VON MOSES.

„Jeden Sohn, der geboren wird, sollt ihr in den Strom werfen.“ --

Rabbi Chanan erzählte: Israels fromme und keusche Töchter suchten ihre

Kinder zu retten. So nahmen sie sie denn und verbargen sie in Höhlungen

ihrer Wohnstätten. Da brachten die Ägypter ihre kleinen Kinder in die

jüdischen Häuser und zwickten sie da, bis sie weinten. Da hörte das

jüdische Kind die weinende Stimme seines Kameraden und weinte mit ihm.

So fanden sie die Ägypter und warfen sie in den Fluß.

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In dieser Stunde sprach der Heilige, gebenedeit sei er, zu den

Dienstengeln: Steigt doch herab und seht die Kinder meiner Lieblinge

Abraham, Jizchak und Jakob, wie man sie in den Strom wirft. Da stiegen

die Engel erschreckt herunter und standen bis zu den Knien im Wasser

und fingen die jüdischen Kinder auf und legten sie auf emporragende

Sandbänke. Der Heilige aber, gebenedeit sei er, ließ ihnen Brüste aus

den Steinen sprießen und gab ihnen so zu trinken.

* * * * *

Wenn die Ägypter kamen, die Kinder zu töten, geschah ein Wunder und die

Kinder wurden von der Erde verschluckt. Da brachten die Ägypter Ochsen

und pflügten die Erde, aber wenn sie weg waren, sprossen die Kinder

wieder auf wie das Gras auf dem Felde. Und wenn sie groß gewachsen

waren, kamen sie scharenweise nach Hause. So kam es denn auch, daß sie

am Roten Meere, da Gott sich offenbarte, ihn gleich wiedererkannten und

riefen: „Dies ist mein Gott!“

Rabbi Jehuda Hanassi hielt einmal eine Predigt und die Zuhörer

schliefen ein. Da wollte er sie wieder wach machen und rief: „In

Ägypten war einst eine Frau, die hat auf einmal sechshunderttausend

Menschen geboren.“ Erstaunt fuhren die Zuhörer auf. Da sagte

er: „Jochebed, Moses’ Mutter, ist gemeint. Denn Moses hat

sechshunderttausend Israeliten aus Ägypten geführt, so ist er denn

soviel Menschen gleich zu achten.“

* * * * *

Es erzählten unsere Lehrer: Als Moses die Herde Jithros in der Wüste

weidete, entlief ihm ein Böcklein. Moses setzte ihm nach, bis er zu

einem Felsen kam, da stand das Böcklein an einer Quelle und trank. Als

Moses das sah, sagte er ihm: „Ich wußte gar nicht, daß du aus Durst

weggelaufen bist. Nun bist du gewiß recht müde.“ So lud er es sich auf

die Schulter und trug es. Das sah Gott und sprach: Du hast Mitleid mit

deiner Herde, so wahr du lebst, so sollst du meine Herde weiden, Israel.

* * * * *

Warum zeigte sich Gott dem Mose im Dornbusche, der loderte und nicht

verbrannt ward? Um Moses Zweifel zu besiegen. Denn Moses glaubte doch,

daß vielleicht die Ägypter Israel vernichten würden. So zeigte ihm Gott

den Dornbusch und sprach: Wie der Dornbusch vom Feuer umflackert wird

und nicht verzehrt werden kann, so können auch Israels Feinde es nicht

vernichten.

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Mit Moses Stab hat es eine eigentümliche Bewandtnis. Der Stab ward am

sechsten Schöpfungstage in der Dämmerung erschaffen und dem ersten

Menschen im Paradies übergeben. Adam gab ihn dem Henoch und Henoch

dem Sem und dann erhielten ihn nacheinander Abraham, Isaak und Jakob.

Jakob brachte ihn nach Ägypten und gab ihn dem Josef. Nach Josefs Tode

fiel er mit seiner ganzen Habe dem Pharao zu. In Pharaos Palaste sah

ihn Jithro, der einer von Pharaos Wahrsagern war, entwendete ihn und

pflanzte ihn in seinen Garten. Aber da konnte ihn niemand nahe kommen

-- bis Moses nach Midjan kam und in den Garten eintrat. Er konnte die

Zeichen lesen, die auf dem Stabe standen und hatte die Macht, ihn

an sich zu nehmen. Als Jithro dies sah, sprach er: Fürwahr, das ist

Israels Erlöser. Deshalb gab er ihm seine Tochter, die Zipporah, zur

Frau.

* * * * *

Ein Heide fragte den Rabbi Josua ben Karcha: „Weshalb redete Gott zu

Moses aus einem Dornbusche?“ Der Rabbi erwiderte: „Hätte er aus einem

Johannisbrotbaume zu ihm geredet oder aus einer Sykomore, so hättest du

mir dieselbe Frage gestellt. Allein ich will es dir sagen: es soll dir

so gezeigt werden, daß es nichts gibt, worin nicht Gottes Herrlichkeit

lebte; sogar im Dornbusche ist sie.“

Chad Gadja: Das Peßachbuch · 第 30 / 49 题