wiederzusehen, Unsern beliebten Heldendarsteller. Irren wir Uns? Wollte
man Sie Uns nicht im letzten Winter nach Berlin entführen?“
Da sagte Knipping:
„Hoheit, wo mir die Gnade der höchsten Herrschaften gewiß ist, bleibe
ich lieber da -- auf dem Lokus, wo ich schon seit zwanzig Jahren sitze.“
Unterricht
Kadettenschule in Prag. Eines Tages kam Herr Oberst Nastupil, um dem
Unterricht in der tschechischen Sprache beizuwohnen.
„Zögling Heinzl, schreiben S’ auf: ‚Pferd hat sich gut in ärarische
Stall, wird sich gepflegt von die Kopf bis Füß.‘ -- Haben S’
geschrieben? -- So übersetzen S’!“
„Ins Deutsche oder ins Tschechische, Herr Oberst?“
Der Husar
Rittmeister v. Pakosdy -- zum Tee bei Mänzels.
Frau Mänzel zwitschert wieder einmal aufs lieblichste -- ein Dutzend
Geschichten, die sie alle heute früh erlebt hat.
„Ich gehe die Kärntnerstraße entlang -- plötzlich rutsche ich aus und
sitze da auf meinen vier Buchstaben ...“
Pakosdy voller Interesse, aber ganz und gar verständnislos:
„Sitzen auf Ihre vier Buchstaben, Gnädigste? Wie is dos gemeint, ich
bitte?“
Man erklärt es ihm pantomimisch.
„Ach so!“ ruft Pakosky.
Und nach einer Pause des Nachdenkens:
„Entschuldigen -- das sein aber fünf Buchstaben.“
Die Eidgenossen
Ein Gespräch auf der Schweizerischen Bundesbahn, in der Nähe von Basel.
„Wenn ma halt e Zit lang im Usland gsi isch, gwöhnt me sich daheime so
schwer wieder i.“
„Sin Sie lang im Usland gsi?“
„Jo -- drei Wuche im Appezäll.“
Revanche
Als Edelsheim Korpskommandant in Pest war, traf er einmal auf der
Promenade einen Leutnant mit Rasselgeräuschen.
„Sie,“ sagte Seine Exzellenz, „Sie habe sich Ihren Sporn abgetrete --
richte Sie sich ihm emol!“
Worauf der Leutnant in einen Hausflur trat und auf alle Art versuchte,
den Sporn einzurenken.
Doch es ging nicht.
Ach was -- der Korpskommandant ist sicher schon weit weg -- los auf die
Promenade!
Der erste Mensch, dem er begegnete, war der Korpskommandant.
„Herr Leutnant,“ sagte Seine Exzellenz, „Ihr Sporn ischt noch immer
abgetrete. Sie müsse sich Zeit nehme. Bleibe Sie emol drei Tag zu Haus
un richte Sie ihm ordentlich!“
Der Leutnant meldete den Vorfall pflichtgemäß dem Regiment und trat
seinen Zimmerarrest an.
Als er ihn verbüßt hatte, ging er auf die Promenade.
Und wer kam ihm entgegen?
Seine Exzellenz, der General der Kavallerie Freiherr v. Edelsheim.
Und was schleifte Seiner Exzellenz nach?
Die Hosenstrupfe.
„Exzellenz, ich erlaube mir, gehorsamst aufmerksam zu machen ...“
„Ah, da schau her! Mei Strupfe ischt abgetrete? Und grad Sie habe es
gemerkt? Mein Spornleutnat? Ich danke Ihnen.“
Nächste Begegnung.
„Exzellenz, ich erlaube mir, gehorsamst aufmerksam zu machen ...“
„Was? Mei Strupfe wieder abgetrete? Da verdien ich ja ... Wieviel
Arrest habe Sie damals für Ihren Sporn kriegt, Herr Leutnant?“
„Drei Tage, Exzellenz.“
„Drei? Na, da verdien ich wenigschtens acht. Aber ich als
Korpskommandant hab ja nit Zeit. ... Wissen Sie was, Herr Leutnant?
Sitze Sie emol die acht Tag für mich ab!“
Das zweite Gesicht
Ich besuchte einst in Pest den Major Ischbary von Forgatschhusaren. Er
las eben in einem Buch.
„Störe ich Sie am Ende, Herr Major? Studieren Sie Taktik?“
„Oberr liieberr Fraind! Ich?? Taktik studieren?? Wo sich die Taktik
doch in unserm nächsten Krieg als grundverfehlt erweisen wird?“
Wahl
Ich saß mit Nuttinger im Volkskeller.
Die Damenkapelle spielte.
Wir brüteten.
„Freunderl,“ sagte Nuttinger plötzlich, „ob du mirs jetzt glaubst oder
net -- es ist ein historischer Augenblick in meinem Leben. Nie hab ichs
glaubt, wann die Leut von einer Liebe aufn erschten Blick reden --
aber ich bitt dich, schau dir die Bassistin an! Hast du schon so was
von Anmut gesehn? So eine schlanke Fülle? So ein volles Schlankerl?
Meiner Six, ich wer die Person heiraten un wer ihr Schklave sein
fürderhin. Du verstehst? Fürderhin. Pikkolo! Pikkolo! Obst hergehst,
Lausbua?! Siegst des Fräuln oben, die was Baß spielt? Augenblicklich
sagst ihr: ‚Fräuln‘, sagst ihr, ‚unten is a Herr‘, sagst ihr, ‚in
geordnete Verhältnisse, der bietet Ihna Herz und Hand fürs Leben.‘ Hast
verstanden, Lausbua? ‚Herz und Hand fürs Leben.‘ Der Bassistin. Oder
weißt was, Pikkolo? Sags lieber der Trommlerin.“
Schule
„Wie hießen jene jungfräulichen Priesterinnen im alten Rom, die das
heilige Feuer nährten?“
„Das waren die Westfalinnen.“
Der Traum
Paulchen ist erwacht, Paulchen ist angekleidet worden und erscheint
glückstrahlend im Salon -- im Kreis der Tanten, Großtanten und Basen.
„Ach, Paulchen! Das süße Paulchen! Wie hast du denn geschlafen?“
Paulchen hat herrlich geschlafen -- und noch mehr: Paulchen hat
geträumt.
„Zum erstenmal in seinem Leben,“ jubelt Mama. „Erzähl doch, erzähl
doch, wie es war!“
Paulchen:
„Also, mich bin geträumt, es war Nacht, da is die Tür gegangen, da is
ein Engel kommen in ein langes Hemd.“
Chor der Tanten:
„Ach, Paulchen, wie reizend!“
„Ja, in ein langes Hemd. ’s war aber gar kein Engel, ’s war Papa.“
„Was? Kein Engel? Es war Papa? Nein, wie niedlich!“
„Ja, un er is gar nicht zu Paulchen, er is gangen an Fräuleins Bett. Un
hat gesagt: ‚Weißt was, Fräulein? Du bist gar kein Fräulein, du bist
ein Engel.‘“
Mutti ist ein wenig verwirrt:
„Hör, Paulchen, Träume sind Schäume -- Lügen. Die muß man auch nicht
erzählen.“
„Oh, Mama,“ sagt Paulchen, „frag nur ’s Fräulein und Papa -- denen hat
das alles genau ebenso geträumt.“
Nahrungsmittel
Eine betrübende Kunde kommt aus Hamburg. Der Direktor einer dortigen
Margarinefabrik hat, verzweifelt über die Verleumdungen, die in der
Presse über das Unternehmen umgehen, Selbstmord versucht: er öffnete
eine zur Versendung an die Kundschaft bereite Kiste, schmierte
sich ein Butterbrot und verschlang es hastig. An dem Aufkommen des
Bedauernswerten wird gezweifelt.
Beerdigung
„Weune nicht, mein Sohn! Weunen geziemt den Weubern. Wir Männer halten
in diesem Falle Reden.“
Das Jahrhundert des Kindes
Die kleine Trude will wieder einmal, allem Zureden zum Trotz, ihre
Suppe nicht essen.
Da sagt Mama:
„Wie manches arme Kind wäre froh, wenn es nur die Hälfte hätte!“
„Ich auch,“ antwortet Trude seufzend.
Der Diplomat
Ich besuchte meinen Freund, den Legationssekretär. Er empfing mich auf
seinem Bureau.
Das Bureau ist sehr behaglich eingerichtet: Ottomane, Klubsessel,
Bärenfell, Rauchservice ... und nirgends ein Schreibtisch. Ein Möbel,
das ich anfangs für einen Dokumentenschrank gehalten hatte, erwies sich
bald als Schnapsaltar.
Der Legationssekretär verstand -- als Diplomat -- meinen fragenden
Blick sofort und erklärte mir:
„Siehst: die Akten, soweit sie nicht dringend sind, nehme ich nicht zu
mir -- die haben Zeit. Und die dringenden Akten? Ihre Eigentümlichkeit
ist doch grad, daß sie sich durch Nichtbeantwortung von selbst
erledigen.“
Montenegro
Vor ein paar Jahren war ich in Cetinje. Da sagte mir der Konsul:
„Sie wollen hier was durchsetzen? Da müssen Sie mit gewissen
kleinen Eigentümlichkeiten des Landes rechnen: wenn Ihnen der
Unterrichtsminister sein Ehrenwort gibt, hält ers bestimmt nicht; der
Kriegsminister ist ganz unverläßlich -- er hälts manchmal.“
Österreich
Baron Meyringer sah, daß es so nicht weiterging -- sein Vermögen war
tschari, nur seine drei Autos waren ihm geblieben -- da gründete er die
Erste Wiener Autounternehmung.
Wenn man aber in Wien ein Lohnfuhrwesen betreiben will, muß man eine
Lizenz haben.
Eine Lizenz bekommt man nur, wenn ‚die fraglichen Fuhrwerke in ihrer
Gänze oder den überwiegenden Teilen nach inländischen Ursprungs sind‘.
Meyringers Wagen waren französischen Ursprungs.
Was tun?
In solchen Fällen geht der Österreicher auf die Statthalterei, ‚um sich
das zu richten‘. -- Meyringer ging auf die Statthalterei.
Jede höhere österreichische Behörde hat einen sogenannten
Präsidialisten, dessen Aufgabe es ist, wenig erfahrenen, jedoch durch
ihre Geburt bevorzugten Klienten die Wege zu weisen zur Umgehung der
Gesetze.
Der Präsidialist ließ sich den Fall Meyringer vorlegen und dachte lange
nach.
Dann aber sprach er:
„Also so viel is gwiß, daß der überwiegende Teil der Wagen heimischer
Erzeugung sein muß. Könnten S’ net, zum Beispiel, für Ihnere Wägen
Wiener Laternen anschaffen?“
„Was mach ich mit den alten?“ wandte Meyringer ein.
„Oder Wiener Fußteppiche?“
„Drei Stück ... Es kostt halt Geld ...“
Der Präsidialist sann und sann.
„Eine Idee, Herr Baron: das Wasser im Kühler; wir haben das berühmte
Wiener Hochquellwasser ...“
Meyringer nickte.
Und bekam die Lizenz.
Die Warnung
„Die arme Frau kann keinen Ball mitmachen, keine Unterhaltung -- sie
hat zwei Kinder ...“
„Ja, wenn die nicht wären, hätte sie bei ihrem Temperament schon lang
ein drittes.“
Die Freuden des Lebens
In Gleichenberg war einmal ein alter Apotheker, der pflegte zu sagen:
„Zwischen zwanzig und vierzig freute ich mich am meisten über ein
schönes Weib. Zwischen vierzig und sechzig über einen guten Stuhl. Und
seitdem freue ich mich am meisten, wenn mein Nierenleiden manchmal
nachläßt.“
Grenze
Hauptmann Patrontaschewitsch vom Grenzerregiment ist beim Kassagang
gewesen. Nun sitzt er in der Kompagniekanzlei und zählt das Geld nach,
die Löhnung für die Mannschaft.
Es pocht. Der Oberleutnant tritt ein.
Hauptmann Patrontaschewitsch räumt das Geld hastig in die Tischlade und
sperrt ab.
„Pardon, Herr Hauptmann!! Was soll das?? Ich verbitte mir dieses
beleidigende Mißtrauen.“
Und der Hauptmann begütigend:
„Aaber, Bruudär! Kein Mißtrauän. Nur Erfahrung: mehr wird es auf keinen
Fall.“
Der Zweifler
In Wien soll ein neues Gebäude für das Patentamt errichtet werden. Doch
die im Finanzministerium sind dagegen.
„Denn,“ erzählt mir ein Finanzhofrat, „das jetzige Gebäude is freilich
zu klein -- bei zehntausend Patentanmeldungen im vorigen Jahr. Aber ich
bitte: wissen wir, obs im nächsten Jahr wieder so viele werden? Jetzt
-- wo das meiste, was man überhaupt braucht, schon erfunden is?“
Der Tote
Als Onkel Anton gestorben war, kamen wir alle, so weit wir auch
wohnten, zu seinem Begräbnis. Denn wir hatten ihn geliebt.
Und wir trösteten die Tante, und als wir vom Friedhof kamen, geleiteten
wir sie noch nach Haus und trösteten sie wieder und blieben bei ihr --
bei ihr im einsamen Heim, wo jedes Winkelchen, jeder Gegenstand an den
Heimgegangenen gemahnte.
Die Tante brachte uns Wein und Biskuit, und wir tranken und sprachen
von dem teuern Toten -- und tranken wieder und sprachen wiederum und
tranken zwischendurch.
Da stand Onkel Felix auf, klopfte ans Glas und hob es hoch und sagte:
„Tante Anna! Ich glaube im Sinne aller zu sprechen: der selige Onkel
Anton soll leben!“
Das Denkmal
Sonntag nachmittag; die beiden Apothekerlehrlinge haben Ausgang.
„Sag mal, was is da auf der Handelskammer für eine Statue?“
„Das weißt du nicht? Das ist Merkur.“
„Waas? Für so eine Salbe macht man ihm eine so schöne Statue?“
Justiz
Die Bevölkerung von Galizien ist von der Unbestechlichkeit
ihrer Gerichte nicht so tief überzeugt, wie es im Interesse der
Staatsautorität zu wünschen wäre.
Unlängst erhob sich der Vorsitzende des Landesgerichts von Tarnopol,
Zivilsenat, und begann die Urteilsbegründung zu lesen:
„Der Gerichtshof hat angenommen ...“
„Hab ich mir gleich gedacht,“ unterbrach der abgewiesene Kläger.
Berlin
Meine Schwester sagt: nach dem langwierigen Souper müsse sie Luft
schöpfen -- ich sollte mit ihr in den Tiergarten fahren.
Herrliche Autofahrt im Mondschein.
Wir kommen zurück und halten.
Ich will den Chauffeur entlohnen.
„Wat?“ sagt er. „Nach dem Taxameter kieken Se? Hab ick mir eenmal
umjekiekt?“
Reitunterricht
„Knetschke, lassen Sie die Gelenke los! Noch mehr! Was kneifen Sie denn
die Beine zusammen wie eine Gouvernante?“
Das Lied
Ich ging dereinst auf der Furschtadtskaja in Petersburg spazieren --
mit dem kaiserlich russischen Stabskapitän Kojuhoff.
Er sprach mir vom russischen Militär. Glühend, begeistert.
„Was sind eure Soldaten?“ rief er. „Wehrpflichtige Sozialdemokraten, im
besten Fall wehrfähige Puppen. Das Urra Suwaroffs kennen sie nicht, sie
haben kein Herz. -- Bei uns? Der letzte Mann stirbt freudig für seinen
Zaren, seinen Offizier.“
Eine Infanterieabteilung näherte sich in Schritt und Tritt.
„Hörst du sie, Fremdling? Hörst du unsre Soldaten singen? So folgt der
Slawe seinem Führer -- in blindem Vertrauen, in Liebe, in Ehrfurcht, im
Glauben an ihn.“
Die Abteilung kam immer näher. Und sang:
„~General
„Krupi kral,
„I palkownik
„Pamagal.
„I parutschik,
„Nasch galubtschik,
„Po basarach
„Prodawal.~“
Deutsch:
„General
„Grütze stahl,
„Und der Oberst
„Half ihm mal.
„Und der Leutnant,
„Aller Liebling,
„Er verkaufte
„Unser Mahl.“
Der Hund
Ritschel sah zum Erschrecken aus.
„Mensch,“ rief ich, „bist du unter die Stachelwalze geraten?“
„Nein -- weißt: gestern komm ich spät nach Haus -- mein Hund erkennt
mich nicht und springt mir ins Gesicht ...“
„Hör mal, Freunderl -- von dem Hund tät ich mich scheiden lassen.“
Der Strenge
„Hat Jraf Pantzow seine Cancaneuse noch?“
„Nee -- hat sich mit seiner Frau versöhnt und lebt mit ihr.“
„Lebt mit der eejenen Frau? Also Blutschande.“
Die Mongolei
Erzherzog Albrecht reiste einmal durch Ungarn. Ward begeistert
empfangen und freute sich sehr.
Nur eins wunderte ihn: die Leute schrien immer: Vivat. Warum nicht
Eljen, wie sie sonst doch pflegen?
Der Erzherzog befragte den Obergespan.
Und der Obergespan antwortete ehrerbietig:
„Kaiserliche Hoheit, wir haben ihnen Vivat eingelernt. Denn warum? Wann
wir sie lassen Eljen schrein, schrein s’ immer: Eljen Kossuth!“
Tragisches Los
„Was is mit unsan ollen Freund Willem -- is er nu endlich vanünftich
worden?“
„Eben wollt er vanünftich wern -- da kam der Altersblödsinn.“
Das System
„Haben Sie eine Zigarre für mich, Herr v. Hoffmann?“
„Sagten Sie denn nicht, Sie wollten sich das Rauchen abgewöhnen?“
„Gewiß -- aber das geht nicht so plötzlich. Das Rauchen eigener
Zigarren hab ich mir schon abgewöhnt.“
Das Muster
Ich hatte einen Onkel in Wien, den Onkel Aloys.
Er war eine Zierde der Familie, er war Großkaufmann.
Und dieses vorbildliche Leben: vier Tage wöchentlich verbrachte er
im Kreis der Familie. Samstag, Sonntag, Montag aber -- im Sommer, im
Winter, ob schön, ob Regen: Samstag, Sonntag, Montag stieg er auf die
Rax. Atmete die frische Bergluft ein, schrieb uns regelmäßig eine
Ansichtskarte von den Gipfeln -- und kam Dienstag früh zurück, gradeaus
in die Kontore.
Immer frisch und guter Dinge. Wenn die Tante ihn lobte, wie prächtig er
aussehe, da setzte sie auch gleich hinzu:
„Na ja, bei deiner Lebensweise?“
Unlängst legte sich Onkel Aloys hin und war krank zum Sterben.
Eh er aber starb, faßte er mich an der Hand und sprach:
„Lieber Neffe! Ich weiß, du hast ein Frauenzimmer. Aber, glaub mir,
es is nichts mit den Frauenzimmern. Sie machen uns alt. -- Höre, mein
Junge, was ich dir rate: geh drei Tage in jeder Woche in die Alpen.
Sieh dir meinen Buchhalter an, wie gut es ihm getan hat! Er ist
stark und jung. Seit Jahren hab ich ihn auf die Rax geschickt, meine
Ansichtskarten aufgeben. Und sieh mich an: wie elend sie mich gemacht
haben -- die Stadtluft und die Frauenzimmer ...“
Onkel Aloys tat einen schweren Seufzer und verschied.
Reisebekanntschaft
„Sein Sie Englishman?“
„Nein.“
„Well, mein Beileid.“
Warschau
„Herr Graf, kennen Sie den Sektionschef im Eisenbahnministerium?“
„Wenn Grjaff -- so ja; wenn njicht Grjaff -- so njein.“
Der Schlachtenmaler
„Für meine ‚Schlacht an der Katzbach‘ hab ich in Berlin keinen Käufer
gefunden. Ich mal jetzt grüne Federn auf die Mützen und brings nach
Wien als ‚Schlacht bei Aspern‘.“
Schrecken
Ich bin seit ein paar Tagen in Berlin.
Als ich gestern nacht, gegen zwei, in mein Hotel zurückkehrte, stand
auf dem Podest des ersten Stockwerks ein Mann; ein Mann, der mangelhaft
bekleidet war und seine Siebensachen unterm Arm trug; Angstschweiß
stand ihm auf der Stirn; und er schrie:
„Källner! Källner! Aber Kääällner!“
Endlich meldete sich wer.
„Källner!“
„Ja, was wollen Sie denn?“
„Aber Käällner! Meine Räächnung! Ihh ljasse miir njicht gefaallen. Ihh
gehhe auf Kabinet -- steht: ‚Biitte ziiehen!‘ Ihh ziehhe -- koomt mit
großem Gepoolter Waasser durch eine Rohrr. Was siind das für Wiitze,
einen Kavalier so erschreecken?“
Auseinandersetzung
„Sowie meine Geliebte sich von ihrem Mann scheiden läßt, hebe ich unsre
Verlobung jedesmal als zwecklos auf.“
Der Lebemann
„Johann, ich geh jetzt schlafen. Machen Sie übermorgen mittag
Wiederbelebungsversuche.“
Urlaub
Leutnant Hederhasy hatte drei Tage Urlaub nach Budapest gehabt und kam
erfrischt und angeregt zurück.
Der Oberst -- jovial:
„Nun, Herr Leutnant? Haben Sie sich gut unterhalten? Wo sind Sie denn
abgestiegen?“
„Abgestiegen, Herr Oberst?“
„Na, Sie werden doch in irgendeinem Hotel gewohnt haben?“
„Hotel, ich bitte gehorsamst? Bei Tag war ich im Café und bei Nacht im
Tingältangäl.“
Der Dienstmann
„Mei Sohn is akademischer Maler, mei Tochter Klaviervirtuosin. Aber
ernähren muß i’ s’ alle zwaa.“
Beschäftigung
Ins Garnisonsspital Nr. 1, Wien, rückte einst der Einjährige Doktor
Wimmer ein, um sein Halbjahr als Assistenzarzt abzudienen.
„Einjähriger -- sein Sie Spezialist?“
„Jawohl, Herr Oberstabsarzt -- Gynäkologe.“
„No -- dann übernehmen S’ halt die Herren Trainoffiziere.“
Musik
Ich bot einem Wiener Operettendirektor ein neues Singspiel an.
„Von wem komponiert?“ fragte er.
„Von La Touche.“
„So, von La Touche. Sagen S’: is der Herr ein Israelit?“
„Ich glaube nicht.“
„Ja, dann wer i’s kaum aufführen können. Eine Operett von an Christen?
Des wär Religionsstörung.“
Der Lebemann
„Ich bin eigentlich ein merkwürdiger Mensch: immer wieder tu ich die
verlornen Mädchen aufsuchen.“
Der Gymnasiallehrer
„Käthe, heut hatte ich einen wundervollen Traum: ich gab Cicero einen
Fünfer in Latein.“
Das Dichterehepaar
„Der herrliche Tag -- der Sonnenschein -- begeistert es dich nicht,
Otto?“
„Ja. Ich werde was aus dem Bulgarischen übersetzen.“
Staatsprüfung
In der Wiener Konsularakademie, Diplomatenklasse.
Kandidat: Erlaucht Rainer Maria Graf Putitzki zu Putitz ab Rima.
Erste Frage: „Schlacht bei Leipzig.“
Der Kandidat schweigt.
Zweite Frage: „Schlacht bei Königgrätz.“
Der Kandidat schweigt.
Dritte Frage: „Wo sind Sie geboren?“
„In Ljembärg.“
„Wissen Sie das sicher?“
„Ja, ganz siicherr.“
„Na, dann haben Sie wenigstens eine Frage richtig beantwortet.“
Heimkehr
„Mir gangst mit dera Jagerei! Dö Wildsau, wo mir einkreist ham, dös war
a Maler aus München.“
Das Symptom
„Jetzt muß also der arme Hauptmann richtig mit Gehirnerweichung ins
Garnisonsspital.“
„Ich habs lang geahnt. Er war so freundlich zur Mannschaft.“
Anfrage
Die Frau Rentmeisterin von Obradowo war in gesegneten Umständen. Und
fühlte sich höchst sonderbar -- anders als sonst.
Der Gemeindearzt untersuchte sie, getraute sich aber mit keiner
Diagnose hervor. Er telegraphierte um den Physikus nach Gutta.
Der Physikus untersuchte die Schwangere ebenfalls.
„Gnä Frau,“ sagte er, „dösmal saans Zwilling. Aber ’s pressiert nöt.“
Und reiste ab.
Kaum war er weg -- vier Uhr nachmittag -- da kam der erste Junge.
Der Gemeindearzt ließ ihn baden, tuschierte ihm die Augen -- setzte
sich ans Bett und wartete.
Wartete bis fünf. Bis sechs. Bis Mitternacht. Bis zum Morgen.
Nichts. Absolut nichts.
Mittags bekam der Physikus von Gutta folgendes Telegramm:
„~ein bub da wöchnerin ansonsten leer was tun gemeindearzt.~“
Des Leibburschen Rat
„Fuchs, jewöhn dir keene Fremdwörter an; wenn de besoffen bist, kannst
de se nich aussprechen.“
Erziehung
Ich bleibe dabei: nur eine gute Kinderstube gibt uns Fond fürs Leben.
Baron Frimmel, Oberleutnant Berghammer -- aber in Zivil -- und ich --
wir gingen einmal im Prater spazieren. Eigentlich kein Spaziergang,
sondern ein Gewaltmarsch zum Zweck des Lokalwechsels -- drei Uhr früh
-- und wir hielten einander um die Schultern gefaßt, um nicht den
Anstrengungen des Tages zu erliegen.
Drei Uhr früh. Frimmel hatte eine Dogge mit, Berghammer einen
Gummiknüppel, und ich etwas Jiu-jitsu.
Hierauf wurden wir verhaftet, weil der Raseurgehilfe Kamillo
Lendecke (ledig, katholisch, Novaragasse 26) mehrfache Verletzungen
davongetragen hatte.
Vom Augenblick der Verhaftung an hatten wir kein Wort miteinander
gewechselt.
Trotzdem sagten wir, einzeln befragt, übereinstimmend aus: Lendecke
habe sich, unserm gütlichen Zureden zum Trotz, mit dem Kopf in einen
Zaun von Stacheldraht gelegt.
Die drei identischen, mit ruhiger Sicherheit vorgetragenen Aussagen
bewirkten denn auch unsre Freilassung.
Und wir hatten uns doch gar nicht verabreden können.
War auch nicht nötig. Was ein taktvoller Mensch ist, wird sich in
jeder, noch so diffizilen Lebenslage richtig zu benehmen wissen.
Unberührte Naturzustände
„Sehn Se: die Amerikaner haben ihren Yellestonnationalpark; un wir in
Deutschland haben die beiden Mecklenburg.“
Väterlicher Rat
„Du bist nun alt genug, mein Sohn -- sieh dich um eine Frau um!“
„Um wessen Frau, Papa?“
Ehestand
„Also sieh nur, in was für Ungelegenheiten du mich bringst, Melanie!
Jetzt muß ich mich mit meinem besten Freund schießen.“
Verwandtschaft
„So -- das also sind Ihre Brüder. Und die Dame? Ist wohl eine
Schwägerin?“
„Nein, eine Norwegerin.“
Cetinje
Als der König von Italien zum erstenmal bei seinem Schwiegervater
in Montenegro einzog, Nikolaus dem Ersten -- hei, war das ein
Empfang! Jung und alt begeistert -- und Viktor Emanuel warf Gold- und
Silbermünzen in die Menge.
Viktor Emanuel sah nach seinem Schwiegervater, um ihm zu danken -- --
kein Nikolaus weit und breit.
Nikolaus hatte sich unters Volk gemischt und balgte um die Münzen.
Provinz
Der Dirigent hat mit seiner Kapelle geprobt.
„Es geht vorzüglich, meine Herren,“ sagt er, „ich bin sehr zufrieden.
Nur eins: es ist ~D~-Dur, meine Herren -- ~D~-Dur, nicht ~G~-Dur.“
Bohême
„Hast du alles eingepackt, Mieze?“
„Ja. Nur den Kamm hab ich dir draußen gelassen. Du wirst ihn vielleicht
noch brauchen.“
„Ich bin doch nicht wahnsinnig, daß ich mich zweimal kämmen werde.“
Unterricht
Einmal in der Kadettenschule fragte mich Oberleutnant Zwertschek,
Lehrer der deutschen Sprache:
„Zeegling! Was fir ein Unterschied is zwischen den Zeitwertern
‚bekommen‘ und ‚erhalten‘?“
Ich sagte: ‚bekommen‘ und ‚erhalten‘ -- eins wär wie das andre.
„Schlecht,“ sagte Oberleutnant Zwertschek, „es is nicht dasselbe. Denn
bekommen kann man bald eine Frau; aber darum muß man sie nicht gleich
erhalten.“
Basel
Ich fragte:
„Hierzuland nennt man die Kellnerinnen Saaltöchter?“
„Sie irren,“ sagte mir ein Kenner. „Saaltochter und Kellnerin ist
nicht dasselbe. Die Kellnerin kann man nachher sitzen lassen -- die
Saaltochter muß man heiraten.“
Der Ehelustige
„In erster Linie kommt et uff ene diskutable Mitjift an; det Licht im
Schlafzimmer kann man ja abdrehn.“
Verbrecherfang
Der Diplomat muß Komplikationen einfach aus der Welt zu schaffen wissen.
Einst bekam der russische Gesandte in München einen ziemlich lästigen
Auftrag aus Petersburg: er sollte den Untertan Ossip Nikolajewitsch
Bninski verhaften lassen; als welcher Bninski zurzeit im Münchner
Orpheum als Damenimitator auftrete und bezichtigt sei, in seiner Heimat
etliche Taschendiebstähle verübt zu haben.
Wenn Bninski verhaftet wird, muß der Gesandte die Auslieferung
betreiben. Endlose Schreiberei steht bevor -- ein Zustand, der mit
allem Herkommen der Diplomatie auf das peinlichste kontrastiert.
Nach einiger Überlegung begaben sich Seine Exzellenz ins Orpheum
und ließen sich diesen Bninski vorführen; wobei Seine Exzellenz die
Brieftasche unaufhörlich mit der Hand festhielten.
Hierauf verschwand Bninski, von dem humanen Gesandten freundschaftlich
gewarnt, nach Salzburg.
Bei seiner Ankunft in Salzburg wurde er verhaftet -- auf Grund der
Anzeige der Münchener Gesandtschaft.
Und die Auslieferung hatte der russische Botschafter in Wien zu
betreiben.
Der verlorne Sohn
„Papa,“ sprach der Jüngling, „es ist mein unumstößlicher Wille: ich
werde Literat.“
Der Herr Hofrat antwortete: