29. Apayaos.

Der gefürchtete Kriegerstamm der Apayaos wohnt in den Bergregionen

des Stromgebietes des Rio Apayao, ferner in dem nördlichen Theile

der Ostabhänge jenes Gebirges, welches die Provinzen Cagayán und

Ilócos Norte scheidet. Im Süden reichen sie bis zur Stadt Malaueg

(oder Malauec) im Stromgebiet des Rio Chico de Cagayán. Sie werden

auch Apayos oder Apoyaos genannt.

Ihre Hütten sind aus Balken einer Cedergattung "Danigga" erbaut, sie

ruhen auf sehr hohen Pfeilern, während die Dachbedeckung durch Rohr

ähnlich wie in Ilócos hergestellt wird (Mas, pobl. 28). Der Grundriss

ist stets viereckig und an den vier Ecken stehen mächtige grosse

Pfeiler. Der Fussboden besteht aus glatt zugehauenen Cederdielen,

die Zwischenwände sind aus Palmblättern verfertigt. Der Feuerherd

ist in einer Ecke der Hauptwohnung angebracht. Wodurch sie sich aber

vor allen übrigen Bewohnern Luzons auszeichnen, ist die Sorgfalt, mit

der sie das Innere ihrer Hütten ausschmücken, besonders beliebt sind

chinesische Krüge und Vasen (Buzeta I, 57). Sie bauen auch Getreide,

insbesondere Mais (Buzeta, l. c.). Auch Tabak wird, und zwar im grossen

Stile, angepflanzt und damit ein schwunghafter Schmuggel getrieben

(l. c.). Sie pflanzen auch einen vorzüglichen Cacao, den sie nach

Ilócos exportiren (Mas, pobl. 28; Buzeta, l. c.).

Ein Theil der Apayaos ist bereits christlich geworden (Buzeta I,

306), die übrigen hängen fest an ihrem alten Glauben, der in einem

intensiven Ahnencultus besteht. Die Waffen und Schmuckgegenstände der

verstorbenen Ahnen werden an den Wänden der Hütten aufgehängt, und

um diese Trophäen herum rothgefärbte Bejuco-Stäbe, zu verschiedenen

Figuren zusammengestellt, an der Wand befestigt (Buzeta I, 60),

oder es wird die Lanze [23] des Ahnen in die Wand gebohrt und mit

rothgefärbtem Bejuco-Geflecht oder den aus bessern Zeugen bestehenden

Lendenschürzen [24] des Verstorbenen behängt (Mas, pobl. 16). Zu den

Seiten dieser Trophäen werden Matten, verfertigt aus der Rinde des

Afutag-Baumes, aufgespannt oder befestigt (Buzeta, l. c.). Dabei fehlt

nie ein eigenthümlich geformtes irdenes Trinkgeschirr, aus welchem sie

bei ihren Festgelagen den Anitos, d. h. den Seelen ihrer Vorfahren,

Libationen darbringen (Mas, pobl. 16; Buzeta I, 60). Diese Trophäen

werden von ihnen ängstlich gehütet und sind ihnen auch zu keinem

Preise feil.

Auch sie sind Kopfjäger. Starb einer, insbesondere ein Vornehmer, so

machten sich seine Verwandten auf, um auf die Kopfjagd auszugehen. Je

höher im Ansehen der Verstorbene stand, desto mehr Köpfe sollten

zum Todtenopfer fallen (Mozo 69; Buzeta I, 306). Sie legen sich

dann in einen Hinterhalt, um dann plötzlich den arglosen Reisenden

zu überfallen und mit Lanzenstichen zu tödten, worauf sie den

Kopf abschneiden, den übrigen Leichnam aber am Orte der Blutthat

zurücklassen. Die erbeuteten Schädel werden dann um den Todten

aufgestellt, worauf ein Schmaus und Trinkgelage Statt findet, bei

welchem viehisch gegessen und getrunken wird. Ist diese lärmende

Festlichkeit vorüber, so wird dann erst der Leichnam bestattet, und

zwar werden ihm in das Grab Speisen, Getränke und jene Feindesschädel

mit hineingegeben (Mozo 69). Heute ist diese grausame Sitte im Abnehmen

begriffen, nur die im Quellgebiete des Rio Apayao lebenden Apayaos

wollen davon nicht lassen. Viele Apayaos sind bereits spanische

Unterthanen geworden.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 44 / 80 题