Der Tempel der Germanen: Musik als Architektur empfunden. --

All-Genuß.

Mir ist, ich wäre ein Adler und trüge mich selbst und meine Last dünkte

mir köstlich und ein tiefes Wohlgefühl durchströmte mich.

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Dilettantismus des Geschmacks: Bei Betrachtung von Landschaften

fortwährender Vergleichs-Standpunkt. Wie es in der Musik heißt, daß der

ein Dilettant sei, der beim Anhören eines Musikwerks in lauter

Reminiszenzen aufgeht.

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Ihr wißt ja alle nicht, was Schaffen heißt. Ein Bild malen, ein Gedicht

machen? Nein! Seine ganze Zeit umgestalten, ihr das Gepräge seines Willens

aufdrücken, sie mit seiner Schönheit erfüllen, sie überwältigen und

unterwerfen mit seinem Geiste.

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Der Krug des Nichts, aus dem alle Künstler schöpfen.

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Schopenhauer nennt das bloße intellektuelle Anschauen die höchste

Seligkeit, weil hier der schaffende Wille ganz schwiege. Als ob Schauen

nicht schon Schaffen wäre!

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Den Ästhetikern:

Zeigt Wege der Zukunft, aber beschwört nicht ewig die Toten gegen uns.

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Vor einer roh gefügten Gebirgsbach-Brücke:

So müßte sich jeder Architekt vor die roheste natürlichste Form der

Menschenarbeit hinstellen und an diesen Balken und Brettern seine ersten

Kunstgedanken auslassen. Er sollte so von Anfang an die Kunst als

Bedürfnis empfinden müssen und würde so gewiß zu originellen Gedanken

gelangen, deren Regulativ dann das Studium der Vergangenheit sein könnte.

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Der erste Schnee! Mein erster Gedanke war die ehrsame Zunft der Lyriker,

die in deine Flocken starrt, dich grüßend zu besingen. Welche Dekadenz,

diese unpoetische Reflexion über deine himmlischen Dekadenzen, lieber

trauter Schnee.

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Es ist eigentlich eine Ungerechtigkeit, daß der Dichter nicht -- gleich

dem Musiker -- den Teilen seiner Werke hinzufügen darf, in welchem Tempo

er sie genommen wissen will.

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Das losgerissene Segeltuch des kleinen Dampfers (vor meinem Fenster), das

mit seinem freien Ende im Wasser liegt, so daß es für den stärksten

Windstoß zu schwer wird, es als Fahne auszurollen: Bild für ein

Künstlerschicksal.

1897

Als ob Kunst nicht auch Natur wäre und Natur Kunst!

1901

Wer wird dieses Drama der Freude dichten: mit stillen großen Menschen, die

das Ja- und Amen-Lied im Herzen tragen, das Drama des Mittags, der

Sonnenhöhe, 'da alle Dinge rund und vollkommen' geworden sind.

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Was soll uns Tragödie heißen und als tiefste Erregung von der Bühne herab

gelten? Die Darstellung des wahrhaft bedeutenden Menschen, der immer eine

tragische Erscheinung ist, weil in allem menschlich Großen neben der

großen Freude auch der große Schmerz wohnt, weil in jedem ungemeinen

Schicksal das Ja und das Nein allen Lebens wie aus zwei Posaunen erklingt,

weil der große Mensch eine Abbreviatur des ganzen Weltgeheimnisses ist.

Die Tragödie ist der tiefe Gesang vom Wesen der Welt, und ihm von Zeit zu

Zeit erschüttert zu lauschen unser Ewigkeitsdienst in all dem uns

überbrausenden Alltag.

1905

Wohl alle Kunst ist bis zu einem gewissen Grade unmännlich, besonders aber

Dichten und Musizieren. Daher Nietzsches Vorliebe für Horaz als einen sehr

männlichen Dichter, daher Lionardos Wunsch: vor allem als Mathematiker,

Goethes: recht sehr als Staatsminister zu gelten.

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Ich liebe die italienischen Kirchen und das Leben in ihnen. Ihr Geheimnis

ist, daß sie nicht nur selber Kunstwerke sind, sondern auch alles Leben,

das sich mit ihnen vermählt, zum Kunstwerk machen, indem sie es zu einem

Bilde abtönen und feierlich umrahmen. Betritt die schlimme römische

Sinnenfängerin Gesù, wann immer du willst, oder die ehrwürdige Ara Coeli

oder die stattliche Maria Maggiore; welche Gruppen, Gesten, Mienen, welche

gehaltenen und tiefen Ausdrücke des Individuums, welche stets bedeutenden

_Bilder_! Gewiß, alles, was die Menschen zu einem bestimmten Zwecke

sammelt, vereinigt sie so mit sich zu einem Kunstwerk: die Markthalle, der

Bahnhof, die Kaserne, das Schiff, eine Straße, ein Kornfeld im Herbst --

aber wohl nichts bietet so die Gewähr eines künstlerisch abgeschlossenen

und abgerundeten natürlichen Lebensgemäldes, wie die Kirche, nichts

distanziert sich und seine Gemeinde mit soviel Glück vom kunstarmen Alltag

wie sie.

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Es gibt vielleicht keine glücklichere Manier, als alle Dinge vom

Standpunkt des Malers aus zu betrachten.

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Für Porträtmaler.

Wer einen Menschen recht erfassen will, muß ihn sehen, wenn er vom Schlaf

aufwacht, mit wirrem Haar, die Züge und Glieder noch halb gelöst, noch

halb unbewacht. Da ist er noch der Mensch ohne Namen, ohne Beruf -- wenn

auch mit all dem Bedeutenden, wodurch ihn das Leben bereichert hat. Zudem

gibt es nichts, das malerischer wäre, als ein Mensch in Trikot oder

langem, fließendem Hemd, ein Mensch bei den Bewegungen des Waschens, beim

Abtrocknen nach dem Bade, beim Kämmen und Bürsten der Haare. Auch gebe ich

allen Bildhauern und Aktmalern den Rat, ihre Modelle einmal einen

geräumigen Krug mit beiden Armen unter die geöffnete Brause emporhalten zu

lassen. Es ergeben sich da durch die zunehmende Schwere des Krugs eine

Reihe interessanter und charakteristischer Phasen, von der ungezwungensten

Pose bis zur angespanntesten.

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Zu Fürsten:

Zeige mir, wie Du baust, und ich sage Dir, wer Du bist.

1906

An unsere jungen Dichter: Geht ins Volk, mischt euch unter die

gewöhnlichen Leute, sucht ihre Freundschaft zu gewinnen, sucht so reden zu

lernen, daß sie euch verstehen wie ihresgleichen. Geht zu den

verschiedensten Handwerkern, auf die Werften, in die Fabriken, in die

Bergwerke; lernt vom Volk und für das Volk, seht zu, daß was und wie ihr

dann schreibt, jedem verständlich sein könne, der den guten Willen für

euer Verständnis mitbringt. Laßt euch Jahre eures Lebens in einsamen

Dörfern nieder, im deutschen Gebirge, an den Küsten, auf Inseln. Laßt euch

vom glatten charakterlosen Großstädter nicht das Bild des Menschen

fälschen, obwohl man auch bei ihm leicht unter die Schale dringen kann.

Denkt an Luther, wie er herumging in allen Werkstätten, um sich die

Sprache für seine Bibelübersetzung zu bilden, wandert, soviel ihr könnt,

werdet lieber Handwerksburschen als hoffnungsvolle Literaten, die von

Gesellschaft zu Gesellschaft eilen, die sich ihre Ziele aus Theatern und

Zeitschriften holen, die sich ästhetisch anregen lassen, statt immer

wieder auf den Grund des Lebens zu gehen.

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Stufen: Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen · 第 14 / 38 题