsdann
der Konsul das feindliche Herr von vorn angriff, entschied das
Anruecken jener unvermutet von den beherrschenden Bergen herabsteigenden
roemischen Abteilung die Schlacht. Philippos verlor Lager und
Verschanzung und gegen 2000 Mann und wich eilig zurueck bis an den Pass
Tempel die Pforte des eigentlichen Makedoniens. Allen anderen Besitz gab
er auf bis auf die Festungen; die thessalischen Staedte, die er nicht
verteidigen konnte, zerstoerte er selbst - nur Pherae schloss ihm die
Tore und entging dadurch dem Verderben. Teils durch diese Erfolge der
roemischen Waffen, teils durch Flamininus' geschickte Milde bestimmt,
traten zunaechst die Epeiroten vom makedonischen Buendnis ab. In
Thessalien waren auf die erste Nachricht vom Siege der Roemer sogleich
die Athamanen und Aetoler eingebrochen, und die Roemer folgten bald; das
platte Land war leicht ueberschwemmt, allein die festen Staedte, die gut
makedonisch gesinnt waren und von Philippos Unterstuetzung empfingen,
fielen nur nach tapferem Widerstand oder widerstanden sogar dem
ueberlegenen Feind; so vor allem Atrax am linken Ufer des Peneios, wo
in der Bresche die Phalanx statt der Mauer stand. Bis auf diese
thessalischen Festungen und das Gebiet der treuen Akarnanen war somit
ganz Nordgriechenland in den Haenden der Koalition. Dagegen war der
Sueden durch die Festungen Chalkis und Korinth, die durch das Gebiet der
makedonisch gesinnten Boeoter miteinander die Verbindung unterhielten,
und durch die achaeische Neutralitaet noch immer wesentlich in
makedonischer Gewalt, und Flamininus entschloss sich, da es doch zu
spaet war, um dies Jahr noch in Makedonien einzudringen, zunaechst
Landheer und Flotte gegen Korinth und die Achaeer zu wenden. Die Flotte,
die wieder die rhodischen und pergamenischen Schiffe an sich gezogen
hatte, war bisher damit beschaeftigt gewesen, zwei kleinere Staedte auf
Euboea, Eretria und Karystos, einzunehmen und daselbst Beute zu machen;
worauf beide indes ebenso wie Oreos wieder aufgegeben und von dem
makedonischen Kommandanten von Chalkis, Philokles, aufs neue besetzt
wurden. Die vereinigte Flotte wandte sich von da nach Kenchreae, dem
oestlichen Hafen von Korinth, um diese starke Festung zu bedrohen. Von
der anderen Seite rueckte Flamininus in Phokis ein und besetzte die
Landschaft, in der nur Elateia eine laengere Belagerung aushielt;
diese Gegend, namentlich Antikyra am Korinthischen Meerbusen, war zum
Winterquartier ausersehen. Die Achaeer, die also auf der einen Seite die
roemischen Legionen sich naehern, auf der anderen die roemische Flotte
schon an ihrem eigenen Gestade sahen, verzichteten auf ihre sittlich
ehrenwerte, aber politisch unhaltbare Neutralitaet; nachdem die
Gesandten der am engsten an Makedonien geknuepften Staedte Dyme,
Megalopolis und Argos die Tagsatzung verlassen hatten, beschloss
dieselbe den Beitritt zu der Koalition gegen Philippos. Kykliades und
andere Fuehrer der makedonischen Partei verliessen die Heimat; die
Truppen der Achaeer vereinigten sich sofort mit der roemischen Flotte
und eilten, Korinth zu Lande einzuschliessen, welche Stadt, die
Zwingburg Philipps gegen die Achaeer, ihnen roemischerseits fuer ihren
Beitritt zu dem Bunde zugesichert worden war. Die makedonische
Besatzung indes, die 1300 Mann stark war und grossenteils aus italischen
Ueberlaeufern bestand, verteidigte entschlossen die fast uneinnehmbare
Stadt; ueberdies kam von Chalkis Philokles herbei mit einer Abteilung
von 1500 Mann, die nicht bloss Korinth entsetzte, sondern auch in das
Gebiet der Achaeer eindrang und im Einverstaendnis mit der makedonisch
gesinnten Buergerschaft ihnen Argos entriss. Allein der Lohn
solcher Hingebung war, dass der Koenig die treuen Argeier der
Schreckensherrschaft des Nabis von Sparta auslieferte. Diesen, den
bisherigen Bundesgenossen der Roemer, hoffte er nach dem Beitritt der
Achaeer zu der roemischen Koalition zu sich hinueberzuziehen; denn er
war hauptsaechlich nur deshalb roemischer Bundesgenosse geworden, weil
er in Opposition zu den Achaeern und seit 550 (204) sogar in offenem
Kriege mit ihnen sich befand. Allein Philippos' Angelegenheiten standen
zu verzweifelt, als dass irgend jemand jetzt sich auf seine Seite zu
schlagen Lust verspuert haette. Nabis nahm zwar Argos von Philippos an,
allein er verriet den Verraeter und blieb im Buendnis mit Flamininus,
welcher in der Verlegenheit, jetzt mit zwei untereinander im Krieg
begriffenen Maechten verbuendet zu sein, vorlaeufig zwischen den
Spartanern und Achaeern einen Waffenstillstand auf vier Monate
vermittelte. So kam der Winter heran. Philippos benutzte ihn abermals,
um womoeglich einen billigen Frieden zu erhalten. Auf einer Konferenz,
die in Nikaea am Malischen Meerbusen abgehalten ward, erschien der
Koenig persoenlich und versuchte, mit Flamininus zu einer Verstaendigung
zu gelangen, indem er den petulanten Uebermut der kleinen Herren mit
Stolz und Feinheit zurueckwies und durch markierte Deferenz gegen die
Roemer als die einzigen ihm ebenbuertigen Gegner von diesen ertraegliche
Bedingungen zu erhalten suchte. Flamininus war gebildet genug, um
durch die Urbanitaet des Besiegten gegen ihn und die Hoffart gegen
die Bundesgenossen, welche der Roemer wie der Koenig gleich verachten
gelernt hatten, sich geschmeichelt zu fuehlen; allein seine Vollmacht
ging nicht so weit wie das Begehren des Koenigs: er gestand ihm gegen
Einraeumung von Phokis und Lokris einen zweimonatlichen Waffenstillstand
zu und wies ihn in der Hauptsache an seine Regierung. Im roemischen
Senat war man sich laengst einig, dass Makedonien alle seine
auswaertigen Besitzungen aufgeben muesse; als daher Philippos' Gesandte
in Rom erschienen, begnuegte man sich zu fragen, ob sie Vollmacht
haetten, auf ganz Griechenland, namentlich auf Korinth, Chalkis und
Demetrias zu verzichten, und da sie dies verneinten, brach man sofort
die Unterhandlungen ab und beschloss die energische Fortsetzung des
Krieges. Mit Hilfe der Volkstribunen gelang es dem Senat, den so
nachteiligen Wechsel des Oberbefehls zu verhindern und Flamininus das
Kommando zu verlaengern; er erhielt bedeutende Verstaerkung, und die
beiden frueheren Oberbefehlshaber Publius Galba und Publius Villius
wurden angewiesen, sich ihm zur Verfuegung zu stellen. Auch Philippos
entschloss sich, noch eine Feldschlacht zu wagen. Um Griechenland zu
sichern, wo jetzt alle Staaten mit Ausnahme der Akarnanen und Boeoter
gegen ihn in Waffen standen, wurde die Besatzung von Korinth bis auf
6000 Mann verstaerkt, waehrend er selbst, die letzten Kraefte des
erschoepften Makedoniens anstrengend und Kinder und Greise in die
Phalanx einreihend, ein Heer von etwa 26000 Mann, darunter 16000
makedonische Phalangiten, auf die Beine brachte. So begann der vierte
Feldzug 557 (197). Flamininus schickte einen Teil der Flotte gegen die
Akarnanen, die in Leukas belagert wurden; im eigentlichen Griechenland
bemaechtigte er sich durch List der boeotischen Hauptstadt Thebae,
wodurch sich die Boeoter gezwungen sahen, dem Buendnis gegen Makedonien
wenigstens dem Namen nach beizutreten. Zufrieden, hierdurch die
Verbindung zwischen Korinth und Chalkis gesprengt zu haben, wandte er
sich nach Norden, wo allein die Entscheidung fallen konnte. Die grossen
Schwierigkeiten der Verpflegung des Heeres in dem feindlichen und
grossenteils oeden Lande, die schon oft die Operationen gehemmt hatten,
sollte jetzt die Flotte beseitigen, indem sie das Heer laengs der Kueste
begleitete und ihm die aus Afrika, Sizilien und Sardinien gesandten
Vorraete nachfuehrte. Indes die Entscheidung kam frueher, als Flamininus
gehofft hatte. Philippos, ungeduldig und zuversichtlich wie er war,
konnte es nicht aushalten, den Feind an der makedonischen Grenze zu
erwarten; nachdem er bei Dion sein Heer gesammelt hatte, rueckte
er durch den Tempepass in Thessalien ein und traf mit dem ihm
entgegenrueckenden feindlichen Heer in der Gegend von Skotussa zusammen.
Beide Heere, das makedonische und das roemische, das durch Zuzuege
der Apolloniaten und Athamanen und die von Nabis gesandten Kretenser,
besonders aber durch einen ansehnlichen aetolischen Haufen verstaerkt
worden war, zaehlten ungefaehr gleich viel Streiter, jedes etwa 26000
Mann; doch waren die Roemer an Reiterei dem Gegner ueberlegen. Vorwaerts
Skotussa, auf dem Plateau des Karadagh, traf waehrend eines trueben
Regentages der roemische Vortrab unvermutet auf den feindlichen, der
einen zwischen beiden Lagern gelegenen, hohen und steilen Huegel, die
Kynoskephalae genannt, besetzt hielt. Zurueckgetrieben in die Ebene,
erhielten die Roemer Verstaerkung aus dem Lager von den leichten Truppen
und dem trefflichen Korps der aetolischen Reiterei und draengten nun
ihrerseits den makedonischen Vortrab auf und ueber die Hoehe zurueck.
Hier aber fanden wiederum die Makedonier Unterstuetzung an ihrer
gesamten Reiterei und dem groessten Teil der leichten Infantrie; die
Roemer, die unvorsichtig sich vorgewagt hatten, wurden mit grossem
Verlust bis hart an ihr Lager zurueckgejagt und haetten sich voellig zur
Flucht gewandt, wenn nicht die aetolischen Ritter in der Ebene den Kampf
so lange hingehalten haetten, bis Flamininus die schnell geordneten
Legionen herbeifuehrte. Dem ungestuemen Ruf der siegreichen, die
Fortsetzung des Kampfes fordernden Truppen gab der Koenig nach und
ordnete auch seine Schwerbewaffneten eilig zu der Schlacht, die weder
Feldherr noch Soldaten an diesem Tage erwartet hatten. Es galt, den
Huegel zu besetzen, der augenblicklich von Truppen ganz entbloesst war.
Der rechte Fluegel der Phalanx unter des Koenigs eigener Fuehrung kam
frueh genug dort an, um sich ungestoert auf der Hoehe in Schlachtordnung
zu stellen; der linke aber war noch zurueck, als schon die leichten
Truppen der Makedonier, von den Legionen gescheucht, den Huegel
heraufstuermten. Philipp schob die fluechtigen Haufen rasch an der
Phalanx vorbei in das Mitteltreffen, und ohne zu erwarten, bis auf dem
linken Fluegel Nikanor mit der anderen, langsamer folgenden Haelfte
der Phalanx eingetroffen war, hiess er die rechte Phalanx mit gesenkten
Speeren den Huegel hinab sich auf die Legionen stuerzen und gleichzeitig
die wieder geordnete leichte Infanterie sie umgehen und ihnen in die
Flanke fallen. Der am guenstigen Orte unwiderstehliche Angriff der
Phalanx zersprengte das roemische Fussvolk, und der linke Fluegel der
Roemer ward voellig geschlagen. Auf dem anderen Fluegel liess Nikanor,
als er den Koenig angreifen sah, die andere Haelfte der Phalanx
schleunig nachruecken; sie geriet dabei auseinander, und waehrend die
ersten Reihen schon den Berg hinab eilig dem siegreichen rechten Fluegel
folgten und durch das ungleiche Terrain noch mehr in Unordnung kamen,
gewannen die letzten Glieder eben erst die Hoehe. Der rechte Fluegel der
Roemer ward unter diesen Umstaenden leicht mit dem feindlichen
linken fertig; die Elefanten allein, die auf diesem Fluegel standen,
vernichteten die aufgeloesten makedonischen Scharen. Waehrend hier ein
fuerchterliches Gemetzel entstand, nahm ein entschlossener roemischer
Offizier zwanzig Faehnlein zusammen und warf sich mit diesen auf
den siegreichen makedonischen Fluegel, der, den roemischen linken
verfolgend, so weit vorgedrungen war, dass der roemische rechte ihm im
Ruecken stand. Gegen den Angriff von hinten war die Phalanx wehrlos
und mit dieser Bewegung die Schlacht zu Ende. Bei der vollstaendigen
Aufloesung der beiden Phalangen ist es begreiflich, dass man 13000 teils
gefangene, teils gefallene Makedonier zaehlte, meistens gefallene,
weil die roemischen Soldaten das makedonische Zeichen der Ergebung, das
Aufheben der Sarissen, nicht kannten; der Verlust der Sieger war
gering. Philippos entkam nach Larissa und nachdem er alle seine Papiere
verbrannt hatte, um niemanden zu kompromittieren, raeumte er Thessalien
und ging in seine Heimat zurueck. Gleichzeitig mit dieser grossen
Niederlage erlitten die Makedonier noch andere Nachteile auf allen
Punkten, die sie noch besetzt hielten: in Karien schlugen die rhodischen
Soeldner das dort stehende makedonische Korps und zwangen dasselbe, sich
in Stratonikeia einzuschliessen; die korinthische Besatzung ward von
Nikostratos und seinen Achaeern mit starkem Verlust geschlagen, das
akarnanische Leukas nach heldenmuetiger Gegenwehr erstuermt. Philippos
war vollstaendig ueberwunden; seine letzten Verbuendeten, die Akarnanen,
ergaben sich auf die Nachricht von der Schlacht bei Kynoskephalae. Es
lag vollstaendig in der Hand der Roemer, den Frieden zu diktieren:
sie nutzten ihre Macht, ohne sie zu missbrauchen. Man konnte das Reich
Alexanders vernichten; auf der Konferenz der Bundesgenossen ward dies
Begehren von aetolischer Seite ausdruecklich gestellt. Allein was hiess
das anders als den Wall hellenischer Bildung gegen Thraker und Kelten
niederreissen? Schon war waehrend des eben beendigten Krieges das
bluehende Lysimacheia auf dem Thrakischen Chersonesos von den Thrakern
gaenzlich zerstoert worden - eine ernste Warnung fuer die Zukunft.
Flamininus, der tiefe Blicke in die widerwaertigen Verfehdungen der
griechischen Staaten getan hatte, konnte nicht die Hand dazu
bieten, dass die roemische Grossmacht fuer den Groll der aetolischen
Eidgenossenschaft die Exekution uebernahm, auch wenn nicht seine
hellenischen Sympathien fuer den feinen und ritterlichen Koenig ebenso
sehr gewonnen gewesen waeren wie sein roemisches Nationalgefuehl
verletzt war durch die Prahlerei der Aetoler, der "Sieger von
Kynoskephalae", wie sie sich nannten. Den Aetolern erwiderte er, dass es
nicht roemische Sitte sei, Besiegte zu vernichten, uebrigens seien sie
ja ihre eigenen Herren und stehe es ihnen frei, mit Makedonien ein
Ende zu machen, wenn sie koennten. Der Koenig ward mit aller moeglichen
Ruecksicht behandelt, und nachdem er sich bereit erklaert hatte, auf
die frueher gestellten Forderungen jetzt einzugehen, ihm von Flamininus
gegen Zahlung einer Geldsumme und Stellung von Geiseln, darunter
seines Sohnes Demetrios, ein laengerer Waffenstillstand bewilligt,
den Philippos hoechst noetig brauchte, um die Dardaner aus Makedonien
hinauszuschlagen. Die definitive Regulierung der verwickelten
griechischen Angelegenheiten ward vom Senat einer Kommission von zehn
Personen uebertragen, deren Haupt und Seele wieder Flamininus war.
Philippos erhielt von ihr aehnliche Bedingungen, wie sie Karthago
gestellt worden waren. Er verlor alle auswaertigen Besitzungen in
Kleinasien, Thrakien, Griechenland und auf den Inseln des Aegaeischen
Meeres; dagegen blieb das eigentliche Makedonien ungeschmaelert bis auf
einige unbedeutende Grenzstriche und die Landschaft Orestis, welche frei
erklaert ward - eine Bestimmung, die Philippos aeusserst empfindlich
fiel, allein die die Roemer nicht umhin konnten, ihm vorzuschreiben, da
bei seinem Charakter es unmoeglich war, ihm die freie Verfuegung ueber
einmal von ihm abgefallene Untertanen zu lassen. Makedonien wurde
ferner verpflichtet, keine auswaertigen Buendnisse ohne Vorwissen Roms
abzuschliessen noch nach auswaerts Besatzungen zu schicken; ferner nicht
ausserhalb Makedoniens gegen zivilisierte Staaten noch ueberhaupt gegen
roemische Bundesgenossen Krieg zu fuehren und kein Heer ueber 5000 Mann,
keine Elefanten und nicht ueber fuenf Deckschiffe zu unterhalten, die
uebrigen an die Roemer auszuliefern. Endlich trat Philippos mit den
Roemern in Symmachie, die ihn verpflichtete, auf Verlangen Zuzug zu
senden, wie denn gleich nachher die makedonischen Truppen mit den
Legionen zusammen fochten. Ausserdem zahlte er eine Kontribution von
1000 Talenten (1700000 Taler). Nachdem Makedonien also zu vollstaendiger
politischer Nullitaet herabgedrueckt und ihm nur so viel Macht gelassen
war, als es bedurfte, um die Grenze von Hellas gegen die Barbaren zu
hueten, schritt man dazu, ueber die vom Koenig abgetretenen Besitzungen
zu verfuegen. Die Roemer, die eben damals in Spanien erfuhren, dass
ueberseeische Provinzen ein sehr zweifelhafter Gewinn seien, und die
ueberhaupt keineswegs des Laendererwerbes wegen den Krieg begonnen
hatten, nahmen nichts von der Beute fuer sich und zwangen dadurch auch
ihre Bundesgenossen zur Maessigung. Sie beschlossen, saemtliche Staaten
Griechenlands, die bisher unter Philippos gestanden, frei zu erklaeren;
und Flamininus erhielt den Auftrag, das desfaellige Dekret den zu
den Isthmischen Spielen versammelten Griechen zu verlesen (558 196).
Ernsthafte Maenner freilich mochten fragen, ob denn die Freiheit ein
verschenkbares Gut sei und was Freiheit ohne Einigkeit und Einheit der
Nation bedeute; doch war der Jubel gross und aufrichtig, wie die
Absicht aufrichtig war, in der der Senat die Freiheit verlieh ^1.
--------------------------------------------------- ^1 Wir haben
noch Goldstater mit dem Kopf des Flamininus und der Inschrift "T.
Quincti(us)", unter dem Regiment des Befreiers der Hellenen in
Griechenland geschlagen. Der Gebrauch der lateinischen Sprache ist
eine bezeichnende Artigkeit.
---------------------------------------------------- Ausgenommen waren
von dieser gemeinen Massregel nur die illyrischen Landschaften oestlich
von Epidamnos, die an den Herrn von Skodra, Pleuratos, fielen und
diesen, ein Menschenalter zuvor von den Roemern gedemuetigten Land-
und Seeraeuberstaat wieder zu der maechtigsten unter all den kleinen
Herrschaften in diesen Strichen machten; ferner einige Ortschaften
im westlichen Thessalien, die Amynander besetzt hatte und die man ihm
liess, und die drei Inseln Paros, Skyros und Imbros, welche Athen fuer
seine vielen Drangsale und seine noch zahlreicheren Dankadressen und
Hoeflichkeiten aller Art zum Geschenk erhielt. Dass die Rhodier ihre
karischen Besitzungen behielten und Aegina den Pergamenern blieb,
versteht sich. Sonst ward den Bundesgenossen nur mittelbar gelohnt
durch den Zutritt der neu befreiten Staedte zu den verschiedenen
Eidgenossenschaften. Am besten wurden die Achaeer bedacht, die doch
am spaetesten der Koalition gegen Philippos beigetreten waren; wie es
scheint, aus dem ehrenwerten Grunde, dass dieser Bundesstaat unter
allen griechischen der geordnetste und ehrbarste war. Die saemtlichen
Besitzungen Philipps auf dem Peloponnes und dem Isthmos, also namentlich
Korinth, wurden ihrem Bunde einverleibt. Mit den Aetolern dagegen machte
man wenig Umstaende; sie durften die phokischen und lokrischen Staedte
in ihre Symmachie aufnehmen, allein ihre Versuche, dieselbe auch
auf Akarnanien und Thessalien auszudehnen, wurden teils entschieden
zurueckgewiesen, teils in die Ferne geschoben, und die thessalischen
Staedte vielmehr in vier kleine selbstaendige Eidgenossenschaften
geordnet. Dem Rhodischen Staedtebund kam die Befreiung von Thasos
und Lemnos, der thrakischen und kleinasiatischen Staedte zugute.
Schwierigkeit machte die Ordnung der inneren Verhaeltnisse
Griechenlands, sowohl der Staaten zueinander, als der einzelnen Staaten
in sich. Die dringendste Angelegenheit war der zwischen den Spartanern
und Achaeern seit 550 (204) gefuehrte Krieg, dessen Vermittlung den
Roemern notwendig zufiel. Allein nach vielfachen Versuchen, Nabis
zum Nachgeben, namentlich zur Herausgabe der von Philippos ihm
ausgelieferten achaeischen Bundesstadt Argos zu bestimmen, blieb
Flamininus doch zuletzt nichts uebrig, als dem eigensinnigen kleinen
Raubherrn, der auf den offenkundigen Groll der Aetoler gegen die Roemer
und auf Antiochos' Einruecken in Europa rechnete und die Rueckstellung
von Argos beharrlich weigerte, endlich von den saemtlichen Hellenen auf
einer grossen Tagfahrt in Korinth den Krieg erklaeren zu lassen und mit
der Flotte und dem roemisch-bundesgenoessischen Heere, darunter
auch einem von Philippos gesandten Kontingent und einer Abteilung
lakedaemonischer Emigranten unter dem legitimen Koenig von Sparta,
Agesipolis, in den Peloponnes einzuruecken (559 195). Um den Gegner
durch die ueberwaeltigende Uebermacht sogleich zu erdruecken,
wurden nicht weniger als 50000 Mann auf die Beine gebracht und mit
Vernachlaessigung der uebrigen Staedte sogleich die Hauptstadt selbst
umstellt; allein der gewuenschte Erfolg ward dennoch nicht erreicht.
Nabis hatte eine betraechtliche Armee, bis 15000 Mann, darunter
5000 Soeldner, ins Feld gestellt und seine Herrschaft durch ein
vollstaendiges Schreckensregiment, die Hinrichtung in Masse der
ihm verdaechtigen Offiziere und Bewohner der Landschaft, aufs neue
befestigt. Sogar als er selber nach den ersten Erfolgen der roemischen
Armee und Flotte sich entschloss, nachzugeben und die von Flamininus ihm
gestellten verhaeltnismaessig sehr guenstigen Bedingungen anzunehmen,
verwarf "das Volk", das heisst das von Nabis in Sparta angesiedelte
Raubgesindel, nicht mit Unrecht die Rechenschaft nach dem Siege
fuerchtend und getaeuscht durch obligate Luegen ueber die Beschaffenheit
der Friedensbedingungen und das Heranruecken der Aetoler und der
Asiaten, den von dem roemischen Feldherrn gebotenen Frieden, und der
Kampf begann aufs neue. Es kam zu einer Schlacht vor den Mauern und zu
einem Sturm auf dieselben; schon waren sie von den Roemern erstiegen,
als das Anzuenden der genommenen Strassen die Stuermenden wieder zur
Umkehr zwang. Endlich nahm denn doch der eigensinnige Widerstand ein
Ende. Sparta behielt seine Selbstaendigkeit und ward weder gezwungen,
die Emigranten wieder aufzunehmen, noch dem Achaeischen Bunde
beizutreten; sogar die bestehende monarchische Verfassung und Nabis
selbst blieben unangetastet. Dagegen musste Nabis seine auswaertigen