Am Ende des Altertums der Erdgeschichte war die sächsisch-böhmische
Landschaft nur noch ein Schatten einstiger alpiner Formengebung. In
breitgespannten Wellen zogen sich die abgetragenen »_Rumpfgebirge_«
dahin, wie ein im Sturm erstarrter, steingewordener Ozean, bis endlich
jener ewige Kreislauf der Erdoberflächenbildung aufs neue begann: Das
Meer rückte, um jeden Schritt Landes im unaufhörlichen Wogenprall
kämpfend, allmählich wieder vor, wich gelegentlich zurück, kam
wieder, bis große Teile Mitteleuropas im kühlen Grab des Weltmeeres
versanken. In welchen Etappen sich dieser Kampf innerhalb unserer
engeren Heimat abgespielt hat, wie oft das Meer hier Sieger blieb, ist
in Dunkel gehüllt. Nur eine Kampfperiode hat uns dauerhafte Denkmale
hinterlassen. Gegen Ende des Mittelalters der Erdgeschichte, in der
»_Kreidezeit_«, war unser Erzgebirge wieder einmal eine flachbuckelige
Rumpflandschaft, nach Osten sich etwas tiefer einmuldend. Da drang
von Nordwesten her ein Meer vor, überflutete jene Ostsenke und füllte
ganz Nordostböhmen allmählich aus. Sehr tief kann das Meer nicht
gewesen sein; denn auf seinem Grunde lagerten sich in der Hauptsache
grobe und feine Sande ab. Aber die Meeresbedeckung dauerte lange
genug, um Sandschichten von mehreren hundert Metern entstehen zu
lassen. Wir kennen sie heute in ihrem verfestigten Zustand: es sind
die »_Quadersandsteine_« der Sächsischen Schweiz. Zu ihnen gehören
aber auch als abgelöste Verwitterungsreste die kleinen Sandsteindecken
des östlichen Erzgebirges: die Paulsdorfer und Höckendorfer
Heide, die Quaderbildungen im Tharandter Wald und hoch oben bei
Nollendorf–Schönwald.
[Illustration: Abb. 5 =Der Lugstein.= Verwitterungsform im Porphyr
(Aus den Vorarbeiten für den Bilderatlas zur Dresdner Heimatkunde von
Weicker und Wiese)]
Das Meer verlief sich wieder, und ein neues erdgeschichtliches Drama
leitete die »_Neuzeit_« der Erde ein, gewaltig in seinen Ereignissen,
schöpferisch und zerstörend zugleich. Wie einst im Altertum preßte
von Süden her ein starker Druck gegen die Gesteinsdecke, suchte sie
in Falten zusammenzuschieben. Aber das gelang nicht; nur eine sanfte
Aufbiegung des gesamten sächsisch-böhmischen Gebirges kam zustande.
Dann zerbrach die Kruste in einzelne Schollen, die sich längs den
Bruchzonen gegeneinander verschoben. Der sächsische Anteil stellte sich
etwas schräg, wie ein nach Norden flach abfallendes Dach. Nordböhmen
sank tief hinab, Mittelböhmen baute sich teilweise spiegelbildlich wie
Sachsen auf. An einer ähnlichen Bruchzone schob sich die Lausitz schräg
aufwärts gegen den absinkenden Elbsandstein vor.
Mit der Zertrümmerung und den starken inneren Spannungen hingen erneute
vulkanische Ergüsse zusammen. Im Süden bauten sie das ganze »Böhmische
Mittelgebirge« auf. Auf der sächsischen Scholle erinnern die bekannten
_Basaltberge_ (Sattelberg, Geising, Luchberg, Wilisch, Cottaer
Spitzberg) als letzte Reste an einst sicher größere Lavaergüsse.
[Illustration: Abb. 6 =Der »Grüne Stein« am Kahleberg=