Wenn sich der Bruch in der Mitte des Knochens befindet, sollte eine

lange gerade Schiene angelegt werden; an dem unteren Ende ist der Fuß

zu befestigen und an dem oberen Ende, fast bis zur Armhöhle reichend,

sollte sich ein gehörig wattirter Gurt befinden, der, sich durch

die Schamleiste ziehend, rings um den verletzten Schenkel geht. Man

strecke den Schenkel bis zu seiner vollen Länge aus, die Schiene möge

befestigt und wenn nöthig, mögen die Bruchstücke noch besonders durch

kurze Schienen von Sohlenleder und etwas Verband gestützt werden.

Bruch des Beines.

Das Bein ist jener Theil des Gliedes, welcher zwischen Knie und

Knöchel liegt. Es besteht aus zwei Knochen; der kleinere Knochen an

dem äußeren Theile des Beines wird ~Fibula~ und der andere an

der inneren Seite ~Tibia~ oder Schienbein genannt. Einer oder

beide können gebrochen werden, häufiger aber der letztere. Der Bruch

kann daran erkannt werden, daß der Patient weder gehen noch sich auf

den Füßen halten kann, am Schmerz, an einer Veränderung der Form und

an dem eigenthümlichen knirschenden Gefühl beim Aneinanderreiben der

gebrochenen Enden.

+Behandlung.+

Man bringe den Fuß in eine Schiene mit doppelter Beugung (siehe

den Holzschnitt auf der vorhergehenden Seite) und gebe dem Fuße

einen Halt an dem Fußende; sollten die Bruchstücke anfangen in eine

ungehörige Lage zu kommen, so lege man eine kurze Schiene, gehörig

wattirt an, damit sie in ihrer Lage bleiben.

Brüche des Fußes.

Dieselben sind häufig von Fleischwunden und Zerreißung des Bandes

begleitet und sind gefährlicher als Brüche der Hand.

+Behandlung.+

Ist das Fleisch stark zerrissen und die Knochen gebrochen, sehe

man zu, die letzteren wieder an ihren Platz zurückzudrängen, mache

Wasserumschläge oder solche von Arnica-Auflösung, und suche die

Entzündung zu beseitigen, welche die Hauptquelle der Gefahr ist. Wenn

der Fersenknochen gebrochen ist, sollte der Fuß völlig ausgestreckt

und eine gerade Schiene, welche von den Zehen bis zum Knie reicht,

angelegt werden. Die Knochenbruchstücke sind durch Streifen von

Heftpflaster oder Wickelbänder zusammen zu halten.

Zusammengesetzte Brüche

sind von Wunden durch die Haut, welche durch das Herausdringen des

Knochens verursacht werden, begleitet, und sind in Folge dessen

gefährlicher als einfache Brüche, sind aber bezüglich ihrer Behandlung

von den letzteren nicht verschieden. Der Verband aber muß so angelegt

werden, daß man die Wunden verbinden kann, ohne dadurch von Neuem eine

Störung der Lage des Knochen zu verursachen. Alle Knochensplitter &c.

müssen sorgfältig entfernt werden.

Ausrenkungen.

Die Flächen, wo sich zwei Knochen begegnen und gegen einander

gleiten, werden Gliederflächen und die Verbindung die Knochenfügung

genannt. Die Oberfläche des Knochens ist mit einem glänzenden Knorpel

bedeckt und die Glieder werden durch Bänder und Streifen von Knorpel

zusammengehalten. Wenn nun ein Knochen vermittelst Gewalt oder durch

Erschlaffung der Bänder aus seiner Höhle tritt, so nennt man dies eine

Ausrenkung. Ist ein Knochen blos verschoben, so wird dies als eine

+einfache Ausrenkung+ bezeichnet, wenn aber dabei die umgebenden

Theile verletzt werden, so nennt man es eine +zusammengesetzte

Ausrenkung+. Eine Ausrenkung sollte sobald als möglich nach

deren Vorgang behoben werden; je länger dies verschoben wird, desto

schwieriger wird es sein. Zuweilen findet man einen Bruch und eine

Ausrenkung zu gleicher Zeit, und in solchen Fällen muß zunächst die

Ausrenkung beseitigt sein, bevor man den Bruch behandeln kann.

Kennzeichen einer Ausrenkung sind die Unmöglichkeit, die Glieder und

Knochen zu bewegen; die Kugel des Knochens kann in ihrer unnatürlichen

Lage gefühlt werden, und das Glied kann sich verkürzen oder auf

andere Weise verschieben. Eine Ausrenkung muß durch ein allmähliges

und ununterbrochenes kräftiges Ziehen beseitigt werden, was daran zu

erkennen ist, daß das Glied seine natürliche Gestalt wieder annimmt und

gewisse Bewegungen wieder machen kann, welche, während der Knochen aus

seiner Lage ist, nicht möglich sind. Der Schmerz läßt allmählig nach,

nachdem der Knochen wieder eingerichtet ist.

Bei Ausrenkungen der Schulter und Hüfte, macht der Knochen ein

schnappendes Geräusch, wenn er in seine Lage zurückgleitet.

Ausrenkung des Gaumens

wird gewöhnlich durch zu starkes Gähnen verursacht und kann auf einer

oder auch auf beiden Seiten stattfinden. Der Mund ist weit geöffnet,

das Kinn nach einer Seite oder nach unten gezogen, der Patient ist

unfähig, den Mund zu schließen und der Speichel tropft.

+Behandlung.+

Man stelle sich hinter den sitzenden Patienten und schiebe einen Kork

oder Töpsel von Holz zwischen die Backenzähne auf der ausgerenkten

Seite oder auf beiden Seiten, wenn die Ausrenkung beider Seiten

stattfand, und hebe das Kinn sanft aber beständig. Wenn die

Ausrenkung beseitigt ist, wird sich der Mund sogleich nach dem

Herausnehmen des Korkes oder Töpsels schließen.

Ausrenkung des Schlüsselbeins.

Das Schlüsselbein ist mehr zum Bruch als zur Ausrenkung geneigt. Wenn

eine solche stattfindet, so steht sie in der Regel mit dem Brustbein

in Verbindung. Die Kugel des Knochens kann sich sowohl rück- als

vorwärts schieben. Wenn rückwärts gezogen, drückt sie auf den oberen

Theil des Brustbeines, während die Kugel wie eine Geschwulst an dem

Halse gefühlt werden kann; auch verursacht dies eine beträchtliche

Anschwellung. Wird die Kugel vorwärts gezogen, so wird mit der Hand an

der Spitze des Brustbeins ein Höcker gefühlt.

+Behandlung.+

Wenn sich der Knochen nach rückwärts geschoben hat, ziehe die

Schulter kräftig genug vom Körper weg, damit der Knochen in seine

Lage zurückgebracht wird, dann presse die Schulter nach rückwärts und

halte sie in dieser Stellung. Fand die Ausrenkung nach vornen statt,

so beseitige sie in derselben Weise; beuge die Schulter ein wenig

nach vorwärts und lege eine feste Compresse über dem Knochen an,

damit eine Wiederholung verhindert wird.

Ausrenkung der Schulter.

Die Kugel des langen Armknochens kann in drei verschiedenen Richtungen

ausgerenkt werden, nach unten, in die Armhöhle, nach vornhin, auf die

Brustmuskeln und nach rückwärts auf die Rückseite des Schulterblattes.

Wenn die Ausrenkung in die Armhöhle stattfand, so ist der Arm länger

als der andere und der Ellbogen von der Seite gezogen; die Rundung der

Schulter ist verschwunden, der Patient kann den Arm nicht heben und die

Finger sind zuweilen empfindungslos.

Bei einer Ausrenkung nach vorwärts wird ein Höcker an der Spitze

der Schulter gefühlt, der Ellbogen ist von der Seite nach rückwärts

gezogen, der Arm ist kürzer und die Kugel kann unter dem Schlüsselbein

gefühlt werden.

Wenn die Kugel nach rückwärts an das Schulterblatt gezogen ist, so kann

sie durch die Geschwulst an jener Stelle gefühlt werden; der Arm und

Vorderarm wird quer über die Brust gezogen.

+Behandlung.+

Wenn eine Ausrenkung in die Armhöhle stattfand, lasse man den

Patienten sich auf den Rücken legen, stelle den nur mit dem Strumpf

bekleideten Fuß in die Armhöhle, ziehe dann stark an dem Arme und

zwinge so durch das Gegenstemmen des Fußes die Kugel zurück, bis sie

plötzlich in die Höhle springt.

Bei einer Ausrenkung nach vorwärts bringe man durch Ziehen des Armes

nach aus- und aufwärts die Kugel in die Armhöhle und verfahre dann

weiter wie eben beschrieben.

Wenn die Kugel nach rückwärts ausgerenkt ist, so stelle sich der

Wundarzt neben den Kranken, anstatt sich, wie auf dem vorstehenden

Holzschnitte gezeigt, neben denselben zu setzen. Durch das Ziehen des

Armes mehr nach vorne hin wird die Ausrenkung beseitigt.

[Illustration]

Ausrenkung des Ellbogens.

Die gewöhnlichste Ausrenkung des Ellbogens ist jene, bei welcher beide

Knochen des Vorderarmes rück- und aufwärts gezogen sind. Sie kann

daran erkannt werden, daß die Spitze des Ellbogens mehr als gewöhnlich

hervorsteht; an jeder Seite des Ellbogens befindet sich eine Höhle und

der Vorderarm ist an dem rechten Knöchel der Hand gekrümmt.

+Behandlung.+

Fasse den Arm oben und unter dem Ellbogen, setze das Knie in den

verletzten Ellbogen, und währenddem man den Arm um das Knie biegt,

ziehe man beständig stark, auf diese Weise werden die Knochen wieder

in ihre Lage zurückgebracht.

Ausrenkung des Handgelenkes

kann an dem Schmerz, der Veränderung in der Stellung der Hand verbunden

mit einer Anschwellung des vordern und hintern Theiles der Hand erkannt

werden.

+Behandlung.+

Man fasse die verletzte Hand fest, während ein anderer den Arm hält,

und indem die Hand in die Höhe gezogen wird, drücke man mit der

anderen Hand die Knochen in ihre Lage zurück.

Ausrenkung der Knochen der Finger.

Eine solche kann an dem Vorspringen an dem hinteren Theile des Fingers

erkannt werden.

[Illustration]

+Behandlung.+

Beuge den Finger rückwärts an dem ausgerenkten Gliede, bis es in

einem rechten Winkel steht, dann dränge man mit den Daumen den Boden

des ausgerenkten Knochens vorwärts und strecke gleichzeitig den

Finger aus.

Ausrenkung des Hüftknochens.

Die Kugel oder der Kopf des Hüftknochens kann nach vier Richtungen hin

ausgerenkt werden; auf- und rückwärts, nach unten und rückwärts, auf-

und vorwärts und rück- und vorwärts.

Die Ausrenkung auf- und rückwärts wird daran erkannt, daß das Bein

ungefähr um zwei Zoll kürzer als das andere und das Knie und der Fuß

nach einwärts gedreht sind.

Die Ausrenkung nach unten und vorwärts kennzeichnet sich durch die

Verlängerung des Gliedes; das Knie ist weit getrennt von dem anderen

und Fuß und Knie sind auswärts gedreht, bei einem Versuche, aufrecht zu

stehen, wird der Körper mehr vorwärts gezogen.

Die Ausrenkung rückwärts und nach unten wird daran erkannt, daß das

Glied ein wenig kürzer ist und Knie und Fuß nach Innen gedreht sind, an

dem Aufziehen der Ferse und an Ruhen der großen Zehe auf dem Ballen der

großen Zehe des andern Fußes.

Die Ausrenkung auf- und vorwärts wird daran erkannt, daß das Glied

ungefähr einen Zoll kürzer als das andere ist und der Fuß und das Knie

auswärts gedreht sind.

+Behandlung.+

Bei Ausrenkung auf- und rückwärts -- lege man den Patienten auf den

Rücken auf einen niedrigen, festen Tisch, oder was noch besser ist,

auf eine zusammengelegte Decke auf die Erde. Der Wundarzt stehe

oder kniee an der verletzten Seite und fasse den Knöchel mit der

einen Hand und mit der andern das Knie. Dann beuge das Knie auf

den Schenkel, zunächst stark anziehend, führe es über den gesunden

Schenkel, gleichzeitig auswärts über das Becken in eine Art von

Halbkreis bis zum Nabel. Ziehe das Knie sanft nach außen, drehe die

Zehen nach auswärts, die Ferse nach Innen und den Fuß quer über

das andere gesunde Glied, indem man den Schenkel sanft hin und her

bewegt, bis die Kugel in ihre Höhle gleitet, was mit einem leichten

Knirschen oder hörbaren Schnappen vor sich geht. (Dr. W. W. Reid in

Smith’s Chirurgie).

Wenn nach unten und rückwärts, muß der Schenkel auf den Körper

gebeugt und quer über den gegenüberliegenden geführt werden; dann

führe ihn langsam vom Körper weg in einer Weise, ähnlich wie die oben

beschriebene.

Bei einer Ausrenkung auf- und vorwärts führe man das Glied kräftig

vom Körper hinweg, rolle den Fuß noch kräftiger auswärts, bis die

Kugel nach unten gleitet; die Ausrenkung ist dann eine solche, wie

die nach unten und vorwärts. Der Schenkel sollte dann stark auf den

Körper gekrümmt und quer über den andern geführt werden, und wenn bei

dem Rollen des Beines die Fußsohle aus- und aufwärts gerichtet ist,

wird die Kugel an ihre Stelle gleiten.

Ausrenkung der Kniescheibe.

Die Kniescheibe kann nach Außen und Innen ausgerenkt werden.

Die Ausrenkung nach Außen kann an dem Hervorragen oder der Geschwulst

an der äußeren Seite des Kniegelenkes, Steifheit und Unfähigkeit zum

Gehen, erkannt werden. Dies ist das gewöhnlichste.

Die Ausrenkung nach Innen ist sehr selten und die Kennzeichen sind

dieselben, wie die vorhergehenden, ausgenommen daß die Kniescheibe

neben dem Kniegelenk gefunden wird.

+Behandlung.+

Der Patient lege sich auf ein Bett und lege mit völlig ausgestrecktem

Beine seine Ferse auf die Schulter einer anderen Person, welche die

Kniescheibe mit den Fingern und Daumen in ihre Lage zurückbringt.

Ausrenkung des Kniegelenkes.

Das Kniegelenk kann in vier Richtungen ausgerenkt werden, rückwärts,

vorwärts, einwärts und auswärts. Die häufigsten sind die rück- und

vorwärts.

+Behandlung.+

Eine Person fasse den Fuß des Patienten und ziehe beständig,

aber kräftig, während ein Anderer den Schenkel faßt und in der

entgegengesetzten Richtung zieht, dann dem Kniegelenk gegenüber

stehend, bringe die verschobenen Knochen wieder in ihre Lage.

Ausrenkung des Knöchels.

Eine derartige Ausrenkung kommt nur selten vor, ausgenommen in

Begleitung eines Bruchs. Sie kann vor-, rück-, aus- oder einwärts

stattfinden. Die Ausrenkung einwärts ist die gewöhnlichste und kann

daran erkannt werden, daß der Fuß nach Außen gezogen wird und die

innere Kante auf dem Boden ruht. Auch wird eine harte Geschwulst an

der innern Seite des Knöchels und eine Vertiefung an der äußeren Seite

gefunden werden.

+Behandlung.+

Ein kräftiges Ziehen an dem Fuße, während Jemand das Bein nahe am

Knie hebt, und Beugen des Fußes in solch einer Richtung, welche die

Rückkehr des Knochens in seiner Lage begünstigt, wird Ausrenkung des

Knöchels, wenn sie nicht von einem Bruche begleitet ist, schnell

beseitigen.

Wunden.

Wunden werden in verschiedene Klassen eingetheilt: +einfache

Schnittwunden+, von einem scharfen, schneidenden Instrumente

herrührend; +Riß- und Quetschwunden+, durch ein stumpfes Instrument,

wie eine Säge oder eine Keule, verursacht; +Stichwunden+, von Bayonett,

Dolch u.s.w., und +vergiftete Wunden+, in Folge von Stichen oder

Bissen giftiger Insekten oder Schlangen.

+Behandlung.+

[Illustration]

Einfache Schnittwunden müssen zuerst von allem Schmutz gereinigt

und die Blutung gestillt werden. Die Blutung hört in der Regel nach

Anwendung des kalten Wassers oder Wasser mit ein wenig Arnika-Tinktur

darin auf. Andere Mittel für diesen Zweck sind: Lösungen von Tannin,

Alaun (~Alum~), Abkochung von Weißeichenrinde und Monsel’s Salz; das

Letztere ist ein vortreffliches Mittel. Nachdem die Blutung gestillt

ist, müssen die Ränder der Wunde zusammen gebracht und durch einen

Streifen Heftpflaster zusammen gehalten werden, bis die Wunde geheilt

ist. Wenn das Pflaster die Ränder nicht zusammenhält, müssen einige

Stiche gemacht werden. Ist die Blutung sehr stark und von einer

hellen, rothen Farbe, strahlenförmig herausströmend, so ist dies ein

Zeichen, daß eine Ader verletzt worden ist. Eine Compresse sollte

dann auf die Ader über die Wunde und zwischen die Wunde und das Herz

gelegt werden, wenn der Druck mit den Fingern nicht hinreicht, binde

ein Taschentuch so fest als möglich um das Glied.

[Illustration]

Bei Riß- und Quetschwunden ist die Behandlung der obigen ähnlich.

Wenn aber eine Entzündung im hohen Grade eintritt, muß das Pflaster

entfernt und Kaltwasser-Umschläge, zuweilen auch ein beruhigender

Umschlag gemacht werden. Die Tinktur der Ringelblume (~Calendula~)

ist bei dieser Klasse von Wunden der Arnica vorzuziehen.

Stichwunden werden ungefähr in derselben Weise wie die obigen

behandelt. Sorge sollte getragen werden, daß die Wunde nicht vom

Grunde aus heilt, was durch das Einschieben von ein wenig Charpie in

die Wunde verhindert werden kann.

Vergiftete Wunden schließen in sich Bisse und Stiche von Musquitos,

Spinnen, Bienen, Wespen und Schlangen. Eine Auflösung von

gewöhnlichem Salz mag mit Vortheil angewendet werden, ebenso auch

Ammoniak-Wasser, ein Umschlag von Wegebreit- (~Plantain~) Blättern,

Arnica-Tinktur, nasser Erde und Olivenöl.

Bei den Bissen von Schlangen sollte sogleich ein Taschentuch oder

irgend ein anderer Verband fest um das Glied zwischen die Wunde

und das Herz gelegt werden. Das Gift muß dann vermittelst des

Schröpfkopfes (~Dry cup~) oder des Mundes aus der Wunde gesaugt

werden. Der Patient sollte darauf so bald als möglich Whiskey,

Wachholderbranntwein (~Gin~) oder Brandy trinken, bis er betrunken

ist, und in diesem Zustande so lange verbleiben, bis sich die

Symptome bessern.

Quetschungen.

Eine Quetschung wird in der Regel durch einen stumpfen, harten

Gegenstand, der mit den weichen Theilen des Körpers in heftige

Berührung kommt, ohne die Haut zu zerreißen, verursacht. Die kleinen

Blutgefäße werden gewöhnlich zerrissen, lassen das Blut unter die Haut

und erzeugen schwarze oder blaue Flecken.

+Behandlung.+

Zu einem Theile Arnica-Tinktur füge 6 bis 8 Theile Wasser, befeuchte

ein Tuch mit dieser Lösung und lege es über die Quetschung.

Verstauchungen.

Eine Verstauchung ist ein gewaltsames Reißen und Drehen eines

Gelenkes in einem solchen Grade, daß die Bänder mehr oder weniger

reißen und sich ausdehnen, ohne jedoch den Knochen aus seiner Lage zu

bringen. Die Kennzeichen bestehen in Schmerz, Anschwellen, Entzündung

und Empfindlichkeit des betreffenden Theiles. Mit Sorgfalt sollte

untersucht werden, ob nicht etwa eine theilweise Ausrenkung des

verletzten Gelenkknochens stattgefunden hat. Bei einer Verstauchung

tritt die Anschwellung allmählig ein und das Gelenk kann unmittelbar

nach der Verletzung bewegt werden, während bei einer Ausrenkung

Anschwellung und Bewegungslosigkeit sogleich nach dem Unfalle eintritt.

+Behandlung.+

Zu einem Theile Aconit-Tinktur (~Tincture of Aconite~) füge 6 oder 8

Theile Wasser und hülle das Gelenk in Tücher, welche in dieser Lösung

getränkt sind.

Verbrennungen und Verbrühungen

sind, wenn nicht in zu großem Maßstabe, weniger gefährlich. Wenn

sie aber eine große Fläche bedecken oder tief gehen, so sind sie

ebenso gefährlich als schmerzhaft. Bei ihrer Behandlung betrachte

man die konstitutionellen Symptome und verhindere das Verwachsen und

Zusammenziehen, während die Heilung vor sich geht. Hat eine Verbrennung

der Hand stattgefunden, die sich zugleich auf die Finger erstreckt, so

sollten die Finger möglichst weit getrennt und diese Stellung durch

Schienen und Verband gesichert werden.

+Behandlung.+

Man nehme gleiche Theile von Kalkwasser und Leinöl, in welchen ein

Theil Kohlensäure (~Carbolic acid~) auf 50 der Mischung aufgelöst

ist, bestreiche mit dieser Masse die Oberfläche dick und bedecke es

mit einer Lage roher Baumwolle. Das Kalkwasser und Leinöl kann auch

ohne die Kohlensäure angewendet werden.

Wenn der Brand nicht sehr tief geht, lege auf die Oberfläche

baumwollene Tücher, welche in starkem Alaun- (~Alum~) Wasser getränkt

sind. Spanische Seife (~Castile soap~) geschabt und mit Wasser zu

einem dicken Seifenschaum gemischt, dick auf leinene oder baumwollene

Tücher getragen und auf die Oberfläche gelegt, wird vorzüglich

gefunden werden. Mehl auf die Oberfläche gestreut, ist auch gut,

ebenso das Auflegen einer dünnen Lage von roher Baumwolle.

Erfrorene Glieder.

+Behandlung.+

Halte sie fern vom Feuer, thaue sie langsam auf durch Reiben mit

Schnee, dann mit Flanell und schließlich mit der Hand.

Beulen (~Boils -- Furunculus~).

Eine Beule ist eine harte kegelförmige Anschwellung, welche anfänglich

die Größe einer Erbse hat und sich an irgend einem Theile des Körpers

befinden kann. Die Anschwellung nimmt rasch zu und bekommt eine

blühende purpurne Farbe; nach 5 oder 6 Tagen wird sie spitz und oben

weiß, bricht aus und entleert eine Quantität Eiter. Bei dem Oeffnen

einer Beule wird eine Haut, gewöhnlich der Kern (~Core~) genannt,

gefunden, der entfernt werden muß, bevor die Beule heilen kann. Nach

der Entleerung des Eiters hört der Schmerz auf, die Anschwellung

zertheilt sich und die Heilung ist nach wenigen Tagen vollendet. Nicht

selten haben Personen einen ganzen „Kropf“ davon, der Monate oder Jahre

anhalten wird. In der Regel sind sie mit gewissen Störungen der Leber

oder des Magens verbunden.

+Behandlung.+

Mache warme Umschläge, bis sich die Beulen erweichen und eitern. Um

deren Rückkehr zu verhüten, gebe man die homöopathischen Heilmittel

~Arnica~ und ~Sulphur~.

Karfunkel (~Carbuncle -- Anthrax~).

Dies ist ein bösartiges Geschwür, welches selten eitert, nur einen

dünnen sauren Eiter entleert und außerordentlich schmerzhaft ist.

+Symptome.+ Ein Karfunkel beginnt mit Hitze und Schmerz in dem

angegriffenen Theile, mit mehr oder weniger Jucken verbunden. Ein

kleines Bläschen wird zuerst bemerkt und eine tiefgehende und sehr

harte Geschwulst bildet sich. Häufig leidet der Patient an Frösteln,

Ohnmachten, Uebelkeit &c. Nimmt die Geschwulst zu, so bekommt sie eine

dunkelrothe oder purpurne Farbe, nach den Rändern zu lichter; eine

kleine Blase bildet sich aus der Spitze der Geschwulst, welche, wenn

aufgebrochen, eine dünne dunkelgefärbte Flüssigkeit entleert. Bei

weiterem Fortgang bilden sich noch mehrere Oeffnungen und der Karfunkel

kann sehr schnell in Brand übergehen.

Sie wechseln in ihrer Größe von einem halben bis zu 5 oder 6 Zoll, oder

werden sogar noch größer. Zeigen sich dieselben am Kopf oder Nacken,

so sind sie gefährlicher als an anderen Stellen. Sie enden zuweilen

tödtlich.

+Behandlung.+

Beim ersten Beginne der Entzündung gebe man das homöopathische

Mittel ~Arsenicum~, stündlich oder alle zwei Stunden eine Dosis,

und der Anfall wird eingehalten werden. Wenn es geeitert hat, mache

erweichende Umschläge, bis die todte Lage ganz beseitigt ist, und

dann behandle es als eine gewöhnliche Eiterbeule.

Das Fingergeschwür (~Felon -- Whitlow~).

Das Fingergeschwür ist eine Entzündung von sehr schmerzhafter Natur und

befindet sich in der Nähe der Finger- oder Zehengelenke. Es gibt davon

vier Arten:

1) Jenes unter der Haut rings um den Nagel herum.

2) Das auf der inneren Seite der Fingerspitze.

3) Jenes innerhalb der Sehnenscheide des Fingers.

4) Jenes innerhalb der ~Periosticum~ oder Knochenhaut.

Die letzte Form dieses Leidens ist die fürchterlichste und verursacht

großen Schmerz; läßt man sie unbeachtet vorwärts schreiten, so kann

es den Verlust eines oder mehrerer Knochen, ja sogar der Hand zur

Folge haben. Es beginnt mit einem tiefsitzenden Schmerz, Röthe und

Anschwellung, und wenn sich Eiter bildet, wird der Schmerz klopfend.

+Behandlung.+

Sobald man sicher weiß, daß sich ein solches Geschwür bildet, lasse

man es aufschneiden und versichere sich, daß der Schnitt breit und

tief genug ist, den Eiter leicht auszulassen. Liegt das Geschwür

innerhalb der Knochenhaut (der Haut, welche den Knochen bedeckt),

was gewöhnlich der Fall ist, sollte der Schnitt bis auf den Knochen

gemacht werden, und zwar so, daß er längs des Knochens kratzt, um

sich zu versichern, daß die Knochenhaut geöffnet ist. Erweichende

Umschläge von Leinsamen, schlüpfriger Ulme (~Slippery elm~) oder Brod

und Milch mögen angewendet werden.

Das Einwachsen des Zehennagels.

Dies ist außerordentlich schmerzhaft und wird durch das Tragen von zu

enger Fußbekleidung verursacht. Der beständige Druck auf die große

Zehe hat das Einschneiden des Nagels in das Fleisch zur Folge, was eine

Eiterung und Bildung von wildem Fleische verursacht.

+Behandlung.+

Man schabe den Nagel an der Spitze sehr dünn und presse etwas Watte

darunter, was zuweilen Linderung verschafft. Ein gutes Mittel ist

auch das Gießen von heißem Fett oder Talg unter den Nagel auf den

Sitz des Uebels. Das trockene Pulver des überchlorsauren Eisen

(~Perchloride of iron~) wird sehr empfohlen.

Gifte und Gegengifte.

Bei Vergiftungsfällen ist das erste Ding, was geschehen muß, Erbrechen

zu erregen, damit das Gift so bald als möglich aus dem Magen entfernt

oder dessen Wirkung auf die Anwendung des Gegengiftes neutralisirt wird.

Um Erbrechen hervorzurufen, mögen folgende Mittel angewendet werden:

Zwanzig Grane schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) oder zehn

Grane schwefelsaures Kupfer (~Sulphate of copper~), in warmem Wasser

aufgelöst.

Lauwarmes Wasser, in großer Menge getrunken und öfters wiederholt.

Schnupftabak oder Senf mit Salz gemischt, auch Senf mit warmem Wasser

vermischt und davon reichlich getrunken.

Unser Familien-Arzt · 第 48 / 51 段