II.

Nachdem wir bisher versucht hatten, den ungenügenden Stand des

österreichischen auswärtigen Handels zu schildern, die Gründe zu erörtern,

welche eine Erweiterung unserer äusseren Verkehrsbeziehungen nothwendig

machen, und die Dringlichkeit derselben nachzuweisen, erübrigt uns noch,

die Mittel anzudeuten, welche zu diesem Ziele führen, und insbesondere

diejenigen ersten Schritte zu bezeichnen, mit welchen die kaiserliche

Regierung der Selbstthätigkeit der Einzelnen den Weg zu bahnen hätte.

Wir setzen hiebei die vollständige Wiederherstellung der österreichischen

Valuta voraus, ohne welche an erfolgreiche nach Aussen gerichtete

Handelsoperationen nicht gedacht werden kann, so wie wir auf das baldige

Zustandekommen einer zeitgemässen Reform unseres Zolltarifes hoffen. Wir

betrachten als eine nicht minder selbstverständige Vorbedingung, dass

die kais. Regierung fortfahre, die noch aus früheren Zeiten stammenden

Verkehrshemmnisse zu beseitigen, die Unternehmungslust zu ermuntern, jedes

gemeinnützige Streben zu fördern, auf die möglichste Wohlfeilheit und auf

die Vermehrung der Communicationsmittel, insbesondere auf die thunlichste

Vervollkommnung der Schienenverbindungen zwischen Binnenland und Seeküste

einzuwirken, wobei das allgemeine Interesse nur gewinnen kann, je mehre

directe Berührungspuncte zwischen der Seeküste und dem weiten Innern der

Monarchie sich bilden, und je mehr die einzelnen Reichsbestandtheile ihre

Erzeugnisse auf den kürzesten Linien dem Weltmarkte mittels des Seehandels

zuzuführen vermögen.

Wir rechnen auch darauf, dass die Schienenverbindungen künftig hin nicht

nur bis _an_ das Meer, sondern bis _in_ das Meer reichen werden, dass also

die kais. Regierung alle erforderlichen Vorkehrungen treffen werde, durch

welche, wie dies in allen ersten Hafenplätzen Europas der Fall ist, auch

in unsern Seehäfen mit Vermeidung aller Zwischenspesen die directeste

Verbindung zwischen der Eisenbahn und den Handelsschiffen bei der Ein- und

Ausladung der Güter, sowie die mindest kostspielige Aufspeicherung in den

Hafenmagazinen hergestellt wird.

Endlich betrachten wir als eine Nothwendigkeit, dass sich zwischen dem

Innern und der Seeküste, also zwischen dem Producenten und dem Exporteur,

zwischen dem Consumenten und dem Importeur das bisher so schwer vermisste

Zusammenwirken und Verständniss einstelle, dass einerseits in den Seehäfen

die Ueberzeugung feste Wurzel fasse, dass ihr Heil und Gedeihen nur in

der Solidarität und Vereinbarlichkeit ihrer Interessen mit jenen der

Gesammtmonarchie liege, während andererseits auch das Binnenland lerne, die

Eigenthümlichkeiten und besonderen Erfordernisse des Seeverkehrs besser

zu würdigen, und demselben die für den auswärtigen Absatz berechnete

Production anzupassen.

Alle diese hier nur flüchtig skizzirten Voraussetzungen, an welche sich

noch manche andere Vorkehrungen anreihen lassen, gehören entweder in das

Gebiet der innern Gesetzgebung und Verwaltung, welche ohnedies auf ihre

Realisirung hinarbeiten, oder sie werden durch die Macht der öffentlichen

Meinung verwirklicht werden. Ausser denselben sind aber noch andere

unmittelbar nach Aussen wirkende vorläufige Massnahmen erforderlich, auf

welche wir speciell die Aufmerksamkeit lenken zu sollen glauben.

Solche Massnahmen, durch welche allein eine ausgiebige und erfolgreiche

Bethätigung Oesterreichs am transoceanischen Verkehre angebahnt werden

kann, sind folgende:

1) Möglichst baldige Abschliessung von Handels- und Schiffahrtsverträgen

mit denjenigen nicht europäischen Regierungen, deren Gebiete von

österreichischen Handelsschiffen berührt werden, oder berührt werden

können.

2) In Folge des durch diese Handels- und Schiffahrtsverträge erworbenen

Rechtes, Einsetzung von tüchtigen, ihrem Dienste gewachsenen und

vertrauenswürdigen österreichischen Consular-Functionären.

3) Eindringlichstes Studium an Ort und Stelle der für Oesterreichs

auswärtigen Export- und Importhandel, sowie für seine Rhederei (Segel- und

Dampfschiffahrt) vortheilhaftesten transoceanischen Hauptplätze.

Oesterreich's Betheiligung am Welthandel: Betrachtungen und Vorschläge · 第 8 / 15 题