Urniere

~a~) Nebenhoden, ~a~) Vorderer Teil mit ~a~) Epoophoron mit

Epididymis mit Rete den Marksträngen des

testis und Tubuli Geschlechtssträngen Eierstocks.

recti (Geschlechtsteil)

~b~) Paradidymis ~b~) Hinterer Teil ~b~) Paroophoron.

(eigentlicher

Urnierenteil)

Samenleiter mit Urnierengang Gärtnersche Kanäle

Samenbläschen einiger Säugetiere.

Niere und Ureter Niere und Ureter Niere und Ureter.

Hydatide des } Müllerscher Gang { Eileiter und Fimbrien

Nebenhodens } {

Sinus prostaticus } { Gebärmutter und

(Uterus masculinus) } { Scheide.

Gubernaculum Leistenband der Rundes Mutterband

Hunteri Urniere und Ligamentum

ovarii.

Männliche Harnröhre Sinus urogenitalis Vorhof der Scheide.

(Pars prostatica und

membranacea)

Männliches Glied Geschlechtshöcker Klitoris.

Pars cavernosa Geschlechtsfalten Kleine Schamlippen.

urethrae

Hodensack Geschlechtswülste Große Schamlippen.

($S. 8, Z. 9 v. u.$) Ernst _Häckel_, Generelle Morphologie der

Organismen, Band II: Allgemeine Entwicklungsgeschichte der Organismen

etc., Berlin 1866, S. 60 f.: »Jedes Individuum (irgend einer Ordnung)

als _Zwitter_ (_Hermaphroditus_) vereinigt in sich beiderlei

Geschlechtsstoffe, Ovum und Sperma. Der Gegensatz hiezu ist die

Trennung der Genitalien, die Verteilung der beiderlei Geschlechtsstoffe

auf zwei Individuen (gleichviel welcher Ordnung), welche wir als

_Geschlechtstrennung oder Gonochorismus_ bezeichnen. Jedes Individuum

irgend einer Ordnung als _Nichtzwitter_ (Gonochoristus) besitzt

nur einen von beiden Geschlechtsstoffen, Ovum _oder_ Sperma.« In

einer Anmerkung hiezu gibt er die Etymologie: »γονη, ἡ Genitale,

Geschlechtsteil: χωριστός, getrennt. Wir führen dieses neue Wort hier

ein, weil es bisher seltsamerweise gänzlich an einer _allgemeinen_

Bezeichnung der Geschlechtstrennung mangelte, während man für die

Zwitterbildung deren mehrere besaß (Hermaphroditismus, Androgynie).«

($S. 9, Z. 9.$) Am wenigsten dimorph sind die Geschlechter wohl bei den

Stachelhäutern (Echinodermen). Ferner finden sich nach _Weismann_, Das

Keimplasma, Jena 1892, S. 466 f., auch bei Volvox, unter den Schwämmen

und den Medusenpolypen Organismen, bei welchen männliche und weibliche

Individuen lediglich durch die Art der Geschlechtszellen selbst sich

unterscheiden, also ohne alle weiteren Sexualcharaktere.

($S. 9, Z. 11.$) Normaler Hermaphroditismus unter den Fischen: beim

Seebarsch (Serranus scriba), der Goldbrasse (Chrysophrys aurata)

und der Myxine glutinosa (einem auf anderen Fischen schmarotzenden

Cyklostoma). Vgl. C. _Claus_, Lehrbuch der Zoologie, 6. Aufl., Marburg

1897, S. 745, und _Richard Hertwig_, Lehrbuch der Zoologie, 5. Aufl.,

Jena 1900, S. 99.

($S. 9, Z. 13 v. u.$) Aus Gründen der Vererbungslehre wird von _Darwin_

und besonders von _Weismann_ die Bisexualität der geschlechtlich

differenzierten Lebewesen geradezu als eine Notwendigkeit postuliert.

Darwin, Das Variieren der Tiere und Pflanzen im Zustande der

Domestikation, 2. Aufl., Stuttgart 1873, Bd. II, S. 59 f.: »Wir

sehen daher, daß in vielen, wahrscheinlich in allen Fällen die

sekundären Charaktere jedes Geschlechtes schlafend oder latent in dem

entgegengesetzten Geschlechte ruhen, bereit, sich unter eigentümlichen

Umständen zu entwickeln. Wir können auf diese Weise verstehen, woher es

z. B. möglich ist, daß eine gut melkende Kuh ihre guten Eigenschaften

durch ihre männlichen Nachkommen auf spätere Generationen überliefert,

indem wir zuversichtlich annehmen, daß diese Eigenschaften in den

Männchen jeder Generation, wenn auch in einem latenten Zustande,

vorhanden sind. Dasselbe gilt für den Kampfhahn, welcher seine

Vorzüglichkeiten in Betreff des Mutes und der Lebendigkeit durch seine

weibliche auf seine männliche Nachkommenschaft überliefern kann; und

beim Menschen ist es bekannt, daß Krankheiten, wie z. B. Hydrokele,

welche notwendig auf das männliche Geschlecht beschränkt sind, durch

die Tochter auf den Enkel überliefert werden können. Derartige Fälle,

wie die vorstehenden, bieten .... die möglichst einfachen Beispiele von

Rückschlag dar, und sie sind unter der Annahme verständlich, daß bei

dem Großvater und Enkel eines und desselben Geschlechtes gemeinsame

Charaktere, wenn auch latent, in dem zwischenliegenden Erzeuger

des entgegengesetzten Geschlechtes vorhanden sind.« Weismann, Das

Keimplasma, eine Theorie der Vererbung, Jena 1892, S. 467 f.: »Vom

Menschen her wissen wir, daß sämtliche sekundären Geschlechtscharaktere

nicht nur von den Individuen des entsprechenden Geschlechtes vererbt

werden, sondern auch von denen des anderen. Die schöne Sopranstimme

der Mutter kann sich durch den Sohn hindurch auf die Enkelin vererben,

ebenso der schwarze Bart des Vaters durch die Tochter auf den Enkel.

Auch bei den Tieren müssen in jedem geschlechtlich differenzierten Bion

beiderlei Geschlechtscharaktere vorhanden sein, die einen manifest, die

anderen latent. Der Nachweis ist hier nur in gewissen Fällen zu führen,

weil wir die individuellen Unterschiede dieser Charaktere nur selten so

genau bemerken, allein er ist selbst für ziemlich einfach organisierte

Arten zu führen, und _die latente Anwesenheit der entgegengesetzten

Geschlechtscharaktere in jedem geschlechtlich differenzierten Bion_

muß deshalb als allgemeine Einrichtung aufgefaßt werden. Bei der Biene

besitzen die aus unbefruchteten Eiern sich entwickelnden Männchen

die sekundären Geschlechtscharaktere des Großvaters, und bei den

Wasserflöhen, bei welchen mehrere rein weibliche Generationen aus

einander hervorgehen, bringt die letzte derselben Männchen hervor mit

den sekundären Geschlechtscharakteren der Art, welche somit in latentem

Zustande in einer großen Reihe von weiblichen Generationen vorhanden

sein mußten.« Man vergleiche hiemit auch _Moll_, Untersuchungen über

die Libido sexualis, Berlin 1898, Bd. I, S. 444.

($S. 9, Z. 4 v. u.$) Als das »Objekt der Kunst« wird »die platonische

Idee« bekanntlich betrachtet im dritten Buche der »Welt als Wille und

Vorstellung« von _Schopenhauer_.

($S. 10, Z. 18.$) Seit 1899 erscheint alljährlich unter Redaktion von

Dr. Magnus _Hirschfeld_ ein »_Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen_«.

Dieses Unternehmen wäre noch verdienstvoller, als es ist, wenn es nicht

nur die Homosexuellen und die Zwittergeburten, das sind die sexuellen

_Mittel_stufen, in den Kreis seiner Betrachtung zöge. Vgl. übrigens

Kap. IV und die Nachweise zu demselben.

($S. 11, Z. 3 ff.$) Auch für die Pflanzen. Vgl. August _Schulz_,

Beiträge zur Kenntnis der Bestäubungseinrichtungen und

Geschlechtsverteilung bei den Pflanzen, II. Teil, Kassel 1890, an

vielen Orten, z. B. S. 185. Ferner erzählt _Darwin_, Die verschiedenen

Blütenformen bei Pflanzen der nämlichen Art, Werke IX/3, Stuttgart

1877, S. 10, von der gemeinen Esche (Fraxinus excelsior): »..... ich

untersuchte .... 15 Bäume, welche auf dem Felde wuchsen, und von

diesen produzierten 8 allein männliche Blüten und im Frühjahr und im

Herbste nicht ein einziges Samenkorn; 4 produzierten nur weibliche

Blüten, welche außerordentlich zahlreichen Samen ansetzten; drei waren

Zwitter, welche, als sie in Blüte waren, ein von den anderen Bäumen

verschiedenes Aussehen hatten: zwei von ihnen produzierten nahezu so

viel Samen wie die weiblichen Bäume, während der dritte nicht einen

hervorbrachte, so daß er der Funktion nach männlich war. _Die Trennung

der Geschlechter ist indessen bei der Esche nicht vollständig, denn

die weiblichen Blüten enthalten Staubgefäße, welche in einer frühen

Periode abfallen, und ihre Antheren, welche sich niemals öffnen

oder dehiszieren, enthalten meistens eine breiige Substanz anstatt

des Pollens. An einigen weiblichen Blüten fand ich jedoch einige

wenige Antheren, welche allem Anscheine nach gesunde Pollenkörner

enthielten. An den männlichen Bäumen enthalten die meisten Blüten

Pistille_, dieselben fallen aber gleichfalls in einer frühen Periode

ab; und die Eichen, welche schließlich abortieren, sind sehr klein

verglichen mit denen in weiblichen Blüten von demselben Alter.« Man

vergleiche übrigens die im III. Kapitel besprochene Heterostylie. --

Was die Tiere betrifft, und besonders den Menschen, so ließen sich

ganze Bogen mit Belegen aus hierauf bezüglichen Publikationen füllen.

Ich verweise aber lieber zunächst auf Albert _Moll_, Untersuchungen

über die Libido sexualis, I, S. 334 ff. (z, B. seine Beweise für

das Vorkommen sezernierender Milchdrüsen bei Männern). -- Konrad

_Rieger_, Die Kastration in rechtlicher, sozialer und vitaler Hinsicht,

Jena 1900, S. 21, Anmerkung 2: »Manche weibliche Ziegen haben sehr

starke Hörner, die sich nur wenig von denen eines Ziegen_bockes_

unterscheiden; andere weibliche Ziegen sind völlig hornlos, und

schließlich gibt es auch Ziegen_böcke_ (_und zwar unkastrierte_) ohne

Hörner.« S. 26: »Sieht man eine größere Anzahl von Rindviehbildern

durch, so ergibt sich sofort, daß sehr bedeutende Unterschiede bestehen

in Bezug auf die Hörner bei den Stieren selbst.« S. 30: »Ich habe

selbst zufällig neulich ein weibliches Schaf von einer importierten

Rasse gesehen, das die schönsten Widderhörner hatte.« Vgl. ferner M.,

Über Rehböcke mit abnormer Geweihbildung und deren eigentümliches

Verhalten, Deutsche Jäger-Zeitung, XXXII, 363. Edw. R. _Alston_, On

Female Deer with antlers, Proceed. Zoolog. Society, London 1879,

p. 296 f. -- Von _lokalen_ Häufungen der Zwischenstufen bei Käfern und

Schmetterlingen berichtet William _Bateson_, Materials for the study

of variation treated with especial regard of discontinuity in the

origin of species, London 1894, p. 254: »In all other localities the

male Phalanger maculatus alone is spotten with white, the female being

without spots, but in Waigiu the females are spotted like the males.

This curious fact was first noticed by Jentink.« (F. A. _Jentink_,

Notes, Leyd. Mus., VII, 1885, p. 90.) Und in einer Anmerkung hiezu:

»Compare the converse case of Hepialus humuli (the Ghost Moth), of

which, in all other localities, the male are clear and the females are

light yellow-brown with spots, but in the Shetland Islands the males

are very like the females, _though in varying degrees_. See Jenner

Weir, Entomologist, 1880, p. 251 Pl.« -- _Darwin_, Das Variieren der

Tiere und Pflanzen im Zustande der Domestikation, II, 259: »Die vielen

wohlbeglaubigten Fälle verschiedener männlicher Säugetiere, welche

Milch geben, zeigen, daß ihre rudimentären Milchdrüsen diese Fähigkeit

in einem latenten Zustande behalten.« Dazu _Moll_, Untersuchungen, I,

481: »Von der typischen Beschaffenheit der männlichen Brust finden

wir bis zur völligen Ausbildung der weiblichen Brustdrüsen beim Manne

zahlreiche Übergänge.« -- _Von der großen Veränderlichkeit sekundärer

Geschlechtscharaktere_ handelt _Darwin_ im 5. Kapitel der »Entstehung

der Arten« (S. 207 ff. der Übersetzung von Haek, Universalbibliothek),

von »_Abstufungen sekundärer geschlechtlicher Charaktere_« im

14. Kapitel der »Abstammung des Menschen u. s. w.« (Bd. II, S. 143 ff.

der gleichen Ausgabe). -- Über sexuelle Zwischenformen bei den

Cerviden noch Adolf _Rörig_, Welche Beziehungen bestehen zwischen

den Reproduktionsorganen der Cerviden und der Geweihbildung, Archiv

für Entwicklungsmechanik der Organismen VIII, 1899, 382-447 (mit

weiterer Literatur); bei den Vögeln: A. _Tichomiroff_, Androgynie

bei den Vögeln, Anatomischer Anzeiger, 15. März 1888 (III, 221-228);

bei Vögeln und anderen Tieren: Alexander _Brandt_, Anatomisches und

Allgemeines über die sogenannte Hahnenfedrigkeit und über anderweitige

Geschlechtscharaktere bei Vögeln, Zeitschrift für wissenschaftliche

Zoologie, 48, 1889, S. 101-190.

($S. 11, Z. 6.$) Über das virile Weiberbecken vgl. W. _Waldeyer_, Das

Becken, Topographisch-anatomisch mit besonderer Berücksichtigung der

Chirurgie und Gynäkologie dargestellt (in: G. _Joessel_, Lehrbuch der

topographisch-chirurgischen Anatomie, Teil II, Bonn 1899) S. 393 f.:

»Wir finden auch Weiberbecken vom Habitus der Männerbecken. Die Knochen

sind massiver, die Darmbeine stehen steil, der Schambogen ist eng, die

Beckenhöhle hat eine Trichterform. Meist haben die betreffenden Frauen

auch in ihrem übrigen Körperhabitus etwas ..... Männliches (Viragines).

Doch braucht dies nicht immer der Fall zu sein.«

($S. 11, Z. 8.$) Über _bärtige Weiber_ vgl. Max _Bartels_, Über

abnorme Behaarung beim Menschen, Zeitschrift für Ethnologie VIII

(1876), 110-129 (mit Literaturnachweisen), XI (1879), 145-194, XIII

(1881), 213-233. Wilhelm _Stricker_, Über die sogenannten Haarmenschen

(Hypertrichosis universalis) und insbesondere die bärtigen Frauen,

Bericht über die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft,

Frankfurt 1877, S. 97 f. Louis A. _Duhring_, Case of bearded women,

Archives of Dermatology III (1877), p. 193-200. Harris _Liston_,

Cases of bearded women, British medical Journal vom 2. Juni 1894.

Albert _Moll_, Untersuchungen über die Libido sexualis, Berlin 1898,

I, p. 337 (mit Literatur). Cesare _Taruffi_, Hermaphrodismus und

Zeugungsunfähigkeit, Eine systematische Darstellung der Mißbildungen

der menschlichen Geschlechtsorgane, übersetzt von R. Teuscher, Berlin

1903, S. 164-173: Über Hypertrichosis beim Weibe, mit vielen weiteren

Literaturangaben. Alexander _Brandt_, Über den Bart der Mannweiber

(Viragines), Biologisches Zentralblatt 17, 1897, S. 226-239. Les Femmes

à barbe, Revue scientifique VII, 618-622. Gustav _Behrend_, Artikel

_Hypertrichosis_ in Eulenburgs Realenzyklopädie, Bd. XI^3, S. 194.

Alexander _Ecker_, Über abnorme Behaarung beim Menschen, insbesondere

über die sogenannten Haarmenschen, Braunschweig 1878, mit weiterer

Literatur S. 21.

($S. 11, Z. 17 ff.$) Man vergleiche z. B. die in der Schrift von

Livius _Fürst_, Die Maß- und Neigungsverhältnisse des weiblichen

Beckens nach Profildurchschnitten gefrorener Leichen, Leipzig 1875,

S. 16 und S. 24 ff. enthaltenen Tafeln mit den Maßzahlen, die von

den verschiedenen Beobachtern von _Luschka_, _Henle_, _Rüdinger_,

_Hoffmann_, _Pirogoff_, _Braune_, _Le Gendre_ und _Fürst_ selbst als

Dimensionen des Beckens der Geschlechter angegeben werden. -- Ferner

W. _Krause_, Spezielle und makroskopische Anatomie (II. Bd. der 3.

Aufl. des Handbuches der menschlichen Anatomie von C. F. Th. Krause),

Hannover 1879, S. 122 ff., mit Tabellen für die Maximal- und

Minimalproportionen sowohl beim Manne als bei der Frau.

($S. 13, Z. 7 f.$) Die Angabe über die Ophiten nach _Überweg-Heinze_,

Grundriß der Geschichte der Philosophie, Teil II, Die mittlere oder die

patristische und scholastische Zeit, 8. Aufl., Berlin 1898, S. 40.

Zu Teil I, Kapitel 2.

($S. 14, Z. 16 v. u.$) Havelock _Ellis_, Man and Woman, A Study of

human secondary sexual characters, London 1894, deutsch: Mann und

Weib, Anthropologische und psychologische Untersuchung der sekundären

Geschlechtsunterschiede, übersetzt von Dr. Hans Kurella (Bibliothek

für Sozialwissenschaft, Bd. III) Leipzig 1895. In Betracht kommt hier

auch das einseitigere, aber originellere und durch glückliche Belege

aus der belletristischen Literatur psychologisch bereicherte Werk

von C. _Lombroso_ und G. _Ferrero_, Das Weib als Verbrecherin und

Prostituierte, Anthropologische Studien, gegründet auf eine Darstellung

der Biologie und Psychologie des normalen Weibes, übersetzt von

Kurella, Hamburg 1894.

($S. 15, Z. 22.$) Joh. Japetus Sm. _Steenstrup_, Untersuchungen über

das Vorkommen des Hermaphroditismus in der Natur, aus dem Dänischen

übersetzt von C. F. Hornschuch, Greifswald 1846, S. 9 ff. -- Man

vergleiche über Steenstrups Anschauungen die absprechenden Urteile von

Rud. _Leuckart_, Artikel »Zeugung« in Rud. Wagners Handwörterbuch der

Physiologie, Bd. IV, 1853, S. 743 f., und C. _Claus_, Lehrbuch der

Zoologie, S. 117^6.

($S. 15, Z. 23.$) _Ellis_, Mann und Weib, besonders S. 203 ff.

($S. 15 Z. 10 v. u.$) Über die Geschlechtsunterschiede in der

Zusammensetzung des Blutes, Ellis, S. 204 f. -- Olof _Hammarsten_,

Lehrbuch der physiologischen Chemie, 4. Aufl., Wiesbaden 1899, S. 137.

»Beim Menschen kommen gewöhnlich in je 1 ~cm~^3 beim Manne 5 Millionen

und beim Weibe 4 à 4·5 Millionen (roter Blutkörperchen) vor.« -- Ernst

_Ziegler_, Lehrbuch der allgemeinen und speziellen pathologischen

Anatomie, Bd. II: Spezielle pathologische Anatomie, 9. Aufl., Jena

1898, S. 3: »In 100 ~cm~^3 Blut sind .... bei Männern 14·5 ~g~, bei

Frauen 13·2 ~g~ Hämoglobin enthalten.« Vgl. bes. _Lombroso-Ferrero_,

S. 22 f. und die dort citierte Literatur.

($S. 15, Z. 8 v. u.$) v. _Bischoff_, Das Hirngewicht des Menschen, Bonn

1880. -- _Rüdinger_, Vorläufige Mitteilungen über die Unterschiede der

Großhirnwindungen nach dem Geschlecht beim Fötus und Neugeborenen.

Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns. I, 1877,

S. 286-307. -- Auch _Passet_, Über einige Unterschiede des Großhirns

nach dem Geschlecht, Archiv für Anthropologie, Bd. XIV, 1883,

S. 89-141, und Emil _Huschke_, Schädel, Hirn und Seele des Menschen und

der Tiere nach Alter, Geschlecht und Rasse, Jena 1854, S. 152 f., haben

die Existenz solcher Unterschiede versichert und mit genauen Daten

belegt.

($S. 15, Z. 6 v. u.$) Alice _Gaule_, Die geschlechtlichen Unterschiede

in der Leber des Frosches, Archiv für die gesamte Physiologie,

herausgegeben von Pflüger, Bd. LXXXIV, 1901, Heft 1/2, S. 1-5.

($S. 15, Z. 3 v. u.$) Wo der Ausdruck »erogen« (»Zones érogènes«

als Name für diejenigen Körperteile, die sexuell besonders anziehend

auf das andere Geschlecht wirken) zum ersten Male vorkommt, war

mir zu ermitteln nicht möglich. Der verstorbene Professor Freiherr

_v. Krafft-Ebing_, von dem ich einmal Belehrung hierüber erbat,

vermutete, bei _Gilles de la Tourette_. Doch ist in dessen großem Werke

über die Hysterie nichts hierauf Bezügliches enthalten.

($S. 16, Z. 15.$) Die Anführung aus _Steenstrup_ a. a. O., S. 9 bis 10.

($S. 18, Z. 6.$) John _Hunter_, Observations on certain parts of

the animal oeconomy, London 1786, berichtet in einem zuerst in den

Philosophical Transactions of the Royal Society of London, Vol.

LXX/2, 1. Juni 1780, pag. 527-535, veröffentlichten »Account of an

extraordinary pheasant« von der »Hahnenfedrigkeit« alter Hennen und

vergleicht diese mit der Bärtigkeit der Großmütter. S. 63 (528) wird

die berühmte Unterscheidung eingeführt: »It is well known that there

are many orders of animals which have the two parts designed for the

purpose of generation different in the same species, by which they

are distinguished into male and female: but this is not the only

mark of distinction in many genera of animals, of the greatest part

the male being distinguished from the female by various marks. _The

differences which are found in the parts of generation themselves, I

shall call the first or principle, and all others depending upon these

I shall call secondary._« Wenn im Texte (Z. 20 ff.) der Bereich der

sekundären Charaktere strenger denn gewöhnlich als die Gesamtheit der

erst in der Mannbarkeit äußerlich sichtbar hervortretenden Charaktere

umschrieben wird, so ist damit auf _Hunters_ _ursprüngliche_ Bestimmung

zurückgegriffen, S. 68: »We see the sexes which at an early period had

little to distinguish them from each other, acquiring about the time

of puberty secondary properties, which clearly characterise the male

and female. The male at this time recedes from the female, and assumes

the secondary characters of his sex.« Vgl. _Darwin_, Das Variieren etc.

I^2, S. 199. Entstehung der Arten (übersetzt von Haek), S. 201.

($S. 18, Z. 8.$) Dafür, daß von den primären noch »primordiale«

Sexualcharaktere abgeschieden werden müssen, sind die vielen Fälle

beweisend, in denen die äußeren Geschlechtsteile etwa weiblich, die

Geschlechtsdrüsen selbst immer noch männlich sind, Vgl. z. B. Andrew

_Clark_, A case of spurious hermaphroditism (hypospadia and undescended

testis in a subject who has been brought up as female and married

for sixteen years), Middlesex Hospital, The Lancet, 12. März 1898,

p. 718 f. -- L. _Siebourg_, Ein Fall von Pseudo-Hermaphroditismus

masculinus completus, Deutsche medizinische Wochenschrift, 9. Juni

1898, S. 367-368.

($S. 18, Z. 23 f.$) Die Lehre von der »inneren Sekretion« im

allgemeinen stammt nicht, wie man jetzt überall angegeben findet, von

_Brown-Séquard_, der sie nur auf die Keimdrüse als erster angewendet

hat, sondern von Claude _Bernard_, nachdem schon bei C. _Legallois_

im Jahre 1801 eine dunkle Ahnung der Sache zu finden ist, worüber man

Näheres aus der Année biologique, Vol. I, p. 315 f. erfährt. Vgl.

Bernard, Nouvelle fonction du foie considéré comme organe producteur

de matière sucrée chez l'homme et les animaux, Paris, Baillière, 1853,

p. 58 und 71 f. Ferner Leçons de physiologie expérimentale, Vol. I,

Paris 1855, aus der folgende Stellen wörtlich angeführt seien: »On

s'est fait pendant longtemps une très-fausse idée de ce qu'est un

organe sécréteur. On pensait que toute sécrétion devait être versée

sur une surface interne ou externe, et que tout organe sécrétoire

devait nécessairement être pourvu d'un conduit excréteur destiné à

porter au dehors les produits de la sécrétion. L'histoire du foie

établit maintenant d'une manière très-nette qu'il y a des sécrétions

internes, c'est à dire des sécrétions dont le produit, au lieu d'être

déversé à l'extérieur, est transmis directement dans le sang« (p. 96).

-- »Il doit être maintenant bien établi qu'il y a dans le foie deux

fonctions de la nature de sécrétions. L'une, sécrétion externe,

produit la bile qui s'écoule au dehors; l'autre, sécrétion interne,

forme le sucre qui entre immédiatement dans le sang de la circulation

générale« (p. 107). -- Ferner (Rapport sur les progrès et la marche

de la physiologie générale en France, Paris 1867, p. 73): »La cellule

sécrétoire crée et élabore en elle-même le produit de sécrétion qu'elle

verse soit au dehors sur les surfaces muqueuses, soit directement

dans la masse du sang. J'ai appelé _sécrétions externes_ celles

qui s'écoulent en dehors, et _sécrétions internes_ celles qui sont

versées dans le milieu organique intérieur.« (p. 79:) »Les sécrétions

internes sont beaucoup moint connues que les sécrétions externes.

Elles ont été plus ou moins vaguement soupçonnées, mais elles ne sont

point encore généralement admises. Cependant, selon moi, elles ne

sauraient être douteuses, et je pense que le sang, ou autrement dit

le milieu intérieur organique, doit être regardé comme un produit des

glandes vasculaires internes.« (p. 84:) »Le foie glycogénique forme

une grosse glande sanguine, c'est-à-dire une glande qui n'a pas de

conduit excréteur extérieur. Il donne naissance aux produits sucrés

du sang, peut-être aussi à d'autres produits albuminoïdes. Mais il

existe beaucoup d'autres glandes sanguines, telle que la rate, le corps

thyroïde, les capsules surrénales, les glandes lymphatiques, dont les

fonctions sont encore aujourd'hui indéterminées; cependant on regarde

généralement ces organes comme concourant à la régénération du plasma

et du sang, ainsi qu'à la formation des globules blancs et des globules

rouges qui nagent dans ce liquide.« Danach ist die sehr allgemeine

Angabe, _Brown-Séquard_ sei der Begründer der Lehre von den Funktionen

der Drüsen ohne Ausführungsgänge, wie sie sich z. B. in _Bunges_

»Physiologischer Chemie« (Lehrbuch der Physiologie des Menschen,

Leipzig 1901, Bd. II, S. 545), bei _Chrobak_ und _Rosthorn_ (Die

Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, I. Teil, Wien 1896/1900,

S. 388), bei Ernst _Ziegler_ (Lehrbuch der allgemeinen und speziellen

pathologischen Anatomie, I^9, 1898, S. 80), Oscar _Hertwig_ (Die Zelle

und die Gewebe, Bd. II, 1898, S. 167) oder H. _Boruttau_ (Kurzes

Lehrbuch der Physiologie, Leipzig und Wien, 1898, S. 138) findet, zu

korrigieren.

_Brown-Séquard_ selbst (Effets physiologiques d'un liquide extrait

des glandes sexuelles et surtout des testicules, Comptes Rendus

hebdomadaires des Séances de l'Académie des Sciences, Paris, 30. Mai

1892, p. 1237 f.) sagt: »Déjà en 1869, dans un cours à la Faculté

de Médecine de Paris, j'avais émis l'idée que les glandes ont des

sécrétions internes et fournissent au sang des principes utiles sinon

essentiels.« Die Priorität gebührt demnach ohne Zweifel Bernard;

nur die Anwendung auf die Keimdrüsen ist Brown-Séquards alleiniges

Verdienst: »Je croyais, dès alors, que la faiblesse chez les vieillards

dépend non seulement de l'état sénile des organes, mais aussi de ce

que les glandes sexuelles ne donnent plus au sang des principes qui, à

l'âge adulte, contribuent largement à maintenir la vigueur propre à cet

âge. Il était donc tout naturel de songer à trouver un moyen de donner

au sang de vieillards affaiblis les principes que les glandes sexuelles

ne lui fournissent plus. C'est ce qui m'a conduit à proposer l'emploi

d'injections sous-cutanées d'un liquide extrait de ces glandes.« Die

erste Veröffentlichung Brown-Séquards über dieses Thema ist die in den

»Comptes rendus hebdomadaires des séances et mémoires de la Société de

Biologie«, Tome 41, 1889, p. 415-419 enthaltene (datiert vom 1. Juni

1889).

Als Gegner der Lehre von der inneren Sekretion, speziell der

Keimdrüsen, sind zu nennen: Konrad _Rieger_ in seiner Schrift über die

Kastration (Jena 1900, S. 71; ihn erinnert sie an die Theorien der

mittelalterlichen Mönche über die Folgen des »semen retentum«) und

A. W. _Johnston_, Internal Secretion of the Ovary, 25. Annual Meeting

of the American Gynaecological Society, vgl. British Gyn. Journal,

Part 62, August 1900, S. 63. Unentschieden lassen die Frage, ob die

Erscheinungen nach Kastration und Involution der Keimdrüsen, nach der

Pubertät und in der Gravidität, soweit sie von den Genitalien ihren

Ursprung nehmen, auf nervösem Wege oder durch das Blut vermittelt

werden, _Ziegler_, Patholog. Anatomie, I^9, S. 80, und O. _Hertwig_,

Zelle und Gewebe, II, 162. Dieser sagt: »Wenn auf der einen Seite der

Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Geschlechtsdrüsen und der

sekundären Sexualcharaktere nicht in Abrede gestellt werden kann, so

fehlt uns auf der anderen Seite doch das tiefere Verständnis dafür.

Wird die Korrelation zwischen den Organen, welche funktionell direkt

nichts miteinander zu tun haben, durch das Nervensystem vermittelt,

oder sind es vielleicht besondere Substanzen, welche vom Hoden oder

Eierstock abgesondert werden, in den Blutstrom geraten und so die

weit abgelegenen Körperteile zu korrelativem Wachstum veranlassen? Zu

einem Entscheid der aufgeworfenen Alternative fehlt es noch an jeder

experimentellen Unterlage.«

Der letzte Satz war wohl schon zu der Zeit, da Hertwig ihn schrieb

(1898), nicht mehr ganz richtig. Fr. _Goltz_ und A. _Freusberg_

hatten 1874 (»Über den Einfluß des Nervensystems auf die Vorgänge

während der Schwangerschaft und des Gebäraktes«, Pflügers Archiv

für die gesamte Physiologie, IX, 552-565) von folgendem berichtet

(S. 557): »Eine Hündin mit vollständiger Trennung des Rückenmarkes

in der Höhe des ersten Lendenwirbels ist brünstig geworden, hat

empfangen und ein lebensfähiges Junges ohne Kunsthilfe geboren. Bei

und nach diesen Vorgängen hat das Tier alle die damit verbundenen

Naturtriebe (Instinkte) entfaltet ebenso wie ein unversehrtes Geschöpf«

(d. h. die Milchdrüsen füllten sich und das Junge wurde mit größter

Zärtlichkeit behandelt. Man vgl. auch _Brücke_, Vorlesungen über

Physiologie II^3, Wien 1884, S. 126 f.). Goltz selbst kam schon damals

zu folgendem Schlusse (S. 559): »Es scheint mir ... äußerst fraglich,

ob überhaupt der Zusammenhang zwischen Gebärmutter und Milchdrüsen

durch Beteiligung des Nervensystems zu denken ist. Mir sagt auch in

diesem Falle der Gedanke mehr zu, daß das Blut diesen Zusammenhang

vermittelt.« Er erinnert daselbst auch an die Ausfallserscheinungen

nach der Kastration. In ihrer berühmter gewordenen Arbeit »Der Hund mit

verkürztem Rückenmark« (Pflügers Archiv; 63, 362-400) sind Fr. _Goltz_

und J. R. _Ewald_ 22 Jahre nach jener Untersuchung nochmals auf das

Thema zurückgekommen (vgl. in jener Abhandlung S. 385 f.).

Der hauptsächlichste Beweis, daß _keine_ nervöse Vermittlung vorliegt,

ist, wie ich meine, darin zu erblicken, daß einseitige Kastration,

also Exstirpation bloß eines Ovars oder Testikels, an der Entwicklung

der sekundären Geschlechtscharaktere nicht das Geringste ändert. Den

Einfluß jeder Keimdrüse hätte man aber, wenn ein solcher auf nervösem

Wege sich vollzieht, als stets auf eine Hemisphäre des Körpers

_stärker_ sich erstreckend vorzustellen, ja eine halbseitige Kastration

wäre, zunächst wenigstens, nur für _eine_ Körperhälfte als entscheidend

anzunehmen. Mit Ausnahme einer einzigen Angabe aber, der _Rieger_, Die

Kastration, S. 24, mit Recht als Jägerlatein mißtraut (es ist die in

_Brehms_ Säugetieren, Leipzig und Wien, 1891, III^3, 430: »Einseitig

verschnittene Hirsche setzen bloß an der unversehrten Seite noch auf«),

hat nirgends etwas ähnliches verlautet: halbseitig verschnittene

Tiere sind wie gar nicht verschnittene. So schon _Berthold_,

Nachrichten von der Universität und Gesellschaft der Wissenschaften

zu Göttingen, 1849, Nr. 1, S. 1-6. Vgl. z. B. _Chrobak-Rosthorn_,

Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, I/2, S. 371 f.:

»_Sokoloff_[104] operierte an Hunden, verfolgte die Veränderungen

sowohl bei einseitiger als auch bei doppelseitiger Kastration. _Bei

ersterer trat die Brunst wie normal ein_, bei letzterer blieb sie

regelmäßig weg. _Einseitige Kastration bei jungen Tieren läßt das

Wachstum beider Gebärmutterhälften fortdauern._ Schon 1½ Monate nach

zweiseitiger Kastration war eine ausgesprochene Atrophie der zirkulären

Muskelschichte aufgetreten.«

Diesen Beweis halte ich darum für stringenter selbst als die

Transplantationsversuche (auf Grund deren J. _Halban_, Über den Einfluß

der Ovarien auf die Entwicklung des Genitales, Monatsschrift für

Geburtshilfe und Gynäkologie, XII, 1900, 496-506, besonders S. 505,

A. _Foges_, Zur Lehre von den sekundären Geschlechtscharakteren,

Pflügers Archiv, XCIII, 1902, 39 ff., Emil _Knauer_, Die

Ovarientransplantation, experimentelle Studie, Archiv für Gynäkologie,

LX, 1900, besonders S. 352-359, mit so viel Recht für die innere

Sekretion sich entscheiden), weil diesen gegenüber als letzter noch

immer der Einwand möglich wäre, daß vermittelnde nervöse Bahnen in das

transplantierte Gewebe zugleich mit dessen Vaskularisierung eingezogen

seien.

($S. 18, Z. 10 v. u. ff.$) Einen _anderen_ Begriff _von tertiären

Sexualcharakteren_ hat Havelock _Ellis_ aufgestellt, Mann und Weib,

S. 24: ».... So haben wir z. B. die verhältnismäßig größere Flachheit

des Schädels, die größere Aktivität und Ausdehnung der Schilddrüse und

die geringere Durchschnittsmenge der roten Blutkörperchen beim Weibe.

Diese Differenzen hängen wahrscheinlich indirekt mit primären und

sekundären sexuellen Charakteren zusammen. Vom zoologischen Standpunkt

aus sind sie kaum von Interesse, dagegen vom anthropologischen und

gelegentlich auch vom pathologischen und sozialen Standpunkt aus

höchst bemerkenswert. In dieselbe Gruppe mit den sekundären sexuellen

Charakteren lassen sie sich keinesfalls einreihen, und wir tun wohl am

besten, sie zu einer neuen Gruppe zusammenzufassen und als ‚tertiäre

sexuelle Charaktere’ zu bezeichnen.« Ellis bemerkt selbst, daß »sich

wegen der Tendenz dieser Merkmale, ineinander überzugehen, diese

Teilung schwer durchführen läßt«. Aber nicht nur der theoretische, auch

der praktische Wert dieser Gliederung scheint mir geringer als der Wert

der im Texte vorgeschlagenen Einteilung, nach welcher als primordiale

Geschlechtscharaktere die allgemein-biologischen, als primäre die

im engeren Sinne anatomischen, als sekundäre die im engeren Sinne

physiognomischen, als tertiäre die psychologischen und als quartäre die

sozialen Unterschiede der Geschlechter bezeichnet werden.

($S. 19, Z. 15 ff.$) Die Annahme dünkt mich sehr wahrscheinlich, daß

_gleichzeitig_ mit _jeder äußeren_ eine _innere Sekretion_ vor sich

geht, also auch die letztere keine kontinuierliche, sondern eine

intermittierende Funktion sei. Denn der Bartwuchs z. B. ist nicht

gleichmäßig, sondern er erfolgt schubweise, stoßweise. Als Erklärung

hiefür scheint eine interrupte innere Sekretion am nächsten zu liegen.

($S. 19, Z. 7 v. u.$) Der Ausdruck »Komplementärbedingung« nach Richard

_Avenarius_, Kritik der reinen Erfahrung, Bd. I, Leipzig 1888, S. 29.

($S. 20, Z. 10-28.$) Über das Idioplasma vgl. C. v. _Naegeli_,

Mechanisch-Physiologische Theorie der Abstammungslehre, 1884. Der

Begriff wird dort, in einer von seiner Entwicklung im Texte etwas

abweichenden Weise, eingeführt auf S. 23. Es heißt dann weiter: »Jede

wahrnehmbare Eigenschaft ist als Anlage im Idioplasma vorhanden,

es gibt daher so viele Arten von Idioplasma, als es Kombinationen

von Eigenschaften gibt. Jedes Individuum ist aus einem etwas anders

gearteten Idioplasma hervorgegangen, und in dem nämlichen Individuum

verdankt jedes Organ und jeder Organteil seine Entstehung einer

eigentümlichen Modifikation oder eher einem eigentümlichen Zustande des

Idioplasmas. Das Idioplasma, welches wenigstens in einer bestimmten

Entwicklungsperiode durch alle Teile des Organismus verteilt ist,

hat also an jedem Punkte etwas andere Eigenschaften, indem es

beispielsweise bald einen Ast, bald eine Blüte, eine Wurzel, ein

grünes Blatt, ein Blumenblatt, ein Staubgefäß, eine Fruchtanlage,

ein Haar, einen Stachel bildet.« Am wichtigsten ist für das hier in

Betracht kommende die Stelle S. 32 f.: »Jede beliebige Zelle muß

davon [vom Idioplasma] eine gewisse Menge enthalten, weil dadurch die

ererbte Tätigkeit bedingt wird.« Ferner S. 531: »Jede Ontogenie ...

beginnt mit einem winzigen Keim, in welchem eine kleine Menge von

Idioplasma enthalten ist. Dieses Idioplasma zerfällt, indem es sich

fortwährend in entsprechendem Maße vermehrt, bei den Zellteilungen,

durch welche der Organismus wächst, in ebenso viele Partien, die

den einzelnen Zellen zukommen, ....... Jede Zelle des Organismus

ist idioplasmatisch befähigt, zum Keim für ein neues Individuum zu

werden. Ob diese Befähigung sich verwirklichen könne, hängt von der

Beschaffenheit des Ernährungsplasmas ab. Das Vermögen hiezu kommt

bei niederen Pflanzen jeder einzelnen Zelle zu; bei den höheren

Pflanzen haben es manche Zellen verloren; im Tierreiche besitzen es

im allgemeinen nur die zu ungeschlechtlichen oder geschlechtlichen

Keimen normal bestimmten Zellen.« -- Hugo de _Vries_: in seinem Buche:

Intracellulare Pangenesis, Jena 1889, S. 55-60, 75 ff., 92 ff.,

101 ff., und besonders S. 120. Oscar _Hertwig_, Die Zelle und die

Gewebe, Grundzüge der allgemeinen Anatomie und Physiologie. (Diesem

Buche verdanke ich in biologischer Hinsicht ganz allgemein neben

_Darwins_ »Variieren« die reichste Belehrung.) Hertwig begründet

die Theorie im ersten Bande (Jena 1893), S. 277 ff.: »Wenn man das

Moospflänzchen Funaria hygrometrica zu einem feinen Brei zerhackt,

so läßt sich auf feuchter Erde aus jedem kleinsten Fragment wieder

ein ganzes Moospflänzchen züchten. Die Süßwasserhydra läßt sich

in kleine Stückchen zerschneiden, von denen sich jedes wieder zu

einer ganzen Hydra mit allen ihren Eigenschaften umbildet. Bei einem

Baum können sich an den verschiedensten Stellen durch Wucherung

vegetativer Zellen Knospen bilden, die zu einem Sproß auswachsen,

der, vom Ganzen abgetrennt und in Erde verpflanzt, sich bewurzelt und

zu einem vollständigen Baum wird. Bei Cölenteraten, manchen Würmern

und Tunikaten ist die ungeschlechtliche Vermehrung auf vegetativem

Wege eine ähnliche, da fast an jeder Stelle des Körpers eine Knospe

entstehen und zu einem neuen Individuum werden kann ....... Ein

abgeschnittener und ins Wasser gestellter Weidenzweig entwickelt

wurzelbildende Zellen an seinem unteren Ende, und so wird hier von

Zellen, die im Plane des ursprünglichen Ganzen eine sehr abweichende

Funktion zu erfüllen hatten, eine den neuen Bedingungen entsprechende

Aufgabe übernommen, ein Beweis, daß die Anlage dazu in ihnen gegeben

war. Und so können sich umgekehrt auch aus abgeschnittenen Wurzeln

Laubsprosse bilden, die dann zu ihrer Zeit selbst männliche und

weibliche Geschlechtsprodukte hervorbringen. In diesem Falle stammen

also direkt aus Zellbestandteilen einer Wurzel Geschlechtszellen ab,

die als solche wieder zur Reproduktion des Ganzen dienen ...... Die

Botaniker hängen zum größten Teile der Lehre an, die kürzlich de

Vries gegen Weismann verteidigt und in den Satz zusammengefaßt hat,

daß _alle oder doch weitaus die meisten_ Zellen des _Pflanzenkörpers

die sämtlichen erblichen Eigenschaften der Art im latenten Zustand

enthalten. Dasselbe läßt sich auf Grund von Tatsachen von niedrigen

tierischen Organismen sagen._ Für höhere Tiere kann man den Beweis

allerdings nicht führen; deswegen ist man aber nicht zu der Folgerung

gezwungen, daß die Zellen der höheren und niederen Organismen insoferne

verschieden wären, als die letzteren alle Eigenschaften der Art im

latenten Zustand, also die Gesamtheit der Erbmasse, die ersteren

dagegen nur noch Teile von ihr enthielten.« -- Als der heftigste

Gegner der Idioplasmalehre ist August _Weismann_ aufgetreten in seiner

Schrift: Die Kontinuität des Keimplasmas als Grundlage einer Theorie

der Vererbung, 1885 (Aufsätze über Vererbung und verwandte biologische

Fragen, Jena 1892, S. 215 ff.). Weismanns Hauptargument (S. 237):

»Ehe nicht erwiesen wird, daß ‚somatisches’ Idioplasma überhaupt

rückverwandelt werden kann in Keimidioplasma, haben wir kein Recht,

aus einer von ihnen [den somatischen Zellen] Keimzellen entstehen zu

lassen«, dürfte vor den genauen Untersuchungen von Friedlich _Miescher_

(Die histochemischen und physiologischen Arbeiten von F. M., Leipzig

1897, Bd. II, S. 116 ff.) über die Entwicklung der Keimdrüsen der

Lachse auf Kosten ihres großen Seitenrumpfmuskels nicht mehr haltbar

sein. Vgl. übrigens die vernichtende Kritik, welche an den überaus

künstlichen Theorien Weismanns von _Kassowitz_, Allgemeine Biologie,

Bd. II, Wien 1900, geübt worden ist, auf die Weismann, wohl ihres

überscharfen Tones halber, nicht geantwortet hat.

Für die Idioplasmalehre zeugen vollends Untersuchungen wie die von

Paul _Jensen_, Über individuelle physiologische Unterschiede zwischen

Zellen der gleichen Art (Pflügers Archiv, LXII, 1896, 172-200). Es

heißt da z. B. (S. 191): »Wenn ein Foraminifer durch abgetrennte eigene

Pseudopodien niemals, dagegen stets durch abgeschnittene Pseudopodien

eines anderen Individuums kontrektatorisch erregt wird, so muß das

Protoplasma des ersteren sich von dem der letzteren in bestimmter

Weise unterscheiden, oder allgemein ausgedrückt: das Protoplasma

verschiedener Individuen muß physiologisch verschieden sein. Welcher

Art aber ist diese Verschiedenheit und welcher Art der Reiz, der

ihr entspringt? Wir werden nicht umhin können, Unterschiede in der

chemischen Zusammensetzung der Protoplasmen verschiedener Individuen

anzunehmen.« -- Über die Regenerationsfähigkeit (auch niederer _Tiere_)

vgl. Hermann _Vöchting_, Über die Regeneration der Marchantieen,

Jahrbücher für wissenschaftliche Botanik, 1885, Bd. XVI, S. 367 bis

414. Über Organbildung im Pflanzenreich, Physiologische Untersuchungen

über Wachstumsursachen und Lebenseinheiten, Teil I, Bonn 1878,

S. 236-240, besonders S. 251-253. -- Jacques _Loeb_, Untersuchungen zur

physiologischen Morphologie der Tiere, II. Organbildung und Wachstum,

Würzburg 1892, S. 34 ff. (über Regeneration bei Ciona intestinalis).

($S. 21, Z. 6 ff.$) Wenn jede Zelle, also auch jede Nervenzelle,

männlich oder weiblich (in bestimmtem Grade) ist, so entfällt auch

der letzte Anlaß zur Annahme eines »psychosexuellen Zentrums« für

den Geschlechtstrieb im Gehirn, wie es besonders _Krafft-Ebing_

(Psychopathia sexualis, 11. Aufl., S. 248, Anm. 1) und seine Schüler,

ferner (nach ihm) _Taruffi_, Hermaphrodismus und Zeugungsunfähigkeit,

übersetzt von R. Teuscher, Berlin 1903, S. 190, ungeachtet der in der

Anmerkung zu S. 18, Z. 15 v. u. citierten Experimente von _Goltz_,

postuliert haben.

($S. 21, Z. 2 v. u.$) Wilhelm _Caspari_, Einiges über Hermaphroditen

bei Schmetterlingen, Jahrbücher des nassauischen Vereines für

Naturkunde, 48. Jahrgang, S. 171-173 (Referat von P. _Marchal_, Année

biologique, I. 288), berichtet, wie zuweilen die eine seitliche Hälfte

eines Schmetterlings vollständig männlich und die andere vollständig

weiblich ist. Bei Saturnia pavonia, einem Pfauenauge, ist der

Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Färbung sehr groß und

daher, bei Hermaphroditen in dieser Art der Kontrast zwischen rechter

und linker Körperhälfte höchst auffallend. -- Richard _Hertwig_,

Lehrbuch der Zoologie^5, 1900, S. 99 über diesen »Hermaphroditismus

lateralis« und jene hermaphroditischen Formen bei Schmetterlingen wie

Ocneria dispar (einem Spinner), dessen männliche Hälfte die besondere

Gestalt der männlichen Fühler, Augen und Flügel trägt, und sich durch

sie wesentlich von der weiblichen Hälfte unterscheidet.

($S. 22, Z. 4 v. u. ff.$) _Aristoteles_ sagt (Histor. Anim. 5, 14,

545, ~a~ 21:) εἰς τὸ θήλυ γαρ μεταβάλλει τα ἐκτεμνόμενα. (9, 50,

632, ~a~ 4) μεταβάλλει δὲ καὶ ἡ φωνὴ ἐπὶ τῶν ἐκτεμνομένων ἁπαντων

εἰς τὸ θήλυ. Die falschen Angaben über regelmäßige Verweiblichung

des entmannten Tieres rühren in der neuesten Zeit hauptsächlich

von William _Yarrell_ her (On the influence of the sexual organ in

modifying external character, Journal of the Proceedings of the

Linnean Society, Zool. Vol. I, 1857, p. 81), und sind ihm (mit oder

ohne Berufung auf ihn) oft nachgesprochen worden, z. B. von _Darwin_,

Das Variieren etc., II^2, 59: »Der Kapaun fängt an, sich auf Eier zu

setzen und brütet Hühnchen aus;« von _Weismann_, Keimplasma, S. 469 f.:

»Bei ausgebildeten Individuen des einen Geschlechtes können unter

besonderen Umständen die sekundären Sexualcharaktere des anderen

Geschlechtes zur nachträglichen Ausbildung gelangen. Dahin gehören

vor allem die _Folgen der Kastration_ bei beiden Geschlechtern.«

Ebenso von _Moll_, Die konträre Sexualempfindung, 3. Aufl., Berlin

1899, S. 170, Anm. 1. _Gegen_ diese Theorien hat sich namentlich

_Rieger_ gewendet (Die Kastration, S. 33 f.), ferner Hugo _Sellheim_

(Zur Lehre von den sekundären Geschlechtscharakteren, Beiträge zur

Geburtshilfe und Gynäkologie, herausgegeben von A. Hegar, Bd. I, 1898,

S. 229-255): »In keiner Weise konnten wir [bei den Kapaunen] einen

Umschlag, eine Entwicklung von Mutterliebe konstatieren, die sich in

einer Fürsorge für die beigegebenen Küchlein ausgesprochen hätte«

(S. 234). »Von einer aktiven Annäherung an das weibliche Tier, wie sie

von mancher Seite bei den durch die Entfernung der Hoden bedingten

Veränderungen angenommen wird, ist bei dem Kastratenkehlkopf nichts zu

merken« (S. 241). Schließlich hat Arthur _Foges_ (Zur Lehre von den

sekundären Geschlechtscharakteren, Pflügers Archiv, Bd. XCIII, 1902,

S. 39-58) Sellheims Befunde bestätigt und die ältere Ansicht nochmals

zurückgewiesen (S. 53). Die letzten Autoren gehen aber wohl zu weit,

indem sie die Verweiblichung für ausgeschlossen zu halten scheinen; sie

ist zwar keine notwendige Folge der Kastration, da sie jedoch gänzlich

_ohne_ dieselbe eintreten kann (vgl. S. 24, Z. 1-8 und die Anmerkung

zu dieser Stelle), so wird durch Kastration ihre Möglichkeit in vielen

Fällen wohl noch erleichtert werden.

($S. 23, Z. 16 f.$) Über die Annahme männlicher Charaktere durch die

Frauen, respektive Weibchen, nach dem Aufhören der Geschlechtsreife,

respektive der Menopause, vgl. vor allem die ausführliche Abhandlung

von Alexander Brandt, Anatomisches und Allgemeines über die sogenannte

Hahnenfedrigkeit und über anderweitige Geschlechtsanomalien bei

Vögeln, Zeitschr. f. wiss. Zool., 48, 1889, S. 101-190. -- Die erste

Angabe über Hahnenfedrigkeit bei _Aristoteles_, Histor. Animal. 9,

49, 631 b, 7 ff. -- Im XIX. Jahrhundert handeln von ihr vornehmlich

William _Yarrell_, On the change in the plumage of some Hen-Pheasants,

Philosophical Transactions of the Royal Society of London, 10. Mai

1827 (Part. II, p. 268-275); _Darwin_, Das Variieren II^2, S. 58;

Oscar _Hertwig_, Die Zelle und die Gewebe, Bd. II, Jena 1898, S. 162.

-- Hieher gehört vielleicht der interessante Fall von Hypertrichosis,

den _Chrobak_ und _Rosthorn_, Die Erkrankungen der weiblichen

Geschlechtsorgane, Teil I, S. 388, nach Virchow erzählen, »in welchem

es sich um eine junge Frau handelte, die während der Menstruation an

akutem Magen- und Darmkatarrh erkrankte, später amenorrhoisch wurde,

und bei welcher sich während der Dauer des Ausbleibens der Regel der

ganze Körper mit schwarzen wachsenden Haaren bedeckte.«

($S. 23, Z. 22 f.$) Ricken: nach _Brehms_ Tierleben, 3. Aufl. von

Pechuel-Loesche, Säugetiere, Bd. III, 1891, S. 495: »Auch sehr alte

Ricken erhalten bisweilen einen kurzen Stirnzapfen und setzen schwache

Gehörne auf ... Von einem derartigen Geweih teilt mir _Block_ mit,

daß es aus zwei gegen 5 ~cm~ langen Stangen bestand und selbst einen

alten Weidmann täuschen konnte, welcher die Ricke als Bock ansprach und

erlegte.«

($S. 23, Z. 13 v. u. ff.$) Vgl. Paul _Mayer_, Carcinologische

Mitteilungen, Mitteilungen a. d. zool. Station zu Neapel, I, 1879,

VI: Über den Hermaphroditismus bei einigen Isopoden, S. 165 bis 179.

Von Vertretern der Gattungen Cymothoa, Anilocra und Nerocila ist

durch Mayer sichergestellt, daß dieselben Individuen in ihrer Jugend

als Männchen fungieren, bei denen nach einer späteren Häutung die

ursprünglich zwar vorhandenen, aber nicht funktionsfähigen Eierstöcke

die männlichen Keimdrüsen zurückdrängen, so daß die Tiere nun die Rolle

von Weibchen ausfüllen. -- Der Ausdruck »Protandrie« (nach dem Muster

der Botanik vgl. _Nolls_ Physiologie in Strasburgers Lehrbuch der

Botanik, 3. Aufl., 1898, S. 250) wird auch von Mayer, S. 177, für diese

Erscheinung gebraucht. Vgl. Cesare _Lombroso_ und Guglielmo _Ferrero_,

Das Weib als Verbrecherin und Prostituierte, übersetzt von Hans

Kurella, Hamburg, 1894, S. 3. Übrigens hat L. _Cuénot_ bei gewissen

Seesternen ganz die gleiche Erscheinung nachweisen können: Notes sur

les Echinodermes, III: »L'hermaphrodisme _protandrique_ d'Asterina

gibbosa Penn. et ses variations suivant les localités« (Zoologischer

Anzeiger, XXI/_{1}, 1898, S. 273-279). Er kommt zu dem Ergebnis

(S. 275): »L'hermaphrodisme protandrique est donc ici indiscutable:

les Asterina sont fonctionnellement mâles ... puis, elles deviennent

exclusivement femelles pour le reste de leur existence.«

($S. 24, Z. 1 ff.$) Über Fälle von sexueller Umwandlung wird auch

sonst sporadisch berichtet. Z. B. von L. _Janson_, Über scheinbare

Geschlechtsmetamorphose bei Hühnern, Mitteilungen d. deutsch.

Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde Ostasiens, Heft 60, S. 478

bis 480. -- _Kob_, De mutatione sexus, Berlin 1823. -- Anekdotenhafte

Fälle sind bei _Taruffi_, Hermaphrodismus und Zeugungsunfähigkeit,

Berlin 1903, S. 296, 307 f., 364 f., aus einer Literatur von sehr

ungleicher Zuverlässigkeit gesammelt. -- »Man hat eine zehn Jahre

alte Ente gekannt, welche sowohl das vollständige Winter- als

Sommergefieder des Enterichs annahm.« _Darwin_, Das Variieren etc.,

II^2, S. 58. Vgl. _Moll_, Untersuchungen über die Libido sexualis,

I, S. 444. -- R. v. _Krafft-Ebing_, Psychopathia sexualis mit

besonderer Berücksichtigung der konträren Sexualempfindung, eine

klinisch-forensische Studie, 8. Aufl., Stuttgart 1893, erwähnt

S. 198 f. verschiedene höchst merkwürdige Fälle von Männern, die im

Laufe ihres Lebens eine vollständige Umwandlung zum Weibe erfahren

haben; besonders kommt in Betracht jene Autobiographie eines Arztes

(S. 203 ff.) als Beispiel einer Umwandlung, die, wie Krafft-Ebing

S. 215 selbst zugeben muß, durchaus ohne paranoischen Wahn ist, obwohl

er auch jenen Fall S. 203 unter der Überschrift »Metamorphosis sexualis

paranoica« einführt.

($S. 24, Z. 11 v. u.$) Die hier erwähnten Versuche sind die von Emil

_Knauer_ (Die Ovarientransplantation, Experimentelle Studie, Archiv

für Gynäkologie, Bd. LX, 1900, S. 322-376) ausgeführten. Nur in zwei

von dreizehn Fällen mißlang die Transplantation nicht (ibid., S. 371).

»Mit Rücksicht auf diese beiden letzten, positiven Erfolge glaube ich

behaupten zu können, _daß die Überpflanzung der Eierstöcke von einem

auf ein zweites Tier ebenfalls möglich sei_.« (S. 372.) _Foges_, der

unter Kenntnis von Knauers Erfolgen denselben Versuch wiederholte,

ist die Vertauschung nie gelungen (Pflügers Archiv, Bd. XCIII, 1902,

S. 93.), ebensowenig wie Knauers von ihm selbst, S. 373 f., citierten

Vorgängern. Als Grund ist wohl (neben Wechseln in der Vollkommenheit

der technischen Ausführung) der im Text vermutete zu betrachten. --

Über den guten Erfolg der Transplantation innerhalb des Tieres vgl.

Knauer S. 339 ff.

($S. 25, Z. 8 ff.$) Über die heute ihrer Gefahren wegen freilich fast

außer Gebrauch gekommene Bluttransfusion, vgl. L. _Landois_, Artikel

»Transfusion« in Eulenburgs Realenzyklopädie der Heilkunde, 2. Aufl.,

Bd. XX, 1890, welche für, und Ernst v. _Bergmann_, Die Schicksale der

Transfusion im letzten Dezennium, Berlin 1883, sowie A. _Landerer_,

Über Transfusion und Infusion, Virchows Archiv für pathologische

Anatomie und Physiologie und klinische Medizin, Bd. CV, 1886,

S. 351-372, die beide gegen die Transfusion sich einsetzen.

($S. 25, Z. 10 v. u. ff.$) Über die »Organsafttherapie« unterrichtet

am ausführlichsten der, ihrem Prinzipe freilich äußerst gewogene,

gleichlautende Artikel von Georg _Buschan_ in Eulenburgs

Realenzyklopädie, 3. Aufl., Bd. XVIII (1898), S. 22-82.

($S. 26, Z. 6 v. u.$) Nach _Foges_, Zur Lehre von den sekundären

Geschlechtscharakteren, Pflügers Archiv, Bd. XCIII, 1902 (S. 57), wäre

freilich die _Quantität_ der ins Blut sezernierten Keimdrüsenstoffe von

der größten Bedeutung; denn daß die vollständige Erhaltung des normalen

Sexualcharakters durch Hodentransplantation bei seinen Versuchstieren

nicht gelang, führt er darauf zurück, daß eine im Verhältnis zur Größe

des normalen Hodens nur ganz kleine Menge Hodengewebes zur Anheilung

kam.

($S. 25, Z. 4 v. u. ff.$) Nach _Buschan_ (a. a. O., S. 32) tun eine

Reihe von Versuchen, die von _Ferré_ und _Bechasi_ (Note préliminaire

sur l'étude de l'action du suc ovarien sur le cobaye, Gazette

hebdomadaire, XLIV, 1897, Nr. 50) in dem physiologischen Laboratorium

der Universität Rom angestellt worden sind, deutlich dar, »daß die

Wirkung dieser [der Organ-]Präparate auf das männliche Geschlecht eine

ganz andere als auf das weibliche ist. Spritzten diese Beobachter von

einem Ovarialextrakt ... 5 ~cm~^3 einem _weiblichen_ Meerschweinchen

ein, dann trat weder eine lokale noch eine allgemeine Reaktion auf,

nur das Körpergewicht erfuhr eine Zunahme; wurde die gleiche Menge

einem _männlichen_ Tiere injiziert, dann stellten sich ebenfalls

keine lokalen noch Allgemeinerscheinungen, wohl aber Abmagerung ein.

Bei Injektion von 10 ~cm~^3 war beim _weiblichen_ Tier die lokale

Reaktion nur ganz gering, Allgemeinreaktion war nicht vorhanden und

die Gewichtszunahme eine bedeutende; beim _männlichen_ Tier dagegen

die lokale Reizung schon ganz beträchtlich, ferner stellte sich eine

vorübergehende Temperatursteigerung ein, und die Gewichtsabnahme war

noch stärker ausgeprägt. Wenn endlich 15 ~cm~^3 injiziert wurden,

dann blieb die lokale Reaktion beim _Weibchen_ eine nur schwache,

beim Männchen hingegen nahm sie eine noch bedeutendere Höhe an; bei

ersterem trat gleichfalls eine Temperatursteigerung um einige Dezigrade

während des Injektionstages, bei letzterem hingegen eine sehr deutliche

Hypothermie mit nervösem Zittern und intensiver Depression ein;

_außerdem erfuhr das männliche Meerschweinchen eine sehr beträchtliche

Abnahme seines Gewichtes und starb schließlich innerhalb vier bis sechs

Tagen_.«

($S. 27, Z. 6 ff.$) Es dürfte dies für verschiedene Organismen

verschieden sein. Z. B. bemerken gegenüber anderslautenden Aussagen von

_Born_ und _Pflüger_ die _Hertwigs_ auf S. 43 ihrer »Experimentellen

Untersuchungen über die Bedingungen der Bastardbefruchtung«

(_Oscar_ und _Richard Hertwig_, Untersuchungen zur Morphologie und

Physiologie der Zelle, 4. Heft, Jena 1885): »Selbst bei den stärksten

Vergrößerungen ist es uns nicht möglich gewesen, zwischen den reifen

Samenfäden eines Sphaerechinus oder Strongylocentrotus oder einer

Arbacia Unterschiede in Form und Größe zu entdecken.« Dagegen setzt

L. _Weill_, Über die kinetische Korrelation zwischen den beiden

Generationszellen, Archiv für Entwicklungsmechanik der Organismen, Bd.

XI, 1901, S. 222-224, die Existenz individueller Unterschiede auch

zwischen den Spermatozoiden und Eizellen derselben Tiere voraus. --

Daß übrigens die Dimensionen der Eier sicherlich schwanken, ist aus

den Maßzahlen zu ersehen, die Karl _Schulin_, Zur Morphologie des

Ovariums, Archiv für mikroskopische Anatomie, Bd. XIX, 1881, S. 472 f.

und W. _Nagel_, Das menschliche Ei, ibid., Bd. XXXI, 1888, S. 397, 399

angeben.

($S. 27, Z. 12 ff.$) Über die Geschwindigkeit der Spermatozoiden vgl.

_Chrobak-Rosthorn_ I/2, S. 441.

($S. 27, Z. 16 ff.$) _Purser_, The British Medical Journal, 1885,

p. 1159 (vgl. _Moll_, Untersuchungen, I, S. 252) und besonders Franz

_Friedmann_, Rudimentäre Eier im Hoden von Rana viridis, Archiv

für mikroskopische Anatomie und Entwicklungsgeschichte, Bd. LII,

1898, S. 248-261 (mit vielen Literaturangaben, S. 261). Friedmanns

Fall ist dadurch besonders interessant, daß sich in _beiden_ Hoden

(im einen fünf, im anderen zehn) wohl entwickelte _Eier_ mit einem

Durchmesser von 225-500 μ fanden, die sämtlich _innerhalb der

Samen_kanälchen selbst, und nicht erst zwischen den Hodenschläuchen

lagen. Auch _Pflüger_, Über die das Geschlecht bestimmenden Ursachen

und die Geschlechtsverhältnisse der Frösche, Archiv für die gesamte

Physiologie, Bd. XXIX, 1882, S. 13-40, berichtet über die großen

Graafschen Follikel, die er gegen seine Erwartung in den Hoden brauner

Grasfrösche gefunden habe (S. 33). Seine Abhandlung spricht geradezu

von Übergangsformen von Hode zu Eierstock. -- Weitere Literaturangaben

bei Frank J. _Cole_, A Case of Hermaphroditism in Rana temporaria,

Anatomischer Anzeiger, 21. September 1895, S. 104-112. G. _Loisel_,

Grenouille femelle présentant les caractères sexuels secondaires du

mâle, Comptes rendus hebdomadaires des Séances et Mémoires de la

Société de Biologie, LIII, 1901, p. 204-206. _La Valette St. George_,

Zwitterbildung beim kleinen Wassermolch, Archiv für mikroskopische

Anatomie, Bd. XLV (1895), S. 1-14.

($S. 28, Z. 12 v. u.$) Einen freilich nicht weit geführten Anfang zu

einer Theorie der sexuellen Zwischenformen hat der bekannte Gynäkologe

A. _Hegar_ schon im Jahre 1877 gemacht (Über die Exstirpation

normaler und nicht zu umfänglicher Tumoren degenerierter Eierstöcke,

Zentralblatt für Gynäkologie, 10. November 1877, S. 297-307, S. 305

heißt es): »Der Satz ‚propter solum ovarium mulier est quod est’ ist

entschieden zu scharf gefaßt, wenn man denselben in dem Sinne auffaßt,

daß von dem Eierstock ausschließlich der Anstoß zur Herstellung des

eigentümlichen weiblichen Körpertypus und der speziellen weiblichen

Geschlechtscharaktere gegeben werde. Schon _Geoffroy St. Hilaire_

lehrte die Unabhängigkeit in der Entwicklung der einzelnen Abschnitte

des Geschlechtsapparates, und _Klebs_ hat in neuerer Zeit diese Lehre

durch die Verhältnisse beim Hermaphroditismus motiviert. Jedenfalls ist

es jedoch notwendig, auch selbst wenn man den Eierstock als wichtigstes

Movens annimmt, noch weiter zurückzugehen und nach einem Moment zu

suchen, welches bedingt, daß in dem einen Fall eine männliche, in

dem anderen eine weibliche Keimdrüse zustande kommt. [Hier wurde als

solches das Arrheno-, respektive Thelyplasma des ganzen Organismus

angesehen]..... Wir können hier für unsere Betrachtungen kurzweg

von _einem_ geschlechtsbedingenden Moment sprechen. Nehmen wir nun

an, daß ursprünglich in jedem Individuum zwei geschlechtsbedingende

Momente vorhanden sind, von denen das eine zum Manne, das andere zum

Weibe führt, und nehmen wir ferner an, daß diese Momente nicht bloß

die spezifische Keimdrüse, sondern gleichzeitig auch die anderen

Geschlechtscharaktere herzustellen suchen, so erscheint uns eine

genügende Erklärung für alle .... Tatsachen vorhanden zu sein. Die eine

Bewegungsrichtung überwiegt für gewöhnlich so, daß nur ein spezifischer

Typus geschaffen, während der andere verdrängt wird. Es kann dieses

Übergewicht so bedeutend sein, daß, selbst bei Defekt oder rudimentärer

Ausbildung der ihm zukommenden spezifischen Keimdrüse, doch die

übrigen entsprechenden Geschlechtscharaktere hergestellt werden.

[Disharmonie in der sexuellen Charakteristik der verschiedenen Teile

_eines_ Organismus.] In welcher Art jene Verdrängung stattfindet, ist

freilich nicht leicht zu sagen. Wahrscheinlich spielen hier teilweise

sehr einfache mechanische Vorgänge mit. [??] Das Bildungsmaterial wird

aufgebraucht oder es bleibt einfach kein Platz, kein Raum mehr für die

Entwicklung des andersartigen Organes. Einen analogen Vorgang finden

wir ja bei Vögeln, bei denen der linke Eierstock durch sein kräftigeres

Wachstum den rechten zur Atrophie bringt, gleichsam totdrückt .......

Bei der zufälligen Schwäche der Bewegungsrichtung können leicht

zufällige, selbst leichte Widerstände bedeutend einwirken. Es wird

dann das andere geschlechtsbedingende Moment zur Geltung kommen,

und wir sehen so ein Individuum entstehen, welches einen anderen

Geschlechtstypus hat als denjenigen, welcher ihm seiner Keimdrüse

nach zukommt. Meist sind freilich Gemische männlicher und weiblicher

Eigenschaften in den mannigfachsten Kombinationen vorhanden bis zu

jenen feinen Nuancen herab, bei denen wir von einem weibischen Manne

und einem Mannweibe sprechen.«

($S. 30, Z. 2 f.$) _Maupas_, Sur le déterminisme de la sexualité

chez l'Hydatina senta, Comptes Rendus hebdomadaires des Séances de

l'Académie des Sciences, 14. September 1891, p. 388 f.: »Au début de

l'ovogénèse, l'œuf est encore neutre et, en agissant convenablement, on

peut à ce moment lui faire prendre à volonté l'un ou l'autre caractère

sexuel. L'agent modificateur est la température. L'abaisse-t-on, les

jeunes œufs qui vont se former revêtent l'état de pondeuses d'œufs

femelles; l'élève-t-on, au contraire, c'est l'état de pondeuses d'œufs

mâles qui se développe.«

($S. 30, Z. 8 f.$) Vgl. M. _Nußbaum_, Die Entstehung des Geschlechts

bei Hydatina senta, Archiv für mikroskopische Anatomie und

Entwicklungsgeschichte, Bd. XLIX (1897), 227-308, der S. 235 sagt:

»Schon aus den von _Plate_ angegebenen Maßen für männliche und

weibliche Sommereier der Hydatina senta ergibt sich mit Notwendigkeit,

daß man das Geschlecht nicht in allen Fällen aus der Größe der Eier

vorhersagen kann. Man nehme an, daß sich aus den größten Eiern stets

Weibchen und aus den kleinsten Männchen entwickeln. Zwischen diesen

weit abstehenden Grenzen gibt es aber stufenweise Übergänge, von denen

man nicht sagen kann, was aus ihnen werden wird ..... Ein und dasselbe

Weibchen legt Eier der verschiedensten Größe.«

($S. 30, Z. 9 f.$) Die Ausdrücke »arrhenoid« und »thelyid« nach der

citierten Abhandlung _Brandts_ (Zeitschrift für wissenschaftliche

Zoologie, Bd. XLVIII, S. 102).

Zu Teil I, Kapitel 3.

($S. 31, Z. 3 ff.$) _Carmen_, Opéra-Comique tiré de la nouvelle de

Prosper Mérimée par Henry _Meilhac_ & Ludovic _Halévy_, Paris, Acte I,

Scène V, p. 13.

($S. 32, Z. 1.$) Der Philosoph ist _Arthur Schopenhauer_ in

seiner »Metaphysik der Geschlechtsliebe«. (Die Welt als Wille und

Vorstellung, ed. Frauenstädt, Bd. II, Kapitel 44, S. 623 f.): »Alle

Geschlechtlichkeit ist Einseitigkeit. Diese Einseitigkeit ist in einem

Individuo entschiedener ausgesprochen und in höherem Grade vorhanden

als im anderen: daher kann sie in jedem Individuo besser durch Eines

als das Andere vom anderen Geschlecht ergänzt und neutralisiert werden,

indem es einer der seinigen individuell entgegengesetzten Einseitigkeit

bedarf, zur Ergänzung des Typus der Menschheit im neu zu erzeugenden

Individuo, als auf dessen Beschaffenheit immer alles hinausläuft.

Die Physiologen wissen, daß Mannheit und Weiblichkeit unzählige

Grade zulassen, durch welche jene bis zum widerlichen Gynander und

Hypospadiaeus sinkt, diese bis zur anmutigen Androgyne steigt: von

beiden Seiten aus kann der vollkommene Hermaphroditismus erreicht

werden, auf welchem Individuen stehen, welche, die gerade Mitte

zwischen beiden Geschlechtern haltend, keinem beizuzählen, folglich zur

Fortpflanzung untauglich sind. Zur in Rede stehenden Neutralisation

zweier Individualitäten durch einander ist demzufolge erfordert, daß

der bestimmte Grad _seiner_ Mannheit dem bestimmten Grade _ihrer_

Weiblichkeit genau entspreche; damit beide Einseitigkeiten einander

gerade aufheben. Demnach wird der männlichste Mann das weiblichste Weib

suchen und vice versa, und ebenso jedes Individuum das ihm im Grade

der Geschlechtlichkeit entsprechende. Inwiefern nun hierin zwischen

zweien das erforderliche Verhältnis statt habe, wird instinktmäßig von

ihnen gefühlt, und liegt, nebst den anderen _relativen_ Rücksichten,

den höheren Graden der Verliebtheit zum Grunde.« Dieser Passus zeigt

eine weit vollere Einsicht als die einzige noch zu erwähnende Stelle,

wo ich ähnliches entdecken konnte; diese findet sich bei Albert _Moll_,

Untersuchungen über die Libido sexualis, Berlin 1897, Bd. I, S. 193. Da

heißt es: »Wir können überhaupt sagen, daß wir zwischen dem typischen

weiblichen Geschlechtstrieb, der auf vollständig erwachsene männliche

Personen gerichtet ist, und dem typischen männlichen Geschlechtstrieb,

der auf vollständig entwickelte weibliche Personen gerichtet ist, alle

möglichen Übergänge finden.«

Beide Stellen waren mir unbekannt, als ich (Anfang 1901) dieses Gesetz

als erster gefunden zu haben glaubte, so eng sich meine Darstellung

speziell mit der Schopenhauers _sachlich_, ja manchmal _wörtlich_

berührt.

($S. 32, Z. 5 ff.$) Der Ausspruch Blaise _Pascals_ (Pensées I, 10, 24):

»Il y a un modèle d'agrément et de beauté, qui consiste en un certain

rapport entre notre nature faible ou forte, telle qu'elle est, et la

chose qui nous plaît. Tout ce qui est formé sur ce modèle nous agrée:

maison, chanson, discours, vers, prose, femme, oiseaux, rivières,

arbres, chambres, habits,« mag hier Platz finden, obwohl seine weite

Berechtigung erst allmählich im Laufe des Folgenden (vgl. Teil I,

Kap. 5 und Teil II, Kap. 1) ganz klar werden kann.

($S. 32, Z. 14 v. u.$) Charles _Darwin_, Die Abstammung des Menschen

und die Zuchtwahl in geschlechtlicher Beziehung, übersetzt von David

Haek (Universalbibliothek), Bd. II, Kap. 14, S. 120-132, Kap. 17,

S. 285-290; die Fälle sprechen keineswegs allein von einer »Wahl«

seitens des Weibchens, sondern ebensosehr von Bevorzugung und

Verschmähung der Weibchen durch die Männchen. Vgl. auch: Das Variieren

der Tiere und Pflanzen im Zustande der Domestikation, übersetzt von

J. V. Carus, Kap. 18 (Stuttgart 1873, II^2, 186): »Es ist durchaus

nicht selten, gewisse männliche und weibliche Tiere zu finden, welche

sich nicht zusammen fortpflanzen, trotzdem man von beiden weiß, daß

sie mit anderen Männchen und Weibchen vollkommen fruchtbar sind .....

Die Ursache liegt, wie es scheint, in einer eingeborenen sexuellen

Unverträglichkeit des Paares, welches gepaart werden soll. Mehrere

Beispiele dieser Art sind mir mitgeteilt worden ..... In diesen Fällen

pflanzten sich Weibchen, welche sich entweder früher oder später als

fruchtbar erwiesen, mit gewissen Männchen nicht fort, mit denen man

ganz besonders wünschte sie zu paaren« u. s. w.

($S. 32, Z. 8-10 v. u.$) »Fast ausnahmslos ....« »_Beinahe_ immer ....«

wegen _Oscar_ und _Richard Hertwig_, Untersuchungen zur Morphologie

und Physiologie der Zelle, Heft 4: Experimentelle Untersuchungen über

die Bedingungen der Bastardbefruchtung, Jena 1885, S. 33: »_In der

Kreuzbefruchtung zweier Arten besteht sehr häufig keine Reziprozität._

Alle möglichen Abstufungen finden sich hier. Während Eier von Echinus

microtuberculatus sich durch Samen von Strongylocentrotus lividus fast

ohne Ausnahme befruchten lassen, wird bei Kreuzung in entgegengesetzter

Richtung nur in wenigen Fällen eine Entwicklung hervorgerufen. Die

Befruchtung von Strongylocentrotus lividus durch Samen von Arbacia

pustulosa bleibt erfolglos, dagegen entwickeln sich von Arbacia

pustulosa immerhin einige Eier, wenn ihnen Samen von Strongylocentrotus

lividus hinzugefügt wird. Und so ähnlich noch in anderen Fällen. Es

ist zur Zeit gar nicht möglich, gesetzmäßige Beziehungen zwischen

Bastardierungen in entgegengesetzter Richtung nachzuweisen.«

($S. 34, Z. 2 v. u.$) Den Ausdruck »geschlechtliche _Affinität_«, in

Analogie mit der chemischen Verwandtschaft, haben O. und R. _Hertwig_

zuerst eingeführt (Experimentelle Untersuchungen über die Bedingungen

der Bastardbefruchtung, Jena 1885, S. 44), und der erstere in seinem

Buche »Die Zelle und die Gewebe«, Bd. I, S. 240 f., enger, als dies

hier geschehen ist, auf die Wechselwirkungen zwischen Einzelzellen

beschränkt.

($S. 35, Z. 12 v. u.$) Mit den von _Darwin_ (A Monograph on the

Sub-Class Cirripedia: The Lepadidae or Pedunculated Cirripedes, London

1851, p. 55, S. 182, 213 ff., 281 f., 291 ff.; The Balanidae or sessile

Cirripedes, The Verrucidae etc., London 1854, p. 29) bei Rankenfüßern

entdeckten »_komplementären Männchen_«, welche mit Hermaphroditen

sich paaren, hat die hier vorgetragene Anschauung von einer sexuellen

Ergänzung trotz dem Ausdruck »Komplement« nichts zu schaffen.

($S. 36, Z. 10 v. u.$) Wilhelm _Ostwald_, Die Überwindung

des wissenschaftlichen Materialismus (Vortrag auf der

Naturforscherversammlung zu Lübeck), Leipzig 1895, S. 11 und 27. --

Richard _Avenarius_, Kritik der reinen Erfahrung, Leipzig 1888-1890, an

vielen Orten, z. B. Bd. II, S. 299.

($S. 38, Z. 10 v. u.$) P. _Volkmann_, Einführung in das Studium der

theoretischen Physik, insbesondere in das der analytischen Mechanik mit

einer Einleitung in die Theorie der physikalischen Erkenntnis, Leipzig

1900, S. 4: »Die Physik ist .... ein Begriffssystem mit rückwirkender

Verfestigung.«

($S. 38, Z. 4 v. u.$) »_Persoon_ gab in Usteris Annalen 1794,

11. Stück, S. 10, die erste Beschreibung der langgriffeligen und

kurzgriffeligen Formen von Primula« sagt Hugo v. _Mohl_, Einige

Beobachtungen über dimorphe Blüten, Botanische Zeitung, 23. Oktober

1863, S. 326.

($S. 38, Z. 3 v. u.$) Charles _Darwin_, The different forms of flowers

on plants of the same species, London 1877, 2. ed., 1884, p. 1-277.

(Deutsch: Die verschiedenen Blütenformen bei Pflanzen der nämlichen

Art, Werke übersetzt von J. V. Carus, IX/3, Stuttgart 1877, S. 1-240.)

In seinen ersten, den Gegenstand betreffenden Publikationen aus dem

Jahre 1862 und den folgenden hatte Darwin bloß der mehrdeutigen

Ausdrücke Dimorphismus und Trimorphismus sich bedient. Hiefür hat

den Namen Heterostylie Friedrich _Hildebrand_ zuerst vorgeschlagen

in seiner Abhandlung »Über den Trimorphismus in der Gattung Oxalis«

(S. 369) in den »Monatsberichten der kgl. preußischen Akademie der

Wissenschaften zu Berlin«, 1866, S. 352-374. Vgl. auch dessen größere

Werke: Die Geschlechtsverteilung bei den Pflanzen und das Gesetz der

vermiedenen und unvorteilhaften Selbstbefruchtung, Leipzig 1867, und

Die Lebensverhältnisse der Oxalisarten, Jena 1884, S. 127 f.

($S. 38, Z. 2 v. u.$) Über die Heterostylie vgl. außer _Darwins_

schönem Buch, dem Hauptwerk über den Gegenstand und der reichen,

darin auf Schritt und Tritt citierten Literatur: Oskar _Kirchner_

und H. _Potonié_, Die Geheimnisse der Blumen, eine populäre

Jubiläumsschrift zum Andenken an Christian Konrad Sprengel, Berlin

1893, S. 21 f.; Julius _Sachs_, Vorlesungen über Pflanzenphysiologie,

2. Aufl., Leipzig 1887, S. 850; _Noll_ in _Strasburgers_ Lehrbuch der

Botanik für Hochschulen, 3. Auflage, Jena 1898, S. 250 f.; Julius

_Wiesner_, Elemente der wissenschaftlichen Botanik, Bd. III: Biologie

der Pflanzen, Wien 1902, S. 152-154. Anton _Kerner v. Marilaun_, Das

Pflanzenleben, Bd. II, Wien 1891, S. 300 ff., 389 ff.; _Darwin_ selbst

noch in der »Entstehung der Arten«, Kap. 9 (S. 399 f., übersetzt von

Haek), und »Das Variieren etc.«, Kap. 19 (II^2, S. 207 ff.).

($S. 39, Z. 1.$) Die einzigen Monokotyledonen, die heterostyle

Blüten besitzen, sind die von Fritz _Müller_ (Jenaische Zeitschrift

für Naturwissenschaft VI, 1871, S. 74 f.) in Brasilien entdeckten

Pontederien.

($S. 39, Z. 11.$) Auch Darwin nähert sich ein- oder zweimal dieser

Auffassung, um sie sofort wieder aus den Augen zu verlieren, weil bei

ihm stets der Gedanke an eine fortschreitende Tendenz der Pflanzen,

diözisch zu werden, an die Stelle des allgemeingültigen Prinzipes der

sexuellen Zwischenformen sich schiebt (vgl. p. 257 der englischen

Ausgabe). Doch sagt er an einer Stelle (p. 296) über Rhamnus

lanceolatus: »The short-styled form is said by Asa Gray to be the more

fruitful of the two, as might have been expected from its appearing to

produce less pollen, and from the grains being of smaller size; _it is

therefore the more highly feminine of the two_. The long styled form

produces a greater number of flowers .... they yield some fruit, but as

just stated are less fruitful than the other form, _so that this form

appears to be the more masculine of the two_.«

($S. 39, Z. 21 f.$) Es heißt im englischen Texte auf S. 137 (in der

deutschen Übersetzung S. 118^1) von Lythrum salicaria wörtlich: »If

smaller differences are considered, there are five distinct sets of

males.«

($S. 40, Z. 2.$) William _Bateson_, Materials for the study of

variation treated with especial regard to discontinuity in the origin

of species, London 1894, p. 38 f. Er sagt von Xylotrupes geradezu:

»The form is dimorphic, and has two male normals.« Die Stelle ist zu

ausgedehnt, als daß ich sie ganz hiehersetzen könnte.

($S. 41, Z. 17.$) _Darwin_, p. 148: »It must not however be supposed

that the bees do not get more or less dusted all over with the several

kinds of pollen.«

($S. 42, Z. 5-10.$) _Darwin_ spricht p. 186 von dieser Erscheinung als

von »the usual rule of the grains from the longer stamens, the tubes

of which have to penetrate the longer pistils, being larger than those

from the stamens of less length.« Vgl. auch p. 38, 140 und besonders

286 ff. -- F. _Hildebrand_, Experimente über den Dimorphismus von Linum

perenne und Primula sinensis, Botanische Zeitung, 1. Jänner 1864,

S. 2: »Meine Beobachtungen .... zeigten, daß .... die Pollenkörner der

kurzgriffeligen Form bedeutend größer sind als die der langgriffeligen.«

($S. 42, Z. 9 v. u.$) L. _Weill_, Über die kinetische Korrelation

der beiden Generationszellen, Archiv für Entwicklungsmechanik der

Organismen, Bd. XI, 1901, S. 222-224.

($S. 42, Z. 1 ff.$) _Hildebrand_, Monatsberichte der königlich

preußischen Akademie der Wissenschaften, 1866, S. 370, spricht sich,

gegen _Lindley_ und _Zuccarini_, dahin aus, daß die kurzgriffeligen

Blüten deshalb nicht männlich, die langgriffeligen deshalb nicht

weiblich sein könnten, weil in der kurzgriffeligen Form die Narbe

keineswegs verkümmert, in der langgriffeligen der Pollen keineswegs

schlecht und wirkungslos sei. Aber es ist durchaus charakteristisch für

die Pflanzen, daß bei ihnen in viel weiterem Umfange _Juxtapositionen_

möglich sind als bei den Tieren.

($S. 42, Z. 9 v. u.$) L. _Weill_, Über die kinetische Korrelation

zwischen den beiden Generationszellen, Archiv für Entwicklungsmechanik

der Organismen, Bd. XI, 1901, S. 222-224.

($S. 44, Z. 6 v. u.$) Der Faktor t spielt hier, nicht nur unter

den Menschen, oder den anderen Organismen, sondern selbst noch im

Verkehre der Keimzellen eine wichtige und überaus merkwürdige Rolle.

So schildern O. und R. _Hertwig_, Untersuchungen zur Morphologie

und Physiologie der Zelle, 4. Heft, Experimentelle Untersuchungen

über die Bedingungen der Bastardbefruchtung, Jena 1885, S. 37, ihre

Beobachtungen an Echinodermen: »Wir haben nun gefunden, daß Eier,

welche gleich nach ihrer Entleerung aus dem strotzend gefüllten

Eierstock bastardiert wurden, das fremde Spermatozoon _zurückwiesen_,

es aber nach 10, 20 oder 30 Stunden bei der zweiten oder dritten

oder vierten Nachbefruchtung in sich aufnahmen und dann sich normal

weiter entwickelten.« S. 38: »Je später [nach der Entleerung aus den

Ovarien] die Befruchtung geschah, sei es nach 50 der 10 oder 20 oder

30 Stunden, um so mehr wuchs der Perzentsatz der bastardierten Eier,

bis schließlich ein Bastardierungsoptimum erreicht wurde. Als solches

bezeichnen wir das Stadium, in welchem sich fast das gesamte Eiquantum,

mit Ausnahme einer geringen Zahl, in normaler Weise entwickelt.«

($S. 45, Z. 6.$) »Phantasien eines Realisten« von _Lynkeus_, Dresden

und Leipzig, 1900, II. Teil, S. 155-162.

($S. 45, Z. 21 f.$) »... im allgemeinen ...«; k wird _nicht immer_

einfach in Proportion mit der systematischen Nähe größer. Sieh O. und

R. _Hertwig_ a. a. O., S. 32 f.: »Das Gelingen oder Nichtgelingen

der Bastardierung hängt nicht ausschließlich von dem Grade der

systematischen Verwandtschaft der gekreuzten Arten ab. Wir können

beobachten, daß Arten, die in äußeren Merkmalen sich kaum voneinander

unterscheiden, sich nicht kreuzen lassen, während es zwischen relativ

entfernt stehenden, verschiedenen Familien und Ordnungen angehörenden

Arten möglich ist. Die Amphibien liefern uns hier besonders treffende

Beispiele. Rana arvalis und Rana fusca stimmen in ihrem Aussehen fast

vollständig überein, trotzdem lassen sich die Eier der letzteren nicht

befruchten, während in einzelnen Fällen Befruchtung mit Samen von Bufo

communis und sogar von Triton möglich war. Dieselbe Erscheinung ließ

sich, wenn auch weniger deutlich, bei den Echinodermen konstatieren.

Immerhin muß aber im Auge behalten werden, daß die systematische

Verwandtschaft für die Möglichkeit der Bastardierung ein wichtiger

Faktor ist. Denn zwischen Tieren, die so weit auseinanderstehen, wie

Amphibien und Säugetiere, Seeigel und Seesterne, ist noch niemals eine

Kreuzbefruchtung erzielt worden.« Vgl. hiemit Julius _Sachs_, Lehrbuch

der Pflanzenphysiologie, 2. Aufl., Leipzig 1887, S. 838: »Die sexuelle

Affinität geht mit der äußeren Ähnlichkeit der Pflanzen nicht immer

parallel; so ist es z. B. noch nicht gelungen, Bastarde von Apfel- und

Birnbaum, von Anagallis arvensis und caerulea, von Primula officinalis

und elatior, von Nigella damascena und sativa und anderen systematisch

sehr ähnlichen Spezies derselben Gattung zu erzielen, während in

anderen Fällen sehr unähnliche Formen sich vereinigen, so z. B.

Aegilops ovata mit Triticum vulgare, Lychnis diurna mit Lychnis flos

cuculi, Cereus speciosissimus und Phyllocactus phyllanthus, Pfirsich

und Mandel. In noch auffallenderer Weise wird die Verschiedenheit der

sexuellen Affinität und systematischen Verwandtschaft dadurch bewiesen,

daß zuweilen die Varietäten derselben Spezies unter sich ganz oder

teilweise unfruchtbar sind, z. B. Silene inflata var. alpina mit var.

angustifolia, var. latifolia mit var. litoralis u. a.« Vgl. auch Oscar

_Hertwig_, Die Zelle und die Gewebe, Bd. I, S. 249.

($S. 46, Z. 11 f.$) Wilhelm _Pfeffer_, Lokomotorische

Richtungsbewegungen durch chemische Reize, Untersuchungen aus dem

botanischen Institut zu Tübingen, Bd. I, 1885, S. 363-482.

($S. 46, Z. 23.$) Über die Wirkung der Maleinsäure (»welche, soweit

bekannt, im Pflanzenreiche nicht vorkommt«), _Pfeffer_ a. a. O., S. 412.

($S. 46, Z. 27.$) Der Terminus wird bei _Pfeffer_ eingeführt a. a. O.,

S. 474, Anm. 2.

($S. 46, Z. 3 v. u.$) Hiefür spricht vor allem der Bericht

L. _Seeligmanns_, Weitere Mitteilungen zur Behandlung der Sterilitas

matrimonii, Vortrag in der gynäkologischen Gesellschaft zu Hamburg,

Zentralblatt für Gynäkologie, 18. April 1896, S. 429: »Eine Anordnung

des mikroskopischen Präparates in der Weise, daß auf der einen Seite

des Deckglases normales Cervicalsekret an und etwas unter das Deckglas

gebracht wurde, ergab das Resultat, daß auf der einen Seite des

Vaginalsekretes nach einiger Zeit nur ganz wenige Spermatozoen, die

sich nicht mehr bewegten, vorhanden waren, während auf der anderen

Seite des Cervicalsekretes sich die Samentierchen dicht gedrängt

in lebhafter Bewegung befanden. Hier könne offenbar von einer

chemotaktischen Wirkung des Cervicalsekretes auf die Samenzellen

gesprochen werden.«

($S. 46, Z. 1 v. u. ff.$) M. _Hofmeier_, Zur Kenntnis der normalen

Uterusschleimhaut, Zentralblatt für Gynäkologie, Bd. XVII, 1893,

S. 764-766. »Nach den positiven Beobachtungen kann ein Zweifel nicht

mehr bestehen, daß tatsächlich _der Wimperstrom im Uterus von oben nach

unten zu geht_.«

($S. 47, Z. 8 f.$) Über die Wanderungen der Lachse, ihr Fasten und ihre

Abmagerung vgl. vor allem Friedrich _Miescher_, Die histochemischen und

physiologischen Arbeiten von F. M., gesammelt und herausgegeben von

seinen Freunden, Bd. II, Leipzig 1897, S. 116-191, 192-218, 304-324,

325-327, 359-414, 415-420.

($S. 47, Z. 13 ff.$) P. _Falkenberg_, Die Befruchtung und der

Generationswechsel von Cutleria, Mitteilungen aus der zoologischen

Station zu Neapel, Bd. I, 1879, S. 420-447. Es heißt dort,

S. 425 f.: »Vollständig negative Resultate ergab der Versuch einer

Wechselbefruchtung zwischen den nahe verwandten Cutleria-Spezies

C. adspersa und C. multifida, die -- abgesehen von der Verschiedenheit

ihrer Standorte -- sich äußerlich nur durch geringe habituelle

Differenzen unterscheiden. Empfängnisfähigen, zur Ruhe gekommenen

Eiern der einen Spezies wurden lebhaft schwärmende Spermatozoidien der

anderen Art zugesetzt. In solchen Fällen sah man die Spermatozoidien

unter dem Mikroskop zahllos umherirren und endlich absterben, ohne an

den Eiern der verwandten Algen-Spezies den Befruchtungsakt vollzogen

zu haben. Freilich blieben einzelne Spermatozoidien, welche zufällig

auf die ruhenden Eier stießen, momentan an diesen hängen, aber nur um

sich ebenso schnell wieder von ihnen loszureißen. Ganz anders wurde

das Bild unter dem Mikroskop, sobald man auf derartigen Präparaten

den Spermatozoidien auch nur ein einziges befruchtungsfähiges Ei

der gleichen Spezies hinzusetzte. Wenige Augenblicke genügten, um

sämtliche Spermatozoidien von allen Seiten her um dieses eine Ei zu

versammeln, selbst wenn dasselbe mehrere Zentimeter von der Hauptmasse

der Spermatozoidien entfernt lag. Es entsprach nunmehr das Bild ganz

den von _Thuret_ (Recherches sur la fécondation des Fucacées, Ann.

des Sc. natur., Sér. 4, Tome II, p 203, pl. 12, Fig. 4) für Fucus

gegebenen Abbildungen, und ebenso wurde auch das an sich längst

bewegungslos gewordene Ei nunmehr durch vereinte Kräfte der zahlreichen

Spermatozoidien hin- und hergedreht ... Aus diesen Versuchen geht

einmal hervor, daß die Anziehungskraft zwischen den Eiern von Cutleria

und den Spermatozoidien sich auf verhältnismäßig bedeutende Distanzen

geltend macht, daß auf der anderen Seite diese Anziehungskraft nur

zwischen den Geschlechtszellen der gleichen Spezies existiert.

Außerdem zeigen die mitgeteilten Erscheinungen, daß die Bewegungen der

Spermatozoidien von Cutleria .... unter dem Einfluß der Anziehungskraft

der Eier energisch genug sind, um jene Kraft, welche sie sonst

dem einfallenden Lichte entgegenführt, zu überwinden und sie dazu

befähigten, die entgegengesetzte Richtung einzuschlagen. Mag die Kraft,

welche die Vereinigung der männlichen und weiblichen Geschlechtszellen

von Cutleria anstrebt und die Bewegungsrichtung der männlichen

Schwärmer reguliert, in der männlichen oder in der weiblichen Zelle

oder in beiden ihren Sitz haben -- so viel ist sicher, daß die Kraft,

welche bei Cutleria die Spermatozoidien den Eiern zuführt, ihren Sitz

in dem Organismus selbst haben muß und unabhängig vom Zufall und von

Strömungen wirkt, welche etwa im Wasser stattfinden können.«

($S. 48, Z. 12.$) Vgl. Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren

seines Lebens von Johann Peter _Eckermann_ (30. März 1824).

($S. 48, Z. 21.$) Die Analogien zwischen Mensch und Haustier betreffs

des Nichtgebundenseins des sexuellen Verkehrs an bestimmte Zeitpunkte

werden oft übertrieben; vgl. hierüber _Chrobak-Rosthorn_, Die

Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane, Wien 1900, Teil I/2,

S. 379 f.

($S. 50, Z. 10.$) Ich meine die außerordentlich wahre Stelle: »Nach

wie vor übten sie eine unbeschreibliche, fast magische Anziehungskraft

gegeneinander aus. Sie wohnten unter einem Dache; aber selbst ohne

gerade aneinander zu denken, mit anderen Dingen beschäftigt, von der

Gesellschaft hin- und hergezogen, näherten sie sich einander. Fanden

sie sich in einem Saale, so dauerte es nicht lange und sie standen,

sie saßen nebeneinander. Nur die nächste Nähe konnte sie beruhigen,

aber auch völlig beruhigen, und diese Nähe war genug; _nicht eines

Blickes, nicht eines Wortes, keiner Geberde, keiner Berührung bedurfte

es, nur des reinen Zusammenseins. Dann waren es nicht zwei Menschen,

es war nur ein Mensch im bewußtlosen vollkommenen Behagen_, mit sich

selbst zufrieden und mit der Welt. _Ja, hätte man Eins von Beiden am

letzten Ende der Wohnung festgehalten, das Andere hätte sich nach

und nach von selbst ohne Vorsatz zu ihm hinbewegt._« (_Goethe_, Die

Wahlverwandtschaften, II. Teil, 17. Kapitel.)

($S. 50, Z. 4 v. u. ff.$) Hiemit vergleiche man die folgenden

Aussprüche der Dichter.

_Theognis_ spricht zu dem Knaben Kyrnos (V. 183 f.):

»κριοὺς μὲν καὶ ὄνους διζήμεθα, Κύρνε, καὶ ἵππους

εὐγενέας, καί τις βούλεται ἐξ ἀγαθῶν

βήσεσθαι∙ γῆμαι δὲ κακὴν κακοῦ οὐ μελεδαίνει

ἐσθλὸς ἀνήρ, ἤν οἱ χρήματα πολλὰ διδῷ,

οὐδὲ γυνὴ κακοῦ ἀνδρὸς ἀναίνεται εἶναι ἄκοιτις

πλουσίου, ἀλλ᾿ ἀφνεὸν βούλεται ἀντ᾿ ἀγαθοῦ.

χρήματα γὰρ τιμῶσι∙ καὶ ἐκ κακοῦ ἐσθλὸς ἔγημεν,

καὶ κακὸς ἐξ ἀγαθοῦ∙ πλοῦτος ἔμειξε γένος.« u. s. w.

_Shakespeare_ legt dem Bastarden Edmund die bekannten Verse in den Mund

(König Lear, 1. Aufzug, 2. Scene):

»......... Warum

Mit unecht uns brandmarken? Bastard? Unecht?

Uns, die im heißen Diebstahl der Natur

Mehr Stoff empfah'n und kräft'gern Feuergeist,

Als in verdumpftem, trägem, schalem Bett

Verwandt wird auf ein ganzes Heer von Tröpfen,

Halb zwischen Schlaf gezeugt und Wachen?...«

($S. 51, Z. 15 v. u. ff.$) _Darwin_: Das Variieren der Tiere und

Pflanzen, Bd. II, Kap. 17-19 (z. B. S. 170 der 2. Aufl., Stuttgart

1873); besonders aber: Die Wirkungen der Kreuz- und Selbstbefruchtung

im Pflanzenreich, Stuttgart 1877 (Werke Bd. X), S. 24: »Der

bedeutungsvollste Schluß, zu dem ich gelangt bin, ist der, daß der

bloße Akt der Kreuzung an und für sich nicht gut tut. Das Gute hängt

davon ab, daß die Individuen, welche gekreuzt werden, unbedeutend in

ihrer Konstitution voneinander verschieden sind, und zwar infolge

davon, daß ihre Vorfahren mehrere Generationen hindurch unbedeutend

verschiedenen Bedingungen, oder dem, was wir in unserer Unwissenheit

‚spontane Abänderung’ nennen, ausgesetzt sind.«

Zu Teil I, Kapitel 4.

($S. 53, Z. 1 ff.$) Von der Literatur will ich nur die wenigen

wichtigsten Bücher nennen, in denen man alle weiteren Angaben findet:

Richard v. _Krafft-Ebing_, Psychopathia sexualis, mit besonderer

Berücksichtigung der konträren Sexualempfindung, 9. Aufl., Stuttgart

1894. Albert _Moll_, Die konträre Sexualempfindung, 3. Aufl., Berlin

1899. Untersuchungen über die Libido sexualis, Bd. I, Berlin 1897/98.

Havelock _Ellis_ und J. A. _Symonds_, Das konträre Geschlechtsgefühl,

Leipzig 1896.

($S. 55, Z. 2 f.$) »Komplementärbedingung« nach _Avenarius_, Kritik der

reinen Erfahrung, Bd. I, Leipzig 1888, S. 29; »Teilursache« nach Alois

_Höfler_, Logik unter Mitwirkung von Dr. Alexius _Meinong_, Wien 1890,

S. 63.

($S. 54, Z. 2.$) v. _Schrenck-Notzing_, Die Suggestionstherapie bei

krankhaften Erscheinungen des Geschlechtslebens, mit besonderer

Berücksichtigung der konträren Sexualempfindung, Stuttgart 1892 (z. B.

S. 193: »Der Anteil der occasionellen Momente ist vielfach in der

Ätiologie des Gewohnheitstriebes zu perversen sexuellen Entäußerungen

ein größerer als derjenige erblicher Belastung.«) Ein Beitrag zur

Ätiologie der konträren Sexualempfindung, Wien 1895, S. 1 ff.

Kriminalpsychologische und psycho-pathologische Studien. Leipzig 1902,

S. 2 f., S. 17 f. -- Emil _Kraepelin_, Psychiatrie, 4. Aufl., Leipzig

1893, S. 689 f. -- Ch. _Féré_, La descendance d'un inverti, Revue

générale de clinique et de thérapeutique, 1896, citiert nach _Moll_,

Untersuchungen, Bd. I, S. 651, Anm. 3. In seinem Buche, L'Instinct

Sexuel, Evolution et Dissolution, Paris 1899, p. 266 f., legt Féré

jedoch das Schwergewicht auf die kongenitale Veranlagung.

($S. 56, Z. 19 f.$) Daß in der Mitte zwischen M und W stehende Personen

sich untereinander sexuell anziehen, wird auch sehr wahrscheinlich

aus den Beobachtungen von Fr. _Neugebauer_ (Fifty false marriages

between Individuals of the same gender with some divorces for »Erreur

de Sexe«), Referat im British Gynaecological Journal, 15, 1899,

S. 315, vgl. 16, 1900, S. 104 des »Summary of Gynaecology, including

Obstetrics«.

($S. 56, Z. 13 v. u.$) Vgl. Emil _Kraepelin_, Psychiatrie, 4. Aufl.,

Leipzig 1893, S. 690: »Verhältnismäßig selten sind jene Personen, bei

welchen _niemals_ eine Spur von heterosexuellen Regungen vorhanden

gewesen ist.«

($S. 56, Z. 3 v. u. f.$) Der Amerikaner Jas. G. _Kiernan_ soll

zuerst den Grund der Homosexualität in der geschlechtlichen

Undifferenziertheit des Embryo gesucht haben (American Lancet, 1884

und im Medical Standard [Nov.-Dec. 1888]), nach ihm Frank _Lydston_

(Philadelphia Medical and Surgical Recorder, September 1888, Addresses

and Essays, 1892, p. 46 und 246), beide in Abhandlungen, die mir nicht

zugänglich geworden sind. Die gleiche Theorie bringt ein _Patient

von Krafft-Ebing_ vor, in dessen Psychopathia sexualis, 8. Aufl.,

Stuttgart 1893, S. 227. Dieser selbst hat sie acceptiert in einer

Abhandlung »Zur Erklärung der konträren Sexualempfindung«, Jahrbücher

für Psychiatrie und Nervenheilkunde, Bd. XIII, Heft 2, ferner haben

sich ihr angeschlossen Albert _Moll_, Untersuchungen über die Libido

sexualis, Bd. I, S. 327 ff., Magnus _Hirschfeld_, Die objektive

Diagnose der Homosexualität, Jahrbuch für sexuelle Zwischenstufen,

Bd. I (1899), S. 4 ff., Havelock _Ellis_, Studies in the Psychology of

Sex, Vol. I, Sexual Inversion, 1900, p. 132 f., Norbert _Grabowski_,

Die mannweibliche Natur des Menschen, Leipzig 1896 etc.

($S. 58, Z. 11.$) Die Anerkennung einer das Tierreich beherrschenden

Gesetzlichkeit in der sexuellen Anziehung ist folgenschwer insoferne,

als sie die Hypothese einer »sexuellen Zuchtwahl« fast völlig unmöglich

macht.

($S. 58, Z. 16 v. u.$) Homosexualität bei Tieren: vgl. Ch. _Féré_,

Les perversions sexuelles chez les animaux in L'instinct sexuel,

Paris 1899, p. 59-87. F. _Karsch_, Päderastie und Tribadie bei den

Tieren, auf Grund der Literatur zusammengestellt, Jahrbuch für

sexuelle Zwischenstufen, Bd. II (1900), S. 126-154. Albert _Moll_,

Untersuchungen über die Libido sexualis, Bd. I, 1898, S. 368 ff.

($S. 59, Z. 6.$) Es beruht also auf einer Täuschung, wenn so

viele glauben (wie schon _Platon_, Gesetze, VIII, 836c), die

»gleichgeschlechtliche Liebe« sei ein bloß dem _Menschen_

eigentümliches, »widernatürliches« Laster. Doch dürfte für die

Päderastie Plato da Recht behalten; indes Homosexualität nicht auf den

Menschen beschränkt ist.

($S. 59, Z. 10 v. u. ff.$) Vgl. _Krafft-Ebing_ bei Alfred _Fuchs_, Die

Therapie der anomalen Vita sexualis, Stuttgart 1899, S. 4.

($S. 61, Z. 7.$) Der einzige wahrhaft große Mann, der die

Homosexualität strenge verurteilt zu haben scheint, ist der _Apostel

Paulus_ (Römer, I, 26-27); aber er hat selbst bekannt, wenig sexuell

veranlagt gewesen zu sein, woraus allein auch der etwas naive

Optimismus begreiflich wird, mit dem er von der Ehe spricht.

Geschlecht und Charakter: Eine prinzipielle Untersuchung · 第 66 / 70 题