Ich bin mitten unter euch, kehrt und siegt!«

Und aufschlug er das Visier des Helmes und zeigte ihnen das majestätische,

das löwengewaltige Antlitz.

Und so mächtig war die Macht dieser Heldenpersönlichkeit, so groß das

Vertrauen auf sein sieghaftes Glück, daß in der That alle, welche die hohe

Gestalt des Feldherrn auf seinem Rotscheck erkannten, stutzten, hielten,

und mit einem Ruf der Ermutigung sich den nachdringenden Goten wieder

entgegenwandten. An dieser Stelle wenigstens war die Flucht zu Ende.

Da schritt ein gewaltiger Gote heran, leicht sich Bahn brechend. »Heia,

das ist fein, daß ihr einmal des Laufens müde seid, ihr flinken

Griechlein. Ich konnt’ euch nicht mehr nach vor Schnaufen. In den Beinen

seid ihr uns überlegen. Laßt sehn, ob auch in den Armen. Ha, was weicht

ihr, Bursche! Vor dem, auf dem Braunscheck? Was ist’s mit dem?«

»Herr, das muß ein König sein unter den Welschen, kaum kann man sein

zornig Auge tragen.«

»Das wäre! Ah – das muß Belisarius sein! Freut mich,« schrie er ihm

hinüber, »daß wir uns treffen, du kühner Held. Nun spring vom Roß und laß

uns die Kraft der Arme messen. Wisse, ich bin Hildebad, des Tota Sohn.

Sieh, auch ich bin ja zu Fuß. Du willst nicht?« rief er zornig. »Muß man

dich vom Gaule holen?« Und dabei schwang er in der Rechten wiegend den

ungeheuren Speer.

»Wende, Herr, weich’ aus,« rief Aigan, »der Riese wirft ja junge

Mastbäume.« »Wende, Herr,« wiederholten seine Hypaspisten ängstlich.

Aber Belisar ritt, das kurze Schwert gezückt, ruhig dem Goten um eine

Pferdelänge näher. Sausend flog der balkengleiche Speer heran, grad gegen

Belisars Brust.

Aber grad’, ehe er traf, – ein kräftiger Hieb von Belisars kurzem

Römerschwert und drei Schritte seitwärts fiel der Speer harmlos nieder.

»Heil Belisarius! Heil,« schrieen die Byzantiner ermutigt und drangen auf

die Goten ein.

»Ein guter Hieb,« lachte Hildebad grimmig. »Laß sehen, ob dir deine

Fechtkunst auch gegen den hilft.« Und sich bückend hob er aus dem

Ackerfeld einen alten zackigen Grenzstein, schwang ihn mit zwei Armen erst

langsam hin und her, hob ihn dann über den Kopf mit beiden Händen und

schleuderte ihn mit aller Kraft auf den heransprengenden Helden –: ein

Schrei des Gefolges: – rücklings stürzte Belisar vom Pferd. –

Da war es aus.

»Belisarius tot! wehe! Alles verloren, wehe!« schrieen sie, als die

hochragende Gestalt verschwunden, und jagten besinnungslos nach dem Lager

zu. Einzelne flohen unaufhaltsam bis an und in die Thore Roms.

Umsonst war’s, daß sich die Lanzen- und Schildträger todesmutig den Goten

entgegenwarfen: sie konnten nur ihren Herrn, nicht die Schlacht mehr

retten.

Den ersten tödlichen Schwerthieb Hildebads, der herangestürmt war, fing

der treue Maxentius auf mit der eignen Brust. Aber hier sank auch ein

gotischer Reiter endlich vom Roß, der erst nach Hildebad Belisar erreicht

und sieben Leibwächter erschlagen hatte, um bis zum Magister Militum

durchzudringen. Mit dreizehn Wunden fanden ihn die Seinen. Aber er blieb

am Leben. Und er war einer der wenigen, welche den ganzen Krieg

durchkämpften und überlebten –, Wisand, der Bandalarius.

Belisar, von Aigan und Valentinus, seinem Hippokomos (Roßwart), wieder auf

den Rotschecken gehoben und rasch von der Betäubung erholt, erhob umsonst

den Feldherrnstab und Feldherrnruf: sie hörten nicht mehr und wollten

nicht hören. Umsonst hieb er nach allen Seiten unter die Flüchtigen: er

wurde fortgerissen von ihren Wogen bis ans Lager.

Hier gelang es ihm noch einmal, an einem festen Thor, die nachdringenden

Goten aufzuhalten. »Die Ehre ist hin,« sagte er unwillig, »laßt uns das

Leben wahren.« Mit diesen Worten ließ er die Lagerthore schließen, ohne

Rücksicht auf die großen Massen der noch Ausgeschlossenen.

Ein Versuch des ungestümen Hildebad, ohne weiteres einzudringen,

scheiterte an dem starken Eichenholz des Pfahlwerks, das dem Speerwurf und

den Schleudersteinen trotzte. Unmutig auf seinen Speer gelehnt kühlte er

sich einen Augenblick von der Hitze.

Da bog Teja, der längst, wie der König und Totila, abgesessen, prüfend und

das Pfahlwerk messend, um die Ecke des Walls.

»Die verfluchte Holzburg,« rief ihm Hildebad entgegen. »Da hilft nicht

Stein, nicht Eisen.«

»Nein,« sagte Teja, »aber Feuer!« Er stieß mit dem Fuß in einen

Aschenhaufen, der neben ihm lag. »Das sind die Wachtfeuer, samt dem

Reisig, von heute Nacht. Hier glimmen noch Gluten! Hierher, ihr Männer,

steckt die Schwerter ein, entzündet das Reisig! werft Feuer in das Lager!«

»Prachtjunge,« jubelte Hildebad, »flugs, ihr Bursche, brennt sie aus, wie

den Fuchs aus dem Bau! der frische Nordwind hilft.« Rasch waren die

Wachtfeuer wieder entfacht, Hunderte von Bränden flogen in das trockne

Sparrenwerk der Schanze. Und bald schlugen die Flammen lodernd gen Himmel.

Der dichte Qualm, vom Wind ins Lager getragen, schlug den Byzantinern ins

Gesicht und machte die Verteidigung der Wälle unmöglich. Sie wichen in das

Innere des Lagers.

»Wer jetzt sterben dürfte!« seufzte Belisar. – »Räumt das Lager! Hinaus

zur Porta decumana. In gut geschlossener Ordnung zu den Brücken hinter

uns!«

Aber der Befehl, das Lager zu räumen, zerriß das letzte Band der Zucht,

der Ordnung und des Mutes. Während unter Tejas dröhnenden Axthieben die

verkohlten Thorbalken niederkrachten und mitten durch Flammen und Qualm

der schwarze Held, wie ein Feuerdämon, der erste, durch das prätorische

Thor ins Lager sprang, rissen die Flüchtenden alle Thore, auch die

seitwärts aus dem Lager nach Rom zu führten, die Portä prinzipales rechts

und links, auf einmal auf und strömten in wirren Massen nach dem Fluß. Die

ersten erreichten noch sicher und unverfolgt die beiden Brücken; sie

hatten großen Vorsprung, bis Hildebad und Teja Belisar aus dem brennenden

Lager herausgedrängt.

Aber plötzlich – neues Entsetzen! – schmetterten die gotischen

Reiterhörner ganz nahe.

Witichis und Totila hatten sich, sowie sie das Lager genommen wußten,

sogleich wieder zu Pferd geworfen und führten nun ihre Reiter von beiden

Seiten, links und rechts vom Lager her, den Flüchtenden in die Flanken.

Eben war Belisar aus dem decumanischen Lagerthor gesprengt und eilte nach

der einen Brücke zu, als er von links und rechts die verderblichen

Reitermassen heransausen sah. Noch immer verlor der gewaltige Kriegsmann

die Fassung nicht. »Vorwärts im Galopp an die Brücken!« befahl er seinen

Saracenen, »deckt sie!« –

Es war zu spät: ein dumpfer Krach, gleich darauf ein zweiter, – die beiden

schmalen Brücken waren unter der Last der Flüchtenden eingebrochen und zu

Hunderten stürzten die hunnischen Reiter und die illyrischen Lanzenträger,

Justinians Stolz, in das sumpfige Gewässer.

Ohne Bedenken spornte Belisar, an dem steilen Ufer angelangt, sein Pferd

in die schäumende und blutig gefärbte Flut. Schwimmend erreichte er das

andere Ufer. »Salomo, Dagisthäos,« sagte er, sowie er drüben gelandet, zu

seinen raschesten Prätorianern, »auf, nehmt hundert aus meinen

Reiterwachen und jagt was ihr könnt nach dem Engpaß. Überreitet alle

Flüchtigen. Ihr müßt ihn vor den Goten erreichen, hört ihr? _ihr müßt!_ Er

ist unser letzter Strohhalm.«

Beide gehorchten, und sprengten blitzschnell davon.

Belisar sammelte, was er von den zerstreuten Massen erreichen konnte. Die

Goten waren wie die Byzantiner durch den Fluß eine Weile aufgehalten. Aber

plötzlich rief Aigan: »Da sprengt Salomo zurück!« »Herr,« rief dieser

heranjagend: »alles ist verloren! Waffen blitzen im Engpaß. Er ist schon

besetzt von den Goten.«

Da, zum erstenmale an diesem Tage des Unglücks, zuckte Belisar zusammen.

»Der Engpaß verloren? – Dann entkommt kein Mann vom Heere meines Kaisers.

Dann fahrt wohl: Ruhm, Antonina und Leben. Komm, Aigan, zieh’ das Schwert,

– laß mich nicht lebend fallen in Barbarenhand.«

»Herr,« sagte Aigan, »so hört’ ich euch nie reden.«

»So war’s auch noch nie. Laß uns absteigen und sterben.« Und schon hob er

den rechten Fuß aus dem Bügel, vom Roß zu springen, da sprengte Dagisthäos

heran –: »Getrost, mein Feldherr!« – »Nun?« – »Der Engpaß ist unser –

römische Waffen sind’s, die wir dort sahen. Es ist Cethegus, der Präfekt!

Er hielt ihn geheim besetzt.«

»Cethegus?« rief Belisar. »Ist’s möglich? Ist’s gewiß?«

»Ja, mein Feldherr. Und seht, es war hoch an der Zeit.« Das war es. Denn

eine Schar gotischer Reiter, von König Witichis gesendet, den Flüchtenden

am Engpaß vorauszukommen, hatte durch eine Furt den Fluß durchschritten,

den Reitern Belisars den Weg abgeschnitten und vor ihnen den

verhängnisvollen Paß erreicht. Aber eben als sie dort einmünden wollten,

brach Cethegus an der Spitze seiner Isaurier aus dem Versteck der Schlucht

hervor und warf die überraschten Goten nach kurzem Gefecht in die

Flucht. –

»Der erste Glanz des Sieges an diesem schwarzen Tag!« rief Belisar. »Auf,

nach dem Engpaß!« Und mit besserer Ordnung und Ruhe führte der Feldherr

seine gesammelten Scharen an die Waldhügel.

»Willkommen in Sicherheit, Belisarius,« rief ihm Cethegus zu, seine

Schwertklinge säubernd. »Ich warte hier auf dich seit Tagesanbruch. Ich

wußte wohl, daß du mir kommen würdest.«

»Präfekt von Rom,« sprach Belisar, ihm vom Pferd herunter die Hand

reichend: »du hast des Kaisers Heer gerettet, das ich verloren hatte: ich

danke dir.«

Die frischen Truppen des Präfekten hielten, eine undurchdringliche Mauer,

den Paß besetzt, die zerstreut heranflüchtenden Byzantiner durchlassend

und Angriffe der ersten ermüdeten Verfolger, die über den Fluß gedrungen,

– sie hatten einen vollen Tag des Kampfes hinter sich – in der günstigen

Stellung ohne Mühe abwehrend.

Vor Einbruch der Dunkelheit nahm König Witichis seine Scharen zurück, auf

dem Schlachtfeld ihres Sieges zu übernachten, während Belisar mit seinen

Feldherren einstweilen im Rücken des Passes, so gut es gehen wollte, die

aufgelösten Heeresmassen, wie sie zerstreut und vereinzelt eintrafen,

ordneten. Als Belisar wieder einige tausend Mann beisammen hatte, ritt er

zu Cethegus heran und sprach: »Was meinst du, Präfekt von Rom? Deine

Truppen sind noch frisch. Und die Unsern müssen ihre Scharte auswetzen.

Laß uns hervorbrechen nocheinmal – die Sonne geht noch nicht gleich unter

– und das Los des Tages wenden.«

Mit Staunen sah ihn Cethegus an und sprach die Worte Homers: »Wahrlich,

ein schreckliches Wort, du Gewaltiger, hast du gesprochen. Unersättlicher!

So schwer erträgst du’s, ohne Sieg aus einer Schlacht zu gehn? Nein,

Belisarius! dort winken die Zinnen Roms: dahin führe deine todesmatten

Völker. Ich halte diesen Paß, bis ihr die Stadt erreicht. Und froh will

ich sein, wenn mir das gelingt.«

Und so war’s geschehn. Belisar vermochte unter den dermaligen Umständen

weniger als je den Präfekten gegen dessen Willen zu bewegen. So gab er

nach und führte sein Heer nach Rom zurück, das er mit dem Einbruch der

Nacht erreichte.

Lange wollte man ihn nicht einlassen. Den von Staub und Blut Bedeckten

erkannte man nur schwer. Auch hatten Versprengte die Nachricht aus der

Schlacht in die Stadt getragen, der Feldherr sei gefallen und alles

verloren. Endlich erkannte ihn Antonina, die ängstlich auf den Wällen

seiner harrte. Durch das pincianische Thor ließ man ihn ein; es hieß

seitdem Porta belisaria.

Feuerzeichen auf den Wällen zwischen dem flaminischen und dem

pincianischen Thor verkündeten die Erreichung Roms dem Präfekten, der nun,

in guter Ordnung und von den ermüdeten Siegern kaum verfolgt, im Schutze

der Nacht seinen Rückzug bewerkstelligte.

Nur Teja drängte nach mit einigen seiner Reiter bis an das Hügelland, wo

heute Villa Borghese liegt, und bis zur Aqua Acetosa.

Achtes Kapitel.

Am Tage darauf erschien das ganze zahlreiche Heer der Goten vor der ewigen

Stadt, die es in sieben Lagern umschloß.

Und nun begann jene denkwürdige Belagerung, die nicht minder das

Feldherrntalent und die Erfindungsgabe Belisars als den Mut der Belagerer

entfalten sollte.

Mit Schrecken hatten die Bürger Roms von ihren Mauern herab mit angesehen,

wie die Scharen der Goten nicht enden wollten. »Sieh hin, o Präfekt, sie

überflügeln alle deine Mauern.« – »Ja! in die Breite! laß sehen, ob sie

sie in der Höhe überflügeln. Ohne Flügel kommen sie nicht herüber.«

Nur zwei Tausendschaften hatte Witichis in Ravenna zurückgelassen, acht

hatte er unter den Grafen Uligis von Urbssalvia und Ansa von Asculum nach

Dalmatien entsendet, diese Provinz und Liburnien den Byzantinern zu

entreißen und zumal das wichtige Salona wieder zu gewinnen; durch Söldner,

in Savien geworben, sollten sie sich verstärken.

Auch die gotische Flotte sollte – gegen Tejas Rat! – dort, nicht gegen den

Hafen von Rom, Portus, wirken.

Den Umkreis der Stadt Rom aber, und ihre weit hinausgestreckten Wälle, die

Mauern Aurelians und des Präfekten, umgürtete nun der König mit

einhundertundfünfzig Tausendschaften.

Rom hatte damals fünfzehn Hauptthore und einige kleinere.

Von diesen umschlossen die Goten den schwächeren Teil der Umwallung, den

Raum, der von dem flaminischen Thor im Norden (östlich von der jetzigen

Porta del Popolo) bis zum pränestinischen Thor reicht, vollständig mit

sechs Heerlagern; nämlich die Wälle vom flaminischen Thor gegen Osten bis

ans pincianische und salarische, dann bis an das nomentanische Thor

(südöstlich von Porta pia), ferner bis gegen das »geschlossene Thor«, die

Porta clausa, endlich südlich von da das tiburtinische Thor (heute Porta

San Lorenzo) und das asinarische, metronische, latinische (an der Via

latina), das appische (an der Via appia) und das Sankt Pauls-Thor, das

zunächst dem Tiberufer lag. Alle diese sechs Lager waren auf dem linken

Ufer des Flusses.

Um aber zu verhüten, daß die Belagerten durch Zerstörung der milvischen

Brücke den Angreifern den Übergang über den Fluß und das ganze Gebiet auf

dem rechten Tiberufer bis an die See abschnitten, schlugen die Goten ein

siebentes Lager auf dem rechten Tiberufer: »auf dem Felde Neros,« vom

vatikanischen Hügel bis gegen die milvische Brücke hin (unter dem »Monte

Mario«). So war die milvische Brücke durch ein Gotenlager gedeckt und die

Brücke Hadrians bedroht, sowie der Weg nach der Stadt durch die »Porta

Sancti Petri«, wie man damals schon, nach Prokops Bericht, das innere Thor

Aurelians nannte. Es war das nächste an dem Grabmal Hadrians. Aber auch

das Thor von Sankt Pankratius rechts des Tibers war von den Goten scharf

beobachtet.

Dies Lager auf dem neronischen Feld, auf dem rechten Tiberufer, zwischen

dem pankratischen und dem Petrus-Thor, überwies Witichis dem Grafen Markja

von Mediolanum, der aus den Cottischen Alpen und der Beobachtung der

Franken zurückgerufen worden war. Aber der König selbst weilte oft hier,

das Grabmal Hadrians mit scharfen Blicken prüfend.

Er hatte kein einzelnes Lager übernommen, sich die Gesamtleitung

vorbehaltend, vielmehr die sechs übrigen an Hildebrand, Totila, Hildebad,

Teja, Guntharis und Grippa verteilt. Jedes der sieben Lager ließ der König

mit einem tiefen Graben umziehn, die dadurch ausgehobne Erde zu einem

hohen Wall zwischen Graben und Lager aufhäufen und diesen mit Pfahlwerk

verstärken, – sich gegen Ausfälle zu sichern.

Aber auch Belisar und Cethegus verteilten ihre Feldherren und Mannschaften

nach den Thoren und Regionen Roms. Belisar übertrug das pränestinische

Thor im Osten der Stadt (heute Porta maggiore) Bessas, das stark bedrohte

flaminische, dem ein gotisches Lager, das Totilas, in gefährlicher Nähe

lag, Constantinus, der es durch Marmorquadern, aus römischen Tempeln und

Palästen gebrochen, fast ganz zubauen ließ.

Belisar selbst schlug sein Standlager auf im Norden der Stadt. Dieser war

unter den ihm von Cethegus eingeräumten Teilen der Festung Rom der

schwächste.

Den Westen und Süden hielt eifersüchtig, unentfernbar und unentbehrlich,

der Präfekt.

Aber hier im Norden war Belisar Herr: zwischen dem flaminischen und dem

pincianischen – oder nun »belisarischen« – Thor, dem schwächsten Teil der

Umwallung, ließ er sich nieder, zugleich Ausfälle gegen die Barbaren

planend. Die übrigen Thore überwies er den Führern des Fußvolks Peranius,

Magnus, Ennes, Artabanes, Azarethas und Chilbudius.

Der Präfekt hatte übernommen alle Thore auf dem rechten Tiberufer, die

neue Porta aurelia an der älischen Brücke bei dem Grabmal Hadrians, die

Porta septimiana, das alte aurelische Thor, das nun das pankratische hieß,

und die Porta portuensis: auf dem linken Ufer aber noch das Thor Sankt

Pauls. Erst das nächste Thor weiter östlich, das ardeatinische, stand

unter byzantinischer Besatzung: Chilbudius befehligte hier.

Gleich unermüdlich und gleich erfinderisch erwiesen sich die Belagerer und

die Belagerten in Plänen des Angriffs und der Verteidigung. Lange Zeit

handelte es sich nur um Maßregeln, welche die Bedrängung der Römer ohne

Sturm, vor dem Sturm, bezweckten und andrerseits, sie abwehren sollten.

Die Goten, Herren und Meister der Campagna, suchten die Belagerten

auszudursten: sie schnitten alle die prachtvollen vierzehn Wasserleitungen

ab, welche die Stadt speisten. Belisar ließ vor allem, als er dies

wahrnahm, die Mündungen innerhalb der Stadt verschütten und vermauern.

»Denn,« hatte ihm Prokop gesagt, »nachdem du, o großer Held Belisarius,

durch eine solche Wasserrinne nach Neapolis hineingekrochen bist, könnte

es den Barbaren einfallen, – und kaum schimpflich scheinen, – auf dem

gleichen Heldenpfad sich nach Rom hinein zu krabbeln.«

Den Genuß des geliebten Bades mußten die Belagerten entbehren: kaum

reichten die Brunnen in den vom Fluß entlegenen Stadtteilen für das

Trinkwasser aus.

Durch das Abschneiden des Wassers hatten aber die Barbaren den Römern auch

das Brot abgeschnitten. – Wenigstens schien es so. Denn die sämtlichen

Wassermühlen Roms versagten nun. Das aufgespeicherte Getreide, das

Cethegus aus Sicilien gekauft, das Belisar aus der Umgegend Roms

zwangsweise hatte in die Stadt schaffen lassen, trotz des Murrens der

Pächter und Colonen, dieses Getreide konnte nicht mehr gemahlen werden.

»Laßt die Mühlen durch Esel und Rinder drehen!« rief Belisar. »Die meisten

Esel waren klug genug und die Rinder, ach Belisarius,« sprach Prokop,

»sich nicht mit uns hier einsperren zu lassen. Wir haben nur soviel, als

wir brauchen, sie zu schlachten. Sie können unmöglich erst Mühlen drehen

und dann noch Fleisch genug haben, das gemahlene Brot selbst zu belegen.«

»So rufe mir Martinus. Ich habe gestern an dem Tiber, die Gotenzelte

zählend, zugleich einen Gedanken gehabt ... –«

»Den Martinus wieder aus dem Belisarischen in das Mögliche übersetzen muß.

Armer Mann! Aber ich gehe, ihn zu holen.«

Als aber am Abend des gleichen Tages Belisar und Martinus durch

zusammengelegte Boote im Tiber die erste Schiffsmühle herstellten, welche

die Welt kannte, da sprach bewundernd Prokopius: »Das Brot der

Schiffsmühle wird länger die Menschen erfreu’n, als deine größten Thaten.

Dies so gemahlene Mehl schmeckt nach – Unsterblichkeit.« Und wirklich

ersetzten die von Belisar erdachten, von Martinus ausgeführten

Schiffsmühlen den Belagerten während der ganzen Dauer der Einschließung

die gelähmten Wassermühlen.

Hinter der Brücke nämlich, die jetzt Ponte San Sisto heißt, auf der

Senkung des Janiculus, befestigte Belisar zwei Schiffe mit Seilen und

legte Mühlen über deren flaches Deck, so daß die Mühlenräder durch den

Fluß, der aus dem Brückenbogen mit verstärkter Gewalt hervorströmte, von

selbst getrieben wurden.

Eifrig trachteten alsbald die Belagerer, diese Vorrichtungen, die ihnen

Überläufer schilderten, zu zerstören. Balken, Holzflöße, Bäume warfen sie

oberhalb der Brücke von dem von ihnen beherrschten Teil aus in den Fluß

und zertrümmerten so in Einer Nacht wirklich alle Mühlen. Aber Belisar

ließ sie wieder herstellen und nun oberhalb der Brücke starke Ketten

gerade über den Fluß ziehen und so auffangen, was, die Mühlen bedrohend,

herabtrieb.

Nicht nur seine Mühlen sollten diese eisernen Stromriegel decken: sie

sollten auch verhindern, daß die Goten auf Kähnen und Flößen den Fluß

herab und, ohne die Brücke, in die Stadt drängen.

Denn Witichis traf nun alle Vorbereitungen zum Sturm.

Er ließ hölzerne Türme bauen, höher als die Zinnen der Stadtmauer, die auf

vier Rädern von Rindern gezogen werden sollten. Dann ließ er Sturmleitern

in großer Zahl beschaffen und vier furchtbare Widder oder Mauerbrecher,

die je eine halbe Hundertschaft schob und bediente. Mit unzähligen Bündeln

von Reisig und Schilf sollten die tiefen Gräben ausgefüllt werden.

Dagegen pflanzten Belisar und Cethegus, jener im Norden und Osten, dieser

im Westen und Süden die Verteidigung der Stadt überwachend, Ballisten und

Wurfbogen auf die Wälle, die auf große Entfernung balkenähnliche

Speergeschosse schleuderten mit solcher Kraft, daß sie einen gepanzerten

Mann völlig durchbohrten. Die Thore schützten sie durch »Wölfe«, d. h.

Querbalken, mit eisernen Stacheln besetzt, die man auf die Angreifer

niederschmettern ließ, wann sie dicht bis an das Thor gelangt waren. Und

endlich streuten sie zahlreiche Fußangeln und Stachelkugeln auf den

Vorraum zwischen den Gräben der Stadt und dem Lager der Barbaren.

Neuntes Kapitel.

Trotz alledem, sagten die Römer, hätten längst die Goten die Mauern

erstiegen, wäre nicht des Präfekten Egeria gewesen.

Denn es war merkwürdig: so oft die Barbaren einen Sturm vorbereiteten –:

Cethegus ging zu Belisar und warnte und bezeichnete im voraus den Tag. So

oft Teja oder Hildebad in kühnem Handstreich ein Thor zu überrumpeln, eine

Schanze wegzunehmen gedachten: – Cethegus sagte es vorher, und die

Angreifer stießen auf das Zweifache der gewöhnlichen Besatzung der Punkte.

So oft in nächtigem Überfall die Kette des Tibers gesprengt werden sollte:

– Cethegus schien es geahnt zu haben und schickte den Schiffen der Feinde

Brander und Feuerkähne entgegen.

So ging es viele Monate hin. Die Goten konnten sich nicht verhehlen, daß

sie, trotz unablässiger Angriffe, seit Anfang der Belagerung keinerlei

Fortschritte gemacht.

Lange trugen sie diese Unfälle, die Entdeckung und Vereitelung all ihrer

Pläne, mit ungebeugtem Mut. Aber allmählich bemächtigte sich nicht bloß

der großen Masse Verdrossenheit, insbesondere da Mangel an Lebensmitteln

fühlbar zu werden begann, – auch des Königs klarer Sinn wurde von trüber

Schwermut verdüstert, als er all’ seine Kraft, all’ seine Ausdauer, all’

seine Kriegskunst wie von einem bösen Dämon vereitelt sah. Und kam er von

einem fehlgeschlagenen Unternehmen, von einem verunglückten Sturm, matt

und gebeugt, in sein Königszelt, so ruhten die stolzen Augen seiner

schweigsamen Königin mit einem ihm unverständlichen, aber grauenvoll

unheimlichen Ausdruck auf ihm, daß er sich schaudernd abwandte.

»Es ist nicht anders,« sagte er finster zu Teja, »es ist gekommen, wie ich

vorausgesagt. Mit Rauthgundis ist mein Glück von mir gewichen, wie die

Freudigkeit meiner Seele. Es ist, als läge ein Fluch auf meiner Krone. Und

diese Amalungentochter wandelt um mich her, schweigend und finster, wie

mein lebendiges Unglück.«

»Du könntest Recht haben,« sprach Teja. »Vielleicht lös’ ich diesen

Zauberbann. Gieb mir Urlaub für heut’ Nacht.«

Am selben Tage, fast in derselben Stunde, forderte drinnen in Rom

Johannes, der Blutige, von Belisar Urlaub für diese Nacht. Belisar schlug

es ab. »Jetzt ist nicht Zeit zu nächtlichen Vergnügen,« sagte er.

»Wird kein groß Vergnügen sein, in der Nacht zwischen alten feuchten

Mauern und gotischen Lanzen einem Fuchs nachspüren, der zehnmal schlauer

ist als wir beide.«

»Was hast du vor?« fragte Belisar, aufmerksam werdend.

»Was ich vorhabe? Ein Ende zu machen der verfluchten Stellung, in der wir

alle, in der du, o Feldherr, nicht zum mindesten stehst. Es ist schon

alles ganz recht. Seit Monaten liegen die Barbaren vor diesen Mauern und

haben nichts dabei gewonnen. Wir erschießen sie wie Knaben die Dohlen vom

Hinterhalt und können ihrer lachen. Aber wer ist es eigentlich, der all

dies vollbringt? Nicht, wie es sein sollte, du, des Kaisers Feldherr, noch

des Kaisers Heer: sondern dieser eisige Römer, der nur lachen kann, wenn

er höhnt. Der sitzt da oben im Kapitol und verlacht den Kaiser und die

Goten und uns und, mit Verlaub zu sagen, dich selber am meisten. Woher

weiß dieser Odysseus und Ajax in Einer Person alle Gotenpläne so scharf,

als säße er mit im Rat des Königs Witichis? Durch sein Dämonium, sagen die

einen. Durch seine Egeria, sagen die andern. Er hat einen Raben, der hören

und sprechen kann wie Menschen, meinen wieder andere: den schickt er alle

Nacht ins Gotenlager. Das mögen die alten Weiber glauben und die Römer,

nicht meiner Mutter Sohn. Ich glaube, den Raben zu kennen und das

Dämonium. Gewiß ist, er kann die Kunde nur aus dem Gotenlager selbst

holen; laß uns doch sehen, ob wir nicht selbst an seiner Statt aus dieser

Quelle schöpfen können.«

»Ich habe das längst bedacht, aber ich sah kein Mittel.«

»Ich habe von meinen Hunnen alle seine Schritte belauern lassen. Es ist

verdammt schwer: denn dieser braune Maurenteufel folgt ihm wie ein

Schatte. Aber tagelang ist Syphax fern: – und dann gelingt es eher. Nun,

ich habe erspäht, daß Cethegus so manche Nacht die Stadt verließ, bald aus

der Porta portuensis, rechts vom Tiber, bald aus der Porta Sankt Pauls,

links vom Tiber im Süden, die er beide besetzt hält. Weiter wagten ihm die

Späher nicht zu folgen. Ich aber denke heute Nacht – denn heute muß es

wieder treffen, – ihm so nicht von den Fersen zu weichen. Doch muß ich ihn

_vor_ dem Thore erwarten: seine Isaurier ließen mich nicht durch; ich

werde bei einer Runde vor den Mauern in einem der Gräben zurückbleiben.«

»Gut. Es sind aber, wie du sagst, zwei Thore zu beobachten.« – »Deshalb

hab’ ich mir Perseus, meinen Bruder, zum Genossen erkoren; er hütet das

paulinische, ich das portuensische Thor; verlaß dich drauf – bis morgen

vor Sonnenaufgang kennt einer von uns das Dämonium des Präfekten.« – Und

wirklich: einer von ihnen sollte es kennen lernen.

Gerade gegenüber dem Sankt Pauls-Thor, etwa drei Pfeilschüsse von den

äußersten Gräben der Stadt, lag ein mächtiges altertümliches Gebäude, die

Basilika Sancti Pauli extra muros, die Paulskapelle vor den Mauern, deren

letzte Reste erst zur Zeit der Belagerung Roms durch den Connetable von

Bourbon völlig verschwanden. Ursprünglich ein Tempel des Jupiter Stator

war der Bau seit zwei Jahrhunderten dem Apostel geweiht worden: aber noch

stand die bronzene Kolossalstatue des bärtigen Gottes aufrecht: man hatte

ihm nur den flammenden Donnerkeil aus der Rechten genommen und dafür ein

Kreuz hineingeschoben: im übrigen paßte die breite und bärtige Gestalt gut

zu ihrem neuen Namen.

Es war um die sechste Stunde der Nacht. Der Mond stand glanzvoll über der

ewigen Stadt und goß sein silbernes Licht über die Mauerzinnen und über

die Ebene, zwischen den römischen Schanzen und der Basilika, deren

schwarze Schatten nach dem Gotenlager hin fielen.

Eben hatte die Wache am Sankt Pauls-Thor gewechselt.

Aber es waren sieben Mann hinausgeschritten und nur sechs kamen herein.

Der siebente wandte der Pforte den Rücken und schritt heraus ins freie

Feld.

Vorsichtig wählte er seinen Weg: vorsichtig vermied er die zahlreichen

Fußangeln, Wolfsgruben, Selbstschüsse vergifteter Pfeile, die hier überall

umhergestreut waren und manchem Goten bei den Angriffen auf die Stadt

Verderben gebracht hatten. Der Mann schien sie alle zu kennen und wich

ihnen leicht aus. Aber er vermied auch das Mondlicht sorgfältig, den

Schatten der Mauervorsprünge suchend und oft von Baum zu Baum springend.

Als er aus dem äußersten Graben auftauchte, sah er sich um und blieb im

Schatten einer Cypresse stehen, deren Zweige die Ballistengeschosse

zerschmettert hatten. Er entdeckte nichts Lebendes weit und breit: und er

eilte nun mit raschen Schritten der Kirche zu.

Hätte er nochmal umgeblickt, er hätte es wohl nicht gethan.

Denn, sowie er den Baum verließ, tauchte aus dem Graben eine zweite

Gestalt hervor, die in drei Sprüngen ihrerseits den Schatten der Cypresse

erreicht hatte. »Gewonnen, Johannes! du stolzer Bruder, diesmal war das

Glück dem jüngeren Bruder hold. Jetzt ist Cethegus mein und sein

Geheimnis.« Und vorsichtig folgte er dem rasch Voranschreitenden.

Aber plötzlich war dieser vor seinen Augen verschwunden, als habe ihn die

Erde verschlungen. Es war hart an der äußern Mauer der Kirche, die doch

dem Armenier, als er sie erreicht, keine Thür oder Öffnung zeigte.

»Kein Zweifel,« sagte der Lauscher, »das Stelldichein ist drinnen im

Tempel: ich muß nach.«

Allein an dieser Stelle war die Mauer unübersteiglich.

Tastend und suchend bog der Späher um die Ecke derselben. Umsonst, die

Mauer war überall gleich hoch. – Im Suchen verstrich ihm fast eine

Viertelstunde.

Endlich fand er eine Lücke in dem Gestein: mühsam zwängte er sich

hindurch. Und er stand nun im Vorhofe des alten Tempels, in dem die dicken

dorischen Säulen breite Schatten warfen, in deren Schutz er von der

rechten Seite her bis an das Hauptgebäude gelangte.

Er spähte durch einen Riß des Gemäuers, den ihm die Zugluft verraten

hatte. Drinnen war alles finster. Aber plötzlich wurde sein Auge von einem

grellen Lichtstrahl geblendet. Als er es wieder aufschlug, sah er einen

hellen Streifen in der Dunkelheit: – er rührte von einer Blendlaterne her,

deren Licht sich plötzlich gezeigt hatte.

Deutlich erkannte er, was in dem Bereich der Laterne stand, den Träger

derselben aber nicht: wohl dagegen Cethegus den Präfekten, der hart vor

der Statue des Apostels stand und sich an diese zu lehnen schien: vor ihm

stand eine zweite Gestalt: ein schlankes Weib, auf dessen dunkelrotes Haar

schimmernd das Licht der Laterne fiel.

»Die schöne Gotenkönigin, bei Eros und Anteros!« dachte der Lauscher:

»kein schlechtes Stelldichein, sei’s nun Liebe, sei’s Politik! Horch, sie

spricht. Leider kam ich zu spät, auch den Anfang der Unterredung zu

hören.«

»Also: merk’ es dir wohl! übermorgen auf der Straße vor dem Thor von Tibur

wird etwas gefährliches geplant.« – »Gut: aber was?« frug des Präfekten

Stimme. – »Genaueres konnte ich nicht erkunden: und ich kann es dir auch

nicht mehr mitteilen, wenn ich es noch erfahre. Ich wage nicht mehr, dich

hier wieder zu sehen: denn« ... – Sie sprach nun leiser.

Perseus drückte das Ohr hart an die Spalte: da klirrte seine

Schwertscheide an das Gestein und nun traf ihn ein Strahl des Lichts.

»Horch!« rief eine dritte Stimme – es war eine Frauenstimme, die der

Trägerin der Laterne, die sich jetzt in dem Strahl ihres eigenen

Blendlichts gezeigt hatte, da sie sich rasch gegen die Richtung des

Schalles gekehrt hatte. Perseus erkannte eine Sklavin in maurischer

Tracht.

Einen Augenblick schwieg alles in dem Tempel. Perseus hielt den Atem an.

Er fühlte, es galt das Leben. Denn Cethegus griff ans Schwert.

»Alles still,« sagte die Sklavin. »Es fiel wohl nur ein Stein auf den

Erzbeschlag draußen.«

»Auch in das Grab vor dem portuensischen Thor geh’ ich nicht mehr. Ich

fürchte, man ist uns gefolgt.« – »Wer?« – »Einer, der niemals schläft, wie

es scheint: Graf Teja.« Des Präfekten Lippe zuckte.

»Und er ist auch bei einem rätselhaften Eidbund gegen Belisars Leben: der

bloße Scheinangriff gilt dem Sankt Pauls-Thor.« »Gut!« sagte Cethegus

nachdenklich. »Belisar würde nicht entrinnen, wenn nicht gewarnt. Sie

liegen irgendwo, – aber ich weiß nicht, wo – fürcht’ ich, im Hinterhalt,

mit Übermacht, Graf Totila führt sie.«

»Ich will ihn schon warnen!« sagte Cethegus langsam.

»Wenn es gelänge ..!« – »Sorge nicht, Königin! Mir liegt an Rom nicht

weniger denn dir. Und wenn der nächste Sturm fehlschlägt, – so müssen sie

die Belagerung aufgeben, so zähe sie sind. Und das, Königin, ist dein

Verdienst. Laß mich in dieser Nacht – vielleicht der letzten, da wir uns

treffen, – dir mein ganzes staunendes Herz enthüllen. Cethegus staunt

nicht leicht und nicht leicht gesteht er’s, wenn er staunen muß. Aber dich

– bewundere ich, Königin. Mit welch’ totverachtender Kühnheit, mit welch’

dämonischer List hast du alle Pläne der Barbaren vereitelt! Wahrlich: viel

that Belisar, – mehr that Cethegus, – das meiste: Mataswintha.«

»Sprächst du wahr!« sagte Mataswintha mit funkelnden Augen. »Und wenn die

Krone diesem Frevler vom Haupte fällt ... – –«

»War es _deine_ Hand, deren sich das Schicksal Roms bedient hat. Aber,

Königin, nicht damit kannst du enden! Wie ich dich erkannte, in diesen

Monaten – darfst du nicht als gefangene Gotenkönigin nach Byzanz. Diese

Schönheit, dieser Geist, diese Kraft muß herrschen – nicht dienen, in

Byzanz. Darum bedenke, wenn er nun gestürzt ist – dein Tyrann, – willst du

nicht dann den Weg gehn, den ich dir gezeigt?«

»Ich habe noch nie über seinen Fall hinaus gedacht,« sagte sie düster.

»Aber ich – für dich! Wahrlich, Mataswintha,« – und sein Auge ruhte mit

Bewunderung auf ihr, – »du bist – wunderschön. Ich rechn’ es mir zum

größten Stolz, daß selbst du mich nicht in Liebe entzündet und von meinen

Plänen abgebracht hast. Aber du bist zu schön, zu köstlich, nur der Rache

und dem Haß zu leben. Wenn unser Ziel erreicht, – dann nach Byzanz!

Ein Kampf um Rom: Historischer Roman. Zweiter Band · 第 10 / 23 题