Die Irayas wohnen südlich von den Catalanganen, hauptsächlich an
der Westseite der Cordillere von Palanan. Auch über sie berichtet,
wie über den Bruderstamm der Catalanganen Prof. Semper auf das
Ausführlichste. In ihren Adern rollt eine starke Dosis Negritoblut
(Semper, Skizzen 51 u. 54), was kein Wunder ist, da unter ihnen
"zu einer Familie verbunden" Negritos leben und Mischlinge beider
Rassen vorhanden sind (Semper, Erdk. X, 255 u. 264). Obwohl sie nun
zum Theile stark mit Negritoblut inficirt sind, so fand doch Semper
Anklänge an eine "Abstammung von einem mongolischen Stamm", man
sieht aber trotzdem "unter ihnen mehr Leute, die sich dem tagalischen
Typus nähern" (Semper, Erdk. X, 264). Ihre aus geraden und krummen
[27] Linien bestehenden Tätowirungsmuster, ferner Schmucksachen und
Verzierungen sind dieselben, wie wir sie bei den Negritos jener Gegend
vorgefunden haben (Semper, Erdk. X, 254 u. Skizzen 55).
Ihre Hütten sind unsolid und schleuderhaft gebaut, vor Wind und Wetter
schlecht verwahrt (Semper, Skizzen 54), ganz im Gegentheil zu der
Reinlichkeitsliebe der Catalanganen wird aller Unrath unmittelbar vor
das Haus geworfen (Semper, Erdk. X, 264). Sie bauen Zuckerrohr und Reis
(Erdk. X, 265), bei ihrer Trägheit werden aber die Felder schlecht
bestellt, liefern daher im Vergleiche zu denen der Catalanganen
einen geringen Ertrag (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54), trotzdem
speichern auch sie Vorräthe für schlimme Zeiten auf (Semper, Skizzen
57). Als Hausthier und Mitarbeiter für die Reisfelder wird allgemein
der Büffel gehalten (Semper, Erdk. X, 264, u. Skizzen 54). Wie bei den
Catalanganen, liefern auch ihnen Flüsse und Bäche reichliche Fischkost.
Ihre Religion beschränkt sich auf den Anitocultus allein
(Semper, Erdk. X, 265), die Götterpaare der Catalanganen fehlen
ihnen (l. c.). Ob sie sonst andere Götter besitzen, ist nicht
auszuschliessen, die Bemerkung, welche Semper an einer anderen Stelle
(Erdk. XIII, 94) macht, dass nämlich die Religion der Irayas jener
der Igorroten ähnlich sei, lässt diese Deutung zu.
Im Gegensatze zu den düsteren und ungastlichen Catalanganen sind die
Irayas ein fröhliches heiteres Völkchen, dessen Gastfreundlichkeit
nicht nur Negritos, sondern auch jene flüchtige Christen ("Remontados")
und entlaufene Verbrecher freundlich aufnimmt (Semper, Erdk. X, 265,
u. Skizzen 54 u. 55). Die Zahl der Christen, welche unter ihnen lebte,
schätzte Semper vor zwanzig Jahren auf 200 Köpfe (Semper, Erdk. X,
256). Die unter ihnen lebenden Negritos hatten Ackerbau, Religion
und Kleidung der Irayas angenommen (l. c.).
Die Irayas stehen in demselben losen Abhängigkeitsverhältniss zur
spanischen Regierung, wie die Catalanganen, wie sie denn auch das
Institut der Gobernadorcillos besitzen (Semper, Erdk. X, 266).