angegriffen ist. Warme Umschläge um die Augen werden in einigen
Fällen von wohlthätiger Wirkung sein, ebenso das Reiben der Stirne,
der Schläfe und des Augenlids mit aromatischem Ammoniak-Spiritus.
=Homöopathisch.= Diesem Leiden angemessene Mittel sind: ~Spigelia~,
~Belladonna~, ~Sepia~, ~Opium~, ~Cocculus~, ~Nitric Acid~. Uebrigens
sollte dieser Zustand nur von einem geschickten Arzt behandelt werden.
Entzündung des Augenlids und des Rands des Augenlids.
Dieselbe kann von einer Erkältung oder auch von anderen Ursachen
herrühren; häufig sind nur die Ecken entzündet, ohne den übrigen Theil
anzugreifen.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starker Entzündung und großen
Schmerzen, die Augenlider sind geschwollen, hart und roth, Hitze, und
gleichzeitig ein brennendes Gefühl, eine überreiche Absonderung von
Schleim der Augen und der Nase findet statt.
~Belladonna.~ -- Da wo ~Aconitum~ nicht hinreichend gefunden wird;
besonders bei einem Gefühl von Brennen und Jucken in dem Lid,
geschwollene Augenlider, welche zusammenkleben und bluten wenn
geöffnet, ebenso wenn die Ränder nach Außen gedreht sind und wie
gelähmt erscheinen.
~Hepar Sulphuris.~ -- Bei einem zerreißenden oder zerquetschenden
Gefühle in den Lidern, wenn solche berührt werden; große
Empfindlichkeit gegen Licht. Kann abwechselnd mit ~Mercurius~,
~Aconitum~ oder ~Belladonna~ gegeben werden.
~Euphrasia.~ -- In jenen Fällen, wo die Augenlider roth und
angeschwollen und die Ränder zerrissen sind, Jucken bei Tage,
Zusammenkleben des Morgens, Kopfschmerz, Hitze im Kopf, Scheu vor
Licht, starker Ausfluß von Thränen und Schleim. Kann abwechselnd mit
~Nux vomica~ gegeben werden, wenn der Augapfel sehr roth und Brennen
und Jucken vorhanden ist.
~Mercurius.~ -- Ist die Geschwulst hart bei schneidenden Schmerzen
und Schwierigkeit die Augenlider zu öffnen, Eiter und Schorf in den
Ecken am Morgen und in der Bettwärme schlimmer, Unruhe, Schweiß,
Brennen und Jucken der Augen, im Freien schlimmer. ~Hepar Sulphuris~
kann abwechselnd mit diesem gegeben werden.
~Arsenicum.~ -- Entzündung des Innern des Augenlids, Schwierigkeit
die Augen zu öffnen und heftig brennende Schmerzen.
~Spigelia.~ -- Entzündung und Zerreißen des Augenlids, Beißen und
Schmerzhaftigkeit, die Lider sind steif und deshalb nur schwer zu
öffnen, Bohren in den Augen und Schmerz in dem Kopfe, schlimmer bei
Bewegung.
~Hyosciamus~ und ~Chamomilla~ kann abwechselnd gegeben werden, wenn
die Augenlider mit einem Gefühl von Schwere oder Druck krampfartig
geschlossen sind.
+Verordnung der Heilmittel.+ -- Eine Dosis: 4 Kügelchen von dem
gewählten Mittel alle 2, 4 oder 6 Stunden. Wasser, ob kalt oder warm,
je nachdem es der Patient vorzieht, kann mit gutem Erfolge angewendet
werden.
=Allöopathisch.= Bei Entzündung der Ränder des Augenlids möge man die
folgende Behandlung einschlagen: Als Waschung der Augen des Morgens,
wenn die Lider zusammengebacken sind, nehme man einen Theelöffel voll
Milch mit ein wenig Butter vermengt, schmiere damit die Lider ein und
reibe sie sanft mit den Fingern. Hierauf drücke man ein mit Wasser
befeuchtetes Stück Schwamm einige Minuten lang gegen die Augen,
die dann der Leidende ohne weitere Beschwerden öffnen kann. Sind
die Lider so geöffnet, so entferne man den dort befindlichen Eiter
vermittelst der Fingernägel. Warme Umschläge von Mohnköpfen oder
Kamillenblüthen sollten ein- oder zweimal des Tages gemacht werden.
Erweichende Umschläge von Brod und Wasser mit ein wenig frischer
Butter oder Olivenöl in ein kleines Packet gemacht und über das
Augenlid gelegt, wurde in einigen Fällen sehr zuträglich gefunden.
Zuweilen kann auch folgendes angewendet werden:
Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 12 Grane.
Laudanum 2 Drachmen.
Destillirtes Wasser 12 Unzen.
Mische es und bade damit die Augen mehrere Male des Tages. Nachdem
die Röthe und Hitze etwas nachgelassen hat und die Eingeweide mit
einem gelinden Abführmittel, wie Castoröl, Bittersalz geöffnet sind,
möge folgende Waschung angewendet werden:
Rosenwasser 4 Unzen.
Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 2 Grane.
Mische und wende es ein- oder zweimal des Tages an. Ein kleines Stück
von aufgelöster salpetersaurer Quecksilber-Salbe (~Dilute nitrate of
mercury ointment~), Citrin-Salbe kann vermittelst eines Pinsels auf
die Ränder des Augenlids des Abends oder einen Abend um den andern,
je nach der Strenge der Symptome und der hervorgebrachten Wirkung,
getragen werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Erweichende Umschläge von pulverisirter
schlüpfriger Ulmenrinde (~Pulv. slippery elm bark~), mit warmer Milch
und Wasser aufgeweicht, wird zuweilen zuträglich gefunden werden. Die
verwelkten Blätter des Stechapfels (~Stramonium~) mit Fett gemischt
zu einer Salbe zubereitet, sind gut in strengen Fällen.
Entzündung des Augapfels (~Ophthalmia~).
Dieses Leiden wird in der Regel durch Erkältungen hervorgerufen, oder
ist auch die Folge von Beschädigungen des Auges.
+Symptome.+ -- Die Augen sind sehr roth und die Augenlider geschwollen.
Der Kranke beklagt sich über ein rauhes Gefühl, oder als ob Sand, heiße
Asche oder zerbrochenes Glas sich unter dem oberen Augenlide befände.
Die Augen werden gegen Licht sehr empfindlich und es ist ein Gefühl von
Hitze, Vollsein und Steifheit in der Kugel und den Rändern des Auges
oder den Rändern des Augenlids vorhanden, begleitet von schießenden
Schmerzen durch das Auge. Diese Symptome werden allmählig immer stärker
und anhaltender. Die Augenlider sind des Morgens zusammengebacken in
Folge des Eiters, der des Nachts aus den Augen fließt, und es ist ein
Gefühl von Gewicht und Druck auf dem Augapfel vorhanden.
+Ursachen.+ -- Ungemein starke Hitze oder Kälte, Anstrengung der Augen
in einem strahlenden oder dämmernden Licht, Verletzungen derselben,
plötzlicher Witterungswechsel.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Bei Schmerz und Kopfweh sollte ein Abführmittel, wie
folgt, gegeben werden:
Pulverisirter Gummi (~Pulv. gamboge~) 12 Grane.
Pulverisirte Sennesblätter (~Pulv. senna~) 12 „
Springgurke (~Elaterium~) 2 „
Crotonöl (~Croton oil~) 8 Tropfen.
Stechapfel-Extrakt (~Extract of stramonium~) 3 Grane.
Mische es, mache 12 Pillen daraus und gebe alle Stunden eine,
bis eine Wirkung erzeugt wird. Mache erweichende Umschläge von
schlüpfriger Ulme über das Auge und bade es oft in einer Auflösung
von Mohnblättern. Das Gefühl von Sand in dem Auge wird in der Regel
erleichtert und die Entzündung nach der Anwendung der Lösung des
salpetersauren Silbers (~Nitrate of silver~), 4 Grane derselben auf
eine Unze destillirtes Wasser ein großer Tropfen, vermittelst eines
Kameelhaar-Pinsels ein- oder zweimal des Tages, aufgetragen werden.
Unmittelbar bei der Anwendung dieses wird nichts gefühlt, aber nach
einigen Augenblicken stellt sich ein stechender Schmerz im Auge ein,
der etwa 10 Minuten anhält und dann wieder verschwindet. Die Augen
bessern sich hiernach, und sollten die Symptome wieder zurückkehren,
so fahre 5 oder 6 Stunden lang mit der Anwendung des salpetersauren
Silbers (~Nitrate of silver~) fort. Schwefelsaures Zink (~Sulphate of
zinc~) 4 Grane auf eine Unze Wasser, wird auch zuweilen entsprechen.
Wenn der Schmerz und das Kopfweh vorübergegangen sind, sollte eine
schwache Auflösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~)
wie folgt angewendet werden:
Rosenwasser 4½ Unzen.
Salpetersaures Silber (~Nitrate of silver~) 2 Grane.
Mische es.
=Eclectische und Kräuterkur.= Umschläge von Hopfen oder Mohnblättern
über die Augen können gemacht werden, ebenso können bei großem
Schmerz Stechapfel- (Stramonium) Blätter verwendet werden. Folgende
Augenwaschung ist empfohlen:
Bleizucker (~Sugar of lead~) ½ Drachme.
Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) ½ „
Gewöhnliches Salz 1 „
Stückzucker (~Loaf sugar~) 1 „
Destillirtes Wasser ½ Pint.
Lasse die Mischung zwei bis drei Tage lang stehen und dann seihe
sie durch ein Stück weißen Flanells. Man wasche die Augen zwei- bis
dreimal des Tages damit.
Folgendes ist ein ausgezeichnetes Augenwaschmittel:
Grüner Thee ½ Unze.
Gelbwurz (~Yellow root~) ½ „
Kochendes Wasser 1 Pint.
Lasse es zusammen erweichen und füge noch eine Drachme schwefelsaures
Zink (~Sulphate of zinc~) hinzu; wenn kalt, seihe es durch ein Stück
weißen Flanells.
Haben die Symptome der vorhandenen Entzündung nachgelassen, möge das
folgende angewendet werden:
Aconit-Tinctur (~Tincture of aconite~) 1 Drachme.
Eine Abkochung von Gelbwurz (~Decoction of golden
seal~) 1 Unze.
Mische es und bade damit die Augen häufig während des Tages.
Ein anderes Heilmittel ist:
Gelbwurz (~Golden seal~), Hexennuß-Blätter (~Witch Hazel~), von jedem
ein Pulver, 1 Drachme, und kochendes Wasser 1 Gill. Lasse die Pulver
10 oder 15 Minuten in dem kochenden Wasser und seihe es dann durch.
=Homöopathisch.= Kaltwasserumschläge sollten vermittelst weicher
leinerner Binden häufig über die Augen und deren umgebenden Theile
gemacht werden. Eine Auflösung von schwefelsaurem Zink (~Sulphate
of zinc~), oder salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) möge in
dem Verhältniß von einem Gran auf eine Unze destillirtes Rosenwasser
angewendet werden.
~Aconitum.~ -- Augenlider roth und geschwollen, Augapfel sehr
roth und entzündet, Pupillen erweitert, Thränen der Augen, Wangen
geröthet, Lichtscheu, drückende, stechende und brennende Schmerzen in
den Augen, der Augapfel fühlt sich zerquetscht und gedrückt in seinem
Ringe; die Augen sind heiß und mit brennenden Thränen gefüllt, oder
sehr trocken bei Stechen und Prickeln der Augenlider, Druck, scharf
schlagende oder stechende Schmerzen im Kopf und den Schläfen, große
geistige Aufregung.
~Belladonna.~ -- Röthe, Anschwellen und Vorwärtsstoßen des Augapfels,
Anschwellen der Augenlider, Fließen heißer, brennender Thränen,
oder Trockenheit der Augen, geröthete Wangen, Klopfen der Hals- und
Schlagadern; trockene heiße Haut, Schmerzen in den Augenhöhlen,
welche sich bis in das Gehirn erstrecken, Brennen und Prickeln in den
Augen, Schwere, Druck und Klopfen des Augapfels und der Augenlider,
rasender Schmerz in den Augen von Innen nach Außen, Schwindel und
gehinderte Sehkraft, die Schmerzen sind schlimmer beim Bewegen der
Augen, Flimmern und schwarze Flecken vor denselben.
~Euphrasia.~ -- Wenn sich der Schmerz in und über den Augen, im Kopfe
befindet und gleichzeitig von sehr drückender Art ist. Es mag gegen
dieselben Symptome als bei ~Belladonna~ angewendet werden, wenn
~Belladonna~ keine Linderung gewährt.
~Nux vomica.~ -- Wenn die Augen mit Blut unterlaufen sind, bei einem
Gefühle als ob Sand in den Augen wäre, Zunge belegt, Röthe der
Augenlider bei Steifheit und Jucken, Ausfluß von brennenden Thränen
und Kopfweh jede Nacht.
~Pulsatilla.~ -- Kann ~Aconitum~ folgen, wenn die schlimmste
Entzündung nachgelassen, aber noch anhaltende, rasende, stechende
Schmerzen zurückbleiben, bei großer Empfindlichkeit gegen Licht. Das
Leiden ist am Nachmittage und Morgen stärker, der Kranke gereizt und
zum Weinen geneigt.
~Ignatia.~ -- Der Schmerz ist mehr gleich einem Druck in den Augen,
welche nicht sehr entzündet sind, aber fortwährend übermäßig starke
Thränen bei gleichzeitigem Fließen der Nase.
~Spigelia.~ -- Peinigende, juckende und rasende Schmerzen, welche
sich bis in den Kopf erstrecken, und einem Gefühle, als ob der
Augapfel zu groß wäre.
~Arsenicum.~ -- Augapfel sehr roth, die Lider stark geschwollen,
Thränen heiß und brennend, Lider trocken und roth, Gefühl als ob Sand
in den Augen wäre, rasende oder brennende Schmerzen des Augapfels,
welche durch Licht oder Bewegung erhöht werden, Schwäche, Ermüdung
und Zittern der Augenlider, große Lichtscheu.
~Mercurius.~ -- Entzündung der Augen, brennende, prickelnde Hitze und
Druck, schlimmer im Freien, Gefühl als ob sich Sand unter dem oberen
Augenlide befände, Lichtscheu, schießender Schmerz im Augapfel, Röthe
und Anschwellen der Augenlider, Schmerz bei Bewegen oder Berühren der
Augen erhöht.
+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis, 6 Kügelchen, von dem
gewählten Heilmittel alle zwei, vier oder sechs Stunden, der Strenge
der Symptome angemessen, oder löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll
Wasser und gebe als Dosis einen Theelöffel voll.
Chronische Augenentzündung.
Dieselbe kann durch die Rückwirkung einer heftigen Entzündung, welche
unterdrückt worden ist, hervorgerufen werden, oder kann in Folge einer
Schwächung des Organismus eintreten.
+Symptome.+ -- Die Augen sehen theilweise roth theilweise weiß aus und
sind gegen Licht, Staub oder Rauch empfindlich; die Ränder der Lider
sind roth oder purpurn, die Augen kleben des Morgens zusammen und der
Kranke ist unfähig, sich derselben eine längere Zeit zu bedienen. Die
Lider jucken und stechen am meisten des Morgens beim Aufstehen, und
Luft, Licht, Wind, Rauch, Staub und Dünste verursachen ein Fließen der
Thränen.
+Ursachen.+ -- Acute Entzündung der Augen, entzündliches Verletzen, das
Aussetzen der Kälte, übermäßige Anstrengung der Augen in starkem oder
Dämmerlicht.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Es wird gut sein, ein- oder zweimal in
der Woche ein Abführmittel zu geben und die folgende Salbe aus den
Rändern und der inneren Fläche der Augenlider anzuwenden.
Ungesalzene Butter 2 Unzen.
Weißes Wachs 2 Drachmen.
Mische dieses in eine Untertasse, und wenn kalt, rühre eine
halbe Drachme rothes Präcipitat und zuletzt eine halbe Drachme
pulverisirtes schwefelsaures Zink (~Pulv. sulphate of zinc~) ein.
Mische es gehörig und wende es zweimal des Tages an.
Folgendes ist ein ausgezeichnetes Mittel: Löse eine Unze Kamphersyrup
(~Gum Camphor~) und 2 Unzen reines türkisches Oel auf, zuvor müssen
einige Tropfen Alkohol auf den Kampher gegossen werden, um ihn zu
pulverisiren, wenn pulverisirt, füge das Oel hinzu und reibe dies so
lange in einem Mörser, bis es aufgelöst ist. Damit salbe dann die
Augen 2 bis 3 Mal des Tages.
=Homöopathisch.= Zur äußerlichen Anwendung: Schwefelsaures Zink
(~Sulphate of zinc~) oder salpetersaures Silber (~Nitrate of Silver~)
in eine schwache Auflösung von 1 bis 2 Gran mit einer Unze Wasser.
Opiumwein kann in einigen Fällen angewendet werden, ein Tropfen in
die Augen gebracht, 1 oder 2 Mal des Tages in 24 Stunden. Mittel zur
innerlichen Anwendung sind: ~Arsenicum~, ~Belladonna~, ~Sulphur~,
~Silicea~, ~Nux vomica~, ~Graphites~ und ~Phosphorus~.
=Allöopathisch.= Die Ränder der Augenlider sollten jeden Abend mit
Citrinensalbe eingerieben werden. Dieselbe wird wie folgt zubereitet:
Salbe von salpetersaurem Quecksilber (~Ointment of
nitrate of mercury~). 1 Theil.
Salbe von Spermaceut oder
Präparirtem Schweinefett 2 Theile.
Mische es.
Auslösung von essigsaurem Blei (~Acetate of Lead~) oder
schwefelsaurem Zink (~Sulphate of zinc~), oder auch schwefelsaurem
Kupfer kann in dem Verhältnisse von 2 Granen auf eine Unze angewendet
werden.
Chronisch skrophulöse Augenentzündung.
Dieses Leiden beschränkt sich vornehmlich auf Kinder unter 8 Jahren,
doch können auch zuweilen Erwachsene davon befallen werden. Die
hervortretendsten Symptome sind: große Lichtscheu, die Augenlider sind
beständig geschlossen, so daß es unmöglich ist, die Augen zu sehen, und
der Kopf ist fortwährend vom Licht weggewendet. Der Augapfel ist nicht
sehr geröthet, doch zeigen sich auf der Oberfläche desselben kleine
Flecken von Eiter und Blutwasser. Wenn die Krankheit nicht eingehalten
wird, so werden die Augen allmählig von jenem Eiter zerstört. Der
Organismus ist schwach, hinfällig und die Verdauungsorgane sind in
Unordnung. Die Behandlung dieses Leidens sollte nur einem geschickten
Arzte überlassen bleiben.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Beim Beginn des Anfalls gebe, wie bei Entzündung der
Augenlider und des Augapfels, ~Aconitum~ und ~Belladonna~.
~Dulcamara.~ -- Wenn die Entzündung durch eine Erkältung verursacht
wurde, die Augen durch das Lesen schlimmer werden und Verdunkelung
des Blickes eintritt, gleichzeitig ein Gefühl, als ob feurige Kugeln
aus den Augen heraus fliegen. Gegen Eiterungen und weiße Flecke auf
den Augäpfeln, welche daselbst verbleiben, nachdem die Entzündung
nachgelassen hat, gebe man ~Euphrasia~, ~Hepar Sulphur~ und
~Silicea~. jedes Heilmittel eine Woche lang. Eine Dosis (6 Kügelchen)
von dem gewählten Mittel jeden Abend. Ist ~Silicea~ gegeben worden,
so sollte eine Waschung von 12 Kügelchen von ~Silicea~ in einem
halben Theelöffel voll Wasser angewendet werden. Gegen Flecke vor den
Augen gebe man ~Euphrasia~, ~Hepar Sulphur~, ~Silicea~, ~Calcarea
Carbonica~ und ~Acidum Nitri~ in derselben Weise.
=Allöopathisch.= Cooper empfiehlt das Legen eines Blasenpflasters
im Nacken oder hinter den Ohren, was die Entzündung sehr schnell
verschwinden machen wird. Die Augen können mit einer Auflösung von
einer Drachme Opium in einem Pint heißen Wassers gebähet oder mit
der Flüssigkeit gewaschen werden. Ebenso kann auch eine Abkochung
von Mohnköpfen und Kamillenblüthen angewendet werden. Nachdem die
Entzündung nachgelassen hat, können die Augen in eine Auflösung von
Alaun (~Alum~), 2 Grane auf eine Unze Wasser, gebadet, oder eine
Auflösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~), 2 Grane
auf eine Unze Wasser, kann in wenigen Tropfen 1 oder 2 Mal des Tages
in das Auge gebracht werden. Die Eingeweide müssen mit einem gelinden
Abführmittel offen gehalten werden, wie Quecksilber (~Mercury~) mit
Kreide (~Chalk~), ein wenig Rhabarber oder Magnesia. Eisenpräparate
(~Preparations of iron~), Sassaparilla und Leberthran entsprechen, um
den Organismus zu stärken.
=Eclectische und Kräuterkur.= Folgender Syrup möge angewendet werden,
den Organismus zu reinigen:
Gelbe Parillawurzel 2 Pfund.
Kletten (~Burdock~) und Grundwurz (~Yellowdock~)
von jedem 1 „
Wurzelrinde von
Bittersüß (~Bitter sweet~) und Sassafras von jedem ½ „
Maiapfel (~May apple~) und Blutwurzel (~Bloodroot~)
von jedem 2 Unzen.
Brühe es in 5-6 Gallonen Wasser und koche es zu einer Gallone ein,
füge, während es heiß ist, 6 Pfund Zucker hinzu, seihe es durch
und fülle es in Flaschen. Auf jedes Pint kommt eine halbe Drachme
Potaschen-Hydriodat in ein oder zwei Unzen Wasser aufgelöst. Dreimal
des Tages ein Weinglas voll.
Gerstenkorn (~Stye~) am Augenlid.
Dies ist eine kleine Geschwulst, die sich am Rande des Augenlid’s
oder an dem Lide bildet. Der Eiter bildet sich in 2 bis 3 Tagen und
die Geschwulst springt auf. Ein erweichender Umschlag, von Brod und
Milch oder Leinsamen gemacht, in einem feinen, weichen Leinentuch,
sollte über das Auge gelegt werden, bis sich der Eiter bildet. Nachdem
derselbe ausgeflossen ist, wende man des Nachts beim zu Bettegehen,
zwei oder drei Nächte lang, ein wenig verdünntes salpetersaures
Quecksilber (~Diluted nitrate of mercury ointment~) an. Salz und Wasser
wird zuweilen die Wiederkehr derselben verhindern. Ein allgemein
bekanntes Mittel, welches die Bildung von Gerstenkörnern verhindern
soll, ist das Reiben mit einem Goldring oder Messingschlüssel an dem
sich eben bildenden Gerstenkorn zur Nachtzeit. Ich überlasse es dem
Einzelnen, den Werth desselben zu untersuchen.
Behandlung
=Homöopathisch.= ~Pulsatilla~ -- ist das wichtigste Mittel. Eine
Dosis 2 Mal des Tages. Verschafft es keine Linderung, so gebe man
Merkur abwechselnd mit ~Hepar Sulphuris~ oder ~Staphysagria~.
Eine Dosis 2 oder 3 Mal des Tages eine Woche hindurch von diesen
Heilmitteln wird zuweilen deren Erscheinen verhindern. ~Calcarea
Carbonica~ kann in derselben Weise gegeben werden.
Nasse oder thränende Augen.
Dieses Leiden wird durch eine Störung im Thränenkanal oder der Drüsen,
in welchen sich die Thränen bilden, verursacht. Der Kranke wird zuerst
durch eine Schwäche des Auges darauf aufmerksam gemacht, Thränen stehen
in dem inneren Winkel des Auges, welche durch die kalte Luft vermehrt
werden. Dieses kann Monate ja Jahre lang anhalten und ist eine Quelle
großer Unbehaglichkeit. Eiterbeulen bilden sich auf der Seite der Nase
und die Knochen der Nase können angegriffen werden.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Bähungen von Kamillenthee oder Mohnblättern lindern
zuweilen, und das Baden der betreffenden Theile mit Branntwein und
Wasser oder Branntwein allein, ist sehr wohlthätig. Die verdünnte
salpetersaure Quecksilbersalbe kann in einigen Fällen angewendet
werden, und zwar, indem man ein Stück von der Größe eines Hanfkorns
in die innere Seite des Augenlides einsetzt und es längs des Randes
einreibt.
=Homöopathisch.= Entspringt das Thränen der Augen aus einer
allgemeinen Schwäche des Organismus, so kann ~Euphrasia~ und
~Spigelia~ abwechselnd alle 2 oder 3 Tage eine Dosis von 6 Kügelchen
gegeben werden. Andere Mittel sind ~Belladonna~, ~Pulsatilla~,
~Calcarea Carbonica~, ~Silicea~ und ~Sulphur~, welche in der
aufgeführten Ordnung gegeben werden können.
Gieb ein jedes Mittel 4 bis 6 Wochen. Die einzige dauernde Linderung
aber wird durch eine Operation, welche von einem geschickten
Chirurgen vorgenommen werden sollte, hervorgerufen.
Schwarzer Staar (~Cataract~, ~Glaucoma~).
Dies ist eine Verdunkelung oder Trübung des Crystallkörpers, welcher
den Zugang der Lichtstrahlen verhindert. Es wird allgemein bei älteren
Personen gefunden und ist zuweilen ererbt.
+Symptome.+ Die ersten Anzeichen von dem Annähern dieser Krankheit sind
in der Regel diese: Die Gegenstände erscheinen verschwommen und ein
beständiger Nebel ist vor den Augen. Starkes Licht ist erforderlich,
um zu lesen oder zu schreiben, und ein kleiner Fleck erscheint in der
Regel zuerst hinter dem Mittelpunkt der Pupille, der sich allmählig
immer weiter ausdehnt und zuletzt den Zugang der Lichtstrahlen in das
Auge gänzlich versperrt.
+Ursachen.+ Häufiges und lang anhaltendes Lesen von feinem Druck,
Schreiben oder Blicken auf kleine Gegenstände bei starkem Lichte,
Blutandrang nach den Augen, Bewegung in der Sonnenhitze, in Gießereien
und an anderen Plätzen, wo helles, heißes Licht zu finden ist,
Aussetzen der Augen reizender Dämpfe und Dünste, Verletzungen des
Baues. Dieses Leiden kann nur durch eine Operation gehoben werden. Die
Homöopathie aber hat Mittel, welche dasselbe in einigen Fällen heben
sollen, und diese sind folgende: ~Silicea~, ~Graphites~, ~Hydriodate of
Mercury~, ~Calcarea Carbonicum~, ~Conium~ und ~Digitalis~ -- eine Dosis
ein- oder zweimal in 24 Stunden.
Augenschwäche (~Weakness of Sight~, ~Amblyopia~)
ist ein mangelhafter Zustand der Sehnerven, welche sie schwächt
oder lähmt in mehr oder minderem Grade. Ist der Nerv nur wenig
gelähmt, so ist es ~Amblyopia~, bei gänzlicher Lähmung Blindheit
oder ~Amaurosis~. Bei einer einfachen Augenschwäche vermindert sich
das Unterscheidungsvermögen vermittelst der Sehkraft, das allmählig
abnimmt, bis sich ~Amaurosis~ vollständig einstellt. In einigen Fällen
beschränkt sich der Verlust der Sehkraft auf nur einen kleinen Theil
des Auges; Gegenstände erscheinen schief oder verdreht und in Bezug auf
Größe verändert, Flammen und Flecken flimmern vor den Augen. Nähert
sich das Leiden mehr und mehr der ~Amaurosis~, wird der Blick von Nebel
verdunkelt und zuweilen ist auch etwas Schmerz damit verbunden. In
einigen Fällen tritt ein Verlangen nach stärkerem Lichte ein und in
anderen wieder ist eine Trockenheit der Augen und Nasenhöhlen vorhanden.
~Amaurosis~ wird dadurch vom Staar (~Glaucoma~) unterschieden, daß die
Verdunkelung oder der Verlust der Sehkraft plötzlich eintritt und die
mit den Augen wahrgenommenen Gegenstände mit Flecken bedeckt zeigt.
Beim Staar hingegen nimmt die Sehkraft nur langsam ab und ist eher mit
einem Nebel vor den Augen zu vergleichen, und es wird alles wie durch
einen weißen Flor gesehen, was bei ~Amaurosis~ nicht der Fall ist.