Irrtum zusammen, daß die Frauen religiös veranlagt seien. Die weibliche
Mystik ist, wo sie über simplen Aberglauben hinausgeht, _entweder_ eine
sanft verhüllte Sexualität, wie bei den zahlreichen Spiritistinnen
und Theosophinnen -- diese Identifikation des Geliebten mit der
Gottheit ist von Dichtern mehrfach behandelt worden, besonders von
_Maupassant_, in dessen bestem Romane _Christus_ für die Frau des
Bankiers _Walter_ die Züge des »_Bel-Ami_« annimmt, und nach ihm von
Gerhart _Hauptmann_ in »_Hanneles Himmelfahrt_« --, _oder_ es ist
der andere Fall verwirklicht, daß auch die Religiosität vom Manne
passiv und unbewußt übernommen und um so krampfhafter festzuhalten
gesucht wird, je stärker ihr die eigenen natürlichen Bedürfnisse
widersprechen. Bald wird der Geliebte zum Heiland; bald (wie man
weiß, bei so vielen Nonnen) der Heiland zum Geliebten. Alle großen
Visionärinnen, welche die Geschichte nennt (vgl. Teil I, S. 85), sind
hysterisch gewesen; die berühmteste unter ihnen, die _heilige Therese_,
hat man nicht mit Unrecht »die Schutzheilige der Hysterie« genannt.
Wäre übrigens die Religiosität der Frauen echt, und käme sie bei ihnen
aus einem Inneren, so hätten sie religiös schöpferisch sein können,
ja, irgendwie sein müssen: sie sind es aber nie, nicht im mindesten,
gewesen. Man wird verstehen, was ich meine, wenn ich den eigentlichen
Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Credo so ausspreche:
die Religiosität des Mannes ist höchster Glaube _an sich selbst_, die
Religiosität des Weibes höchster Glaube _an den anderen_.
So bleibt nur noch die Selbstbeobachtung, die bei den Hysterikern
oft als außerordentlich entwickelt bezeichnet wird. Daß es aber
bloß der Mann ist, der in das Weib so weit eingedrungen ist, daß er
selbst _in_ ihr noch beobachtet, wird aus der Art und Weise klar, wie
_Vogt_, in weiterer und exakterer Anwendung eines zuerst von _Freud_
eingeschlagenen Verfahrens, die Selbstbeobachtung _in der Hypnose_
erzwang. Der fremde männliche Wille _schafft_ durch seinen Einfluß
_in der hypnotisierten Frau einen Selbstbeobachter_, vermöge der
Erzeugung eines Zustandes »systematisch eingeengten Wachseins«. Aber
auch außerhalb der Suggestion, im gesunden Leben der Hysterischen,
ist es nur der Mann, mit dem sie imprägniert sind, welcher in ihnen
beobachtet. So ist auch alle Menschenkenntnis der Frauen durchaus
Imprägnation mit dem richtig beurteilten Manne. Im Paroxysmus schwindet
jene künstliche Selbstbeobachtung vor der zum Durchbruch drängenden
Natur dahin.
Ganz so verhält es sich auch mit dem _Hellsehen_ hysterischer
Medien, das ohne Zweifel vorkommt und mit dem »okkulten« Spiritismus
ebensowenig zu tun hat wie die hypnotischen Phänomene. Wie die
Patientinnen _Vogts_ unter dem energischen Willen des Suggestors sich
selbst vorzüglich zu beobachten vermochten, so wird die Hellseherin
unter dem Einflusse der drohenden Stimme eines Mannes, der sie zu allem
zu zwingen vermag, auch zu telepathischen Leistungen fähig und liest
aus weiter Ferne gehorsam mit verbundenen Augen die Schriftstücke
in den Händen fremder Menschen, was ich in München unzweideutig
wahrzunehmen selbst Gelegenheit hatte. Denn im Weibe stehen nicht, wie
im Manne, dem Willen zum Guten und Wahren sehr starke Leidenschaften
unausrottbar _entgegen_. Der männliche Wille hat über das Weib mehr
Gewalt als über den Mann: er kann im Weibe etwas realisieren, dem im
eigenen Hause zu viel Dinge sich _widersetzen_. In _ihm_ wirkt ein
Antimoralisches und ein Antilogisches _wider_ die Klärung, er will nie
ganz allein die Erkenntnis, sondern immer noch anderes. _Über die Frau
aber kann der männliche Wille so vollständig alle Gewalt gewinnen, daß
er sie sogar hellsichtig macht_, und alle Schranken der Sinnlichkeit
für _sie_ fortfallen.
Darum ist das Weib eher telepathisch als der Mann, darum leistet es
als _Seherin_ mehr als dieser, freilich nur, wenn es Medium, d. h. zum
Objekt geworden ist, an welchem der _männliche_ Wille am leichtesten
und vollkommensten sich verwirklicht. Auch die _Wala_ kann _wissend_
werden: aber erst, wenn sie von _Wotan_ _bezwungen_ ist. Sie kommt ihm
hierin entgegen; denn ihre einzige Leidenschaft ist es eben, daß sie
gezwungen werden will.
Das Thema der Hysterie ist hiemit, soweit es für den Zweck dieser
Untersuchung berührt werden mußte, auch erschöpft. _Jene Frauen,
die als Beweise der weiblichen Sittlichkeit angeführt werden, sind
stets Hysterikerinnen_, und gerade in der Befolgung der Sittlichkeit,
in dem Gebaren nach dem Moralgesetze, als ob dieses Gesetz das
Gesetz ihrer Persönlichkeit wäre, und nicht vielmehr, ohne sie zu
fragen, von ihnen kurzerhand _Besitz_ ergriffen hätte, liegt die
Verlogenheit und Unwahrheit dieser Sittlichkeit. Die hysterische
Konstitution ist eine lächerliche Mimicry der männlichen Seele, eine
Parodie auf die Willensfreiheit, die das Weib vor sich posiert in
dem nämlichen Augenblicke, wo es dem männlichen Einfluß am stärksten
unterliegt. Nichtsdestoweniger sind die höchststehenden Frauen
eben Hysterikerinnen, wenn auch die Zurückdrängung der triebhaften
Sexualität, die sie über die anderen Frauen erhebt, keine solche ist,
die aus _eigener_ Kraft und in mutigem Kampfe mit einem zum _Stehen_
gezwungenen Gegner erfolgt wäre. An den hysterischen Frauen aber
_rächt_ sich wenigstens die eigene Verlogenheit, und insoferne kann man
sie als ein wenn auch noch so _verfälschtes Surrogat_ jener _Tragik_
gelten lassen, zu der es sonst dem Weibe an jeglicher Fähigkeit
gebricht.
Das Weib ist _unfrei_: es wird schließlich immer bezwungen durch das
Bedürfnis, vom Manne, in eigener Person wie in der aller anderen,
_vergewaltigt_ zu werden; es steht unter dem Banne des Phallus und
verfällt unrettbar seinem Verhängnis, auch wenn es nicht selbst zur
völligen Geschlechtsgemeinschaft gelangt. Das höchste, wozu ein
Weib es bringen mag, ist ein dumpfes Gefühl dieser Unfreiheit, ein
düsteres Ahnen eines Verhängnisses _über_ sich -- es kann dies offenbar
nur der letzte Schimmer des _freien_ intelligiblen Subjektes sein,
der kümmerliche Rest von angeborener Männlichkeit, der ihr, _durch
den Kontrast_, eine, wenn auch noch so schwache, _Empfindung_ der
_Notwendigkeit_ gestattet: es gibt kein absolutes Weib. Aber ein klares
_Bewußtsein_ ihres Schicksales und des Zwanges, unter dem sie steht,
ist der Frau _unmöglich_: _nur der Freie $erkennt$ ein Fatum_, weil
er nicht in die Notwendigkeit _einbegriffen_ ist, sondern, wenigstens
mit einem Teile seines Selbst, einem Zuschauer und einem Kämpfer,
außerhalb seines Schicksals und über diesem steht. Die Frau hält sich
gerade darum meist für _un_gebunden, weil sie _ganz_ gebunden, und
leidet nicht an der Leidenschaft, weil sie selbst nichts _ist_ als
Leidenschaft. _Nur der Mann_ konnte von der »dira necessitas« in sich
sprechen, nur er die Konzeption einer Moira und einer Nemesis fassen,
nur er Parzen und Nornen schaffen: weil er nicht nur empirisches,
_bedingtes_, sondern auch intelligibles, _freies_ Subjekt ist.
Aber, wie schon gesagt: selbst wenn eine Frau ihre eigene
Determiniertheit zu ahnen beginnt, ein klares _Bewußtsein_ derselben,
eine Auffassung und ein Verständnis ist dies nicht zu nennen; denn dazu
wäre der _Wille_ zu einem Selbst erfordert. Vielmehr bleibt es bei
einem schweren dunklen Gefühl, das zu einem verzweifelten Aufbäumen
führt, aber nicht zu einem entschlossenen, in sich die Möglichkeit
des Sieges bergenden Kampfe. Ihre Sexualität, die sie stets knechten
wird, zu überwinden, sind die Frauen unvermögend. Die Hysterie war
eine solche ohnmächtige Abwehrbewegung gegen die Geschlechtlichkeit.
Wäre der Kampf gegen die eigene Begier redlich und echt, wäre deren
Niederlage _aufrichtig gewollt_, so wäre sie ihr zu bereiten dem
Weibe auch _möglich_. Die Hysterie aber ist selbst das, was von den
Hysterikerinnen angestrebt wird; sie _suchen_ nicht wirklich zu
_genesen_. _Die Verlogenheit dieser Demonstration gegen die Sklaverei
bedingt ihre Hoffnungslosigkeit._ Die vornehmsten Exemplare des
Geschlechtes mögen fühlen, daß Knechtschaft ihnen nur eben darum ein
Muß ist, weil sie sie wünschen -- man denke an _Hebbels_ _Judith_ und
_Wagners_ _Kundry_ -- aber auch dies gibt ihnen keine Kraft, sich in
Wahrheit gegen den Zwang zur Wehre zu setzen: im letzten Augenblicke
küssen sie dennoch den Mann, der sie notzüchtigt, und suchen den zu
ihrem Herrn zu machen, der sie zu vergewaltigen zögert. _Das Weib
steht wie unter einem Fluche._ Es kann ihn für Augenblicke pressend
auf sich lasten fühlen, aber es entrinnt ihm _nie_, weil ihm die Wucht
zu süß dünkt. Sein Schreien und Toben ist im Grunde _unecht_. Es will
seinem Fluche gerade dann am süchtigsten erliegen, wenn es ihn am
entsetztesten zu meiden sich geberdet.
* * * * *
Von der langen Reihe jener früheren Aufstellungen, welche den Mangel
des Weibes an irgend welchem angeborenen, unveräußerlichen Verhältnis
zu den _Werten_ behaupteten, ist keine einzige zurückzuziehen oder auch
nur einzuschränken gewesen. Selbst durch all das, was den Menschen
insgemein weibliche Liebe, weibliche Frömmigkeit, weibliche Scham
und weibliche Tugend heißt, sind sie nicht umgestoßen worden; sie
haben sich vor dem stärksten Ansturm, vor dem Heere der hysterischen
Imitationen aller männlichen Vorzüge, behaupten können. Nicht allein
durch die Kraft des, mit dem Weibe selbst der Fernzeugung fähigen
männlichen Spermas -- auf welches die unglaubliche geistige Veränderung
aller Frauen in der Ehe sicherlich zunächst zurückgeht -- sondern auch
vom männlichen _Bewußtsein_, und sogar vom _sozialen Geiste_ wird das
Weib, jenes empfängliche Weib, das hier allein in Betracht kommt, _von
frühester Jugend auf_ erfüllt, imprägniert und umgebildet. So erklärt
es sich, daß alle jene Eigenschaften des männlichen Geschlechtes, die
dem weiblichen an sich nicht zukommen, nichtsdestoweniger von diesem
in so sklavischer Nachahmung zur Erscheinung gebracht werden können;
wonach die vielen Irrtümer über die höhere Sittlichkeit des Weibes
leichter begreiflich werden.
Aber noch ist diese erstaunliche Rezeptivität der Frau ein isoliertes
Faktum der Erfahrung und von der Darstellung nicht in jenen
Zusammenhang mit den übrigen positiven und negativen Eigenschaften
des Weibes gebracht, welchen das theoretische Bedürfnis wünschenswert
erscheinen läßt. Was hat die Bildsamkeit des Weibes mit seiner
Kuppelei, was seine Sexualität mit seiner Verlogenheit zu tun? _Warum
ist all dies gerade in dieser Vereinigung $im Weibe$ beisammen?_
Und noch ist erst zu begründen, _woher_ es komme, daß die Frau alles in
sich aufnehmen kann. Wie ist jene Verlogenheit möglich, die das Weib
selber wähnen läßt, das zu glauben, was es nur von anderen vernommen,
das zu haben, was es nur von ihnen bekommen, das zu sein, was es nur
durch sie geworden ist?
Um hierauf eine Antwort zu geben, muß nochmals, zum letzten Male,
vom geraden Wege abgebogen werden. Man erinnert sich vielleicht noch,
wie das _tierische Wiedererkennen_, das psychische Äquivalent der
allgemein-organischen Übungsfähigkeit, vom _menschlichen Gedächtnis_
als ein gänzlich Verschiedenes und doch Ähnliches abgetrennt wurde:
indem beide eine gleichsam ewige Nachwirkung des zeitlich begrenzten
einmaligen Eindruckes bedeuten, das Gedächtnis aber, zum Unterschiede
vom unmittelbaren passiven Wiedererkennen, sein Wesen in der
aktiven Reproduktion des Vergangenen findet.[70] Später wurde bloße
Individuation als die Eigenschaft alles Organischen wohl unterschieden
von Individualität, welche nur der Mensch besitzt.[71] Und schließlich
machte sich die Notwendigkeit einer genauen Distinktion zwischen
Geschlechtstrieb und Liebe fühlbar, von denen ebenfalls nur der erste
den nichtmenschlichen Lebewesen zugesprochen werden konnte.[72] Dennoch
waren beide verwandt, in ihren Gemeinheiten wie in ihren Erhabenheiten
(als Bestrebungen zur eigenen Verewigung).
Auch der Wille zum Wert wurde öfter als charakteristisch für den
Menschen hingestellt, indes die Tiere nur ein Streben nach Lust kennen
und der Wertbegriff ihnen fremd ist.[73] Zwischen _Lust_ und _Wert
besteht_ eine _Analogie, und doch sind beide grundverschieden_: die
Lust _wird_ begehrt, der Wert _soll_ begehrt werden; beide werden
noch immer ganz widerrechtlich verwechselt, und so in Psychologie
und Ethik die größte Konfusion dauernd festgehalten. Aber dieses
Durcheinanderfließen hat nicht nur zwischen dem Wert- und dem
Lustbegriff stattgefunden; es ist den Unterscheidungen zwischen
Persönlichkeit und Person, zwischen Wiedererkennen und Gedächtnis,
zwischen Geschlechtstrieb und Liebe nicht besser ergangen: alle
diese Gegensätze werden fortwährend zusammengeworfen, und was noch
bezeichnender ist, fast stets von denselben Menschen, mit denselben
theoretischen Anschauungen und wie in einer gewissen Absichtlichkeit,
um den Unterschied zwischen Mensch und Tier zu verwischen.
Auch weitere, bisher kaum berührte Distinktionen werden hier meist
vernachlässigt. Tierisch ist die _Enge des Bewußtseins_, rein
menschlich ist die _aktive Aufmerksamkeit_: beide haben, das sieht
jeder klar, ein Gemeinsames, und doch auch ein Verschiedenes. Nicht
anders steht es mit der so vielen geläufigen Zusammenwerfung von
_Trieb_ und _Wille_. Der Trieb ist allen Lebewesen gemeinschaftlich,
im Menschen kommt noch der Wille hinzu, der frei ist und kein
psychologisches Faktum bildet, weil er allem speziellen psychologischen
Erleben zu Grunde liegt. Daß Trieb und Wille fast immer als
identisch betrachtet werden, hieran trägt übrigens nicht bloß
der Einfluß _Darwins_ die Schuld; sondern es kommt von ihr fast
ebensoviel auf Rechnung des unklaren, einerseits ganz allgemein
_natur_philosophischen, anderseits eminent _ethischen_ Willensbegriffes
von Arthur _Schopenhauer_.
Ich stelle zusammen:
_$Auch$_ _$Nur$_
tierisch, beziehungsweise organisch dem Menschen, respektive
überhaupt dem menschlichen _Manne_
sind: eigen:
Individuation Individualität
Wiedererkennen Gedächtnis
Lust Wert
Geschlechtstrieb Liebe
Enge des Bewußtseins Aufmerksamkeit
Trieb Wille
Man sieht, wie sich über _jede_ Eigenschaft _alles_ Lebendigen im
_Menschen_ noch eine _andere_, in gewisser Beziehung _verwandte und
doch höhere_ legt. Die uralte tendenziöse Identifikation der beiden
Reihen und, auf der anderen Seite, das Bedürfnis, sie immer wieder
auseinanderzuhalten, weisen auf ein Gemeinsames hin, das die Glieder
jeder Reihe miteinander verbindet und scheidet von allen Gliedern
der zweiten. Es nimmt sich zunächst aus, als ob hier im Menschen
ein _Überbau_ von höheren Eigenschaften über korrelative niedere
Erscheinungen aufgeführt wäre. Man könnte an eine Lehre des _indischen
Geheimbuddhismus_ sich erinnert fühlen, an seine Theorie von der
_»Menschheitswelle«_. Es ist nämlich gleichsam, als wäre jeder bloß
tierischen Eigenschaft im Menschen eine verwandte und doch einer
höheren Sphäre angehörige Qualität _superponiert_, wie eine Schwingung
einer anderen sich addiert: jene niederen Eigenschaften fehlen dem
Menschen keineswegs, allein es ist zu ihnen in ihm etwas hinzugekommen.
Was ist dieses neu Dazugetretene? Worin unterscheidet es sich vom
anderen und worin gleicht es ihm? Denn die Tafel zeigt unverkennbar,
daß jedes Glied der linken Reihe mit jedem, auf gleicher Höhe
stehenden, Gliede der rechten eine Ähnlichkeit hat, und doch wieder
anderseits _alle_ Glieder _jeder_ Reihe eng zueinander gehören. Woher
diese merkwürdige Übereinstimmung bei gleichzeitiger ganz abgrundtiefer
Verschiedenheit?
Die linksstehenden Dinge sind fundamentale Eigenschaften alles
animalischen respektive pflanzlichen _Lebens_. Alles solche Leben ist
Leben von Individuen, nicht von ungegliederten Massen, es äußert sich
als Trieb, um Bedürfnisse zu befriedigen, insonderheit als Sexualtrieb,
um sich fortzupflanzen. Individualität, Gedächtnis, Wille, Liebe können
somit als Eigenschaften eines _zweiten_ Lebens gelten, das mit dem
organischen Leben eine gewisse Verwandtschaft haben und doch von ihm
toto coelo verschieden sein wird.
_Es ist keine andere als die Idee des ewigen, höheren, $neuen$ Lebens
der Religionen und speziell des Christentums, deren tiefe Berechtigung
uns hier entgegentritt._ Neben dem organischen hat der Mensch noch teil
an einem anderen Leben, der ζωή αιώνιος des neuen Bundes. Wie jenes
Leben von irdischer Speise sich nährt, so bedarf dieses der geistigen
Atzung (Symbol des _Abendmahles_). Wie jenes eine Geburt und einen Tod,
so kennt auch dieses eine Begründung -- die _sittliche Wiedergeburt_
des Menschen, die »_Regeneration_« -- und einen Untergang: den
_endgültigen_ Verfall in Irrsinn oder Verbrechen. Wie jenes bestimmt
wird durch kausale Naturgesetze von außen, so bindet sich dieses
durch normierende Imperative von innen. Jenes ist von begrenzter Art
_zweckmäßig_; dieses, in unendlicher unbegrenzter Herrlichkeit, ist
_vollkommen_.[74]
Die Eigenschaften, welche die linke Reihe aufzählt, sind allem
niedrigen Leben gemeinsam; die Merkmale aus der rechten Kolumne sind
die korrespondierenden Zeichen des ewigen Lebens, Künder eines höheren
Seins, an welchem der Mensch, und nur er allein, noch überdies Anteil
hat. Die ewige Verwechslung und die stets erneute Auseinanderhaltung
beider Reihen, des höheren und des niederen Lebens, bildet das
Hauptthema aller Historie des menschlichen Geistes: _dies_ ist _das
Motiv der Weltgeschichte_.
Man mag in diesem zweiten Leben etwas erblicken, das sich im Menschen
zu den, früher vorhandenen, anderen Eigenschaften hinzuentwickelt
habe; hier soll über diese Frage nicht entschieden werden. Doch wird
wohl eine tiefere Auffassung jenes sinnliche und sinnenfällige,
hinfällige Leben nicht als den Erzeuger des höheren, geistigen,
ewigen, sondern umgekehrt, im Sinne des vorigen Kapitels, das erstere
als eine Projektion des letzteren auf die Sinnlichkeit, als seine
Abbildung im Reiche der Notwendigkeit, als sein _Heruntersteigen_,
seine _Erniedrigung_ zu diesem, als seinen _Sündenfall_ ansehen müssen.
Denn nur der _letzte Abglanz_ der höheren Idee von einem ewigen Leben
ist es, der auf die Fliege fällt, die mich belästigt, und mich hindern
kann, sie zu töten.
_Das absolute Weib jedoch_, dem Individualität und Wille mangeln,
das keinen Teil hat am Werte und an der Liebe, ist, so können wir
jetzt sagen, _von jenem höheren, transcendenten, metaphysischen Sein
ausgeschlossen_. Die intelligible hyperempirische Existenz des _Mannes_
ist erhaben über Stoff, Raum und Zeit; in _ihm_ ist Sterbliches
genug, aber auch Unsterbliches. Und er hat die Möglichkeit, zwischen
beiden zu wählen; zwischen jenem Leben, das mit dem irdischen Tode
vergeht, und jenem, für welches dieser erst eine Herstellung in
gänzlicher Reine bedeutet. Nach diesem vollkommen zeitlosen Sein, nach
dem absoluten Werte, geht aller tiefste Wille im Manne: er ist eins
mit dem Unsterblichkeitsbedürfnis. Und daß die Frau kein Verlangen
nach persönlicher Fortdauer hat, wird so endlich _ganz_ klar: in ihr
ist nichts von jenem ewigen Leben, das der Mann durchsetzen will und
durchsetzen soll gegen sein ärmliches Abbild in der Sinnlichkeit.
Irgend eine Beziehung zur Idee des höchsten Wertes, zur Idee des
Absoluten, zur Idee jener _völligen Freiheit_, die er noch nicht
besitzt, weil er immer _auch determiniert_ ist, die er aber erlangen
kann, weil der Geist Gewalt hat über die Natur: eine solche Beziehung
zur Idee überhaupt, oder zur Gottheit, hat jeder Mann: indem zwar durch
sein Leben auf Erden eine Trennung und Loslösung vom Absoluten erfolgt
ist, aber die Seele sich aus dieser Verunreinigung, als der _Erbsünde_,
wieder hinaussehnt.
Wie die Liebe seiner Eltern keine reine zur Idee war, sondern mehr oder
weniger eine sinnliche Verkörperung suchte, so will auch der Sohn, der
eben das ist, worauf diese Liebe hinauslief, so lang er lebt, nicht
bloß das ewige, sondern auch das zeitliche Leben: wir erschrecken
vor dem Gedanken des Todes, wehren uns gegen ihn, klammern uns an
das irdische Dasein und beweisen dadurch, daß wir geboren zu werden
_wünschten_, als wir geboren wurden, indem wir _noch immer_ in diese
Welt geboren zu werden verlangen. Ein Mensch, der vor dem irdischen
Tode gar keine Furcht mehr hätte, würde in eben diesem Augenblicke
sterben; denn er hätte nur mehr den reinen Willen zum ewigen Leben, und
dieses soll und kann der Mensch selbständig in sich verwirklichen: es
_schafft sich_, wie _alles_ Leben selbst sich schafft.
Weil aber jeder Mann in einem Verhältnis zur Idee des höchsten Wertes
steht, ohne dieser Idee ganz teilhaft zu sein, darum gibt es keinen
Mann, der _glücklich_ wäre. _Glücklich sind nur die Frauen._ Kein Mann
fühlt sich glücklich, denn ein jeder hat eine Beziehung zur Freiheit,
und ist doch auf Erden immer noch irgendwie unfrei. Glücklich kann
sich nur ein gänzlich passives Wesen fühlen, wie das echte Weib, oder
ein gänzlich aktives, wie die Gottheit. Glück wäre das Gefühl der
Vollkommenheit, dieses Gefühl kann ein Mann nie haben; wohl aber gibt
es Frauen, die sich vollkommen dünken. Der Mann hat immer Probleme
hinter sich und Aufgaben vor sich: alle Probleme wurzeln in der
Vergangenheit; das Land der Aufgaben ist die Zukunft. Für das Weib ist
denn auch die Zeit gar nicht _gerichtet_, sie hat ihr keinen _Sinn_:
es gibt keine Frau, die sich die Frage nach dem _Zwecke_ ihres Lebens
stellte; _doch die Einsinnigkeit der Zeit ist nur der Ausdruck dafür,
daß dieses Leben einen Sinn gewinnen soll und kann_.
_Glück_ für den Mann: das könnte nur ganze, reine _Aktivität_ sein,
völlige Freiheit, nie ein geringer, aber auch nicht der höchste Grad
von Unfreiheit: denn seine Schuld häuft sich, je weiter er von der Idee
der Freiheit sich entfernt. Das irdische Leben _ist_ ihm ein _Leiden_
und _muß_ es sein, schon weil in der Empfindung der Mensch eben doch
_passiv_ ist; weil ein Affiziertwerden stattfindet, weil es Materie
und nicht nur Formung der Erfahrung gibt. Es ist kein Mensch, welcher
der Wahrnehmung nicht bedürfte, selbst der geniale Mensch wäre nichts
ohne sie, auch wenn er, mächtiger und schneller als alle anderen,
alsbald mit dem ganzen Gehalte seines Ich sie erfüllt und durchdringt,
und nicht einer vollständigen Induktion bedarf, um die Idee eines
Dinges zu erkennen. Die _Rezeptivität_ ist durch keinen _Fichte_schen
Gewaltstreich aus der Welt zu schaffen: in der Sinnesempfindung ist
der Mensch _passiv_, und seine Spontaneität, seine Freiheit gelangt
erst im _Urteil_ zur Geltung und in jener Form eines universalen
_Gedächtnisses_, das alle Erlebnisse dem _Willen_ des Individuums
zu reproduzieren vermag. Annäherungen an die höchste Spontaneität,
scheinbar schon Verwirklichungen gänzlicher Freiheit, sind dem Manne
die Liebe und das geistige Schaffen. Darum gewähren am ehesten _sie_
ihm eine Ahnung dessen, _was_ das _Glück_ ist, und lassen ihn seine
Nähe, auf Augenblicke freilich nur, zitternd über sich verspüren.
Der Frau hingegen, die nie tief unglücklich sein kann, ist _darum_
Glück eigentlich ein leeres Wort: auch der Begriff des Glückes ist vom
Manne, vom _unglücklichen_ Manne geschaffen worden, obwohl er in ihm
nie eine adäquate Realisation findet. Die Frauen scheuen sich nie, ihr
Unglück anderen zu zeigen: weil es eben kein echtes Unglück ist, weil
hinter ihm keine Schuld steht, am wenigsten die Schuld des Erdenlebens
als der Erbsünde.
Der letzte, der absolute Beweis der völligen Nichtigkeit des weiblichen
Lebens, seines völligen Mangels an höherem _Sein_, wird uns aus der
Art, wie Frauen den Selbstmord vollziehen. Ihr Selbstmord erfolgt
nämlich wohl immer mit dem Gedanken an die anderen Menschen, was
diese sich denken, wie diese sie bedauern, wie sie sich grämen oder
-- sich ärgern werden. Das ist nicht so zu verstehen, als ob die Frau
nicht von ihrem, nach ihrer Ansicht _stets un_verdienten Unglück fest
durchdrungen wäre im Augenblicke, da sie sich tötet: im Gegenteil, vor
dem Selbstmord bemitleidet sie sich am allerheftigsten, nach jenem
Schema des Mitleidens mit sich selbst, das nur ein Mitweinen mit den
anderen über das Objekt des Mitgefühls des anderen, ein völliges
Aufhören Subjekt zu sein, ist. Wie könnte auch eine Frau ihr Unglück
_als zu sich gehörig_ ansehen, da sie doch unfähig ist, ein Schicksal
zu haben? Das Fürchterliche und für die _Leerheit und Nullität der
Frauen_ Entscheidende ist vielmehr dies, daß sie nicht einmal _vor dem
Tode_ zum _Probleme_ des Lebens, _ihres_ Lebens gelangen: weil in ihnen
nicht ein höheres Leben der Persönlichkeit realisiert werden wollte.
_Die Frage also, welche im Eingang dieses zweiten Teiles als sein
Hauptproblem formuliert wurde, die Frage nach der Bedeutung des
Mann-Seins und Weib-Seins, kann jetzt beantwortet werden. Die Frauen
haben keine Existenz und keine Essenz_, sie _$sind$_ nicht, sie sind
_$nichts$_. _Man $ist$ Mann oder man $ist$ Weib, je nachdem ob man wer
$ist$ oder nicht._
Das Weib hat keinen Teil an der ontologischen Realität; darum hat es
kein Verhältnis zum Ding an sich, das für jede tiefere Auffassung
identisch ist mit dem Absoluten, der Idee oder Gott. Der Mann, in
seiner Aktualität, dem Genie, glaubt an das Ding an sich: ihm ist es
entweder das Absolute als sein höchster Begriff von wesenhaftem Werte:
dann ist er Philosoph. Oder es ist das wundergleiche Märchenland seiner
Träume, das Reich der absoluten Schönheit: dann ist er Künstler.
_Beides aber bedeutet dasselbe._
Das Weib hat kein Verhältnis zur Idee, es bejaht sie weder, noch
verneint es sie: es ist weder moralisch noch antimoralisch, es hat,
mathematisch gesprochen, _kein Vorzeichen_, es ist richtungslos, weder
gut noch böse, weder Engel noch Teufel, es ist _amoralisch_ wie es
_alogisch_ ist. Alles Sein aber ist moralisches und logisches Sein.
_Die Frau also $ist$ nicht._
Das Weib ist verlogen. Das Tier hat zwar ebensowenig metaphysische
Realität wie die echte Frau; aber es spricht nicht, und folglich lügt
es nicht. Um die Wahrheit reden zu können, muß man etwas _sein_;
denn die Wahrheit geht auf ein _Sein_, und zum Sein kann nur der ein
_Verhältnis_ haben, der selbst etwas _ist_. Der Mann will die ganze
Wahrheit das heißt, er will _nur $sein$_. Auch der Erkenntnistrieb ist
zuletzt _identisch_ mit dem Unsterblichkeitsbedürfnis. Wer dagegen über
einen Tatbestand etwas aussagt, ohne wirklich mutig ein Sein behaupten
zu wollen; wem die äußere Urteilsform gegeben ist ohne die innere;
wer, wie die Frau, nicht wahrhaft _ist_: der _muß_ notwendig _immer_
lügen. _Darum lügt die Frau stets, auch wenn sie objektiv die Wahrheit
spricht._
Das Weib kuppelt. Die Lebenseinheiten des niederen Lebens sind
Individuen, Organismen; die Lebenseinheiten des höheren Lebens
sind Individualitäten, Monaden, »Meta-Organismen«, wie ein nicht
wegzuwerfender Terminus bei _Hellenbach_ lautet. Jede Monade aber
unterscheidet sich von jeder anderen, und ist von ihr so getrennt,
wie zwei Dinge nur sein können. Die Monaden haben keine Fenster;
statt dessen haben sie die ganze Welt _in_ sich. Der Mann als die
Monade, als potentielle oder aktuelle, das ist geniale Individualität,
will auch _überall sonst_ Unterschied und Trennung, Individuation,
Auseinandertreten: der naive Monismus ist ausschließlich weiblich.
Jede Monade bildet für sich eine abgeschlossene Einheit, ein Ganzes;
aber auch das fremde Ich ist ihr eine solche vollendete Totalität,
in die sie nicht übergreift. Der Mann $_hat_ Grenzen$, und _bejaht,
will_ Grenzen; die Frau, die keine Einsamkeit kennt, ist auch nicht
imstande, die Einsamkeit des Nebenmenschen als solche zu bemerken
und aufzufassen, zu achten oder zu ehren, und sie unangetastet
anzuerkennen: für sie gibt es, weil keine Einsamkeit, auch keine
Mehrsamkeit, sondern nur ein ungeschiedenes Verschmolzensein. Weil
in der Frau kein Ich ist, darum ist für sie auch kein Du, _darum
gehören, nach ihrer Auffassung, Ich und Du $zusammen$ als $Paar$, als
ununterschiedenes Eines: darum kann die Frau zusammenbringen, darum
kann sie kuppeln_. Die Tendenz ihrer Liebe ist die Tendenz ihres
Mitleidens: die Gemeinschaft, die Verschmolzenheit.[75]
Für die Frau gibt es nirgends _Grenzen_ ihres Ich, die durchbrochen
werden könnten, und die sie zu hüten hätte. Hierauf beruht zunächst der
Hauptunterschied zwischen männlicher und weiblicher _Freundschaft_.
Alle _männliche_ Freundschaft ist ein Versuch zusammenzugehen unter
dem Zeichen einer und derselben _Idee_, welcher die Freunde, jeder
für sich, gesondert und doch vereint, nachstreben; die _weibliche_
»Freundschaft« ist ein Zusammen_stecken_, und zwar, was besonders
hervorzuheben ist, unter dem Gedanken der _Kuppelei_. Denn auf
dieser beruht die einzig mögliche Art eines intimeren und nicht
hinterhältigen Verkehres zwischen Frauen: soweit diese überhaupt nicht
bloß des Klatsches oder materieller Interessen halber gerade weibliche
Gesellschaft aufsuchen.[76] Wenn nämlich von zwei Mädchen oder Frauen
die eine für sehr viel schöner gilt als die andere, dann findet die
häßliche _eine gewisse sexuelle Befriedigung_ in der Bewunderung,
welche der Schöneren gezollt wird. Bedingung jeder Freundschaft
zwischen Frauen ist also zu oberst, daß ein Rivalisieren zwischen ihnen
ausgeschlossen sei: es gibt keine Frau, die sich nicht körperlich mit
jeder anderen Frau sofort vergliche, welche sie kennen lernt. Lediglich
in jenen Fällen großer _Un_gleichheit und _aussichtsloser_ Konkurrenz
kann die Häßliche für die Schönere schwärmen, weil diese für sie, ohne
daß es beiden im geringsten bewußt würde, das nächste Mittel ist,
_selbst sexuell befriedigt zu werden_: es ist nicht anders, sie fühlt
sich gleichsam _$in$ jener_ koitiert.[77] Das völlig _unpersönliche_
Leben der Frauen, wie auch der überindividuelle Sinn ihrer Sexualität,
die Kuppelei als der Grundzug ihres Wesens, leuchtet hieraus deutlich
hervor. Sie verkuppeln sich _wie_ die anderen, sich _in_ den anderen.
_Das Mindeste, was auch das häßlichste Weib verlangt, und woran es
schon ein gewisses Genügen findet, ist, daß überhaupt irgend eine ihres
Geschlechtes bewundert, begehrt werde._
Mit diesem völlig verschmolzenen Leben des Weibes hängt es zusammen,
daß die Frauen _nie wirklich Eifersucht_ fühlen. So gemein Eifersucht
und Rachedurst sind, es steckt in beiden ein Großes, dessen die
Frauen, wie aller Größe, im Guten oder im Bösen, _un_fähig sind. In
der Eifersucht, liegt ein verzweifelter Anspruch auf ein vorgebliches
Recht, und der Rechtsbegriff ist den Frauen transcendent. Aber der
hauptsächlichste Grund, daß die Frau auf einen einzelnen Mann nie ganz
eifersüchtig sein kann, ist ein anderer. Wenn der Mann, auch einer, in
den sie rasend verliebt wäre, im Zimmer neben dem ihren eine andere
Frau umarmte und besäße, so würde sie der Gedanke hieran sexuell
selbst so erregen, daß für die Eifersucht kein Platz bliebe. Dem Manne
würde eine solche Scene, wenn er um sie wüßte, höchst widerlich und
abstoßend sein, und ihm den Aufenthalt in der Nähe verekeln; das Weib
bejaht innerlich beinahe fieberhaft den ganzen Hergang; oder es wird
hysterisch, wenn es sich nicht eingestehen will, daß es zu tiefst auch
diese Vereinigung nur _gewünscht_ hat.
Ferner gewinnt über den Mann der Gedanke an den fremden Koitus nie
völlig Gewalt, er steht außer und über einem solchen Erlebnis, das für
ihn eigentlich gar keines ist; die Frau aber verfolgt den Prozeß kaum
selbst_tätig_, sie ist in _fieberhafter Erregung_ und wie _festgebannt_
durch den Gedanken, was hart neben ihr sich vollzieht.
Oft mag auch das Interesse des _Mannes_ an seinem Mitmenschen, der ihm
ein Rätsel ist, bis auf dessen sexuelles Leben sich erstrecken; aber
jene _Neugier_, welche den Nebenmenschen gewissermaßen zur Sexualität
_zwingt_, ist nur den Weibern eigentümlich, von ihnen jedoch ganz
allgemein betätigt, in gleicher Weise Frauen wie Männern gegenüber.
Eine Frau interessieren an jedem Menschen zunächst und vor allem seine
_Liebschaften_, und er ist ihr intellektuell nur so lange dunkel und
reizvoll, als sie über diesen Punkt nicht im Klaren ist.
Aus alledem geht nochmals klar hervor, daß Weiblichkeit und Kuppelei
identisch sind: eine rein _immanente_ Betrachtung des Gegenstandes
würde denn auch mit dieser Feststellung ihr Ende erreicht haben müssen.
Meine Absicht ging aber weiter; und ich glaube nun bereits angedeutet
zu haben, wie das Weib als Position, als Kupplerin, zusammenhängt mit
dem Weibe als Negation, das eines höheren Lebens als Monade gänzlich
entbehrt. Das Weib verwirklicht eine einzige Idee, die ihm selbst eben
darum nie zum Bewußtsein kommen kann, jene Idee, welche der Idee der
Seele am äußersten entgegengesetzt ist. Ob sie nun als Mutter nach
dem Ehebett verlangt oder als Dirne das Bacchanal bevorzugt, ob sie
zu zweien Familie begründen will oder nach den Massenverschlingungen
des Venusberges hinstrebt, sie handelt stets _nach der Idee der
Gemeinschaft_, jener Idee, welche die _Grenzen_ der Individuen, durch
_Vermischung_, am weitesten aufhebt.
So ermöglicht hier eines das andere: Emissärin des Koitus kann nur
ein Wesen ohne Individualität, ohne Grenzen sein. Nicht ohne Grund
ist in der Beweisführung so weit ausgeholt worden, wie es sicherlich
noch nie in einer Behandlung dieses Gegenstandes, noch auch sonst je
einer charakterologischen Arbeit geschehen ist. Das Thema ist darum
so ergiebig, weil hier der Zusammenhang alles höheren Lebens auf der
einen und alles niederen Lebens auf der anderen Seite sich offenbaren
muß. Jede Psychologie und jede Philosophie findet hier einen Prüfstein,
vorzüglicher als die meisten anderen, auf daß sie an ihm sich erprobe.
Nur darum bleibt das Problem Mann-Weib in aller Charakterologie das
interessanteste Kapitel, nur darum habe ich es zum Objekte einer so
umfassenden, weit ausgreifenden Untersuchung gewählt.
Man wird an dem Punkte, zu welchem die Darlegung nun gelangt ist,
sicherlich offen fragen, was man bisher vielleicht nur als Bedenken
bei sich erwogen hat: ob denn dieser Anschauung die Frauen überhaupt
noch Menschen seien? Ob sie nach der Theorie des Verfassers nicht
eigentlich unter die Tiere oder die Pflanzen gerechnet werden müßten?
Denn sie entbehrten, nach seiner Auffassung, einer höheren als der
sinnlichen Existenz nicht minder denn jene, sie hätten so wenig teil am
ewigen Leben wie die übrigen Organismen, denen persönliche Fortdauer
kein Bedürfnis und keine Möglichkeit ist. Eine metaphysische Realität
sei beiden gleich wenig beschieden, sie _seien_ alle nicht, das Weib
nicht, noch auch das Tier, noch die Pflanze -- alle nur Erscheinung,
nirgends etwas vom Ding an sich. Der Mensch ist, nach der Ansicht, die
sein Wesen am tiefsten erfaßt hat, ein Spiegel des Universums, er ist
der Mikrokosmus; die Frau aber ist absolut ungenial, sie lebt nicht im
tiefen Zusammenhange mit dem All.
In _Ibsens_ »Klein Eyolf« spricht das Weib an einer schönen Stelle zum
Manne:
_Rita_: Wir sind doch schließlich nur Menschen.
_Allmers_: Auch mit Himmel und Meer sind wir ein wenig verwandt, Rita.
_Rita_: _Du vielleicht. Ich nicht._
Ganz bündig liegt hierin die Einsicht des Dichters, daß die Frau zur
Idee der Unendlichkeit, zur Gottheit, kein Verhältnis hat: weil ihr
die Seele fehlt. Zum _Brahman_ dringt man, nach den Indern, nur durch
das _Âtman_ vor. Das Weib ist nicht Mikrokosmus, es ist nicht nach dem
Ebenbilde der Gottheit entstanden. Ist es also noch Mensch? Oder ist es
Tier? Oder Pflanze?
Den Anatomen müssen diese Fragen wohl recht lächerlich bedünken, und
er wird einen Standort von vornherein für verfehlt halten, auf dessen
Boden solche Problemstellungen erwachsen können. Ihm ist das Weib
homo sapiens und von allen übrigen Spezies wohl unterschieden, dem
menschlichen Manne nicht anders zugeordnet als das Weibchen in jeder
Art und Gattung sonst seinem Männchen. Und der Philosoph darf gewiß
nicht sagen: Was gehen mich die Anatomen an! Mag er auch von dieser
Seite noch so wenig Verständnis erhoffen für das, was ihn bewegt: er
spricht hier über anthropologische Dinge, und, wenn er die Wahrheit
findet, darf auch die morphologische Tatsache um ihr Recht nicht
verkürzt worden sein.
In der Tat! Zwar stehen die Frauen sicherlich in ihrem Unbewußten der
Natur näher als der Mann. Die Blumen sind ihre Schwestern, und daß sie
von den Tieren minder weit entfernt sind als der Mann, dafür zeugt, daß
sie zur Sodomie sicherlich mehr Neigung haben als er (Pasiphae- und
Leda-Mythus. Auch das Verhältnis zum Schoßhündchen ist wahrscheinlich
ein noch weit sinnlicheres, als man gewöhnlich es sich ausmalt).[78]
Aber die Frauen sind Menschen. Selbst W, die wir ohne jede Spur des
intelligiblen Ich denken, ist doch immerhin das Komplement zu M. Und
sicherlich ist die Tatsache der besonderen _sexuellen_ und _erotischen_
Ergänzung des menschlichen Mannes durch das _menschliche_ Weib wenn
auch nicht jene sittliche Erscheinung, von welcher die Fürsprecher
der Ehe schwatzen, so doch von ungeheuerer Bedeutung für das Problem
der Frau. Die Tiere sind ferner bloß Individuen, die Frauen Personen
(wenn auch nicht Persönlichkeiten). Die äußere Urteilsform, wenn auch
nicht die innere, die Sprache, obgleich nicht die Rede, ein gewisses
Gedächtnis, obschon keine kontinuierliche Einheit des Selbstbewußtseins
ist ihnen verliehen. Für alles im Manne besitzen sie eigentümliche
_Surrogate_, die noch fortwährend jene Verwechslungen begünstigen,
denen die Schätzer der Weiblichkeit so gerne unterliegen.
Es ist keine andere Frage als die nach dem _letzten Wesen des
Geschlechtsgegensatzes_, die hiemit neu aufgeworfen erscheint. Die
Rolle, welche das männliche und das weibliche Prinzip im Tier- und im
Pflanzenreiche spielen, bleibt hier _außer_ Betracht; es handelt sich
einzig um den Menschen. Daß solche Prinzipien der Männlichkeit und
Weiblichkeit nicht als metaphysische Ideen, sondern als theoretische
Begriffe angenommen werden müssen, darauf lief die ganze Untersuchung
gleich zu Anfang hinaus. Welche gewaltigen Unterschiede zwischen Mann
und Weib, weit über die bloße physiologisch-sexuelle Differenz hinaus,
ohne Frage zumindest beim _Menschen_ bestehen, das hat der ganze
weitere Verlauf der Betrachtung gezeigt. Jene Anschauung also, welche
in der Tatsache des Dualismus der Geschlechter nichts weiter erblickt
als eine Vorrichtung zur Distribution verschiedener Funktionen auf
verschiedene Wesen im Sinne einer Teilung der physiologischen Arbeit
-- eine Auffassung, die, wie ich glaube, dem Zoologen _Milne-Edwards_
ihre besondere Verbreitung zu danken hat -- erscheint hienach völlig
unannehmbar; über ihre ans Lächerliche streifende Oberflächlichkeit und
intellektuelle Genügsamkeit ist weiter kein Wort zu verlieren. Zwar ist
der _Darwinismus_ der Popularisierung dieser Ansicht besonders günstig
gewesen, und man hat sogar ziemlich allgemein an ein Hervorgehen der
geschlechtlich differenzierten Organismen aus einem früheren Stadium
sexueller Ungeschiedenheit gedacht: durch einen Sieg der einer solchen
Funktionsentlastung teilhaft gewordenen Wesen über die primitiveren,
überbürdeten, ungeschlechtlichen oder doppelgeschlechtlichen Arten.
Daß aber eine solche »Entstehung des Geschlechtes« infolge der
»Vorzüge der Arbeitsteilung«, der »Erleichterung im Kampfe ums Dasein«
eine, ganz _unvollziehbare Vorstellung ist_, hat, lange vor den
modernen Totenkäfern _Darwins_, Gustav Theodor _Fechner_ in einer
unwiderleglichen Argumentation dargetan.
Isoliert ist der Sinn von Mann und Weib nicht zu erforschen; sie
können in ihrer Bedeutung nur aneinander erkannt und gegeneinander
bestimmt werden. _In ihrem Verhältnis zueinander_ muß der Schlüssel
für das Wesen _beider_ zu finden sein. Bei dem Versuche, die Natur
der Erotik zu ergründen, ist bereits kurz auf ihn angespielt worden.
_Es ist das Verhältnis von Mann und Weib kein anderes als das von
$Subjekt$ und $Objekt$. $Das Weib sucht seine Vollendung als Objekt.$_
Es ist die _Sache_ des Mannes, oder die _Sache_ des Kindes, und will,
trotz aller Bemäntelung, nicht anders genommen werden denn wie eine
_Sache_. Niemand mißversteht so sehr, was eine Frau wirklich will,
als wer sich für das interessiert, was in ihr vorgeht, und für ihre
Gefühle und Hoffnungen, für ihre Erlebnisse und innere Eigenart eine
Teilnahme in sich aufkommen läßt. Die Frau _will nicht_ als _Subjekt_
behandelt werden, sie will stets und in alle Wege -- das ist eben
ihr Frau-Sein -- lediglich _passiv_ bleiben, _einen Willen auf sich
gerichtet fühlen_, sie will nicht gescheut noch geschont, _sie will
nicht $geachtet$ sein_. Ihr Bedürfnis ist vielmehr, nur als Körper
begehrt, und nur als fremdes Eigentum besessen zu werden. _Wie die
bloße Empfindung erst Realität gewinnt, indem sie begrifflich, d. h.
$Gegenstand$ wird, so gelangt das Weib zu seinem Dasein und zu einem
Gefühle desselben erst, indem es vom Manne oder vom Kinde, als dem
Subjekte, zu dessen $Objekt$ erhoben wird, und so eine Existenz
geschenkt erhält._
_Was erkenntnistheoretisch der Gegensatz des Subjekts zum Objekt, das
sagt ontologisch die Gegenüberstellung von $Form$ und $Materie$._ Sie
ist nur die Übersetzung jener Unterscheidung aus dem Transcendentalen
ins Transcendente, aus dem Erfahrungskritischen ins Metaphysische.
Die Materie, das absolut _Un_individualisierte, das, was _jede_ Form
annehmen kann, selbst aber keine bestimmten und dauernden Eigenschaften
hat, ist das, was so wenig _Essenz_ besitzt, wie der bloßen Empfindung,
der Materie der Erfahrung, an sich schon _Existenz_ zukommt. Während
also der Gegensatz von Subjekt und Objekt ein solcher der Existenz ist
(_indem die Empfindung erst als ein dem Subjekte gegenübergestellter
Gegenstand Realität gewinnt_), bedeutet der Gegensatz von Form und
Materie einen Unterschied der Essenz (_die Materie ist ohne Formung
absolut qualitätenlos_). Darum konnte _Platon_ die Stofflichkeit,
die bildsame Masse, das an sich formlose ἄπειρον, den knetbaren Teig
des ἐκμαγεῖον, das, worein die Form eingeht, ihren Ort, ihre χώρα,
das ἐν ᾧ, jenes ewig _Zweite_, _Andere_, das θάτερον, auch $als das
Nichtseiende$, als das µὴ ὄν bezeichnen. Der zieht den tiefsten Denker
auf das Niveau der vordersten Oberflächlichkeit, der ihn, wie dies
häufig geschieht, meinen läßt, sein Nichtseiendes sei der _Raum_. Gewiß
wird kein bedeutender Philosoph dem Raum eine metaphysische Existenz
zuschreiben, aber ebensowenig kann er ihn für _das_ Nichtseiende an
sich halten. Es charakterisiert gerade den ahnungslosen, frechen
Schwätzer, daß der leere Raum für ihn »Luft«, »Nichts« ist; erst dem
vertieften Nachdenken gewinnt er an Realität, und wird ihm Problem.
Das Nichtseiende _Platons_ ist gerade das, was dem _Philister_ als das
denkbar _Realste_, als die Summation der Existenzwerte erscheint, _es
ist nichts anderes als die Materie_.
Ist es also eine zu klaffende Diskontinuität, wenn ich im Anschluß
an _Plato_, der selbst sein jede Form Annehmendes vergleichsweise
als die _Mutter_ und _Amme_ alles Werdens bezeichnet, auf den Spuren
des _Aristoteles_, dessen Naturphilosophie _im Zeugungsakte_ dem
weiblichen Prinzip die _stoffliche_, dem männlichen die _formende_
Rolle zuerteilt hat -- ist es Willkür, wenn ich, in Übereinstimmung mit
dieser Anschauung und Erweiterung derselben, _die Bedeutung des Weibes
für den Menschen nun überhaupt in der Vertretung der Materie erblicke_?
Der Mann, als Mikrokosmus, ist beides, zusammengesetzt aus höherem und
niederem Leben, aus metaphysisch Existentem und Wesenlosem, aus Form
und Materie: das _Weib_ ist _nichts_, _es ist $nur$ Materie_.
Erst _diese_ Erkenntnis bildet den Schlußstein des Gebäudes, von
ihr aus wird alles deutlich, was noch unklar war, und rundet sich
zum geschlossenen Zusammenhange. Das geschlechtliche Streben des
Weibes geht nach _Berührung_, es ist nur _Kontrektations-_ und nicht
Detumeszenztrieb.[79] Dem entspricht, daß sein feinster Sinn, und
zugleich der einzige, bei ihm weiter als beim Manne entwickelte Sinn
das _Tastgefühl_ ist.[80] Auge und Ohr führen beide ins Unbegrenzte
und lassen eine Unendlichkeit ahnen; der Tastsinn erfordert engste
körperliche Nähe zur eigenen Betätigung; man vermengt sich mit dem, was
man angreift: er ist der eminent schmutzige Sinn, und wie geschaffen
für ein auf körperliche Gemeinschaft angelegtes Wesen. Was durch ihn
vermittelt wird, ist die Widerstandsempfindung, die Wahrnehmung des
Palpablen; und eben von der _Materie_ läßt sich, wie _Kant_ gezeigt
hat, nichts anderes aussagen, als daß sie eine derartige Raumerfüllung
ist, die allem, was in sie einzudringen strebt, einen gewissen
_Widerstand_ entgegensetzt. Die Erfahrung des »Hindernisses« hat, wie
den psychologischen (nicht den erkenntnistheoretischen) _Ding_begriff,
so auch den übergroßen Realitätscharakter geschaffen, welchen die
Data des Tastsinnes für die meisten Menschen immer besitzen, als die
solideren, »primären« Qualitäten der Erfahrungswelt. Aber nichts
anderes als der ihm stets anhaftende letzte Rest von Weiblichkeit
ist es, der bewirkt, daß für den Mann die Materie den Charakter der
eigentlichen Realität gefühlsmäßig nie vollständig _verliert_. Gäbe
es einen absoluten Mann, so wäre ihm die Materie auch _psychologisch_
(nicht nur logisch) kein irgendwie Seiendes mehr.
Der Mann ist Form, das Weib Materie. Ist das richtig, so muß es auch
in dem Verhältnis ihrer psychischen Einzelerlebnisse zueinander einen
Ausdruck finden. Die längst festgestellte Gliederung der Inhalte des
männlichen Seelenlebens gegenüber dem unartikulierten und chaotischen
Vorstellen des Weibes verkündet nichts anderes als diesen nämlichen
Gegensatz von Form und Materie. Die Materie will geformt werden: _darum
verlangt_ das Weib vom Manne die _Klärung_ seiner verworrenen Gedanken,
die _Deutung der Heniden_.[81]
Die Frauen sind die Materie, die jede Form annimmt. Jene
Untersuchungen, welche für die Mädchen eine bessere Erinnerung speziell
an den Lehrstoff ergeben haben, als für die Knaben, können nur so
erklärt werden: aus der Inanität und Nullität der Frauen, die mit allem
Beliebigen _imprägniert_ werden können, indes der Mann nur behält, was
ihn wirklich interessiert, und alles übrige _vergißt_ (vgl. Teil II,
S. 147, 168). Aber vor allem geht das, was die _Schmiegsamkeit_ des
Weibes genannt wurde, seine außerordentliche _Beeinflußbarkeit_ durch
das fremde Urteil, seine _Suggestibilität_, seine völlige _Umschaffung_
durch den Mann auf dieses Bloß-Materie-Sein, diesen _Mangel_ jeder
_ursprünglichen Form_ zurück. _Das Weib $ist$ nichts, und darum, $nur$
darum $kann es alles werden$; während der Mann stets nur werden kann,
was er $ist$._ Aus einer Frau kann man machen, _was man will_; dem
Manne höchstens zu dem verhelfen, was _er_ will. Darum hat, in der
wahren Bedeutung des Wortes, eigentlich nur _Frauen_, nicht Männer,
zu _erziehen_ einen _Sinn_. Am Manne wird durch alle Erziehung
nie irgend ein Wesentliches geändert; im Weibe kann sogar seine
eigenste Natur, die Hochwertung der Sexualität, durch äußeren Einfluß
völlig zurückgedrängt werden. Das Weib mag alles scheinen und alles
verleugnen, aber es _ist_ nie irgend etwas in Wahrheit.
Man wird freilich, selbst wenn man mit den bisherigen Ableitungen
sollte einverstanden sein, ihnen zum Vorwurf machen, daß sie keine
Auskunft darüber gäben, $was$ denn der _Mann_ eigentlich _sei_. Läßt
sich von ihm, wie vom Weibe _Kuppelei_ und _Wesenlosigkeit_, irgend
etwas als allgemeine Eigenschaft prädizieren? Gibt es überhaupt einen
_Begriff_ des Mannes, wie es einen Begriff des Weibes gibt, und läßt
sich dieser Begriff ähnlich definieren?
Hierauf ist zu antworten, daß die Männlichkeit eben in der _Tatsache_
der Individualität, der wesenhaften Monade liegt und sich mit ihr
deckt. Jede Monade aber ist von jeder anderen um ein _Unendliches_
verschieden, und darum keine subsumierbar unter einen umfassenderen
Begriff, der mehreren Monaden Gemeinsames enthielte. Der _Mann_
ist der _Mikrokosmus_, in ihm sind _alle_ Möglichkeiten überhaupt
enthalten. Man hüte sich dies zu verwechseln mit der _universellen
$Suszeptibilität$_ der Frau, die alles wird, _ohne irgend etwas zu
sein_, indes der Mann alles _ist_ und davon mehr oder weniger, je nach
seiner Begabung, auch _wird_. Der Mann hat auch das Weib, er hat auch
Materie in sich, und kann diesen Teil seines Wesens sich entwickeln
lassen, d. h. verkommen und entarten; oder er kann ihn erkennen und
bekämpfen -- _darum_ kann _er_, und _nur $er$_, über die Frau zur
Wahrheit gelangen (Teil II, S. 106-108). _Das Weib aber hat keine
Möglichkeit einer Entwicklung, außer durch den Mann._
Ganz deutlich wird die Bedeutung von Mann und Weib immer erst in
der Betrachtung ihrer gegenseitigen _sexuellen_ und _erotischen
Relationen_. Das tiefste Begehren der Frau ist, vom Manne _geformt_
und _dadurch erst geschaffen_ zu werden. Die Frau wünscht, daß der
Mann ihr Meinungen beibringe, _ganz andere_, als sie bisher gehabt
hat, sie will durch ihn umgestoßen sehen, was sie bisher für richtig
hielt (Gegenteil der Pietät, S. 161), sie will als Ganzes _widerlegt
sein_, und erst _neugebildet_ werden durch ihn. Der Wille des Mannes
_schafft_ erst die Frau, er _gebietet_ über sie, und _verändert
sie von Grund auf_ (Hypnose). Hier ist auch endlich Klärung über
das Verhältnis des Psychischen zum Physischen bei Mann und Weib zu
finden. Für den Mann wurde früher die Wechselwirkung, und zwar nur im
Sinne einer einseitigen Schöpfung des Leibes durch die transcendente
Psyche, als die Projektion derselben auf die Erscheinungswelt, für
das Weib hingegen der Parallelismus eines bloß Empirisch-Psychischen
und Empirisch-Physischen angenommen. Jetzt ist klar, daß auch beim
Weibe eine Wechselwirkung Geltung hat. Aber während beim _Manne_,
nach _Schopenhauers_ wahrster Lehre, daß der Mensch sein eigenes Werk
sei, der _eigene_ Wille sich den Körper _schafft_ und _umschafft_,
wird das _Weib_ durch den _fremden_ Willen körperlich _beeinflußt_
und _umgebildet_ (Suggestion, Versehen). Der Mann formt also nicht
nur sich, sondern auch, ja leichter noch, das Weib. Jene Mythen der
Genesis und anderer Kosmogonien, welche das Weib vom Manne geschaffen
sein lassen, haben eine tiefere Wahrheit verkündet als die biologischen
Deszendenzlehren, die an ein Hervorgehen des Männlichen aus dem
Weiblichen glauben.
Auch jene im 9. Kapitel (S. 279) offen gelassene Frage, wie das Weib,
ohne selbst Seele und Willen zu besitzen, doch in der Lage sein könne,
herauszufinden, in welchem Maße der Mann mit ihnen ausgestattet ist,
auch diese schwierigste Frage mag jetzt zu beantworten versucht werden.
Man muß sich nur darüber klar geworden sein, daß, was die Frau bemerkt,
und wofür sie ein Organ hat, nicht die _besondere_ Natur eines Mannes
ist, sondern nur die _allgemeine Tatsache_ und etwa noch der _Grad_
seiner _Männlich$keit$_. Es ist ganz falsch, _Heuchelei, oder aus der
späteren Imprägnation mit dem männlichen Wesen zu Unrecht erschlossen_,
daß die Frau ein ursprüngliches _Verständnis_ für die _Individualität_
des Mannes habe.[82] Der Verliebte, der durch das unbewußte Simulieren
eines tieferen Begreifens von Seite des Weibes so leicht zu foppen
ist, mag an ein Verständnis seiner selbst durch ein Mädchen glauben;
wer weniger genügsam ist, wird es sich nicht verhehlen können, daß
die Frauen nur für das _Daß_, nicht für das _Was_ der Seele, nur
für die _formale allgemeine Tatsache_, nicht für die _Besonderheit_
der Persönlichkeit einen Sinn besitzen. Denn um _spezielle_ Form
perzipieren und apperzipieren zu können, müßte die Materie an sich
nicht _formlos_ sein; das Verhältnis der Frau zum Mann ist aber kein
anderes als das der Materie zur Form, und ihr Verständnis für ihn
nichts als Bereitwilligkeit, möglichst kräftig geformt zu werden, der
Instinkt des Existenzlosen für Existenz. Also dieses »Verständnis«
ist kein theoretisches, es ist kein Anteilnehmen, sondern ein
Anteilhabenwollen; es ist zudringlich und egoistisch. Die Frau hat kein
Verhältnis zum _Manne_ und keinen Sinn für den Mann, sondern nur einen
für _Männlichkeit_; und wenn sie für sexuell anspruchsvoller gehalten
werden darf als er, so ist diese Anspruchsfülle nichts anderes als das
intensive Begehren nach ausgiebigster und stärkster Formung: _es ist
das Warten auf das größtmögliche Quantum von Existenz_.
Und nichts anderes ist schließlich auch die _Kuppelei_. Die Sexualität
der Frauen ist _über_individuell, weil sie nicht abgegrenzte, geformte,
individualisierte Wesenheiten im höheren Sinne darstellen. Der höchste
Augenblick im Leben des Weibes, der, in dem sein _Ur_sein, die _Urlust_
sich offenbart, ist jener Moment, wo der männliche Same in es fließt.
Da umarmt es den Mann stürmisch und preßt ihn an sich: es ist die
höchste Lust der Passivität, stärker noch als das Glücksgefühl der
Hypnotisierten, die Materie, welche eben geformt wird und die Form
nicht loslassen, sie ewig an sich binden will. Dieses unendliche
Trachten der Armut, dem Reichtum sich zu gesellen, das gänzlich
formlose und darum überindividuelle Streben des _Un_gegliederten, die
Form zur Berührung mit sich zu bringen, sie dauernd festzuhalten und
so Existenz zu gewinnen, liegt der Kuppelei im Tiefsten zu Grunde. Daß
das Weib nicht Monade ist und keine Grenzen hat, dadurch ist Kuppelei
nur _ermöglicht_; zur _Wirklichkeit_ wird sie, weil es die Idee des
_Nichts_, der _Materie_ repräsentiert, die unaufhörlich und in jeder
Weise die Form zur Vermengung mit sich zu verführen trachtet. Kuppelei
ist das ewige Drängen des Nichts zum Etwas.
So hat sich allmählich die Dualität von Mann und Weib zum Dualismus
überhaupt entwickelt, zum Dualismus des höheren und des niederen
Lebens, des Subjekts und Objekts, der Form und der Materie, des Etwas
und des Nichts. Alles metaphysische, alles transcendentale Sein ist
logisches und moralisches Sein: _das Weib ist alogisch und amoralisch_.
Es enthält aber auch keine Abkehr vom Logischen und Moralischen, es ist
nicht _anti_logisch, es ist nicht _anti_moralisch. Es ist nicht das
_Nicht_, sondern das _Nichts_, es ist _weder Ja_, _noch_ ist es _Nein_.
Der _Mann_ birgt in sich die Möglichkeit zum absoluten Etwas _und_ zum
absoluten Nichts, und darum hat all sein Handeln eine _Richtung_ nach
dem einen oder dem anderen: das Weib _sündigt_ nicht, _denn es ist
selbst $die$ Sünde, als $Möglichkeit$ im Manne_.
_Der reine Mann ist das Ebenbild Gottes, des absoluten $Etwas$, das
Weib, auch das Weib im Manne, ist das Symbol des $Nichts$: das ist die
Bedeutung des Weibes im Universum, und so ergänzen und bedingen sich
Mann und Weib._ Als des Mannes _Gegensatz_ hat das Weib einen Sinn und
eine Funktion im Weltganzen; und wie der menschliche Mann über das
tierische Männchen, so reicht das menschliche Weib über das Weibchen
der Zoologie hinaus.[83] _Kein begrenztes Sein, kein begrenztes
Nichtsein_ (wie im Tierreich) liegen im _Menschen_ im Kampfe: _was
hier sich gegenübersteht, ist unbegrenztes Sein_ und _unbegrenztes
Nichtsein_. _Darum_ machen erst Mann und Weib _zusammen_ den Menschen
aus.
Der _Sinn_ des Weibes ist es also, _Nicht-Sinn_ zu sein. Es
repräsentiert das _Nichts_, den Gegenpol der Gottheit, die _andere
Möglichkeit_ im Menschen. Darum gilt mit Recht nichts für gleich
verächtlich, als der Weib gewordene Mann, und wird ein solcher
Mann geringer geachtet als selbst der stumpfsinnigste und roheste
Verbrecher. Und so erklärt sich auch jene tiefste _Furcht_ im Manne:
die _Furcht vor dem Weibe_, das ist die _Furcht vor der Sinnlosigkeit_:
das ist die Furcht _vor dem lockenden Abgrund des Nichts_.
Das _alte Weib_ offenbart erst ganz und gar, was das Weib
in Wirklichkeit ist. Die Schönheit der Frau wird, auch rein
erfahrungsgemäß, nur _geschaffen_ durch die _Liebe_ des Mannes: die
Frau wird schöner, wenn ein Mann sie liebt, _weil sie passiv dem Willen
entspricht, der in seiner Liebe liegt_; so mystisch dies klinge, es ist
nur eine alltägliche Beobachtung. Das alte Weib zeigt, wie das Weib
nie schön _war_: _wäre_ das Weib, so wäre die Hexe nicht. Aber das
Weib _ist_ nichts, ein hohles Gefäß, eine Zeitlang überschminkt und
übertüncht.
Alle Qualitäten der Frau hängen an ihrem Nicht-Sein, an ihrer
_Wesenlosigkeit_: weil sie kein wahres, unwandelbares, sondern nur ein
irdisches Leben hat, darum begünstigt sie als Kupplerin die Zeugung in
_diesem_, darum ist sie durch den Mann, der sinnlich auf sie wirkt, vom
Grund auf umzuschaffen und empfänglich überhaupt. So vereinigen sich
die drei fundamentalen Eigenschaften des Weibes, welche dieses Kapitel
aufgedeckt hat, und schließen sich zusammen in seinem Nicht-Sein.
Aus dem Begriff des Nicht-Seins ergeben sich Veränderlichkeit
und Verlogenheit, als die zwei _negativen_ Bestimmungen, durch
_unmittelbare_ Deduktion. Bloß Kuppelei, als die einzige _Position_ im
Weibe, folgt aus ihm nicht gleich rasch durch einfache Analyse.
Und das ist wohl begreiflich. Denn das _Dasein_ des Weibes ist selbst
_identisch_ mit der Kuppelei, mit Bejahung aller Sexualität überhaupt.
_Kuppelei ist nichts anderes als universale Sexualität_; daß das Weib
ist, heißt nichts anderes, als daß in der Welt ein radikaler Hang zu
allgemeiner Sexualität besteht. _Die Kuppelei noch weiter $kausal$
zurückführen bedeutet so viel als das $Dasein des Weibes erklären$._
Wenn hiezu von der Tafel des zwiefachen Lebens (S. 378) ausgegangen
wird, so ist die _Richtung vom höchsten Leben weg zum irdischen hin_,
das _Ergreifen des Nicht-Seienden statt des Seienden_, der _Wille zum
Nichts_, das _Nicht_, das _An-Sich-Böse_. _Anti_moralisch ist die
_Bejahung_ des _Nichts_: das Bedürfnis, _Form in Formloses, in Materie
zu verwandeln_, das Bedürfnis zu _zerstören_.
_Das Nicht aber ist dem Nichts verwandt. Und darum besteht ein
so tiefer Zusammenhang zwischen allem Verbrecherischen und allem
Weiblichen._ Das _Anti_moralische berührt sich eben mit dem
$A$moralischen, von dem es in dieser Untersuchung zuerst ausdrücklich
_getrennt_ wurde, im gemeinsamen Begriffe des _Un_moralischen, und
die gewöhnliche unterschiedslose Verwechslung beider erfährt nun
dennoch eine gewisse Rechtfertigung. Denn das Nichts ist _allein_
eben -- _nichts_, es _ist_ nicht, es hat weder Existenz noch Essenz.
Es ist stets nur das _Mittel_ des Nicht, das, was _durch_ das _Nein_
dem _Etwas gegenübergestellt_ wird. _Erst indem der Mann seine eigene
Sexualität bejaht, indem er das Absolute verneint, sich vom ewigen
Leben ab-, dem niederen zukehrt, erhält das Weib Existenz. $Nur indem
das Etwas zum Nichts kommt, kann das Nichts zum Etwas kommen.$_
Der _bejahte Phallus_ ist das _Anti_moralische. Darum wird er als das
Häßlichste empfunden; darum wurde er stets in einer Beziehung zum Satan
gedacht: den Mittelpunkt der _Dante_schen _Hölle_ (das Zentrum des
Erdinneren) bildet der _Geschlechtsteil Lucifers_.
$So erklärt sich denn die absolute Gewalt der männlichen
Geschlechtlichkeit über das Weib$.[84] _Nur indem der Mann $sexuell$
wird, erhält das Weib Existenz und Bedeutung: sein Dasein ist an
den Phallus geknüpft, und $darum$ dieser sein höchster Herr $und$
unumschränkter Gebieter._ Der Geschlecht gewordene Mann ist das Fatum
des Weibes; der Don Juan der einzige Mensch, vor dem es bis zum Grunde
erzittert.
$Der Fluch, den wir auf dem Weibe lastend ahnten, ist der böse Wille
des Mannes$: das _Nichts_ ist nur ein Werkzeug in der Hand des _Nicht_.
Die Kirchenväter drückten dasselbe pathetischer aus, als sie das Weib
das Instrument des Teufels nannten. Denn _an sich_ ist die Materie
_nichts_, _erst die Form muß ihr Existenz geben wollen_. Der Sündenfall
der Form ist eben jene Verunreinigung, die sie auf sich lädt, indem es
sie treibt, an der Materie sich zu betätigen. _Als der Mann $sexuell$
ward, da $schuf$ er das $Weib$._
_Daß das Weib da ist, heißt also nichts anderes, als daß vom Manne die
Geschlechtlichkeit bejaht wurde. Das Weib ist nur das $Resultat$ dieser
Bejahung, es ist die Sexualität selber_ (S. 116).
Das Weib ist in seiner Existenz _abhängig_ vom Manne: indem der Mann
zum Manne, als Gegenteil des Weibes, indem er geschlechtlich wird,
_setzt_ er das Weib und ruft es ins Dasein. Deshalb muß dem Weibe alles
daran gelegen sein, den Mann _sexuell zu erhalten_: denn es hat so viel
Existenz als der Mann Geschlechtlichkeit. _Deshalb_ muß der Mann, so
will sie es, _ganz zum Phallus werden_, $deshalb kuppelt die Frau$.
Sie ist unfähig, ein Wesen anders denn als Mittel zum Zweck, zu diesem
Zweck des Koitus zu gebrauchen: denn mit ihr ist selbst $kein anderer
Zweck$ verfolgt, als der, $den Mann schuldig werden zu lassen$. Und sie
wäre _tot_ in dem Augenblick, da der Mann _seine_ Sexualität überwunden
hätte.
Der Mann hat das Weib geschaffen und schafft es immer neu, so lange
er noch sexuell ist. Wie er der Frau das _Bewußtsein_ gab (Teil II,
Kapitel 3, Ende), so gibt er ihr das _Sein_. Indem er auf den Koitus
nicht verzichtet, ruft er das Weib hervor. $Das Weib ist die Schuld des
Mannes.$
Diese Schuld gut zu machen, dazu soll ihm die Liebe dienen. Hiedurch
hellt sich auf, was der Schluß des vorigen Kapitels nur wie einen
dunklen Mythos einführte. Was der Mann durch die Schöpfung des Weibes,
das ist durch die Bejahung des Koitus verbrochen hat und noch
fortwährend verbricht, _das bittet er dem Weibe ab als Erotiker_.
Denn von wannen sonst käme die nie und nimmer sich genug tuende
_Generosität_ aller Liebe? Woher, daß die Liebe gerade dem Weibe, und
nicht einem anderen Wesen, Seele zu schenken beflissen ist? Durchaus
ist das Weib nur der Gegenstand, den sich der Trieb des Mannes erzeugt
hat als das eigene Ziel, es ist die Objektivation der männlichen
Sexualität, _die verkörperte Geschlechtlichkeit, seine Fleisch
gewordene Schuld_. Die _Liebe_ soll die Schuld über_decken_, statt sie
zu über_winden_; sie _$er$hebt_ das Weib, statt es _$auf$zuheben_. Das
Etwas schließt das Nichts in seine Arme, und glaubt so die Welt von der
Negation zu befreien, und alle Widersprüche zu versöhnen: da doch das
Nichts nur verschwinden könnte, wenn das Etwas sich ihm fern hielte.
Die Liebe des Mannes ist sein kühnster, äußerster Versuch, das Weib
als Weib sich zu retten, statt es als solches zu verneinen. Nur daher
stammt ihr Schuldbewußtsein: durch sie soll Schuld selbst _weggeräumt_,
statt _gesühnt_ werden.
$Denn das Weib ist nur die Schuld und nur durch die Schuld des Mannes;
und wenn Weiblichkeit Kuppelei bedeutet, so nur, weil alle Schuld
von selbst sich zu vermehren trachtet.$ Was die Frau, ohne je anders
zu können, durch ihr bloßes Dasein, durch ihr ganzes Wesen, ewig
unbewußt auswirkt, das ist nur _ein Hang im $Manne$_, sein zweiter,
unausrottbarer, sein _niederer Hang_: sie ist, gleich der Walküre,
eines _fremden_ Willens »blind wählende Kür«. Die Materie scheint ein
nicht minder unergründliches Rätsel als die Form, das Weib gleich
unendlich wie der Mann, das Nichts so ewig wie das Sein; aber diese
Ewigkeit ist nur die Ewigkeit der Schuld.