Effi lachte. »Nun, was sagst du?«

»Nach wie vor nur das eine, daß ich dich lieber mit Gieshübler als mit

Crampas sehe.«

»Weil du den Crampas zu schwer und den Gieshübler zu leicht nimmst.«

Innstetten drohte ihr scherzhaft mit dem Finger.

Drei Tage später war Silvester. Effi erschien in einer reizenden

Balltoilette, einem Geschenk, das ihr der Weihnachtstisch gebracht

hatte; sie tanzte aber nicht, sondern nahm ihren Platz bei den alten

Damen, für die, ganz in der Nähe der Musikempore, die Fauteuils

gestellt waren. Von den adligen Familien, mit denen Innstettens

vorzugsweise verkehrten, war niemand da, weil kurz vorher ein kleines

Zerwürfnis mit dem städtischen Ressourcenvorstand, der, namentlich

seitens des alten Güldenklee, mal wieder »destruktiver Tendenzen«

beschuldigt worden war, stattgefunden hatte; drei, vier andere adlige

Familien aber, die nicht Mitglieder der Ressource, sondern immer nur

geladene Gäste waren und deren Güter an der anderen Seite der Kessine

lagen, waren aus zum Teil weiter Entfernung über das Flußeis gekommen

und freuten sich, an dem Fest teilnehmen zu können. Effi saß zwischen

der alten Ritterschaftsrätin von Padden und einer etwas jüngeren Frau

von Titzewitz.

Die Ritterschaftsrätin, eine vorzügliche alte Dame, war in allen

Stücken ein Original und suchte das, was die Natur, besonders durch

starke Backenknochenbildung, nach der wendisch-heidnischen Seite hin

für sie getan hatte, durch christlich-germanische Glaubensstrenge

wieder in Ausgleich zu bringen.

In dieser Strenge ging sie so weit, daß selbst Sidonie von Grasenabb

eine Art Esprit fort neben ihr war, wogegen sie freilich - vielleicht

weil sich die Radegaster und die Swantowiter Linie des Hauses in ihr

vereinigten - über jenen alten Paddenhumor verfügte, der von langer

Zeit her wie ein Segen auf der Familie ruhte und jeden, der mit

derselben in Berührung kam, auch wenn es Gegner in Politik und Kirche

waren, herzlich erfreute.

»Nun, Kind«, sagte die Ritterschaftsrätin, »wie geht es Ihnen denn

eigentlich?«

»Gut, gnädigste Frau; ich habe einen sehr ausgezeichneten Mann.«

»Weiß ich. Aber das hilft nicht immer. Ich hatte auch einen

ausgezeichneten Mann. Wie steht es hier? Keine Anfechtungen?«

Effi erschrak und war zugleich wie gerührt.

Es lag etwas ungemein Erquickliches in dem freien und natürlichen Ton,

in dem die alte Dame sprach, und daß es eine so fromme Frau war, das

machte die Sache nur noch erquicklicher.

»Ach, gnädigste Frau ...«

»Da kommt es schon. Ich kenne das. Immer dasselbe. Darin ändern die

Zeiten nichts. Und vielleicht ist es auch recht gut so. Denn worauf es

ankommt, meine liebe junge Frau, das ist das Kämpfen. Man muß immer

ringen mit dem natürlichen Menschen. Und wenn man sich dann so unter

hat und beinah schreien möchte, weil's weh tut, dann jubeln die lieben

Engel!«

»Ach, gnädigste Frau. Es ist oft recht schwer.«

»Freilich ist es schwer. Aber je schwerer, desto besser. Darüber

müssen Sie sich freuen. Das mit dem Fleisch, das bleibt, und ich habe

Enkel und Enkelinnen, da seh ich es jeden Tag. Aber im Glauben sich

unterkriegen, meine liebe Frau, darauf kommt es an, das ist das Wahre.

Das hat uns unser alter Martin Luther zur Erkenntnis gebracht, der

Gottesmann. Kennen Sie seine Tischreden?«

»Nein, gnädigste Frau.«

»Die werde ich Ihnen schicken.«

In diesem Augenblick trat Major Crampas an Effi heran und bat, sich

nach ihrem Befinden erkundigen zu dürfen. Effi war wie mit Blut

übergossen; aber ehe sie noch antworten konnte, sagte Crampas: »Darf

ich Sie bitten, gnädigste Frau, mich den Damen vorstellen zu wollen?«

Effi nannte nun Crampas' Namen, der seinerseits schon vorher

vollkommen orientiert war und in leichtem Geplauder alle Paddens

und Titzewitze, von denen er je gehört hatte, Revue passieren ließ.

Zugleich entschuldigte er sich, den Herrschaften jenseits der Kessine

noch immer nicht seinen Besuch gemacht und seine Frau vorgestellt zu

haben; aber es sei sonderbar, welche trennende Macht das Wasser habe.

Es sei dasselbe wie mit dem Canal La Manche ...

»Wie?« fragte die alte Titzewitz.

Crampas seinerseits hielt es für unangebracht, Aufklärungen zu geben,

die doch zu nichts geführt haben würden, und fuhr fort: »Auf zwanzig

Deutsche, die nach Frankreich gehen, kommt noch nicht einer, der nach

England geht. Das macht das Wasser; ich wiederhole, das Wasser hat

eine scheidende Kraft.«

Frau von Padden, die darin mit feinem Instinkt etwas Anzügliches

witterte, wollte für das Wasser eintreten, Crampas aber sprach mit

immer wachsendem Redefluß weiter und lenkte die Aufmerksamkeit der

Damen auf ein schönes Fräulein von Stojentin, »das ohne Zweifel die

Ballkönigin« sei, wobei sein Blick übrigens Effi bewundernd streifte.

Dann empfahl er sich rasch unter Verbeugung gegen alle drei. »Schöner

Mann«, sagte die Padden. »Verkehrt er in Ihrem Hause?«

»Flüchtig.«

»Wirklich«, wiederholte die Padden, »ein schöner Mann. Ein bißchen

zu sicher. Und Hochmut kommt vor dem Fall ... Aber sehen Sie nur, da

tritt er wirklich mit der Grete Stojentin an. Eigentlich ist er doch

zu alt; wenigstens Mitte Vierzig.«

»Er wird vierundvierzig.«

»Ei, ei, Sie scheinen ihn ja gut zu kennen.«

Es kam Effi sehr zupaß, daß das neue Jahr gleich in seinem Anfang

allerlei Aufregungen brachte. Seit Silvesternacht ging ein scharfer

Nordost, der sich in den nächsten Tagen fast bis zum Sturm steigerte,

und am 3. Januar nachmittags hieß es, daß ein Schiff draußen mit der

Einfahrt nicht zustande gekommen und hundert Schritt vor der Mole

gescheitert sei; es sei ein englisches, von Sunderland her, und soweit

sich erkennen lasse, sieben Mann an Bord; die Lotsen könnten beim

Ausfahren, trotz aller Anstrengung, nicht um die Mole herum, und

vom Strand aus ein Boot abzulassen, daran sei nun vollends nicht zu

denken, die Brandung sei viel zu stark. Das klang traurig genug.

Aber Johanna, die die Nachricht brachte, hatte doch auch Trost

bei der Hand: Konsul Eschrich, mit dem Rettungsapparat und der

Raketenbatterie, sei schon unterwegs, und es würde gewiß glücken;

die Entfernung sei nicht voll so weit wie Anno 75, wo's doch auch

gegangen, und sie hätten damals sogar den Pudel mit gerettet, und

es wäre ordentlich rührend gewesen, wie sich das Tier gefreut und

die Kapitänsfrau und das liebe kleine Kind, nicht viel größer als

Anniechen, immer wieder mit seiner roten Zunge geleckt habe.

»Geert, da muß ich mit hinaus, das muß ich sehen«, hatte Effi sofort

erklärt, und beide waren aufgebrochen, um nicht zu spät zu kommen, und

hatten denn auch den rechten Moment abgepaßt; denn im Augenblick, als

sie von der Plantage her den Strand erreichten, fiel der erste Schuß,

und sie sahen ganz deutlich, wie die Rakete mit dem Fangseil unter dem

Sturmgewölk hinflog und über das Schiff hinweg jenseits niederfiel.

Alle Hände regten sich sofort an Bord, und nun holten sie mit Hilfe

der kleinen Leine das dickere Tau samt dem Korb heran, und nicht

lange, so kam der Korb in einer Art Kreislauf wieder zurück, und

einer der Matrosen, ein schlanker, bildhübscher Mensch mit einer

wachsleinenen Kappe, war geborgen an Land und wurde neugierig

ausgefragt, während der Korb aufs neue seinen Weg machte, zunächst den

zweiten und dann den dritten heranzuholen und so fort. Alle wurden

gerettet, und Effi hätte sich, als sie nach einer halben Stunde mit

ihrem Manne wieder heimging, in die Dünen werfen und sich ausweinen

mögen. Ein schönes Gefühl hatte wieder Platz in ihrem Herzen gefunden,

und es beglückte sie unendlich, daß es so war.

Das war am 3. gewesen. Schon am 5. kam ihr eine neue Aufregung,

freilich ganz anderer Art. Innstetten hatte Gieshübler, der natürlich

auch Stadtrat und Magistratsmitglied war, beim Herauskommen aus dem

Rathaus getroffen und im Gespräch mit ihm erfahren, daß seitens des

Kriegsministeriums angefragt worden sei, wie sich die Stadtbehörden

eventuell zur Garnisonsfrage zu stellen gedächten. Bei nötigem

Entgegenkommen, also bei Bereitwilligkeit zu Stall- und

Kasernenbauten, könnten ihnen zwei Schwadronen Husaren zugesagt

werden. »Nun, Effi, was sagst du dazu?« Effi war wie benommen. All

das unschuldige Glück ihrer Kinderjahre stand mit einemmal wieder vor

ihrer Seele, und im Augenblick war es ihr, als ob rote Husaren - denn

es waren auch rote wie daheim in Hohen-Cremmen - so recht eigentlich

die Hüter von Paradies und Unschuld seien. Und dabei schwieg sie noch

immer.

»Du sagst ja nichts, Effi.«

»Ja, sonderbar, Geert. Aber es beglückt mich so, daß ich vor Freude

nichts sagen kann. Wird es denn auch sein? Werden sie denn auch

kommen?«

»Damit hat's freilich noch gute Wege, ja, Gieshübler meinte sogar,

die Väter der Stadt, seine Kollegen, verdienten es gar nicht.

Statt einfach über die Ehre, und wenn nicht über die Ehre, so doch

wenigstens über den Vorteil einig und glücklich zu sein, wären sie

mit allerlei 'Wenns' und 'Abers' gekommen und hätten geknausert wegen

der neuen Bauten: Ja, Pefferküchler Michelsen habe sogar gesagt, es

verderbe die Sitten der Stadt, und wer eine Tochter habe, der möge

sich vorsehen und Gitterfenster anschaffen.

»Es ist nicht zu glauben. Ich habe nie manierlichere Leute gesehen als

unsere Husaren; wirklich, Geert. Nun, du weißt es ja selbst. Und nun

will dieser Michelsen alles vergittern. Hat er denn Töchter?«

»Gewiß; sogar drei. Aber sie sind sämtlich hors concours.« Effi lachte

so herzlich, wie sie seit langem nicht mehr gelacht hatte. Doch es war

von keiner Dauer, und als Innstetten ging und sie allein ließ, setzte

sie sich an die Wiege des Kindes, und ihre Tränen fielen auf die

Kissen. Es brach wieder über sie herein, und sie fühlte, daß sie wie

eine Gefangene sei und nicht mehr heraus könne.

Sie litt schwer darunter und wollte sich befreien. Aber wiewohl sie

starker Empfindungen fähig war, so war sie doch keine starke Natur;

ihr fehlte die Nachhaltigkeit, und alle guten Anwandlungen gingen

wieder vorüber. So trieb sie denn weiter, heute, weil sie's nicht

ändern konnte, morgen, weil sie's nicht ändern wollte. Das Verbotene,

das Geheimnisvolle hatte seine Macht über sie.

So kam es, daß sie sich, von Natur frei und offen, in ein verstecktes

Komödienspiel mehr und mehr hineinlebte. Mitunter erschrak sie, wie

leicht es ihr wurde. Nur in einem blieb sie sich gleich: Sie sah

alles klar und beschönigte nichts. Einmal trat sie spätabends vor den

Spiegel in ihrer Schlafstube; die Lichter und Schatten flogen hin und

her, und Rollo schlug draußen an, und im selben Augenblick war es ihr,

als sähe ihr wer über die Schulter. Aber sie besann sich rasch. »Ich

weiß schon, was es ist; es war nicht der«, und sie wies mit dem Finger

nach dem Spukzimmer oben. »Es war was anderes ... mein Gewissen ...

Effi, du bist verloren.«

Es ging aber doch weiter so, die Kugel war im Rollen, und was an

einem Tage geschah, machte das Tun des andern zur Notwendigkeit. Um

die Mitte des Monats kamen Einladungen aufs Land. Über die dabei

innezuhaltende Reihenfolge hatten sich die vier Familien, mit denen

Innstettens vorzugsweise verkehrten, geeinigt: Die Borckes sollten

beginnen, die Flemmings und Grasenabbs folgten, die Güldenklees

schlossen ab. Immer eine Woche dazwischen. Alle vier Einladungen kamen

am selben Tag; sie sollten ersichtlich den Eindruck des Ordentlichen

und Wohlerwogenen machen, auch wohl den einer besonderen

freundschaftlichen Zusammengehörigkeit.

»Ich werde nicht dabeisein, Geert, und du mußt mich der Kur halber, in

der ich nun seit Wochen stehe, von vornherein entschuldigen.«

Innstetten lachte. »Kur. Ich soll es auf die Kur schieben. Das ist das

Vorgebliche; das Eigentliche heißt: du willst nicht.« »Nein, es ist

doch mehr Ehrlichkeit dabei, als du zugeben willst. Du hast selbst

gewollt, daß ich den Doktor zu Rate ziehe. Das hab ich getan, und nun

muß ich doch seinem Rat folgen. Der gute Doktor, er hält mich für

bleichsüchtig, sonderbar genug, und du weißt, daß ich jeden Tag

von dem Eisenwasser trinke. Wenn du dir ein Borckesches Diner dazu

vorstellst, vielleicht mit Preßkopf und Aal in Aspik, so mußt du den

Eindruck haben, es wäre mein Tod. Und so wirst du dich doch zu deiner

Effi nicht stellen wollen. Freilich, mitunter ist es mir ...«

»Ich bitte dich, Effi ...«

»... Übrigens freu ich mich, und das ist das einzige Gute dabei, dich

jedesmal, wenn du fährst, eine Strecke Wegs begleiten zu können, bis

an die Mühle gewiß oder bis an den Kirchhof oder auch bis an die

Waldecke, da, wo der Morgnitzer Querweg einmündet. Und dann steig

ich ab und schlendere wieder zurück. In den Dünen ist es immer am

schönsten.«

Innstetten war einverstanden, und als drei Tage später der Wagen

vorfuhr, stieg Effi mit auf und gab ihrem Manne das Geleit bis an die

Waldecke. »Hier laß halten, Geert. Du fährst nun links weiter, ich

gehe rechts bis an den Strand und durch die Plantage zurück. Es ist

etwas weit, aber doch nicht zu weit. Doktor Hannemann sagt mir jeden

Tag, Bewegung sei alles, Bewegung und frische Luft. Und ich glaube

beinah, daß er recht hat. Empfiehl mich all den Herrschaften; nur bei

Sidonie kannst du schweigen.«

Die Fahrten, auf denen Effi ihren Gatten bis an die Waldecke

begleitete, wiederholten sich allwöchentlich; aber auch in der

zwischenliegenden Zeit hielt Effi darauf, daß sie der ärztlichen

Verordnung streng nachkam. Es verging kein Tag, wo sie nicht ihren

vorgeschriebenen Spaziergang gemacht hätte, meist nachmittags, wenn

sich Innstetten in seine Zeitungen zu vertiefen begann. Das Wetter war

schön, eine milde, frische Luft, der Himmel bedeckt. Sie ging in der

Regel allein und sagte zu Roswitha: »Roswitha, ich gehe nun also die

Chaussee hinunter und dann rechts an den Platz mit dem Karussell; da

will ich auf dich warten, da hole mich ab. Und dann gehen wir durch

die Birkenallee oder durch die Reeperbahn wieder zurück. Aber komme

nur, wenn Annie schläft. Und wenn sie nicht schläft, so schicke

Johanna. Oder laß es lieber ganz; es ist nicht nötig, ich finde mich

schon zurecht.«

Den ersten Tag, als es so verabredet war, trafen sie sich auch

wirklich. Effi saß auf einer an einem langen Holzschuppen sich

hinziehenden Bank und sah nach einem niedrigen Fachwerkhaus hinüber,

gelb mit schwarzgestrichenen Balken, einer Wirtschaft für kleine

Bürger, die hier ihr Glas Bier tranken oder Solo spielten. Es dunkelte

noch kaum, die Fenster aber waren schon hell, und ihr Lichtschimmer

fiel auf die Schneemassen und etliche zur Seite stehende Bäume. »Sieh,

Roswitha, wie schön das aussieht.«

Ein paar Tage wiederholte sich das. Meist aber, wenn Roswitha bei dem

Karussell und dem Holzschuppen ankam, war niemand da, und wenn sie

dann zurückkam und in den Hausflur eintrat, kam ihr Effi schon

entgegen und sagte:

»Wo du nur bleibst, Roswitha, ich bin schon lange wieder hier.«

In dieser Art ging es durch Wochen hin. Das mit den Husaren hatte

sich wegen der Schwierigkeiten, die die Bürgerschaft machte, so

gut wie zerschlagen; aber da die Verhandlungen noch nicht geradezu

abgeschlossen waren und neuerdings durch eine andere Behörde, das

Generalkommando, gingen, so war Crampas nach Stettin berufen worden,

wo man seine Meinung in dieser Angelegenheit hören wollte. Von dort

schrieb er den zweiten Tag an Innstetten:

»Pardon, Innstetten, daß ich mich auf französisch empfohlen. Es kam

alles so schnell. Ich werde übrigens die Sache hinauszuspinnen suchen,

denn man ist froh, einmal draußen zu sein. Empfehlen Sie mich der

gnädigen Frau, meiner liebenswürdigen Gönnerin.«

Er las es Effi vor. Diese blieb ruhig. Endlich sagte sie: »Es ist

recht gut so.«

»Wie meinst du das?«

»Daß er fort ist. Er sagt eigentlich immer dasselbe. Wenn er wieder da

ist, wird er wenigstens vorübergehend was Neues zu sagen haben.«

Innstettens Blick flog scharf über sie hin. Aber er sah nichts, und

sein Verdacht beruhigte sich wieder. »Ich will auch fort«, sagte er

nach einer Weile, »sogar nach Berlin; vielleicht kann ich dann, wie

Crampas, auch mal was Neues mitbringen. Meine liebe Effi will immer

gern was Neues hören; sie langweilt sich in unserm guten Kessin. Ich

werde gegen acht Tage fort sein, vielleicht noch einen Tag länger.

Und ängstige dich nicht ... es wird ja wohl nicht wiederkommen ...

du weißt schon, das da oben ... Und wenn doch, du hast ja Rollo und

Roswitha.«

Effi lächelte vor sich hin, und es mischte sich etwas von Wehmut mit

ein. Sie mußte des Tages gedenken, wo Crampas ihr zum erstenmal gesagt

hatte, daß er mit dem Spuk und ihrer Furcht eine Komödie spiele. Der

große Erzieher! Aber hatte er nicht recht? War die Komödie nicht am

Platz? Und allerhand Widerstreitendes, Gutes und Böses, ging ihr durch

den Kopf.

Den dritten Tag reiste Innstetten ab.

Über das, was er in Berlin vorhabe, hatte er nichts gesagt.

Effi Briest · 第 28 / 54 题