Der gefürchtete Kriegerstamm der Apayaos wohnt in den Bergregionen
des Stromgebietes des Rio Apayao, ferner in dem nördlichen Theile
der Ostabhänge jenes Gebirges, welches die Provinzen Cagayán und
Ilócos Norte scheidet. Im Süden reichen sie bis zur Stadt Malaueg
(oder Malauec) im Stromgebiet des Rio Chico de Cagayán. Sie werden
auch Apayos oder Apoyaos genannt.
Ihre Hütten sind aus Balken einer Cedergattung "Danigga" erbaut, sie
ruhen auf sehr hohen Pfeilern, während die Dachbedeckung durch Rohr
ähnlich wie in Ilócos hergestellt wird (Mas, pobl. 28). Der Grundriss
ist stets viereckig und an den vier Ecken stehen mächtige grosse
Pfeiler. Der Fussboden besteht aus glatt zugehauenen Cederdielen,
die Zwischenwände sind aus Palmblättern verfertigt. Der Feuerherd
ist in einer Ecke der Hauptwohnung angebracht. Wodurch sie sich aber
vor allen übrigen Bewohnern Luzons auszeichnen, ist die Sorgfalt, mit
der sie das Innere ihrer Hütten ausschmücken, besonders beliebt sind
chinesische Krüge und Vasen (Buzeta I, 57). Sie bauen auch Getreide,
insbesondere Mais (Buzeta, l. c.). Auch Tabak wird, und zwar im grossen
Stile, angepflanzt und damit ein schwunghafter Schmuggel getrieben
(l. c.). Sie pflanzen auch einen vorzüglichen Cacao, den sie nach
Ilócos exportiren (Mas, pobl. 28; Buzeta, l. c.).
Ein Theil der Apayaos ist bereits christlich geworden (Buzeta I,
306), die übrigen hängen fest an ihrem alten Glauben, der in einem
intensiven Ahnencultus besteht. Die Waffen und Schmuckgegenstände der
verstorbenen Ahnen werden an den Wänden der Hütten aufgehängt, und
um diese Trophäen herum rothgefärbte Bejuco-Stäbe, zu verschiedenen
Figuren zusammengestellt, an der Wand befestigt (Buzeta I, 60),
oder es wird die Lanze [23] des Ahnen in die Wand gebohrt und mit
rothgefärbtem Bejuco-Geflecht oder den aus bessern Zeugen bestehenden
Lendenschürzen [24] des Verstorbenen behängt (Mas, pobl. 16). Zu den
Seiten dieser Trophäen werden Matten, verfertigt aus der Rinde des
Afutag-Baumes, aufgespannt oder befestigt (Buzeta, l. c.). Dabei fehlt
nie ein eigenthümlich geformtes irdenes Trinkgeschirr, aus welchem sie
bei ihren Festgelagen den Anitos, d. h. den Seelen ihrer Vorfahren,
Libationen darbringen (Mas, pobl. 16; Buzeta I, 60). Diese Trophäen
werden von ihnen ängstlich gehütet und sind ihnen auch zu keinem
Preise feil.
Auch sie sind Kopfjäger. Starb einer, insbesondere ein Vornehmer, so
machten sich seine Verwandten auf, um auf die Kopfjagd auszugehen. Je
höher im Ansehen der Verstorbene stand, desto mehr Köpfe sollten
zum Todtenopfer fallen (Mozo 69; Buzeta I, 306). Sie legen sich
dann in einen Hinterhalt, um dann plötzlich den arglosen Reisenden
zu überfallen und mit Lanzenstichen zu tödten, worauf sie den
Kopf abschneiden, den übrigen Leichnam aber am Orte der Blutthat
zurücklassen. Die erbeuteten Schädel werden dann um den Todten
aufgestellt, worauf ein Schmaus und Trinkgelage Statt findet, bei
welchem viehisch gegessen und getrunken wird. Ist diese lärmende
Festlichkeit vorüber, so wird dann erst der Leichnam bestattet, und
zwar werden ihm in das Grab Speisen, Getränke und jene Feindesschädel
mit hineingegeben (Mozo 69). Heute ist diese grausame Sitte im Abnehmen
begriffen, nur die im Quellgebiete des Rio Apayao lebenden Apayaos
wollen davon nicht lassen. Viele Apayaos sind bereits spanische
Unterthanen geworden.