Schläge brach er immer wieder aus; sie konnte nichts mit ihm aufstellen.
Die Elbfischer, denen sie ihre Not geklagt hatte, machten Jagd auf ihn
wie auf ein Wild und vertrieben ihn, wo sie ihn sahen, er ging ihnen
aber immer wieder durch die Maschen! Sein Trotz wuchs: was Eisen in ihm
gewesen war, hatte sich zum Stahl gehärtet, und gewisser als zuvor
hoffte er auf seines Vaters Wiederkehr.
Zuletzt, als er sich gar nicht mehr retten konnte, als die Hunde von
allen Seiten nach ihm schnappten, beschloß er, nach der See zu schippern
und seinen Vater vor der Elbe und auf der Weser zu suchen: wenn er ihn
gefunden hatte, wollte er immer bei ihm an Bord bleiben und gar nicht
wieder nach Hause kommen. Er tat nun einige Tage, als wenn er die Fahrt
aufgegeben hätte, so daß Gesa neue Hoffnung schöpfte, heimlich aber
rüstete er sich für die Flucht aus. Er suchte sich eine große Kruke her
und füllte sie mit Wasser, damit er auf der See etwas zu trinken hätte,
er packte seinen Aalkorb zurecht, damit er sich unterwegs Fische fangen
könnte, er zog ein altes Segel vom Boden und legte es zusammengerollt
unter die Ducht, damit er nachts unterkriechen und schlafen könnte. Als
er soweit fertig war, wartete er auf einen günstigen Augenblick, und als
seine Mutter die Eier im Schauer zusammensuchte, nahm er den Kompaß von
der Wand, steckte seinen Spartopf in die Tasche und jagte mit seinem
Kahn die Elbe hinunter. Zu Blankenese ging er an Land und kaufte sich
beim Bäcker zwei große Brote, damit er etwas zu leben hatte, dann
wriggte er unverzagt weiter, der See entgegen, und weil es Ebbe war und
er Achterwind hatte, kam er sehr schnell vorwärts, bis über die Lühe
hinaus. Als es Flut wurde und der Abend kam, suchte er an der Nordkante
in einem Priel Unterschlupf, mitten im Schilf, und kroch in das Segel
hinein, denn es war fröstelig. Schlafen konnte er aber nicht, und als
Hochwasser war, stand er wieder auf und schipperte emsig weiter. Bis
Krautsand war er schon gekommen: da ereilte ihn sein Verhängnis; als es
Tag geworden war, entdeckte ihn ein nachbarlicher Elbfischer, der auf
seiner Jolle stand und seine Garne wusch: er sprang ins Boot und
verfolgte ihn, bis er ihn gefangen hatte. Störtebeker bat und biß, aber
es half ihm nichts, der Elbfischer band den Kahn hinter seine Jolle und
brachte ihn den andern Tag, als er den Bünn voll hatte, nach
Finkenwärder zurück. Diesmal ging es nicht so gnädig ab, denn der Jäger
kam dazwischen und brauchte den Stock, als wenn er seinen Jagdhund oder
ein Stück Vieh vor sich hätte. Störtebeker schrie doch einmal auf, dann
aber schwieg er wieder beharrlich und dachte: wenn Vadder man hier wür,
de wull jo god!
Den Tag darauf schloß Gesa ihn ein und ließ den Kahn nach dem andern
Ende des Deiches bringen. Und sagte, sie hätte ihn einem Fischer
verkauft, der ihn mit nach See genommen hätte. »Wat kannst du bloß den
Kohn verkäupen?« rief er heftig, »de hürt mi to un dor hett nüms wat
ober to seggen as ik, kannst Vadder frogen!« Als er sie dann aber nach
dem Fischer fragte, gab sie keine klare Antwort, so daß ihm die Sache
muffig vorkam; er fragte die Jungen und suchte und spähte solange, bis
er sein Schiff entdeckt hatte. Ohne jemand zu fragen, machte er es los
und brachte es nach dem Neß zurück.
Und fing wieder an, seinen Vater zu suchen, denn sein Vater mußte ja
wiederkommen! Felsenfest stand seine Hoffnung.
War da niemand, den diese Treue rührte? Wohl nicht, denn die Frauen
bestärkten Gesa in ihrer Strenge und die Elbfischer griffen ihn, wo sie
seiner habhaft werden konnten. Es war ein Jammer, wie sie mit dem armen
Jungen umgingen, der seinen Vater nicht vergessen konnte!
Zuletzt brachte Gesa ihn nach der Geest zu ihren Eltern, wo es kein
Wasser und kein Boot gab, und hoffte, daß er dort auf der Heide seinen
Vater und die See, die Schiffahrt und die Fischerei vergessen würde. Der
alte Heidjer und die Großmutter freuten sich, den Enkel endlich einmal
bei sich zu haben, tischten ihm auf und versprachen, gut auf ihn zu
passen, als Gesa sich wieder auf den Heimweg machte. Störtebeker ließ
sich das neue Leben und die neue Umgebung auch einige Tage gefallen, er
ging mit nach dem Moor, er sah die Bienenkörbe nach, er lernte
Buchweizen dreschen, er trank Ziegenmilch, er suchte sich Brombeeren, er
kletterte auf die Berge und guckte weit über das Alte Land: dann aber
fiel ihm plötzlich ein, daß sein Vater aufgekommen sei und auf dem Neß
mit dem Ewer läge und auf ihn warte; da sprang er kopflängs von dem
Schimmel herab, auf dem er saß, und lief in Sprüngen weg, ohne Mütze und
alles, fragte sich durch das Alte Land nach der Fähre an der Süderelbe,
ließ sich von Paul Müller übersetzen, raste den Westerdeich entlang und
stand an der Huk still, denn er konnte keinen Ewer sehen. Erst wollte er
wieder nach der Geest zurücklaufen, dann aber getraute er sich doch nach
seiner Mutter Haus.
Gesa fuhr auf, als sie ihn unter den Linden stehen und noch immer nach
der Elbe gucken sah, dann aber konnte sie nicht an sich halten und sie
schlug ihn, daß er blutete. Als Nachmittag der alte Heidebauer mit
seinem Wagen angefahren kam, erbost über die Flucht und den Trotz des
Jungen, schlug auch er auf ihn ein. Dann wollte er ihn binden und wieder
mitnehmen, aber Gesa sagte, das hülfe doch nichts: sie wolle ihn hier
behalten: er solle in den Keller gesperrt werden und sie wolle den Kahn
nun wirklich verkaufen.
Schweigend ließ Störtebeker sich nach dem Keller bringen. Da saß er im
Gefängnis, denn das Fenster war vergittert. Er versuchte, den Kopf durch
die Eisenstangen zu stecken, aber es ging nicht. Der Jäger, der gerade
unter dem Fenster entlangging, drohte ihm mit dem Flintenkolben und
sagte grimmig: »Wi weut di woll mörr kriegen, du Dickkupp!«
Als er weg war, setzte der Junge sich müde und hungrig auf eine
Kartoffelkiepe und weinte bitterlich, denn er wußte sich nicht mehr zu
helfen.
»Hilp mi doch, Vadder!« schluchzte er, »hilp mi doch! Kumm doch wedder!«
Aber kein Klaus Mewes stieg aus der See, um seinem treuen Jungen
beizustehen, ihn aus der Haft zu erlösen und ihn wieder mit an Bord, auf
den Ewer und nach See zu nehmen. Kein Kap Horn tröstete ihn und kein
Seemann kam, ihm die Hände zu lecken.
»Hilp mi doch, Vadder!« ......
Letzter Stremel.
Jahre sind vergangen, seitdem Klaus Mewes mit seinem grünen Ewer
geblieben ist.
Wir kurren in der Gegenwart.
* * * * *
Herbst ist es, windstarker, wolkengewaltiger Herbst, der die Blätter von
den Bäumen gerissen und die kleinen Segelschiffe von der See gefegt hat.
Hinter der Alten Liebe zu Cuxhaven (die nichts mit Liebe zu tun hat,
sondern ihren Namen von der »Olive« bekommen hat, einem haverierten und
abgeschlachteten Schiff, das zuerst den Anleger bildete) -- liegt die
Austernflotte und macht sich zum Auslaufen klar. Da liegen die neun
Kutter, die Dohrmann, der große Austernhändler, für den Winterfang
angenommen hat.
Auf der Besan haben sie seine Charterflagge wehen, die hansischen Farben
mit den hamburgischen Türmen, die am Finkenwärder Deich die Todesflagge
genannt wird. Denn der Austernfang auf hoher See ist die
allergefährlichste Fischerei, weil sie in die stürmischen Monate fällt
und weil die Austernbänke so weit draußen liegen, inmitten der Nordsee,
meilenweit hinter Helgoland. Da ist keine Reede und kein Hafen zu
erreichen, wenn das Wetterglas fällt: alle Stürme müssen draußen
ausgeklüst werden.
Nur die neuesten, größten und seetüchtigsten Kutter können sich des
Austernkurrens unterfangen. Nur die verwegensten und mutigsten
Seefischer, die jungen und starken, können diese Fischerei betreiben:
aber auch sie würden sich nicht dazu hergeben, wenn sie nicht verdienen
müßten und wenn die Austern nicht so gut lohnten. Die Zeiten sind schwer
geworden, seitdem die Fischdampfer groß geworden sind: Winter und Sommer
muß der Fischermann kurren, wenn er noch bestehen will: die
Notwendigkeit, die eiserne Not steht hinter ihm und jagt ihn in die
Stürme hinein.
Ein furchtbarer Ernst webt um die Masten der Fahrzeuge. Der Tod steht
aufgerichtet an den Wanten und ist der heimliche Schiffer.
Der erste der neun Kutter trägt den Steven am höchsten und ist der
stärkste von ihnen. Noch flattern Reste des Taufkranzes am Großtopp,
bunte Bänder und grüne Blätter -- so neu ist er.
Und heißen seine Kameraden Präsident Herwig, Landrat Teßmar, Farewell,
Senator von Melle, Süllberg, Fairplay und Providentia, so heißt er Klaus
Störtebeker.
In Goldbuchstaben leuchtet es am Heck:
+----------------------+
| Klaus Störtebeker, |
| Finkenwärder. |
+----------------------+
Und lassen die andern Dohrmanns Flagge im Winde flattern, so weht ihm
eine deutsche Flagge von der Besan, denn der junge Fischer ist wie sein
Vater und zieht keine fremde Fahne auf. Dohrmann muß ihn so fahren
lassen.
Der schöne, schmucke Kutter gehört dem jungen Klaus Mewes! Dem jungen
Klaus Mewes!
Ja, Seele, dem jungen Klaus Mewes gehört er, dem kleinen Klaus
Störtebeker, aus dem sie einen Geestbauer, einen Schuster, einen
Zimmermann und was nicht alles machen wollten und aus dem doch nur eins
werden konnte, in dem doch nur eins steckte: ein Seefischer! Allen zum
Trotz hat er den Weg nach dem Wasser gefunden und ist ein Fahrensmann
geworden wie sein Vater.
Der Störtebeker ist schon sein zweites Schiff. Mit dem ersten Kutter ist
er bei Texel auf ein treibendes Wrack gestoßen und hat ihn dabei
eingebüßt. Nun liegt er mit seinem neuen Fahrzeug zu Cuxhaven und will
Austern fischen.
Bewundernd bleiben sogar die Seelotsen, die doch manches Schiff unter
den Füßen gehabt haben, vor dem großen, herrlichen Fischerkutter stehen,
betrachten die glänzenden Masten, das blinkende Deck, den ragenden Bug,
und loben den Baumeister, der ihn zusammengeklopft hat, und den
Schiffer, dem er gehört und der mit ihm nach See gehen kann.
* * * * *
Die Kajüte ist groß und hoch, denn der junge Klaus Mewes fährt zu vieren
und ist hochgewachsen.
Drei Sprüche zieren sie.
Unter der Schifferkoje leuchtet der schöne goldene Spruch aus dem Ewer:
Hilpt mi, Sünn un Wind,
hilpt mi bit Fischen!
Ik heet Klaus Mees
un bün van Finkwarder.
Unter der Knechtenkoje aber steht einfach und bedeutungsvoll: Kap Horn
-- und die letzte Koje schmückt das trotzige Wort:
Finkwarder blifft Finkwarder
un geiht ne van de See!
* * * * *
Da kommt der junge Klaus Mewes.
Er kommt vom Kriegshafen herüber, von den Torpedobooten her. Er hat
seinen Leutnant besucht. Sie waren zusammen in Ostafrika und halten noch
jetzt viel voneinander.
»Klaus Mewes, wenn ich Sie ansehe, ist mir um die Wacht an der See nicht
bange,« hat der Seeoffizier zum Abschied gesagt und ernst hinzugefügt:
»Mehr als auf die Wacht am Rhein kommt es jetzt auf die Wacht an der See
an! England ist Rom und wir sind Karthago -- goden Wind, Klaus Mewes!«
Der junge Klaus Mewes geht, wie sein Vater ging. Er sieht aus, wie der
ausgesehen hat: es ist, als wäre der andre Klaus Mewes wiedergekommen.
Anders als dieser hat auch jener nicht gelacht und höher hat auch er den
Kopf nicht getragen: wie ein Herzog geht der junge Klaus Mewes in seinem
Isländer und auf seinen Seestiefeln.
Und er ist doch ein rechter, wohlgemuter, unerschrockener Fischermann.
Nicht als finsterer Fliegender Holländer geht er einher: viel ähnlicher
ist er dem blonden Konradin, der tapfer lachend über die Alpen zog, nur
von seinem Schwert begleitet, und sich sein Königreich erobern wollte.
Daß er so lachen kann, der junge Klaus Mewes! Urgroßvater, Großvater und
Vater sind geblieben, seine Mutter ist vor Gram gestorben, er hat die
schweren Winterstürme vor sich -- und dennoch lacht er, wie die Sonne,
wenn sie scheint.
An Land ist er ein Kind, das gern mit Kindern spielt, auf See aber ein
verwegener Draufgänger, der sich vor keinem Wind verkriecht und lieber
ein Segel in die See gehen läßt, als daß er ein Reff einsteckt. Die
Furcht, die schon der Junge nicht kannte, hat auch in der Seele des
Mannes keinen Raum.
Ein sturer Fischer ist der junge Klaus Mewes, er macht die schnellsten
und besten Reisen. Das weiß der ganze Deich. Und wenn ein Junggast bei
ihm als Koch gefahren hat, so nimmt ihn jeder Schiffer gern als Knecht,
denn die Fahrzeit bei dem jungen Klaus Mewes ist wie Kriegszeit und wird
doppelt gezählt.
Und doch ist er ein Fischermann aus Lust, wie sein lachender,
glücklicher Vater, den er in Gedanken immer bei sich stehen hat, wenn er
steuert. Bei ihm an Bord ist nichts von der Not der Zeit zu spüren, die
die stolzen Flotten von Finkenwärder und Blankenese bis auf neunzig
Schiffe zerschlagen und zertrümmert hat: er hat Leute genug: wie der
Magnet das Eisen, so zieht er das tüchtige Jungvolk, den Nachwuchs von
Finkenwärder, der noch Lust zur Seefischerei hat, mit Gewalt an sich.
Er brauchte nicht während des Winters zu fischen, denn er hat im Sommer
Geld genug verdient, daß er geruhig auflegen könnte: aber er geht
dennoch auf die Austern los. Was ihn treibt, ist das, was Hagen trieb,
den Zug ins Heunenland mitzumachen: es ist ihm um die Ehre zu tun! Er
muß überall der erste sein! Er kann und will sich nicht sagen lassen,
daß er hinter dem Ofen gesessen hätte, während andre in den Austern
gewesen seien!
Er weiß, daß sie auf ihn sehen, wie auf ihren Führer, und er ist stolz
darauf und freut sich dessen.
Als der Kutter auf der Helling saß, machte der junge Klaus Mewes einige
Reisen als Fischdampferkapitän, um sein großes Steuermannspatent auch
einmal auszunutzen: er fischte im Angesichte von Island im Schein der
Mitternachtssonne und an der Küste von Marokko in der Glut des Samums,
er sah sich Aberdeen und Lissabon an: als aber sein Kutter zu Wasser
gelassen war, da bedankte er sich selbst lachend bei seinem Reeder und
zog es vor, sein eigenes Schiff zu steuern und nichts über sich zu
haben, als seine Segel und seinen Herrgott!
Er hat sein schönes Schiff erreicht, der junge Klaus Mewes. Er springt
an Bord und ruft die Leute auf.
Sie wollen fahren!
Klappernd steigen die weißen, leuchtenden Segel, die noch keine Lohe
geschmeckt haben, an den Masten auf, die Gaffeln knarren und die Schoten
schlagen wie wilde Geister, denn es ist noch stur.
Der junge Klaus Mewes zieht sein Ölzeug an und setzt den Südwester auf,
dann faßt er das Ruder an und läßt die Stroppen losmachen. Langsam
schwoit der Kutter -- die Segel fallen voll und das Fahrzeug setzt sich
allmählich in Bewegung.
Hinter der Alten Liebe erst besinnt es sich auf seine Kraft und schießt
mächtig davon, um Austern zu kurren. Gewaltig taucht es in die schwere
Dünung hinein.
Am Ruder aber steht der junge Klaus Mewes und freut sich seines Schiffes
und seiner Fahrt.
* * * * *
Seefahrt ist not!
Auch deine Seefahrt, Klaus Mewes!
* * * * *
Ende
Verklarung einiger Schiffsausdrücke und plattdeutscher Wörter.
ans = sonst (entstanden aus anders)
back brassen = einen Teil der Rahsegel so stellen, daß der Wind von vorn
hineinfällt, wodurch das Schiff aus der Fahrt kommt; in übertragenem
Sinne = stoppen
ballern = poltern, werfen, daß es knallt
bannig = sehr
barg = viel
batz = plötzlich
Black = Tinte
blangen = neben
Blösch = Eisscholle (Mehrzahl Blöschen)
Blutstropfen = Fuchsie
Boitel = Wicht, Kerlchen
Bünn = mittschiffs eingebauter, durch Löcher mit dem Wasser verbundener
Fischbehälter
Bunge = Reifenstellnetz in Trommelform
Buscherump = Oberhemd (entstanden aus Burschenrumpf)
Büt = Beute, Strandgut
Buttpedder = Buttentreter, Neckname der Elbfischer
Daak = Dunst, Nebel
Dachhaus = Strohdachhaus
diesig = dunstig, unsichtig
Dönß = Stube
Draggen = vierzahniger Anker
Dreuchewer = Frachtewer, der keinen Bünn hat, also »trocken« ist
drok = dreist
Ducht = Bootsbank
dümpeln = schwanken, schaukeln
dwars = quer, gegenüber
Dweel = leinenes Tischtuch
Dweil = gestielter Schiffsfeudel
elk = jeder, jedes
Euschfatt = Holzschaufel zum Wasserausgießen
Ewer = zwei- oder einmastiger Segler auf der Elbe (der Name bedeutet
Eber; vergl. Bollen = Bulle [Anleger], Buck = Bock [stumpfes Schiff])
Fall = Sand- oder Schlickriff, das sich durch den »Fall« der vom Wasser
mitgeführten Bestandteile gebildet hat
fieren = herunterlassen
Flage = Schauer, Bö
Fleek = Fläche
Flögel = Windfahne auf den Masten (eigentlich Flügel)
Gaffel = oberer Segelbaum (-Gabel)
Gatt = Hinterteil des Schiffes
gau = schnell
Geutjen = Kinder (eigentlich Gänschen)
Giekbaum = Schlagbaum, unterer Segelbaum
gnostern = knirschen
Grientje = schmieriges Lachen
gucheln = in sich hinein lachen
Heck = Hinterwand des Schiffes
heilen, ausheilen = ein Netz flicken
Helmholz = oberer Teil des Ruders (Steuers)
Hemdsmauen = Hemdsärmel
hieven = aufziehen
hild = eilig
Hödjihöh = Ahoi
Huk = Ecke (holländ. hoek)
jumpen = springen, aus dem Englischen
Jalk = Tjalk, kleines breitbugiges Frachtfahrzeug
Kambüse = Küche, auch Schiffskajüte
Kapp = Deckverschluß der Kajüte
Kapuze = Wandbett mit Schiebetür
Kastetten = Staket
Kieker = Fernrohr
Kimmung = Horizont
klamüstern = grübeln
Klitsch = leichte Mütze
Klür = Farbe, Couleur
klüsen = scharf segeln, hart ankern, daß das Wasser durch die Klüsen
(Kettenlöcher) kommt
Kluten = Erdstück
Knipptasche = Geldtasche, Portemonnaie
kodimmen = kondemnieren, ein Schiff abschlachten
Kolosen = Vorhänge, Rouleaus
krüssen = ersticken
Kule = Vertiefung, Senkung, Wasserloch
Kurre = Schleppnetz
Kurrgut = Netzgarn
labsalben = die Masten und Stengen schmeeren
lavieren = kreuzen, hin und her segeln
Lee = die dem Winde abgekehrte Schiffsseite
leege Wall = gefährliche Nähe von Land
Liek = Tau, das das Segel einfaßt
Liekedeeler = Gleichteiler, mittelalterliche Seeräuber der Nordsee
Luv = die dem Winde zugekehrte Schiffsseite
Macker = Kamerad, Gefährte
mall = krank, verrückt
meuten = aufhalten (inne Meut = entgegen)
mooi = gut, schön, angenehm
mörr = mürbe
Muck = schmale Henkeltasse (engl. mug)
Nachthaus = Kompaßhäuschen
Neß = Nase, Westspitze von Finkenwärder
Nock = Ende der Rah
Nüff = Nase
offermorgen = übermorgen
Patt = Pfütze
Pek = Schlittenhaken
Plicht = kleine Koje
Poller = kurzer Deckspfahl
Posensteel = Gänsekiel, Federhalter
Priel = schmaler Wasserarm
Putt = Sumpf
Pütze = Schiffseimer, an einem Tau befestigt
Ramm = Hexenschuß
raum ist der Wind, der von hinten kommt
Reepschläger = Seiler
reffen = die Segel durch Zusammenrollen verkleinern
Reff = der zusammengerollte Teil des Segels
Rickels = Zaun
Riemen = Ruderstange
rollen heißt die Bewegung des Schiffes um seine Längsachse
Ruder = Steuer
sacken = sinken
Schallen = Schlickvorland
Scharben = scharfschuppige Schollenart
schechten = ausschreiten
Scheger = Holzbrettchen, das beim Netzmachen die Maschen hält
scheistern = schwanken
Schleef = Schlingel, eigentlich großer Löffel
schölen = spülen, waschen
Schote = unteres Segeltau
Schütt = Hauszaun
schwoien = drehen (nur von Schiffen)
Setzbord = Reling, Bordwand
Sickberg = Eisberg
Siel = kleine Schleuse im Deich, aus hohlen Baumstämmen gemacht
slarpen = lässig, schlürfend gehen
sleupen = schleppen
Smutje = Schiffskoch
Spake = dicke Holzstange zum Bewegen des Spills (s. d.)
Spill = Ankerwinde
stampfen = die Bewegung des Schiffes um seine Querachse
Steert = Netzende, eigentlich Schwanz
Stegel = Weg vom Deich ins Land hinab
Streek = Strich, Zug
Stremel = Streifen, Stück
Stropp = dickes Tau
Stubben = Baumstumpf
stur = aufrecht (vom Mann), hart (vom Wetter)
Tamp = kleines Tau
Tamp legen = ein Schiff anbinden
Törn = Reihe, Tour, Zug, auch Schlinge
treunen = betteln
troß = stolz
Tunner = Zunder
Vogel Bunt = Vagabund
Wake = Wasserstelle im Eis
Warbel = Drehriegel
Wanten = Taue, die die Masten seitlich halten
Wart = Enterich
Wichel = Weide
Wiem = Hühnerstall
Winsch = Winde
Wisch = Wiese
ziepen = piepen (ein Fahrzeug ziept, wenn es ein wenig leckt).
Verlag von M. Glogau jr. in Hamburg 36
Gorch Fock
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Sterne überm Meer. Tagebuchblätter und Gedichte mit
Lebensbeschreibung und Bild des Dichters. 45. Tausend. Gebunden.
Hein Godenwind, de Admirol von Moskitonien. Eine deftige
Hamburger Geschichte. 48. Tausend. Gebunden.
Schullengrieper und Tungenknieper. Finkenwärder Geschichten. 48.
Tausend. Gebunden.
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In Luv un Lee. Plattdeutsche Erzählungen. 6. bis 8. Tausend.
Elsbe. Ein Stück Minschenleben. Mit einem Bildnis des Dichters.
6. bis 8. Tausend.
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Auszüge aus Besprechungen:
Fritz Lau's Menschen wissen von Mühe und Arbeit, von Sorgen und Not,
aber sie wissen auch wieder von Gott und sie haben immer noch ein
herzliches Lachen in der Brust. Und wenn er dann von Kindern
spricht, oder von Tieren erzählt, dann kann es über uns kommen,
daß wir anhalten müssen, weil wir heilig Land vor uns sehen: so
fein, so innig wird Fritz Lau dann. Um seiner Kinder und Tiere
willen stelle ich ihn am höchsten. Er ist ein Meister der Stille,
und die Stillen im Lande werden zu ihm kommen. Er macht uns die
Augen auf und läßt uns weit sehen: in die Kindheit, in unseren
Alltag, in den Heben. Wahr und tief und lebendig ist alles, was
er geschrieben hat: auch alle für uns toten Dinge leben zwischen
seinen Fingern. Fritz Lau's Bücher sind Bücher für die Wasserkante.
Bücher für die Fahrt und das Leben. Sie sind für uns geschrieben und
sollten von uns gelesen werden.
Gorch Fock (Der Fischerbote -- Hamburg).
Fritz Lau sieht die Welt mit Dichteraugen an und wird vieles gewahr,
was andere, gewöhnliche Leute nicht bemerken. Und was er sieht,
das weiß er lebendig zu schildern und zwar immer in den
treffendsten, bezeichnendsten Ausdrücken. Es ist daher wie bei
einem Maler ganz gleichgültig, was er darstellt. Unser Interesse
wird immer gefesselt. Was er in seinen Bildern gibt, ist echte
Poesie, und zwar echte plattdeutsche Poesie. Es gibt Bücher, und
die bilden die Mehrzahl, die man, wenn man sie einmal gelesen
hat, nicht wieder in die Hand nehmen mag. Zu diesen gehört das
Buch von Fritz Lau nicht. Man kann es immer wieder lesen und hat
immer neuen Genuß davon.
Prof. Dr. Wisser-Oldenburg (Anz. für das Fürstentum Lübeck).
Der Dichter weiß den Leser in seinen Bann zu ziehen, läßt ihn mit
ihm sehen die gewaltigen Bilder der tosenden See wie die
lachenden Fluren, das einfache Dorfleben abseits der Welt, wie
die Tiefen in den Seelen der Meeresanwohner, die lichten und die
düsteren Farben, -- immer verklärt von warmen, vollen
Herzensregungen und von reiner Güte. Hinter seinen Gestalten steht
der Dichter mit seherischen Augen, mit feinem Empfinden und
vollendetem Können in der Formengebung: wahrhaft echte Poesie und
Prosa. Die Erzählungen »Klas un Lena«, »De Regenbagen« und »Dat
Polakengör«, sowie die ergreifende Schilderung »Up Scharhörn«
gehören zu dem Besten, was ich je in mundartlicher Dichtung und
überhaupt gelesen habe.
Deutsche Tageszeitung.
Anmerkungen zur Transkription
Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im
Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,
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