Vielleicht doch nicht. Der Klügere gibt nach. Dem Geistigeren ist es eine
Ehre und Freude, zu verzichten, wenn dadurch Unzähligen wohlgetan und
genützt wird. Du läufst Gefahr, in einer Welt, die viel zu groß und tief
dazu ist, den Liebhaber zu spielen, als Liebhaber zu erstarren. Du
verstehst, wie das Wort Liebhaber hier gemeint ist. Möchten wir doch alle
mehr dienen, mehr helfen, statt immer so sehr auf unsere eigene
Geschmacksbefriedigung auszugehn, möchten wir doch endlich diese
pseudoaristokratischen Allüren überwinden und durch reifere, reichere
Gesichtspunkte ersetzen.
* * * * *
Der Rückschritt im Alphabet der Buchstaben von R zu K kann einen
Fortschritt im Alphabet der Moral bedeuten: Starr -- stark.
1911
Kongs-Enne, eines der tiefsten Wortbilder aller Sprachen.
* * * * *
Wie sich in der Wortzusammensetzung 'Heilsarmee' für den Deutschen eines
seiner tiefsten Eigenworte mit einem seiner weltlichsten Fremdwörter
verbindet, erscheint in der Heilsarmee selbst etwas Göttliches mit etwas
sehr Irdischem gepaart, das vor dem Ur-Wort ebenso als Fremd-Wort
empfunden werden kann (obzwar nicht muß), wie das Wort Armee vor dem Geist
unserer Sprache.
1912
Es gibt Menschen, welche Schlagworte wie Münzen schlagen, und Menschen,
welche mit Schlagworten wie mit Schlagringen zuschlagen.
Nichts ist so verbreitet wie das Schlagwort. Es wird bis in die höchsten
Geisteskreise hinauf gebraucht und hängt oft noch dem Scharfsinnigsten als
Zöpfchen hinten.
* * * * *
Mit keinem Köder fischt Mephisto so glücklich, als mit allem, was im
Engeren und Weiteren unter den Begriff des Schlagworts fällt.
* * * * *
Man findet bei manchem Ernsthaften unserer Tage gegen gewisse Worte wie
sittlich, vollkommen, edel, die Animosität dessen, dem sie irgend einmal
gründlich verleidet worden sind. Das sollte nicht sein. Königliche
Begriffe können nie von ihrem Glanze verlieren. Wenn es aber doch zuweilen
so scheint, wen trifft die Schuld? Die Masse, die sich ihrer bemächtigt
hat, oder die Paladine, welche ihnen nicht genug treue Diener, Berater und
Leiter gewesen sind?
* * * * *
In einer nicht ganz natürlichen Redeweise liegt eine Gefahr für den
Sprecher wie für den Hörer. Das gilt vom persönlichsten Verkehr wie von
dem mit der Öffentlichkeit. So gibt es z.B. Menschen, welche immer ein
wenig ironisieren. Sie nennen alles nicht so sehr beim Namen, als vielmehr
bei irgend einem Spitz- oder Übernamen. Damit wirken sie kurzweilig, öfter
aber demoralisieren sie, und ob auch nur um einen Schatten, sich wie den
andern.
1913
Alles Schwätzen hat zur Grundlage die Unwissenheit um Sinn und Wert des
einzelnen Wortes. Für den Schwätzer ist die Sprache etwas Verschwommenes.
Aber sie gibt's ihm genugsam zurück: dem 'Verschwommenen', dem
'Schwimmer'.