Seltsam oder nicht, ich gebe nicht mehr.

Ja, dann kommt kein Geschäft zustande.

Ja, du weißt, ich könnte schon geben, was du verlangst; aber wenn ich

es mir überlege, so habe ich nicht mehr als zwei Kronen bei mir.

Kannst du denn nicht wiederkommen?

Hm, ich habe auch nicht mehr als zwei Kronen, soviel ich mich besinnen

kann. Könntest du mir die eine Krone nicht so lange borgen?

Ich pflege nicht zu borgen.

Ja, aber du könntest doch mal eine Krone auf meine Rechnung

aufschreiben?

Ja, das könnte ich schon mal. Welchen Namen darf ich aufschreiben?

Du kannst Holzvermesser O. Pedersen schreiben.

Dann tat er, als nähme er die Mütze in Empfang und setzte sie auf.

Darauf griff er in die Innentasche seines Rocks und holte einen

Bleistift und ein Notizbuch vor. Er buchstabierte laut, während er

schrieb:

O. Pedersen, Holzvermesser, hat folgende Dimensionen bekommen.

Jetzt müßt ihr die Axt gut anlegen, Leute, und nicht schneller, als ich

rufe. Fegt den Schnee dort weg; wir müssen sehen, was wir vermessen.

Dann tat er, als ob er an einem Holzstapel entlang ging.

Hm, dieser soll also zwölf sein. Fangen wir also an.

Er fing an; und jedesmal, wenn er rief, tat er einen Schritt zur Seite

und machte einen Vermerk ins Buch.

Zwölf Ellen lang, acht und ein halb Zoll dick! Ditto! Ditto! Zwölf

zehn! Hübscher Stamm! Zwölf acht! Zwölf neun! Zwölf -- pfui, das ist

ein schlechter Stamm -- den müssen wir auf zwölf acht heruntersetzen!

Zwölf zehn. Zwölf -- ganz krumm, der soll wohl zum Bootsbau dienen?

Der ist morsch; den nehmen wir nicht. Zwölf zwölf! Bravo! Noch einmal

ditto, zwölf acht und ein halb! Zwölf neun! Zwölf zehn! Ditto! Ditto!

Gut gearbeitet, Leute, jetzt nehmen wir einen Schnaps!

Damit trollte sich Ole zur Sennhütte; denn es gab viel zu tun, und er

durfte nicht lange fort sein.

Als ich aufbrach, verabschiedete ich mich auch von Ole, und da gab ich

ihm die Krone, die ihm, wie ich wußte, an seiner Talermütze fehlte.

[Illustration]

Er sah mich ein wenig erstaunt an und wollte mir die Hand reichen. Aber

dann griff er plötzlich an den Hut und nahm ihn ab; er sah erst aus,

als ob er ganz feierlich sein und mit dem Hut in der Hand sich durch

Handschlag bedanken wollte.

Doch dann schleuderte er den Hut weg, griff langsam und feierlich in

die Innentasche seines Rockes und holte Bleistift und Notizbuch hervor.

Er hielt es in der Hand und schrieb sehr sorgfältig mit ernstem

Gesicht. Endlich riß er das Blatt heraus, steckte das Buch und den

Bleistift in die Tasche und reichte mir das Blatt: Bitte sehr!

Ich habe den Zettel noch, und er sieht so aus:

[Illustration]

Seitdem habe ich Ole nicht wieder gesehen; aber ich habe gehört, daß

er eine Talermütze bekommen hat; Holzvermesser ist er wohl noch nicht

geworden; aber das wird er schon mit der Zeit.

[Illustration]

Ranzenräuber und Zottelbär.

Während die Sennerin auf der nördlichen Kvinstölhütte im Begriff war,

das Vieh loszubinden, schlich sich Christian einen Augenblick an das

Sennhüttenfenster und steckte den verbogenen Messingkamm zu sich.

Darauf ließ er das Kleinvieh hinaus und trieb es schnell über den Hügel

hin.

Heute vergrub er die Hände nicht in den Hosentaschen, wie er zu tun

pflegte, er fühlte die warme Morgensonne nicht und blickte nicht

nach den blauen Bergen. Er fühlte sich etwas schwach und zitternd in

den Knien und kümmerte sich gar nicht um die zärtlichsten Ziegen,

die sich immer zu hinterst hielten, den Kopf umdrehten und ihm

entgegenmeckerten. Der einzige, um den er sich kümmerte, war der große

Bock, der Ranzenräuber hieß, seit er letzten Frühling Christians Ranzen

geöffnet und ihm das Brot und den Schinken weggefressen hatte.

Denn heute galt es. Gestern waren sie auch auf den südlichen Kvinstöl

gekommen, und jetzt sollte entschieden werden, wer diesen Sommer

Oberhirte sein würde, er oder Per Nordberg, und Oberhirte sollte der

sein, der den stärksten Bock hatte.

Letztes Jahr hatte Christian verloren, da hatte Zottelbär über

Ranzenräuber gesiegt. Darein hatte Christian sich finden müssen,

und es war auch gar nicht so ärgerlich gewesen, solange sie auf der

Sennhütte waren, denn es zog keine andern Nachteile nach sich, als

den Schimpf, den schwächeren Bock zu haben -- und da räumte auch Per

ein, daß es nach Zottelbär keinen besseren Bock gäbe als Ranzenräuber

-- und dann durfte der Oberhirte immer den Platz wählen, wo sie die

Herden trennen sollten, wenn sie zusammen gewesen waren. Aber im Winter

war es ärgerlich gewesen; da trafen sich Per und Christian nur in der

Schule, und da konnte Per es nicht sein lassen, davon zu reden und

Ranzenräuber, so daß alle es hörten, einen ganz gewöhnlichen Bock zu

schimpfen. Und außerdem war es nicht sicher, daß es so ganz richtig

zugegangen war, als sie letztes Jahr aneinander gerieten; Per hatte ein

Viertel Tabak für Zottelbär gehabt, das er ihm während der Mittagsruhe

gegeben hatte, und trotzdem hätte dieser sicher nicht gewonnen, wenn

er nicht Ranzenräubers Vorderfuß zwischen die Hörner bekommen und ihn

beinahe ausgerenkt hätte.

Christian schob den neuen Strohhut in den Nacken und warf einen Blick

nach der Sennhütte zurück. Ja, jetzt war sie nicht mehr zu sehen.

Er lockte:

Komm, komm Ranzenräuber!

Ranzenräuber legte den Kopf schief nach hinten und meckerte. Darauf

drehte er um und kam langsam, die langen Hörner hoch in die Luft

streckend, auf Christian zu.

Christian stellte sich in Bereitschaft, streckte beide Hände vor und

packte ihn an den Hornenden:

Laß dich mal erproben!

Ranzenräuber, der das Spiel kannte, stellte sich auch in Bereitschaft

und begann zu schieben. Nach kurzer Zeit stieß er Christian gegen einen

Birkenstamm, daß es krachte.

Ja, schwach bist du nicht, aber du mußt dir nicht einbilden, daß ich

meine ganze Kraft anwandte.

Christian kniete nieder und holte den Messingkamm hervor. Der Bock

schmiegte sich an ihn.

Jetzt sollst du geputzt werden für die Musterung.

Er kämmte den Bart und die Büschel an der Stirn und an den Seiten, die

blauen Zotteln fielen so seidenweich und fein, wie Christian sie noch

nie gesehen hatte. Das war hübscher als die langen schwarzen Zotteln

vom Bären.

Als er fertig war, betrachtete Christian den Bock noch einmal genau,

und dann trotteten die beiden Seite an Seite der Herde nach, die weit

vorangekommen war.

Bald waren sie oben auf der Höhe und blickten den Abhang nach dem

Riesenmoor hinunter.

Ja, wenn sie zur richtigen Zeit auf dem südlichen Kvinstöl lockten, so

konnte Per jetzt nicht mehr weit sein.

Christian begann zu jodeln, daß es durch das Birkenwäldchen schallte.

Sogleich ertönte von weit unten her die Antwort. Ja, da war Per.

Christian faßte Ranzenräuber am Nacken und ging vor der Herde den

Abhang hinunter. Die ganze Zeit jodelte er, und die ganze Zeit

antwortete es noch lauter, er konnte hören, daß Per auch schnell

heraufkam. Dort sah er etwas Weißes hinten zwischen den Birken

auftauchen. Ob wohl Per auch einen neuen Strohhut hatte? Er hatte

wenigstens geglaubt, ~das~ für sich zu haben.

Bald waren sie einander so nahe gekommen, daß sie sich verstehen

konnten:

Heh Junge, hier kommt der Oberhirte.

Heh hier auch! Hier kommt einer, der ~über~ dem Oberhirten ist!

Was kannst du für dich ins Feld führen?

Einen blauen Bock mit hohen Hörnern, einen forschen Jungen mit neuem

Hut!

Und was hast du?

Einen schwarzen Bock mit höheren Hörnern, einen forschen Jungen mit

feinerem Hut!

Wann soll der Kampf stattfinden?

Wenn die Sonne zwischen der Tiefkluft und der Kvinhornschnute steht.

Da sollst du beide, den Bock und den Jungen, treffen.

Wo soll die Schlacht stattfinden?

Auf der Ebene zwischen dem Riesenmoor und dem Blausee.

Dort wirst du beide, den Bock und den Hut, treffen.

Sie gingen näher aneinander. Als sie ein paar Schritt entfernt waren,

rief Per:

Jetzt sollen die Kämpfer sich begrüßen.

Das meine ich auch.

Sie führten die Böcke gegeneinander vor und ließen sie los. Sie

beschnoberten sich ein wenig, legten die Köpfe schief, und fingen an,

sich leise zu reizen, indem sie die Mähnen erhoben. Sie waren auf dem

Sprunge, aufeinander loszufahren.

Da nahmen Per und Christian jeder den seinen wieder -- der Kampf sollte

erst am Nachmittag stattfinden -- und führten sie zur Herde zurück.

Als sie sie wegführten, warfen sie beide einen verstohlenen Blick nach

rückwärts, sie fanden eigentlich beide, daß der Bock des anderen seit

dem letztem Jahre unglaublich groß geworden war.

Als sie die Böcke zurückgeführt hatten, trafen sie wieder zusammen,

das Nähere zu verabreden. Sie waren beide nicht mehr sicher, und darum

schnitten sie gewaltig auf und erzählten sich, wie sie das feinste

Gras auf der Weide pflücken und es den Böcken während der Mittagsruhe

geben wollten, und als Per zum Schluß ein Viertel Tabak vorzeigte,

tat Christian dasselbe, und noch dazu war seiner vom Äußersten in der

Rolle, während der von Per nur Einlage war. Dann entstand ein Streit

wegen der Hüte; es war ja schon etwas, wenn man sich den feinsten Hut

gesichert hatte, für den Fall, daß man den schwächsten Bock bekam. Und

dann trennten sie sich, um zur Mittagsruhe nach Hause zu ziehen.

Christian hatte während dieser Mittagsruhe nicht viel Zeit zum Essen,

er mußte gleich wieder hinaus und auf der Weide Gras für Ranzenräuber

pflücken. Als er den Hut und den Schoß voll hatte von dem feinsten

und zartesten, das er finden konnte, ging er auf die Wiese an der

Sennhütte und legte es auf einen Haufen dicht am Viehgatter. Darauf

ging er in das Gehege hinein, störte Ranzenräuber, der ruhig dalag und

wiederkäute, und zog ihn heraus.

Er führte ihn an das Gras, doch der schnoberte nur daran, sah Christan

an und schmiegte sich an ihn. Als er das getan hatte, legte er sich

ganz ruhig nieder und kaute weiter.

Ja, ja, er würde schon fressen, wenn man ihm Zeit ließe. Christian

legte sich auch hin in die Sonnenglut am Zaun, streckte sich aus und

legte den Hut über das Gesicht.

Die strahlendste Sommersonne strömte auf die grüne Bergwiese nieder. Es

war so still, daß das Hermelin aus der Mauer guckte und die Bachstelze

ungestört ihr Nest im Ziegenstalle besuchte, wo das ganze Kleinvieh lag

und schlief oder döste oder wiederkäute. Bald schlief auch Christian

mit all den andern unter dem hohen blauen Himmel, wo es keine Wolke gab

und wo sich auch kein Windhauch regte.

So lagen sie lange.

Plötzlich fuhr Christian in die Höhe und stützte sich auf die Ellbogen.

[Illustration]

Er hatte etwas Unangenehmes geträumt, konnte sich aber nicht darauf

besinnen, was es war, und es dauerte auch eine Weile, bis er sich

klar machen konnte, wo er war. Er rieb sich die Augen. Doch, jetzt

besann er sich. Er war ja auf der Sennhütte und hatte sich draußen zum

Schlafen hingelegt.

Er tastete umher.

Wo er wohl den Hut hingelegt hatte?

Dann fiel ihm der Bock ein, und er sah zu ihm hinüber. Da riß er

freilich die Augen auf. Dort stand Ranzenräuber am Zaun und zupfte an

etwas Weißem.

Es war der Hut! Ein Stück von der Krempe war das einzige, was übrig

war! Das übrige hatte er gefressen, und dort lag das ganze feine Gras

unberührt!

Er wurde furchtbar wild, ergriff eine Stange, um den Bock

durchzubläuen. Doch er besann sich und ließ sie fallen:

Nein, da hätte ich acht Groschen drum gegeben -- --. Aber meinetwegen,

wenn du mich heute zum Oberhirten machst, so soll er dir gegönnt sein.

Da hast du ein Viertel Tabak zum Nachtisch.

Den fraß Ranzenräuber.

* * * * *

Am Nachmittag trafen sich Per und Christian auf der verabredeten

Stelle, jeder mit seinem Bock.

Es war nicht so feierlich wie am Vormittag; denn Christian, der nur

in der Mütze erschien, mußte gleich Bericht erstatten, wie es dem Hut

ergangen war, und da fühlte Per sich sehr überlegen; denn nun hatte

er doch jedenfalls in der einen Richtung gesiegt. Und er konnte auch

erzählen, daß Zottelbär während der ganzen Mittagsruhe Gras gefressen

hatte; Christian wurde ganz verzagt.

Auf einer kleinen grünen Ebene sollte der Kampf stattfinden, mitten

zwischen einem mit Birken bewachsenen Hügel und dem Rand vom

Riesenmoor. Gegen das Moor war sie durch eine schmale, tiefe Rinne

abgegrenzt, wo nur ein wenig Wasser durchsickerte.

Sie führten die Böcke vor und ließen sie einige Schritte voneinander

los. Ranzenräuber hob gleich die Mähne, Zottelbär blieb faul stehen und

sah sich um. Ranzenräuber ging vor und schnoberte an ihm. Zottelbär

schnoberte wieder, sah aber ganz sanft aus.

Christian und Per standen jeder auf seiner Seite von der Ebene und

wagten kaum zu atmen.

Ranzenräuber versuchte seinen Gegner zu reizen, aber der andre nahm

es gemütlich, darauf wagte er sich heran, legte den Kopf schief und

wollte ihm mit seinem spitzen Horn einen Stoß in die Seite versetzen.

Doch Zottelbär war auf seinem Posten. Er warf rasch den Kopf zur Seite,

so daß die Hörner mit einem Knall zusammenstießen. Jetzt hob auch der

andere die Mähne und bekam blitzende Augen. So balgten sie sich eine

Weile herum. Endlich erhob sich Ranzenräuber auf die Hinterbeine,

Zottelbär stellte sich in Bereitschaft, und sie krachten gegeneinander

los, als sollten die Hörner mitten entzweibrechen.

Damit hatte der Kampf begonnen. Er sollte hart und lang werden. Im

Anfang wandte Zottelbär eine List an, er ließ den andern sich auf die

Hinterbeine erheben und nahm nur den Stoß entgegen, das strengte die

Kräfte weniger an und es fiel ihm schwer, sich aufzurichten, denn er

hatte so viel Zotteln. Aber der andere durchschaute ihn bald, und dann

reizte er nur, bis Zottelbär auch in die Höhe mußte. Zottelbär war

schwer, und das gab seinen Schlägen viel Wucht, so daß Ranzenräuber

jedesmal die Hörner schüttelte, sobald er einen Stoß bekommen hatte.

Aber er gab sich darum doch nicht. Endlich machte Zottelbär eine rasche

Wendung und bekam seinen linken Vorderfuß zwischen die Hörner; es sah

häßlich aus.

Christian stürzte vor.

Das ist nicht erlaubt!

Aber Per stürzte auch vor:

Willst du sie in Ruhe lassen!

Sie waren nahe daran, gegeneinander loszufahren, aber im selben Nu kam

der Fuß los, und sie gingen an ihre Plätze zurück.

Der Kampf hatte jetzt eine gute halbe Stunde gedauert, und Zottelbär

fing an stark zu keuchen; er wollte gern zwischen jedem Stoß eine

kleine Pause machen und ausruhen. Doch dazu bekam er keine Zeit.

Endlich kam die Entscheidung. Nach einem starken Stoß, glaubte er,

würde er einen Augenblick Ruhe haben, aber Ranzenräuber rannte

gewaltig gegen ihn an. Sie waren dicht an die tiefe Rinne am Moorrand

gekommen und bums -- da lag Zottelbär unten, so daß die Zotteln um ihn

herumstanden.

Christian schrie vor Freude.

Sei ruhig, rief Per, das ist gemogelt!

Zottelbär kletterte wieder heraus, triefend von Wasser und Moorerde.

Ranzenräuber wollte gleich auf ihn losstürzen. Er wehrte sich, zog sich

aber seitwärts zurück. Als Ranzenräuber im Ernst einen Anfall machte,

lief er fort.

Hurra! rief Christian und sprang hoch in die Luft. Hier siehst du den

Oberhirten, den Jungen mit dem Bock und dem Hut.

Er griff nach dem Kopf, um den Hut zu schwingen, kriegte aber nur die

Mütze zu fassen. Er wurde auf einmal ganz kleinlaut.

Per war auch dazugekommen:

Ja, Oberhirte bist du, aber ~hier~ ist der Junge mit dem Hut!

Nein, das ging Christian zu weit:

Der elende Hut! Du bildest dir doch nicht etwa ein, daß Ranzenräuber

den fressen würde!

Glaubst du vielleicht, daß ihm deine Mütze lieber wäre?

[Illustration]

Tischler Simen und der Blaufuchs.

Er war also wahrhaftig wieder dagewesen! Mitten in die Kuhstalluke

hatte er seine Schnauze gesteckt!

Nein, das war zu ärgerlich!

Jon Stubsveen kam hinter dem Kuhstall hervor und ging geradeswegs auf

seinen Vater zu, der in Festtagskleidern in der Haustür stand, die

Arme von sich streckte und gähnte. Es war am frühen Morgen des zweiten

Weihnachtsfeiertages und glänzend weiß und kalt.

Jon zog die Mütze schief über das eine Ohr, das dem Nordwind zugewandt

war, setzte den Fausthandschuh in die Seite und den einen Fuß vor.

Er ist wahrhaftig wieder dagewesen, Vater.

Mundwinkel und Kniee zitterten ihm.

Ist es nicht ärgerlich, daß der Fuchs sich jede Nacht an die Häuser

heranschleicht, und man nicht einmal das passende Werkzeug hat, um ihm

eins aufs Fell zu brennen!

An diesen Fuchs hatte Jon jetzt lange Zeit Tag und Nacht gedacht

und darüber nachgegrübelt, wie er ihn fassen könnte. Stubsveen lag

so weit abseits, daß sich der Fuchs in den klaren Nächten bis an die

Häuser heranwagte. Als sie im Herbst das Schwein schlachteten, hatten

sie nämlich einen Teil der Eingeweide auf den Misthaufen vor die

Kuhstalluke geworfen, und dort war der Fuchs jetzt manchmal und grub

und fraß. Jeden Morgen ging Jon hin und sah nach, ob er dagewesen

war, und mit jedem Tag wurde er ärgerlicher. Er hatte eine seiner

Hasenfallen dort aufgestellt; aber der Fuchs war natürlich um sie

herumgegangen. Nein, er hätte eine Flinte haben sollen! Aber er wußte

nicht mehr als einen Menschen, der eine hatte, und das war Tischler

Simen. Er mußte versuchen, ob er zu ihm gehen dürfte.

Wäre es nicht am besten, ich ginge zu Tischler Simen und borgte seine

Flinte; da sollte er weiß Gott dran glauben müssen.

Ach, du bist ein Dummrian! Glaubst du, daß es angeht, mit der

Donnerbüchse zu schießen, die noch dazu nur eine Steinschloßflinte ist?

Oh, Simen hatte schon einen Blaufuchs damit geschossen, und noch dazu

einen, der so scheu und vorsichtig war, daß er sich niederlegte, als

der Schuß losging; er hat es selbst erzählt.

Ja, da wird es wohl wahr sein!

Doch, es ist wahr; er bekam noch fünfzig Taler für das Fell.

Dann ist es sonderbar, daß er nicht reicher ist, als er ist.

Bitte, laß mich hingehen, Vater? Vielleicht ist das auch ein Blaufuchs!

Und wenn es nur ein Rotfuchs ist, so lohnt es doch den Schuß, denke

ich; da bekommt man sieben Mark fürs Fell.

Ach, du bist ein Quälgeist. Bilde dir nur nicht ein, daß ich dich mit

der Donnerbüchse schießen lasse.

Ich würde ihn schon kriegen. Ich würde ihn schießen, daß er hinpurzelt.

Per Stubsveen sah auf den Jungen herunter und kratzte sich hinterm Ohr.

Er mußte an den feinen, scheuen Fuchs denken, der herumschlich und den

langen buschigen Schwanz auf dem Schnee hinter sich herzog. Hm, zu

dem Geschäft gehörten erwachsene Leute. Nun, er wollte mit hinter den

Kuhstall gehen und sich die Sache ansehen.

Sie gingen; Jon ging voran, und zeigte:

Siehst du, Vater, er hat die Schnauze mitten in die Luke gesteckt.

Sieh mal einer den Schelm an! Es ist sicher auch ein großer Kerl

gewesen.

Groß? Sicher so groß wie ein besseres Schaf! Sieh, wie er herumgelaufen

ist.

[Illustration]

Ja, und gekratzt hat! So ein Schelm!

Per drohte mit der Faust in der Richtung nach dem Acker, wo die Spur

sich verlor. Jetzt war er ganz von der Geschichte mit dem Fuchs

erfüllt.

Jon wurde mutiger.

Darf ich, Vater?

Meinetwegen, damit du nur Frieden gibst! Aber es wäre doch am besten,

sie machten es selber.

Er sollte Simen fragen, ob er nicht heute nachmittag mit seiner Büchse

herüberkommen wollte; er könnte auch sagen, es wäre noch etwas vom

Weihnachtsbranntwein da.

Jon war schon auf dem Wege, als ihm das letzte nachgerufen wurde.

Er sprang davon in dem hellen knirschenden Wintermorgen. Wenn ihm

jemand begegnete, hatte er keine Zeit Halt zu machen; er lächelte nur

so seelenvergnügt über das ganze Gesicht, daß die Leute stehen blieben

und sich nach ihm umsahen.

Bald war er unten im Tal angekommen und fing an, auf der andern Seite

emporzusteigen.

Jawohl, es war schon möglich, daß es doch ein Blaufuchs war. Es schien

ihm, als habe er ein Stückchen von ihm drüben an dem Ackerhügel

gesehen; -- ja, sicher war er es gewesen! Je länger er ging und darüber

nachdachte, um so sicherer wurde er; hellblau war er gewesen! Ja,

natürlich, den ganzen Kerl hatte er gesehen. Sie sollten ihn nur

erwischen, dann würde er nach der Stadt gehen und das Fell verkaufen!

Aber sie sollten in der Stadt nur nicht glauben, daß sie ihn übers Ohr

hauen könnten. Er wußte, was ein Blaufuchspelz wert war. Es nützte

nichts, ihm fünf oder zehn zu bieten, er würde sechzig verlangen. Dann

würde er sich eine Büchse kaufen, und dann wollte er nichts anderes tun

als Blaufüchse schießen; höchstens vielleicht einmal einen Auerhahn zum

Vergnügen mit zwischendurch --; wenn der auch nicht mehr als vier Mark

wert war.

Als er zum Tischler Simen hinaufkam, sah er diesen in der Tür stehen,

die Brille auf der Nase und die Schirmmütze weit in den Nacken

geschoben.

Jon lächelte breit, grüßte wie ein Erwachsener und trat darauf ein.

Wie es wäre, ob er seine Flinte instand hätte?

O ja, er dächte doch.

Er sollte ihn nämlich von dem Fuchs grüßen und sagen, er schliche

jetzt drüben auf Stubsveen jede Nacht an den Ställen herum; -- ja, und

niemand könnte wissen, ob er nicht auch drinnen gewesen wäre.

Gerade, was Simen immer gesagt hatte, die Füchse hatten sich verzogen!

Hier auf dieser Seite des Tals hatte sich kein Fuchs mehr sehen lassen,

seit er vor drei Jahren einem den Schwanz weggeschossen hatte! So,

nach Stubsveen waren sie also hinübergekommen?

Ja, daran könnte kein Zweifel sein!

Der Vater ließe grüßen und sagen, es wäre so viel übrig, daß es noch zu

einem Schluck langte.

Na, da wollte er einmal nach der Flinte sehen; er hätte sie jetzt drei

Jahre nicht in den Händen gehabt.

Drei Jahre?

Nein, wozu sollte er sie brauchen, wenn es keine Füchse gab? Freilich,

das Federwild hätte ja zugenommen, seit der Fuchs fortblieb, daß es nur

so wimmelte; aber daraus machte er sich nichts. Und die Flinte paßte

auch nicht für Vögel; es wäre schwierig, die Entfernung so abzupassen,

daß man die Vögel nicht in Fetzen schoß, und dann knallte sie auch so,

daß es sich nicht verlohnte, wegen eines lumpigen Vogels das ganze Dorf

aufzuschrecken.

Ob sie denn gut ginge?

Er hätte bisher noch keinen Fehlschuß damit getan; aber, versteht sich,

es müßte einer auch damit umzugehen wissen.

Simen ging in die Kammer und kam mit der Flinte wieder herein. Es war

eine alte verrostete Soldatenflinte mit Steinschloß. Jon glaubte nie

etwas Schöneres und Prachtvolleres gesehen zu haben.

Ist sie geladen?

Nein, sie muß erst gereinigt werden.

Er wurde ganz still und geheimnisvoll, Simen, als er mit zitternden

Händen die Flinte auseinanderzunehmen begann, und Jon saß atemlos

dabei und sah zu, wie die eine Schraube nach der andern herausgenommen

wurde und jede an einen andern Platz gelegt wurde, damit sie

nicht durcheinander kämen. Und die ganze Zeit, während Simen

auseinanderschraubte und putzte und mit Leinöl schmierte, innerlich und

äußerlich, sprach er davon, was er alles mit dieser Flinte geschossen

hätte. Ja, es wäre gar nicht unwahrscheinlich, daß auch auf Menschen

damit geschossen worden wäre, denn soviel er wüßte, wäre sie mit im

Kriege 1814 gewesen, und so gute Flinten wie die, womit auf Menschen

geschossen worden wäre, gäbe es jetzt gar nicht mehr; es wäre gerade,

als ob man hinterher mit ihnen nicht mehr fehlen könnte.

Die Flinte war geschmiert und wieder zusammengesetzt. Nun, es wäre wohl

am besten, sie gleich zu laden. Denn das müßte genau gemacht werden;

was das Futter anlange, so könne kein Pastor genauer und wählerischer

sein als so eine Flinte. Damals, als er dem Fuchs bloß den Schwanz

wegschoß, so daß er ihm davonging, hätte er ein oder zwei Pulverkörner

zu wenig darin gehabt; darum fiel der Schuß in den Schwanz und nicht

hinab in den Rücken weiter oben.

Er suchte ein altes Pulverhorn hervor und einen Lederbeutel mit Schrot,

nahm Pulver aus dem Horn und wog und wog in der Hand, schüttete es dann

in den Lauf, überlegte eine Weile, sah ins Leere, als ob er zählte, und

nahm eine kleinere Portion und sandte sie der ersten nach.

Jon stand dabei und riß die Augen auf. Er hatte nie geahnt, daß dazu so

viel Kunst gehörte.

Nein, du bist ein Meister, sagte er voller Bewunderung.

Pst, sagte Simen, man soll nicht reden, wenn man lädt.

Er stopfte vorsichtig Werg auf das Pulver. Dann legte er die Flinte

vorsichtig aufs Bett.

Jetzt wollen wir die Erbsen mischen. Er griff in die Westentasche und

holte eine Portion kleiner Nägel hervor, nahm sie in die Hand und wog

sie, nahm dann den Lederbeutel, schüttete etwas Schrot dazu und mischte

beides zusammen.

Jungen · 第 5 / 8 段