„Edgar, wenn du uns dö Schand durchaus antun mußt un dei Glück derbei

findst -- gut -- i bin ka Unmensch: geh hin un wer in Gottes Namen

Literat. Nur aans, Edgar, bitt i mir aus als dei alter Vater: Israelit

därfst du darum net wern.“

Die Definition

„Tate, was is das: ä Pantomime?“

„Ä Pantomime, mei Kind is: ma redt ganz wie mä gewehnlich redt -- nur

halt mä dabei äs Maul.“

Ball

„Fräulein, ich liebe Sie.“

„Sprechen Sie mit meiner Mama.“

„Was fällt Ihnen ein -- die darf kein Sterbenswort davon erfahren.“

Hausvaters Sorgen

„Unsre Gouvernante hat ein Kind gekriegt. Nun weiß ich nicht: ist das

mein Enkel oder mein Sohn?“

Abgrenzung der Rechte

Wir hatten einen jungen Marquis im Regiment, einen ungemein netten,

fröhlichen Menschen. Wenn er um sieben in die Kaserne kam, ging er von

Batterie zu Batterie und schmetterte überallhin seinen Gutenmorgen.

Bis eines Tages der Oberst wütend aus dem Stall schoß und schrie:

„Sie, Herr Leutnant! Hier bin fein ich der Gutenmorgensager.“

Der Volksredner

„Darum, Genossen, haltet fest an den Idealen: Freiheit, Gleichheit,

Brüderlichkeit -- oder, wie die Franzosen sagen: ~puberté, légalité,

paternité~.“

Das Publikum

„A so a Sauschwindel! Da kummt der Mensch her ins Fariété, daß ma

fesche Weiber siecht -- daweil san dö Brothers Estrella Männer.“

Fragment

Nimm nie Fremdwörter in den Mund. Man kann nie wissen, wer sie vorher

im Mund gehabt hat.

Café des Westens -- 1913

„Da Könich von Preußen hat wieda keenem Dichta den Schillapreis

valiehen.“

„Ob er wohl prämiiert würde, wenn die Dichter einen Königspreis zu

verleihen hätten?“

Der Oberst

„Herr Leutnant, Sie haben das Manöver im vorigen Jahr nicht mitgemacht,

weil Sie Typhus hatten. Gut. Aber jedes Jahr werde ich solche Ausreden

nicht dulden.“

Speisewagen

„Ich hab vier Passionen, wissen Se: Pferde, Hunde, Damen un Weiber.“

„Und in was reisen Sie?“

„In Barchent.“

Das Majorat

„Als mein Vater starb, vererbte er jedem von uns etwas: Otto kriegte

das Gut, Robert das Barvermögen und ich die Arterienverkalkung.“

Der Agrarier

„Satt bin ick wie en Schwein. Frage: wat nu essen?“

Superarbitrium

Eines Tages standen wir in Reih und Glied im Kasernhof -- schon seit

sieben -- und warteten auf den Herrn General. Es war halb neun.

Da trat der Schwabe Furtinger, Rekrut-Unterkanonier, aus der Front,

legte seine Flinte hin und sprach mit freundlichem Lächeln:

„Dem Furtinger dauerts allweil z’ lang.“

-- -- -- Tags darauf war Furtinger als ‚schwachsinnig, auch zu jedem

Landsturmdienst ungeeignet‘ aus dem Heeresverband entlassen.

Schnürte sein Bündel und zog ab.

Der Oberst blickte ihm sinnend nach.

Und sprach:

„Mir scheint -- mir scheint, meine Herren; den Allerschwachsinnigsten

ham mir da allweil nit entlassen.“

Zwei Fliegen auf einen Schlag

„Schreckliches Leben; mein Mann ißt so viel -- und die Kinderchen sind

so schlecht aufgelegt.“

„Gnädigste, schaffen Sie sich eine Gouvernante an mit pulsierenden

Glotzaugen!“

~Chambre séparée~

„Wirf das Silberpapier vom Käs nicht weg, Ottochen. Mein Mann

sammelts.“

Albion

Im Bahnwagen war ein Streit ausgebrochen. Der Engländer war nicht zu

bewegen, das Fenster zu schließen.

„Ich habs Reißen,“ rief der Herr aus Wien.

Der Engländer rührte sich nicht.

„Sö, wann Sö meine Gicht hätten ...“

Auf den Engländer machte es keinen Eindruck.

„Himmelherrgottsakra und Fixneusiedel -- wern Sö dös Fenster zumachen?

Oder i ruf ’n Konduktör.“

Der Schaffner kam, schob den Engländer beiseite und schloß.

Der Engländer zückte seinen Spazierstock -- tuck, tuck, tuck -- und

schlug die Scheibe aus.

Die Mutter

„A sauberer Herr, der Herr Kunstmaler! Jetz is mei Nelli scho vier

Monat in der Hoffnung -- aber ’s Modellgeld hat er ihr noch immer net

zahlt.“

Predigt

„Liebe Mitchristen, eine gute Predigt muß sein wie ein guter

Kalbsbraten: Sonntag wird er angeschnitten und labet uns die ganze

Woche.“

Afrika

Einst berief Menilek II., Herr von Abessynien, die Vertreter der

europäischen Mächte zu sich und eröffnete ihnen: er habe seinen

Großneffen zum Nachfolger auf dem Thron bestimmt.

„Warum den Großneffen, Majestät? Warum nicht den Neffen?“

„Weil mein Neffe zu dumm ist.“

— — —

Die Gesandten gingen heim. Unterwegs sprach Marquis ~A~ zu Baron ~B~:

„Geben wirs auf, Exzellenz! Wir werden dieses sonderbare Volk doch nie

begreifen lernen.“

Das Witzblatt des Himmels

„Der Herr der Heerscharen ist mißgestimmt. Wir müssen ihn erheitern.“

„Abonnieren wir einfach eine theosophische Zeitschrift.“

Bohême

„Nun hab ich endlich das Hemd gefunden.“

„Wo ist es denn gewesen?“

„Im Wäscheschrank.“

„Na, wer kann denn auch auf diese Idee kommen?“

~Qui cito dat~

Doktor Karlinger hatte einem jungen Kavalier aus der Schlammastik

geholfen -- allerdings zu ungeheuerlichen Bedingungen: zweihundert

Prozent Zinsen ungefähr.

Nun stand Karlinger vor dem Ehrenrat der Niederösterreichischen

Advokatenkammer, angeklagt des Wuchers.

„Meine Herren,“ sprach Karlinger, „angenommen, ich bin in der

Schlacht bei Bosworth; König Richard schreit: ‚Ein Pferd! Ein Pferd!

Ein Königreich für ein Pferd!‘ -- Ich liefere ihm das Pferd. --

Was geschieht? Es kommt der Ehrenrat der Niederösterreichischen

Advokatenkammer und diszipliniert mich wegen Wuchers.“

Verkehr

„Auf welchem Gleis kommt der Zug aus Bopfingen, Herr Stationschef?“

„Ja, das kommt ganz drauf an, ob der Zug 9 Uhr 55 früher kommt oder der

11 Uhr fünfer.“

Der Fehler

„Die Majorin ist hübsch, geistreich, jung -- ich hätte nichts gegen sie

einzuwenden -- wenn sie nur nicht schnarchte.“

Die Wähler

Als ich noch bei den Benzigerdragonern diente, rief man uns einmal nach

Tarnopol. Reichsratswahl -- wir sollten die Ordnung aufrecht halten.

„Verdammt,“ sagte ich am Morgen dem Bezirkskommissär, „heut wirds was

zu tun geben.“

„Absoljutt njicht, Herr Leitnant, absoljutt njicht. Bei unjs njicht.

Wir wällen onnje Miljitärrassistenz unjd soljche Mittel. Gaanzer

Wahlbeziirk hatj 3000 Wäller, und wirr chabben schonj übberr 6000

Stiimmzättelj fürr Regirrungskandidatten inj der Urne.“

Zeremoniell

Wominski war eines Tages gefürstet worden.

Der Diener:

„Befehlen Durchlaucht dieselben Hosen, was gräfliche Gnaden gestern

getragen haben?“

Ausflug

„Wer ist die Dame, mit der Sie hier sind?“

„Das ist meine Schwester.“

„Und der Herr?“

„Das ist ihr Bruder.“

Geistlicher Zuspruch

Fahrkanonier Lendecke hatte sich auf listige Art um die Osterbeichte

gedrückt.

Der hochwürdige Herr Feldkurat erfuhr es und redete dem schlechten

Christen also ins Gewissen:

„Lendecke,“ sprach er, „Lendecke -- genügt es, ein mutiger Soldat

zu sein, ein guter Stangenreiter? Nein, mein Sohn! Mit diesen

militärischen Tugenden kannst du Geschützvormeister werden, vielleicht

auch Korporal. So du aber eingehen möchtest in die ewige Seligkeit, o

Lendecke, wenn du teilhaftig werden willst des Paradieses -- wohin mußt

du vorher deine Schritte lenken?“

„Ins Garnisonspital Nr. 1,“ sprach Lendecke.

Bekanntmachung

„Das Bureau des Freidenkervereins bleibt am Montag und Dienstag der

jüdischen Feiertage wegen geschlossen.“

Der Patriot

„Wir haben in Dakota Eilzüge, die machen 250 Kilometer in der Stunde.

Und sie machen nur 250 -- nicht etwa weil die Maschinen zu schwach

sind, sondern weil die Stunde zu kurz ist.“

Fatum

Ich war nach Aussig berufen worden, um eine Vorlesung zu halten. Der

Unternehmer sagte sie im letzten Augenblick ab.

Ich verlangte Schadenersatz. Es kam zum Prozeß. Der Unternehmer siegte.

In der Begründung des Urteils heißt es:

„Der beklagte Unternehmer beruft sich mit Recht darauf, daß ihm

die Veranstaltung der Roda Roda-Vorlesung von seiten des k. k.

Bezirkshauptmanns verboten worden ist, demnach eine schuldbare

Unterlassung des Unternehmers nicht vorliegt. Ein Verbot des k. k.

Bezirkshauptmanns ist vielmehr einer ~vis major~ gleichzuachten, da es,

wie ein Elementarereignis, einen nicht vorhersehbaren blinden Zufall

bildet, welchen abzuwehren die menschlichen Kräfte übersteigt.“

Salzkammergut

„Wirr in Archangelsk chabben genjau, abber ge--njau das gljeiche

Klimma. Nurr fehllt bei unjs die Kurrtaxe.“

Medizinisches Kolleg

„Deutschmann heilt jeden vierten Fall von ~Amotio retinae~. Theoretisch

ist das allerdings unmöglich.“

Assimilation

Es war eine erhebende Feier -- Dr. Walter (Isidor) Mandels Taufe. Der

Pfarrer hielt eine wunderschöne Rede -- Matth. 26, 61:

„Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und denselben wieder aufbauen.“

Man wünschte dem Neophyten Glück, und die Frau Gräfin sagte: nun sei

die Vergangenheit ausgelöscht, und ein neues Leben fange an im Schoß

der heiligen Kirche.

Alle gingen gerührt.

Da fragte der Pfarrer den Mesner:

„Hat dir der Jud auch Trinkgeld gegeben?“

Sanatorium

„Bedaure, gnädige Frau, wir haben nur ein Zimmer zweiter Klasse frei.“

„Oh, das macht nichts.“

„Natürlich nicht. Wir werdens auch als erste Klasse berechnen.“

Die Enzykliken

„Wenn man diese verschiedenen Enzykliken liest -- es macht beinah den

Eindruck, als ob der Papst selbst an den Katholizismus glaube.“

Zensur

Eines Tages ließ der Breslauer Zensor den Konzertdirektor Kattinger

kommen und sagte ihm:

„Sie haben ein Konzert des Böhmischen Streichquartetts angekündigt?“

„Jawohl, Herr Assessor.“

„Sind Sie auch sicher, daß die Leute sich jeglicher politischer

Demonstration enthalten werden?“

„Aber gewiß, Herr Assessor.“

„Na, zur Sicherheit muß ich doch die Texte vorgelegt bekommen.“

Der Naturmensch

„Herr Tauber, gehen Sie zum ~five o’clock~ zu Geheimrats?“

„Naa. Zwegen dem bißl haaßen Wasser wer i mir nöt zwaa Stund die

hochdeutsche Pappen einhenken.“

Riviera

„Wer ist denn die Dame?“

„Meine zweite Frau.“

„Ah! Was ist denn mit deiner ersten Frau geschehen?“

„Zu Haus gelassen.“

Medizin

In Graz im Garnisonsspital wollten sie mir einst einen Knochensplitter

entfernen.

Schon setzte der Regimentsarzt das Messer an -- da erlaubte ich mir,

aufmerksam zu machen:

„Ich glaub, du hast das Messer nicht sterilisiert.“

„Ja, lieber Freund,“ sagte der Regimentsarzt, „da hätten mir beim

Militär viel zu tun, wann mir sollten a jede medizinische Modenarrheit

mitmachen.“

Anfang

„Kann Ihre Sekretärin schon selbständig Briefe schreiben?“

„Ja -- aber einstweilen nur die groben.“

Medisance

„Wer sind die zwei?“

„’n ganz junges Ehepaar. Noch nich mal verheiratet.“

Baden bei Wien

„Das soll ein Schwefelbad sein? Das Wasser ist doch ganz klar.“

„Oh, nur zu Beginn der Saison.“

Das Militärstrafgesetz

In Esseg stand ein Kanonier vor dem Kriegsrecht -- er war angeklagt,

einen Feldwebel bei Nacht und Nebel schwer verprügelt zu haben.

Zu allgemeiner Verwunderung kam er mit anderthalb Jahren Kerker davon.

In der Urteilsbegründung hieß es aber ausdrücklich:

Dem Angeklagten hätte nach dem Wortlaut des Gesetzes eine viel, viel

härtere Strafe gedroht; wenn das Gericht diesmal so ungewöhnliche Milde

walten ließ, geschah es nur aus der Erwägung: daß dem Angeklagten

seine Täterschaft in keiner Weise, nicht einmal im entferntesten,

nachgewiesen werden konnte.

Fragment

Wenn der Papst von der Christenheit wenig entzückt ist, gibt er eine

Enzyklika heraus.

Kunstakademie

„Huber? Nein, Huber hat kein Talent. Er hält nicht mal unsern Professor

für ’nen Esel.“

Hofbräuhaus

„Ich saß also im Restaurant, ich aß ...“

„Da haben S’ recht -- dös san S’.“

Das Institut

Man soll sich ein wenig um seine Kinder kümmern.

Mein Oheim, Ignaz Roda, der Konsistorialrat, ist Witwer. Er brachte vor

ein paar Jahren sein Söhnchen in ein Knabeninstitut nach Lausanne.

Diese schweizerischen Institute sind ausgezeichnet organisiert: man

braucht nur ein Kind beizustellen, die Erziehungskosten und einen

Wunsch -- nach ein paar Jahren kriegt man das Kind wieder -- genau nach

Wunsch fertig erzogen.

Der Sohn des Konsistorialrats Ignaz Roda sollte Feldprediger werden.

In diesem einen Fall muß in Lausanne eine Verwechslung passiert sein:

Ignaz der Zweite ist eben zurückgekommen, fertig ausgebildet -- leider

irrtümlich als Rabbiner.

Fragment

Der Richter ist der Kapellmeister, das Gesetz die Partitur. Wenn Ihr

Diskorde hört -- wer mag da schuld sein?

Entrüstung

„Der Kerl hat mir geschworen, daß er ledig is -- daweil is er wegen

Bigamie bestraft.“

Der Wohltäter

Es kam eine Frau zu Rothschild und bat um Unterstützung.

Rothschild blickte sie prüfend an und schrieb eine Anweisung:

80 M.

Schon während er schrieb, sprach die Frau:

„Herr Baron, ich bin aus gutem Haus, aus jüdischem Haus ...“

„Ach so,“ murmelte Rothschild -- riß sinnend den ersten Zettel in

Stücke und schrieb sinnend einen andern:

310 M.

Die Frau fuhr fort:

„Wie gesagt: aus gutem, jüdischem Haus, eine Frankfurterin.“

„Sie sind Frankfurterin? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt?“

Und Rothschild kritzelte einen dritten Zettel:

2779 M.

„Sie vergessen, Herr Baron, daß Ihre Tante Berta die Gliedkusine meines

verstorbenen Mannes war.“

„So ist die Sache?“ rief Rothschild -- musterte die Frau noch einmal

und schrieb:

49607 M. 10 Pf.

„Ich mache Sie aber aufmerksam, liebe Frau: wenn Sie sich auch noch für

meine Tochter ausgeben, lasse ich Sie verhaften.“

Der Goldfisch

„Herr Leutnant, meine Eltern sind so verschlossen, und Sie wissens

bestimmt -- sagen Sie mir, bitte: wieviel kriege ich denn mal mit?“

Die Gouvernante

„In zwanzig Häusern bin ich nun gewesen -- in neunzehn haben mir die

Herren nachgestellt. Der zwanzigste konnte nicht -- er lag in Agonie.“

Die Lebensweise

„Herr, Sie sehen ja ganz verkatert aus. Leben Sie denn so unregelmäßig?“

„Bewahre! Gehe regelmäßig dreihundertmal im Jahr schlafen.“

Der Übelstand

„Nun, Helene, bist du mit deiner neuen Köchin zufrieden?“

„Soweit ja. Aber sie heißt unglückseligerweise so wie ich -- und wenn

ich nun ‚Helene‘ rufe, kommen wir alle beide.“

Der Aberglaube

In Salonik wirkte eine Ärztin -- ein wahrer Segen für die islamitischen

Frauen, die sich ja von männlichen Ärzten nicht untersuchen lassen

mögen.

Wenn die Ärztin ein Rezept geschrieben hatte, trugen die Hanüms es --

gleichwie einen Kor’anvers -- als Amulett am Hals -- gingen aber nicht

etwa in die Apotheke, um das Medikament anfertigen zu lassen.

Dadurch wurden viele vom sichern Tod errettet.

Kurfürstendamm

„Ick rate Ihnen, jehn Se nich bei Arnows. Da kommt man vor lauter

feinem Benehmen nich zum Essen.“

Agrarier

„Ja, v. Schwelbow hats jut. Voriges Jahr die jrößten Kartoffeln --

heuer Profithagel, versicherte Scheune abjebrannt -- dann noch Manöver

mit Flurschaden -- der reenste Ring des Polykrates.“

Ein Druckfehler im Erlkönig

„Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,

Und bist du nicht billig, so brauch ich Gewalt.“

Die Neuerung

Mein Name ist Schmidt.

Meine Schwiegermutter wohnt bei uns -- sie heißt Frau Mertens.

Meine Schwester ist die Witwe Spahn.

Mein Söhnchen -- aus der ersten Ehe meiner Frau -- heißt Siegmund Vogel.

Gestern ist uns ein kleines Mädchen geboren worden. Es wird Martha

heißen.

„Und wie noch?“ fragt der kleine Siegmund.

„Martha Schmidt natürlich,“ antworte ich. „Ich heiße doch auch Schmidt.“

„Nanu,“ ruft Siegmund, „was is +det+ nu wieda vor ne Mode, det de Kinda

nach ’m Vater heeßen?“

Die Leutnante

„Eben nem Zivilisten auf’n Fuß jetreten.“

„Nu -- ntschuldigte er sich wenigstens?“

Die Schwester

Elsbeth, ein Backfisch mit feurigen Augen, hört, daß die ältere

Schwester einen Freier abgewiesen hat.

„So ne Gans!“ sagt sie. „Wenn um mich einer anhalten käm -- ich kniff

ihn vor Freude ins Bein.“

Der Bauer

Wenn Exzellenz von Pfannenstiel seine Husaren besichtigt, da übt er

eine besondre Methode: ihm genügt nicht, die Ausbildung im großen zu

prüfen, er will grade die kleinsten Zweige des Dienstes beurteilen. Vor

allem sieht er darauf, daß auch der einzelne Mann ausrichtsam sei.

Zu einem Korporal:

„Sehen Sie dort weit am Horizont den Bauernwagen? Reiten Sie hin,

fragen Sie den Bauern, wie er heißt, von wo er kommt, wohin er fährt

und was er führt.“

Drei Stunden später.

„Ist der Korporal noch nicht da?“

„Jawohl, Exzellenz.“

„Nun, was hat der Bauer gesagt?“

Der Korporal schweigt.

„Hören Sie nicht? Was hat der Bauer gesagt?“

Der Korporal schweigt.

„Himmelkreuzmillionenelement, Korporal, was hat der Bauer gesagt?“

„Exzellenz, ich bitt gehorsamst, er hat gesagt: er heißt Steuerzahler

und fahrt auf die Kirchweih, damit Exzellenz ihn dort besuchen können.“

Vom Nikotin

Ob das Rauchen schädlich ist?

Gustav Meyrink, der doch nächst Gott am meisten weiß, raucht nicht.

Die berühmte Gräfin Eufemia von Adlersfeld-Ballestrem aber ist eine

passionierte Raucherin.

Das sind zwei Indizien gegen den Tabak.

Andrerseits:

Mein Großvater hat geraucht und ist dreiundneunzig Jahre alt dabei

geworden.

Mein jüngerer Bruder hat nie geraucht und ist mit vier Wochen gestorben.

Da kenne sich aus, wer kann.

Fragment

Alles Gute ist schon gedacht worden,

Alles Gedachte schon einmal gesagt worden,

Alles ist auch schon einmal verlacht worden.

Die erste Frage

„Habe jestern Dame überritten.“

„War se hübsch?“

Konsequent

„Ein elender Aufschneider, dieser Flotow! Was meinen Sie -- er hat

sogar doppelt so viel Einkommen zur Steuer angemeldet, wie er hat.“

Mnemotechnik

„O, Sie hier, Herr Pleininger?“ rief ich. „Was machen Sie denn in der

Stadt?“

„Einkaufen. Tausend Sachen einkaufen.“

„Da haben Sie wohl einen langen Besorgungszettel mit?“

„I -- wo -- ich merk mir alles. Is ja nit so schwer: einen Südwester

für die Schwester, Munition für den Sohn, Butter für die Mutter, der

Kusine eine Gardine, für Tantchen etwas Proviantchen und ein Schwammerl

fürs Ammerl.“

Das Brautpaar

„Sieh den Stern da oben, Oskar -- das ist unser Glücksstern.“

„Du irrst, Geliebte! Das ist Alpha im Kleinen Hund.“

Fragment

Neid ist der Ärger über den Mangel an Gelegenheit zur Schadenfreude.

Der Weltmann

„Ich bin ein so leidenschaftlicher Feind der Ehe, daß ich sogar die

schon bestehenden Ehen zu stören suche.“

Die Richtigstellung

Oberleutnant Glauber vom Eisenbahnregiment hatte einen Vortrag gehalten:

„Die Elektrizität im Kriege.“

Seine Exzellenz, der Herr Kavalleriedivisionär, schüttelte Glaubern die

Hand.

„Wirklich sehr klar und instruktiv, Herr Oberleutnant! Man hat

doch jetzt eine Vorstellung von diese Sachen. -- Nur eins, Herr

Oberleutnant: Sie haben von Kilowatt gesprochen; das ist ein kleiner

Irrtum; ich kenne den Mann, er ist mein Freund; er heißt Graf Kolowrat.“

Das Restaurant

„Kellner, einen Gamsbraten!“

„Sofort wird einer frei, bitte.“

Das Familienblatt

„Bringt denn Ihre Zeitschrift auch moderne Bilder?“

„Gewiß -- im Anzeigenteil.“

Folklore

„Tragen hier im Dorf die Mädchen noch die Volkstracht?“

„Nur, wenn sie als Ammen in die Stadt gehen.“

Der Schnüffler

„Dieser Goethe ist immer unsittlich. Da schreibt er:

‚Was du ererbt von deinen Vätern hast,

Erwirb es, um es zu besitzen.‘“

„Wo steckt denn da die Unsittlichkeit?“

„Na, erlauben Sie? ‚Vätern‘ in der Mehrzahl?“

Einst

„Wat loofen denn hier for ne Türken herum?“

„Det is doch die Deputation aus Konstantinopel. Allah is ja ~à la

suite~ des Jarderements jestellt worn.“

Der Stoff

„Lieber Rößler,“ sagte ich eines Tages, „du sollst ja ein Drama

vollendet haben. Was für einen Stoff behandelt es?“

„Unverstandene Frau mit tötlichem Ausgang.“

Klub

„So ein Glückspilz, der Baron Mendelberg! Seine Geliebte hat ihm die

Frau erschossen -- jetzt ist er beide auf einmal los.“

Goldne Worte

Der junge Doktor aus Boston sprach:

„Ich verstehe mich ganz gut in Deutschland. Nur eins ueiß ich nicht:

daß ich immer höre reden von eine Ausspruch von Götz von Berlichingen.

Uas hat Götz Besondres gesagt? -- -- -- Ach, Sie uollen nicht Auskunft

geben? Ist es am Ende das, was Bayern immer rufen, uenn man sie

narkotisiert?“

Eine sonderbare Geschichte

„Da unlängst komm ich nach Haus -- ich klingel und klingel -- es

klingelt nicht. Ich öffne die Tür -- is sie zu. Ich tret ein und seh

meine Frau an -- is sie nich da. Na, da hab ich mich zusammengepackt

und bin zurück ins Wirtshaus.“

Fragment

Weisheit ist Konsequenz, Klugheit -- Kompromiß.

Der Chef

„Was, Herr? Zwanzig Jahre sind Sie schon bei mir angestellt und haben

noch niemals Urlaub gehabt? Ja, warum wollen Sie dann jetzt plötzlich

Urlaub haben?“

Rencontre

Der General a. D. v. Kämitz pflegt seinen Frühschoppen im

Tirolerstübchen zu trinken.

Eines Tages findet er alle Tische von Fremden besetzt; bleibt in der

Tür stehen und murmelt -- etwas zu laut:

„Keen eenziger anständiger Mensch hier.“

Da fliegt ihm ein Bierfilz an den Kopf.

„Pardon. Eener,“ sagt der General.

Der Weltmann

„Superbes Weib! Ich wollt, ihr Mann hätte Grund, mich zu züchtigen.“

Das Töchterlein

„Ach, Mama, kauf mir doch für fünfzig Pfennig Schokolade!“

„Ich habe kein Geld.“

„Kauf nur, Mama -- du kannst mirs später von der Mitgift abziehen.“

Varieté

„Nun, Herr Brinkmann -- reisen Sie noch immer mit Ihrer

Akrobatentruppe?“

„Ja. Nur die Großmutter kann das Doppelsalto nimmer recht schaffen.“

Der Beamte

Herr Hofrat Neuhäusel hat eine Abordnung streikender Eisenbahnarbeiter

empfangen.

„Nun,“ fragt der Minister, „haben Sie mit den Leuten unterhandelt, Herr

Hofrat?“

„Ich habe es wenigstens versucht, Exzellenz. Aber ich kann nur

feststellen: die Leute eignen sich gar nicht für den Verkehr mit der

Behörde.“

Fragment

Kranke sind unvernünftig, Gesunde sind leichtfertig, Genesene weise.

Empfang

Am ersten Tag im Gymnasium fragte der Herr Oberlehrer einen Schüler:

„Wie heißen Sie?“

„Fontane.“

„Wie??“

„Fontane.“

„Na, warten Sie -- Ihren Adelsstolz werden wir Ihnen schon austreiben.“

Dresden am Tegernsee

„Gunigunde und Garl -- nu seht hibsch grob drein -- das gehört zum

Gostüm!“

Das Liebesmahl

Der Herr Oberst ist allen so recht aus dem Herzen pensioniert worden

-- aber ein Liebesmahl muß man ihm dennoch geben und eine Rede dabei

halten. Das muß man.

Der Herr Major feiert also den Scheidenden:

„So fasse ich denn alles zusammen, meine Herren, in den dreifach

donnernden Ruf: ‚Der Herr Oberst lebe hoch! hoch!...‘“

Alles schweigt eisig.

Der Herr Major kleinlaut:

„Wegen zu geringer Beteiligung der Herren entfällt das dritte Hoch.“

Fragment

Man muß den Kämpfer an seiner Idee messen. Wer ist Held und wer ist

Fanatiker?

Liebesglück

„Mein Mann hat sich in mich verliebt, als wir zum erstenmal zusammen im

Bett frühstückten.“

Fragment

Der pensionierte General: Auflösung einer großen Erwartung in eine

lange Pfeife.

Die Affäre

Eines Tages kam ein sehr eleganter Herr zum Herrn Obersten v. Nagel und

bat um eine Unterredung.

Eine Viertelstunde später geleitete der Oberst seinen Besucher an die

Tür und sagte:

„Herr Baron -- so peinlich der Fall ist -- seien Sie versichert: was

an mir liegt, wird gewiß geschehen, um die Angelegenheit in Ordnung zu

bringen.“

Nachmittag ließ der Herr Oberst v. Nagel seine Offiziere antreten.

Und hielt eine lange Rede an sie.

Der Herr Oberst sprach von einem gebeugten Vater, der um das Glück

seiner Tochter zittere ...

Und der Herr Oberst sprach von den Pflichten des Kavaliers -- einer

Dame gegenüber, die vielleicht in einem Augenblick des Selbstvergessens

zu weit gegangen sein könnte -- eben mit diesem Kavalier ...

Und der Herr Oberst sagte: er wolle keinen Namen nennen und die

Angelegenheit überhaupt möglichst diskret behandeln -- der betroffene

Herr würde schon selbst fühlen, was er zu tun habe.

Am selben Abend hielten drei Leutnante und fünf Rittmeister um die Hand

der Oberstentochter an.

~Il giornalista~

Schauplatz der Begebenheit: Riva, Café ... -- na, wie hieß es doch

gleich? Kurz: ein Café in Riva.

Ich bin von den Ponalefällen gekommen und möchte den Wagen bezahlen.

Dazu muß ich ein Goldstück wechseln.

Rasch ins Café. Da, als ich eintrete, ist der Cafetier knapp vor mir

eingetreten, schmeißt die Tür zu -- mir entgegen ... Klirr! Ratsch! Die

Glastafel ist zerbrochen, meine Hand blutet. Blutet immer ärger.

„’tschuldigen schon,“ sagt der Wirt.

„O, bitte -- es war mir ein Vergnügen.“

Fünf Minuten später bringt man mir eine Rechnung:

„~1 lastra di vetro decorata ... 12 L.--~“

Ein Blick auf die Uhr: es ist drei. Mein Dampfer geht um vier. Ich weiß

nicht, wie ich diese Stunde amüsanter und lehrreicher verbringen könnte

als auf einem südtirolischen Bezirksgericht.

500 Schwänke · 第 7 / 8 段