7. Igorroten mit Buriks und Busaos (Igorrotes).

Mit dem Namen "Igorrotes" wird viel Unfug getrieben. Spanische

Schriftsteller haben alle heidnischen sogenannten "wilden" Bergstämme

Luzons Igorrotes getauft, und so kamen auch unter anderen "Igorroten

von Camarínes", "Igorroten von Tayabas" in die ethnographische

Literatur. Andere Autoren, wie z. B. der gelehrte D. Sinibaldo de Mas,

bezeichneten mit diesem Namen alle Bergstämme Nord-Luzons, mit Ausnahme

der Tinguianen, was immerhin eine gewisse Berechtigung hätte. Ich fasse

unter dieser Bezeichnung die Igorroten im engeren Sinne und die Busaos

und Buriks zusammen, denn diese haben eine gemeinsame Sprache, welche

nur geringe dialektische Verschiedenheiten aufzuweisen hat (mündliche

Mittheilung von Herrn Gumersindo Morales). Auch unterscheiden sich

diese Stämme nur durch Tracht und Tätowirung voneinander, während

Sitten und Bräuche nur unerheblich voneinander abweichen.

Die Heimath der Igorroten bilden die Provinzen oder Districte: Benguet,

Lepanto, Tíagan und Bontoc. Nach Scheidnagel (a. v. St.) finden sich

auch Igorroten-Niederlassungen in den Provinzen Abra, Nueva Vizcaya

und Isabela vor, doch ist es fraglich, ob Scheidnagel nicht hier den

Namen der Igorroten in der oben angegebenen Weise missbraucht. Die

Busaos haben die nördlichsten Sitze inne. Von der Cordillere Tila

oder Tovalina an wohnen sie in den Districten Tiagan, Lepanto

(nördliche Hälfte) und in Bontoc, in letzterem im Quellgebiete des

Rio Caycayan. Nach der Ilustracion del Oriente (Jgg. 1818, Nr. 1,

p. 4) sind sie auch in Benguet wohnhaft, was mir unwahrscheinlich

vorkommt, da sie von diesem Districte durch die Buriks getrennt

sind. Zu Grenznachbarn haben sie im Norden die Tinguianen und

Guinanen, im Osten die Itetapanen und vielleicht auch die Suflin;

südlich von ihnen wohnen die Buriks, im Osten von Santa Cruz und

im Westen des Monte Data. Ihre wichtigeren Orte sind: Suyuc, Cayan,

Sabangan, Cabugatan, Banao und Mancayan (Yamcayan).

Südlich von den Buriks wohnen die eigentlichen Igorroten, deren

Stammland das Thal von Benguet ist, obwohl sie jetzt in diesem Thale

nur in verhältnissmässig geringer Zahl wohnen, indem die blutigen

Kriege, welche in den zwanziger und dreissiger Jahren dieses Säculums

zur Unterwerfung dieses kriegerischen Stammes führten, das blühende

Land beinahe entvölkerten. Ihre wichtigeren Orte sind Benguet, Apayao,

Cabacan (Cabagan), Buguias (Bujias) &c. v. Drasche (Fragm. einer

Geologie, p. 27) traf Igorroten zwischen S. Nicolas am Rio Agno und

Bambang (Provinz Nueva Vizcaya), bis zum Caraballo Sur. Auch hier muss

ihre Zahl erheblich sich vermindert haben, denn gegen die geringe Zahl

der Individuen stach die Menge der verlassenen und verfallenen Hütten

ab. Einst war das von den Igorroten bewohnte Territorium grösser,

im XVII. Jahrhundert wird noch der Berg von Sto. Tomas als in der

"Tierra de Ygolotes" [14] liegend mehrfach erwähnt, und noch 1747

reichte das Gebiet der Igorroten bis zum Weichbilde der Pueblos Agoo

und Aringay (Mozo 81). 1829 war die Grenze bis zum Monte Tongló (beim

Monte Sto. Tomas) zurückgewichen (Mas, pobl. 46). In den Districten

Lepanto und Bontoc zählte man 1876 19 852 unterworfene und 29 600

unabhängige Igorroten incl. Buriks und Busaos, während Diaz Arenas für

das Jahr 1848 die Zahl 12 304 für die damaligen Provinzen Pangasinán

("in der Cordillera grande"), Abra und Ilócos Sur angiebt.

Ihre Hautfarbe ist ein "nicht sehr dunkles Olivenbraun, seltener das

Gelb der Mestizen" (Semper, Erdk. XIII, 90) oder gelblich kupferfarben

(Ilustr. 1860, n. 12, p. 151). Nach Buzeta und Bravo (Diccionario

I, 52) zeigt ihre Haut die Farbe gekochter Quitten. Ihr Körperbau

ist kräftig, die Muskulatur gut entwickelt (Ilustracion, l. c.,

Semper, l. c.). Die Durchschnittshöhe der Männer beträgt nach Semper

(Erdk. XIII, 89) 4' 8'' 2''', bei Weibern 4' 5'' 4''' Pariser Maass.

Professor Virchow nennt einen Igorrotenschädel "ausgezeichnet

dolichocephal", "von den Malaienschädeln ganz verschieden" und

bemerkt weiter, "er nähere sich mehr den Formen von Palembang". Nach

Professor Semper ist auch das Gesicht länglicher und die Stirne mehr

gebogen und zurücktretend als bei den Tagalen (Erdk., XIII, 90). Die

Augen sind schwarz und gross, der äussere Augenwinkel ist spitz und

etwas schräg nach oben gestellt (Semper, l. c.; Buzeta y Bravo I,

52; Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Die Wangen sind gross und

breit (Buzeta, l. c.). Das dichte Haar ist schwarz, glatt und ohne

Glanz (Semper, Erdk., XIII, 91; Mas, pobl. 24). Erwähnenswerth ist,

dass nach Lillo Gracia (p. 17) es auch reinblütige Leute giebt, die

einen ebenso dichten Bart haben wie Europäer, doch lassen sich nur

einzelne Berg-Igorroten von Lepanto den Bart stehen, die überwiegende

Mehrzahl zieht sich die Haare am Kinne, der Brust, den Achselhöhlen und

Schamtheilen mit einer kupfernen Zange aus (Semper, Erdk. XIII, 91).

Allgemein wird behauptet, dass die Igorroten stark mit chinesischem

Blute gemengt seien, ja es wird sogar von Mischung mit Japanern

gesprochen (Novara-Reise, Ethnogr. Th., p. 32; Semper, Erdk. XIII,

89). Semper sagt: "Jemehr man sich nördlich wendet, um so schärfer

tritt der mongolische Charakter hervor". Nach ihm (Erdk., l. c.) zeigen

die grossen Individuen chinesischen, die kleinen malaiischen Typus. An

einer anderen Stelle (l. c., S. 91) bemerkt er: "Die Weiber nähern sich

im Allgemeinen mehr dem malaiischen Typus". Mozo bemerkt hierüber:

"aparecen muy semejantes á los Chinos ..... especialmente en los

ojos, en que no los quitan pinta" (Misiones, p. 63). Mas (pobl. 24)

findet es auffallend, dass in ihrer Sprache der spanische Laut ch,

entsprechend dem deutschen tsch, vorkommt, den angeblich die Dialekte

der übrigen Malaienstämme nicht kennen. Lillo Gracia sagt von ihrer

Sprache, sie sei einem corrumpirten Ilocanisch ähnlich, besitze

aber eine eigenthümliche nasale Accentuirung, die an das Chinesische

erinnere. Eine Vermengung mit Chinesen lässt sich nicht gut nachweisen,

sie müsste jedenfalls vor der Einwanderung der Ilocanen erfolgt sein,

so lange die Igorroten noch im Besitze der Küste waren, denn sonst

müssten die Ilocanen auch einen chinesischen Typus aufweisen, da die

Chinesen wohl mehr Berührungspunkte zu einem intimen Verkehre mit

diesen vorfanden, als mit den tieferstehenden Igorroten. Jedenfalls

heisst es in dieser Frage nicht voreilig sein, sondern specielle

Untersuchungen über diesen Gegenstand abwarten.

Das Haar tragen Männer und Weiber "vorn geradlinig über der Stirn

und zu beiden Seiten des Gesichts abgeschnitten, so dass es fast

die ganze Stirn bis zur Nasenwurzel, sowie die Ohren bedeckt";

am Hinterkopf lassen sie es oft lang wachsen und binden es in

einen Knoten zusammen (Semper, Erdk. XIII, 91). Doch wechselt die

Haartracht bei den einzelnen Stämmen (Lillo 30). Die Igorroten im

engeren Sinne des Wortes tätowiren ihren Körper an Händen, Armen und

der Brust (Lillo 31), doch beschränkt sich diese Sitte in den meisten

Dörfern nur auf ein rohes Sonnenbild, welches auf die Handrückenfläche

gemalt wird (Semper, Erdk. XIII, 90), insbesondere die Weiber dehnen

die Tätowirung zumeist auf keinen anderen Körpertheil aus (Lillo,

l. c.). Die Tätowirungsmuster auf Brust und Armen sind Combinationen

gerader und krummer Linien, seltener findet man bildliche Darstellungen

von Menschen und Thieren (Semper, l. c.). Die Tätowirungsmuster haben

eine schmutzig-blaue Farbe und werden der Haut durch Nadelstiche

beigebracht, die Nadel selbst ist in eine Farbmasse getaucht,

welche aus Öl und einem Pulver, das durch Verbrennung blauer

Baumwollenstoffe gewonnen wurde, zusammengesetzt ist (Lillo 31). Die

Busaos-Igorroten tätowiren sich Blumengebilde auf die Arme (Mas,

pobl. 25; Ilustracion, 1860, 152 und 285; Bastian, Reisen V. 273;

Ilustr. del Oriente, 1878, Nr. 1, p. 4), andere Körpertheile werden

nicht tätowirt. Die Buriks-Igorroten tätowiren sich den Körper in

einer Weise, dass er wie mit einem Panzerhemde bedeckt erscheint,

während die Arme mit schlangenartigen Mustern versehen werden (Mas,

pobl. 25). Bemerkenswerth ist die Sitte, dass bei Vornehmen die Zähne

mit einem breiten Goldblech bedeckt werden (Semper, Erdk. XIII,

90). Denselben Brauch fanden die Spanier bei der Eroberung des

Archipels bei Tagalen und Visayern vor.

Den schmutzigen Körper und die nie gekämmten Haare verhüllen

verschiedenartige Tracht und Gewandung. Bei der Feldarbeit wird

von den Männern nur der Bajaque oder Baac--eine Art Schurz--getragen

(Lillo 31). Der Bajaque besteht aus Baumwollenzeug oder Baumrinde (Mas,

pobl. 23). Sonst wird noch ein Mantel getragen, "aus Baumwollenzeug

verfertigt und ilocanischer Provenienz", da dieser "Mantel" viereckig

ist, könnte er wohl besser Plaid genannt werden. Der Plaid ist lang

genug, dass er doppelt um den Leib herumgeschlagen werden kann, er ist

blau und weiss gestreift oder schwarz; wenn ganz von weisser Farbe,

gilt er als Trauergewand (Mas, pobl. 23). Diese anscheinende Anlehnung

an chinesischen Brauch liefert aber kein neues Beweismaterial für

die Chinesen-Abstammungs-Hypothese, denn die Spanier fanden in den

Zeiten der Conquista Weiss als Trauerfarbe im ganzen Archipel, und

noch heute ist es so auf den Sulú-Inseln.

Der Kopf wird meist unbedeckt getragen (Semper, Erdk. XIII, 89), sonst

tragen die Berg-Igorroten ein Zeug turbanartig um den Kopf gewunden,

während die Thalbewohner mit dem Salacó das Haupt bedecken (Lillo

31). Die Tracht der civilisirten Indier (gleich der tagalischen)

beginnt bereits in den Grenzdistricten die nationale zu verdrängen

(Lillo, l. c.). Die Weiber tragen eine bis zu den Knieen reichende

Schürze, ferner ein jackenartiges Hemd mit langen Ärmeln, welches die

Brüste durch einen Schlitz erblicken lässt, beide Kleidungsstücke sind

indigoblau mit weissen Streifen (Semper, Erdk. XIII, 89; Ilustr. 1860,

p. 151). Die Häuptlinge tragen im Kriege einen eigenthümlichen Barigués

oder Porta-itac genannten Gürtel, welcher aus kleinen blendend weissen

Steinchen zusammengesetzt ist (Scheidnagel 124). Die Kleider werden

nie gewaschen (Lillo 31).

Als Schmuckgegenstände dienen beiden Geschlechtern Ringe und Schnüre

um Hals, Arme und Beine, sowie Ohrgehänge. Um den Hals werden mit

Glasperlen und Steinen bedeckte Schnüre getragen (Semper, Erdk. XIII,

90), manche legen einen aus Kupferblech bestehenden Halsschmuck

an, einige tragen förmliche Hunde-Halsbänder (Lillo 30). Die Arm-

und Beinringe bestehen aus Metalldraht, Glasperlenschnüren oder

Pflanzenflechtwerk (Semper, Erdk. XIII, 90); eine besondere Gattung

dieser Ringe heisst Bali, wird aus Kupfer verfertigt und ist mitunter

vergoldet (Scheidnagel 125). Die Ohrgehänge, welche auch von den

Männern getragen werden, bestehen aus Gold, Kupfer und Hundezähnen

(Lillo 30; Scheidnagel, l. c.). In Ermangelung von etwas besserem

werden auch Holzpflöcke in die Ohren gesteckt. Je grösser die

Ausdehnung des Ohrläppchens ist, desto grösser der Stolz.

Tabak, Geld und andere Gegenstände werden in einer Art Patronentasche

aus Rohrgeflecht getragen, welche an einem Bandelier hängt (Lillo

30). Semper sah viele Igorroten, welche an einer (Glas-) Perlenkette

einen Ohrlöffel und jene Kupferzange beständig mit sich trugen,

welche zum Auszupfen der Barthaare dient.

Von ihren Geräthen und Waffen fällt zunächst ihre Axt Ligua (Aligua,

Aliva) in die Augen, sie hat die Gestalt eines Trapezoids (Scheidnagel

124) und ist mit einer Spitze versehen, welche zum Aufspiessen des

abgeschlagenen Feindeskopfes dient (Lillo 24). Dann kommt zunächst

das zweischneidige Waldmesser Bujías oder Talibong (Talibon) in

Betracht. Breite einschneidige Hackmesser, gleich den ilocanischen,

und ebenso Bolos genannt, sind gleichfalls im Gebrauche. Der Talibong

wird bei den Busaos nicht vorgefunden (Ilustr. 1860, p. 152). Zur Jagd

wie zum Kriege dient als Hauptwaffe ein Wurfspiess mit eiserner Spitze,

welcher Cayang genannt wird. Sie besitzen zwar auch Pfeil und Bogen,

wissen aber diese Waffe nicht gut zu gebrauchen (Mas, pobl. 24). Als

Schutzwaffe dient der aus Holz verfertigte Schild, Calata (Lillo

24). Sämmtliche Angriffswaffen sind aus Metall verfertigt, bezw. haben

sie aus diesem verfertigte Spitzen, Eisen wird natürlich bevorzugt,

kommt aber nur durch Handel in ihre Hände, weshalb in früheren Zeiten

das Kupfer das Material zur Herstellung ihrer Waffen und Werkzeuge

nahezu ausschliesslich hergab.

Von Transportgeräthen sind erwähnenswerth der Apirang und der Cayabang,

ersterer ist ein auf dem Rücken zu tragender Korb aus Rohr und Bambus,

letzterer ist gleichfalls ein Korb von vollendeter Arbeit, welchen

nur Weiber tragen, er hat die Gestalt eines abgestumpften Kegels; zum

Fortschaffen und Aufbewahren verschiedener Gegenstände dienen auch die

Sackgattungen Upit und Sagupit, beide aus Bejuco und anderen Rohr-

und Gras-Gattungen geflochten. Der Upit hat einen doppelten Boden

(Scheidnagel 126).

Die Dörfer der Igorroten sind nicht klein und erscheinen noch grösser

durch den Umstand, dass jedes Haus von dem anderen durch einen

viereckigen Hofraum geschieden ist (Semper, Erdk. XIII, 90), dieser

Hofraum ist von einem aus rohbehauenen Steinen zusammengefügten

Walle umgeben. Die Hütten sind je nach der Lage des Dorfes aus

verschiedenen Materialien hergestellt; wo spanisches Rohr und

Cogongras noch fortkommen, werden aus ersterem die Wände, aus

letzterem die Bedachung verfertigt, in den höheren Gebirgen dienen zum

Hausbaue Dielen und Balken aus Fichtenholz (Ilustracion 1860, n. 12,

p. 151). Die Igorroten-Hütten in den Niederungen von Lepanto haben

bereits ilocanisches Gepräge (Lillo 31). Der Grundriss ist viereckig,

die Zimmer sind vier Fuss hoch; zwischen der Zimmerdecke und dem

Dache ist der Reis aufgehäuft; selten läuft um das Haus eine Galerie

(Semper, Erdk. XIII, 90). Die Hütten haben keine Fenster und nur eine

einzige niedrige Eingangsthür, zu welcher man auf einer Leiter--denn

auch hier ruhen die Hütten etwas erhöht über dem Erdboden--gelangt

(Lillo 31). Der Feuerherd befindet sich gewöhnlich in der Mitte des

einzigen Zimmers (Semper, Erdk. XIII, 90). In manchen Gegenden umgeben

die Igorroten ihre Häuser mit Bambuszäunen (Scheidnagel 75). Das Innere

der Hütten starrt von Schmutz, Russ und Asche (Semper, Erdk. XIII, 90;

Mas, pobl. 24; Ilustracion 1860, n. 12, p. 151). Früher schmückten die

Igorroten das Äussere und Innere ihrer Behausungen mit den Köpfen der

erlegten oder geschlachteten Thiere aus, wodurch die ganze Umgebung

der Hütte durch infernalischen Gestank verpestet wurde (Mas, pobl. 20;

Semper, Erdk. XIII, 94), jetzt beginnt diese Sitte zu verschwinden,

wenigstens in Benguet und Lepanto.

Die Igorroten sind fleissige Ackerbauer, sie bauen Reis, Mais,

Patatas, Camote und verschiedene Gemüsegattungen, ferner Tabak. Kaffee

wird zwar in ihrem Lande gepflanzt, aber diese Plantagen sind im

Besitze und in Verwaltung von Spaniern und Mestizen (Lillo 41). Vor

dem Auftreten der Spanier scheinen sie nur Reis gebaut zu haben und

diesen nicht in genügender Menge, denn zu Ende des XVII. Jahrhunderts

tauschten die Igorroten in Ilócos nicht allein Schweine und Büffel,

sondern auch Reis ein (Morga-Stanley 284). Lillo Gracia sagt von

den Igorroten von Lepanto, dass sie beständig darnach streben, neue,

ihnen unbekannte Sämereien und Pflanzen anzubauen. Hie und da, wo das

schon kühlere Klima ihres Landes es zulässt, bauen sie Zuckerrohr,

Mangobäume und Apfelsinen (Semper, Erdk. XIII, 72).

Bewunderungswürdig ist die Anlage ihrer Felder an steilen Berglehnen

und das Berieselungssystem, welches ihren Äckern das nöthige Wasser

bringt. Die schroffsten Abhänge sind durch mühseliges Aufthürmen von

Felsblöcken in Terrassenfelder verwandelt worden (Semper, Skizzen 59,

und in Erdk. XIII, 91; Lillo 39). Den Feldern wird das Wasser durch

ausgezeichnet nivellirte Canäle zugeführt, Schluchten und Bergklüfte

werden durch primitive Aquäducte überbrückt, welche aus rinnenartig

ausgehöhlten Baumstämmen hergestellt sind (Lillo 40). Um fruchtbare

Äcker zu gewinnen, brennen die Igorroten grosse schöne Fichtenwaldungen

nieder (Lillo 46). Das Pflügen und der Terrassen- und Canalisirungs-Bau

liegt den Männern ob, alle übrige Feldarbeit ist Sache der Weiber und

Kinder (Lillo 32). Der Reis wird nicht geschnitten, sondern Halm für

Halm ausgerissen (Semper, Erdk. XIII, 91). Nach der Ernte werden die

Felder unter Wasser gesetzt und dann gepflügt. Zu letzterer Arbeit

wird nur in den Niederungen der Büffel mit benutzt, in den Berghöhen

arbeitet der Mensch allein (Lillo 39). Der Pflug ist eine Art Harke

(Semper, l. c.). In Lepanto besteht er aus eisenbeschlagenen Stäben,

welche die Erde aufreissen, worauf die Schollen durch Daraufschlagen

zerbröckelt werden (Lillo, l. c.).

Von einer Viehzucht in dem bei uns üblichen Sinne des Wortes ist

bei den Igorroten keine Rede. Sie besitzen zwar Büffel, Schweine

(und seltener) Rinder und Pferde, aber ohne sich mit deren Zucht

und Pflege zu befassen, so dass sie genöthigt sind, diese Thiere in

grossen Mengen in Ilócos aufzukaufen, denn bei ihren Festschmäusen

werden ungeheuere Massen Fleisch vertilgt, der Bedarf ist daher

ein grosser. Die Pferde werden nur des Fleisches wegen gezogen,

die wenigen, welche nicht dem Schlachtmesser verfallen, sind durch

frühe Dienstleistung bald ruinirt (Lillo 41). Auch der Hund muss sein

Fleisch hergeben. Da das letztere Thier, sowie das Schwein und das

Huhn nur unter gewissen Ceremonien und unter priesterlicher Beihülfe

geschlachtet werden können (Semper, Erdk. XIII), so ist der Schluss

berechtigt, dass diese drei Thiergattungen die einzigen Hausthiere der

Igorroten waren, als sie Luzon betraten und ihre jetzigen Wohnsitze

einnahmen. Trotz dieser Vorliebe und religiösen Scheu Schweinen und

Hühnern gegenüber sind die Igorroten von Lepanto so nachlässig und

träge, dass sie, anstatt diese Thiere selbst zu ziehen, solche zu

ziemlich hohen Preisen von ilocanischen Händlern einkaufen (Lillo

42). Die Hunde werden hingegen gut gepflegt und sogar Nachts in

die Hütte mitgenommen, wo Menschen und Thiere sich in der Nähe des

wärmenden Herdes lagern (Semper, Erdk. XIII, 90). Ställe für Büffel,

Rinder und Pferde giebt es nicht, diese Thiere müssen im Freien die

kühlen Nächte (in Benguet +7° R.) zubringen.

Ihre gewöhnliche Nahrung besteht in Camote, Reis, dem Fleische

ihrer Hausthiere und Wildpret, letzteres wissen sie für längere

Zeit zu conserviren (Ilustracion 1860, n. 12, p. 152). In der

Bereitung der Fleischspeisen sind sie nichts weniger als heikel, für

gewöhnlich braten sie das Fleisch, doch essen sie es auch im rohen

Zustande, selbst die Büffelhaut wird nicht verschmäht und in lange

Streifen zerschnitten noch blutig verschlungen (Semper, Erdk. XIII,

94). Ein Leckerbissen ist den Igorroten der in den Eingeweiden eines

frischgeschlachteten Büffels befindliche Koth (Mas, pobl. 23). Semper

(Erdk. XIII, 94) sah bei einem Festschmause, wie sie den Saft aus den

Excrementen eines geschlachteten Büffels als Sauce auf rohes Fleisch

auspressten. Sie geniessen das Fleisch auch im Fäulniss-Zustande

(Lillo 28).

Den grössten Theil ihrer Reisernte verwandeln sie in Bundang oder

Siniput, ein saures, berauschendes Bier (Semper, Erdk. XIII, 92). Ein

anderer gegohrener Trank wird aus Zuckerrohr bereitet und heisst

"Basig" oder "Basi".

Von den civilisirten Malaienstämmen der Philippinen unterscheiden

sie sich vorteilhaft dadurch, dass sie keinen Buyo kauen, dagegen

rauchen Männer und Weiber von früher Jugend an leidenschaftlich Tabak,

und zwar aus Pfeifen (Lillo 30). Letztere werden von ihnen selbst

fabricirt und bestehen aus Stein, Holz oder Bronze (Messing).

Sobald ein Weib Geburtswehen fühlt, eilt sie zu einem Flusse oder

Bache, in dessen Wasser sie das neugeborene Kind sofort badet,

dann legt sie das Kindlein in eine Art Korb, der über den Schultern

festgehalten wird und geht damit heim (Ilustracion 1860, n. 12,

p. 152). Werden Zwillinge geboren, so wird das zuletzt geborene Kind

der ersten besten Familie geschenkt, die es adoptiren will; findet

sich Niemand, der sich des armen Wesens erbarmt, so wird das Kind

erwürgt oder lebendig begraben (Lillo 25). Dieser barbarische Brauch

ist im raschen Schwinden begriffen. Das neugeborene Kind erhält den

Namen desjenigen, der es zuerst beschenkt, doch werden die Namen im

Leben mehrmals gewechselt (Lillo, l. c.).

Entgegen den liederlichen Sitten der Tagalen und Visayer hüten die

Igorroten ängstlich die Keuschheit ihrer Mädchen. Sobald die Kinder

geschlechtsreif werden, tritt eine vollständige Isolirung der Jünglinge

und Mädchen ein. In jedem Dorfe giebt es zwei grosse Häuser, in dem

einen bringen die Jungfrauen, in dem anderen die Jünglinge die Nacht

zu; ein Greis bei den letzteren, eine Greisin bei ersteren führen die

Oberaufsicht und verhindern, dass Jemand zur Nachtzeit sich hinaus-

oder hereinschleiche (Lillo 27). Bei Tage werden die Jungfrauen bei

jedem Ausgange von älteren Frauen ihrer Familie oder dem Vater selbst

begleitet und bewacht (Lillo, l. c.). Der Fehltritt eines Mädchens

wurde bei einigen Stämmen mit dem Tode (Mas, pobl. 23), bei anderen

durch schwere Züchtigung bestraft (Lillo 29). Diese Strenge bewirkte,

dass die Mädchen, welche ihren Trieben freie Zügel schiessen liessen,

indem sie die Wachsamkeit ihrer Aufseher täuschten, vorgaben, von Affen

im Walde genothzüchtigt worden zu sein (Mittheilungen des Fray Lorenzo

Juan in Mas, pobl. 23). Der Verkehr mit den eingewanderten christlichen

Ilocanen und Pangasinanen, sowie mit den Soldaten der Forts hat diese

reinen Sitten auf vielen Punkten untergraben (Lillo 32).

Verliebt sich ein Jüngling in ein Mädchen und sind beide Eltern einem

Ehebündnisse ihrer Kinder geneigt, so gestatten die Eltern der Braut

dem Jünglinge, mit ihrer Tochter im Concubinate zu leben, denn es gilt

vor Allem, die Fruchtbarkeit derselben zu erproben (Lillo 27). Wird

die Braut binnen einer bestimmten Frist schwanger, so findet erst die

Hochzeit Statt, im entgegengesetzten Falle tritt der Bräutigam zurück

(Lillo, l. c.). Wer ohne Grund seine Braut verliess, wurde früher

geköpft (Lillo 29). Die Hochzeit beginnt mit einem religiösen Acte:

die Priesterin erscheint, und unter Anrufung der Anitos verrichtet sie

in Gegenwart aller Verwandten ihren Hocuspocus. Während der ganzen

Ceremonie ruht der Fuss des Bräutigams auf dem der Braut (Lillo

27). Dann folgt der Festschmaus, welcher oft 8 bis 9 Tage dauert,

während dieser Zeit bleibt das Ehepaar unsichtbar (Mas, pobl. 19).

Die Igorroten kennen nur die Monogamie, und die Heiligkeit der Ehe

wird ungemein hochgehalten. Die noch unabhängigen Igorroten tödten

jedes ehebrecherische Weib durch Kopfabschlagen, die unter spanischer

Herrschaft stehenden lassen es mit einer schweren körperlichen

Züchtigung bewenden (Lillo 29). Die Ehen sind nur durch den Tod

löslich (Lillo 27). Die Witwe gehört zur Familie ihres verstorbenen

Gatten, ohne deren (seltene) Einwilligung sie sich nicht wieder

vermählen darf, in welchem Falle sie jedes Recht auf ihre Kinder

von ihrem ersten Gatten verliert, deren Vormundschaft und Schutz

der Familie desselben zufällt (Lillo 27). Der Witwer darf sich erst

nach sieben Jahren wieder verheirathen, während dieser ganzen Zeit

fordert der gute Anstand von ihm, durch dumpfes Stillschweigen und

Vorsichhinbrüten, sowie durch gänzliche Vernachlässigung der ohnehin

geringen körperlichen Reinlichkeit, seine Trauer um die verstorbene

Gattin zur Schau zu tragen (Lillo, l. c.).

Im Familienleben der Igorroten fällt angenehm die Hochachtung auf,

welche den Greisen gezollt wird (Lillo 29), minder vortheilhaft

klingt die Meldung, dass noch im Anfange dieses Jahrhunderts die

Igorroten ihre Kinder gern an die guten Christen von Ilócos und

Pangasinán verkauften. Die Kinder wurden von den "edlen" Indiern zu

Viehhirten und Knechten aufgezogen, der Preis schwankte zwischen 20

bis 30 Pesos, nur mit grosser Mühe gelang es der spanischen Regierung,

diesen schändlichen Handel mit lebendigem Menschenfleisch auszurotten

(Mas, pobl. 34).

Ist ein vornehmer Igorrote verschieden, so wird eine Priesterin geholt,

welche an die Leiche Fragen stellt, wie z. B.: "Warum hast du deine

Verwandten und Freunde verlassen?" Dann werden alle Verwandten, auch

die entferntesten, von dem Todesfalle benachrichtigt, welche auch

insgesammt erscheinen; jeder tritt vor den Todten, grüsst ihn und

drückt ihm die Hand, wobei er die oben erwähnte Frage der Priesterin

wiederholt. Der Leichnam wird nicht eher begraben, als bis alle

Blutsfreunde ihm diese letzte Ehrenbezeugung erwiesen, was oft 8 bis

9 Tage währt; bei den mehr civilisirten Igorroten wird die Leiche

früher bestattet oder wenigstens auf den Friedhof gebracht (Lillo

25 f.). Während der ganzen Zeit, wo der Todte von seinen Verwandten

begrüsst und besucht wird, feiert man vor dem Hause ein Cañao (Fest),

d. h. es werden ungeheuere Quantitäten Fleisch und Reis verschlungen

und noch viel mehr Basi getrunken. Der Aufwand ist oft so übertrieben,

dass manche Familie durch ein solches Todtenfest vollständig verarmt

(Lillo 26). Die Igorroten von Benguet begraben ihre Todten ohne die

angeführten Ceremonien und überdiess kurze Zeit nach der Sterbestunde

(Semper, Erdk. XIII, 95). In einigen Gegenden werden die Leichen

über einem Feuer gedörrt (Lillo 26 u. Semper, l. c.) in anderen,

wiewohl selten, auch einbalsamirt (Semper, Erdk., l. c.). Der Leichnam

wird sitzend (Lillo 26, Semper, l. c.) in einen kistenartigen Sarg

gesteckt, welcher, wenigstens in Lepanto, aus einem Holze verfertigt

wird, das angeblich die Fäulniss verhindert (Lillo, l. c.). In Benguet

bestehen die Särge, an welchen mitunter Schnitzereien angebracht sind,

aus Fichtenholzbrettern (Semper, Erd. XIII, 96). In den Sarg werden

Lebensmittel mitgegeben. Ein Sarg enthält oft zwei und mehr Leichen

(Semper, Erdk. XIII, 96). In Benguet werden die Todten meist unter

oder neben den Häusern bestattet (Semper, Erdk. XIII, 95), jedoch

werden mit Vorliebe Höhlen zu Begräbnissplätzen ausgesucht (Lillo 6),

was um so bemerkenswerther ist, als auch die Visayer vor der Annahme

des Christenthums dieselbe Weise der Todtenbestattung ausübten. Die

Höhlen werden, wo die Natur sie nicht gebildet, künstlich vermittelst

des Feuers in den Felsen hineingearbeitet (Semper, Erdk. XIII, 96). Die

Begräbnissstätten der Häuptlinge und Vornehmen heissen "Luddut", jede

Familie hat da ihren bestimmten Platz, gleichsam ihre Familiengruft

(Mas, pobl. 18). Früher geschah es mitunter, dass die Leiche (bei

Leuten geringeren Standes) von den Cañao-Festgenossen aufgezehrt

wurde. Mas (pobl. 19) erwähnt einen solchen Vorfall, der sich in der

Igorroten-Niederlassung Baruncucureng bei dem Pueblo Tagudin noch in

diesem Jahrhunderte zugetragen hat.

Jeder Mord und Todtschlag, welchen ein Fremder verübt, wird durch

Blutrache gegen dessen Dorf gesühnt, falls nicht Wehrgeld erlegt

wird (Mas, pobl. 18). Bei ihrem zu Gewaltthaten geneigten Sinne

und dem Ruhm, den jener geniesst, der seine Hütte mit recht vielen

Menschenschädeln schmücken kann, nimmt die Schlächterei unter ihnen nur

dort ein Ende, wo die Autorität der spanischen Behörden volles Gewicht

hat. Die Igorroten von Benguet zeichneten sich durch eine grössere

Kriegslust aus als die Buriks und Busaos. Die Bewohner von Ilócos und

Pangasinán waren in den Zeiten, wo die Igorroten noch unabhängig waren,

beständig durch Banden dieser Kopfjäger beunruhigt. Bei einzelnen

Stämmen herrschte früher der Brauch, dass, wenn ein Todter 2, 3,

4 &c. Finger der Hand ausgestreckt hielt, seine Hinterbliebenen

ebensoviele Menschen tödten mussten; so nahm das Morden kein Ende

(Mas, pobl. 23). In der bestialischen Wuth tranken sie mitunter das

warme Blut des Unglücklichen, dem sie soeben den Kopf abgeschlagen

(Mas, pobl. 22). Kehrte ein Kopfjäger mit seiner schauerlichen

Beute heim, so erschienen die gesammten Bewohner des Ortes in dem

Hause desselben und tanzten unter wildem Geschrei und Gejohle um die

blutigen Feindesköpfe, Reis- und Zuckerrohr-Branntwein wurde in Massen

vertilgt, und Tage verstrichen oft, ehe diese entsetzliche Festlichkeit

endete, welche den Blutdurst und die Roheit der Igorroten in grellem

Lichte offenbarte (Lillo 24). Den Krieg führten sie am liebsten im

Hinterhalte, wurden sie aber vom Feinde im offenen Felde angegriffen,

so wussten sie sich mit grosser Bravour zu vertheidigen. Wollten die

Igorroten herannahenden Fremden erklären, dass ein Betreten ihres

Gebietes gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung wäre, so legten

sie Bogen und Pfeil auf den Weg und besprengten die Erde mit Blut

(Mas, pobl. 44). Sie warfen auch Schanzen auf, um Feinden den Zugang

in ihre Thäler zu versperren (Galvey's Tagebuch in Mas, pobl. 58).

Ihre Religion erinnert lebhaft an jene der alten Tagalen. Sie glauben

an ein oberstes göttliches Wesen, welches die ganze Schöpfung regiert

und nennen es "Apu" oder "Apo" oder (in Lepanto) "Lumaoig" (Lillo

21). Die Gemahlin des Apu heisst Bangan, seine Kinder sind der Sohn

Ubban und die Tochter Bugan. Ausserdem giebt es zwei Untergötter:

Cabigat und Suyan. Diese Gottheiten wohnen am westlichen Himmel und

stehen mit den Menschen durch die Anitos im Verkehr (Lillo, l. c.). Die

Namen der Götter werden in jedem Dorfe verschieden angegeben. Donnert

es, so sagen sie, der Gott Cabuniang verlange Schweine [15] zum

Opfer, sie kommen auch seinem Verlangen unter grossen Festlichkeiten

nach (Mas, pobl. 16). Den Igorroten am Rio Agno wird die Sonne zur

Gottheit, als deren Kinder die Götter Magsib und Caspök gelten, welche

letzteren in Krankheitsfällen angerufen werden und auch sonst einen in

Festlichkeiten bestehenden Cultus besitzen (Semper, Erdkunde XIII, 94).

Den Göttern wird aber viel weniger Verehrung erwiesen, als den Seelen

der verstorbenen Ahnen, den Anitos. In jedem Dorfe befindet sich

ein heiliger Baum, den man als Wohnsitz von Anitos ansieht. Unter

diese Bäume werden Opferstöcke hingestellt, welche natürlich dem

ersten vorbeistreifenden Hunde ein willkommenes Fressen bieten. Vor

diesen Bäumen stehen oft (Lillo 20) Felsblöcke oder Steine in

Form von Altären, auf welchen die Opfer den Anitos dargebracht

werden. Am unteren Rio Agno giebt es nur hie und da Opferplätze

(Semper, Erdk. XIII, 94). Der Anito-Cultus zieht wie der rothe

Faden in dem Tauwerk der englischen Marine durch alle Anschauungen,

Sitten, Bräuche und Lebensgewohnheiten der Igorroten. Bei jedem

Anlasse werden sie angerufen und jeder Vorfall, besonders wenn er

schlimmer Natur ist, ihrem Einflüsse zugeschrieben, deshalb sucht

man sie sich stets gewogen zu erhalten. Vor der Aussaat des Reises

wird ihnen ein grosses Opferfest abgehalten, damit sie Saaten und

Felder schützen &c. Die Anitos rufen auch die Krankheiten hervor und

erzeugen verderbliche Dünste in Feld und Flur. Die Igorroten des in

Lepanto liegenden Ortes Cabugatan halten die Aale ihres Baches für

Verkörperungen ihrer Anitos, weshalb sie ihnen nicht nur kein Leid

zufügen, sondern sie selbst füttern (Lillo 21). Mitunter findet man

(in Lepanto) rohe Holzbilder, welche einen stehenden oder hockenden

Mann darstellen, es sind diess Bilder der Anitos. Semper traf bei den

südlichen Igorroten keine derartigen Bilder. Besonders zur Nachtzeit

ziehen die Anitos herum, um Schaden zuzufügen (Mas, pobl. 17).

Die Igorroten besitzen einen Priesterstand, dessen Mitglieder der

Mehrzahl nach Weiber sind, wie diess bei den Tagalen und Visayern

in den Zeiten der Conquista ebenso der Fall war. Der männliche

Priester heisst Mambunung, in jedem Dorfe ist nur einer, der erst

auf dem Todtenbett seinem Sohne die Gebetsformeln mittheilt (Semper,

Erdkunde XIII, 94). Diese Mambunungs heilen auch Krankheiten, indem

sie das Gesicht des Leidenden mit dem Blute eines geschlachteten

Opferthieres beschmieren; als Bezahlung erhalten sie Gold und die

besten Fleischstücke des Opferthieres (Semper, l. c.). Schweine,

Hunde und Hühner dürfen nicht geschlachtet werden, ausser sie werden

vom Mambunung eingeweiht und Theile ihres Fleisches den Göttern oder

Anitos geopfert.

Meist werden alle religiösen Ceremonien durch Priesterinnen, die

sogenannten "Asiteras", geleitet, es sind diess gewöhnlich alte

Weiber, welche die Opfer bei den religiösen Festen, den Cañaos,

zu verrichten haben. Die Anlässe zur Veranstaltung solcher sind

verschiedenartigster Natur, wie: Erkrankung, plötzliches Umstehen des

Viehes, eine Leichenbestattung, Hochzeiten, das Erblicken gewisser

Vögel oder einer Ratte, welche den Weg kreuzt, ferner der Neubau

eines Hauses oder der Aufbruch eines Kopfjägers, der Blutrache ausüben

will (Lillo, 19 f.). Die Asiteras leiten das Fest, das in ein Fress-

und Saufgelage ausläuft, mit dem Schlachten eines Opferthieres ein,

indem sie unter Hersagen verschiedener Stossgebete und Ausrufungen

mit dem Opferblute die Umstehenden oder das Anitobild besprengen. Die

Asiteras geben vor, von einem Anito begeistert zu sein (Lillo 20). Zum

Abhalten dieser religiösen [16] Feste, Cañaos, besitzt jedes Dorf einen

kleinen Schuppen, vor dem ein offener Platz sich befindet (Lillo 24).

Das Erscheinen des Regenbogens halten die Igorroten für ein gutes Omen,

kreuzt hingegen eine Schlange den Weg, so kehren sie augenblicklich um

(Mas, pobl. 16). Wenn sie irgendwohin aufbrechen wollen, so zünden sie

ein Feuer an, schlägt der Rauch nach der ihrem Ziele entgegengesetzten

Richtung, so halten sie diess für ein sehr schlimmes Zeichen und

unterlassen sofort den Zug (Mas, l. c.). Unter ihren "abergläubischen"

Bräuchen verdient folgender einer Erwähnung: Wenn bei dem Neubaue eines

Hauses Jemand bei der Errichtung der Grundpfeiler niest, so muss der

Bau sofort unterlassen werden, sonst würde von den Betheiligten einer

bald sterben müssen (Lillo 23).

Das Christenthum hat zwar bei ihnen Eingang gefunden, breitet sich aber

nur langsam, wenn auch sicher, aus. Man hat schon in den vergangenen

Jahrhunderten Versuche gemacht, sie zum Christenthume zu bekehren, aber

P. Mozo (Misiones 80) gesteht freimüthig, dass die wenigen Igorroten,

welche die Taufe nahmen, diess nur thaten, um ihre Stammesgenossen um

so leichter und wohlfeiler mit Mänteln, Schweinen, Kühen und (Palm-)

Wein zu versehen.

Über ihre nationalen Rechtsverhältnisse ist mir so gut wie Nichts

bekannt. In zweifelhaften Fällen waren Gottesurtheile, wenn ich diesen

Ausdruck hier anwenden darf, üblich. Zwei Arten derselben erwähnt

Lillo (Lepanto 20). Mit einem spitzen Eisen von der Grösse und Gestalt

eines kleinen Nagels werden die Köpfe der Streitenden geritzt, wer

bei dieser Operation mehr Blut verliert, hat den Streit verloren. Ein

anderes Mal wird ein kleiner Scheiterhaufen angezündet, worauf jeder

der Streitenden ein gefesseltes Huhn in die Flammen wirft. In dem

Augenblicke, wo die armen Thiere in den letzten Zügen liegen, werden

sie wieder aus dem Feuer herausgezogen und der Leib geöffnet, wessen

Huhn eine grössere Galle besitzt, der hat den Process verloren.

Das Jahr zählen sie nach Ernten, die Monate nach Monden, die

Stunde nach dem Stande der Sonne (Lillo 44). Ihre Gesänge sind

monoton und nach unseren Begriffen unharmonisch, der Kriegsgesang

besteht eigentlich nur aus einem gellenden Geschrei (Lillo 24). Ihre

Musikinstrumente sind nicht zahlreich, zu erwähnen wäre zunächst

der Batitin, eine Trommel aus einem ausgehöhlten Baumstamme (Lillo

28), denselben Namen giebt Semper (Erdk. XIII, 93), nur mit einer

geringen Modification--batiting--, den auch bei den Igorroten üblichen

Gongs. Prof. Semper erwähnt an derselben Stelle auch eine Trommel,

welche die Form einer Kanone besitzt und mit einem Stück Stierleder

überzogen ist. Der Gong der Igorroten von Lepanto heisst la Ganza,

er besteht aus Bronze. Zur besseren Handhabung ist an die Ganza ein

Henkel angemacht, welcher aus dem Kinnbacken eines Feindesschädels

besteht, so adjustirte Ganzas haben einen besonderen Werth (Lillo 29).

Die vornehmen Igorrotenfamilien wetteifern miteinander in

Veranstaltungen von grossen Festschmäusen. Zu diesen Festen werden

nur die Vornehmsten des Ortes persönlich eingeladen, die übrigen

Dorfbewohner erscheinen auf das Signal von Trommelschlägen. Ehe das

Gelage seinen Anfang nimmt, wird getanzt. Bei den südlichen Igorroten

treten bei solchen Festen als Tänzer ein Weib mit drei bis vier

Männern auf. "Das Weib dreht sich, die Arme bald weit ausstreckend,

bald sie über die Brust kreuzend, wobei sie sich tief gegen die (schon

bereitstehenden und mit Reisbier gefüllten) Krüge verneigt, nach

einer Seite im Kreise um diese herum, in entgegengesetzter Richtung

bewegen sich die Männer, deren Anführer ein breites buntfarbiges Tuch

über Brust und Schultern trägt und lebhaft mit den Armen gesticulirt"

(Semper, Erdk. XIII, 93). Der Tanz der Igorroten von Lepanto besteht

in einem schnellen Bewegen der Beine, ohne die Füsse vom Boden zu

erheben oder den Körper zu bewegen, dabei halten die Mädchen ein

Tuch in den Händen, hinter welchem sie sich anscheinend zu verbergen

suchen, ähnliches thut der Mann, nur fingirt er das fehlende Tuch;

es tanzt immer nur ein Paar, welches rasch durch ein anderes ersetzt

wird (Lillo 29).

Beim Kriegstanze ahmen die mit Schild und Lanze bewaffneten Tänzer

ein Gefecht nach (Lillo, l. c.), doch beginnt diese Sitte rasch zu

schwinden, da bei den den Spaniern unterworfenen Igorroten keine

Kriege mehr geführt werden.

Ihre Industrie ist nur in Bezug auf Metallarbeiten und Bergbau von

Belang. Sie besitzen zwar kleine Webeapparate (Lillo 42), können

aber damit nur den geringsten Theil ihres Bedarfes an Baumwollgeweben

decken. Aus der Rinde des mächtigen Baumes Baliti bereiten sie durch

Klopfen und Dörren an der Sonne einen überaus haltbaren Stoff, welchen

sie zu ihrem Kopfbunde, zu Schlafteppichen &c. verwenden (Scheidnagel

126). Im Flechten von Körben, Matten und Hüten sind sie sehr geschickt,

letztere Industrie nimmt immer mehr an Bedeutung zu. Aus Holz werden

verschiedene Sachen, als Tabakspfeifen, Schüsseln &c. geschnitzt. Die

"Latoc" genannte Holzschüssel hat zwei Höhlungen, eine für das Salz,

die andere viel grössere für die eigentliche Speise (Scheidnagel

126). Sie sind ausgezeichnete Schmiede, ihre Werkstätten liegen

nie im Dorfe, sondern tief im Walde versteckt (Semper, Erdk. XIII,

92). Aus Kupfer fabriciren sie Kessel, Kochtöpfe, Tabakspfeifen,

Ketten und ähnliche Dinge. Auch Felle wissen sie gut zuzubereiten,

besonders verdienen die aus dem bunten Felle der Bergkatze bereiteten

Tabaksbeutel Beachtung (Scheidnagel 127).

Im Bergbau übertrafen sie die übrigen Malaienstämme der

Philippinen. Die reichen Kupferminen um den Mte. Datá, in Mancayan

&c. werden von ihnen ergiebig ausgebeutet, ebenso die Goldgruben von

Acupan, Apayao und Suyuc. Jede Familie in den erzführenden Districten

hatte ihr eigenes streng abgegrenztes Schürfgebiet. "Zur Förderung

des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten

Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten

enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhülfenahme eiserner Werkzeuge

den Felsen zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem

Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und erhöhte

den Boden, so dass bei späterem Feuersetzen die Flamme der Holzstösse

stets die Decke traf" (Santos, Informe sobre las minas de cobre,

in Jagor, Reisen, p. 147). Reiche Erze wurden einfach geschmolzen,

die quarzhaltigen einer sehr starken Röstung unterzogen (Jagor,

l. c.). Scheidnagel (p. 98) führt die Gattungen des Goldgewinnes

an: Die einfache Wäsche, Galerienbau und Zerklopfen des erzhaltigen

Gesteines. Die Schmelzöfen der Igorroten bestehen aus einer runden

Vertiefung im Thone und haben einen Durchmesser von 0,3 m und eine

Tiefe von 0,15 m. "Eine damit in Verbindung stehende 30° gegen die

Vertiefung geneigte conische Röhre von feuerfestem Gestein nahm

zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehöhlter

Fichtenstämme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange

mit trockenem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf-

und abbewegten und die für das Schmelzen erforderliche Luft zuführten"

(Jagor, l. c. 148). Der Kupferbergbau hat stark nachgelassen (Drasche,

Fragm. zu einer Geol. 36), indem die reichsten Kupferminen sich

jetzt im Besitze spanischer Actiengesellschaften und Capitalisten

befinden, bei denen die Igorroten, die einstigen Grubenbesitzer,

Taglöhnerdienste verrichten (Lillo 52). Das Goldwaschen ist noch heute

in ihren Händen; in den Zeiten ihrer Unabhängigkeit war der Goldhandel

allein Monopol der vornehmen Familien, denen die Plebejer--wenn ich

so sagen darf--alles gefundene Gold abliefern mussten (Mozo 81). Die

Igorroten in der Umgebung von Suyuc bringen noch jetzt Gold im Werthe

von 12 000 Dollars in den Handel (Lillo 42).

In den Zeiten der Unabhängigkeit bildete--und für die noch jetzt nicht

unterworfenen Stämme gilt dasselbe--jedes Dorf einen Staat für sich

(Lillo 17), wir finden also hier, wie schon Mas erwähnte (Mas, historia

I, 10), dieselbe staatliche Zersplitterung wie bei den heutigen

Indios civilisados in der Periode der Conquista. Der Häuptling des

Dorfes gehört dem Adel an, jedoch scheint diese Würde nicht in einer

einzigen Familie erblich zu sein, sondern der Tapferste--dann Mainguel

genannt--oder Reichste wird Chef eines Dorfes (Lillo 17). Seine Macht

ist sehr beschränkt, denn die eigentliche Regierung liegt in den Händen

der gesammten Adeligen (Lillo 18). Diese werden "Bacnanes" genannt,

ihnen gehört der ganze Boden und das Ackerland des Dorfstaates, in

welchem gewöhnlich vier, sechs oder mehr solcher Magnatenfamilien

leben. Die übrigen Dorfbewohner sind nichts anderes als Leibeigene

des Adels, dessen Felder sie zu bestellen haben und denen sie sonst

zu Diensten stehen; als Lohn erhalten sie dafür Speise und Trank

(Lillo 18). In Lepanto werden sie Cailianes genannt (Lillo, l. c.),

d. h. ebenso, wie die Plebejer in Ilócos. Die einzelnen Dorfstaaten

waren beständig miteinander im Kriege begriffen.

Den ersten Versuch, die Igorroten der spanischen Krone und dem

Katholizismus zu unterwerfen, unternahmen die Spanier 1660, er misslang

so wie mehrere andere Expeditionen, bis es 1829 den Spaniern gelang,

festen Fuss im Lande zu fassen, seitdem ist ein Igorroten-Territorium

nach dem anderen durch Güte und Gewalt annectirt worden. Vom 4. bis

7. März 1880 fanden neue blutige Kämpfe mit noch unabhängigen

Bergstämmen Statt, welche siegreich für die Spanier endeten.

Die unterworfenen Igorroten haben dieselbe Gemeindeverfassung und

Autonomie erhalten, wie die übrigen Eingeborenen der Philippinen. Jede

Ranchería (Dorf) wählt einen Gobernadorcillo oder Gemeindevorsteher,

Wähler sind die vornehmsten Dorfbewohner, d. h. die Bacnanes (Lillo

34). Die Gemeindegebiete sind scharf abgegrenzt, um Zusammenstösse

und Streitigkeiten bei den fehdelustigen Igorroten zu vermeiden. Sie

haben ebenso die Servicios und Polos zu leisten wie die Tagalen, es

ist jedoch bemerkenswerth, dass diese öffentlichen Arbeiten meist

von Weibern verrichtet werden, welche ihre Männer vertreten. Nur

in Bezug auf den Tribut (die Kopfsteuer) haben die Igorroten einen

grossen Nachlass, sie zahlen gleichsam nur eine Taxe.

Die spanische Regierung hat auch unter ihnen Schulen gegründet, in

denen die Kinder im Lesen und Schreiben der spanischen Sprache, im

Rechnen und in der katholischen Religion unterrichtet werden. 1876

besass der District Lepanto 7 Schulen, welche von 562 Kindern

regelmässig besucht wurden, von welchen 110 fertig spanisch lesen

und schreiben konnten (Lillo 44). Einige erwachsene Igorroten von

Lepanto verstehen im ilocanischen Dialekte zu schreiben, andere können

wenigstens ihren Namen unterschreiben (Lillo, l. c.). Jedenfalls

verdient der gute Wille der Colonialregierung alle Anerkennung.

Versuch einer Ethnographie der Philippinen · 第 22 / 80 题