6. Ibanags oder Cagayanen (Cagayanes).

Die Ibanags werden gewöhnlich Cagayanes genannt, weil ihr Hauptsitz

die Landschaft Cagayán und der Unterlauf des gleichnamigen Stromes

ist. Diejenigen von ihnen, welche auf den Batanes- und Babuyanes-Inseln

wohnen, wurden früher als ein besonderer Stamm angesehen, doch lässt

sich hierüber nichts Sicheres sagen, da unsere Nachrichten über die

Batanes mehr als spärlich sind. Sie bewohnen die Babuyanes-Gruppe,

welche auch den Namen Islas de Ibanag führen, die Batanes-Inseln,

ferner das Küstengebiet der Provinz Cagayán; ihre Ansiedelungen gehen

das Thal des Rio Grande de Cagayán hinauf bis nach Furao hin in der

Provinz Isabela. Der Ibanag-Dialekt dient im ganzen Stromgebiete

des Rio Grande als Verkehrssprache mit den wilden Bergstämmen, es

dürfte hier das Ibanag-Idiom nach und nach die Sprachen jener Horden

vollständig verdrängen. Ich glaube, dass ein ähnlicher Vorgang auch

auf den Batanes sich abgespielt hat, denn die Beschreibung, welche

Dampier von jenen "Bashee"-Insulanern giebt, lässt sich schwer

mit den Schilderungen in Übereinstimmung bringen, welche uns die

Spanier von dem Habitus, der Tracht und Lebensweise der Cagayanen

zur Zeit der Conquista niederschrieben. Baron Hügel schreibt über die

Batanes (S. 69): "Die Bewohner werden als ein starker, gutmüthiger und

vollkommen harmloser Menschenstamm geschildert". Diess stimmt nicht mit

dem Charakter der Ibanags Luzons überein, denn diese werden einstimmig

von allen Schriftstellern, von den ältesten bis zu den modernsten

herab, als ein kriegerischer und trotziger Stamm geschildert, und es

hat auch in der That den Spaniern die Eroberung Cagayans mehr Blut

gekostet, als jene der übrigen Provinzen Luzons. Reisbau, Schweine-

und Ziegenzucht, sowie die Bereitung eines Branntweines aus Zuckerrohr

oder Reis entsprechen ganz den ähnlichen Verhältnissen von Cagayán. Den

Golddraht, den die Batanes um die Arme tragen, trugen die Cagayanen in

den Zeiten der Conquista ebenfalls. Nach Waitz (Anthr. V, 62) sind die

Bewohner physisch den Dayaks ähnlich, auf S. 101 werden sie wie folgt

beschrieben: Farbe: dunkelkupferbraun, Gestalt: klein und untersetzt,

Gesicht: rund, Stirne: niedrig, Augen: klein mit starken Augenbrauen,

Nase: kurz und klein, Haar: dick und schlicht. Diese Beschreibung

entspricht auch dem Bilde der Cagayanen.

Die Ibanags von Cagayán sind seit dem XVI. Jahrhundert Christen,

ebenso jene der Babuyanen, die Batanes sind aber noch zum grösseren

Theile Heiden, leider ist es mir nicht möglich gewesen, etwas über

ihre Religion zu erfahren. Die Cagayanen bekannten sich in der Zeit

der Conquista ebenfalls zu einer Art von Ahnencultus, wie die Tagalen,

Pampangos &c.

Wie bei den naheverwandten Ilocanen war auch hier die tiefe

Scheidewand zwischen den Edelleuten und Plebejern vorhanden. Die

letzteren heissen in Cagayan "timavas", was wohl mit dem tagalischen

"timauas" identisch ist, womit bei den Tagalen Freigelassene in den

Zeiten vor der Conquista benannt wurden. Auch hier machte sich der

Hass der unterdrückten Kaste durch blutige Aufstände Luft.

Die Ibanags von Cagayan und Isabela bauen dieselben Pflanzen

wie die Ilocanen, die Hauptmasse der Bevölkerung widmet sich

aber--zwangsweise--dem Tabaksbau, denn der Tabak dieser beiden

Provinzen ist der beste der Philippinen. Die Härte, womit

die Zwangscultur dieser Pflanze von der Regierung überwacht und

durchgeführt wird, lässt keine nennenswerthe Industrie aufkommen (man

vgl. darüber: Semper, Skizzen 41 f. und 131 f.). Die Finanzbehörde

der Colonie bleibt den Tabakbauern oft Jahre hindurch den Betrag für

die abgelieferten Blätter schuldig (Cañamaque, Filipinas 30).

Auch bei den Ibanags herrscht eine grosse Auswanderungslust, besonders

Manila zieht sie an, wo sie halbnackt in grossen Schaaren anlangen

(Buzeta I, 240).

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 21 / 80 题