Tagsüber aber lag er wieder auf dem Wasser. Ungeachtet aller Schelte und

Schläge brach er immer wieder aus; sie konnte nichts mit ihm aufstellen.

Die Elbfischer, denen sie ihre Not geklagt hatte, machten Jagd auf ihn

wie auf ein Wild und vertrieben ihn, wo sie ihn sahen, er ging ihnen

aber immer wieder durch die Maschen! Sein Trotz wuchs: was Eisen in ihm

gewesen war, hatte sich zum Stahl gehärtet, und gewisser als zuvor

hoffte er auf seines Vaters Wiederkehr.

Zuletzt, als er sich gar nicht mehr retten konnte, als die Hunde von

allen Seiten nach ihm schnappten, beschloß er, nach der See zu schippern

und seinen Vater vor der Elbe und auf der Weser zu suchen: wenn er ihn

gefunden hatte, wollte er immer bei ihm an Bord bleiben und gar nicht

wieder nach Hause kommen. Er tat nun einige Tage, als wenn er die Fahrt

aufgegeben hätte, so daß Gesa neue Hoffnung schöpfte, heimlich aber

rüstete er sich für die Flucht aus. Er suchte sich eine große Kruke her

und füllte sie mit Wasser, damit er auf der See etwas zu trinken hätte,

er packte seinen Aalkorb zurecht, damit er sich unterwegs Fische fangen

könnte, er zog ein altes Segel vom Boden und legte es zusammengerollt

unter die Ducht, damit er nachts unterkriechen und schlafen könnte. Als

er soweit fertig war, wartete er auf einen günstigen Augenblick, und als

seine Mutter die Eier im Schauer zusammensuchte, nahm er den Kompaß von

der Wand, steckte seinen Spartopf in die Tasche und jagte mit seinem

Kahn die Elbe hinunter. Zu Blankenese ging er an Land und kaufte sich

beim Bäcker zwei große Brote, damit er etwas zu leben hatte, dann

wriggte er unverzagt weiter, der See entgegen, und weil es Ebbe war und

er Achterwind hatte, kam er sehr schnell vorwärts, bis über die Lühe

hinaus. Als es Flut wurde und der Abend kam, suchte er an der Nordkante

in einem Priel Unterschlupf, mitten im Schilf, und kroch in das Segel

hinein, denn es war fröstelig. Schlafen konnte er aber nicht, und als

Hochwasser war, stand er wieder auf und schipperte emsig weiter. Bis

Krautsand war er schon gekommen: da ereilte ihn sein Verhängnis; als es

Tag geworden war, entdeckte ihn ein nachbarlicher Elbfischer, der auf

seiner Jolle stand und seine Garne wusch: er sprang ins Boot und

verfolgte ihn, bis er ihn gefangen hatte. Störtebeker bat und biß, aber

es half ihm nichts, der Elbfischer band den Kahn hinter seine Jolle und

brachte ihn den andern Tag, als er den Bünn voll hatte, nach

Finkenwärder zurück. Diesmal ging es nicht so gnädig ab, denn der Jäger

kam dazwischen und brauchte den Stock, als wenn er seinen Jagdhund oder

ein Stück Vieh vor sich hätte. Störtebeker schrie doch einmal auf, dann

aber schwieg er wieder beharrlich und dachte: wenn Vadder man hier wür,

de wull jo god!

Den Tag darauf schloß Gesa ihn ein und ließ den Kahn nach dem andern

Ende des Deiches bringen. Und sagte, sie hätte ihn einem Fischer

verkauft, der ihn mit nach See genommen hätte. »Wat kannst du bloß den

Kohn verkäupen?« rief er heftig, »de hürt mi to un dor hett nüms wat

ober to seggen as ik, kannst Vadder frogen!« Als er sie dann aber nach

dem Fischer fragte, gab sie keine klare Antwort, so daß ihm die Sache

muffig vorkam; er fragte die Jungen und suchte und spähte solange, bis

er sein Schiff entdeckt hatte. Ohne jemand zu fragen, machte er es los

und brachte es nach dem Neß zurück.

Und fing wieder an, seinen Vater zu suchen, denn sein Vater mußte ja

wiederkommen! Felsenfest stand seine Hoffnung.

War da niemand, den diese Treue rührte? Wohl nicht, denn die Frauen

bestärkten Gesa in ihrer Strenge und die Elbfischer griffen ihn, wo sie

seiner habhaft werden konnten. Es war ein Jammer, wie sie mit dem armen

Jungen umgingen, der seinen Vater nicht vergessen konnte!

Zuletzt brachte Gesa ihn nach der Geest zu ihren Eltern, wo es kein

Wasser und kein Boot gab, und hoffte, daß er dort auf der Heide seinen

Vater und die See, die Schiffahrt und die Fischerei vergessen würde. Der

alte Heidjer und die Großmutter freuten sich, den Enkel endlich einmal

bei sich zu haben, tischten ihm auf und versprachen, gut auf ihn zu

passen, als Gesa sich wieder auf den Heimweg machte. Störtebeker ließ

sich das neue Leben und die neue Umgebung auch einige Tage gefallen, er

ging mit nach dem Moor, er sah die Bienenkörbe nach, er lernte

Buchweizen dreschen, er trank Ziegenmilch, er suchte sich Brombeeren, er

kletterte auf die Berge und guckte weit über das Alte Land: dann aber

fiel ihm plötzlich ein, daß sein Vater aufgekommen sei und auf dem Neß

mit dem Ewer läge und auf ihn warte; da sprang er kopflängs von dem

Schimmel herab, auf dem er saß, und lief in Sprüngen weg, ohne Mütze und

alles, fragte sich durch das Alte Land nach der Fähre an der Süderelbe,

ließ sich von Paul Müller übersetzen, raste den Westerdeich entlang und

stand an der Huk still, denn er konnte keinen Ewer sehen. Erst wollte er

wieder nach der Geest zurücklaufen, dann aber getraute er sich doch nach

seiner Mutter Haus.

Gesa fuhr auf, als sie ihn unter den Linden stehen und noch immer nach

der Elbe gucken sah, dann aber konnte sie nicht an sich halten und sie

schlug ihn, daß er blutete. Als Nachmittag der alte Heidebauer mit

seinem Wagen angefahren kam, erbost über die Flucht und den Trotz des

Jungen, schlug auch er auf ihn ein. Dann wollte er ihn binden und wieder

mitnehmen, aber Gesa sagte, das hülfe doch nichts: sie wolle ihn hier

behalten: er solle in den Keller gesperrt werden und sie wolle den Kahn

nun wirklich verkaufen.

Schweigend ließ Störtebeker sich nach dem Keller bringen. Da saß er im

Gefängnis, denn das Fenster war vergittert. Er versuchte, den Kopf durch

die Eisenstangen zu stecken, aber es ging nicht. Der Jäger, der gerade

unter dem Fenster entlangging, drohte ihm mit dem Flintenkolben und

sagte grimmig: »Wi weut di woll mörr kriegen, du Dickkupp!«

Als er weg war, setzte der Junge sich müde und hungrig auf eine

Kartoffelkiepe und weinte bitterlich, denn er wußte sich nicht mehr zu

helfen.

»Hilp mi doch, Vadder!« schluchzte er, »hilp mi doch! Kumm doch wedder!«

Aber kein Klaus Mewes stieg aus der See, um seinem treuen Jungen

beizustehen, ihn aus der Haft zu erlösen und ihn wieder mit an Bord, auf

den Ewer und nach See zu nehmen. Kein Kap Horn tröstete ihn und kein

Seemann kam, ihm die Hände zu lecken.

»Hilp mi doch, Vadder!« ......

Letzter Stremel.

Jahre sind vergangen, seitdem Klaus Mewes mit seinem grünen Ewer

geblieben ist.

Wir kurren in der Gegenwart.

* * * * *

Herbst ist es, windstarker, wolkengewaltiger Herbst, der die Blätter von

den Bäumen gerissen und die kleinen Segelschiffe von der See gefegt hat.

Hinter der Alten Liebe zu Cuxhaven (die nichts mit Liebe zu tun hat,

sondern ihren Namen von der »Olive« bekommen hat, einem haverierten und

abgeschlachteten Schiff, das zuerst den Anleger bildete) -- liegt die

Austernflotte und macht sich zum Auslaufen klar. Da liegen die neun

Kutter, die Dohrmann, der große Austernhändler, für den Winterfang

angenommen hat.

Auf der Besan haben sie seine Charterflagge wehen, die hansischen Farben

mit den hamburgischen Türmen, die am Finkenwärder Deich die Todesflagge

genannt wird. Denn der Austernfang auf hoher See ist die

allergefährlichste Fischerei, weil sie in die stürmischen Monate fällt

und weil die Austernbänke so weit draußen liegen, inmitten der Nordsee,

meilenweit hinter Helgoland. Da ist keine Reede und kein Hafen zu

erreichen, wenn das Wetterglas fällt: alle Stürme müssen draußen

ausgeklüst werden.

Nur die neuesten, größten und seetüchtigsten Kutter können sich des

Austernkurrens unterfangen. Nur die verwegensten und mutigsten

Seefischer, die jungen und starken, können diese Fischerei betreiben:

aber auch sie würden sich nicht dazu hergeben, wenn sie nicht verdienen

müßten und wenn die Austern nicht so gut lohnten. Die Zeiten sind schwer

geworden, seitdem die Fischdampfer groß geworden sind: Winter und Sommer

muß der Fischermann kurren, wenn er noch bestehen will: die

Notwendigkeit, die eiserne Not steht hinter ihm und jagt ihn in die

Stürme hinein.

Ein furchtbarer Ernst webt um die Masten der Fahrzeuge. Der Tod steht

aufgerichtet an den Wanten und ist der heimliche Schiffer.

Der erste der neun Kutter trägt den Steven am höchsten und ist der

stärkste von ihnen. Noch flattern Reste des Taufkranzes am Großtopp,

bunte Bänder und grüne Blätter -- so neu ist er.

Und heißen seine Kameraden Präsident Herwig, Landrat Teßmar, Farewell,

Senator von Melle, Süllberg, Fairplay und Providentia, so heißt er Klaus

Störtebeker.

In Goldbuchstaben leuchtet es am Heck:

+----------------------+

| Klaus Störtebeker, |

| Finkenwärder. |

+----------------------+

Und lassen die andern Dohrmanns Flagge im Winde flattern, so weht ihm

eine deutsche Flagge von der Besan, denn der junge Fischer ist wie sein

Vater und zieht keine fremde Fahne auf. Dohrmann muß ihn so fahren

lassen.

Der schöne, schmucke Kutter gehört dem jungen Klaus Mewes! Dem jungen

Klaus Mewes!

Ja, Seele, dem jungen Klaus Mewes gehört er, dem kleinen Klaus

Störtebeker, aus dem sie einen Geestbauer, einen Schuster, einen

Zimmermann und was nicht alles machen wollten und aus dem doch nur eins

werden konnte, in dem doch nur eins steckte: ein Seefischer! Allen zum

Trotz hat er den Weg nach dem Wasser gefunden und ist ein Fahrensmann

geworden wie sein Vater.

Der Störtebeker ist schon sein zweites Schiff. Mit dem ersten Kutter ist

er bei Texel auf ein treibendes Wrack gestoßen und hat ihn dabei

eingebüßt. Nun liegt er mit seinem neuen Fahrzeug zu Cuxhaven und will

Austern fischen.

Bewundernd bleiben sogar die Seelotsen, die doch manches Schiff unter

den Füßen gehabt haben, vor dem großen, herrlichen Fischerkutter stehen,

betrachten die glänzenden Masten, das blinkende Deck, den ragenden Bug,

und loben den Baumeister, der ihn zusammengeklopft hat, und den

Schiffer, dem er gehört und der mit ihm nach See gehen kann.

* * * * *

Die Kajüte ist groß und hoch, denn der junge Klaus Mewes fährt zu vieren

und ist hochgewachsen.

Drei Sprüche zieren sie.

Unter der Schifferkoje leuchtet der schöne goldene Spruch aus dem Ewer:

Hilpt mi, Sünn un Wind,

hilpt mi bit Fischen!

Ik heet Klaus Mees

un bün van Finkwarder.

Unter der Knechtenkoje aber steht einfach und bedeutungsvoll: Kap Horn

-- und die letzte Koje schmückt das trotzige Wort:

Finkwarder blifft Finkwarder

un geiht ne van de See!

* * * * *

Da kommt der junge Klaus Mewes.

Er kommt vom Kriegshafen herüber, von den Torpedobooten her. Er hat

seinen Leutnant besucht. Sie waren zusammen in Ostafrika und halten noch

jetzt viel voneinander.

»Klaus Mewes, wenn ich Sie ansehe, ist mir um die Wacht an der See nicht

bange,« hat der Seeoffizier zum Abschied gesagt und ernst hinzugefügt:

»Mehr als auf die Wacht am Rhein kommt es jetzt auf die Wacht an der See

an! England ist Rom und wir sind Karthago -- goden Wind, Klaus Mewes!«

Der junge Klaus Mewes geht, wie sein Vater ging. Er sieht aus, wie der

ausgesehen hat: es ist, als wäre der andre Klaus Mewes wiedergekommen.

Anders als dieser hat auch jener nicht gelacht und höher hat auch er den

Kopf nicht getragen: wie ein Herzog geht der junge Klaus Mewes in seinem

Isländer und auf seinen Seestiefeln.

Und er ist doch ein rechter, wohlgemuter, unerschrockener Fischermann.

Nicht als finsterer Fliegender Holländer geht er einher: viel ähnlicher

ist er dem blonden Konradin, der tapfer lachend über die Alpen zog, nur

von seinem Schwert begleitet, und sich sein Königreich erobern wollte.

Daß er so lachen kann, der junge Klaus Mewes! Urgroßvater, Großvater und

Vater sind geblieben, seine Mutter ist vor Gram gestorben, er hat die

schweren Winterstürme vor sich -- und dennoch lacht er, wie die Sonne,

wenn sie scheint.

An Land ist er ein Kind, das gern mit Kindern spielt, auf See aber ein

verwegener Draufgänger, der sich vor keinem Wind verkriecht und lieber

ein Segel in die See gehen läßt, als daß er ein Reff einsteckt. Die

Furcht, die schon der Junge nicht kannte, hat auch in der Seele des

Mannes keinen Raum.

Ein sturer Fischer ist der junge Klaus Mewes, er macht die schnellsten

und besten Reisen. Das weiß der ganze Deich. Und wenn ein Junggast bei

ihm als Koch gefahren hat, so nimmt ihn jeder Schiffer gern als Knecht,

denn die Fahrzeit bei dem jungen Klaus Mewes ist wie Kriegszeit und wird

doppelt gezählt.

Und doch ist er ein Fischermann aus Lust, wie sein lachender,

glücklicher Vater, den er in Gedanken immer bei sich stehen hat, wenn er

steuert. Bei ihm an Bord ist nichts von der Not der Zeit zu spüren, die

die stolzen Flotten von Finkenwärder und Blankenese bis auf neunzig

Schiffe zerschlagen und zertrümmert hat: er hat Leute genug: wie der

Magnet das Eisen, so zieht er das tüchtige Jungvolk, den Nachwuchs von

Finkenwärder, der noch Lust zur Seefischerei hat, mit Gewalt an sich.

Er brauchte nicht während des Winters zu fischen, denn er hat im Sommer

Geld genug verdient, daß er geruhig auflegen könnte: aber er geht

dennoch auf die Austern los. Was ihn treibt, ist das, was Hagen trieb,

den Zug ins Heunenland mitzumachen: es ist ihm um die Ehre zu tun! Er

muß überall der erste sein! Er kann und will sich nicht sagen lassen,

daß er hinter dem Ofen gesessen hätte, während andre in den Austern

gewesen seien!

Er weiß, daß sie auf ihn sehen, wie auf ihren Führer, und er ist stolz

darauf und freut sich dessen.

Als der Kutter auf der Helling saß, machte der junge Klaus Mewes einige

Reisen als Fischdampferkapitän, um sein großes Steuermannspatent auch

einmal auszunutzen: er fischte im Angesichte von Island im Schein der

Mitternachtssonne und an der Küste von Marokko in der Glut des Samums,

er sah sich Aberdeen und Lissabon an: als aber sein Kutter zu Wasser

gelassen war, da bedankte er sich selbst lachend bei seinem Reeder und

zog es vor, sein eigenes Schiff zu steuern und nichts über sich zu

haben, als seine Segel und seinen Herrgott!

Er hat sein schönes Schiff erreicht, der junge Klaus Mewes. Er springt

an Bord und ruft die Leute auf.

Sie wollen fahren!

Klappernd steigen die weißen, leuchtenden Segel, die noch keine Lohe

geschmeckt haben, an den Masten auf, die Gaffeln knarren und die Schoten

schlagen wie wilde Geister, denn es ist noch stur.

Der junge Klaus Mewes zieht sein Ölzeug an und setzt den Südwester auf,

dann faßt er das Ruder an und läßt die Stroppen losmachen. Langsam

schwoit der Kutter -- die Segel fallen voll und das Fahrzeug setzt sich

allmählich in Bewegung.

Hinter der Alten Liebe erst besinnt es sich auf seine Kraft und schießt

mächtig davon, um Austern zu kurren. Gewaltig taucht es in die schwere

Dünung hinein.

Am Ruder aber steht der junge Klaus Mewes und freut sich seines Schiffes

und seiner Fahrt.

* * * * *

Seefahrt ist not!

Auch deine Seefahrt, Klaus Mewes!

* * * * *

Ende

Verklarung einiger Schiffsausdrücke und plattdeutscher Wörter.

ans = sonst (entstanden aus anders)

back brassen = einen Teil der Rahsegel so stellen, daß der Wind von vorn

hineinfällt, wodurch das Schiff aus der Fahrt kommt; in übertragenem

Sinne = stoppen

ballern = poltern, werfen, daß es knallt

bannig = sehr

barg = viel

batz = plötzlich

Black = Tinte

blangen = neben

Blösch = Eisscholle (Mehrzahl Blöschen)

Blutstropfen = Fuchsie

Boitel = Wicht, Kerlchen

Bünn = mittschiffs eingebauter, durch Löcher mit dem Wasser verbundener

Fischbehälter

Bunge = Reifenstellnetz in Trommelform

Buscherump = Oberhemd (entstanden aus Burschenrumpf)

Büt = Beute, Strandgut

Buttpedder = Buttentreter, Neckname der Elbfischer

Daak = Dunst, Nebel

Dachhaus = Strohdachhaus

diesig = dunstig, unsichtig

Dönß = Stube

Draggen = vierzahniger Anker

Dreuchewer = Frachtewer, der keinen Bünn hat, also »trocken« ist

drok = dreist

Ducht = Bootsbank

dümpeln = schwanken, schaukeln

dwars = quer, gegenüber

Dweel = leinenes Tischtuch

Dweil = gestielter Schiffsfeudel

elk = jeder, jedes

Euschfatt = Holzschaufel zum Wasserausgießen

Ewer = zwei- oder einmastiger Segler auf der Elbe (der Name bedeutet

Eber; vergl. Bollen = Bulle [Anleger], Buck = Bock [stumpfes Schiff])

Fall = Sand- oder Schlickriff, das sich durch den »Fall« der vom Wasser

mitgeführten Bestandteile gebildet hat

fieren = herunterlassen

Flage = Schauer, Bö

Fleek = Fläche

Flögel = Windfahne auf den Masten (eigentlich Flügel)

Gaffel = oberer Segelbaum (-Gabel)

Gatt = Hinterteil des Schiffes

gau = schnell

Geutjen = Kinder (eigentlich Gänschen)

Giekbaum = Schlagbaum, unterer Segelbaum

gnostern = knirschen

Grientje = schmieriges Lachen

gucheln = in sich hinein lachen

Heck = Hinterwand des Schiffes

heilen, ausheilen = ein Netz flicken

Helmholz = oberer Teil des Ruders (Steuers)

Hemdsmauen = Hemdsärmel

hieven = aufziehen

hild = eilig

Hödjihöh = Ahoi

Huk = Ecke (holländ. hoek)

jumpen = springen, aus dem Englischen

Jalk = Tjalk, kleines breitbugiges Frachtfahrzeug

Kambüse = Küche, auch Schiffskajüte

Kapp = Deckverschluß der Kajüte

Kapuze = Wandbett mit Schiebetür

Kastetten = Staket

Kieker = Fernrohr

Kimmung = Horizont

klamüstern = grübeln

Klitsch = leichte Mütze

Klür = Farbe, Couleur

klüsen = scharf segeln, hart ankern, daß das Wasser durch die Klüsen

(Kettenlöcher) kommt

Kluten = Erdstück

Knipptasche = Geldtasche, Portemonnaie

kodimmen = kondemnieren, ein Schiff abschlachten

Kolosen = Vorhänge, Rouleaus

krüssen = ersticken

Kule = Vertiefung, Senkung, Wasserloch

Kurre = Schleppnetz

Kurrgut = Netzgarn

labsalben = die Masten und Stengen schmeeren

lavieren = kreuzen, hin und her segeln

Lee = die dem Winde abgekehrte Schiffsseite

leege Wall = gefährliche Nähe von Land

Liek = Tau, das das Segel einfaßt

Liekedeeler = Gleichteiler, mittelalterliche Seeräuber der Nordsee

Luv = die dem Winde zugekehrte Schiffsseite

Macker = Kamerad, Gefährte

mall = krank, verrückt

meuten = aufhalten (inne Meut = entgegen)

mooi = gut, schön, angenehm

mörr = mürbe

Muck = schmale Henkeltasse (engl. mug)

Nachthaus = Kompaßhäuschen

Neß = Nase, Westspitze von Finkenwärder

Nock = Ende der Rah

Nüff = Nase

offermorgen = übermorgen

Patt = Pfütze

Pek = Schlittenhaken

Plicht = kleine Koje

Poller = kurzer Deckspfahl

Posensteel = Gänsekiel, Federhalter

Priel = schmaler Wasserarm

Putt = Sumpf

Pütze = Schiffseimer, an einem Tau befestigt

Ramm = Hexenschuß

raum ist der Wind, der von hinten kommt

Reepschläger = Seiler

reffen = die Segel durch Zusammenrollen verkleinern

Reff = der zusammengerollte Teil des Segels

Rickels = Zaun

Riemen = Ruderstange

rollen heißt die Bewegung des Schiffes um seine Längsachse

Ruder = Steuer

sacken = sinken

Schallen = Schlickvorland

Scharben = scharfschuppige Schollenart

schechten = ausschreiten

Scheger = Holzbrettchen, das beim Netzmachen die Maschen hält

scheistern = schwanken

Schleef = Schlingel, eigentlich großer Löffel

schölen = spülen, waschen

Schote = unteres Segeltau

Schütt = Hauszaun

schwoien = drehen (nur von Schiffen)

Setzbord = Reling, Bordwand

Sickberg = Eisberg

Siel = kleine Schleuse im Deich, aus hohlen Baumstämmen gemacht

slarpen = lässig, schlürfend gehen

sleupen = schleppen

Smutje = Schiffskoch

Spake = dicke Holzstange zum Bewegen des Spills (s. d.)

Spill = Ankerwinde

stampfen = die Bewegung des Schiffes um seine Querachse

Steert = Netzende, eigentlich Schwanz

Stegel = Weg vom Deich ins Land hinab

Streek = Strich, Zug

Stremel = Streifen, Stück

Stropp = dickes Tau

Stubben = Baumstumpf

stur = aufrecht (vom Mann), hart (vom Wetter)

Tamp = kleines Tau

Tamp legen = ein Schiff anbinden

Törn = Reihe, Tour, Zug, auch Schlinge

treunen = betteln

troß = stolz

Tunner = Zunder

Vogel Bunt = Vagabund

Wake = Wasserstelle im Eis

Warbel = Drehriegel

Wanten = Taue, die die Masten seitlich halten

Wart = Enterich

Wichel = Weide

Wiem = Hühnerstall

Winsch = Winde

Wisch = Wiese

ziepen = piepen (ein Fahrzeug ziept, wenn es ein wenig leckt).

Verlag von M. Glogau jr. in Hamburg 36

Gorch Fock

Seefahrt ist not! Roman. 120. Tausend. Gebunden.

Schiff vor Anker. Erzählungen. 16. Tausend. Gebunden.

Fahrensleute. Neue Seegeschichten. 36. Tausend. Gebunden.

Hamborger Janmooten. Een lustig Book. 42. Tausend. Geb.

Nordsee! Erzählungen. Mit einem Bilde des Dichters. 55. Tausend.

Gebunden.

Sterne überm Meer. Tagebuchblätter und Gedichte mit

Lebensbeschreibung und Bild des Dichters. 45. Tausend. Gebunden.

Hein Godenwind, de Admirol von Moskitonien. Eine deftige

Hamburger Geschichte. 48. Tausend. Gebunden.

Schullengrieper und Tungenknieper. Finkenwärder Geschichten. 48.

Tausend. Gebunden.

Schiff ahoi! Ausgewählte Erzählungen. 22. Tausend.

Doggerbank. Niederdeutsches Drama.

Georg Droste

Dokter Langbeen und anner Geschichten von Tiere un Minschen. 11.

Tausend. Ein Buch voll Herz und Humor, rührend und lustig

zugleich, dessen Wert unvergänglich ist.

Wilhelm Poeck

Poggenkönig un Dübelsprinzessin. Lustige plattdeutsche Märchen

für Jung und Alt. Gebunden.

Der Herr Innehmer Barkenbusch und andere lustige Geschichten von

der Wasserkant. 4. bis 6. Tausend. Gebunden.

In de Ellernbucht. En Geschicht von de Hamborger Waterkant.

Otto Ernst

Hamborger Schippergeschichten. Nach Holger Drachmann in

plattdeutsche Art und Sprache übertragen. 11. Tausend.

Herr Bummerlunder. Volkskomödie in 4 Akten.

Carl Fr. Wagner

Hein Boller, de Hamborger Buddje. Mit sechs Bildern und

Umschlagbild von Adolf Möller. Gebunden.

Hans Much

Int Kinnerland. Kinnerleeder un Schattenbiller. Ein kleines

Prachtwerk.

Im Verlage von M. Glogau jr. in Hamburg 36

erschienen folgende

Bücher von

Fritz Lau

Kopp hoch! Plattdeutsche Erzählungen. 1. bis 5. Tausend (Neuheit).

Katenlüd. Plattdeutsche Erzählungen. 6. u. 7. Tausend.

Brandung. Geschichten von de Waterkant. 4. bis 6. Tausend.

Ebb un Flot -- Glück un Not. Plattdeutsche Erzählungen. 4. bis 6.

Tausend.

Helden to Hus. Plattdeutsche Erzählungen. 15. bis 17. Tausend.

In Luv un Lee. Plattdeutsche Erzählungen. 6. bis 8. Tausend.

Elsbe. Ein Stück Minschenleben. Mit einem Bildnis des Dichters.

6. bis 8. Tausend.

------

Auszüge aus Besprechungen:

Fritz Lau's Menschen wissen von Mühe und Arbeit, von Sorgen und Not,

aber sie wissen auch wieder von Gott und sie haben immer noch ein

herzliches Lachen in der Brust. Und wenn er dann von Kindern

spricht, oder von Tieren erzählt, dann kann es über uns kommen,

daß wir anhalten müssen, weil wir heilig Land vor uns sehen: so

fein, so innig wird Fritz Lau dann. Um seiner Kinder und Tiere

willen stelle ich ihn am höchsten. Er ist ein Meister der Stille,

und die Stillen im Lande werden zu ihm kommen. Er macht uns die

Augen auf und läßt uns weit sehen: in die Kindheit, in unseren

Alltag, in den Heben. Wahr und tief und lebendig ist alles, was

er geschrieben hat: auch alle für uns toten Dinge leben zwischen

seinen Fingern. Fritz Lau's Bücher sind Bücher für die Wasserkante.

Bücher für die Fahrt und das Leben. Sie sind für uns geschrieben und

sollten von uns gelesen werden.

Gorch Fock (Der Fischerbote -- Hamburg).

Fritz Lau sieht die Welt mit Dichteraugen an und wird vieles gewahr,

was andere, gewöhnliche Leute nicht bemerken. Und was er sieht,

das weiß er lebendig zu schildern und zwar immer in den

treffendsten, bezeichnendsten Ausdrücken. Es ist daher wie bei

einem Maler ganz gleichgültig, was er darstellt. Unser Interesse

wird immer gefesselt. Was er in seinen Bildern gibt, ist echte

Poesie, und zwar echte plattdeutsche Poesie. Es gibt Bücher, und

die bilden die Mehrzahl, die man, wenn man sie einmal gelesen

hat, nicht wieder in die Hand nehmen mag. Zu diesen gehört das

Buch von Fritz Lau nicht. Man kann es immer wieder lesen und hat

immer neuen Genuß davon.

Prof. Dr. Wisser-Oldenburg (Anz. für das Fürstentum Lübeck).

Der Dichter weiß den Leser in seinen Bann zu ziehen, läßt ihn mit

ihm sehen die gewaltigen Bilder der tosenden See wie die

lachenden Fluren, das einfache Dorfleben abseits der Welt, wie

die Tiefen in den Seelen der Meeresanwohner, die lichten und die

düsteren Farben, -- immer verklärt von warmen, vollen

Herzensregungen und von reiner Güte. Hinter seinen Gestalten steht

der Dichter mit seherischen Augen, mit feinem Empfinden und

vollendetem Können in der Formengebung: wahrhaft echte Poesie und

Prosa. Die Erzählungen »Klas un Lena«, »De Regenbagen« und »Dat

Polakengör«, sowie die ergreifende Schilderung »Up Scharhörn«

gehören zu dem Besten, was ich je in mundartlicher Dichtung und

überhaupt gelesen habe.

Deutsche Tageszeitung.

Anmerkungen zur Transkription

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im

Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_

gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,

wurden ^so^ markiert.

Seefahrt ist not! · 第 18 / 19 段