sich unangefochten, namentlich in ihrem Hauptquartier Panormos und in

ihrem neuen Waffenplatz Drepana, wohin der leichteren Seeverteidigung

wegen Hamilkar die Bewohner des Eryx uebergesiedelt hatte. Ein zweites

grosses Seetreffen am Tyndarischen Vorgebirg (497 257), in dem beide

Teile sich den Sieg zuschrieben, aenderte nichts an der Lage der Dinge.

In dieser Weise kam man nicht vom Fleck, mochte die Schuld nun an dem

geteilten und schnell wechselnden Oberbefehl der roemischen Truppen

liegen, der die konzentrierte Gesamtleitung einer Reihe kleinerer

Operationen ungemein erschwerte, oder auch an den allgemeinen

strategischen Verhaeltnissen, welche allerdings in einem solchen Fall

nach dem damaligen Stande der Kriegswissenschaft sich fuer den Angreifer

ueberhaupt (I, 426) und ganz besonders fuer die noch im Anfang der

wissenschaftlichen Kriegskunst stehenden Roemer unguenstig stellten.

Mittlerweile litt, wenn auch die Brandschatzung der italischen Kuesten

aufgehoert hatte, doch der italische Handel nicht viel weniger als

vor dem Flottenbau. Muede des erfolglosen Ganges der Operationen und

ungeduldig, dem Kriege ein Ziel zu setzen, beschloss der Senat, das

System zu aendern und Karthago in Afrika anzugreifen. Im Fruehjahr

498 (256) ging eine Flotte von 330 Linienschiffen unter Segel nach der

libyschen Kueste; an der Muendung des Himeraflusses am suedlichen Ufer

Siziliens nahm sie das Landungsheer an Bord: es waren vier Legionen

unter der Fuehrung der beiden Konsuln Marcus Atilius Regulus und Lucius

Manlius Volso, beides erprobte Generale. Der karthagische Admiral liess

es geschehen, dass die feindlichen Truppen sich einschifften; aber auf

der weiteren Fahrt nach Afrika fanden die Roemer die feindliche Flotte

auf der Hoehe von Eknomos in Schlachtordnung aufgestellt, um die Heimat

vor der Invasion zu decken. Nicht leicht haben groessere Massen zur See

gefochten als in dieser Schlacht gegeneinander standen. Die roemische

Flotte von 330 Segeln zaehlte mindestens 100000 Mann an Schiffsbemannung

ausser der etwa 40000 Mann starken Landungsarmee; die karthagische von

350 Schiffen trug an Bemannung mindestens die gleiche Zahl, so dass

gegen dreimalhunderttausend Menschen an diesem Tage aufgeboten waren,

um zwischen den beiden maechtigen Buergerschaften zu entscheiden. Die

Phoeniker standen in einfacher weitausgedehnter Linie, mit dem linken

Fluegel gelehnt an die sizilische Kueste. Die Roemer ordneten sich

ins Dreieck, die Admiralschiffe der beiden Konsuln an der Spitze,

in schraeger Linie rechts und links neben ihnen das erste und zweite

Geschwader, endlich das dritte mit den zum Transport der Reiterei

gebauten Fahrzeugen im Schlepptau in der Linie, die das Dreieck schloss.

Also segelten sie dichtgeschlossen auf den Feind. Langsamer folgte

ein viertes in Reserve gestelltes Geschwader. Der keilfoermige

Angriff durchbrach ohne Muehe die karthagische Linie, da das zunaechst

angegriffene Zentrum derselben absichtlich zurueckwich, und die Schlacht

loeste sich auf in drei gesonderte Treffen. Waehrend die Admirale mit

den beiden auf den Fluegeln aufgestellten Geschwadern dem karthagischen

Zentrum nachsetzten und mit ihm handgemein wurden, schwenkte der

linke, an der Kueste aufgestellte Fluegel der Karthager auf das dritte

roemische Geschwader ein, welches durch die Schleppschiffe gehindert

ward, den beiden vorderen zu folgen, und draengte dasselbe in heftigem

und ueberlegenem Angriff gegen das Ufer; gleichzeitig wurde die

roemische Reserve von dem rechten karthagischen Fluegel auf der hohen

See umgangen und von hinten angefallen. Das erste dieser drei Treffen

war bald zu Ende: die Schiffe des karthagischen Mitteltreffens,

offenbar viel schwaecher als die beiden gegen sie fechtenden roemischen

Geschwader, wandten sich zur Flucht. Mittlerweile hatten die beiden

anderen Abteilungen der Roemer einen harten Stand gegen den ueberlegenen

Feind; allein im Nahgefecht kamen die gefuerchteten Enterbruecken ihnen

zustatten, und mit deren Hilfe gelang es, sich so lange zu halten, bis

die beiden Admirale mit ihren Schiffen herankommen konnten. Dadurch

erhielt die roemische Reserve Luft, und die karthagischen Schiffe des

rechten Fluegels suchten vor der Uebermacht das Weite. Nun, nachdem

auch dieser Kampf zum Vorteil der Roemer entschieden, fielen alle

noch seefaehigen roemischen Schiffe dem hartnaeckig seinen Vorteil

verfolgenden karthagischen linken Fluegel in den Ruecken, so dass dieser

umzingelt und fast alle Schiffe desselben genommen wurden. Der uebrige

Verlust war ungefaehr gleich. Von der roemischen Flotte waren 24

Segel versenkt, von der karthagischen 30 versenkt, 64 genommen. Die

karthagische Flotte gab trotz des betraechtlichen Verlustes es nicht

auf, Afrika zu decken und ging zu diesem Ende zurueck an den Golf von

Karthago, wo sie die Landung erwartete und eine zweite Schlacht zu

liefern gedachte. Allein die Roemer landeten statt an der westlichen

Seite der Halbinsel, die den Golf bilden hilft, vielmehr an der

oestlichen, wo die Bai von Clupea ihnen einen fast bei allen Winden

Schutz bietenden geraeumigen Hafen und die Stadt, hart am Meere auf

einem schildfoermig aus der Ebene aufsteigenden Huegel gelegen, eine

vortreffliche Hafenfestung darbot. Ungehindert vom Feinde schifften sie

die Truppen aus und setzten sich auf dem Huegel fest; in kurzer Zeit war

ein verschanztes Schiffslager errichtet, und das Landheer konnte

seine Operationen beginnen. Die roemischen Truppen durchstreiften und

brandschatzten das Land; bis 20000 Sklaven konnten nach Rom gefuehrt

werden. Durch die ungeheuersten Gluecksfaelle war der kuehne Plan auf

den ersten Wurf und mit geringen Opfern gelungen; man schien am Ziele zu

stehen. Wie sicher die Roemer sich fuehlten, beweist der Beschluss des

Senats, den groessten Teil der Flotte und die Haelfte der Armee nach

Italien zurueckzuschicken; Marcus Regulus blieb allein in Afrika mit

40 Schiffen, 15000 Mann zu Fuss und 500 Reitern. Es schien indes die

Zuversicht nicht uebertrieben. Die karthagische Armee, die entmutigt

sich in die Ebene nicht wagte, erlitt erst recht eine Schlappe in den

waldigen Defileen, in denen sie ihre beiden besten Waffen, die Reiterei

und die Elefanten nicht verwenden konnte. Die Staedte ergaben sich in

Masse, die Numidier standen auf und ueberschwemmten weithin das offene

Land. Regulus konnte hoffen, den naechsten Feldzug zu beginnen mit der

Belagerung der Hauptstadt, zu welchem Ende er dicht bei derselben, in

Tunes sein Winterlager aufschlug. Der Karthager Mut war gebrochen; sie

baten um Frieden. Allein die Bedingungen, die der Konsul stellte: nicht

bloss Abtretung von Sizilien und Sardinien, sondern Eingehung eines

ungleichen Buendnisses mit Rom, welches die Karthager verpflichtet

haette, auf eine eigene Kriegsmarine zu verzichten und zu den roemischen

Kriegen Schiffe zu stellen - diese Bedingungen, welche Karthago mit

Neapel und Tarent gleichgestellt haben wuerden, konnten nicht angenommen

werden, solange noch ein karthagisches Heer im Felde, eine karthagische

Flotte auf der See, und die Hauptstadt unerschuettert stand. Die

gewaltige Begeisterung, wie sie in den orientalischen Voelkern, auch

den tief gesunkenen, bei dem Herannahen aeusserster Gefahren grossartig

aufzuflammen pflegt, diese Energie der hoechsten Not trieb die Karthager

zu Anstrengungen, wie man sie den Budenleuten nicht zugetraut haben

mochte. Hamilkar, der in Sizilien den kleinen Krieg gegen die Roemer

so erfolgreich gefuehrt hatte, erschien in Libyen mit der Elite der

sizilischen Truppen, die fuer die neuausgehobene Mannschaft einen

trefflichen Kern abgab; die Verbindungen und das Gold der Karthager

fuehrten ihnen ferner die trefflichen numidischen Reiter scharenweise

zu und ebenso zahlreiche griechische Soeldner, darunter den gefeierten

Hauptmann Xanthippos von Sparta, dessen Organisierungstalent und

strategische Einsicht seinen neuen Dienstherren von grossem Nutzen war

^2. Waehrend also im Lauf des Winters die Karthager ihre Vorbereitungen

trafen, stand der roemische Feldherr untaetig bei Tunes. Mochte er nicht

ahnen, welcher Sturm sich ueber seinem Haupt zusammenzog, oder

mochte militaerisches Ehrgefuehl ihm zu tun verbieten, was seine Lage

erheischte - statt zu verzichten auf eine Belagerung, die er doch nicht

imstande war, auch nur zu versuchen, und sich einzuschliessen in die

Burg von Clupea, blieb er mit einer Handvoll Leute vor den Mauern

der feindlichen Hauptstadt stehen, sogar seine Rueckzugslinie zu dem

Schiffslager zu sichern versaeumend, und versaeumend sich zu schaffen,

was ihm vor allen Dingen fehlte und was durch Verhandlungen mit den

aufstaendischen Staemmen der Numidier so leicht zu erreichen war, eine

gute leichte Reiterei. Mutwillig brachte er sich und sein Heer also

in dieselbe Lage, in der einst Agathokles auf seinem verzweifelten

Abenteurerzug sich befunden hatte. Als das Fruehjahr kam (499 255),

hatten sich die Dinge schon so veraendert, dass jetzt die Karthager

es waren, die zuerst ins Feld rueckten und den Roemern eine Schlacht

anboten; natuerlich, denn es lag alles daran, mit dem Heer des Regulus

fertig zu werden, ehe von Italien Verstaerkung kommen konnte. Aus

demselben Grunde haetten die Roemer zoegern sollen; allein im Vertrauen

auf ihre Unueberwindlichkeit im offenen Felde nahmen sie sofort die

Schlacht an trotz ihrer geringeren Staerke - denn obwohl die Zahl des

Fussvolks auf beiden Seiten ungefaehr dieselbe war, gaben doch

den Karthagern die 4000 Reiter und 100 Elefanten ein entschiedenes

Uebergewicht - und trotz des unguenstigen Terrains - die Karthager

hatten sich auf einem weiten Blachfeld, vermutlich unweit Tunes,

aufgestellt. Xanthippos, der an diesem Tage die Karthager kommandierte,

warf zunaechst seine Reiterei auf die feindliche, die wie gewoehnlich

auf den beiden Fluegeln der Schlachtlinie stand; die wenigen roemischen

Schwadronen zerstoben im Nu vor den feindlichen Kavalleriemassen und das

roemische Fussvolk sah sich von demselben ueberfluegelt und umschwaermt.

Die Legionen, hierdurch nicht erschuettert, gingen zum Angriff vor

gegen die feindliche Linie; und obwohl die zur Deckung vor derselben

aufgestellte Elefantenreihe den rechten Fluegel und das Zentrum der

Roemer hemmte, fasste wenigstens der linke roemische Fluegel, an den

Elefanten vorbeimarschierend, die Soeldnerinfanterie auf dem rechten

feindlichen und warf sie vollstaendig. Allein eben dieser Erfolg zerriss

die roemischen Reihen. Die Hauptmasse, vorn von den Elefanten, an den

Seiten und im Ruecken von der Reiterei angegriffen, formierte sich zwar

ins Viereck und verteidigte sich heldenmuetig, allein endlich wurden

doch die geschlossenen Massen gesprengt und aufgerieben. Der siegreiche

linke Fluegel traf auf das noch frische karthagische Zentrum, wo

die libysche Infanterie ihm gleiches Schicksal bereitete. Bei der

Beschaffenheit des Terrains und der Ueberzahl der feindlichen Reiterei

ward niedergehauen oder gefangen, was in diesen Massen gefochten hatte;

nur zweitausend Mann, vermutlich vorzugsweise die zu Anfang zersprengten

leichten Truppen und Reiter, gewannen, waehrend die roemischen Legionen

sich niedermachen liessen, soviel Vorsprung, um mit Not Clupea zu

erreichen. Unter den wenigen Gefangenen war der Konsul selbst, der

spaeter in Karthago starb; seine Familie, in der Meinung, dass er von

den Karthagern nicht nach Kriegsgebrauch behandelt worden sei, nahm

an zwei edlen karthagischen Gefangenen die empoerendste Rache, bis

es selbst die Sklaven erbarmte und auf deren Anzeige die Tribune der

Schaendlichkeit steuerten ^3. ------------------------------------------

^2 Der Bericht, dass zunaechst Xanthippos' militaerisches Talent

Karthago gerettet habe, ist wahrscheinlich gefaerbt; die karthagischen

Offiziere werden schwerlich auf den Fremden gewartet haben, um zu

lernen, dass die leichte afrikanische Kavallerie zweckmaessiger auf der

Ebene verwandt werde als in Huegeln und Waeldern. Von solchen Wendungen,

dem Echo der griechischen Wachtstubengespraeche, ist selbst Polybios

nicht frei. Dass Xanthippos nach dem Siege von den Karthagern ermordet

worden sei, ist eine Erfindung; er ging freiwillig fort, vielleicht

in aegyptische Dienste. ^3 Weiter ist ueber Regulus' Ende nichts mit

Sicherheit bekannt; selbst seine Sendung nach Rom, die bald 503 (251),

bald 513 (241) gesetzt wird, ist sehr schlecht beglaubigt, Die spaetere

Zeit, die in dem Glueck und Unglueck der Vorfahren nur nach Stoffen

suchte fuer Schulakte, hat aus Regulus den Prototyp des ungluecklichen

wie aus Fabricius das des duerftigen Helden gemacht und eine Menge

obligat erfundener Anekdoten auf seinen Namen in Umlauf gesetzt;

widerwaertige Flitter, die uebel kontrastieren mit der ernsten

und schlichten Geschichte.

--------------------------------------------------- Wie die

Schreckenspost nach Rom gelangte, war die erste Sorge natuerlich

gerichtet auf die Rettung der in Clupea eingeschlossenen Mannschaft.

Eine roemische Flotte von 350 Segeln lief sofort aus, und nach einem

schoenen Sieg am Hermaeischen Vorgebirg, bei welchem die Karthager 114

Schiffe einbuessten, gelangte sie nach Clupea eben zur rechten Zeit,

um die dort verschanzten Truemmer der geschlagenen Armee aus ihrer

Bedraengnis zu befreien. Waere sie gesandt worden, ehe die Katastrophe

eintrat, so haette sie die Niederlage in einen Sieg verwandeln moegen,

der wahrscheinlich den phoenikischen Kriegen ein Ende gemacht haben

wuerde. So vollstaendig aber hatten jetzt die Roemer den Kopf verloren,

dass sie nach einem gluecklichen Gefecht vor Clupea saemtliche Truppen

auf die Schiffe setzten und heimsegelten, freiwillig den wichtigen und

leicht zu verteidigenden Platz raeumend, der ihnen die Moeglichkeit der

Landung in Afrika sicherte, und der Rache der Karthager ihre zahlreichen

afrikanischen Bundesgenossen schutzlos preisgebend. Die Karthager

versaeumten die Gelegenheit nicht, ihre leeren Kassen zu fuellen und

den Untertanen die Folgen der Untreue deutlich zu machen. Eine

ausserordentliche Kontribution von 1000 Talenten Silber (1740000 Taler)

und 20000 Rindern ward ausgeschrieben und in saemtlichen abgefallenen

Gemeinden die Scheiche ans Kreuz geschlagen - es sollen ihrer

dreitausend gewesen sein und dieses entsetzliche Wueten der

karthagischen Beamten wesentlich den Grund gelegt haben zu der

Revolution, welche einige Jahre spaeter in Afrika ausbrach. Endlich,

als wollte wie frueher das Glueck, so jetzt das Unglueck den Roemern

das Mass fuellen, gingen auf der Rueckfahrt der Flotte in einem schweren

Sturm drei Vierteile der roemischen Schiffe mit der Mannschaft zugrunde;

nur achtzig gelangten in den Hafen (Juli 499 255). Die Kapitaene

hatten das Unheil wohl vorausgesagt, aber die improvisierten roemischen

Admirale die Fahrt einmal also befohlen. Nach so ungeheuren Erfolgen

konnten die Karthager die lange eingestellte Offensive wiederum

ergreifen. Hasdrubal, Hannos Sohn, landete in Lilybaeon mit einem

starken Heer, das besonders durch die gewaltige Elefantenmasse - es

waren ihrer 140 - in den Stand gesetzt wurde, gegen die Roemer das Feld

zu halten; die letzte Schlacht hatte gezeigt, wie es moeglich war, den

Mangel eines guten Fussvolks durch Elefanten und Reiterei einigermassen

zu ersetzen. Auch die Roemer nahmen den sizilischen Krieg von neuem auf:

die Vernichtung des Landungsheeres hatte, wie die freiwillige Raeumung

von Clupea beweist, im roemischen Senat sofort wieder der Partei die

Oberhand gegeben, die den afrikanischen Krieg nicht wollte und sich

begnuegte, die Inseln allmaehlich zu unterwerfen. Allein auch hierzu

bedurfte man einer Flotte; und da diejenige zerstoert war, mit der man

bei Mylae, bei Eknomos und am Hermaeischen Vorgebirge gesiegt hatte,

baute man eine neue. Zu zweihundertundzwanzig neuen Kriegsschiffen wurde

auf einmal der Kiel gelegt - nie hatte man bisher gleichzeitig so viele

zu bauen unternommen -, und in der unglaublich kurzen Zeit von drei

Monaten standen sie saemtlich segelfertig. Im Fruehjahr 500 (254)

erschien die roemische Flotte, dreihundert groesstenteils neue Schiffe

zaehlend, an der sizilischen Nordkueste. Durch einen gluecklichen

Angriff von der Seeseite ward die bedeutendste Stadt des karthagischen

Siziliens, Panormos, erobert, und ebenso fielen hier die kleineren

Plaetze Solus, Kephaloedion, Tyndaris den Roemern in die Haende, so dass

am ganzen noerdlichen Gestade der Insel nur noch Thermae den Karthagern

verblieb. Panormos ward seitdem eine der Hauptstationen der Roemer

auf Sizilien. Der Landkrieg daselbst stockte indes; die beiden Armeen

standen vor Lilybaeon einander gegenueber, ohne dass die roemischen

Befehlshaber, die der Elefantenmasse nicht beizukommen wussten, eine

Hauptschlacht zu erzwingen versucht haetten. Im folgenden Jahre (501

253) zogen die Konsuln es vor, statt die sicheren Vorteile in Sizilien

zu verfolgen, eine Expedition nach Afrika zu machen, nicht um zu landen,

sondern um die Kuestenstaedte zu pluendern. Ungehindert kamen sie damit

zustande; allein nachdem sie schon in den schwierigen und ihren Piloten

unbekannten Gewaessern der Kleinen Syrte auf die Untiefen aufgelaufen

und mit Muehe wieder losgekommen waren, traf die Flotte zwischen

Sizilien und Italien ein Sturm, der ueber 150 roemische Schiffe kostete;

auch diesmal hatten die Piloten, trotz ihrer Vorstellungen und Bitten,

den Weg laengs der Kueste zu waehlen, auf Befehl der Konsuln von

Panormos gerades Weges durch das offene Meer nach Ostia zu steuern

muessen. Da ergriff Kleinmut die Vaeter der Stadt; sie beschlossen,

die Kriegsflotte abzuschaffen bis auf 60 Segel und den Seekrieg auf die

Kuestenverteidigung und die Geleitung der Transporte zu beschraenken.

Zum Glueck nahm eben jetzt der stockende Landkrieg auf Sizilien eine

guenstigere Wendung. Nachdem im Jahre 502 (252) Thermae, der letzte

Punkt, den die Karthager an der Nordkueste besassen, und die wichtige

Insel Lipara den Roemern in die Haende gefallen waren, erfocht im

Jahre darauf der Konsul Lucius Caecilius Metellus unter den Mauern von

Panormos einen glaenzenden Sieg ueber das Elefantenheer (Sommer 503

251). Die unvorsichtig vorgefuehrten Tiere wurden von den im Stadtgraben

aufgestellten leichten Truppen der Roemer geworfen und stuerzten teils

in den Graben hinab, teils zurueck auf ihre eigenen Leute, die in wilder

Verwirrung mit den Elefanten zugleich sich zum Strande draengten, um von

den phoenikischen Schiffen aufgenommen zu werden. 120 Elefanten wurden

gefangen, und das karthagische Heer, dessen Staerke auf den Tieren

beruhte, musste sich wiederum in die Festungen einschliessen. Es blieb,

nachdem auch noch der Eryx den Roemern in die Haende gefallen war

(505 249), auf der Insel den Karthagern nichts mehr als Drepana und

Lilybaeon. Karthago bot zum zweitenmal den Frieden an; allein der Sieg

des Metellus und die Ermattung des Feindes gab der energischeren Partei

im Senat die Oberhand. Der Friede ward zurueckgewiesen und beschlossen,

die Belagerung der beiden sizilischen Staedte ernsthaft anzugreifen

und zu diesem Ende wiederum eine Flotte von 200 Segeln in See gehen zu

lassen. Die Belagerung von Lilybaeon, die erste grosse und regelrechte,

die Rom unternahm, und eine der hartnaeckigsten, die die Geschichte

kennt, wurde von den Roemern mit einem wichtigen Erfolg eroeffnet: ihrer

Flotte gelang es, sich in den Hafen der Stadt zu legen und dieselbe

von der Seeseite zu blockieren. Indes vollstaendig die See zu sperren,

vermochten die Belagerer nicht. Trotz ihrer Versenkungen und Palisaden

und trotz der sorgfaeltigsten Bewachung unterhielten gewandte und der

Untiefen und Fahrwaesser genau kundige Schnellsegler eine regelmaessige

Verbindung zwischen den Belagerten in der Stadt und der karthagischen

Flotte im Hafen von Drepana; ja nach einiger Zeit glueckte es einem

karthagischen Geschwader von 50 Segeln, in den Hafen einzufahren,

Lebensmittel in Menge und Verstaerkung von 10000 Mann in die Stadt zu

werfen und unangefochten wieder heimzukehren. Nicht viel gluecklicher

war die belagernde Landarmee. Man begann mit regelrechtem Angriff; die

Maschinen wurden errichtet, und in kurzer Zeit hatten die Batterien

sechs Mauertuerme eingeworfen; die Bresche schien bald gangbar. Allein

der tuechtige karthagische Befehlshaber Himilko wehrte diesen Angriff

ab, indem auf seine Anordnung hinter der Bresche sich ein zweiter Wall

erhob. Ein Versuch der Roemer, mit der Besatzung ein Einverstaendnis

anzuknuepfen, ward ebenso noch zur rechten Zeit vereitelt. Ja es gelang

den Karthagern, nachdem ein erster, zu diesem Zwecke gemachter Ausfall

abgeschlagen worden war, waehrend einer stuermischen Nacht die

roemische Maschinenreihe zu verbrennen. Die Roemer gaben hierauf die

Vorbereitungen zum Sturm auf und begnuegten sich, die Mauer zu Wasser

und zu Lande zu blockieren. Freilich waren dabei die Aussichten auf

Erfolg sehr fern, solange man nicht imstande war, den feindlichen

Schiffen den Zugang gaenzlich zu verlegen; und einen nicht viel

leichteren Stand als in der Stadt die Belagerten hatte das Landheer der

Belagerer, welchem die Zufuhren durch die starke und verwegene leichte

Reiterei der Karthager haeufig abgefangen wurden und das die Seuchen,

die in der ungesunden Gegend einheimisch sind, zu dezimieren begannen.

Die Eroberung Lilybaeons war nichtsdestoweniger wichtig genug, um

geduldig bei der muehseligen Arbeit auszuharren, die denn doch mit der

Zeit der. gewuenschten Erfolg verhiess. Allein dem neuen Konsul Publius

Claudius schien die Aufgabe, Lilybaeon eingeschlossen zu halten, allzu

gering; es gefiel ihm besser, wieder einmal den Operationsplan

zu aendern und mit seinen zahlreichen neu bemannten Schiffen die

karthagische in dem nahen Hafen von Drepana verweilende Flotte

unversehens zu ueberfallen. Mit dem ganzen Blockadegeschwader, das

Freiwillige aus den Legionen an Bord genommen hatte, fuhr er um

Mitternacht ab und erreichte, in guter Ordnung segelnd, den rechten

Fluegel am Lande, den linken in der hohen See, gluecklich mit

Sonnenaufgang den Hafen von Drepana. Hier kommandierte der phoenikische

Admiral Atarbas. Obwohl ueberrascht, verlor er die Besonnenheit nicht

und liess sich nicht in den Hafen einschliessen, sondern wie die

roemischen Schiffe in den nach Sueden sichelfoermig sich oeffnenden

Hafen an der Landseite einfuhren, zog er an der noch freien Seeseite

seine Schiffe aus dem Hafen heraus und stellte sich ausserhalb desselben

in Linie. Dem roemischen Admiral blieb nichts uebrig, als die vordersten

Schiffe moeglichst schnell aus dem Hafen zurueckzunehmen und sich

gleichfalls vor demselben zur Schlacht zu ordnen; allein ueber dieser

rueckgaengigen Bewegung verlor er die freie Wahl seiner Aufstellung

und musste die Schlacht annehmen in einer Linie, die teils von der

feindlichen um fuenf Schiffe ueberfluegelt ward, da es an Zeit gebrach,

die Schiffe wieder aus dem Hafen vollstaendig zu entwickeln, teils

so dicht an die Kueste gedraengt war, dass seine Fahrzeuge weder

zurueckweichen noch hinter der Linie hinsegelnd sich untereinander zu

Hilfe kommen konnten. Die Schlacht war nicht bloss verloren, ehe sie

begann, sondern die roemische Flotte so vollstaendig umstrickt, dass sie

fast ganz den Feinden in die Haende fiel. Zwar der Konsul entkam, indem

er zuerst davonfloh; aber 93 roemische Schiffe, mehr als drei Viertel

der Blockadeflotte, mit dem Kern der roemischen Legionen an Bord,

fielen den Phoenikern in die Haende. Es war der erste und einzige grosse

Seesieg, den die Karthager ueber die Roemer erfochten haben. Lilybaeon

Römische Geschichte — Buch 3 · 第 4 / 51 段