Das Judentum.
Es könnte nicht wundern, wenn es manchem scheinen wollte, bei dem
Ganzen der bisherigen Untersuchung seien »die Männer« allzugut
davongekommen, und in ihrer Gesamtheit auf ein übertrieben hohes
Postament gestellt. Man wird zwar vielleicht auf billige Argumente
verzichten, ihren Resultaten nicht entgegenhalten, wie überrascht
dieser Philister oder jener Spitzbube wäre, zu vernehmen, daß _er_
die ganze Welt in sich habe; und doch die Behandlung des männlichen
Geschlechtes nicht bloß allzuglimpflich finden, sondern geradezu eine
tendenziöse Vernachlässigung aller widerlichen und kleinen Seiten der
Männlichkeit zu Gunsten ihrer höchsten Spitzen der Darstellung als
einen Fehler anrechnen.
Die Beschuldigung wäre ungerechtfertigt. Es kommt mir nicht in den
Sinn, die Männer zu idealisieren, um die Frauen leichter in der
Schätzung herabdrücken zu können. So viel Beschränktheit und so viel
Gemeinheit unter den empirischen Vertretern der Männlichkeit oft
gedeiht, es handelt sich um die besseren _Möglichkeiten_, die in
jedem Manne sind, und als vernachlässigte von ihm schmerzlich-hell
oder dumpf-gehässig empfunden werden; Möglichkeiten, die als solche
bei der Frau weder in Wirklichkeit, noch in gedanklicher Erwägung
irgend in Rechnung gelangen. Und es konnte mir hier auch gar nicht
auf Unterscheidungen _unter_ den Männern wesentlich ankommen, so
wenig ich mich vor deren Wichtigkeit verschließe. Es handelte sich
darum, festzustellen, was das Weib _nicht_ ist, und da fehlte ihm
denn freilich unendlich viel, was selbst im mittelmäßigsten und
plebejischesten Manne nie _ganz_ vermißt wird. Das, was es _ist_, die
positiven Eigenschaften des Weibes (soferne da von einem Sein, von
Positionen wohl gesprochen werden kann) wird man stets auch bei vielen
Männern wiederfinden. Es gibt, wie schon öfter hervorgehoben wurde,
_Männer_, die _zu Weibern geworden_, oder _Weiber geblieben_ sind; aber
es gibt keine Frau, die über gewisse umschriebene, nicht sonderlich
hoch zu ziehende, moralische und intellektuelle Grenzen hinauskäme. Und
darum will ich es hier nochmals aussprechen: _das höchststehende Weib
steht noch unendlich tief unter dem tiefststehenden Manne_.
Jene Einwendungen aber könnten weiter gehen, und einen Punkt berühren,
dessen Außerachtlassung der Theorie allerdings zum Vorwurf müßte
gemacht werden. Es gibt nämlich Völkerschaften und Rassen, bei deren
Männern, obwohl sie keineswegs als sexuelle Zwischenformen können
gedeutet werden, man doch so wenig und so selten eine Annäherung an
die Idee der Männlichkeit findet, wie sie aus der hier entworfenen
Zeichnung derselben hervortritt, daß die Prinzipien, ja, die ganzen
Fundamente, auf welchen diese Arbeit ruht, hiedurch stark könnten
erschüttert scheinen. Was ist z. B. von den _Chinesen_ zu halten, mit
ihrer weiblichen Bedürfnislosigkeit und ihrem Mangel an jeglichem
Streben? Man möchte _hier_ allerdings noch an eine größere Weiblichkeit
des ganzen Volkes zu glauben sich versucht fühlen. Wenigstens kann es
keine bloße Laune einer ganzen Nation sein, daß die Chinesen einen Zopf
zu tragen pflegen, und es ist ja auch ihr Bartwuchs nur ein äußerst
spärlicher. Aber wie verhält es sich dann mit den _Negern_? Es hat
unter den Negern vielleicht kaum je ein Genie gegeben, und moralisch
stehen sie beinahe allgemein so tief, daß man in Amerika bekanntlich
anfängt zu fürchten, mit ihrer Emanzipation einen unbesonnenen Streich
verübt zu haben.
Wenn also auch das Prinzip der sexuellen Zwischenformen vielleicht
Aussicht hätte, für eine Rassenanthropologie bedeutsam zu werden (indem
über einige Völker ein größeres Quantum von Weiblichkeit insgesamt
ausgestreut schiene), so muß doch zugegeben werden, daß die bisherigen
Deduktionen zuvörderst auf den _arischen Mann_ und das _arische Weib_
sich beziehen. Wie weit in den anderen großen Stämmen der Menschheit
mit den für ihre Gipfel geltenden Verhältnissen Übereinstimmung
herrscht, und was jene hauptsächlich davon zurückhält und so lange
hindert, an diese näher heranzukommen, das bedürfte erst der Erhellung
durch die eingehendste und lohnendste psychologische Vertiefung in die
Rassencharaktere.
Das _Judentum_, das ich zum Gegenstande einer Besprechung zunächst
darum gewählt habe, weil es, wie sich zeigen wird, der härteste und
am meisten zu fürchtende Gegner der hier entwickelten und besonders
der noch zu entwickelnden Anschauungen, wie überhaupt des ganzen
Standpunktes ist, von dem aus jene möglich sind -- das Judentum scheint
anthropologisch mit allen beiden erwähnten Rassen, mit den Negern
wie mit den Mongolen, eine gewisse Verwandtschaft zu besitzen. Auf
den Neger weisen die so gern sich ringelnden Haare, auf Beimischung
von Mongolenblut die ganz chinesisch oder malaiisch geformten
Gesichtsschädel, die man so oft unter den Juden antrifft, und denen
regelmäßig eine gelblichere Hautfärbung entspricht.
Dies ist nicht mehr als das Ergebnis einer alltäglichen Erfahrung,
und anders wollen diese Bemerkungen nicht verstanden sein; die
_anthropologische_ Frage nach der Entstehung des Judentums ist eine
ungemein schwierige, und auch ein so interessanter Lösungsversuch
wie der in den berühmten »Grundlagen des XIX. Jahrhunderts« von
H. S. _Chamberlain_ unternommene hat in jüngster Zeit sehr viel
Widerspruch gefunden. Sie zu behandeln besitze ich nicht das nötige
Wissen; was hier in Kürze, aber bis zu möglichster Tiefe analysiert
werden soll, ist nur die psychische Eigenheit des Jüdischen. Diese
Aufgabe ist eine Obliegenheit der psychologischen Beobachtung und
Zergliederung; sie ist lösbar, frei von allen Hypothesen über nun
nicht mehr kontrollierbare historische Vorgänge; und nur bedarf dieses
Unternehmen einer um so größeren Objektivität, als die Stellung zum
Judentum heute beinahe die wichtigste und hervorstechendste Rubrik des
Nationales ist, welches ein jeder vor der Öffentlichkeit ausfüllt,
ja allgemach der gebräuchlichste Einteilungsgrund der zivilisierten
Menschen geworden scheint. Und es läßt sich nicht behaupten, daß der
Wert, welcher auf eine offene Erklärung in dieser Frage allgemein
gelegt wird, ihrem Ernst und ihrer Bedeutung nicht angemessen sei, und
ihre Wichtigkeit übertreibe. Daß man auf sie überall stößt, ob man nun
von kulturellen oder materiellen, von religiösen oder politischen, von
künstlerischen oder wissenschaftlichen, biologischen oder historischen,
charakterologischen oder philosophischen Dingen herkommt, das muß
einen tiefen, tiefsten Grund im Wesen des Judentumes selbst haben. Ihn
aufzusuchen, wird keine Mühe zu groß scheinen dürfen: denn der Gewinn
muß sie in jedem Falle unendlich belohnen.[85]
Zuvor jedoch will ich genau angeben, in welchem Sinne ich vom
Judentum rede. Es handelt sich mir _nicht_ um eine _Rasse_ und nicht
um ein _Volk_, noch weniger freilich um ein gesetzlich anerkanntes
Bekenntnis. _Man darf das Judentum nur für eine Geistesrichtung,
für eine psychische Konstitution halten, welche für $alle$ Menschen
eine $Möglichkeit$ bildet, und im historischen Judentum bloß die
grandioseste $Verwirklichung$ gefunden hat._
Daß dem so ist, wird durch nichts anderes bewiesen, als durch den
_Antisemitismus_.
Die echtesten, arischesten, ihres Ariertums gewissesten Arier sind
keine Antisemiten, sie können, so unangenehm sicherlich auch sie von
auffallend jüdischen Zügen sich berührt fühlen, doch den _feindseligen_
Antisemitismus im allgemeinen gar nicht _begreifen_; und sie sind es
auch, die von den Verteidigern des Judentums gerne als »Philosemiten«
bezeichnet, und deren verwunderte und mißbilligende Äußerungen über
den Judenhaß angeführt werden, wo das Judentum herabgesetzt oder
angegriffen wird.[86] Im _aggressiven_ Antisemiten wird man hingegen
immer selbst gewisse jüdische Eigenschaften wahrnehmen; ja sogar in
seiner Physiognomie kann das zuweilen sich ausprägen, mag auch sein
Blut rein von allen semitischen Beimengungen sein.
Es könnte dies auch unmöglich anders sich verhalten. _Wie man im
anderen nur $liebt$, was man gerne ganz sein möchte und doch nie ganz
ist, so $haßt$ man im anderen nur, was man nimmer sein will, und doch
immer zum Teile noch ist._
Man haßt nicht etwas, womit man keinerlei Ähnlichkeit hat. Nur macht
uns oft erst der andere Mensch darauf aufmerksam, was für unschöne und
gemeine Züge wir in uns haben.
So erklärt es sich, daß die allerschärfsten Antisemiten _unter den
Juden_ zu finden sind. Denn bloß die ganz jüdischen Juden, desgleichen
die völlig arischen Arier, sind gar nicht antisemitisch gestimmt; unter
den übrigen betätigen die gemeineren Naturen ihren Antisemitismus nur
den anderen gegenüber, und richten diese, ohne je mit sich selber in
dieser Sache vor Gericht gegangen zu sein; und nur wenige fangen mit
ihrem Antisemitismus bei sich selbst an.
Doch dies eine bleibt darum nicht minder gewiß: wer immer das jüdische
Wesen haßt, der haßt es zunächst _in_ sich: daß er es im anderen
verfolgt, ist nur sein Versuch, vom Jüdischen auf diese Weise sich
zu sondern; er trachtet sich von ihm zu scheiden dadurch, daß er es
gänzlich im Nebenmenschen lokalisiert, und so für den Augenblick von
ihm frei zu sein wähnen kann. Der Haß ist ein Projektionsphänomen wie
die Liebe: der Mensch haßt nur, durch wen er sich _un_angenehm an sich
selbst erinnert fühlt.[87]
Der Antisemitismus _des Juden_ liefert demnach den Beweis, daß niemand,
der ihn kennt, den Juden als ein Liebenswertes empfindet -- auch der
Jude nicht; der Antisemitismus _des Ariers_ ergibt eine nicht minder
bedeutungsvolle Einsicht: daß man das Juden_tum_ nicht verwechseln darf
mit _den Juden_. Es gibt Arier, die jüdischer sind als mancher Jude,
und es gibt wirklich Juden, die arischer sind als gewisse Arier. Ich
will von jenen Nicht-Semiten, welche viel Judentum in sich hatten,
die kleineren (wie den bekannten _Friedrich Nicolai_ des XVIII.
Jahrhunderts) und mittelgroßen (hier dürfte _Friedrich Schiller_
kaum außer acht bleiben) nicht aufzählen, und nicht auf ihr Judentum
analysieren. Aber auch _Richard Wagner_ -- der tiefste Antisemit --
ist von einem Beisatz von Judentum, selbst in seiner Kunst, nicht
freizusprechen, so gewiß er neben _Michel Angelo_ der größte Künstler
aller Zeiten ist, so wahrscheinlich er geradezu den Künstler überhaupt
in der Menschheit repräsentiert; und so zweifellos sein _Siegfried_
das _Unjüdischeste_ ist, was erdacht werden konnte. Aber niemand ist
umsonst Antisemit. Wie _Wagners_ Abneigung gegen die große Oper und das
Theater zurückgeht auf den starken Zug, den er selbst zu ihnen empfand,
einen Zug, der noch im »Lohengrin« deutlich erkennbar bleibt: so ist
auch seine Musik, in ihren motivischen Einzelgedanken die gewaltigste
der Welt, nicht gänzlich freizusprechen von etwas Aufdringlichem,
Lautem, Unvornehmem; womit die Bemühungen _Wagners_ um die äußere
Instrumentation seiner Werke im Zusammenhang stehen. Es läßt sich
auch nicht verkennen, daß _Wagners_ Musik sowohl auf den jüdischen
Antisemiten, welcher vom Judentum nie gänzlich loskommen kann, als
auf den antisemitischen Indogermanen, der ihm zu verfallen fürchtet,
den stärksten Eindruck hervorbringt. Von der Parsifal-Musik, die dem
völlig echten Juden in Ewigkeit fast ebenso unzugänglich bleibt wie die
Parsifal-Dichtung, vom »Pilgerchor« und der Romfahrt im »Tannhäuser«,
und sicher noch von manchem anderen ist hiebei _gänzlich_ abzusehen;
aber es ist z. B. sein Jugendwerk, der »Rienzi«, in seinem thematischen
Materiale wie in der Ausführung, noch vom Judentum vielleicht nicht
gänzlich frei. Auch könnte zweifellos, wer _nur_ ein Deutscher wäre,
das Wesen des Deutschtums nie so klar sich zum Bewußtsein bringen, als
_Wagner_ in den »Meistersingern von Nürnberg« dies vermocht hat.[88]
Man denke endlich an jene Seite in _Wagner_, die zu _Feuerbach_, statt
zu _Schopenhauer_, sich hingezogen fühlte.
Hier ist keine kleinpsychologische Heruntersetzung des großen Mannes
geplant. Ihm war das Judentum die große Hilfe, um zur klaren Erkenntnis
und Bejahung des anderen Poles in sich zu gelangen, zum Siegfried und
zum Parsifal sich durchzuringen, und dem Germanentum den höchsten
Ausdruck zu geben, den es wohl in der Geschichte gefunden hat. Noch
ein Größerer als _Wagner_ mußte erst das Judentum in sich überwinden,
ehe er die eigene Mission fand; und es ist, vorläufig gesprochen,
_vielleicht die welthistorische Bedeutung und das ungeheuere Verdienst
des Judentums kein anderes, als den Arier immerfort zum Bewußtsein
seines Selbst zu bringen, ihn $an sich$ zu mahnen_. Dies ist es, was
der Arier dem Juden zu _danken_ hat; durch ihn weiß er, wovor er sich
hüte: _vor dem Judentum als Möglichkeit in ihm selber_.
Dieses Beispiel wird hinlänglich verdeutlicht haben, was nach meinem
Ermessen unter dem Judentum zu verstehen ist. Keine Nation und keine
Rasse, keine Konfession und kein Schrifttum. Wenn ich fürder vom Juden
spreche, so meine ich nie den einzelnen und nie eine Gesamtheit,
_sondern den Menschen überhaupt, sofern er Anteil hat an der
platonischen Idee des Judentums_. Und nur die Bedeutung dieser Idee
gilt es mir zu ergründen.
Daß aber diese Untersuchung gerade in einer Psychologie der
Geschlechter geführt werden muß, ist unerläßlich aus Gründen einer
Abgrenzung. Es bereitet jedem, der über beide, über das Weib und über
den Juden, nachgedacht hat, eine eigentümliche Überraschung, wenn er
wahrnimmt, in welchem Maße gerade das Judentum durchtränkt scheint
von jener Weiblichkeit, deren Wesen einstweilen nur im Gegensatze
zu _allem_ Männlichen _ohne Unterschied_ zu erforschen getrachtet
wurde. Er könnte hier überaus leicht geneigt sein, dem Juden einen
größeren Anteil an der Weiblichkeit zuzuschreiben, als dem Arier, ja
am Ende eine platonische μέθεξις auch des männlichsten Juden am Weibe
anzunehmen sich bewogen fühlen.
Diese Meinung wäre irrig. Da indes eine Anzahl der wichtigsten Punkte,
solcher Punkte, in denen das tiefste Wesen der Weiblichkeit zum
Ausdruck zu kommen schien, beim Juden sich in einer merkwürdigen
Weise ebenfalls und wie zum zweiten Male finden, ist es unerläßlich,
Übereinstimmung und Abweichung hier genau festzustellen.
Die Konformität will dem ersten Blicke überall sich darbieten, worauf
er sich auch richte; ja die Analogien sehen aus, als wären sie
außergewöhnlich weit verfolgbar: so daß man Bestätigungen früherer
Ergebnisse wie auch manch interessanten neuen Beitrag zum Hauptthema
anzutreffen gewärtig sein darf. Und es scheint ganz beliebig, womit man
hiebei den Anfang macht.
So ist es, um gleich eine Analogie zum Weibe anzuführen, höchst
merkwürdig, wie sehr die Juden die beweglichen Güter bevorzugen
-- auch heutzutage, da ihnen der Erwerb anderer frei steht --
und wie sie eigentlich, trotz allem Erwerbssinn, kein Bedürfnis
nach dem _Eigentume_, am wenigsten in seiner festesten Form, dem
Grundbesitze, haben. Das Eigen_tum_ steht in einem unauflöslichen
Zusammenhang mit der Eigen_art_, mit der Individualität. Hiemit
hängt also zusammen, daß die Juden dem Kommunismus so scharenweise
sich zuwenden. Den _Kommunismus_ als Tendenz zur _Gemeinschaft_
sollte man stets unterscheiden vom _Sozialismus_ als Bestrebung zu
gesellschaftlicher _Kooperation_ und zur Anerkennung der Menschheit
in jedem Gliede derselben. Der Sozialismus ist arisch (_Owen_,
_Carlyle_, _Ruskin_, _Fichte_), der Kommunismus jüdisch[89] (_Marx_).
Die moderne Sozialdemokratie hat sich in ihrem Gedankenkreise
darum vom christlichen, präraphaelitischen Sozialismus so weit
entfernt, weil die Juden in ihr eine so große Rolle spielen. Trotz
ihren vergesellschaftenden Neigungen hat die marxistische Form der
Arbeiterbewegung (im Gegensatze zu _Rodbertus_) gar kein Verhältnis
zur Idee des _Staates_, und dies ist sicherlich nur auf das völlige
Unverständnis des Juden für den Staatsgedanken zurückzuführen. Dieser
ist zu wenig ein Greifbares, die Abstraktion, die in ihm liegt,
allen konkreten Zwecken zu weit entrückt, als daß der Jude sich mit
ihm inniger befreunden könnte. Der Staat ist das Ganze aller Zwecke,
die nur durch eine Verbindung vernünftiger Wesen als vernünftiger
verwirklicht werden können. _Diese kantische Vernunft aber, der Geist
ist es, woran es dem Juden wie dem Weibe vor allem zu gebrechen
scheint._
Aus jenem Grunde ist aller Zionismus so aussichtslos, obwohl er die
edelsten Regungen unter den Juden gesammelt hat: denn der Zionismus
ist die Negation des Judentums, in welchem, _seiner Idee nach_, die
Ausbreitung über die ganze Erde liegt. Der Begriff des Bürgers ist dem
Juden vollständig _transcendent_; darum hat es nie im eigentlichen
Sinne des Wortes einen jüdischen _Staat_ gegeben, und kann nie
einen solchen geben. In der Staatsidee liegt eine Position, die
Hypostasierung der interindividuellen Zwecke, der Entschluß, einer
selbst gegebenen Rechtsordnung, deren _Symbol_ (und nichts anderes)
das Staatsoberhaupt ist, aus freier Wahl beizutreten. Darum ist das
Gegenteil des Staates die Anarchie, mit der gerade der Kommunismus auch
heute noch, eben durch sein Unverständnis für den Staat, verschwistert
ist; so sehr auch hievon die meisten anderen Elemente in der
sozialistischen Bewegung abstechen. Wenn der Staatsgedanke in keiner
historischen Form auch nur annähernd verwirklicht ist, so liegt doch
in jedem geschichtlichen Versuche zur Staatenbildung etwas, vielleicht
nur jenes Minimum von ihm, das ein Gebilde über eine bloße Association
zu Geschäfts- und Machtzwecken erhebt. Die historische Untersuchung,
wie ein bestimmter Staat entstanden sei, sagt nichts über die _Idee_,
die in ihm liegt, _soweit_ er eben Staat und nicht Kaserne ist. Um
jene zu erfassen, wird man sich bequemen müssen, der vielgeschmähten
_Rousseau_schen Vertragstheorie wieder mehr Gerechtigkeit widerfahren
zu lassen. Nur das Zusammentreten ethischer Persönlichkeiten zu
gemeinsamen Aufgaben kommt im Staate, sofern er Staat ist, zum Ausdruck.
Daß der Jude nicht erst seit gestern, sondern mehr oder weniger von
jeher staatfremd ist, deutet bereits daraufhin, _daß dem Juden wie
dem Weibe die Persönlichkeit fehlt; was sich allmählich in der
Tat herausstellen wird_. Denn nur aus dem Mangel des intelligiblen
Ich kann, wie alle weibliche, so auch die jüdische Unsoziabilität
abzuleiten sein. Die Juden stecken gerne beieinander wie die Weiber,
aber sie _verkehren_ nicht miteinander als selbständige, voneinander
geschiedene Wesen, unter dem Zeichen einer überindividuellen Idee.
So wenig wie es in der Wirklichkeit eine »Würde der _Frauen_« gibt,
so unmöglich ist die Vorstellung eines _jüdischen_ »gentleman«. Dem
echten Juden gebricht es an jener inneren Vornehmheit, welche Würde
des eigenen und Achtung des fremden Ich zur Folge hat. _Es gibt keinen
jüdischen Adel_; und dies ist um so bemerkenswerter, als doch bei den
Juden jahrtausendelange Inzucht besteht.
So erklärt sich denn auch weiter, was man jüdische Arroganz nennt:
aus dem Mangel an _Bewußtsein_ eines Selbst und dem gewaltsamen
Bedürfnis nach Steigerung des Wertes der Person durch Erniedrigung
des Nebenmenschen; _denn der echte Jude hat kein Ich und darum auch
keinen Eigenwert_. Daher, trotz seiner Inkommensurabilität mit
allem Aristokratischen, seine weibische Titelsucht, die nur auf
einer Linie steht mit seiner Protzerei, deren Objekte die Loge im
Theater oder die modernen Gemälde in seinem Salon, seine christliche
Bekanntschaft oder sein Wissen sein können. Aber zugleich ist die
jüdische Verständnislosigkeit für alles Aristokratische erst hierin
eigentlich begründet. Der Arier hat ein Bedürfnis zu wissen, wer
_seine_ Ahnen waren; er achtet sie und interessiert sich für sie,
_weil sie seine Ahnen waren_; und er schätzt sie, weil er die eigene
Vergangenheit immer höher hält als der schnell sich verwandelnde
Jude, der pietätlos ist, weil er dem Leben keinen Wert spenden kann.
Ihm fehlt jener Ahnenstolz vollständig, den selbst der ärmste,
plebejischeste Arier noch in einem gewissen Grade besitzt; er ehrt
nicht, wie dieser, seine Vorfahren, weil sie _seine_ Vorfahren sind,
er ehrt nicht in ihnen _sich selbst_. Der Einwand ginge fehl, der sich
auf den außerordentlichen Umfang und die Kraft der jüdischen Tradition
beriefe. Die Geschichte seines Volkes ist hier dem Nachfahren, auch
demjenigen, welchem sie viel zu bedeuten scheint, nicht die Summe des
Einstmaligen, Gewesenen, sondern stets nur der Quell, aus dem er neue
Hoffnungsträume saugt: die _Vergangenheit_ des Juden ist nicht wirklich
seine Vergangenheit, sie ist immer nur seine _Zukunft_. -- --
Man hat die Mängel des Judentums oft genug, nicht allein
jüdischerseits, auf die brutale Unterdrückung und Knechtung
zurückführen wollen, welche die Juden im ganzen Mittelalter bis ins
XIX. Jahrhundert erfahren hätten. Den Sklavensinn habe im Juden
erst der Arier gezüchtet; und es gibt nicht wenige Christen, welche
den Juden in dieser Weise ernstlich als ihre Schuld empfinden. Doch
diese Gesinnung geht zu weit im Selbstvorwurf: es ist unzulässig,
von Veränderungen zu sprechen, welche durch Einflüsse von _außen_ im
Laufe der Generationen _im_ Menschen bewirkt worden seien, _ohne_ daß
in diesem selber der äußeren Gelegenheit etwas entgegengekommen sei
und ihr willig die Hand gereicht habe. Noch ist nicht bewiesen, daß
es eine Vererbung _erworbener_ Eigenschaften gibt, und sicherer als
bei den anderen Lebewesen bleibt, trotz aller Scheinanpassungen, beim
_Menschen_ der Charakter des einzelnen wie der Rasse konstant. Nur die
seichteste Oberflächlichkeit kann glauben, daß der Mensch durch seine
Umgebung gebildet werde, ja es ist beschämend, an die Bekämpfung einer
solchen, jeder freien Einsicht den Atem raubenden Anschauung auch nur
eine Zeile wenden zu sollen. Wenn sich der Mensch ändert, so kann es
nur von innen nach außen geschehen; oder es ist, wie beim Weibe, nie
ein Wirkliches da, also das Nichts-Sein das ewig Gleichbleibende. Wie
kann man übrigens an eine historische Erzeugung des Juden denken, da
doch bereits das alte Testament sichtlich zustimmend davon spricht, wie
_Jakob_, der Patriarch, seinen sterbenden Vater _Isaak_ belogen, seinen
Bruder _Esau_ und seinen Schwieger _Laban_ übervorteilt hat?
_Mit Recht_ aber wird von den Verteidigern der Juden geltend gemacht,
daß diese, auch dem Prozentsatze nach, seltener schwere Verbrechen
begehen als die Arier. Der Jude ist nicht eigentlich _anti_moralisch.
Aber es müßte wohl hinzugefügt werden, daß er auch nicht den höchsten
ethischen Typus vorstellt. Er ist vielmehr relativ _a_moralisch,
nie sehr gut, noch je sehr böse, im Grunde keines von beiden, und
eher _gemein_. _Daher fehlt dem Judentum, wie die Konzeption der
Engel, auch der Begriff des Teufels_, die Personifikation des Guten
nicht minder als die des Bösen. Durch den Hinweis auf das Buch Hiob,
die Belialgestalt und den Eden-Mythus wird diese Behauptung nicht
entkräftet. Zwar liegen jene modernen quellenkritischen Streitfragen,
die Echtes und Entlehntes hier zu scheiden bemüht sind, auf einem
Wege, den zu betreten ich mich nicht berufen fühle; was ich aber wohl
weiß, ist dies, daß im psychischen Leben des heutigen Juden, sei er
nun »aufgeklärt« oder sei er »orthodox«, weder ein teuflisches noch
irgend ein engelhaftes Prinzip, weder Himmel noch Hölle auch nur die
geringste religiöse Rolle spielen. -- Wenn also der Jude nie die
höchste sittliche Höhe erreicht, so wird doch auch sicherlich Mord
und Gewalttat von ihm viel seltener verübt als vom Arier; und hieraus
wird eben das Fehlen jeder Furcht vor einem diabolischen Prinzipe erst
völlig verständlich.
Kaum minder oft als die Fürsprecher der _Juden_ berufen sich die
Anwälte der _Frauen_ auf deren geringere Kriminalität als auf den
Beweis ihrer vollendeteren Sittlichkeit. Die Homologie zwischen beiden
scheint immer vollständiger zu werden. Es gibt keinen weiblichen
Teufel, so wenig es einen weiblichen Engel gibt: nur die Liebe, jene
trotzige Verneinung der Wirklichkeit, kann den Mann im Weibe ein
himmlisches Wesen erblicken lassen, nur blinder Haß es für verderbt und
schurkenhaft erklären. _Was dem Weibe wie dem Juden vielmehr durchaus
abgeht, das ist $Größe$_, Größe in irgend welcher Hinsicht, überragende
Sieger im Moralischen, großzügige Diener des Antimoralischen. Im
arischen Manne sind das gute und das böse Prinzip der _kantischen_
Religionsphilosophie _beide beisammen und doch am weitesten
auseinandergetreten_, um ihn streiten sein guter und sein böser Dämon.
Im Juden sind, fast wie im Weibe, Gut und Böse noch nicht voneinander
differenziert; es gibt zwar keinen jüdischen Mörder, doch es gibt auch
keinen jüdischen Heiligen. Und so wird es wohl richtig sein, daß die
wenigen Elemente des Teufelsglaubens in der jüdischen Überlieferung aus
dem Parsismus und aus Babylon stammen.
Die Juden leben sonach nicht als freie, selbstherrliche, zwischen
Tugend und Laster wählende Individualitäten wie die Arier. Diese
stellt sich ein jeder ganz unwillkürlich vor _wie eine Schar einzelner
Männer_, jene wie ein, über eine weite Fläche ausgebreitetes,
zusammenhängendes Plasmodium. Der Antisemitismus hat daraus oft
fälschlich ein hartnäckiges bewußtes Zusammenhalten gemacht, und
von der »jüdischen Solidarität« gesprochen. Das ist eine leicht
begreifliche Verwechslung verschiedener Dinge. Wenn gegen irgend
einen Unbekannten, welcher dem Judentum angehört, eine Beschuldigung
erhoben wird, und nun alle Juden innerlich für den Betreffenden sich
einsetzen, seine Unschuld wünschen, hoffen, und zu erweisen suchen:
_so glaube man nur ja nicht, daß der betreffende Mensch als einzelner
Jude sie irgendwie interessiere, sein individuelles Schicksal, weil
es das eines Juden ist, mehr Mitleid bei ihnen erwecke als das
eines ungerecht verfolgten Ariers_. Dies ist keineswegs der Fall.
_Nur das gefährdete Juden$tum$, die Befürchtung, es könnte auf die
Gesamtheit der Judenschaft, besser: auf das Jüdische überhaupt, auf
die $Idee$ des Juden$tums$ ein schädlicher Schatten fallen, führt zu
jenen Erscheinungen unwillkürlicher Parteinahme._ Es ist ganz so,
wie wenn die Weiber jede einzelne Angehörige ihres Geschlechtes mit
Wonne heruntersetzen hören, und selbst erniedrigen helfen, falls nur
auf das Weib kein schlechtes Licht hiedurch geworfen werde: wenn nur
kein Mann sich hiedurch abschrecken läßt, _überhaupt_ nach Frauen zu
verlangen, wofern nur niemand an der »Liebe« irre, sondern weiter
geheiratet wird, und nicht die alten Junggesellen sich vermehren. Nur
die _Gattung_ wird verteidigt, nur das _Geschlecht_, beziehungsweise
die _Rasse_ geschützt, nicht das _Individuum_; dieses kommt nur
insoferne in Betracht, als es Angehöriger der Gruppe ist. _Der echte
Jude wie das echte Weib, sie leben beide nur in der Gattung, nicht als
Individualitäten._[90]
Hieraus erklärt es sich, daß die _Familie_ (als biologischer, nicht
als rechtlicher Komplex) bei keinem Volk der Welt eine so große Rolle
spielt, wie bei den Juden; nächstdem bei den mit ihnen, wie sich zeigen
wird, entfernt verwandten Engländern. Die Familie in diesem Sinne
ist eben weiblichen, mütterlichen Ursprungs, und hat mit dem Staate,
mit der Gesellschaftsbildung nichts zu tun. Die Zusammengehörigkeit
der Familienmitglieder, nur als eine Folge des gemeinsamen
Dunstkreises, ist am engsten bei den Juden. Jedem indogermanischen
Manne, dem begabteren stets mehr als dem mittelmäßigen, aber auch
dem gewöhnlichsten noch, ist dies eigen, daß er sich mit seinem
_Vater_ nie völlig verträgt: weil ein jeder einen, wenn auch noch
so leisen, unbewußten oder bewußt gewordenen _Zorn_ auf denjenigen
Menschen empfindet, der ihn, ohne ihn zu fragen, zum Leben genötigt
und ihm den Namen gegeben hat, der ihm bei der Geburt gutdünkte; von
dem er zumindest hierin _abhängig_ gewesen ist, und der, auch nach
jeder tieferen metaphysischen Anschauung, doch immer als in einem
_Zusammenhange_ damit stehend betrachtet werden muß, daß der Sohn
selbst in das Erdenleben wollte. Nur unter Juden kommt es vor, daß der
Sohn ganz tief in der Familie _darinnensteckt_, und mit dem Vater in
gemeiner Gemeinschaft sich wohl fühlt; fast nur unter Christen, daß
Vater und Sohn wie Freund und Freund miteinander verkehren. Ja sogar
die Töchter der Arier stehen noch immer eher außerhalb der Familie als
die Jüdinnen, und öfter als diese ergreifen sie einen Beruf, der sie
von Verwandten und Eltern entfernt und unabhängig macht.
Auch ist hier die Probe auf die Ausführungen des vorigen Kapitels zu
machen, welche das unindividuelle, vom anderen Menschen nicht durch
die Grenzen des Einsamen geschiedene Leben als eine unerläßliche
Voraussetzung der Kuppelei ansahen (S. 385). Männer, die kuppeln,
haben immer Judentum in sich; _und damit ist der Punkt der $stärksten$
Übereinstimmung zwischen Weiblichkeit und Judentum erreicht_. Der Jude
ist stets lüsterner, geiler, wenn auch merkwürdigerweise, vielleicht
im Zusammenhange mit seiner nicht eigentlich _anti_moralischen Natur,
sexuell weniger potent als der arische Mann. Nur Juden sind echte
Heiratsvermittler, und nirgends erfreut sich Ehevermittlung durch
Männer einer so ausgedehnten Verbreitung wie unter den Juden. Freilich
ist eine Tätigkeit nach dieser Richtung hier dringender als sonst
vonnöten; denn es gibt, wessen schon einmal gedacht wurde (Teil I,
S. 51), kein Volk der Welt, in dem so wenig aus Liebe geheiratet würde
wie unter ihnen: ein Beweis, mehr für die Seelenlosigkeit des absoluten
Juden.
Daß die Kuppelei eine organische Veranlagung im Juden ist, wird auch
durch das Unverständnis des Juden für alle Askese nahe gelegt; aber
erhärtet dadurch, daß die jüdischen Rabbinen es lieben, besonders
eingehend über das Fortpflanzungsgeschäft zu spekulieren, und eine
mündliche Tradition im Zusammenhange mit der Kinderzeugung pflegen; wie
dies von den Obersten eines Volkes, dessen sittliche Hauptaufgabe, nach
seiner Überlieferung wenigstens, es sein muß, »sich zu mehren«, kaum
anders erwartet werden kann.
Kuppelei ist schließlich Grenzverwischung: _und der Jude ist der
Grenzverwischer κατ' εξοχήν_. Er ist der Gegenpol des Aristokraten;
das Prinzip alles Aristokratismus ist strengste _Wahrung_ aller
_Grenzen_ zwischen den Menschen. Der Jude ist geborener Kommunist,
und immer will er die Gemeinschaft. Die Formlosigkeit des Juden im
Verkehr, sein Mangel an gesellschaftlichem Takte gehen hierauf zurück.
Alle Umgangsformen sind nur die feinen Mittel, um die Grenzen der
persönlichen Monaden zu betonen und zu schützen; der Jude aber ist
nicht Monadologe.
Ich betone nochmals, obwohl es selbstverständlich sein sollte: trotz
der abträglichen Wertung des echten Juden kann nichts mir weniger in
den Sinn kommen, als durch diese oder die noch folgenden Bemerkungen
einer theoretischen oder gar einer praktischen Judenverfolgung in die
Hände arbeiten zu wollen. Ich spreche über das Judentum als platonische
Idee -- _es gibt einen absoluten Juden so wenig als es einen absoluten
Christen gibt_ -- ich spreche nicht von den einzelnen Juden, von
denen ich so vielen nur höchst ungern wehe getan haben wollte, und
deren manchem bitteres Unrecht geschehen würde, wenn das Gesagte auf
ihn sollte angewendet werden. Losungen wie »Kauft nur bei Christen«
sind _jüdisch_, denn sie betrachten und werten das Individuum nur als
Gattungsangehörigen; ähnlich wie der jüdische Begriff des »Goy« jeden
Christen einfach als solchen bezeichnet und auch schon subsumiert.
Nicht also der Boykott, und nicht etwa die Austreibung der Juden oder
ihre Fernhaltung von Amt und Würde ist hier befürwortet. Durch solche
Mittel ist die Judenfrage nicht lösbar, denn sie liegen nicht auf
dem Wege der Sittlichkeit. Aber auch der »Zionismus« ist ihr nicht
gewachsen. Er will die Juden sammeln, die, wie H. S. _Chamberlain_
nachweist, längst vor der Zerstörung des jerusalemitischen Tempels zum
Teile die Diaspora als ihr natürliches Leben, das Leben des über die
ganze Erde fortkriechenden, die Individuation ewig hintertreibenden
Wurzelstockes gewählt hatten, er will etwas _Un_jüdisches. _Die Juden
müßten erst das Judentum überwunden haben, ehe sie für den Zionismus
reif würden._
_Zu diesem Behuf aber wäre vor allem geboten, daß die Juden sich
selbst verstehen, daß sie sich kennen lernen und gegen sich kämpfen,
$innerlich$ das Judentum $in sich$ besiegen $wollten$._ Bis heute
aber kennen sich die Juden nur so weit, daß sie Witze über sich
machen und verständnisvoll goutieren -- nicht weiter. _Unbewußt_ nur
achtet jeder Jude den Arier höher als sich selbst. Erst die feste und
unerschütterliche Entschlossenheit, die höchste Selbstachtung sich zu
ermöglichen, könnte den Juden vom Judentume befreien. Dieser Entschluß
ist aber nur vom Individuum, nicht von einer Gruppe, und sei sie noch
so stark, noch so ehrenhaft, zu fassen und auszuführen. Darum kann die
Judenfrage nur _individuell_ gelöst werden, _jeder einzelne Jude muß
sie für seine Person zu beantworten suchen_.
Es gibt keine andere Lösung der Frage und kann keine andere geben; dem
Zionismus wird sie nie gelingen.
Der Jude freilich, der überwunden hätte, der Jude, der Christ geworden
wäre, besäße dann allerdings auch das volle Recht, vom Arier als
einzelner genommen, und nicht nach einer Rassenangehörigkeit mehr
beurteilt zu werden, über die ihn sein moralisches Streben längst
hinausgehoben hätte. Er mag unbesorgt sein: seinem gegründeten Anspruch
wird niemand sich widersetzen wollen. Der höher stehende Arier hat
immer das Bedürfnis den Juden zu achten, sein Antisemitismus ist ihm
keine Freude und kein Zeitvertreib. Darum liebt er es nicht, wenn
der Jude über den Juden Bekenntnisse ablegt; und wer es dennoch tut,
kann, von seiner Seite fast noch weniger als von der stets so überaus
empfindlichen Judenschaft, irgend Dank sich erhoffen. Zu allerletzt
wünscht gerade der Arier, daß der Jude dem Antisemitismus durch die
Taufe recht gebe. Aber auch diese Gefahr der äußersten Verkennung
seines ehrlichsten Strebens darf den Juden, der die _innerliche_
Befreiung will, nicht bekümmern. Er wird darauf verzichten müssen, das
Unmögliche zu leisten, sich als _Jude_ zu schätzen, wie es der Arier
von ihm haben will, und danach trachten, sich als _Mensch_ ehren zu
dürfen. Er wird die seelische Taufe des Geistes zu erreichen verlangen,
welcher die äußerliche des Körpers symbolisch nur immer dann folgen mag.
Die dem Juden so wichtige und so nötige Erkenntnis dessen, _was das
Jüdische und das Judentum eigentlich $ist$_, wäre die Lösung eines der
schwierigsten Probleme; das Judentum ist ein viel tieferes Rätsel, als
wohl mancher Antisemiten-Katechismus glaubt, und im letzten Grunde wird
es einer gewissen Dunkelheit wohl nie weit entzogen werden. Auch die
Parallele mit dem Weibe wird uns nun bald verlassen; einstweilen vermag
sie noch weiterzuhelfen.
Im Christen liegen Stolz und Demut, im Juden Hochmut und Kriecherei
miteinander im Kampf; in jenem Selbstbewußtsein und Zerknirschung, in
diesem Arroganz und Devotion. Mit dem völligen Mangel des Juden an
Demut hängt sein Unverständnis für die Idee der Gnade zusammen. Aus
seiner knechtischen Veranlagung entspringt seine heteronome Ethik,
der Dekalog, das unmoralischeste Gesetzbuch der Welt, welches für die
gehorsame Befolgung eines mächtigen _fremden_ Willens das Wohlergehen
auf _Erden_ in Aussicht stellt und die Eroberung der Welt verheißt. Das
Verhältnis zum Jehovah, dem _abstrakten_ Götzen, vor dem er die Angst
des _Sklaven_ hat, dessen Namen er nicht einmal _auszusprechen_ wagt,
charakterisiert den Juden analog dem Weibe als einer fremden Herrschaft
über sich bedürftig. _Schopenhauer_ definiert einmal: »Das Wort Gott
bedeutet einen Menschen, der die Welt gemacht hat.« Für den Gott der
Juden trifft dies allerdings zu. Von dem Göttlichen _im_ Menschen,
dem »Gott, der mir im Busen wohnt,« weiß der echte Jude nichts; dem,
was _Christus_ und _Plato_, _Eckhard_ und _Paulus_, _Goethe_ und
_Kant_, was von den _vedischen Priestern_ bis auf _Fechners_ herrliche
Schlußverse aus den »Drei Motiven und Gründen des Glaubens« jeder
Arier unter dem Göttlichen gemeint hat, dem Worte »Ich werde bei euch
sein alle Tage bis an der Welt Ende«: all dem steht er verständnislos
gegenüber. Denn was im Menschen von Gott ist, das ist des Menschen
Seele; _der absolute Jude aber ist seelenlos_.
_So kann es denn gar nicht anders sein, als daß dem alten Testamente
der Unsterblichkeitsglaube fehlt. Wer keine Seele hat, wie sollte
der nach ihrer Unsterblichkeit ein Bedürfnis haben?_ Ebenso
wie den Frauen fehlt den Juden, und zwar ganz allgemein, das
_Unsterblichkeitsbedürfnis_: »Anima naturaliter christiana« -- so sagt
_Tertullian_.
Aus dem nämlichen Grunde aber gibt es unter den Juden --
H. S. _Chamberlain_ hat das richtig erkannt -- auch keine eigentliche
Mystik, außer einer wüsten Superstitio und Interpretationsmagie, »die
Kabbâla« genannt. Der jüdische Monotheismus hat mit echtem Glauben
an Gott nichts, gar nichts zu tun, er ist vielmehr seine Negation,
der »Afterdienst« des wahren Dienstes unter dem guten Prinzipe,
die Homonymität des Judengottes und des Christengottes die ärgste
Verhöhnung des letzteren. Hier ist keine Religion aus reiner Vernunft;
eher ein Altweiberglaube aus schmutziger Angst.
Warum wird aber aus dem orthodoxen Jehovah-Knecht so rasch und leicht
ein Materialist, ein »Freigeist«? Warum ist das _Lessing_sche Wort
vom »Aufkläricht«, trotz der Einrede des wohl nicht ohne guten Grund
antisemitischen _Dühring_, wie auf das Judentum gemünzt? Hier ist
der _Sklavensinn_ gewichen und hat seiner steten Kehrseite, der
_Frechheit_, Platz gemacht: beide sind wechselnde Phasen eines und
desselben Wollens im nämlichen Menschen. Die _Arroganz den Dingen
gegenüber_, die nicht als Symbole eines Tieferen empfunden oder auch
nur dunkel geahnt werden, der Mangel an »verecundia« auch vor dem
Naturgeschehen, das führt zur jüdischen, materialistischen Form der
Wissenschaft, wie sie leider heute eine gewisse Herrschaft erlangt
hat, und intolerant gegen alle Philosophie geworden ist. Wenn man,
wie es notwendig und allein richtig ist, das Judentum als eine _Idee_
betrachtet, an der auch der Arier mehr oder weniger _Anteil_ haben
kann, dann wird wenig dagegen einzuwenden sein, wenn man an die Stelle
der »_Geschichte des Materialismus_« lieber ein »_Wesen des Judentums_«
gesetzt wissen will. »Das Judentum in der Musik« hat _Wagner_
besprochen; vom _Judentum in der Wissenschaft_ ist hier noch einiges zu
sagen.
Judentum im weitesten Sinne ist jene Richtung in der Wissenschaft,
welcher diese vor allem _Mittel zum Zweck_ ist, alles Transcendente
auszuschließen. Der Arier empfindet das Bestreben, _alles_ begreifen
und ableiten zu wollen, als eine Entwertung der Welt, denn er
fühlt, daß gerade das Unerforschliche es ist, das dem Dasein seinen
Wert verleiht. Der Jude hat keine Scheu vor Geheimnissen, weil er
nirgends welche ahnt. Sein Bestreben ist es, die Welt möglichst
platt und gewöhnlich zu sehen, nicht um durch Klarheit dem ewig
Dunklen sein ewiges Recht erst zu sichern, sondern um eine öde
Selbstverständlichkeit des Alls zu erzeugen und die Dinge aus dem
Wege zu räumen, welche einer freien Bewegung seiner Ellbogen auch
im Geistigen entgegenstehen. Die _anti_philosophische (nicht die
aphilosophische) Wissenschaft ist im Grunde jüdisch.
Auch sind die Juden stets, eben weil ihre Gottesverehrung
mit wahrer Religion gar keine Verwandtschaft hat, der
mechanistisch-materialistischen Anschauung der Welt am wenigsten abhold
gewesen; wie _sie_ am eifrigsten den _Darwinismus_ und die lächerliche
Theorie von der Affenabstammung des Menschen aufgriffen, so wurden sie
beinahe schöpferisch als Begründer jener _ökonomischen_ Auffassung
der menschlichen Geschichte, welche den Geist aus der Entwicklung
des Menschengeschlechtes am vollständigsten streicht. Früher die
enragiertesten Anhänger _Büchners_, sind sie jetzt die begeistertsten
Vorkämpfer _Ostwalds_.
Es ist auch kein Zufall, daß die _Chemie_ heutzutage in so weitem
Umfang in den Händen der Juden sich befindet, wie einst in den Händen
der stammesverwandten Araber. Das Aufgehen in der Materie, das
Bedürfnis, alles in ihr aufgehen zu lassen, setzt den Mangel eines
intelligiblen Ich voraus, ist also wesentlich jüdisch.
»_O curas Chymicorum! o quantum in pulvere inane!_«
Dieser Hexameter ist freilich von dem _deutschesten_ Forscher aller
Zeiten: der ihn gedichtet hat, heißt Johannes _Kepler_.[91]
Es hängt mit dem Einflusse jüdischen Geistes auch sicherlich zusammen,
daß die Medizin, welcher die Juden so scharenweise sich zuwenden,
ihre heutige Entwicklung genommen hat. Stets, von den Wilden bis zur
heutigen Naturheilbewegung, von der sich die Juden bezeichnenderweise
gänzlich ferngehalten haben, hatte alle Heilkunst etwas Religiöses,
war der Medizinmann der Priester. Die bloß _chemische_ Richtung in der
Heilkunde -- das ist das Judentum. Sicherlich aber wird niemals das
Organische aus dem Unorganischen, sondern höchstens dieses aus jenem
zu erklären sein. Es ist kein Zweifel, daß _Fechner_ und _Preyer_
recht haben, die das Tote aus dem Lebenden, und nicht umgekehrt,
entstanden sein lassen. Was wir täglich im _individuellen_ Leben vor
sich gehen sehen: daß Organisches zu Anorganischem wird (schon durch
die Verknöcherung und Verkalkung im Alter, die senile Arteriosklerose
und Atheromatose, wird der Tod vorbereitet); indes noch niemand,
aus Totem Lebendes hat erstehen sehen -- das sollte, im Sinne des
»biogenetischen« Parallelismus zwischen Ontogenie und Phylogenie, auch
auf die _Gesamtheit_ der anorganischen Materie angewendet werden. Hat
die Lehre von der Urzeugung von _Swammerdam_ bis _Pasteur_ so viele
Posten nacheinander aufgeben müssen, so wird sie auch ihren letzten
Halt, den sie im monistischen Bedürfnis so vieler zu haben scheint,
fahren lassen, wenn dieses anders und besser wird befriedigt werden
können. Die Gleichungen für das tote Geschehen werden sich vielleicht
einmal durch Einsetzung bestimmter Zeitwerte als _Grenz_fälle der
Gleichungen des lebendigen Geschehens ergeben, nie umgekehrt das
Lebende durch das Tote darstellbar sein. Die _Homunculus-Bestrebungen_
sind _Faust_ fremd, _Goethe_ hat sie nicht ohne Grund für _Wagner_, den
Famulus, reserviert. Mit der Chemie ist wahrhaftig nur den Exkrementen
des Lebendigen beizukommen; ist doch das Tote selbst nur ein Exkret
des Lebens. Die chemische Anschauungsweise setzt den Organismus auf
eine Stufe mit seinen Auswürfen und Abscheidungen. Wie anders sollten
Erscheinungen zu erklären sein gleich dem Glauben eines Menschen, durch
Ernährung mit mehr oder weniger Zucker das Geschlecht des werdenden
Kindes beeinflussen zu können? Das _unkeusche Anpacken_ jener Dinge,
die der Arier im Grunde seiner Seele immer als _Schickung_ empfindet,
ist erst durch den Juden in die Naturwissenschaft gekommen. Die Zeit
jener tiefreligiösen Forscher, für die ihr Objekt stets an einer
übersinnlichen Dignität einen, wenn auch noch so geringen, Anteil
hatte, für die es Geheimnisse gab, die vom Staunen kaum je sich
erholten über das, was sie zu entdecken sich _begnadet_ fühlten, die
Zeit eines _Kopernikus_ und _Galilei_, eines _Kepler_ und _Euler_,
_Newton_ und _Linné_, _Lamarck_ und _Faraday_, Konrad _Sprengel_ und
_Cuvier_ scheint vorüber. Die heutigen Freigeister, die, weil sie vom
Geiste frei sind, an keine immanente Offenbarung eines Höheren im
Naturganzen mehr zu glauben vermögen, sind, vielleicht eben darum,
auch in ihrem besonderen wissenschaftlichen Fache nicht imstande, jene
Männer wirklich zu ersetzen und zu erreichen.
Aus diesem _Mangel an Tiefe_ wird auch klar, weshalb die Juden keine
ganz großen Männer hervorbringen können, _weshalb dem Judentum_, wie
dem Weibe, _die höchste Genialität versagt ist_. Der hervorragendste
Jude der letzten neunzehnhundert Jahre, an dessen rein semitischer
Abkunft zu zweifeln kein Grund vorliegt, und der sicherlich viel mehr
Bedeutung besitzt als der, fast jeder _Größe_ entbehrende, Dichter
_Heine_ oder der originelle, aber keineswegs tiefe Maler _Israels_, ist
der Philosoph _Spinoza_. Die allgemein übliche ungeheure Überschätzung
auch des letzteren geht weniger auf Vertiefung in seine Werke und ein
Studium derselben, als auf den zufälligen Umstand zurück, daß er der
einzige Denker ist, den _Goethe_ eingehender gelesen hat.
Für _Spinoza_ selbst gab es eigentlich keine _Probleme_: darin zeigt er
sich als echter Jude; sonst hätte er nicht jene »mathematische Methode«
wählen können, die wie darauf berechnet ist, alles _selbstverständlich_
erscheinen zu lassen. Spinozas System war sein Schutzbau, in den er
sich darum zurückzog, weil niemand so sehr wie er gemieden hat über
sich nachzudenken; darum konnte es für denjenigen Menschen, der wohl
am meisten, und schmerzvoller als alle anderen, über sich nachgedacht
hat, darum konnte es für _Goethe_ eine Beruhigung und Erholung werden.
Denn der wahrhaft bedeutende Mensch denkt, über was immer er denke,
im Grunde doch immer nur über sich selbst nach. Und so gewiß _Hegel_
im Unrecht war, die logische Opposition wie eine reale Repugnanz zu
behandeln, so gewiß geht doch auch das trockenste _logische Problem_
beim _tieferen_ Denker _psychologisch_ auf einen mächtigen _inneren
Konflikt_ zurück. Spinozas System, in seinem voraussetzungslosen
Monismus und Optimismus, in seiner vollkommenen Harmonie, die
Goethe so hygienisch empfand, ist unleugbar keine Philosophie eines
Gewaltigen: sie ist die Absperrung eines die Idylle suchenden,
und ihrer doch nicht wirklich fähigen, weil gänzlich humorlosen
Unglücklichen.
Die Echtheit seines Judentums erweist Spinoza mehrfach, und läßt
deutlich die Grenzen sichtbar werden, welche rein jüdischem Geiste
immer gezogen sind: ich meine hier weniger sein Unverständnis für den
Staatsgedanken und seine Anhängerschaft an den _Hobbes_schen »Krieg
aller gegen alle« als angeblichen Urzustand der Menschheit. Was den
relativen Tiefstand seiner philosophischen Anschauungen bezeugt,
ist vielmehr sein völliges Unverständnis für die _Willensfreiheit_
-- der Jude ist stets Sklave und also Determinist -- und am meisten
dies, daß für ihn, als _echten Juden_, die Individuen nur Accidenzen,
nicht Substanzen, nur nicht-wirkliche Modi einer allein wirklichen,
aller Individuation fremden unendlichen Substanz sind. Der Jude ist
nicht Monadolog. Darum gibt es keinen tieferen Gegensatz als den
zwischen _Spinoza_ und seinem weit bedeutenderen und universelleren
Zeitgenossen _Leibniz_, dem Vertreter der _Monaden_-Lehre, und deren
noch weit größerem Schöpfer _Bruno_, dessen Ähnlichkeit mit Spinoza
eine oberflächliche Anschauung in einer ans Groteske streifenden Weise
übertrieben hat.[92]
Wie das »Radikal-Gute« und das »Radikal-Böse«, so fehlt aber dem Juden
(_und dem Weibe_) _mit dem Genie_ auch das _Radikal-Dumme_ in der
menschlichen, männlichen Natur. Die spezifische Art der Intelligenz,
die dem Juden wie dem Weibe nachgerühmt wird, ist freilich einerseits
nur _größere Wachsamkeit ihres größeren Egoismus_; anderseits beruht
sie auf der unendlichen Anpassungsfähigkeit beider an alle beliebigen
äußeren Zwecke ohne Unterschied: _weil sie keinen urwüchsigen Maßstab
des Wertes, kein Reich der Zwecke in der eigenen Brust tragen_. Dafür
haben sie ungetrübtere natürliche Instinkte, welche dem arischen Manne
nicht in gleicher Weise zurückkehren, um ihm weiterzuhelfen, wenn ihn
das Übersinnliche in seiner Intelligenz verlassen hat.
Hier ist auch der Ort, der seit Richard _Wagner_ oft hervorgehobenen
Ähnlichkeit des Engländers mit dem Juden zu gedenken. Denn sicherlich
haben unter allen Germanen sie am ehesten eine gewisse Verwandtschaft
mit den Semiten. Ihre Orthodoxie, ihre streng wörtliche Auslegung der
Sabbatruhe weist darauf hin. Es ist in der Religiosität der Engländer
nicht selten Scheinheiligkeit, in ihrer Askese nicht wenig Prüderie
gelegen. Auch sind sie, wie die Frauen, weder durch Musik noch durch
Religion je produktiv gewesen: es mag irreligiöse Dichter geben --
_sehr_ große Künstler können es nicht sein -- aber es gibt keinen
irreligiösen Musiker. Und es hängt hiemit auch zusammen, warum die
Engländer keinen bedeutenden Architekten, und nie einen hervorragenden
Philosophen hervorgebracht haben. _Berkeley_ ist wie _Swift_ und
_Sterne_ ein _Ire_, _Erigena_, _Carlyle_ und _Hamilton_, ebenso wie
_Burns_, sind _Schotten_. _Shakespeare_ und _Shelley_, die zwei größten
Engländer, bezeichnen noch lange nicht die Gipfel der Menschheit, sie
reichen auch nicht entfernt hinan an _Dante_, oder an _Aischylos_.
Und wenn wir nun die englischen »Philosophen« betrachten, so sehen
wir, wie von ihnen seit dem Mittelalter stets die Reaktion gegen alle
Tiefe ausgegangen ist: von _Wilhelm von Occam_ und _Duns Scotus_
angefangen, über _Roger Baco_ und seinen _Namensvetter den Kanzler_,
den Spinoza so geistesverwandten _Hobbes_ und den seichten _Locke_,
bis zu _Hartley_, _Priestley_, _Bentham_, den beiden _Mill_, _Lewes_,
_Huxley_, _Spencer_. Damit sind aber aus der Geschichte der englischen
Philosophie die wichtigsten Namen auch schon aufgezählt; denn Adam
_Smith_ und David _Hume_ waren Schotten. _Vergessen wir niemals,
daß uns aus England die seelenlose Psychologie gekommen ist!_ Der
Engländer hat dem Deutschen als tüchtiger Empiriker, als Realpolitiker
im Praktischen wie im Theoretischen imponiert, aber damit ist seine
Wichtigkeit für die Philosophie auch erschöpft. Es hat noch nie einen
tieferen Denker gegeben, der beim Empirismus stehen geblieben ist; und
noch nie einen Engländer, der über ihn selbständig hinausgekommen wäre.
Dennoch darf man den Engländer nicht mit dem Juden verwechseln. Im
Engländer ist viel mehr Transcendentes als im Juden, nur ist sein Sinn
mehr vom Transcendenten aufs Empirische, als vom Empirischen aufs
Transcendente gerichtet. Sonst wäre er nicht so _humorvoll_, wie er es
ist, indes dem Juden der Humor fehlt, indem dieser vielmehr selbst,
nach der Sexualität, das ergiebigste Objekt alles Witzes ist.
Ich weiß wohl, ein wie schwieriges Problem das Lachen und der Humor
ist; so schwierig wie alles, was nur menschlich und nicht auch tierisch
ist, so schwierig, daß _Schopenhauer_ gar nichts Rechtes, und selbst
_Jean Paul_ nichts ganz Befriedigendes über den Gegenstand zu sagen
weiß. Im Humor liegt zunächst vielerlei: für manche Menschen scheint
er eine feinere Form des Mitleids mit anderen oder mit sich selbst zu
bedeuten; aber damit ist nichts ausgesprochen, was gerade für den Humor
ausschließlich charakteristisch wäre. In ihm mag bewußtes »Pathos der
Distanz« zum Ausdruck kommen -- beim gänzlich unpathetischen Menschen;
aber auch hiemit ist nichts gerade für ihn Entscheidendes gewonnen.
Das Wesentlichste im Humor scheint mir eine _übermäßige Betonung
des Empirischen_, um dessen _Unwichtigkeit_ eben hiedurch klarer
darzustellen. Lächerlich ist im Grunde alles, was verwirklicht ist; und
hierauf gründet sich der Humor, so ist er das Widerspiel der Erotik.
Will diese aus dem Begrenzten ins Unbegrenzte, so läßt der Humor auf
das Begrenzte sich nieder, schiebt es allein in den Vordergrund der
Bühne, und stellt es bloß, indem er es von allen Seiten betrachtet.
Nur der Humorist hat den Sinn für das Kleine und den Zug zum Kleinen;
sein Reich ist weder Meer noch Gebirge, sein Gebiet ist das Flachland.
Darum sucht er mit Vorliebe das Idyll auf und vertieft sich in jedes
_Einzelding_: aber immer nur, um sein _Mißverhältnis_ zum _Ding an
sich_ zu enthüllen. _Er blamiert die Immanenz, indem er sie von der
Transcendenz gänzlich loslöst_, ja nicht einmal den Namen der letzteren
mehr nennt. Der Witz sucht den Widerspruch innerhalb der Erscheinung
auf, der Humor tut ihr den größeren Tort an, sie wie ein in sich
geschlossenes Ganzes hinzustellen; _beide zeigen, was alles möglich
ist_; und kompromittieren hiedurch am gründlichsten die Erfahrungswelt.
Die Tragik hingegen tut dar, was in alle Ewigkeit _unmöglich_ ist, und
so verneinen Komik und Tragik, jede auf ihre Weise, die Empirie, obwohl
sie eine das Gegenteil der anderen zu sein scheinen.
Der Jude, der nicht vom Übersinnlichen kommt wie der Humorist, und
nicht zum Übersinnlichen will wie der Erotiker, hat kein Interesse,
das Gegebene geringer zu werten: darum wird ihm das Leben nie zum
Gaukelspiel, nie zum Tollhaus. Weil der Humor _höhere_ Werte kennt,
als alle konkreten Dinge, und sie nur listig _verschweigt_, ist er
seinem Wesen nach _tolerant_; die Satire, sein Gegenteil, ist ihrem
Wesen nach _intolerant_ und entspricht darum besser der eigentlichen
Natur des Juden wie der des Weibes. Juden und Weiber sind humorlos,
aber spottlustig. In Rom hat es sogar eine Verfasserin von Satiren,
_Sulpicia_ mit Namen, gegeben. Weil die Satire unduldsam ist, macht
sie den Menschen in der Gesellschaft am leichtesten unmöglich. Der
Humorist, der es zu verhindern weiß, daß die Kleinigkeiten und
Kleinlichkeiten der Welt ihn und die anderen Menschen ernstlich
zu bekümmern anfangen, ist der am liebsten gesehene Gast in jeder
Gesellschaft. Denn der Humor räumt wie die Liebe Berge aus dem Wege;
er ist eine Verhaltungsweise, die ein soziales Leben, d. h. eine
Gemeinsamkeit unter einer _höheren_ Idee, sehr begünstigt. Der Jude ist
denn auch nicht, der Engländer in hohem Maße sozial veranlagt.
Der Vergleich des Juden mit dem Engländer versagt also noch viel früher
als sein Vergleich mit dem Weibe. Der Grund, aus welchem dennoch
hier wie dort Ausführlichkeit geboten schien, liegt in der Hitze des
Kampfes, welcher um Wert und Wesen des Judentums seit längster Zeit
geführt wird. Auch darf ich hier wohl auf _Wagner_ mich berufen, den
das Problem des Judentums am intensivsten, von Anfang bis zuletzt,
beschäftigt hat, und der nicht nur im Engländer einen Juden hat wieder
entdecken wollen: auch über seiner _Kundry_, der tiefsten Frauengestalt
der Kunst, schwebt unverkennbar der Schatten des _Ahasverus_.
Noch mehr scheint es im Sinne der Parallele mit dem Weibe gelegen,
und noch stärker verleitet zu ihrer voreiligen Annahme, daß -- nicht
bloß für die Augen des Juden -- keine Frau der Welt die _Idee_ des
Weibes so völlig repräsentiert wie die Jüdin. Selbst vom Arier wird
sie ähnlich empfunden: man denke an _Grillparzers_ »Jüdin von Toledo«.
Dieser Schein wird darum so leicht erregt, weil die Arierin vom Arier
auch das Metaphysische als einen Sexualcharakter fordert, und von
seinen religiösen Überzeugungen ebenso zu durchdringen ist, wie von
seinen anderen Qualitäten (vgl. Kapitel 9 gegen Ende und Kapitel 12).
In Wirklichkeit gibt es freilich dennoch nur Christen und nicht
Christinnen. Die Jüdin aber kann, sowohl als kinderreiche Hausmutter
wie als wollüstige Odaliske, die Weiblichkeit in ihren beiden Polen,
als Kypris und als Kybele, darum vollständiger zu repräsentieren
scheinen, weil der Mann, der sie sexuell ergänzt und geistig
imprägniert, der Mann, der sie für sich geschaffen hat, selber so wenig
Transcendentes in sich birgt.
Die Kongruenz zwischen Judentum und Weiblichkeit _scheint_ eine völlige
zu werden, sobald auf die unendliche Veränderungsfähigkeit des Juden
zu reflektieren begonnen wird. Das große Talent der Juden für den
Journalismus, die »Beweglichkeit« des jüdischen Geistes, der Mangel
an einer wurzelhaften und ursprünglichen _Gesinnung_ -- lassen sie
nicht von den Juden wie von den Frauen es gelten: _sie $sind$ nichts,
und können eben darum alles $werden$_? Der Jude ist Individuum, aber
nicht Individualität; dem niederen Leben ganz zugewandt, hat er kein
Bedürfnis nach der persönlichen Fortexistenz: es fehlt ihm das wahre,
unveränderliche, das metaphysische Sein, er hat keinen Teil am höheren,
_ewigen Leben_.
Und doch gehen gerade hier Judentum und Weiblichkeit in entscheidender
Weise _auseinander_; _das Nicht-Sein und Alles-Werden-Können ist im
Juden ein anderes als in der Frau_. Die Frau ist die Materie, die
_passiv_ jede Form annimmt. Im Juden liegt zunächst unleugbar eine
gewisse _Aggressivität_: nicht durch den großen Eindruck, den andere
auf ihn hervorbringen, wird er rezeptiv, er ist nicht suggestibler
als der Arier; sondern er paßt sich den verschiedenen Umständen und
Erfordernissen, jeder Umgebung und jeder Rasse selbsttätig an; wie
der Parasit, der in jedem Wirte ein anderer wird, und so völlig ein
verschiedenes Aussehen gewinnt, daß man ein neues Tier vor sich
zu haben glaubt, während er doch immer derselbe geblieben ist. Er
assimiliert sich allem und assimiliert es so sich; und er wird hiebei
nicht vom anderen unterworfen, sondern unterwirft sich so ihn.
Das Weib ist ferner _gar nicht_, der Jude _eminent begrifflich_
veranlagt, womit auch seine Neigung für die Jurisprudenz zusammenhängt,
welcher die Frau nie Geschmack abgewinnen wird; und auch in dieser
begrifflichen Natur des Juden kommt seine _Aktivität_ zum Ausdruck,
eine Aktivität freilich von ganz eigentümlicher Art, keine Aktivität
der selbstschöpferischen Freiheit des höheren Lebens.
Der Jude ist ewig wie das Weib, ewig nicht als Persönlichkeit, sondern
als Gattung. _Er ist nicht unmittelbar wie der arische Mann, aber seine
Mittelbarkeit ist trotzdem eine andere als die des Weibes._
Am tiefsten wird die Erkenntnis des eigentlich-jüdischen Wesens
erschlossen durch die _Irreligiosität_ des Juden. Es ist hier nicht der
Ort für eine Untersuchung des Religionsbegriffes, und es sei denn unter
Religion, ohne eine Begründung, die notgedrungen langatmig werden und
vom Thema weit abführen müßte, zunächst die _Bejahung alles ewigen, aus
den Daten des niederen nie abzuleitenden, nie zu erweisenden höheren
Lebens $im$ Menschen $durch$ den Menschen_ verstanden. _Der Jude ist
der $ungläubige$_ Mensch. _Glaube_ ist jene Handlung des Menschen,
durch welche er in Verhältnis zu einem _Sein_ tritt. Der _religiöse
Glaube_ richtet sich nur speziell auf das _$absolute$ Sein_. _Und der
Jude $ist$ nichts, im tiefsten Grunde darum, weil er nichts $glaubt$._
Glaube aber ist alles. Mag ein Mensch an Gott glauben oder nicht, es
kommt nicht alles darauf an: wenn er nur wenigstens an seinen Atheismus
glaubt. Das aber ist es eben; der Jude glaubt gar nichts, er glaubt
nicht an seinen Glauben, er zweifelt an seinem Zweifel. Er ist nie
ganz durchdrungen von seinem Jubel, aber ebensowenig fähig, völlig von
seinem Unglück erfüllt zu werden. Er nimmt sich nie ernst, und darum
nimmt er auch keinen anderen Menschen, keine andere Sache wahrhaft
ernst.
_Hiemit ist die wesentliche Differenz zwischen dem Juden und dem
Weibe endlich bezeichnet._ Ihre Ähnlichkeit beruht zu allertiefst
darauf, daß er, so wenig wie sie, _an sich selbst_ glaubt. Aber _sie_
glaubt an den _anderen_, an den Mann, an das Kind, an »die Liebe«;
sie hat einen Schwerpunkt, nur liegt er außerhalb ihrer. _Der Jude
aber glaubt nichts, weder in sich noch außer sich_; auch im Fremden
hat er keinen Halt, auch in ihm schlägt er keine Wurzeln gleich dem
Weibe. Und nur gleichsam symbolisch erscheint sein Mangel an irgend
welcher Bodenständigkeit in seinem so tiefen Unverständnis für allen
Grundbesitz und seiner Vorliebe für das mobile Kapital.
Die Frau glaubt an den Mann, an den Mann außer sich oder an den Mann
in sich, an den Mann, von dem sie geistig imprägniert worden ist,
und kann auf diese Weise sogar sich selbst ernst nehmen.[93] Der
Jude hält nie etwas wirklich für echt und unumstößlich, für heilig
und unverletzbar. Darum ist er überall frivol, und alles bewitzelnd;
er glaubt keinem Christen sein Christentum, geschweige denn einem
Juden die Ehrlichkeit seiner Taufe. Aber er ist auch nicht wirklich
realistisch und keineswegs ein echter Empiriker. Hier ist an den
früheren Aufstellungen, die, zum Teile, an H. S. _Chamberlain_ sich
anschlossen, die wichtigste Einschränkung vorzunehmen. Der Jude ist
nicht eigentlich immanent wie der englische Erfahrungsphilosoph; denn
der Positivismus des bloßen Empiristen glaubt an einen Abschluß alles
menschenmöglichen Wissens im Bereiche der Sinnfälligkeit, er hofft auf
die Vollendung des Systemes exakter Wissenschaft. Der Jude aber glaubt
auch an das Wissen nicht; und doch er ist darum keineswegs Skeptiker,
denn ebensowenig ist er vom Skeptizismus überzeugt. Dagegen waltet noch
über einem gänzlich ametaphysischen Systeme wie dem des _Avenarius_
eine weihevolle Sorgfalt, ja selbst über die relativistischen
Anschauungen von Ernst _Mach_ ist eine vertrauensvolle _Frömmigkeit_
ausgebreitet. Der Empirismus mag nicht tief sein; jüdisch ist er darum
nicht zu nennen.
_Der Jude ist der unfromme Mensch im weitesten Sinne._ Frömmigkeit
aber ist der Grund von allem, und die Basis, auf der alles andere
erst sich erhebt. Man hält den Juden schon für prosaisch, weil er
nicht schwungvoll ist, und nach keinem Urquell des Seins sich sehnt;
mit Unrecht. Alle echte innere Kultur, und was immer ein Mensch für
Wahrheit halte, daß es für ihn Kultur, daß es für ihn Wahrheit, daß es
für ihn Werte gibt, das ruht auf dem Grunde des Glaubens, es bedarf der
Frömmigkeit. Und Frömmigkeit ist nicht etwas, das bloß in der Mystik
und in der Religion sich offenbart; auch aller Wissenschaft und aller
Skepsis, allem, womit der Mensch es _innerlich ernst meint_, liegt
_sie_ am tiefsten zu Grunde. Daß sie auf verschiedene Weise sich äußern
mag, ist sicher: Begeisterung und Sachlichkeit, hoher Enthusiasmus und
tiefer Ernst, das sind die zwei vornehmsten Arten, in welchen sie zum
Vorschein gelangt. Der Jude ist nie schwärmerisch, aber er ist auch
nicht eigentlich nüchtern; er ist nicht ekstatisch, aber er ist auch
nicht trocken. Fehlt ihm der niedere wie der geistige Rausch, ist er
so wenig Alkoholiker, als höherer Verzückung fähig, so ist er darum
noch nicht kühl, und noch in weiter Ferne von der Ruhe überzeugender
Argumentation: seine Wärme schwitzt, und seine Kälte dampft. Seine
Beschränkung wird immer Magerkeit, seine Fülle immer Schwulst. Kommt
er, wenn er zur schrankenlosen Begeisterung des Gefühles den Aufflug
wagt, nie weit über das Pathetische hinaus, so unterläßt er, auch wenn
er in den engsten Fesseln des Gedankens sich zu bewegen unternimmt,
doch nicht, geräuschvoll mit seinen Ketten zu rasseln. Und drängt es
ihn auch kaum zum Kuß der ganzen Welt, er bleibt gegen sie darum nicht
minder zudringlich.
Alle Sonderung und alle Umschlingung, alle Strenge und alle Liebe,
alle Sachlichkeit und alles Hymnische, jede wahre, unverlogene Regung
im Menschenherzen, sei sie ernst oder freudig, ruht zuletzt auf der
Frömmigkeit. Der Glaube muß nicht, wie im Genius, im religiösesten
Menschen, auf eine metaphysische Entität sich beziehen -- Religion
ist Setzung seiner selbst und der Welt mit sich selbst -- er mag auch
auf ein empirisches Sein sich erstrecken, und hierin gleichsam völlig
aufzugehen scheinen: es ist doch nur ein und derselbe Glaube an ein
Sein, an einen Wert, eine Wahrheit, an ein Absolutes, an einen Gott.
Religion ist Schöpfung des Alls; und alles, was im Menschen _ist_, ist
nur durch _Religion_. Der Jude ist demnach nicht der religiöse Mensch,
wofür man ihn so oft ausgegeben hat; sondern der irreligiöse Mensch
κατ' εξοχήν.[94]
Soll ich dies nun noch begründen? Soll ich lange ausführen, wie der
Jude ohne Eifer im Glauben ist, und darum die jüdische Konfession
die einzige, die um keinen Proselyten wirbt, der zum Judentum
Übergetretene dessen Bekennern selbst das größte Rätsel und die größte
Verlegenheit?[95] Soll ich über das Wesen des jüdischen Gebetes hier
mich verbreiten und seine Formelhaftigkeit, seinen Mangel an jener
Inbrunst, die nur der Augenblick geben kann, betonen? Soll ich endlich
wiederholen, was die jüdische Religion ist: keine Lehre vom Sinn und
Zweck des Lebens, sondern eine historische Tradition, zusammenzufassen
in dem einen Übergang durchs rote Meer, gipfelnd also in dem Danke des
flüchtenden Feigen an den mächtigen Erretter? Es wäre wohl auch sonst
klar: der Jude ist der irreligiöse Mensch, und von jedem Glauben am
allerweitesten entfernt. Er setzt nicht sich selbst und mit sich die
Welt, worin das Wesentliche in der Religion besteht. Aller Glaube ist
heroisch: der Jude aber kennt weder den Mut noch das Fürchten, als das
Gefühl des bedrohten Glaubens; er ist weder sonnenhaft noch dämonisch.
Nicht also, wie _Chamberlain_ glaubt, Mystik, sondern _Frömmigkeit_
ist das, was dem Juden zu allerletzt mangelt. Wäre er nur ehrlicher
Materialist, wäre er nur bornierter Entwicklungsanbeter! Aber er ist
nicht Kritiker, sondern nur Kritikaster, er ist nicht Skeptiker nach
dem Bilde des _Cartesius_, nicht Zweifler, um aus dem größten Mißtrauen
zur größten Sicherheit zu gelangen; sondern absoluter Ironiker wie --
hier kann ich eben nur einen Juden nennen -- wie Heinrich _Heine_. Er
ist gar nicht echter Revolutionär (denn woher käme ihm die Kraft und
der innere Elan der Empörung?), und unterscheidet sich eben hiedurch
vom _Franzosen_: er ist nur zersetzend, und gar nie wirklich zerstörend.
Und was ist er nun selbst, der Jude, wenn er nichts von alledem ist,
was sonst ein Mensch sein kann? Was geht in ihm wahrhaft vor, wenn er
ohne irgend welches Letzte ist, ohne einen Grund, auf den das Senkblei
des Psychologen am Ende doch hart und vernehmlich stieße?
Des Juden psychische Inhalte sind sämtlich mit einer gewissen Zweiheit
oder Mehrheit behaftet; _über diese Ambiguität, diese Duplizität,
ja Multiplizität kommt er nie hinaus_. Er hat immer _noch_ eine
Möglichkeit, noch _viele_ Möglichkeiten, wo der Arier, ohne ärmer im
Blicke zu sein, unbedingt sich entscheidet und wählt. Diese innere
Vieldeutigkeit, diesen Mangel an unmittelbarer innerer _Realität_
irgend eines psychischen Geschehens, die Armut an jenem An- und
Fürsich-Sein, aus welchem allein höchste Schöpferkraft fließen kann,
glaube ich als die Definition dessen betrachten zu müssen, was ich
das Jüdische als Idee genannt habe.[96] _Es ist wie ein Zustand $vor$
dem $Sein$_, ein ewiges Irren draußen vor dem Tore der Realität. Mit
nichts kann der Jude sich wahrhaft identifizieren, für keine Sache sein
Leben ganz und gar einsetzen.[97] Nicht der Eiferer, sondern der Eifer
fehlt dem Juden: weil ihm alles Ungeteilte, alles Ganze fremd ist. Es
ist die _Einfalt_ des _Glaubens_, die ihm abgeht, und weil er diese
_Einfalt_ nicht hat, und keine wie immer geartete letzte _Position_
bedeutet, darum scheint er gescheiter als der Arier, und entwindet
sich _elastisch_ jeder Unterdrückung.[98] _Innerliche Vieldeutigkeit_,
ich möchte es wiederholen, _ist das absolut Jüdische, Einfalt das
absolut Unjüdische_. Die Frage des Juden ist die Frage, die Elsa an
Lohengrin richtet: die Unfähigkeit, irgend einer Verkündigung, sei es
auch der inneren Offenbarung, die Unmöglichkeit, _irgend_ einem _Sein_
schlechthin zu _glauben_.
Man wird vielleicht einwenden, jenes zwiespältige Sein finde sich nur
bei den zivilisierten Juden, in welchen die alte Orthodoxie neben
der modernen Gesittung noch fortwirke. Aber das wäre weit gefehlt.
Seine Bildung läßt das Wesen des Juden nur darum stets noch klarer
zum Vorschein kommen, weil es so an Dingen sich betätigt, die mit
tieferem Ernste erwogen sein wollen, als materielle Geldgeschäfte. Der
Beweis, daß der Jude an sich nicht eindeutig ist, läßt sich erbringen:
der Jude _singt_ nicht. Nicht aus Schamhaftigkeit, sondern weil er
sich seinen Gesang nicht _glaubt_. So wenig die Vieldeutigkeit des
Juden mit eigentlicher, realer Differenziertheit oder Genialität, so
wenig hat seine eigentümliche Scheu vor dem Gesang, oder auch nur vor
dem lauten hellen Worte, mit echter Zurückhaltung etwas zu tun. Alle
Scham ist stolz; jene Abneigung des Juden ist aber ein Zeichen seiner
_inneren Würdelosigkeit_: denn das unmittelbare Sein versteht er nicht,
und er würde sich schon lächerlich finden und kompromittiert fühlen,
wenn er nur sänge. Schamhaftigkeit umfaßt alle Inhalte, die mit dem
Ich des Menschen, durch eine innige Kontinuität fester verknüpft sind;
die fragliche Gêne des Juden aber erstreckt sich auch auf Dinge, die
ihm keineswegs heilig sein können, die er also nicht zu profanieren
fürchten müßte, wenn er öffentlich die Stimme würde erheben sollen.
Und abermals trifft dies mit der Unfrömmigkeit des Juden zusammen:
denn alle Musik ist absolut, und besteht wie losgelöst von aller
Unterlage; nur darum hat sie unter allen Künsten die engste Beziehung
zur Religion, und ist der einfache Gesang, der eine einzelne Melodie
mit ganzer Seele erfüllt, unjüdisch wie jene.
Ich glaube nun gerade deutlich genug gewesen zu sein, um nicht darüber
schlecht verstanden zu werden, was ich mit dem eigentlichen Wesen des
Judentums meine. _Ibsens_ König _Håkon_ in den »Kronprätendenten«,
sein Dr. _Stockmann_ im »Volksfeind« mögen es, wenn es dessen bedürfen
sollte, noch klarer machen, was dem echten Juden in alle Ewigkeit
unzugänglich ist: _das unmittelbare Sein_, _das Gottesgnadentum_, _der
Eichbaum_, _die Trompete_, _das Siegfriedmotiv_, _die Schöpfung seiner
selbst_, _das Wort: $ich bin$_. Der Jude ist wahrhaftig das »Stiefkind
Gottes auf Erden«; und es gibt denn auch keinen (männlichen) Juden, der
nicht, wenn auch noch so dumpf, an seinem Judentum, das ist im tiefsten
Grunde, an seinem Unglauben, $litte$.
Judentum und Christentum, jenes das zerrissenste, der inneren Identität
barste, dieses das glaubenskräftigste, gottvertrauendste Sein, sie
bilden so den weitesten, unermeßlichsten Gegensatz. Christentum ist
höchstes Heldentum; der Jude aber ist nie einheitlich und ganz. Darum
eben ist der Jude feige, und der Heros sein äußerster Gegenpol.
H. S. _Chamberlain_ hat von dem furchtbaren, unheimlichen Unverständnis
des echten Juden für die Gestalt und die Lehre Christi, für den Krieger
wie für den Dulder in ihm, für sein Leben wie für sein Sterben, viel
Wahres und Treffendes gesagt. Aber es wäre irrig, zu glauben, der Jude
_hasse_ Christum; der Jude ist nicht der Antichrist, _er hat zu Jesus
nur eigentlich gar keine Beziehung_; es gibt streng genommen nur Arier
-- Verbrecher -- die Christum _hassen_. Der Jude fühlt sich durch
ihn nur, als ein seinem Witze nicht recht Angreifbares, weil seinem
Verständnis Entrücktes, _gestört_ und unangenehm _geärgert_.
Dennoch ist die Sage vom Neuen Testament als reifster Blüte und
höchster Vollendung des Alten, und die künstliche Vermittelung, welche
das letztere den messianischen Verheißungen des ersteren angepaßt hat,
den Juden sehr zustatten gekommen; sie ist ihr stärkster äußerer Schutz
gewesen. Daß nun trotz dieses polaren Verhältnisses gerade aus dem
Judentum das Christentum hervorgegangen ist, bildet eines der tiefsten
psychologischen Rätsel: es ist kein anderes Problem als die Psychologie
des Religionsstifters, um die es sich hier handelt.[99]
Wodurch unterscheidet sich der geniale Religionsstifter von allem
übrigen Genie? Welche innere Notwendigkeit treibt ihn, Religion zu
stiften?
_Es kann keine andere sein, als daß er selbst nicht immer an den Gott
geglaubt hat, den er verkündet._ Die Überlieferung erzählt von _Buddha_
wie von _Christus_, welchen Versuchungen sie ausgesetzt waren, viel
stärkeren als alle anderen Menschen. Zwei weitere, _Mohammed_ und
_Luther_, sind _epileptisch_ gewesen. Die _Epilepsie_ aber ist _die
Krankheit des Verbrechers_: _Cäsar_, _Narses_, _Napoleon_, die »großen«
Verbrecher, haben sämtlich an der Fallsucht gelitten, und _Flaubert_
und _Dostojewskij_, welche zu ihr wenigstens tendierten, hatten beide
außerordentlich viel vom Verbrecher in sich, ohne natürlich Verbrecher
zu _sein_.
_Der Religionsstifter ist jener Mensch, der ganz gottlos gelebt
und dennoch zum höchsten Glauben sich durchgerungen hat._ »Wie es
möglich sei, daß ein natürlicherweise böser Mensch sich selbst zum
guten Menschen mache, das übersteigt alle unsere Begriffe; denn
wie kann ein böser Baum gute Früchte bringen?« so fragt _Kant_ in
seiner Religionsphilosophie, und _bejaht dennoch prinzipiell_ diese
Möglichkeit: »Denn, ungeachtet jenes Abfalles erschallt doch das
Gebot: wir _sollen_ bessere Menschen werden, unvermindert in unserer
Seele; folglich müssen wir es auch _können_ ..« Jene unbegreifliche
Möglichkeit der vollständigen _Wiedergeburt_ eines Menschen, der
alle Jahre und Tage seines früheren Lebens als böser Mensch gelebt
hat, dieses hohe Mysterium ist in jenen sechs oder sieben Menschen
_verwirklicht_, welche die großen Religionen der Menschheit begründet
haben. Hiedurch scheiden sie sich vom eigentlichen Genie: in diesem
überwiegt von Geburt an die Anlage zum Guten.
Alle Genialität ist nur höchste Freiheit vom Naturgesetz.
»Von der Gewalt, die alle Wesen bindet,
Befreit der Mensch sich, der sich überwindet.«
_Wenn dies so sich verhält, dann ist der Religionsstifter der genialste
Mensch._ Denn er hat _am meisten_ überwunden. Er ist der Mensch, dem
das gelungen ist, was die tiefsten Denker der Menschheit nur zaghaft,
nur um ihre ethische Weltanschauung, um die _Freiheit_ der _Wahl_ nicht
preisgeben zu müssen, als möglich hingestellt haben: _die völlige
Neugeburt des Menschen_, seine »Regeneration«, die gänzliche Umkehr des
Willens. Die anderen großen Geister haben zwar auch den Kampf mit dem
Bösen zu führen, aber bei ihnen neigt die Wagschale von vornherein
entschieden zum Guten. Nicht so beim Religionsgründer. In ihm ist so
viel Böses, so viel Machtwille, so viel irdische Leidenschaft, daß er
40 Tage in der Wüste, ununterbrochen, ohne Nahrung, ohne Schlaf, mit
dem Feind in sich kämpft. Erst dann hat er gesiegt: nicht zum Tode
ist er eingegangen, sondern das höchste Leben hat er in sich befreit.
Wäre das anders, so fehlte jeder Impuls zur Glaubensstiftung. Der
Religionsgründer will und muß nichts anderes den Menschen bringen, als
was ihm, dem belastetsten von allen, gelungen ist: den Bund mit der
Gottheit zu schließen. Er weiß, daß er der schuldbeladenste Mensch ist;
und er sühnt die _größte_ Schuldsumme durch den Tod am Kreuze.
Im Judentum waren zwei Möglichkeiten. Vor _Christi_ Geburt lagen sie
noch beisammen, und es war noch nicht gewählt worden. Es war eine
Diaspora da, und zugleich wenigstens eine Art Staat: Negation und
Position, beide waren nebeneinander vorhanden. _Christus ist der
Mensch, der die stärkste Negation, das Judentum, in sich überwindet,
und so die stärkste Position, das Christentum, als das dem Judentum
Entgegengesetzteste, schafft._ Aus dem Zustand _vor_ dem Sein _trennen_
sich Sein und Nicht-Sein. _Jetzt_ sind die Lose gefallen: das alte
Israel scheidet sich in Juden und in Christen, der _Jude_, wie wir
ihn kennen, wie ich ihn beschrieben habe, entsteht $zugleich$ mit dem
_Christen_. Die Diaspora wird nun vollständig, und aus dem Judentum
verschwindet die Möglichkeit zur Größe: Menschen wie _Jesaias_, jenen
gewaltigsten Mann des alten Israel, hat das _Judentum_ seither nicht
wieder hervorbringen können. _Christentum und Judentum bedingen sich
welthistorisch wie Position und Negation._ In Israel waren die höchsten
Möglichkeiten, die je einem Volke beschieden waren: die Möglichkeit
Christi. _Die andere Möglichkeit ist der Jude._
Ich hoffe nicht mißverstanden zu werden: ich will dem Judentum nicht
eine Beziehung zum Christentum andichten, die ihm fremd ist. _Das
Christentum ist die absolute Negation des Judentums; aber es hat zu
diesem dasselbe Verhältnis, welches alle Dinge mit ihren Gegenteilen,
jede Position mit der Negation verbindet, welche durch sie überwunden
ist._[100] Noch mehr als Frömmigkeit und Judentum, sind Christentum und
Judentum nur _aneinander_, und durch ihre wechselseitige Ausschließung,
zu definieren. _Das Judentum ist der Abgrund, über dem das Christentum
aufgerichtet ist, und darum der Jude die stärkste Furcht und die
tiefste Abneigung des Ariers._[101]
Ich vermag nicht mit _Chamberlain_ zu glauben, daß die Geburt des
Heilands in Palästina ein bloßer Zufall könne gewesen sein. _Christus
war ein Jude, aber nur, um das Judentum in sich am vollständigsten zu
überwinden_; denn wer über den mächtigsten _Zweifel_ gesiegt hat, der
ist der _gläubigste_, wer über die ödeste _Negation_ sich erhoben hat,
der _positivste_ Bejaher. _Christus ist der größte Mensch, weil er am
größten Gegner sich gemessen hat._ Vielleicht ist er der einzige Jude
und wird es bleiben, dem dieser Sieg über das Judentum gelungen: der
erste Jude wäre der letzte, der ganz und gar _Christ_ geworden ist;
vielleicht aber liegt auch heute noch im Judentum die Möglichkeit,
den Christ hervorzubringen, vielleicht sogar _muß_ auch der nächste
Religionsstifter abermals erst durch das _Judentum_ hindurchgehen.
Wenn also im Juden vielleicht noch immer die höchsten _Möglichkeiten_,
so liegen doch in ihm die geringsten _Wirklichkeiten_; er ist wohl
der _zum Meisten veranlagte_, und doch zugleich der _innerlich des
Wenigsten mächtige_ Mensch.
* * * * *
Unsere heutige Zeit läßt das Judentum auf der höchsten Höhe erblicken,
die es seit den Tagen des _Herodes_ erklommen hat. _Jüdisch_ ist der
_Geist der Modernität_, von wo man ihn betrachte. Die Sexualität wird
bejaht, und die heutige Gattungsethik singt zum Koitus den Hymenaios.
Der unglückliche _Nietzsche_ ist wahrhaftig nicht verantwortlich
für die große Vereinigung von natürlicher Zuchtwahl und natürlicher
Unzuchtwahl, deren schmählicher Apostel sich Wilhelm _Bölsche_ nennt.
_Er_ hat Verständnis gehabt für die Askese, und nur unter der eigenen
zu sehr gelitten, um nicht ihr Gegenteil oft wünschenswerter zu finden.
Aber Weiber und Juden kuppeln, ihr Ziel ist es: den Menschen schuldig
werden lassen.
Unsere Zeit, die nicht nur die jüdischeste, sondern auch die
weibischeste aller Zeiten ist; die Zeit, für welche die Kunst nur ein
Schweißtuch ihrer Stimmungen abgibt, die den künstlerischen Drang aus
den Spielen der Tiere abgeleitet hat; die Zeit des leichtgläubigsten
Anarchismus, die Zeit ohne Sinn für Staat und Recht, die Zeit der
Gattungs-Ethik, die Zeit der seichtesten unter allen denkbaren
Geschichtsauffassungen (des historischen Materialismus), die Zeit
des Kapitalismus und des Marxismus, die Zeit, der Geschichte, Leben,
Wissenschaft, alles nur mehr Ökonomie und Technik ist; die Zeit,
die das Genie für eine Form des Irrsinns erklärt hat, die aber auch
keinen einzigen großen Künstler, keinen einzigen großen Philosophen
mehr besitzt, die Zeit der geringsten Originalität und der größten
Originalitätshascherei; die Zeit, die an die Stelle des Ideals der
Jungfräulichkeit den Kultus der Demi-Vierge gesetzt hat: _diese Zeit
hat auch den Ruhm, die erste zu sein, welche den Koitus bejaht und
angebetet hat_.
Aber dem neuen Judentum entgegen drängt ein neues Christentum zum
Lichte; die Menschheit harrt des neuen Religionsstifters, und der
Kampf drängt zur Entscheidung wie im Jahre eins. Zwischen Judentum und
Christentum, zwischen Geschäft und Kultur, zwischen Weib und Mann,
zwischen Gattung und Persönlichkeit, zwischen Unwert und Wert, zwischen
irdischem und höherem Leben, zwischen dem Nichts und der Gottheit hat
abermals die Menschheit die Wahl. Das sind die beiden Pole: es gibt
kein drittes Reich.