Aufnahme von Georg Marschner, Dresden]

Am Ende des Altertums der Erdgeschichte war die sächsisch-böhmische

Landschaft nur noch ein Schatten einstiger alpiner Formengebung. In

breitgespannten Wellen zogen sich die abgetragenen »_Rumpfgebirge_«

dahin, wie ein im Sturm erstarrter, steingewordener Ozean, bis endlich

jener ewige Kreislauf der Erdoberflächenbildung aufs neue begann: Das

Meer rückte, um jeden Schritt Landes im unaufhörlichen Wogenprall

kämpfend, allmählich wieder vor, wich gelegentlich zurück, kam

wieder, bis große Teile Mitteleuropas im kühlen Grab des Weltmeeres

versanken. In welchen Etappen sich dieser Kampf innerhalb unserer

engeren Heimat abgespielt hat, wie oft das Meer hier Sieger blieb, ist

in Dunkel gehüllt. Nur eine Kampfperiode hat uns dauerhafte Denkmale

hinterlassen. Gegen Ende des Mittelalters der Erdgeschichte, in der

»_Kreidezeit_«, war unser Erzgebirge wieder einmal eine flachbuckelige

Rumpflandschaft, nach Osten sich etwas tiefer einmuldend. Da drang

von Nordwesten her ein Meer vor, überflutete jene Ostsenke und füllte

ganz Nordostböhmen allmählich aus. Sehr tief kann das Meer nicht

gewesen sein; denn auf seinem Grunde lagerten sich in der Hauptsache

grobe und feine Sande ab. Aber die Meeresbedeckung dauerte lange

genug, um Sandschichten von mehreren hundert Metern entstehen zu

lassen. Wir kennen sie heute in ihrem verfestigten Zustand: es sind

die »_Quadersandsteine_« der Sächsischen Schweiz. Zu ihnen gehören

aber auch als abgelöste Verwitterungsreste die kleinen Sandsteindecken

des östlichen Erzgebirges: die Paulsdorfer und Höckendorfer

Heide, die Quaderbildungen im Tharandter Wald und hoch oben bei

Nollendorf–Schönwald.

[Illustration: Abb. 5 =Der Lugstein.= Verwitterungsform im Porphyr

(Aus den Vorarbeiten für den Bilderatlas zur Dresdner Heimatkunde von

Weicker und Wiese)]

Das Meer verlief sich wieder, und ein neues erdgeschichtliches Drama

leitete die »_Neuzeit_« der Erde ein, gewaltig in seinen Ereignissen,

schöpferisch und zerstörend zugleich. Wie einst im Altertum preßte

von Süden her ein starker Druck gegen die Gesteinsdecke, suchte sie

in Falten zusammenzuschieben. Aber das gelang nicht; nur eine sanfte

Aufbiegung des gesamten sächsisch-böhmischen Gebirges kam zustande.

Dann zerbrach die Kruste in einzelne Schollen, die sich längs den

Bruchzonen gegeneinander verschoben. Der sächsische Anteil stellte sich

etwas schräg, wie ein nach Norden flach abfallendes Dach. Nordböhmen

sank tief hinab, Mittelböhmen baute sich teilweise spiegelbildlich wie

Sachsen auf. An einer ähnlichen Bruchzone schob sich die Lausitz schräg

aufwärts gegen den absinkenden Elbsandstein vor.

Mit der Zertrümmerung und den starken inneren Spannungen hingen erneute

vulkanische Ergüsse zusammen. Im Süden bauten sie das ganze »Böhmische

Mittelgebirge« auf. Auf der sächsischen Scholle erinnern die bekannten

_Basaltberge_ (Sattelberg, Geising, Luchberg, Wilisch, Cottaer

Spitzberg) als letzte Reste an einst sicher größere Lavaergüsse.

[Illustration: Abb. 6 =Der »Grüne Stein« am Kahleberg=

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XIII, Heft 3-4 · 第 17 / 69 题