Ich halte es für unrichtig, ja schädigend, die Orthographie in Hinblick
auf die Bequemlichkeit der Vielen zu modernisieren. Die Bedeutung der in
den Sprachen aufgespeicherten Erinnerungen ist nicht zu unterschätzen.
Wenn ich Tier schreibe und mir das griechische [Griechisch: thêr] dabei
als reiner Unterton mitklingt, wenn ein ganzes Volk, eine ganze Kultur bei
diesem Worte mich an sich mahnen darf (nicht muß), so ist das etwas
Seltenes und wunderlich Fruchtbares, dessen wir uns nicht mutwillig
berauben sollten. Daß denen, die von der Antike nie berührt wurden, damit
unnötiger Buchstabenballast aufgeladen wird, kann meiner Ansicht nach
solange kein Gegengrund sein, als in geistigen Dingen den geistigen
Menschen einer Nation und nicht den andern zunächst ihr Recht zu wahren
ist.