Kennzeichen der Annäherung von ~Amaurosis~ sind Schmerzen in der Stirn

und den Schläfen, welches mit der Zunahme der Blindheit (~Amaurosis~)

abnimmt, Umwölkung des Blickes, Flecken schwimmen vor den Augen,

welches dem Kranken lästig wird. Beim Lesen oder Schreiben ist ein

stärkeres Licht als gewöhnlich erforderlich.

+Ursachen.+ -- Hierzu können, obgleich es übertragen worden sein

oder durch Unverdaulichkeit hervorgerufen worden ist, Mißbrauch von

Reizmitteln, unterdrückter Stuhl, Gicht, Rheumatismus oder Skropheln,

Nervenfieber, der Gebrauch des Schnupftabaks, zu langes Stillen von

Kindern, außerordentlicher Kummer, Ueberanstrengung der Sehkraft,

Arbeiten bei einem sehr hellen, strahlenden Lichte und Verletzungen

des Baues des Sehorgans, Schlaganfall, Anreizung der Eingeweide, sei

es von Würmern oder aus anderen Ursachen herrührend; Schrecken, Druck

auf die Blutgefäße des Nackens, wodurch die Rückkehr des Blutes vom

Gehirn verhindert wird, Wirkung giftiger Bestandtheile wie Belladonna,

Stechapfel (~Stramonium~), Opium, Blei und Chinin.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Aufmerksamkeit sollte dem allgemeinen

Gesundheitszustand gewidmet werden. Wird Blindheit durch eine Störung

der Verdauungsorgane hervorgerufen, so sollte sie gehoben werden. Der

Kranke vermeide jede Anstrengung der Augen in starkem Lichte und

halte sie zu jeder Zeit so viel als möglich beschattet. Alles Lesen,

Schreiben und feine Nadelarbeit muß eingestellt werden. Eine tägliche

mäßige Bewegung im Freien, das allabendliche Baden der Füße in warmem

Wasser und das Eintauchen des Kopfes in warmes oder kaltes Wasser

am Morgen sollte man nie vernachlässigen. Die Kost muß nahrhaft und

leicht verdaulich sein.

=Eclectische und Kräuterkur.= Dr. King empfiehlt folgende Pillen zum

Einnehmen:

Jod (~Iodine~) 10 Grane.

Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphia~) 2½ „

Strychnin (~Strychnia~) 1 „

Alcohol-Extrakt von Schlangenwurzel (~Cohosh~) hinreichend um aus

Obigem Pillen zu machen.

Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: Eine Pille zwei- oder

dreimal des Tages. Sollte das Strychnin den Kranken angreifen, so

vermindere man die Menge von demselben. Ebenso empfiehlt derselbe das

zusammengesetzte Theerpflaster (~Compound Tar Plaster~) im Nacken

aufgelegt, und zwar das Rückgrat an beiden Seiten bis zur Hälfte

hinab bedeckend, der so lange als es nur der Kranke ertragen kann,

dort bleiben soll.

=Homöopathisch.= Gegen einfache Schwäche der Augen eines von den

folgenden Mitteln: ~Pulsatilla~, ~Sulphur~, ~Belladonna~, ~Calcarea~,

~Phosphorus~. Jedes dieser Heilmittel sollte vier oder sechs Wochen

verordnet werden. Alle drei Tage des Abends eine Dosis bis Besserung

eintritt, oder bis das nächste Heilmittel gegeben wird.

Gegen gänzliche Erblindung.

~Belladonna.~ -- Pupille erweitert und unbeweglich, Schielen,

theilweiser oder gänzlicher Verlust der Sehkraft, Gefühl von Schwere

und Druck im Augapfel, klopfender und betäubender Kopfschmerz,

Gegenstände erscheinen doppelt oder verkehrt, gefleckt oder von

einem Nebel und Dunstkreis umgeben, grelle Blitze vor den Augen.

Sollte ferner, wenn das Leiden Entzündung oder Blutandrang nach den

Sehnerven oder dem Gehirn zur Ursache hat, angewandt werden. Man gebe

es abwechselnd mit ~Hyosciamus~.

~Nux vomica.~ -- Pupille zusammengezogen, krampfhafte Bewegung des

Augapfels, betäubender Kopfschmerz, schlimmer beim Tageslicht,

Schwindel. Tritt plötzlich, ohne eine scheinbare Ursache, Blindheit

ein, so gebe man zuerst ~Aconitum~, dann ~Mercurius~ alle zwei oder

drei Stunden eine Dosis. Kann abwechselnd gegeben werden.

~China.~ -- Pupille erweitert und empfindlich, lichtscheu,

weiße Wolke im Auge, Flecken schwimmen vor dem Auge, allgemeine

Hinfälligkeit.

~Phosphorus.~ -- Plötzliche Anfälle von Blindheit während des Tages,

schwarze Flecken vor den Augen, Verdunkelung des Blickes, die Flamme

des Lichtes scheint mit einem grünen Dunst umgeben zu sein und

entferntere Gegenstände sind scheinbar in Rauch und Nebel eingehüllt.

~Stramonium.~ -- Augen sternartig funkelnd, Gefühl von Schwere

in den Augen, Gegenstände erscheinen klein oder werden doppelt

gesehen. Funken und Flecken schimmern vor den Augen, Schwindel und

Kopfschmerz, besonders wenn die Blindheit durch Hysterie, Epilepsie,

Katalepsie (Starrsucht) verursacht ist.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man gebe eine Dosis des gewählten

Mittels Morgens und Abends, wenn nicht andere Anweisung bei den

Heilmitteln angegeben sind.

=Allöopathisch.= Wenn Symptome anzeigen, daß ein Uebermaß von Blut im

Kopfe vorhanden ist und die Schwäche der Augen beim Bücken zunimmt

&c., 10 Unzen Blut sollten am Arm entzogen und 6 Blutegel an die

Schläfe gesetzt werden. Diese Mischung ist jeden zweiten oder dritten

Tag zu geben.

Zusammengesetzte Sennesblätter-Mischung 1½ Unze.

Safran- (~Colchicum~) Tinktur 20 Minims.

Diesem sollte man 5 bis 6 Grane Calomel folgen lassen. Wiederhole die

Sennesblätter-Mischung (~Senna mixture~) so oft als nöthig, um eine

vollständige Wirkung auf die Eingeweide hervorzurufen. Diese Mischung

sollte jeden zweiten oder dritten Tag gegeben werden, damit die

Eingeweide offen bleiben.

Wird die Augenschwäche durch Blutungen oder durch lang anhaltende

Entleerungen irgend einer Art fortgesetzt, so sollten stärkende

Mittel gebraucht und die Eingeweide mit folgendem in Ordnung gehalten

werden:

Aufguß von Enzian (~Gentian~) 5½ Unzen.

Anderthalbkohlensaures Ammoniak (~Sesquicarbonate

of ammonia~) ½ Gran.

Zusammengesetzte Kardamon-Tinktur (~Cardamon~) ½ Unze.

Mische es. Dosis: zwei- oder dreimal des Tages einen Eßlöffel voll.

Oder:

Rinden-Abkochung (~Decoction of bark~) 7 Unzen.

Zusammengesetzte Rinden-Tinktur (~Compound tincture

of bark~) 6 Drachmen.

Orangenschalen-Syrup 2 „

Verdünnte Schwefelsäure (~Deluted sulphuric acid~) 1 „

Mische es. Ein Eßlöffel voll dreimal des Tages. Gagel-Wurzel (~Bay

berry root~) getrocknet, pulverisirt und als Schnupftabak verwendet,

ist hin und wieder dienlich. Cayenne-Pfeffer (~Cayenne~) ein Gran auf

eine Unze Wasser ist gleichfalls zu empfehlen und sollte davon jeden

Tag ein wenig in die Augen getropft werden. Electro-Galvanismus ist

bei dieser Krankheit ein sehr wichtiges Mittel.

Folgendes ist in einigen Fällen ein gutes stärkendes Mittel:

Eisen- und Strychnin-Citrat (~Citrate of iron and

strychnine~) 1 Drachme.

Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 2 Unzen.

Weiches Wasser ½ Pint.

Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Kurzsichtigkeit (~Myopia~).

Hängt von einer zu starken Wölbung (Convexität) der Hornhaut und

Linse, sowie von der übermäßigen Glasfeuchtigkeit ab, und veranlaßt,

daß die in Augenschein zu nehmenden Gegenstände der Sehkraft etwas

näher gebracht werden müssen. Dieses Leiden kann ererbt, oder durch

angestrengtes Studium, sowie auch durch den anhaltenden Gebrauch der

Augen auf kleine Gegenstände herbeigeführt werden.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Wenn die Krankheit dadurch veranlaßt wurde, daß die

Augen zu viel auf kleine Gegenstände gerichtet waren, sowie auch

durch Lesen, Schreiben, Nähen, Malen und dergleichen mehr, so

wird die Heilung desselben um Vieles vereinfacht werden, wenn man

sich solcher Beschäftigungen ganz enthält und die Augen nur auf

große Gegenstände in der Entfernung richtet. Häufige Bewegung im

Freien, Gehen und Reiten, Reisen durch neue und Interesse bietende

Landschaften werden sehr wohlthuend einwirken.

Kann indessen dieses Leiden nicht geheilt werden, so sollte man

hohlgeschliffene Brillen tragen.

Weitsichtigkeit (~Presbyopia~).

beruht auf einer Verminderung der Augenfeuchtigkeit und Abplattung der

Hornhaut. Dieses Leiden wird häufiger bei Personen vorgeschritteneren

Alters gefunden und ist ein frühes Zeichen vom Altwerden. Dem Mangel

kann annähernd durch convex geschliffene Gläser abgeholfen werden.

Schielauge (~Squinting~, ~Strabismus~).

Ein Leiden, das sowohl acut als auch chronisch sein kann. Hierbei kommt

es vor, daß der damit Behaftete beabsichtigen mag, beide Augen auf

einen Gegenstand zu richten, eines derselben sich unfreiwillig von der

natürlichen Richtung wegwendet. Das Auge ist häufiger nach Innen als

nach Außen gerichtet.

~Ursachen.~ Schwachsichtigkeit, unvollkommenes Sehvermögen, durch

Kurzsichtigkeit u. s. w. Kann bei kleinen Kindern durch die Lage in

der Wiege, und zwar dadurch, daß sie das Licht immer von einer Seite

haben, verursacht werden. Dies kann durch die Stellung der Wiege, so

daß das Licht mehr voll ins Gesicht fällt, verändert werden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= ~Belladonna.~ -- Bei Schielen auf- oder auswärts,

das linke Auge aufwärts und das rechte auf- und auswärts,

Weitsichtigkeit, zusammengezogene, dann erweiterte Pupille, welche

schließlich unempfindlich gegen Licht wird.

~Alumina.~ -- Schielen beider Augen, krampfhaftes Zucken der

Augenlider, häufig Gerstenkörner, Gegenstände erscheinen gelb,

Schielen in- und aufwärts, Augen funkelnd und hell oder stumpf und

dunkel.

~Digitalis.~ -- Beide Augen mit einer Neigung nach Innen, drehen

sich nach der linken Seite, mit schmerzlichem Gefühl, wenn nach der

rechten Seite gerichtet, die Gegenstände erscheinen doppelt.

~Camphor.~ -- Muskelkrampf, Augapfel nach Oben gedreht.

Andere Mittel sind: ~Secale~, ~Spigelia~, ~Phosphorus~ und ~Sulphur~.

=Allöopathisch.= Die Eingeweide sollten in gutem Zustande gehalten

werden, dadurch, daß gelegentlich eine Dosis Castoröl oder Salz, auch

Salz und Sennesblätter (~Senna~) gegeben und die Kost sorgfältig

geordnet wird. Der Zustand kann dadurch überwältigt werden, daß

sich der damit Behaftete vor einen Spiegel stellt, das gesunde Auge

zudrückt und mit dem schielenden beständig einen Gegenstand im Auge

zu behalten sucht. Dies sollte so lange geschehen, bis sich das Auge

ermüdet fühlt. Dies sollte mehrere Male des Tages geschehen, da

dadurch das schielende Auge gelehrt wird, in der gehörigen Lage zu

verbleiben.

Folgende stärkende Mittel sind zu empfehlen:

Strychnin (~Strychnia~) 2 Grane.

Verdünnte Phosphorsäure (~Diluted phosphoric acid~) 1 Unze.

Pfeffermünzwasser (~Peppermint water~) 3 Pints.

Löse das Strychnin in der Säure und füge dann Pfeffermünzwasser

hinzu. Dosis: einen Eßlöffel voll dreimal des Tages.

Oder:

Eisen- und Strychnin-Citrat (~Citrate of Iron and

Strychnine~) 1 Drachme.

Orangenschalensyrup (~Syrup of Orange peel~) 2 Unzen.

Weiches Wasser ½ Pint.

Mische es. Dosis: dreimal des Tages einen Theelöffel voll.

Im Fall die Medizin ohne Erfolg ist, muß zur Operation geschritten

werden, bei welcher die Muskeln des Auges zu theilen sind.

Fremde Körper im Auge.

Gegen Staub, der sich in das Auge setzt, wird in der Regel eine

Waschung mit kaltem Wasser, Sahne oder Milch, besonders wenn sich

Asche, Kalk oder Tabak in das Auge setzt, hinreichen. Um dergleichen

Staub- oder Sandkörner aus dem Auge zu entfernen, ziehe man das obere

Augenlid über das untere und lasse es dann wieder zurückgleiten,

wornach alles Ungehörige von dem unteren Augenlid weggenommen werden

kann. Bei Entzündungen, die von Beschädigungen des Auges herrühren,

möge man eine Auflösung von salpetersaurem Silber (~Solution of nitrate

of silver~) oder schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), und zwar im

Verhältniß von 1 bis 2 Granen auf eine Unze Wasser, anwenden.

Fremde Körper aus dem Auge zu entfernen, kann auch dadurch geschehen,

daß man eine Stricknadel über das obere Augenlid drückt und dann das

Lid nach aufwärts dreht, so wird die innere Fläche blosgestellt und der

gewünschte Endzweck mit Leichtigkeit erreicht.

Sechstes Kapitel.

Ohrenkrankheiten.

Das äußere Ohr und die dasselbe umgebenden Theile.

Unter dem äußeren Ohr versteht man die s. g. Ohrmuschel, die man

gewöhnlich Ohr nennt, sowie den Gehörgang (~Meatus~). In der Ohrmuschel

wird der Schall gleichsam gesammelt, der Gehörgang aber führt denselben

weiter zur Ohrtrommel (~Tympanum~). Der die Ohrmuschel einfassende Rand

wird ~Hilex~, der Rand innerhalb des ~Hilex~ -- ~Anti-hilex~ genannt.

Die Aushöhlung, die vom ~Anti-hilex~ umgeben ist, nennt man ~Concha~,

weil sie einer „Muschel“ ähnlich sieht. Das Ohrläppchen, der Theil, an

dem die Ohrringe getragen werden, ist der unterste Theil des Ohres.

Ohrenentzündung (~Inflammation of the Ear, Otitis~).

Die Ohrenentzündung kommt sehr häufig bei Kindern vor, findet sich

jedoch auch bei Erwachsenen. Es ist eine Entzündung der Ohrtrommel

und eine sehr schmerzhafte Krankheit, welche andere Theile des Ohres

afficirt und namentlich verursacht, daß der Gehörgang oft bedeutend

anschwillt, so daß derselbe manchmal geschlossen wird.

+Symptome.+ Bedeutende Hitze, stechende Schmerzen tief im Ohre und

auffallende Röthe. Manchmal ergreift die Entzündung das Gehirn und es

mögen in diesem Falle Krämpfe oder Delirium eintreten. Oft folgt diese

Krankheit dem Scharlachfieber und anderen Krankheiten.

+Ursachen.+ Dieselben sind: das sich Aussetzen der kalten Luft, oder

wenn der Kopf kaltem Luftzug ausgesetzt wird. Manchmal entsteht das

Uebel auch durch das Eindringen fremder Körper in’s Ohr, z. B. Watte,

Papier, Bohnen, Insekten &c.

+Behandlung.+

=Allöopathisch.= Ein oder zwei Blutegel (~Leech~), die an die Schläfe

oder hinter die Ohren gesetzt, oder ein Pflaster, das hinter dem Ohr

aufgelegt wird, werden gute Dienste thun. Auch mögen Umschläge von

Flachssamen, Hopfen oder Brod und Milch angewendet werden; sowie das

folgende:

Zubereitete Kreide (~Prepared chalk~) 36 Grane.

Kamille (~Chamomile~) 12 „

Ipecacuanha (~Ipecac~ -- Brechwurz) 4 „

Bilsenkrautextrakt (~Extract of Hyosciamus~) 6 „

Hieraus mache man 12 Pulver und nehme eines derselben vor dem

Schlafengehen. Während des Tages gebe kleine Dosen Magnesia oder

Bittersalz und Sennesblätter (~Salts and Senna~).

=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Entzündung durch Erkältung

erzeugt wurde, so verordne man ein Fußbad und lege warme

Hopfenumschläge auf das Ohr. Manchmal wird der Schmerz gelindert,

wenn man einige Tropfen süßes Mandelöl (~Sweet oil of Almonds~) und

einen Tropfen Laudanum ins Ohr träufeln läßt. Dies mag zwei- oder

dreimal des Tages gebraucht werden. Auch kann man hierzu manchmal

Zwiebelsaft und Laudanum -- gleiche Theile von jedem -- verwenden.

Oder:

Sassafrasöl (~Oil of sassafras~) ½ Drachme.

Olivenöl (~Olive oil~) 1 „

Pulverisirter Kampher (~Powdered Camphor~) 15 Grane.

Mische und löse den Kampher in den Oelen auf. Einige Tropfen dieser

Mischung mögen warm ins Ohr geträufelt werden. Ist der Schmerz

sehr heftig, so lege man ein Senfpflaster hinter das Ohr und gebe

Castoröl, oder Bittersalz oder ein anderes mildes Abführungsmittel.

=Homöopathisch.= Das Waschen des Ohrs mit aus spanischer (~Castile~)

Seife zubereitetem Seifenwasser mag sehr wohlthätig wirken. Auch kann

man Watte (Baumwolle), die mit warmgemachtem, süßem Mandelöl begossen

wird, auf das Ohr legen. ~Pulsatilla~ ist gegen diese Krankheit ein

sehr wichtiges Heilmittel. Man gibt dasselbe namentlich dann, wenn

der Kranke brennende stechende Schmerzen empfindet, die so heftig

werden, daß beinahe Delirium eintritt.

~Belladonna.~ Wenn der Schmerz sich dem Gehirn mittheilt, Unruhe der

Hände, Zerren der Muskeln und Mundecken und große Empfindsamkeit

und Erregtheit. ~Aconitum~ mag mit ~Belladonna~ abwechselnd

gegeben werden, wenn das Fieber sehr stark ist. Auch kann ~Coffea~

abwechselnd mit ~Belladonna~ in Anwendung kommen, namentlich wenn

der Patient große Unruhe zeigt. Setzt sich ein Geschwür an, was sich

durch heftigen, stechenden Schmerz und ein eigenthümliches Klopfen

anzeigt, so gebe man ~Mercurius~, ~Lachesis~ oder ~Hepar Sulphur~.

Letzteres Mittel ist das beste.

+Verordnung der Heilmittel.+ Man löse 12 Kügelchen des betreffenden

Heilmittels in 12 Theelöffel voll Wasser auf und gebe jede halbe

Stunde einen Theelöffel voll, oder jede Stunde, alle zwei oder drei

Stunden, je nach den Symptomen.

Ohrenschmerz (~Earache, Otalgia~).

Dieses Uebel sollte nicht mit der Ohrenentzündung verwechselt werden,

da es ganz und gar verschiedener Natur ist, weil dabei kein Fieber

vorherrscht und der Schmerz eher rheumatischer Art ist. Die Anfälle

treten plötzlich ein und sind von kurzer Dauer. Oft ist der ganze Kopf

eingenommen und die Ursache hat man gewöhnlich in einer Erkältung zu

suchen.

+Behandlung.+

=Eclectische und Kräuterkur.= Das folgende ist ein gutes Mittel: Man

röste drei oder vier Knoblauchzwiebel (~Garlic~) und zerdrücke sie

während dieselben warm sind; gieße einen Eßlöffel voll Salatöl, einen

Eßlöffel voll Honig und einen Eßlöffel voll Laudanum hinzu. Drücke

den Saft aus und träufle denselben warm dann und wann ins Ohr. Der

Dampf von bitterem Kräuterthee, über welchen man das Ohr hält, sowie

ein Hopfenumschlag werden sich als ausgezeichnete Mittel erweisen.

=Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Dies ist das Hauptmittel gegen

dieses Uebel; namentlich wenn der Schmerz reißend und zuckend ist,

als ob sich etwas aus dem Ohre drücken wolle. Wenn das Ohr heiß,

roth und geschwollen ist, oder wenn der Patient stechende, reißende

Schmerzen in der ganzen Seite des Gesichts fühlt. Dieses Mittel ist

hauptsächlich bei Frauenzimmern und Personen anwendbar, die leicht

frösteln.

~Chamomilla.~ -- Namentlich bei acuten und stechenden Schmerzen, wie

die von einer Messerwunde, hauptsächlich auf eine Erkältung, wo dem

Schweiß plötzlich Einhalt gethan wurde, wenn die Schmerzen stechend,

reißend sind und der Patient sehr erregt und übler Laune ist.

~Belladonna.~ -- Wenn Blutandrang nach dem Kopfe stattfindet und

reißende, stechende Schmerzen sich nach dem Halse zu ziehen.

~Hepar Sulphur~ -- mag gegeben werden, wenn sich die bei ~Belladonna~

angegebenen Symptome zeigen, namentlich wenn dieses Heilmittel nicht

lindert; ebenso wenn der Schmerz klopft, zuckt und zaust.

~Mercurius.~ -- Im Falle ~Pulsatilla~ und ~Chamomilla~ nicht

mildern; auch wenn der Schmerz zerrend ist und sich nach den Wangen

zieht, wenn die Schmerzen im warmen Zimmer sich vermehren und eine

fröstelnde Empfindung im Ohr verspürt wird; oder der Patient viel

schwitzt, ohne daß ihm hierdurch Linderung würde.

~Nux vomica.~ -- Wenn die Schmerzen heftig, stechend und zerrend sind

und sich bis zu den Schläfen und der Stirne erstrecken, sowie hinab

zu den Kinnbacken.

~Spigelia.~ -- Wenn der Schmerz empfunden wird, als ob ein Nagel

im Ohr stecke und der Patient in den Kinnbacken Reißen und Zerren

empfindet.

~Rhus.~ -- Brauchbar wenn das Ohrenweh durch Erkältung verursacht

wird.

~Arnica.~ -- Wenn der Schmerz bei der geringsten Veranlassung

wiederkehrt, bei großer Empfindlichkeit und man ein Sausen um das Ohr

herum verspürt. Hauptsächlich bei nervösen, empfindsamen Personen

anzuwenden.

~China.~ -- Ist namentlich anzuwenden nach ~Arnica~ oder

~Pulsatilla~, hauptsächlich wenn die Schmerzen reißend sind und mehr

am äußeren Theil des Ohres gefühlt und bei Berührung vermehrt werden

und Sausen im Ohr verspürt wird.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll

Wasser auf und gebe einen Theelöffel voll jede 15 Minuten, halbe

Stunde oder zwei Stunden, je nachdem es die Symptome erfordern.

Manchmal fühlt der Kranke, nachdem die heftigsten Schmerzen gehoben

sind, eine gewisse Wundheit und dumpfen Schmerz; dagegen gebrauche

~Sulphur~ oder ~Calcarea~. ~Carbonica~ -- eine Dosis Morgens und

Abends.

=Allöopathisch.= Das Ohrenweh mag gelindert werden, indem man drei

oder vier Tropfen Oliven- oder Mandelöl mit einem Tropfen Laudanum

ins Ohr träufeln läßt. Amerikanische Blutegel (~American leeches~)

hinters Ohr gesetzt sind manchmal von guter Wirkung. Glycerin und

warmes Wasser, von jedem einen halben Eßlöffel voll. Mische und

träufle die Mischung vermittelst eines Theelöffels ins Ohr. Dieses

Mittel schafft oft baldige Linderung. Oder nehme einen halben

Theelöffel voll warmes Olivenöl mit zehn Tropfen Laudanum und träufle

dies ins Ohr. Das folgende wird manchmal ausgezeichnet wirken, wenn

ein Stärkungsmittel (~tonic~) nöthig ist.

Citronensaures Eisen (~Citrate of iron~) 1 Drachme.

Strychnin 1 Gran.

Pomeranzschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 2 Unzen.

Weiches Wasser ½ Pint.

Mische. Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages.

Ohrensausen, Ohrenklingen (~Humming and Buzzing in the Ears~).

Diese Symptome nimmt man gewöhnlich beim Ohrenweh, Ohrenlaufen oder

Entzündung des Ohres wahr und sollten dieselben wie diese Uebel

behandelt werden. Manchmal wird das Ohrenlaufen &c. auch durch

Blutandrang im Kopfe und durch Erkältung verursacht.

Schwerhörigkeit (~Hardness of Hearing, Surditas~).

Taubheit mag von unrichtiger Ohrbildung herrühren oder durch Schläge,

einen Fall, Entzündung oder Paralisirung des Ohrnervs verursacht

werden. Dieses Uebel folgt oft dem Scharlachfieber, den Masern, bösem

Hals &c. Auch ist oft Ansammlung und Verhärtung des Ohrschmalzes, ein

harter Körper, der in das Ohr eindrang, zu große Trockenheit und zu

große Feuchtigkeit der betreffenden Theile Schuld.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Ist Schwerhörigkeit durch Ansammlung des

Ohrschmalzes verursacht, so muß dasselbe vorerst dadurch entfernt

werden, daß man ein wenig warme Milch oder Salatöl ins Ohr träufeln

läßt. Gegen die nach der Operation eintretende Wundheit gebe

~Arnica~. Ist zu große Trockenheit des Ohrs vorhanden, oder nach

Fieber- und Fieberfrösten gebe ~Carbo vegetabilis~ alle Abend eine

Dosis. Nachdem hiermit eine Woche oder länger fortgefahren und keine

Besserung eingetreten, gebe ~Graphitis~, namentlich wenn Ohrensausen

und Ohrenklingen des Nachts oder auch bei Tage hinzukömmt. Tritt

nach Gebrauch dieses Mittels immer noch keine Besserung ein, so

gebe ~Lachesis~, ~Nitric acid~, ~Petroleum~, eines nach dem andern

in derselben Weise. Ist die Taubheit durch Blutandrang nach dem

Kopfe hervorgerufen, so gebe ~Belladonna~, ~Coffea~, ~Nux vomica~,

~Sulphur~ oder ~Silicea~ -- eine Dosis jeden Morgen und Abend,

beginnend mit dem erstgenannten Heilmittel und damit drei Tage lang

fortzusetzen, ehe zu einem anderen gegriffen wird. Folgt das Uebel

den Masern, so gebe ~Pulsatilla~ und ~Carbo Vegetabilis~; wenn dem

Scharlachfieber, ~Belladonna~ und ~Hepar Sulphur~; wenn nach den

Blattern, ~Mercurius~ und ~Sulphur~, eine Dosis jeden andern Abend

abwechselnd. Wenn die Krankheit durch Erkältung im Kopfe entstanden,

greife man zu ~Chamomilla~, ~Arsenic~, ~Lachesis~, ~Mercurius~,

~Sulphur~ oder ~Pulsatilla~. Folgt das Uebel dem Wechselfieber das

durch Chinin kurirt wurde, so gebe ~Carbo Vegetabilis~, ~Pulsatilla~,

~Sulphur~ und ~Calcarea Carbonica~; jedes Mittel eine Woche, eine

Dose jeden Abend, bis Besserung eintritt. Wenn das Uebel durch

Unterdrückung des Abgangs aus Ohr und Nase entstanden, ~Pulsatilla~,

~Mercurius~, ~Belladonna~ oder ~Hepar Sulphur~ zwei oder drei Tage

lang, ein Heilmittel einmal des Tages.

=Allöopathisch.= Ist die Schwerhörigkeit durch Ansammlung des

Ohrschmalzes entstanden, so sollte eine geringe Quantität Salatöl

jeden Abend ins Ohr geträufelt werden, um dasselbe zu erweichen;

ebenfalls muß jeden Tag warmes Wasser ins Ohr gespritzt werden, bis

das Schmalz entfernt ist. Darnach wende man folgendes an und setze

einige Wochen damit fort:

Kamphorirtes Oel (~Camphorated oil~) ½ Unze.

Seifen-Liniment ½ Drachme.

Mische und wende es mittelst ein wenig Wolle oder Baumwolle an. Ist

das Uebel durch Erkältung entstanden, so sollten die Mittel, die

gegen Catarrh angegeben sind, in Anwendung kommen. Ist es durch bösen

Hals erzeugt worden, so wird das Einathmen des Dampfes von heißem

Wasser, das mit Essig vermischt wurde, von guter Wirkung sein; auch

sollten kleine Pflaster hinter dem Ohr angebracht werden. Ist es

durch Rheumatismus verursacht, so mag das folgende Liniment gebraucht

werden:

Unser Familien-Arzt · 第 13 / 51 段