KUNST

1891

Zugleich aus dem Leben gegriffen und zugleich typisch -- das ist höchste

Kunst.

1892

Es ist etwas Jämmerliches um einen Lyriker ohne Liebe. Was helfen da Mai

und Nachtigallen und Mondscheinnächte. Trauriger Zustand.

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Ihr fürchtet, daß die Umsturzepoche, vor der wir zu stehen glauben, alle

Kunst und Poesie, alles Schöne und Wertvolle im Leben vernichte?

Ich fürchte das nicht. Denn mag jeder Tempel zertrümmert, jedes Kunstwerk

verbrannt, jedes Saitenspiel zerschmettert werden, das unantastbare

Saitenspiel, das Menschenherz, wird nie aufhören, von den ewigen Melodien

zu tönen, die der Geist der Welten ihm zuhaucht.

1894

Alle wahrhaft großen Dichtungen sind Variationen zum Schicksalsliede,

seien es Maestosi, Allegri oder Scherzi.

1895

Ich betrachte als eine Aufgabe kommender Dichtergeschlechter, neue Mythen

zu schaffen, und wir wollen ihnen schon vorarbeiten.

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Dichten ist immer die Wiedergabe von Erinnerung. Die Erinnerung aber ist

selbst etwas Dichtendes, künstlerisch Zusammenfassendes und Auswählendes.

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Ein Dichter muß 77mal als Mensch gestorben sein, ehe er als Dichter etwas

wert ist.

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Der reimlose Jambus hat ein so formelles Pathos, ein so großrednerisches

Moment in sich, daß er uns Modernen meistens geradezu unmöglich wird, da

wir in tiefster Seele von dem Willen durchdrungen sind, wahr zu sein,

redlich vor allem in der Wiedergabe unserer Stimmungen und inneren

Erlebnisse.

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Höchste Empfindungen, Phantasie im Gewande intimster Natur -- -- -- --

eine Durchgeistigung der Realität auf allen Punkten, künstlerischer

Polytheismus (im Sinne der Kunst), das meine ich, muß das Programm der

Zukunft, unserer Zukunft sein. Der Sieg des menschlichen Geistes über die

Außenwelt muß vollkommen werden.

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Je einheitlicher ein Volk einen Stil aus sich herausentwickelt, um so mehr

ist es bei sich selbst _daheim_. Daher der Zauber des _mittelalterlichen_

Stils, daher heute unsere Heimatlosigkeit.

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Wenn wir einen nationalen Baustil haben wollten, müßten wir eine

einheitliche Weltanschauung haben.

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Wenn ich so die kleinen Dampfer die riesigen Kähne vorüberschleppen sehe,

muß ich immer an den Dichter und das Publikum denken.

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Schönheit ist empfundener Rhythmus. Rhythmus der Wellen, durch die uns

alles Außen vermittelt wird.

Oder auch: _Schön_ ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je

mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.

Gesetzt also, es gäbe einen Gott, so wäre sein Glaube, die beste aller

Welten vor sich zu haben, verzeihlich.

1896

Das naturalistische Drama hat nur dann Wert, wenn es den Menschen, so wie

er heute ist, sich selbst unerträglich macht. Ibsen. Hauptmann.

Kritik oder Beispiel -- naturalistische oder idealistische Kunst.

Der Naturalismus eine rein historische Kunstanschauung. Der Naturalismus

nur ein Stadium, kein Ziel.

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Wenn heute wieder ein Schubert geboren würde, würde er eine Mission mehr

haben, nämlich, nur _Texte_ zu komponieren, die Kulturwert haben.

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Die Orgel, das Instrument der Zukunft.

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In einem Philharmonischen Konzert:

Stufen: Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen · 第 13 / 38 题