nichts uebrig, als vorlaeufig eine Gesandtschaft nach dem Osten

abzuordnen, um teils von Aegypten zu erlangen, was den Umstaenden nach

nicht schwer war, dass es die Einmischung der Roemer in die griechischen

Angelegenheiten geschehen liess, teils den Koenig Antiochos zu

beschwichtigen, indem man ihm Syrien preisgab, teils endlich den

Bruch mit Philippos moeglichst zu beschleunigen und die Koalition der

griechisch- asiatischen Kleinstaaten gegen ihn zu foerdern (Ende 553

201). In Alexandreia erreichte man ohne Muehe, was man wuenschte; der

Hof hatte keine Wahl und musste dankbar den Marcus Aemilius Lepidus

aufnehmen, den der Senat abgesandt hatte, um als "Vormund des

Koenigs" dessen Interessen zu vertreten, soweit dies ohne eigentliche

Intervention moeglich war. Antiochos loeste zwar seinen Bund mit Philipp

nicht auf und gab den Roemern nicht die bestimmten Erklaerungen, welche

sie wuenschten; uebrigens aber, sei es aus Schlaffheit, sei es bestimmt

durch die Erklaerung der Roemer, in Syrien nicht intervenieren zu

wollen, verfolgte er seine Plaene daselbst und liess die Dinge in

Griechenland und Kleinasien gehen. Darueber war das Fruehjahr 554 (200)

herangekommen, und der Krieg hatte aufs neue begonnen. Philippos

warf sich zunaechst wieder auf Thrakien, wo er die saemtlichen

Kuestenplaetze, namentlich Maroneia, Aenos, Elaeos, Sestos besetzte;

er wollte seine europaeischen Besitzungen vor einer roemischen Landung

gesichert wissen. Alsdann griff er an der asiatischen Kueste Abydos an,

an dessen Gewinn ihm gelegen sein musste, da er durch den Besitz

von Sestos und Abydos mit seinem Bundesgenossen Antiochos in festere

Verbindung kam und nicht mehr zu fuerchten brauchte, dass die Flotte

der Bundesgenossen ihm den Weg nach oder aus Kleinasien sperre. Diese

beherrschte das Aegaeische Meer, nachdem das schwaechere makedonische

Geschwader sich zurueckgezogen hatte; Philippos beschraenkte zur

See sich darauf, auf dreien der Kykladen, Andros, Kythnos und Paros,

Besatzungen zu unterhalten und Kaperschiffe auszuruesten. Die Rhodier

gingen nach Chios und von da nach Tenedos, wo Attalos, der den Winter

ueber bei Aegina gestanden und mit den Deklamationen der Athener sich

die Zeit vertrieben hatte, mit seinem Geschwader zu ihnen stiess.

Es waere wohl moeglich gewesen, den Abydenern, die sich heldenmuetig

verteidigten, zu Hilfe zu kommen; allein die Verbuendeten ruehrten

sich nicht, und so ergab sich endlich die Stadt, nachdem fast alle

Waffenfaehigen im Kampf vor den Mauern und nach der Kapitulation ein

grosser Teil der Einwohner durch eigene Hand gefallen waren, der Gnade

des Siegers; sie bestand darin, dass den Abydenern drei Tage Frist

gegeben wurden, um freiwillig zu sterben. Hier im Lager von Abydos traf

die roemische Gesandtschaft, die nach Beendigung ihrer Geschaefte in

Syrien und Aegypten die griechischen Kleinstaaten besucht und bearbeitet

hatte, mit dem Koenig zusammen und entledigte sich ihrer vom Senat

erhaltenen Auftraege: der Koenig solle gegen keinen griechischen Staat

einen Angriffskrieg fuehren, die dem Ptolemaeos entrissenen Besitzungen

zurueckgeben und wegen der den Pergamenern und Rhodiern zugefuegten

Schaedigung sich ein Schiedsgericht gefallen lassen. Die Absicht des

Senats, den Koenig zur foermlichen Kriegserklaerung zu reizen, ward

nicht erreicht; der roemische Gesandte Marcus Aemilius erhielt vom

Koenig nichts als die feine Antwort, dass er dem jungen schoenen

roemischen Mann wegen dieser seiner drei Eigenschaften das Gesagte

zugute halten wolle. Indes war mittlerweile die von Rom gewuenschte

Veranlassung von einer anderen Seite her gekommen. Die Athener hatten

in ihrer albernen und grausamen Eitelkeit zwei unglueckliche Akarnanen

hinrichten lassen, weil dieselben sich zufaellig in ihre Mysterien

verirrt hatten. Als die Akarnanen in begreiflicher Erbitterung von

Philippos begehrten, dass er ihnen Genugtuung verschaffe, konnte dieser

das gerechte Begehren seiner treuesten Bundesgenossen nicht weigern und

gestattete ihnen, in Makedonien Mannschaft auszuheben und damit und

mit ihren eigenen Leuten ohne foermliche Kriegserklaerung in Attika

einzufallen. Zwar war dies nicht bloss kein eigentlicher Krieg, sondern

es liess auch der Fuehrer der makedonischen Schar, Nikanor, auf die

drohenden Worte der gerade in Athen anwesenden roemischen Gesandten

sofort seine Truppen den Rueckmarsch antreten (Ende 553 201). Aber es

war zu spaet. Eine athenische Gesandtschaft ging nach Rom, um ueber den

Angriff Philipps auf einen alten Bundesgenossen Roms zu berichten, und

aus der Art, wie der Senat sie empfing, sah Philippos deutlich, was ihm

bevorstand; weshalb er zunaechst, gleich im Fruehling 554 (200) seinen

Oberbefehlshaber in Griechenland, Philokles, anwies, das attische Gebiet

zu verwuesten und die Stadt moeglichst zu bedraengen. Der Senat

hatte jetzt, was er bedurfte, und konnte im Sommer 554 (200) die

Kriegserklaerung "wegen Angriffs auf einen mit Rom verbuendeten Staat"

vor die Volksversammlung bringen. Sie wurde das erstemal fast einstimmig

verworfen; toerichte oder tueckische Volkstribunen querulierten ueber

den Rat, der den Buergern keine Ruhe goennen wolle; aber der Krieg war

einmal notwendig und genau genommen schon begonnen, so dass der

Senat unmoeglich zuruecktreten konnte. Die Buergerschaft ward

durch Vorstellungen und Konzessionen zum Nachgeben bewogen. Es ist

bemerkenswert, dass diese Konzessionen wesentlich auf Kosten der

Bundesgenossen erfolgten. Aus ihren im aktiven Dienst befindlichen

Kontingenten wurden - ganz entgegen den sonstigen roemischen Maximen

- die Besatzungen von Gallien, Unteritalien, Sizilien und Sardinien,

zusammen 20000 Mann, ausschliesslich genommen, die saemtlichen vom

Hannibalischen Krieg her unter Waffen stehenden Buergertruppen aber

entlassen; nur Freiwillige sollten daraus zum Makedonischen Krieg

aufgeboten werden duerfen, welches denn freilich, wie sich nachher fand,

meistens gezwungene Freiwillige waren - es rief dies spaeter im Herbst

555 (199) einen bedenklichen Militaeraufstand im Lager von Apollonia

hervor. Aus neu einberufenen Leuten wurden sechs Legionen gebildet, von

denen je zwei in Rom und in Etrurien blieben und nur zwei in Brundisium

nach Makedonien eingeschifft wurden, gefuehrt von dem Konsul Publius

Sulpicius Galba. So hatte sich wieder einmal recht deutlich gezeigt,

dass fuer die weitlaeufigen und schwierigen Verhaeltnisse, in welche Rom

durch seine Siege gebracht war, die souveraenen Buergerversammlungen

mit ihren kurzsichtigen und vom Zufall abhaengigen Beschluessen

schlechterdings nicht mehr passten und dass deren verkehrtes Eingreifen

in die Staatsmaschine zu gefaehrlichen Modifikationen der militaerisch

notwendigen Massregeln und zu noch gefaehrlicherer Zuruecksetzung der

latinischen Bundesgenossen fuehrte. Philippos' Lage war sehr uebel.

Die oestlichen Staaten, die gegen jede Einmischung Roms haetten

zusammenstehen muessen und unter anderen Umstaenden auch vielleicht

zusammengestanden waeren, waren hauptsaechlich durch seine Schuld so

untereinander verhetzt, dass sie die roemische Invasion entweder

nicht zu hindern oder sogar zu foerdern geneigt waren. Asien, Philipps

natuerlicher und wichtiger Bundesgenosse, war von ihm vernachlaessigt

worden und ueberdies zunaechst durch die Verwicklung mit Aegypten und

den syrischen Krieg an taetigem Eingreifen gehindert. Aegypten hatte ein

dringendes Interesse daran, dass die roemische Flotte dem Ostmeer fern

blieb; selbst jetzt noch gab eine aegyptische Gesandtschaft in Rom

sehr deutlich zu verstehen, wie bereit der alexandrinische Hof sei, den

Roemern die Muehe abzunehmen, in Attika zu intervenieren. Allein der

zwischen Asien und Makedonien abgeschlossene Teilungsvertrag ueber

Aegypten warf diesen wichtigen Staat geradezu den Roemern in die Arme

und erzwang die Erklaerung des Kabinetts von Alexandreia, dass es in

die Angelegenheiten des europaeischen Griechenlands sich nur mit

Einwilligung der Roemer mischen werde. Aehnlich, aber noch bedraengter

gestellt waren die griechischen Handelsstaedte, an ihrer Spitze Rhodos,

Pergamon, Byzanz; sie haetten unter anderen Umstaenden ohne Zweifel

das Ihrige getan, um den Roemern das Ostmeer zu verschliessen, aber

Philippos' grausame und vernichtende Eroberungspolitik hatte sie zu

einem ungleichen Kampf gezwungen, in den sie ihrer Selbsterhaltung

wegen alles anwenden mussten, die italische Grossmacht zu verwickeln. Im

eigentlichen Griechenland fanden die roemischen Gesandten, die dort eine

zweite Ligue gegen Philippos zu stiften beauftragt waren, gleichfalls

vom Feinde wesentlich vorgearbeitet. Von der antimakedonischen Partei,

den Spartanern, Eleern, Athenern und Aetolern, haette Philippos die

letzten vielleicht zu gewinnen vermocht, da der Friede von 548 (206) in

ihren Freundschaftsbund mit Rom einen tiefen und keineswegs aufgeheilten

Riss gemacht hatte; allein abgesehen von den alten Differenzen, die

wegen der von Makedonien der aetolischen Eidgenossenschaft entzogenen

thessalischen Staedte Echinos, Larissa Kremaste, Pharsalos und des

phthiotischen Thebae zwischen den beiden Staaten bestanden, hatte die

Vertreibung der aetolischen Besatzungen aus Lysimacheia und Kios bei

den Aetolern neue Erbitterung gegen Philippos hervorgerufen. Wenn sie

zauderten, sich der Ligue gegen ihn anzuschliessen, so lag der Grund

wohl hauptsaechlich in der fortwirkenden Verstimmung zwischen ihnen und

den Roemern. Bedenklicher noch war es, dass selbst unter den fest an das

makedonische Interesse geknuepften griechischen Staaten, den Epeiroten,

Akarnanen, Boeotern und Achaeern, nur die Akarnanen und Boeoter

unerschuettert zu Philippos standen. Mit den Epeiroten verhandelten die

roemischen Gesandten nicht ohne Erfolg und namentlich der Koenig

der Athamanen, Amynander, schloss an Rom sich fest an. Sogar von den

Achaeern hatte Philippos durch die Ermordung des Aratos teils

viele verletzt, teils ueberhaupt einer freieren Entwicklung der

Eidgenossenschaft wieder Raum gegeben; sie hatte unter Philopoemens

(502-571 252-183, Strateg zuerst 546 208) Leitung ihr Heerwesen

regeneriert, in gluecklichen Kaempfen gegen Sparta das Zutrauen zu sich

selber wiedergefunden und folgte nicht mehr, wie zu Aratos' Zeit, blind

der makedonischen Politik. Einzig in ganz Hellas sah die achaeische

Eidgenossenschaft, die von Philippos' Vergroesserungssucht weder

Nutzen noch zunaechst Nachteil zu erwarten hatte, diesen Krieg vom

unparteiischen und nationalhellenischen Gesichtspunkte an; sie begriff,

was zu begreifen nicht schwer war, dass die hellenische Nation damit

den Roemern selber sich auslieferte, sogar ehe diese es wuenschten und

begehrten, und versuchte darum, zwischen Philippos und den Rhodiern

zu vermitteln; allein es war zu spaet. Der nationale Patriotismus, der

einst den Bundesgenossenkrieg beendigt und der. ersten Krieg zwischen

Makedonien und Rom wesentlich mit herbeigefuehrt hatte, war erloschen;

die achaeische Vermittlung blieb ohne Erfolg, und vergeblich bereiste

Philippos die Staedte und Inseln, um die Nation wieder zu entflammen -

es war das die Nemesis fuer Kios und Abydos. Die Achaeer, da sie nicht

aendern konnten und nicht helfen mochten, blieben neutral. Im Herbst des

Jahres 554 (200) landete der Konsul Publius Sulpicius Galba mit seinen

beiden Legionen und 1000 numidischen Reitern, ja sogar mit Elefanten,

die aus der karthagischen Beute herruehrten, bei Apollonia; auf welche

Nachricht der Koenig eilig vom Hellespont nach Thessalien zurueckkehrte.

Indes teils die schon weit vorgerueckte Jahreszeit, teils die Erkrankung

des roemischen Feldherrn bewirkten, dass zu Lande dies Jahr nichts

weiter vorgenommen ward als eine starke Rekognoszierung, bei der die

naechstliegenden Ortschaften, namentlich die makedonische Kolonie

Antipatreia, von den Roemern besetzt wurden. Fuer das naechste Jahr ward

mit den noerdlichen Barbaren, namentlich mit Pleuratos, dem damaligen

Herrn von Skodra, und dem Dardanerfuersten Bato, die selbstverstaendlich

eilten, die gute Gelegenheit zu nutzen, ein gemeinschaftlicher Angriff

auf Makedonien verabredet. Wichtiger waren die Unternehmungen der

roemischen Flotte, die 100 Deck- und 80 leichte Schiffe zaehlte.

Waehrend die uebrigen Schiffe bei Kerkyra fuer den Winter Station

nahmen, ging eine Abteilung unter Gaius Claudius Cento nach dem

Peiraeeus, um den bedraengten Athenern Beistand zu leisten. Da Cento

indes die attische Landschaft gegen die Streifereien der korinthischen

Besatzung und die makedonischen Korsaren schon hinreichend gedeckt fand,

segelte er weiter und erschien ploetzlich vor Chalkis auf Euboea,

dem Hauptwaffenplatz Philipps in Griechenland, wo die Magazine, die

Waffenvorraete und die Gefangenen aufbewahrt wurden und der Kommandant

Sopater nichts weniger als einen roemischen Angriff erwartete. Die

unverteidigte Mauer ward erstiegen, die Besatzung niedergemacht, die

Gefangenen befreit und die Vorraete verbrannt; leider fehlte es an

Truppen, um die wichtige Position zu halten. Auf die Kunde von diesem

ueberfall brach Philippos in ungestuemer Erbitterung sofort von

Demetrias in Thessalien auf nach Chalkis, und da er hier nichts von dem

Feind mehr fand als die Brandstaette, weiter nach Athen, um Gleiches mit

Gleichem zu vergelten. Allein die Ueberrumpelung misslang und auch

der Sturm war vergeblich, so sehr der Koenig sein Leben preisgab; das

Herannahen von Gaius Claudius vom Peiraeeus, des Attalos von Aegina her

zwangen ihn zum Abzug. Philippos verweilte indes noch einige Zeit in

Griechenland; aber politisch und militaerisch waren seine Erfolge gleich

gering. Umsonst versuchte er die Achaeer fuer sich in Waffen zu bringen;

und ebenso vergeblich waren seine Angriffe auf Eleusis und den Peiraeeus

sowie ein zweiter auf Athen selbst. Es blieb ihm nichts uebrig, als

seine begreifliche Erbitterung in unwuerdiger Weise durch Verwuestung

der Landschaft und Zerstoerung, der Baeume des Akademos zu befriedigen

und nach dem Norden zurueckzukehren. So verging der Winter. Mit dem

Fruehjahr 555 (199) brach der Prokonsul Publius Sulpicius aus seinem

Winterlager auf, entschlossen, seine Legionen von Apollonia auf der

kuerzesten Linie in das eigentliche Makedonien zu fuehren. Diesen

Hauptangriff von Westen her sollten drei Nebenangriffe unterstuetzen:

in noerdlicher Richtung der Einfall der Dardaner und Illyrier, in

oestlicher ein Angriff der kombinierten Flotte der Roemer und der

Bundesgenossen, die bei Aegina sich sammelte; endlich von Sueden her

sollten die Athamanen vordringen und, wenn es gelang, sie zur Teilnahme

am Kampfe zu bestimmen, zugleich die Aetoler. Nachdem Galba die Berge,

die der Apsos (jetzt Beratino) durchschneidet, ueberschritten hatte und

durch die fruchtbare dassaretische Ebene gezogen war, gelangte er an

die Gebirgskette, die Illyrien und Makedonien scheidet und betrat, diese

uebersteigend, das eigentliche makedonische Gebiet. Philippos war ihm

entgegengegangen; allein in den ausgedehnten und schwach bevoelkerten

Landschaften Makedoniens suchten sich die Gegner einige Zeit vergeblich,

bis sie endlich in der lynkestischen Provinz, einer fruchtbaren

aber sumpfigen Ebene, unweit der nordwestlichen Landesgrenze

aufeinandertrafen und keine 1000 Schritt voneinander die Lager schlugen.

Philippos' Heer zaehlte, nachdem er das zur Besetzung der noerdlichen

Paesse detachierte Korps an sich gezogen hatte, etwa 20000 Mann zu Fuss

und 2000 Reiter; das roemische war ungefaehr ebenso stark. Indes die

Makedonier hatten den grossen Vorteil, dass sie, in der Heimat fechtend

und mit Weg und Steg bekannt, mit leichter Muehe den Proviant zugefuehrt

erhielten, waehrend sie sich so dicht an die Roemer gelagert hatten,

dass diese es nicht wagen konnten, zu ausgedehnter Fouragierung sich zu

zerstreuen. Der Konsul bot die Schlacht wiederholt an, allein der Koenig

versagte sie beharrlich und die Gefechte zwischen den leichten Truppen,

wenn auch die Roemer darin einige Vorteile erfochten, aenderten in

der Hauptsache nichts. Galba war genoetigt, sein Lager abzubrechen und

anderthalb Meilen weiter bei Oktolophos ein anderes aufzuschlagen, von

wo er leichter sich verproviantieren zu koennen meinte. Aber auch hier

wurden die ausgeschickten Abteilungen von den leichten Truppen und der

Reiterei der Makedonier vernichtet; die Legionen mussten zu Hilfe

kommen und trieben dann freilich die makedonische Vorhut, die zu weit

vorgegangen war, mit starkem Verlust in das Lager zurueck, wobei der

Koenig selbst das Pferd verlor und nur durch die hochherzige Hingebung

eines seiner Reiter das Leben rettete. Aus dieser gefaehrlichen Lage

befreite die Roemer der bessere Erfolg der von Galba veranlassten

Nebenangriffe der Bundesgenossen oder vielmehr die Schwaeche der

makedonischen Streitkraefte. Obwohl Philippos in seinem Gebiet

moeglichst starke Aushebungen vorgenommen und roemische Ueberlaeufer

und andere Soeldner hinzugeworben hatte, hatte er doch nicht vermocht,

ausser den Besatzungen in Kleinasien und Thrakien, mehr als das Heer,

womit er selbst dem Konsul gegenueberstand, auf die Beine zu bringen,

und ueberdies noch, um dieses zu bilden, die Nordpaesse in der

pelagonischen Landschaft entbloessen muessen. Fuer die Deckung der

Ostkueste verliess er sich teils auf die von ihm angeordnete Verwuestung

der Inseln Skiathos und Peparethos, die der feindlichen Flotte eine

Station haetten bieten koennen, teils auf die Besatzung von Thasos und

der Kueste und auf die unter Herakleides bei Demetrias aufgestellte

Flotte. Fuer die Suedgrenze hatte er gar auf die mehr als zweifelhafte

Neutralitaet der Aetoler rechnen muessen. Jetzt traten diese ploetzlich

dem Bunde gegen Makedonien bei und drangen sofort mit den Athamanen

vereinigt in Thessalien ein, waehrend zugleich die Dardaner und Illyrier

die noerdlichen Landschaften ueberschwemmten und die roemische Flotte

unter Lucius Apustius, von Kerkyra aufbrechend, in den oestlichen

Gewaessern erschien, wo die Schiffe des Attalos, der Rhodier und der

Istrier sich mit ihr vereinigten. Philippos gab hiernach freiwillig

seine Stellung auf und wich in oestlicher Richtung zurueck: ob es

geschah, um den wahrscheinlich unvermuteten Einfall der Aetoler

zurueckzuschlagen oder um das roemische Heer sich nach und ins Verderben

zu ziehen oder um je nach den Umstaenden das eine oder das andere zu

tun, ist nicht wohl zu entscheiden. Er bewerkstelligte seinen Rueckzug

so geschickt, dass Galba, der den verwegenen Entschluss fasste, ihm zu

folgen, seine Spur verlor und es Philippos moeglich ward, den Engpass,

der die Landschaften Lynkestis und Eordaea scheidet, auf Seitenwegen

zu erreichen und zu besetzen, um die Roemer hier zu erwarten und ihnen

einen heissen Empfang zu bereiten. Es kam an der von ihm gewaehlten

Stelle zur Schlacht. Aber die langen makedonischen Speere erwiesen sich

unbrauchbar auf dem waldigen und ungleichen Terrain; die Makedonier

wurden teils umgangen, teils durchbrochen und verloren viele Leute.

Indes wenn auch Philippos' Heer nach diesem ungluecklichen Treffen nicht

laenger imstande war, den Roemern das weitere Vordringen zu wehren, so

scheuten sich doch diese selber in dem unwegsamen und feindlichen Land,

weiteren unbekannten Gefahren entgegenzuziehen, und kehrten zurueck

nach Apollonia, nachdem sie die fruchtbaren Landschaften Hochmakedoniens

Eordaea, Elimea, Orestis verwuestet und die bedeutendste Stadt

von Orestis, Keletron (jetzt Kastoria auf einer Halbinsel in dem

gleichnamigen See), sich ihnen ergeben hatte - es war die einzige

makedonische Stadt, die den Roemern ihre Tore oeffnete. Im illyrischen

Land ward die Stadt der Dassaretier, Pelion, an den oberen Zufluessen

des Apsos, erstuermt und stark besetzt, um auf einem aehnlichen Zug

kuenftig als Basis zu dienen. Philippos stoerte die roemische Hauptarmee

auf ihrem Rueckzug nicht, sondern wandte sich in Gewaltmaerschen gegen

die Aetoler und Athamanen, die in der Meinung, dass die Legionen

den Koenig beschaeftigten, das reiche Tal des Peneios furcht- und

ruecksichtslos pluenderten, schlug sie vollstaendig und noetigte, was

nicht fiel, sich einzeln auf den wohlbekannten Bergpfaden zu, retten.

Durch diese Niederlage und ebenso sehr durch die starken Werbungen,

die in Aetolien fuer aegyptische Rechnung stattfanden, schwand die

Streitkraft der Eidgenossenschaft nicht wenig zusammen. Die Dardaner

wurden von dem Fuehrer der leichten Truppen Philipps, Athenagoras,

ohne Muehe und mit starkem Verlust ueber die Berge zurueckgejagt.

Die roemische Flotte richtete auch nicht viel aus; sie vertrieb die

makedonische Besatzung von Andros, suchte Euboea und Skiathos heim

und machte dann Versuche auf die chalkidische Halbinsel, die aber die

makedonische Besatzung bei Mende kraeftig zurueckwies. Der Rest des

Sommers verging mit der Einnahme von Oreos auf Euboea, welche durch die

entschlossene Verteidigung der makedonischen Besatzung lange verzoegert

ward. Die schwache makedonische Flotte unter Herakleides stand untaetig

bei Herakleia und wagte nicht den Feinden das Meer streitig zu machen.

Fruehzeitig gingen diese in die Winterquartiere, die Roemer nach dem

Peiraeeus und Kerkyra, die Rhodier und Pergamener in die Heimat. Im

ganzen konnte Philipp zu den Ereignissen dieses Feldzuges sich

Glueck wuenschen. Die roemischen Truppen standen nach einem aeusserst

beschwerlichen Feldzug im Herbst genau da, von wo sie im Fruehling

aufgebrochen waren, und ohne das rechtzeitige Dareinschlagen der Aetoler

und die unerwartet glueckliche Schlacht am Pass von Eordaea haette

von der gesamten Macht vielleicht kein Mann das roemische Gebiet

wiedergesehen. Die vierfache Offensive hatte ueberall ihren Zweck

verfehlt und Philippos sah im Herbste nicht bloss sein ganzes Gebiet vom

Feind gereinigt, sondern er konnte noch einen, freilich vergeblichen,

Versuch machen, die an der aetolisch-thessalischen Grenze gelegene und

die Peneiosebene beherrschende feste Stadt Thaumakoi den Aetolern zu

entreissen. Wenn Antiochos, um dessen Kommen Philippos vergeblich zu den

Goettern flehte, sich im naechsten Feldzug mit ihm vereinigte, so durfte

er grosse Erfolge erwarten. Es schien einen Augenblick, als schicke

dieser sich dazu an; sein Heer erschien in Kleinasien und besetzte

einige Ortschaften des Koenigs Attalos, der von den Roemern

militaerischen Schutz erbat. Diese indes beeilten sich nicht, den

Grosskoenig jetzt zum Bruch zu draengen; sie schickten Gesandte, die

in der Tat es erreichten, dass Attalos' Gebiet geraeumt ward. Von daher

hatte Philippos nichts zu hoffen. Indes der glueckliche Ausgang des

letzten Feldzugs hatte Philipps Mut oder Uebermut so gehoben, dass,

nachdem er der Neutralitaet der Achaeer und der Treue der Makedonier

sich durch die Aufopferung einiger festen Plaetze und des verabscheuten

Admirals Herakleides aufs neue versichert hatte, im naechsten Fruehling

556 (198) er es war, der die Offensive ergriff und in die atintanische

Landschaft einrueckte, um in dem engen Pass, wo sich der Aoos (Viosa)

zwischen den Bergen Aeropos und Asmaos durchwindet, ein wohlverschanztes

Lager zu beziehen. Ihm gegenueber lagerte das durch neue

Truppensendungen verstaerkte roemische Heer, ueber das zuerst der Konsul

des vorigen Jahres, Publius Villius, sodann seit dem Sommer 556 (198)

der diesjaehrige Konsul Titus Quinctius Flamininus den Oberbefehl

fuehrte. Flamininus, ein talentvoller, erst dreissigjaehriger Mann,

gehoerte zu der juengeren Generation, welche mit dem altvaeterischen

Römische Geschichte — Buch 3 · 第 24 / 51 段