Sie nickte, und ich nickte wieder, als wären wir zwei alte Bekannte. —

Nichts leichter, als sich auf einem Kölner Karnevalsball zu verfehlen,

zumal in der weiten von Säulen getragenen Halle des altehrwürdigen

gothischen Kaufhauses, Gürzenich genannt. »Dritter Pfeiler links um

die Ecke —« hatte die Schelmin befohlen. Und Ihr hättet von der

achten bis fast in die elfte Stunde hinein an einem Pfeiler auf der

linken Saalseite eine gewisse Bauernmaske (das traditionelle Kostüm

der Kölner Garnisonherren) halten sehen können, die mit Gamaschen

bekleideten Beine übereinandergeschlagen, ein Bild des immer mehr

enttäuschten Unmuts, die Miene immer weniger passend zu dem lustig

gekräuselten Puderhaar, von dem die bäuerliche Trikotmütze tief

herabhing auf den blauen Kittel, und zu dem keck und eroberungslustig

gestreiften Schnurrbärtchen. Eine Verabredung wie eine andere! — ein

Karnevalswort bindet nicht! Doch was soll ich mich hänseln lassen

von vorbeistreifenden Masken? Was soll ich hier noch weiter Posten

stehen, während rings um mich her der Ball in ausgelassenen Wirbeln

tollt, Tanz und Lachen und ferner Gläserklang und der ganze prächtige

reich dekorierte Saal, dessen gothische Schnitzbögen mit närrischen

Emblemen behangen sind, vibrierend wie in einem Schauer unbändiger

Lebensfreude? Was soll ich mich auch nach dieser zweiten Nacht von

der Erinnerungsvision süßmagischer Augen verhexen lassen, nachdem ich

schon die vorige schlaflos in Erwartung kommender Abenteuer verwacht?

Ah bah — und ich wollte mich aufs Ungewisse in den hohen Wellenschlag

hineinstürzen.

Da tippte es mit leichtem Fächerschlag von hinterrücks auf meine

Schulter. Ein blauseidener weiblicher Domino, die Larve mit

crêmefarbener Blonde besetzt; aus den länglichen Augenschlitzen

sprühten mich dunkle Blicke an. Bekanntlich sind unter der Maske auch

die vertrautesten Augen nicht mit Sicherheit zu rekognoszieren; und

ich prüfte diese durch das Lorgnon der Leidenschaft; — sie waren es!

Hurrah! und ich hätte beinahe hell aufgejubelt.

»Du hast aber brav Schildwach’ gestanden, Herr Lieutenant —« kicherte

es unter der Blonde im verstellten Maskenfalsett.

»Gut, daß Du da bist! ich wollt’ eben meinen Posten quittieren.« Und

ich affektierte den Ärgerlichen.

»Thätst Du doch nicht — i, thätst Du nicht —« spottete das Falsett.

»Du bist wohl eben erst gekommen?« fragte ich.

»Jömich, ich tanz’ schon zwei Stunden lang. Ich hab’ Verehrer satt! (=

genug) ich hab’ Dich wohl da luxen gesehn.«

Sie wollte mich zur Eifersucht reizen; fast brachte sie es fertig. Aber

nun will ich sie fesseln und halten! Nichts fesselt in Köln ein Mädel

so sehr als ein flotter Tänzer. Und ich umfaßte sie und wirbelte mit

ihr durch das Gewühl, toll und leidenschaftlich, im Übermaß endlicher

Erfüllungsfreude.

Dann promenierten wir Arm in Arm. Sie war keck und teilte

Fächerschläge und neckische Anreden nach allen Seiten aus, zerstreut

gegen das fiebernde Gedräng meiner Leidenschaft.

»Ich hab’ den ganzen Tag an Dich gedacht —«

»Gefällig?« kam es unter der Maske zurück. Ein ironischer Sington, und

die Augen funkelten mich koboldartig an.

Aus Mitleid · 第 28 / 56 题