Powder of Rhubarb and Potassa~ -- ~Neutralizing Powder~). Je 1 Unze
pulverisirten Rhabarber und doppeltkohlensaure (~Bi-carbonate~)
Potasche. Mische es gehörig. Empfehlenswerth bei Diarrhöe, Ruhr,
Cholera Morbus, Sodbrennen, saurem Magen &c.
+Wurm-Pulver.+ Nehme je 1 Unze pulverisirte weiße indische Hanfwurzel
(~White Indian hemproot~), Alraun (~Mandrake~), Nelkenwurzel (~Pink
root~) und Bitterwurzel (~Bitter root~); pulverisirter Balsam
(~Balmony~) 2 Unzen, pulverisirte Aloe 4 Skrupel. Mische es gehörig.
Ein sicheres Mittel gegen alle Sorten von Würmern. Mische einen
Theelöffel voll dieses Pulvers in einer Gille Molasses und gebe
stündlich oder alle zwei Stunden, bis es wirkt, und dann dreimal
des Tages durch einige Tage hindurch einen Theelöffel voll dieser
Mischung.
Tinkturen
sind Lösungen von Heilmitteln in verschiedenen Flüssigkeiten. Werden
sie mit Alcohol zubereitet, nennt man sie +Tinkturen+, wenn mit
Ammoniak, +Ammoniak-Tinkturen+, und wenn mit Aether, bezeichnet man sie
mit +ätherischen Tinkturen+.
+Aconit-Tinktur+ (~Tincture of aconite~). Pulverisirte Aconit-
(Eisenhut) Wurzel 4 Unzen, Alcohol ½ Pint. Mische und lasse es unter
häufigem Umrühren 14 Tage lang stehen. Presse den Saft aus und seihe
ihn durch. Anwendbar bei Fiebern. Dosis: Stündlich oder alle zwei
Stunden 3 Tropfen in Wasser.
+Spanische Fliegen-Tinktur+ (~Tincture of cantharides~). Gestoßene
spanische Fliegen 1 Unze, verdünnter Alcohol 2 Pints. Lasse die
Mischung 2 Wochen lang stehen, presse den Saft aus und filtrire ihn
durch ein Papier. Dosis: Drei- oder viermal des Tages 20 Tropfen bis
1 Drachme.
+Lobelia-Tinktur+ (~Tincture of Lobelia~). Lobelia 4 Unzen,
verdünnter Essig und Alcohol je 1 Pint. Lasse die Mischung zwei
Wochen lang stehen, presse sie aus und filtrire sie. Dosis zu einem
Brech- oder Lösungsmittel 30 bis 60 Tropfen.
+Laudanum+ (Mohnsaft). Opium 2½ Unzen, verdünnter Alcohol 2 Pints.
Lasse die Mischung zwei Wochen stehen, presse sie aus und filtrire
sie durch Papier. Dosis: 10 bis 25 Tropfen.
+Zusammengesetzte Schlangenwurzel-Tinktur+ (~Compound Tincture
of Black cohosh~). Schlangenwurzel-Tinktur 1 flüssige Unze,
Blutwurzel-Tinktur (~Tincture of blood root~) ½ flüssige Unze,
Tinktur von Kermesbeer-Wurzel (~Tincture of poke root~) 2 flüssige
Drachmen. Mische es. Verwendbar bei Krankheiten des Magens, der
Lungen und Leber. Dosis: Drei- oder viermal des Tages 20 bis 60
Tropfen.
+Zusammengesetzte Kampher-Tinktur+ (~Compound Tincture of Camphor~).
Kampher 4 Unzen, Majoran- (~Origanum~) Oel, Schierlingöl (~Oil of
hemlock~) von jedem 2 Unzen, Sassafrasöl (~Oil of sassafras~),
Cajeput- (~Cajeput~) Oel von jedem ½ Unze, Terpentin- (~Turpentine~)
Oel 2 flüssige Drachmen, spanischer Pfeffer (~Capsicum~) 1 Unze,
Alcohol 2 Pints. Mische und lasse es 14 Tage stehen, dann filtrire
es. Dienlich bei Verrenkungen, Quetschungen, Rheumatismus,
Frostbeulen &c. Reibe die leidende Stelle damit vor dem Feuer ein.
Bei hartnäckigen Fällen lege man nach der Anwendung des Vorstehenden
ein Stück Flanell, mit dieser Mischung getränkt, auf.
+Zusammengesetzte wilde Safran-Tinktur+ (~Compound Tincture of
Colchicum~). Schlangenwurzel- (~Black cohosh~) Tinktur und Tinktur
von dem Samen des wilden Safrans je 1 flüssige Unze. Mische es.
Anwendbar bei entzündlichem Rheumatismus und gegen das Milchbein
von Frauen im Kindbett. Dosis: Alle 2, 3 oder 4 Stunden 10 Tropfen
bis einen Theelöffel voll oder mehr. Zehn oder fünfzehn Grane
Potaschen-Jodid (~Iodide of potassium~) jeder flüssigen Unze der
Tinktur beigefügt, wird sehr zuträglich gefunden werden.
+Zusammengesetzte Lobelia-Tinktur+ (~Compound Tincture of Lobelia~ --
~Dr. J. King’s Expectorant Tincture~). Man nehme Lobelia, Blutwurzel,
Stinkkohl (~Skunk cabbage~), wilden Ingwer (~Wild ginger~),
Pleuresie-Wurzel, grob pulverisirt, je 1 Unze. Lege dies in ein Gefäß
und gieße kochendes Wasser oder Essig darüber, bis es bedeckt ist,
dann decke es fest zu. Wenn kalt, füge 3 Pints Alcohol hinzu. Lasse
die Mischung 14 Tage stehen, presse den Saft aus und filtrire ihn
durch Papier.
Ein vortreffliches Brechmittel für Säuglinge und Kinder bei Bräune,
Keuchhusten, Luftröhrenentzündung (~Bronchitis~) und Krämpfen. Auch
gut als Lösungsmittel bei Husten, Brustentzündung, Asthma &c. Dosis:
Als Brechmittel für Kinder von einem halben Theelöffel aufwärts. Kann
in Molasses und Wasser gegeben werden.
+Zusammengesetzte Myrrhen-Tinktur+ (~Compound Tincture of Myrrh~
-- ~Hot Drops~). Gestoßene Myrrhen 4 Unzen, spanischer Pfeffer
(~Capsicum~) 2 Unzen, Alcohol 4 Pints. Mische es und lasse die
Mischung 14 Tage stehen, dann filtrire sie. Aeußerlich anzuwenden,
zuweilen auch innerlich gegen Kolik &c. gegeben. Ebenfalls gut bei
Rheumatismus, Verrenkungen, Quetschungen &c. Dosis: Einen Theelöffel
bis einen halben Eßlöffel voll in versüßtem Wasser.
+Zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel+
(~Compound Tincture of Virginia Snake root~). Man nehme Virginische
Schlangenwurzel, Brechwurz (~Ipecac~), Saffran (~Saffron~),
Opium, Kampher, grob pulverisirt, je 8 Skrupel, holländischen
Wachholderbranntwein (~Holland gin~) oder verdünnten Alcohol 1 Pint.
Mische es und lasse die Mischung 14 Tage stehen, dann presse und
filtrire sie. Ist zum Hervorrufen von Schweiß, zur Verminderung des
Schmerzes und als schlafbringendes Mittel sehr zu empfehlen. Dosis:
Stündlich oder alle 2 bis 4 Stunden 10 bis 60 Tropfen in Katzenmünze-
(~Catnip~) oder Balsamthee.
+Arnica-Tinktur+ (~Tincture of Arnica~). Arnicablüthen 1½ Unze,
verdünnter Alcohol 1 Pint. Mische es. Lasse die Mischung zwei Wochen
stehen, presse sie aus und filtrire.
+Kampher-Tinktur+ (~Tincture of camphor~). Kampher 2 Unzen, Alcohol 1
Pint.
Gewichte, Maße &c.
Trocknes Maß.
20 Grane sind gleich 1 Skrupel.
3 Skrupel „ „ 1 Drachme.
8 Drachmen „ „ 1 Unze.
12 Unzen „ „ 1 Pfund.
Flüssiges Maß.
60 Minims sind gleich 1 flüssigen Drachme.
8 flüssige Drachmen „ „ 1 flüssigen Unze.
16 flüssige Unzen „ „ 1 Pint.
8 Pints „ „ 1 Gallone.
Haus- oder annähernde Maße.
Ein Theelöffel voll ist gleich 1 flüssigen Drachme.
Ein Dessertlöffel voll „ „ 3 flüssigen Drachmen.
Ein Eßlöffel voll „ „ ½ flüssigen Unze.
Ein Weinglas voll „ „ 2 flüssigen Unzen.
Ein Theetassenkopf voll „ „ 6 „ „
Da die Löffel in ihrer Größe verschieden sind, so sollten sie nicht zur
Abmessung von kräftigen Medizinen gebraucht werden. Man gebe stets die
kleineren Dosen zuerst und erhöhe sie allmählig, bis die gewünschte
Wirkung eintritt.
Dosen-Tabelle.
Dosis für einen Erwachsenen über 21 Jahre 1 Drachme.
„ „ eine Person von 14 bis 21 Jahren 2 Skrupel.
„ „ ein Kind von 7 bis 14 Jahren ½ Drachme.
„ „ „ „ „ 4 bis 7 „ 1 Skrupel.
„ „ „ „ „ 4 Jahren 15 Grane.
„ „ „ „ „ 3 „ 10 „
„ „ „ „ „ 2 „ 8 „
„ „ „ „ „ 1 Jahr 5 „
Fünfter Theil. -- Wundarzneikunst.[*]
Wundärztliche Hülfsmittel.
Umschläge (~Poultices~).
Umschläge sind verschiedenartig und müssen weich und feucht sein, dabei
aber hinreichend dick, daß sie nicht über die betreffende Stelle,
wo sie ausgelegt sind, hinauslaufen. Sie werden gewöhnlich warm
angewendet, und vor dem Trockenwerden erneuert.
Sie können zu verschiedenen Zwecken gemacht werden, zur Zertheilung von
Geschwulsten, zur Beschleunigung der Eiterung oder Bildung des Eiters,
zur Verminderung der Entzündung und zum Einhalten des Brandes.
Wenn eine besänftigende Wirkung erzielt werden soll, mögen Umschläge
von Brod und Milch oder Kornmehl und Flachssamen oder schlüpfriger Ulme
(~Slippery elm~), sowie auch irgend einer anderen Substanz, welche die
Eigenschaft besitzt, Feuchtigkeit und Wärme eine lange Zeit zurück zu
halten, gemacht werden.
Als einen reizenden Umschlag erwähnen wir hier einen solchen von
Senf und gelben Rüben (~Carrots~). Man nehme zwei oder drei gelbe
Gartenrüben, und nachdem sie weich gekocht sind, vermische man sie mit
einer kleinen Quantität von Ulmenrinde (~Elm bark~) oder Mehl. Mag bei
faulen Eiterbeulen und bei schmerzhaften Geschwulsten angewendet werden.
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Fußnote:
* Die in diesem Buche angegebene wundärztliche Behandlung ist im
wesentlichen den Werken von Herrn G. D. Beebe, Wundarzt in Chicago,
entnommen, dessen Fähigkeit und Geschicklichkeit sowohl in der
Militär- als Civil-Praxis weithin bekannt sind. Professor Beebe ist
eine anerkannte Autorität und hat den Stuhl der Wundarzneikunde in dem
Hahnemann’schen Collegium von dessen Gründung an eingenommen.
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+Holzkohlen-Umschlag.+ Man nehme eine Unze Brod und fünf Unzen heißes
Wasser und lasse es 10 Minuten nahe am Feuer stehen, dann füge
pulverisirten Flachssamen, 5 Drachmen, hinzu, pulverisirte Holzkohle
2 Drachmen, und mache einen weichen Umschlag davon. Dies mag bei
Eiterbeulen und Geschwüren, die einen widerwärtigen Geruch haben,
angewendet werden.
+Schlüpfriger Ulm-+(~Slippery Elm~)+Umschlag+ wird aus pulverisirter
Ulmenrinde zubereitet mit hinreichend heißem Wasser, um daraus eine
weiche Masse zu bilden. Anwendbar, sobald eine Erweichung oder
besänftigende Wirkung gewünscht wird.
+Lobelia-Umschlag.+ Man nehme gleiche Theile der Lobelia- und
Ulmenrinde und füge genug heiße schwache Lauge hinzu, einen Umschlag
daraus zu bilden. Anwendbar bei Nagelgeschwüren, Beulen, Wunden,
Insektenstichen und allen Arten von Entzündung.
+Kermesbeer-+(~Poke root~)+Umschlag.+ Man nehme eine Quantität
Kermesbeere und röste sie in heißer Asche, wenn weich, zerstoße sie
und mache davon mit heißem Wasser einen Umschlag. Dies wird zuweilen
Geschwulste, Beulen und Nagelgeschwüre zertheilen.
Gegen Geschwüre, Beulen und Nagelgeschwüre sind Brod und Milch, sowie
Flachssamen-Umschläge wahrscheinlich die besten Mittel. Nachdem aber
der Eiter zu laufen beginnt, ist der Umschlag von schlüpfriger Ulme
vorzuziehen. Letzterer ist auch bei Karfunkel und anderen tiefen
Eitergeschwüren der beste Umschlag.
Hefen- (~Yeast~) Umschläge mögen bei stark morastartigen Eiterbeulen,
die einen widrigen Geruch besitzen, angewendet werden.
Bähungen (~Fomentations~).
Diese können ebensowohl warm als auch kalt sein, und der Zweck
derselben besteht in der Verminderung der Entzündung und Anschwellung.
Bähungen können aus Arnica, Ringelblumen (~Calendula~) oder Brennnessel
(~Urtica Urens~) gemacht werden.
Arnica ist gut bei Quetschungen und Verrenkungen.
Ringelblume bei Schnitt- und Rißwunden.
Brennnessel bei Quetschungen und Verbrühungen.
Das Verhältniß ist 10 bis 20 Tropfen der Tinktur auf ½ Pint kaltes
Wasser, Tücher in der Mischung getränkt und ausgerungen werden
aufgelegt und häufig gewechselt.
Hopfen wird in folgender Weise angewendet. Ein Säckchen, welches
denselben enthält, wird in heißes Wasser getaucht und auf die
angegriffene Stelle gelegt. Die Bähung sollte gehörig zugedeckt
gehalten werden, so daß die Feuchtigkeit und Wärme zurück bleibt.
Bähungen können auch aus Hopfen, Rainfarn und Wermuth, jedes
allein oder zu gleichen Theilen; Hopfen, Lobelia und Stechapfel-
(~Stramonium~) Blättern, zu gleichen Theilen, zubereitet werden.
Pflaster (~Plasters~)
werden in der Regel zur Zusammenziehung von Wunden oder zur
Verhinderung des Zutritts der Luft zu denselben aufgelegt. Gegen große
und tiefe Wunden ist das beste gewöhnliches Heftpflaster, und gegen
leichte Wunden und Abreiben der Haut mag das englische Pflaster (~Court
plaster~) angewendet werden. Arnica-Pflaster ist gut gegen Verrenkungen
und chronischen Rheumatismus, besonders im Rückgrat und der Brust.
Wickelbänder und Bandagen
sollten aus fester Leinwand oder baumwollenen Tüchern gemacht werden.
Man schneide Streifen von vier Finger Breite und nähe sie zusammen,
bis man die erforderliche Länge besitzt. Dann rolle man sie dicht
übereinander, so daß sie bei der Verwendung leichter gehandhabt werden
können. Bei dem Verbinden sollte der Wundarzt versuchen, jeden Theil
des Gliedes zu bedecken, damit auf alle Theile ein gleichmäßiger Druck
ausgeübt wird; auch sollte der Verband vollkommen glatt sein, und um
dies zu bewerkstelligen, wird es nothwendig werden, den Verband an
gewissen Stellen des Gliedes um sich selbst zu wickeln, bis es dem
Wundarzt wieder möglich ist, weiter spiralförmig zu verbinden, wobei
immer das folgende das frühere zur Hälfte bedecken muß.
[Illustration]
Beim Verbinden eines Armes oder Beines beginne man stets mit den
Fingern oder Zehen und gehe aufwärts. Der Verband darf aber nicht zu
fest angelegt werden, damit nicht der Umlauf des Blutes gehemmt wird,
was leicht Brand verursachen könnte. Die nebenstehende Abbildung
zeigt, wie ein derartiger Verband anzulegen ist.
Bei Brüchen mag man den Verband von Zeit zu Zeit mit einer Lösung von
Arnica oder kaltem Wasser tränken.
Schienen (~Splints~)
sind aus Blech, dünnem Brett oder starker, steifer Pappe anzufertigen
und müssen der Länge und der Breite des gebrochenen Gliedes angemessen
groß sein. Man befestige sie vermittelst Riemen oder Wickelbänder.
Brüche (~Fractures~).
Wenn ein Knochen gebrochen ist, so nennt man dies einen Bruch. Ist
er in zwei oder mehrere Stücke gebrochen ohne irgend eine äußerliche
Wunde, so wird dies ein +einfacher Bruch+ genannt. Wenn aber da, wo der
Bruch stattgefunden hat, eine äußerliche Wunde vorhanden ist, so wird
es als ein +zusammengesetzter Bruch+ bezeichnet. Es giebt auch andere
Formen, allein diese mögen für dieses Buch hinreichen.
Die Kennzeichen von Brüchen sind zuweilen sehr unkenntlich. Gewöhnlich
ist Schmerz und eine Unfähigkeit, das Glied zu bewegen, vorhanden,
was aber auch bei Verrenkungen u.s.w. der Fall sein kann. In der
Regel aber tritt sowohl ein Kürzerwerden des Gliedes als auch eine
Veränderung in dessen Form ein, verbunden mit der Unmöglichkeit des
Bewegens, Schmerz und Anschwellen. Ebenso wird auch ein knirschendes
Geräusch oder Gefühl, ~crepitus~ genannt, wahrgenommen, das durch das
Aneinanderreiben der gebrochenen Enden des Knochens hervorgerufen wird.
+Behandlung.+
Wenn ein Bruch stattgefunden hat, sollte der Patient mit der
größten Sorgfalt weggeschafft werden, und wenn es in einer gewissen
Entfernung vom Hause geschah, sollte man ihn aus ein Brett oder
eine Thüre legen, oder auf irgend eine Weise fortschaffen, die ihm
eine bequeme Lage gestattet; das verletzte Glied darf nicht hängen
gelassen oder hin und her geworfen werden, muß vielmehr vermittelst
Kissen von Stroh, Blättern u.s.w. in eine ruhige Lage gebracht
werden. Gebrochene Glieder, besonders wenn Anschwellung vorhanden
ist, sollten vor den ersten 3 oder 4 Tagen, oder wenigstens nicht vor
einigen Stunden nach dem Unfalle verbunden werden, denn ein Verband,
der durch das Anschwellen beengt wird, kann den Blutumlauf hemmen und
so die Ursache zum Brande werden. Der gebrochene Knochen muß in eine
möglichst bequeme Lage gebracht und dort ruhig gelassen werden, bis
die Anschwellung nachgelassen hat. Sofortige Aufmerksamkeit sollte
Brüchen des Schlüsselbeines oder der Rippen geschenkt werden.
Um den Knochen wieder einzurichten, lege man den Patienten auf ein
Brett oder eine Matratze, und befinden sich die Schnitte des Bruches
nicht genau gegenüber, so sollte einer der Wärter den unteren Theil
des gebrochenen Gliedes erfassen, während der andere den oberen Theil
hält, beide sollten dann sanft ziehen und zwar in entgegengesetzter
Richtung, so daß durch die Ausdehnung und das Zusammenschieben
schließlich der Knochen wieder in die rechte Lage gebracht wird.
Dann mögen die Schienen und der Verband angelegt werden, und um
das Aufreiben der Haut oder eine Verletzung zu verhindern, sollte
eine dünne Lage Watte untergelegt werden. Die Schienen müssen von
einer oder zwei Personen gehalten werden, während der Wundarzt den
Verband anzulegen beginnt, und zwar immer an dem unteren Theile des
Gliedes zuerst anfängt. Nachdem das Glied so verbunden, lege man
es auf ein Kissen in einer gebeugten Stellung oder in einem eigens
dazu angefertigten Bruchkasten oder in einer Schlinge. Man nehme den
Verband nach Verlauf einer Woche ab, um sich zu versichern, daß sich
die Theile in gehöriger Lage befinden, und verbinde dann wieder.
Bruch des Nasenbeines
wird leicht an der Mißgestaltung erkannt.
+Behandlung.+
Die Knochen werden eingerichtet, indem man mittelst eines silbernen
oder hölzernen Stiftes oder irgend eines ähnlichen Instrumentes in
der Nasenhöhle die gebrochenen Knochen herausdrückt, währenddessen
man durch einen Gegendruck mit den Fingern von außen das zu weite
Hervortreten derselben verhindert. Um die Entzündung und das
Anschwellen zu unterdrücken, mache man nasse Umschläge von kaltem
Wasser oder einer kalten Arnica-Lösung durch mehrere Tage hindurch.
Bruch des untern Kinnbackens.
Der untere Kinnbacken kann an mehreren Stellen gebrochen werden und der
Bruch mag ein einfacher oder zusammengesetzter sein. Er wird an dem
Schmerz bei Bewegung des Gaumens, durch das Lockerwerden der Zähne und
an dem knirschenden Gefühle beim Bewegen der Knochen erkannt.
+Behandlung.+
Lege über das Kinn eine Lage Watte oder Charpie, und forme dann
nach dem Kinn und unter der Oberfläche des Gaumens ein Stück dicker
Pappe welche zuvor in Wasser erweicht wurde, zu einer Schiene.
Dann befestige man dieselbe mittelst eines Wickelbandes von zwei
Zoll breit an den Gaumen, presse den unteren Kinnbacken gegen den
oberen und binde die Bandage vorn und unter dem Kinn quer über den
Scheitel. Dieser Verband sollte nicht vor drei bis vier Tagen behufs
Nachsehens entfernt werden. Sollte es schwer sein, die Bruchstücke
an ihrem Platz zu halten, so sollten die dem Bruch auf beiden Seiten
nächststehenden Zähne mit einem feinen Eisen- oder Silberdrath
zusammen gezogen werden.
Bruch der Rippen.
Ein Bruch der Rippen kann durch einen heftigen Schlag oder Fall
verursacht werden und ist an dem schwierigen Athmen und an einem
leichten Krachen, welches gehört oder gefühlt werden kann, wenn man die
Hand über den verletzten Theil legt, während der Patient einen langen
Athemzug thut, zu erkennen. Der Patient klagt bei jedem Athemzug über
einen stechenden Schmerz in der verletzten Seite.
+Behandlung.+
Schneide Heftpflaster in Streifen von ein und einem halben Zoll
breit und 15 bis 18 Zoll lang, und wenn erwärmt, lege man sie auf
die verletzte Seite. Ein Ende von jedem Streifen ruhe auf dem
Brustbein und ziehe sich dann nach unten und außen, so daß sie den
Bruch kreuzen und bis zum Rückgrat reichen. Diese Streifen sollten
die Oberfläche der verletzten Stelle zwei oder drei Zoll über
und unter dem Bruche bedecken und aufgelegt werden, während der
Patient die Luft so viel als möglich aus den Lungen zieht. Oder ein
breites, starkes Band mag um die Brust herum befestigt werden, damit
verhindert wird, daß sich die Rippen während des Athmens bewegen.
Bruch des Schlüsselbeines
kommt häufig vor und erfordert sofortige Behandlung. Er kann daran
erkannt werden, daß die Schulter an der verletzten Seite tiefer ist als
die an der andern, an dem Schmerz bei Bewegung, der Patient kann die
Hände nicht an den Kopf heben, der Arm an der verletzten Seite fällt
auf die Brust, an den knirschenden Ton oder crepitus, der bei Bewegen
des Armes oder der Schulter wahrgenommen wird, oder die gebrochenen
Enden können, wenn man mit der Hand längs des Schlüsselbeines streicht,
gefühlt werden.
+Behandlung.+
Man lege ein Polster in die Armhöhle, welches hinreichend dick
ist, den Arm von dem Körper zu halten. Dann hebe man den Ellbogen
vermittelst einer Schlinge ähnlich einem Rockärmel, die sich vom
Handgelenk nach dem Ellbogen erstreckt, ziehe ihn rückwärts und lasse
die Schiene auf der gesunden Schulter ruhen, während der Arm an der
verletzten Seite ruhig an dem Körper gehalten werden muß.
Bruch des Schulterblattes.
Das Schulterblatt wird selten gebrochen, ausgenommen in Folge
unmittelbarer heftiger Verletzungen. Wenn der Knochen gebrochen ist,
so wird eine schmerzhafte Anschwellung, sowie auch Steifheit und
Unfähigkeit den Arm der betreffenden Seite zu bewegen, eintreten.
+Behandlung.+
Mache eine Compresse über den Sitz des Bruchs und bringe den Knochen
durch das Anlegen eines festen Verbandes oder durch Streifen von
Heftpflaster in eine unbewegliche Lage.
Bruch des Oberarms.
Dieser Bruch findet häufig in der Mitte des Armes statt. Er kann daran
erkannt werden, daß der Patient den Ellbogen oder Vorderarm nicht heben
kann und an dem knirschenden Gefühl, das empfunden wird, wenn sich die
Bruchstücke an einander reiben.
+Behandlung.+
Man forme eine Schiene von Sohlenleder, das zuerst in Wasser erweicht
wird, der äußeren Fläche des Armes angemessen, und dehne diese bis
zur Schulter gehörig aus; befindet sich der Bruch näher unter dem
oberen Ende des Knochens, mache ein Polster unter die Achsel oder in
die Armhöhle; lege eine kurze Schiene von Sohlenleder an die innere
Seite des Armes und befestige dieselbe vermittelst eines Wickelbandes
von den Fingern aufwärts. Wenn sich der Bruch weiter vom Gelenk ab
befindet, kann das Polster ausgelassen werden.
Bruch des Ellbogens.
Der Ellbogen kann gebrochen werden, was an dem Schmerze an dem
betreffenden Theile und daran, daß der Patient den Arm biegen aber
nicht wieder strecken kann, an dem knirschenden Gefühle, das bei
Vorwärts- und Einwärts-, dann langsam Rückwärts- und Einwärtsbiegen
wahrgenommen wird, erkannt werden kann. Bei Bewegen des Armes sollte
der Wundarzt eine Hand auf die Stelle des Bruches legen, während er mit
der andern das Glied bewegt.
+Behandlung.+
Dehne den Arm vollständig aus und lege an die innere Seite eine
lange, gerade Holzschiene, dann lege eine feste Compresse über den
Bruch des Knochens, bringe ihn in seine gehörige Lage vermittelst
Streifen von Heftpflaster, welche an der Schiene und an dem Arm
befestigt werden, so daß ein Vorschieben nicht möglich ist.
Bruch des Vorderarmes.
Es gibt zwei Knochen in dem Vorderarm. Der eine wird ~Ulna~, der
andere ~Radius~ genannt. Wenn beide Knochen gebrochen werden, so
wird der Bruch leicht entdeckt, dies kommt aber selten vor. In der
Regel ist Schmerz an der gebrochenen Stelle vorhanden, die Hand ist
steif und ein knirschendes Gefühl wird bemerkt werden, wenn das Glied
über oder unter dem Bruch fest angegriffen wird und die Enden der
Knochen gegen einander reiben.
+Behandlung.+
Zwei gerade dünne Stücke Brett, lang genug, daß sie von dem Ellbogen
bis zu den Fingerspitzen reichen, gehörig wattirt und ein wenig
breiter als der Arm, sollten eines an die innere und das andere an
die äußere Seite des Vorderarmes gelegt und die Lage derselben durch
den Verband so gesichert werden, daß, wenn der Vorderarm auf die
Brust gelegt wird, der Daumen aufwärts gerichtet ist.
Fingerbrüche.
Wenn das erste oder zweite Glied des Fingers gebrochen wird, kann es
leicht entdeckt werden, bei dem dritten Gliede aber ist es schwieriger.
+Behandlung.+
Man lege eine dünne schmale Schiene aus einer Schindel oder aus
anderem passendem Material geschnitten an die innere Seite des
Fingers und befestige sie mittelst eines schmalen Verbandes.
Schenkelbruch.
Dieser Bruch kann an irgend einer Stelle des Schenkelknochens vom Knie
bis an die Hüfte eintreten, findet aber häufiger in der Gegend der
Mitte oder an dem oberen Theile statt. Der Bruch kann an dem Schmerze,
der Unfähigkeit das Glied zu bewegen, oder irgend ein Gewicht darauf
zu ertragen, sowie an dem knirschenden Geräusche, wenn die Enden gegen
einander reiben, erkannt werden. Wenn der Bruch schief ist, so wird das
Glied kürzer, ist die Kugel gebrochen, so dreht sich das Knie und der
Fuß nach Auswärts und das Glied ist ungefähr einen Zoll kürzer als das
andere.
+Behandlung.+
Wenn ein Bruch der Kugel stattfand, so mag das Glied in eine
mit doppelter Biegung versehene Schiene (siehe Holzschnitt) mit
gekrümmtem Knie gelegt und so weit erhöht werden, daß der Körper
etwas nach unten zieht, damit die möglichst volle Länge erhalten
bleibt.
[Illustration]