ERKENNEN

1896

Unser Begreifen ist Schaffen; seien wir doch selig in diesem Bewußtsein.

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Der Mensch ist ein in einem Spiegelkerker Gefangener.

1905

Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten

Mal wirklich sieht.

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Ein jeder sollte erst seine Grenzen anzugeben suchen, soweit er sie selbst

erkennen kann, um darauf umso freier und unbefangener seine Beobachtungen

und Meinungen niederzulegen.

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Die Menschen haben sich daran gewöhnt, von hinten nach vorn, statt von

vorn nach hinten zu denken.

1906

Bedeutet es schließlich etwas, seine Kniee und Füße anblicken zu können?

Und doch kannst du es nur solange, als du in dir lebst.

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Nur der Erkennende lebt.

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Ich darf wohl sagen: Ich liebe die Wissenschaft von Grund aus und hasse

alle Schwarmgeisterei. Eine Wissenschaft aber, die vergißt, daß sie eine

seltene, wunderbare Blume auf dem Boden des Mysteriums ist, ja, die

vergißt, daß sie selbst Mysterium ist, sie fällt mit der übelsten

Schwarmgeisterei in eins zusammen, sie ist im Tiefsten inferior, allein

schon rein intellektuell genommen.

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Die Wissenschaft ist nur eine Episode der Religion. Und nicht einmal eine

wesentliche.

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Alles erkenntnistheoretische Denken ist ein Spielen mit dem Feuer. Wenn

der Alltag nicht wäre mit seinen 24 breiten Körperstunden, wenn wir nicht

als Tiere so fest und ökonomisch gebaut wären, so würde unser armes Gehirn

zehnmal statt einmal verbrennen, so wäre philosophische Begabung und

Anwartschaft auf Verrücktwerden dasselbe. Und so wird dieses Spiel denn

auch immer gewagt werden dürfen. Zwar, der Einsatz ist dein Leben, aber

wenn du auch die Gefahr nicht bestehst, so _brauchst_ du selbst keineswegs

grundsätzlich zu verlieren.

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Der Denker, der dir kein Grauen erregt, ihn magst du zu Tisch einladen.

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Jedesmal wieder, wenn man so recht in die 'Welt' hineindenkt, kommen einem

alle menschlichen Gedanken darüber vor wie Kinderstammeln, was sage ich,

wie Bewegungen von Insekten, die von der Spitze ihres Grashalms in die

Luft hinaustasten. Und das gilt nicht nur von gewöhnlichen Gedanken, das

gilt ebenso von den tiefsten Gedanken unserer fähigsten Köpfe. Nur daß wir

durch unsere Sinne die Welt so vereinfacht -- besser vielleicht von einem

Unendlichfachen auf ein Fünffaches gebracht -- haben, ermöglicht uns, in

ihr mit so festen Schritten zu wandeln; nur daß wir meinen, 'die Welt' in

Wahrheit vor uns zu haben, wie ein gewaltiges Gemälde, das -- wenn auch

nur im Großen -- so sei, wie wir es sehen, ermöglicht den ganzen Schatz

menschlich-bürgerlichen Hochgefühls, die Freudigkeit des Tatmenschen, den

tragischen Stolz des Philosophen, die königlichen Empfindungen des

Künstlers. Unsere Armut ist es, die uns reich macht, unsere

Beschränktheit, der wir das Gefühl unbeschränkter Entwickelungsfähigkeit

verdanken. Aber umsonst. Irgend einmal und dann immer wieder wird -- wenn

auch nur blitzartig -- die Armut als Armut, die Beschränktheit als

Beschränktheit erkannt, die großartige Illusion zerreißt und die

Geschichte der Erde und seines Bewohners entpuppt sich in der Riesensaison

des 'Universums' als -- bürgerliches Schauspiel, eines unter unzähligen,

Verfasser unbekannt, Wert indifferent.

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Das Urbuch der Welt wird mit sympathetischer Tinte geschrieben.

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Nur im vorbereiteten Herzen kann ein neuer Gedanke Wurzel fassen und groß

werden. Sich vorbereiten, sich zubereiten, den Acker lockern für das beste

Korn, ist alles.

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Es gibt kein größeres Hindernis, zur Wahrheit zu gelangen, als --

schreiben zu können. Vergiß deinen Stil, vergiß allen Stil, überlaß dich

ganz dem Rhythmus der inneren Stimme, überlaß alle 'Kunst' denen, die mehr

Künstler sind als Wahrheitssucher.

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Der Materialismus hat uns in viele Jämmerlichkeiten gestürzt, aus denen

wir uns erst nach und nach wieder erheben werden.

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Alles Denken ist Zurechtmachen.

1907

Wunder ist ein Orientierungsbegriff wie tausend andre. Wird dieser Begriff

mehr und mehr aus der Welt geschafft, so heißt das nichts weiter als: wir

brauchen diesen Orientierungsbegriff nicht mehr, er ist für uns

aufgegangen in den Begriff Entwickelung.

Wunder nannte man einst alles Übernatürliche. Da man heute übereingekommen

ist, alles überhaupt Mögliche dem Begriffe Natur unterzuordnen, gibt es

nichts Übernatürliches, also auch kein Wunder mehr. Aber Natur ist auch

nur ein heuristischer Begriff und wer sich in der Zwangsjacke eben dieser

Begriffe nicht wohl fühlt, wird ihn abermals entthronen und das alte Wort

Wunder -- vielleicht auf lateinisch als 'Mysterium' -- in einem neuen

größeren Sinne über ihn setzen. Worte, Worte! Wird man nie begreifen, daß

Worte nur Entscheidungen sind, nicht Erkenntnisse?

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Es ist eine sehr geistreiche (!) Forderung, die 'Natur' auf 'natürliche'

Weise erklärt sehen zu wollen.

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Wie mancher Gedanke fällt um wie ein Leichnam, wenn er mit dem Leben

konfrontiert wird.

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Ich meine: Gehirn und Dinge sind in _Einem_ Zirkel beschlossen. Im Gehirn

kann nicht sein, was nicht im Stoff ist.

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Wenn die Gehirnorganisation all ihr Um-sich unter den Formen von Zeit und

Raum begreift, so ist anzunehmen, daß der unendliche Stoff hier keine ihm

nicht entsprechende Organisation wird hervorgebracht, oder: wird

zugelassen haben. Ich meine, diese Organisation, die unter Raum und Zeit

begreift, erstand doch selbst aus dem, was sie nun begreift, und kann

darum als Funktion des zu Begreifenden nicht essentiell von diesem

verschieden sein ...

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A. Wenn jemand von einer Philosophie der Ameisen reden würde, so möchte er

wohl fröhlichem Lachen begegnen. Aber ist die Philosophie der Menschen

wirklich etwas so sehr, sehr anderes, als eine Philosophie der Ameisen

wäre? Stelle dir nur an einem schönen Sommerabend den Erdball und das

Leben auf seiner Oberfläche vor!

B. Ja ja, mein Lieber, wenn es die Menschen nur nicht zu dem einen

Gedanken gebracht hätten: alles ist mir nur insoweit bekannt, als es meine

Vorstellung ist. Dieser Gedanke, der ihm alles zu nehmen scheint, gibt ihm

zugleich das Recht, sich selbst dem Sternenhimmel gegenüber zu behaupten,

denn das Bewußtsein, daß alles, was er da erkennt, nur ein Bild in ihm

ist, ja, noch mehr, das dies 'er selbst' nur ein Bild -- soll er sagen

sein Bild? -- ist, erlaubt ihm, deinem Ameisengleichnis den Stachel zu

nehmen, so gut, wie dem Eindruck gestirnter Ewigkeit. Die Rechnung steht

nun für ihn so: Auf der einen Seite 'alles Seiende' als Bild. Auf der

andern das, welches 'all dies Seiende zusamt sich selbst' -- als Bild

empfindet. --

Wir sind wieder da, wo jeder zuletzt hinkommt, und was ich beim Lesen

Meister Ekkeharts einmal so formulierte: Gott ist ein Subtraktionsexempel.

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Betrachte den Fühler dieses feingliedrigen Käfers. Was ist der Mensch

anderes als solch ein Fühler, von unbekannter Urkraft ausgestreckt,

tastend sich über die Dinge zu unterrichten suchend, zuletzt forschend

zurückgekrümmt auf sich selbst -- ? Der Mensch, ein Taster Gottes nach

Sich selbst.

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Alles Denken ist Übersetzen Gottes ins Rationalistische. Von Gott, dem

Original, wissen wir nur durch Gott, den Übersetzer.

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Man hat Hegel verspottet, weil er sagte, aus ihm rede der Weltgeist. Ach,

auch aus ihnen, den Spöttern, redet leider nichts anderes.

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Ich lese mit Erschütterung in Hegel, an dem ich immer vorbeigegangen war.

Zwei Dinge hielten einst schon den Studenten ab, Hegeln eine unbestimmte

geheime Neigung zu entziehen: Seine überlebensgroße Büste, die ihm am

Kastanienwäldchen hinter der Berliner Universität manchen bedeutenden

Augenblick schuf, und das über ihn umlaufende Wort: niemand habe Hegeln

zuletzt mehr verstanden, nicht einmal er selbst. Ich halte den nämlich

nicht für den Träger und Offenbarer höchster Erkenntnisse, der diese

Erkenntnisse ein für alle Mal 'versteht'. Das Höchste vermag der

menschliche Geist auch nur in höchsten Momenten zu leisten, und manchmal

ist es nur ein Blitz, der die Tiefe der Welt sekundenlang aufreißt.

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Entweder man ist Künstler oder Philosoph. Der Philosoph achtet die Kunst,

ja liebt sie, -- aber er komplimentiert sie hinaus, wenn er mit seinem

Ernst allein sein will.

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Wogegen ich mich vor allem richte, das ist die Bürgerlichkeit so vieler

bisheriger Philosophie. Es fehlt mir darin zu sehr an jener Überwältigung

des menschlichen Geistes durch das, was ihn wohl überwältigen darf: die

nicht nur rechnerisch gebrauchten, sondern innerlich erlebten

Vorstellungen von Ewigkeit und Unendlichkeit. Für mich beginnt Philosophie

hart vor dem Wahnsinn, sonst ist sie ein Handwerk wie andre auch. Und sie

muß immer wieder bis hart an den Wahnsinn führen, das ist beinahe eine

Forderung der Sittlichkeit philosophischen Denkens, da es sonst einen

Mangel an Leidenschaft zu bedenklich verrät. Ohne Leidenschaft aber ist

jede Tätigkeit großen Stiles, so erhaben sie sich auch geben mag, gemein.

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Wie mancher Steinregen im Hochgebirge verdankt dem Klettern einer Gemse

seinen Ursprung. Dies bedenke auch du, der du auf Gedankenbergen

herumkletterst, und -- freue dich dessen oder mache dir Vorwürfe darüber

oder beides zugleich, je nachdem du geartet bist.

Man muß Pessimismus und Optimismus als 'Stimmungen' hinter sich lassen,

wenn man, obzwar erkenntnislos, aber von allen Seiten umwittert, den Pfad

der Wirklichkeit wandelt.

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Sei nur Skeptiker, es gibt keinen besseren Weg als den fortwährenden

Zweifelns. Denn nur, wer die Relativität jeder Meinung eingesehen hat,

sieht zuletzt auch die Relativität dieser Einsicht ein -- und schwingt

sich endlich vom letzten Erdenwort in -- Sich selbst zurück.

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Wenn ich wüßte, welches Wort der Erde keine Vorstellung enthielte, so

würde ich es dazu gebrauchen, das Wort Vorstellung zu überwinden. Aber

dieses Wort Vorstellung bleibt zuletzt als einziges auf dem obersten Siebe

liegen, das alle andern passiert haben.

Nur glaube man nicht, damit etwas anfangen zu können. Denn wenn ich sage:

Die Welt ist meine Vorstellung, so sage ich damit nichts andres als: eine

Vorstellung ist meine Vorstellung. Es gibt keinen Weg hinaus, es gibt nur

einen Weg hinein.

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Welche Vorstellung wäre zuletzt nicht anthropomorph! Anthropomorph, sagt

man, sei die Vorstellung eines persönlichen Gottes. Aber der

Naturforscher, der sich die Welt unpersönlich, nämlich als Natur, als

Wirklichkeit, als einen unendlichen Knäuel von Wirkungen denkt -- hat ja

auch von sich selbst kein anderes Bild; er sieht sich, interpretiert sich

'naturwissenschaftlich' als 'Natur' und projiziert sich (in seiner neuen

Weltinterpretation) nur ebenso unvermeidlich ins 'Universum' hinein wie

früher. Oder vielmehr: Universum ist bereits Selbstprojektion.

Anthropomorph ist und muß 'alles' bleiben.

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Das menschliche Denken ist wie eine trübe Flüssigkeit, die sich im Lauf

der Jahrhunderte langsam klärt. Nach immer mehr Erklärung trachtet der

Geist, aber das Ergebnis ist nur immer mehr -- Klärung. Und zuletzt wird

das Denken schön geworden sein, wie klarer Honig, klares Wasser, klare

Luft.

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Mir fällt in aller bisherigen Philosophie eins auf: Sie hat nie recht

genug -- Phantasie, Sie zerbrach nie ihre Begriffe -- aus Phantasie.

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Lichtenberg's Bemerkung, die docta ignorantia mache weniger Schande als

die indocta, scheint mir das Erschöpfendste, was über das Problem der

Wissenschaften gesagt werden kann.

Nicht nur der Weg nach der Wahrheit scheint mehr wert als die Wahrheit

selbst, um Lessingsch zu reden; noch wertvoller als der Weg selbst scheint

der Wille zu solch einem Wege.

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Wer sich an Kant hält, dem muß alle Metaphysik erscheinen wie das

hartnäckige Surren einer großen Fliege an einem festgeschlossenen Fenster.

Überall wird das Tier einen Durchlaß vermuten und nirgends gewährt die

unerbittliche Scheibe etwas anderes als -- Durchsicht.

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Gesetzt und endlich einmal festgehalten, daß alle Wissenschaft nur

Beschreibung und nicht Erklärung sein kann, steht dem nichts im Wege, den

Menschen als das bescheidenste Tier katexochen zu beschreiben.

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Alles Denken ist wesentlich optimistisch. Der vollendete Pessimist würde

verstummen und -- sterben.

1908

Alle Wissenschaft hat einen doppelten Wert. Einmal ihren Wert als

Wissenschaft, den man allgemein für ihren eigentlichen, für ihren

Hauptwert hält, und der doch nur ein Hilfswert ist; und ihren Wert als

einer Art moralischer und intellektueller Gymnastik, deren Übung dem

Einzelnen die Möglichkeit gewährt, seine Persönlichkeit (ganz ebenso wie

es z.B. die Disziplin bei einem Streckenwärter tut) zu kräftigen, zu

entwickeln, zu erhöhen. Und das ist ihr Hauptwert.

Und das ist der Hauptwert aller historisch gegebenen Berufe. Sie sind vor

allem _Kunstgriffe_ -- um der Kultur der Persönlichkeit willen. Es könnten

auch andere sein, und es werden sich auch vermutlich mit zahllosen

Planeten noch zahllose andere finden. Die Gesamtheit dieser Kunstgriffe

und ihrer Benutzung nennt man dann die Geschichte des Planeten.

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Eines bleibt keinem Philosophen erspart: Das Offene-Türen-Einrennen.

Dreiviertel seiner Kraft geht darauf flöten.

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Von letzten Dingen kann man nicht immer gemein-verständlich reden. Genug,

fürs erste, daß man sich selber verstand. ('Ich und Mich, der Freund ist

immer erst der -- Dritte.')

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Ich möchte bisweilen eine Erkenntnis in Form einer mathematischen Figur

geben, z.B. die Anschauung Gottes in Form einer Kugel, aus einem

Mittelpunkt strahlend.

1909

Es gibt keine Wahrheit an sich. An sich ist einer der größten

Materialismen der Epoche.

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Man fragt sich oft: wie ist es möglich, daß dieser große Intellekt dies

und jenes nicht gesehen oder seines Blicks nicht gewürdigt haben sollte.

Aber ebenso übersehen vielleicht unsere Zeitgenossen Dinge, von denen

wieder spätere nicht begreifen werden, daß sie für uns offenbar völlig im

Schatten lagen. Man darf wohl sagen, jeder Blick vorwärts ist zugleich ein

Nichtbeachten dessen, was zur Seite liegt. Der Geist gleicht einer

Granate, deren Gebiet das vertikale Segment zwischen dem Punkt ihres

Ausflugs und dem ihres endlichen Aufschlags ist.

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Stufen: Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen · 第 29 / 38 题