Zur Einleitung des ersten Teiles.
($S. 3, Z. 2 f.$) Der Ausdruck »Begriffe mittlerer Allgemeinheit«
stammt von John Stuart _Mill_. -- Über die beschriebene Entwicklung
eines begrifflichen Systems von Gedanken vgl. E. _Mach_, Die Analyse
der Empfindungen etc., 3. Aufl., Jena 1902, S. 242 f.
($S. 5, Z. 12 f.$) Vgl. Ludwig _Boltzmann_, Über den zweiten Hauptsatz
der mechanischen Wärmetheorie, Almanach der k. k. Akademie der
Wissenschaften zu Wien, 36. Jahrgang, S. 255: »Wie in die Augen
springend ist der Unterschied zwischen Tier und Pflanze, trotzdem gehen
die einfachen Formen kontinuierlich ineinander über, so daß gewisse
gerade an der Grenze stehen, ebensogut Tiere wie Pflanzen darstellend.
Die einzelnen Spezies in der Naturgeschichte sind meist aufs schärfste
getrennt, hier und da aber finden wieder kontinuierliche Übergänge
statt.« Über das Verhältnis von chemischer Verbindung und Mischung
vgl. F. _Wald_, Kritische Studie über die wichtigsten chemischen
Grundbegriffe, Annalen der Naturphilosophie, I, 1902, S. 181 ff.
($S. 6, Z. 12 f.$) Z. B. kommt die sehr ausführliche Untersuchung
von Paul _Bartels_, Über Geschlechtsunterschiede am Schädel, Berlin
1897, zu dem Schlusse (S. 94): »Einen durchgreifenden Unterschied des
männlichen vom weiblichen Schädel kennen wir bis jetzt noch nicht .....
Alle etwa anzuerkennenden Unterschiede erweisen sich als Charaktere des
männlichen beziehungsweise weiblichen Durchschnittes und zeigen eine
größere oder geringere Anzahl von Ausnahmen.« (S. 100): »Eine sichere
Diagnose des Geschlechtes ist zur Zeit nicht möglich, und wird, fürchte
ich, nie möglich sein.«
($S. 6, Z. 15.$) Konrad _Rieger_, Die Kastration in rechtlicher,
sozialer und vitaler Hinsicht, Jena 1900, S. 35: »Jeder, der schon
viele nackte Menschen gesehen hat, weiß doch aus Erfahrung: einerseits,
daß es viele Frauen gibt, deren Becken »männlich« ist; und anderseits,
daß es viele Männer gibt, deren Becken »weiblich« ist ..... Bekanntlich
ist deshalb die Geschlechtsdiagnose eines Skelettes durchaus nicht
immer möglich.«
Zu Teil I, Kapitel 1.
($S. 7, Z. 13.$) Vor Heinrich _Rathke_ (Beobachtungen und Betrachtungen
über die Entwicklung der Geschlechtswerkzeuge bei den Wirbeltieren,
Halle 1825. Neueste Schriften der naturforschenden Gesellschaft in
Danzig, Bd. I, Heft 4) herrschte dogmatisch die _Tiedemann_sche
Anschauung, daß ursprünglich alle Embryonen weiblich seien, und
der Hode durch eine Weiterentwicklung des Eierstockes entstanden.
(Vgl. Richard _Semon_, Die indifferente Anlage der Keimdrüsen beim
Hühnchen und ihre Differenzierung zum Hoden, Habilitationsschrift,
Jena 1887, S. 1 f.) Rathke (S. 121 f.) bekämpfte mit vielen Gründen
die Auffassung, daß das männliche Geschlecht ein höher entwickeltes
weibliches sei, und kam als erster zu dem Schlusse: »Alle .... in
diesem Werke mitgeteilten Beobachtungen bezeugen, daß aller sinnlicher
Unterschied, der sich auf das verschiedene Geschlecht bezieht, zwischen
den männlichen und weiblichen Gebilden in frühester Lebenszeit
durchaus wegfällt. Wenigstens ist dies der Fall bei den inneren
Geschlechtsteilen, denn von den äußeren kann ich fast nur allein aus
fremder, nicht aber aus eigener Erfahrung urteilen. Diese fremden
Erfahrungen aber scheinen ebenfalls auf eine Gleichheit jener äußeren
Gebilde hinzudeuten. Es läßt sich demnach behaupten, daß wenigstens bei
den Wirbeltieren die Geschlechter ursprünglich, so weit die sinnliche
Wahrnehmung reicht, einander gleich sind.« Diese Ansicht wurde weiter
geprüft, bestätigt und schließlich zur Geltung gebracht durch die
Arbeiten von _Johannes Müller_ (Bildungsgeschichte der Genitalien,
Düsseldorf 1830), _Valentin_ (Über die Entwicklung der Follikel in
den Eierstöcken der Säugetiere, Müllers Archiv, 1838, S. 103 f.),
R. _Remak_ (Untersuchungen über die Entwicklung der Wirbeltiere) und
Wilhelm _Waldeyer_ (Eierstock und Ei, 1870).
($S. 7, Z. 15.$) Für die Pflanzen ist dieser Nachweis erst in jüngster
Zeit in K. _Goebels_ Abhandlung Ȇber Homologien in der Entwicklung
männlicher und weiblicher Geschlechtsorgane« (Flora oder allgemeine
botanische Zeitung, Bd. XC, 1902, S. 279-305) erfolgt. Goebel zeigt,
wie auch bei der Pflanze männliche und weibliche Organe sich aus einer
ursprünglichen Grundform entwickeln, indem im weiblichen Organ jene
Zellen steril werden, die im männlichen zur Spermatozoidbildung führen,
und umgekehrt.
($S. 7, Z. 16 ff.$) Die Zeitangaben beziehen sich auf die _äußeren_
Geschlechtsteile. Sie werden von den Beobachtern nicht in
Übereinstimmung gemacht, vgl. W. _Nagel_, Über die Entwicklung des
Urogenitalsystems des Menschen, Archiv für mikroskopische Anatomie,
Bd. XXXIV, 1889, S. 269-384 (besonders S. 375 f.), Die im Texte
gegebenen Daten im allgemeinen nach Oscar _Hertwig_, Lehrbuch der
Entwicklungsgeschichte des Menschen und der Tiere, 7. Aufl., S. 427,
441. Ganz kontrovers ist der Zeitpunkt der Differenzierung der inneren
Keimdrüsenanlagen, ja selbst die Frage noch strittig, ob deren Anlage
zuerst hermaphroditisch oder gleich sexuell bestimmt sei. Vgl. die
auch hierüber am ausführlichsten orientierende Abhandlung Nagels
(S. 299 ff.).
($S. 8, Z. 21 f.$) Ich gebe hier nach Oscar _Hertwig_ (Lehrbuch der
Entwicklungsgeschichte des Menschen und der Wirbeltiere, 7. Aufl., Jena
1902, S. 444 f.) die vollständige »Tabellarische Übersicht I. über die
vergleichbaren Teile der äußeren und der inneren Geschlechtsorgane des
männlichen und des weiblichen Geschlechtes, und II. über ihre Ableitung
von der ursprünglich indifferenten Anlage des Urogenitalsystems bei den
Säugetieren«.
_Männliche _Gemeinschaftliche _Weibliche
Geschlechtsteile._ Ausgangsform._ Geschlechtsteile._
Samenampullen und Keimepithel Eifollikel, Graafsche
Samenkanälchen Bläschen.