Von bösen Ahnungen getrieben, suchte Krottinger sie im Hotel

Westminster und erhielt durch Bestechung der Dienerschaft Zutritt in

ihr Zimmer.

Frau Krottinger war nicht allein, sondern lag zu Bett.

„Gott, Männchen,“ sagte sie, „ich hatte sonne Kopfschmerzen ...“

Technik

Ich zeigte dem jungen Grafen Mollnow das neue Automobil.

Er fragte:

„Welches System?“

„Darraque.“

Da sprach er nachdenklich:

„Mein Bruder hat einen Benzwagen. Ich habe übrigens gar nicht gewußt,

daß man das Zeug auch mit Arrak treiben kann.“

Taxe

Sofia ist eine ungemein interessante Stadt. Ich durfte dort auch einer

gruseligen Geheimsitzung der makedonischen Komitadschi beiwohnen. Ich

war Zeuge, wie vierzehn Todesurteile gegen Verräter und politische

Gegner gefällt wurden.

Nach der Sitzung kreiste ein Teller -- man sollte Beiträge stiften für

die Komiteekasse.

Ich stiftete zehn Franken.

„Verzeihung,“ sagte der Präsident, „Sie müssen noch vier Franken

zulegen; der Eintrittspreis beträgt einen Frank per Todesurteil.“

Das vornehme Regiment

„Lieber Fähnrich, ich habe dich gestern mit einem Neunerulanen sprechen

sehen. Bitte, sei etwas wählerischer! Für einen Siebzehnerhusaren ist

ein Neunerulan kein standesgemäßer Verkehr.“

Ein Irrtum

Herr Kommerzienrat Löwinger führte mich auf seinem Besitz um. Wunder-,

wunderschön -- die Villa und der Park.

Im Park zeigte er mir seine neueste Erwerbung, „was er in Rom gekauft

hat: de Wölfin, wie se grad säugt ’n Romeo un de Julia.“

Soldatenleben

Ich stand einst, im Manöver wars, auf der Dorfstraße und blickte in die

Ferne.

Da sah ich -- weit unten irgendwo -- aus einem Tor einen Infanteristen

rausfliegen. Offenbar durch einen Fußtritt befördert. -- Na, so was

kommt ja vor.

Nach einer Weile -- was fliegt aus demselben Tor? Ein Infanterist.

Und eine Minute darauf ein dritter.

Ich fragte einen Unteroffizier:

„Um Himmels willen, was geht denn da unten vor?“

„Nichts besondres,“ sagte er. „Da hält unser Herr Regimentsarzt

Krankenuntersuchung.“

Der Skeptiker

Ein Hauptmann in Berlin schenkte seinem Offizierburschen ein Billett

für den Zoologischen Garten.

„Na, Krischpinski,“ fragte der Hauptmann am Abend, „wie hat’s dir denn

da gefallen?“

Krischpinski lächelte überlegen.

„Schwiendel, Cherr Chauptmann. Alljes Schwiendel. Ssolche Tiere in

Wirkljichkeit gibts garr njicht.“

Die Patrioten

Am 27. Oktober 1866 -- Österreich hatte kurz vorher Venedig an Napoleon

III. abgetreten -- kam es zu einer Volksabstimmung über die Frage: ob

Venedig an Italien fallen sollte oder nicht.

Es entschieden sich

für Italien 681758 Stimmen,

für Österreich 69 Stimmen.

Es ist einwandfrei festgestellt, daß jene 69 Freunde Österreichs

Uniformschneider waren, die noch große Vorräte von dunkelblauem Tuch

liegen hatten.

Dichtkunst

Der Herr Präsident würdigte mich einiger leutseliger Worte.

„Sie sind wohl ’n Künstler?“

„Jawohl, Herr Präsident; Schriftsteller.“

„So. Na -- und was schreiben Sie denn?“

„Für die ‚Jugend‘ ...“

„Ach -- ene männliche Thekla v. Jumpert?“

Der Käufer

„Bitte, zeigen Sie mir mal Armbänder! Aber ganz was billiges -- es ist

für meine Frau.“

~A. E. I. O. U.~

Dereinst verbot die Wiener Zensur ein Stück von mir und Väterchen

Rößler.

Ortskundige rieten uns: wir sollten uns beschweren gehen.

Wir gingen auf die Statthalterei.

Ein wilder Regierungsrat empfing uns.

Und schrie:

„Beschwerde?? Schön. Aber das sag’ ich Ihnen: Ihr Stück wird nicht

aufgeführt werden, solang Österreich steht.“

Da sagte Väterchen Rößler:

„Gut, dann warten wir halt noch die paar Wochen.“

Der Ausweg

Als Kulicke (~Vandaliae~) das ~Delirium tremens~ kriegte, hatten wir

im Sanatorium unsre liebe Not mit ihm. Er wollte durchaus kein Veronal

nehmen.

Zum Glück war unter den Assistenzärzten ein alter Korpsier. Er brummte

dem Patienten einen Bierjungen, und die Sache war gemacht.

Scharfes Manöver

„Herrgott, heut muß a hohes Tier hier sein. Heut riechen sogar die

Exzellenzen nach Schweiß.“

‚~LERNE ZU LEIDEN OHNE ZU KLAGEN~‘

-- so lautet die goldne Inschrift an der Gedächtniskirche.

Eines Tages löste sich einer der goldnen Buchstaben, das ~K~, irgendwie

ab. Der Pastor ließ einen Maurer holen und gab ihm den Auftrag: die

Inschrift in Ordnung zu bringen.

Am nächsten Tag las man:

‚~LERNE ZU KLEIDEN OHNE ZULAGEN~‘.

Der Fremde

Der selige Schönaich saß einst in Karlsbad auf einer Bank am Ufer der

Tepel.

Da kam ein Fremder und setzte sich dazu.

Lange blieb der Fremde stumm.

Endlich sprach er:

„De Brück is ä Glück über dem Wasser.“

Und ging.

Der selige Schönaich hat bis an sein Ende der Bedeutung jenes

Ausspruchs nachgesonnen.

Fragment

Gebildete Menschen sprechen leise -- -- weil man das nicht laut

erzählen kann.

Das Reiseabenteuer

Major Wandel fuhr von Krakau nach Wien.

Unterwegs stieg ein Mann mit Ringellöckchen ein.

Der Mann breitete zahlreiche Zeitschriften vor sich aus: Berliner,

Wiener Journale, illustrierte Blätter und ein Fachblatt für Aviatik.

Und der Mann las.

Der Herr Major langweilte sich, gähnte, streckte sich, rauchte und

dachte:

„Dieser Mann ist ein Jud. Aber offenbar ein besserer: er fährt erster

Klasse und interessiert sich für das Flugwesen. Ich werde ihn anreden.“

„Na,“ sagte der Herr Major leutselig, „jetzt kommt ja bald die Zeit, wo

wir beide fliegen werden.“

Darauf der Mann erstaunt:

„Beide fliegen? Haben denn Sie auch nur ä Billett dritter Klasse?“

Der Dolmetsch

Instruktionsstunde bei Molinariinfanterie in Budapest.

Der Herr Hauptmann:

„Soldaten! Disziplin ist die schwellende Knospe, aus der die köstliche

Rose Subordination sprießt. Feldwebel, übersetzen Sie das ins

Ungarische!“

Geschäft

Als ich noch in Essegg diente, mußt ich einmal ein Pferd verkaufen und

verkaufte es einem Mann mit Namen Kuhner.

„Was?“ riefen die Thebaner, „Kuhner haben Sie ein Pferd verkauft? Von

dem kriegen Sie niemals Geld.“

Nachmittag kam Kuhner und zahlte den Kaufpreis bei Heller und Pfennig.

Er machte runde, gerührte Augen dazu und sagte:

„Wissen S’ -- es is nur wegen ein andresmal.“

Liebeserklärung

„Fräulein, ich bete Sie an. Verraten Sie mir, wo und wann Sie wohnen.“

Der Grenzer

Ich sah bei Leutnant Wukowitsch -- der doch, bei Gott, kein

Multimillionär ist -- eine prachtvolle Uhr.

„Ja,“ sagte er, „die Uhr ist schön. Mein Großvater, Korporal

Wukowitsch, hat sie im Jahr 48 beim Sturm auf Mailand zum Geschenk

bekommen.“

Nachruf

Kurz vor dem Weltkrieg ist in Skutari Monsieur Ibrahim Popowitsch

gestorben.

Nach einem bewegten Lebenslauf (er war von Geburt Serbe und hatte sich

aus einem frommen Moslem zum glaubenseifrigen Katholiken entwickelt) --

nach schrecklichen Anfeindungen seiner Mitbürger (die sieben Völkern

angehören) endete Popowitsch als einer der mutigsten Vorkämpfer

Österreichs auf dem Balkan.

Monsieur Ibrahim Popowitsch war die österreichische Partei in Albanien;

er war jene ungeheure Volksmenge, die an habsburgischen Festtagen

jubelnd und huldigend vor dem österreichisch-ungarischen Konsulat

wogte; er trug jene vielberufene Sehnsucht der Balkanvölker nach dem

österreichischen Befreier im Herzen.

Und all das für einen Ehrensold von 2 ~K~ 30 ~h~ täglich. Möge die Erde

seiner vielgeprüften Asche leicht werden!

Einquartierung

„So’n Manöver ist wohl sehr anstrengend, Herr Leutnant?“

„Im Dienst nich mal -- da jiebt es Rasttage. Aber täglich ne andre

Familie amüsieren.“

Ein Mißverständnis -- nichts weiter

Vor vielen Jahren einmal forderte der Regierungspräsident in Breslau

von einem seiner Landräte Bericht ein über Herrn v. Wozinski.

Der Landrat schrieb:

Wozinski sei ein untadeliger Ehrenmann, doch eine Poloniusnatur.

Hierauf ließ der Regierungspräsident Herrn v. Wozinski rufen; und sagte:

„Mein lieber Herr, ich muß Sie dringend ersuchen, Ihre politischen

Quertreibereien einzustellen. Ich dulde in meinem Amtsbereich keine

Poloniusnaturen. ~Finis Poloniae~, mein lieber Herr!“

Bewunderung

Mein Freund Fedor Dawidowitsch ist Maler.

Einst saß er -- auf dem Land, in der Nähe von Kiew -- vor seiner

Staffelei und pinselte einen Sommermorgen.

Da kamen die Bauern und guckten ihm zu und staunten.

„Väterchen,“ riefen sie, „was mußt du Prügel bekommen haben, eh du dies

Handwerk erlernt hast!“

Entgegenkommen

Gestern kam Kornauer zu mir (der Schwankdichter Kornauer, nicht der

Fahrradhändler) -- legte mir den Stoff zu einem neuen Lustspiel vor und

fragte mich: ob ich mit ihm in Kompagnie gehen wolle?

Ich las das Ding und sprach:

„Herr Kornauer, Ihr Stück wird Aufsehen erregen. Eine verteufelt

wirkungsvolle, köstlich originelle Fabel. Reizend, packend,

interessant. Aber -- mit Ihnen daran arbeiten kann ich nicht. Denn

die Art, wie Sie Probleme stellen und lösen, widerspricht meiner

Lebensanschauung.“

„Ach, wenn Ihnen sonst alles paßt,“ sprach Kornauer mild und höflich,

„-- meine Lebensanschauung kann ich gern in dem von Ihnen gewünschten

Sinn ändern.“

Handel

Unlängst bekam ich eine Preisliste aus Galizien:

Schöne hübsche Suppenkrebse Dtzd. 12.10

Feinste beste Tafelkrebse „ 13.50

Soloware, prima springlebig „ 15.00

Hochsolo primissima staunenswerte

Wundertiere „ 16.00

-- dieselben mit zwei Scheren „ 16.60

-- dieselben wirklich lebend „ 17.20

Das Kunstwerk

Der Sekretär der Alten Galerie in Palermo, mein lieber Freund, kam

eines Morgens merkwürdig aufgeräumt daher.

„Denk dir,“ rief er, „einer unsrer Tintorettos hat sich als echt

entpuppt.“

„Und?“

„Und nun verkaufen wir ihn nach London.“

Am nächsten Tag kam er wieder und seufzte:

„Ach, es war nur Täuschung.“

„Und?“

„Und nun geht er nach Berlin.“

Fragment

Religion ist die Aktie eines riesenhaften Syndikats. In Zeiten der Not

schneiden die Gläubigen Coupons ab.

Hoffnung

Ich besuchte in Berlin meinen Verleger.

Wie denn meine Bücher gingen?

„Gott,“ sagte er, „soso lala. Aber ich verliere den Mut nicht. Sehen

Sie, Bierbaum wird erst gekauft, seit er tot ist. Auch Ihre Zeit wird

kommen, lieber Roda!“

Und er sah mich mit zuversichtlichen Augen an.

Junggesellenleben

Die nervösen Anfälle meiner Tante haben mich eines Tages in eine

ziemlich peinliche Lage gebracht.

Tantchen besuchte mich -- ich lebte damals in Graz -- und bekam

ihren nervösen Anfall. Ich räumte ihr sofort mein Schlafzimmer ein,

verdunkelte es und bat Tantchen, ein wenig zu ruhen. Ich würde

unterdessen arbeiten -- meine Maschinschreiberin kommt um zehn Uhr.

Um zehn Uhr kam meine Maschinschreiberin. Huschte auf leisen Zehen

gradenwegs in das verdunkelte Zimmer und drückte einen warmen Kuß auf

Tantchens zitternden Mund.

Der Richter

„Heute war bei uns ein Mann angeklagt wegen Beleidigung des

Herrn Ministers. Wir mußten ihn verurteilen. Wir haben ihm aber

unwiderstehlichen Zwang zugebilligt.“

Frühling

Das Fräulein:

„Sie sind ja ein so gewandter Mensch, Herr Pfleiderer: raten Sie mir,

wie ich mich Ihrer erwehren könnt.“

Die Methode

Eines Tages wollte der Herr Primararzt auf Urlaub fahren. Ließ den

Assistenten kommen und sagte ihm:

„Sie, Doktor Grünfeld -- der Mann da im dritten Bett wird morgen

sterben. Er hat eine ungemein interessante Leber -- bitte, präparieren

Sie mir sie heraus und härten Sie sie in Formalin -- ich brauche die

Leber nächste Woche zu einer Vorlesung.“

Und dann fuhr der Herr Primararzt.

Als er nach acht Tagen wiederkam, war seine erste Frage:

„Grünfeld! Wo ist meine Leber?“

„Entschuldigen, Herr Professor -- der Mann lebt.“

Da wurde der Primararzt aber wild.

„Natürlich,“ schrie er. „Den haben Sie wieder nach eigenem Kopf

behandeln müssen.“

Fragment

Es gibt nur einen wirklich guten Detektiv: die Dummheit der Verbrecher.

Kriegsrecht

„Der Mann weiß etwas über uns. Hängen wir ihn auf!“

Bildungsdrang

Mein Vetter kam als Einjähriger zu Sardiniendragonern. Da fragte ihn

der Schwadronschef:

„Sie sind Archäolog, Einjähriger? Wo haben Sie denn studiert?“

„In Berlin, Herr Rittmeister, in Paris, Wien, London und Rom.“

„Na, hören Sie, Einjähriger -- dieses Herumvagabundieren wirft aber

nicht grade das günstigste Licht auf Ihren Charakter.“

Beleuchtung

Ich trat um elf Uhr abend ins Restaurant. Kein Mensch mehr da.

„Kellner, eine Pulle Sekt!“

Er knipste die Beleuchtung an, verbeugte sich und sagte:

„Eine Pulle Sekt -- jawohl -- bitte sehr.“

„Halt, Kellner! Kann ich nicht eine halbe Flasche haben?“

Er drehte stumm die Hälfte der Lampen ab.

Der Damenschneider

„Einer schönen Frau kreditiere ich gern. Sie trägt die Sicherstellung

in sich.“

Der Menschenfeind

Als ich noch in Essegg diente, hatten wir einen Hauptmann, der war ein

überzeugter Junggeselle.

Einmal, beim Batterierapport, sagte er einem Ersatzreservisten:

„Sie sind Familienvater -- nicht wahr? Möchten heute bis zwölf Uhr

nacht ausbleiben -- nicht wahr? Ein kleines Liebesabenteuer während

der Waffenübung -- was? Krank werden, heimkommen, Frau und Kinder

unglücklich machen -- he? Ja, mein Lieber, ja, gern. Ich gebe Ihnen die

Erlaubnis bis zwölf Uhr, Sie Schwein!“

Fragment

An Deutschlands politischem Verfall ist Ein Mann schuld: du.

Süd und Nord

Wir erörterten im Café ein beliebtes Thema: die künstlerische Kultur

von Wien und Berlin.

„Segen S’,“ sagte Mitterhuber, „ein ungeheurer Unterschied is scho:

wann in Berlin a Künstler verhungert, kümmert sich ka Mensch um eahm;

in Wien, wanns passiert, stengen Hunderte um eahm herum und bedauern

eahm, mit die Händ in die Taschen.“

Der Ehrliche

„Herr Graf, Sie schulden mir seit Monaten zwanzigtausend Mark. Da wärs

doch endlich an der Zeit, daß Sie mir wenigstens einen Wechsel über die

Summe ausstellen. Das Formular hab ich gleich mitgebracht.“ --

„Mit Vergnügen, Herr Silberstein. Aber ich mache Sie aufmerksam: solch

ein Formular kostet fünf Mark. In dem Augenblick aber, wo ich meine

Unterschrift darauf gesetzt habe, ist es völlig entwertet.“

Gesellschaft

„Heute geben wir ein Souper. Zwanzig Menschen kommen. Achtzehn davon

sind mir verhaßt.“

Die Zelebritäten

Als Maxim Gorki die Nachricht von Tolstois Tod empfing, fiel er in

Ohnmacht -- und als man ihn laben wollte, weigerte er sich, Nahrung zu

sich zu nehmen.

Man erzählte diesen Vorgang dem großen Gabriele d’Annunzio.

Er rief:

„Himmelherrgottsakra -- diese Komödie habe doch grade ich aufführen

wollen.“

Willi

Wir jagen unserm Willi nach -- er soll doch heute den Glückwunsch an

Onkel Ulrich schreiben.

„Fällt mir nicht ein,“ sagt er frech.

„Aber, Willi! Wo Onkel Ulrich immer so freundlich gegen dich ist? Erst

gestern hat er dir das schöne Schiff geschenkt. Da müßtest du dich wohl

sehr schämen, ihm nicht gratuliert zu haben.“

„Ach was,“ sagt Willi, „eh ich mich hinsetz und zwei Stunden schreib --

lieber schäm ich mich.“

Christentum

Auf der Villa meines Freundes steht ein hübscher Hausspruch:

„Tritt in Jesu Namen ein,

Und du wirst willkommen sein.

Bist du arm und bist du reich --

Uns gilt es gleich.“

Und darunter:

„Betteln und hausieren verboten.“

Literatencafé

„Was halten Sie von unserm jüngsten Dichter?“

„Eine schwache Begabung -- alles nur halb, nichts ganz. Nicht einmal

ganz talentlos ist er.“

Das Geschenk

Wir berieten, was wir Tante Laura zum Geburtstag schenken sollten, und

konnten nicht übereinkommen.

„Wißt ihr -- was?“ schlug ich vor. „Tante Laura soll sich einfach

selber was wünschen.“

Sie zierte sich lang.

Endlich sprach sie:

„Ihr lieben Kinder -- wenn es wirklich sein muß -- und wenn ihr

durchaus wollt -- und wenns nicht zu teuer ist -- so möchte ich gern

einen kompletten Beethoven.“

„Aber Tantchen,“ rief ich, „was fängst du mit einem kompletten

Beethoven an? Du bist ja gar nicht musikalisch.“

„So?“ sagte Tantchen ganz verdutzt. „Ist das Musik? Ich dachte, es wäre

ein heizbares Betpult.“

Fragment

„Feurig von Ideen brennen

Ist Dalles.

Ihren praktischen Wert erkennen

Ist alles.“

Einer nach dem andern

Mein Freund Pick war auf der Jagd in Ödenburg.

Plötzlich, beim ersten Trieb, kriegt Pick ein paar Schrote an die Beine.

Pick lacht und sagt seinem Nachbarn, einem Husaren:

„Herr Rittmeister, wann S’ mi umbringen wollen, müssen S’ scho a

wengerl höher halten.“

Beim zweiten Trieb prescht der Rittmeister dem Pick eine in den

Lodenrock.

Krawall: Pick verbittet sich das -- der Husar wird unartig. Andre

Herren suchen zu vermitteln.

„Nein,“ sagt Pick, „i will mich mit ihm schießen. Aber jetzt komm i

dran -- er hat schon zweimal geschossen.“

Die Juristen

„Herr Kandidat, legen Sie mir den Unterschied dar zwischen

Privatehrenbeleidigung und Majestätsbeleidigung.“

„Bei Majestätsbeleidigung darf man nicht den Wahrheitsbeweis führen.“

Die Sprache des Berufes

„Ist Ihre Braut brünett, Herr Rittmeister?“

„Nee -- Schweißfuchs, stark stichelhaarig.“

Die Kur

Mein Freund Peter trinkt ein wenig. Da quälten die Tanten ihn so lange,

bis er sich zu einer Entziehungskur bequemte.

„Wieviel Wein konsumieren Sie täglich?“ fragte der Anstaltsarzt.

Freund Peter pflegt fünf Flaschen zu trinken, sagte aber

vorsichtshalber: zehn.

Hierauf gab man ihm eine Woche lang acht Flaschen, dann sieben und

sechs.

Als er wieder bei fünf angelangt war, seiner alten Tagesgebühr, wurde

er gebessert entlassen.

Die babylonische Witwe

„Edgar,“ sprach sie, „du hast mich vor meinem Personal kompromittiert

-- wenn du ein Ehrenmann bist, wirst du mich heiraten.“

„Kind, genügt es nicht, daß du das Stubenmädchen wechselst?“

Der Vater

„Siegfried, mein Kind, deklamier ämal das scheene Gedicht, was anfangt

mit: Wie? Wos? Wo?“

„Vater, meinst du: ~Vivos voco, fulgura frango~ ...?“

„Ja, mein Kind.“

Die Königin

Einmal gabs in Wien ein ‚Rosenfest unter dem Protektorat Ihrer

Kaiserlichen Hoheit der Durchlauchtigsten Erzherzogin X...‘ (der Name

ist mir entfallen). Man wählte eine Rosenkönigin und umgab sie mit

einem Hofstaat von vierundzwanzig jungen Damen der Gesellschaft.

Bald aber stellte sich heraus, daß die Rosenkönigin von Wien niemand

anders war als die bekannte angestrichene Anna von der Kärntnerstraße.

Wieder ein Beweis, wie sehr die Professionals den Amateuren überlegen

sind.

Erpressung

„Frau Rummel, um Himmels willen, Sie kriegen a Kind? An ehrsame Wittib

-- in Ihrem Alter?“

„Von meinem Zimmerherrn, dem Gauner. Wann i net mag, sagt er, ziegt er

aus.“

Versorgung

„Sie in Ihren Greisenjahren reisen noch ins Bad?“

„Ich bin ja hier als ältester treuer Kurgast engagiert.“

Fremdenverkehr

Ich fuhr mit Mr. Smith nach dem Hofbräuhaus.

Mr. Smith ließ sichs nicht nehmen, die Droschke zu bezahlen.

„Uiviel?“ fragte er.

Der Kutscher sagte:

„92 M. 50.“

„Aber der Taxameter beueist 71 M. 80.“

Gut, 71 M. 80.

Eh er wegfuhr, fragte mich der Kutscher:

„Jetz wieso kann der Engländer dö deutschen Ziffern lesen?“

Literatur

„Hüten Sie sich vor geistiger Arbeit.“

„Oh, da feit si nix, Herr Dokter -- i bin Dialektlyriker.“

Die Presse

Redaktionssitzung der ‚Wiener Tagespost‘. Sie galt einem wichtigen

Tagesereignis, dem Hirtenbrief des Kardinals.

Der Herr Chef befahl dem Volontär:

„Isidor, rufen Sie erein den Portier! Denn warum? Mir kennen uns in

Kirchenangelegenheiten doch nix aus.“

Balkan

Mein Freund Kromar und ich durchquerten einmal Montenegro.

Da kamen wir zu einem Wojwoden und blieben bei ihm.

Wir fühlten uns wohl. Schnaps, Brot, sogar Fleisch -- nichts fehlte zu

unserm Glück.

Nur störte mich, daß der Wojwode meinen Freund auffallend bevorzugte.

Er redete ihn ehrfurchtsvoll an, mich aber duzte er.

Warum?

„Ja,“ sagte der Wojwode, „dein Freund Kromar ist ein vornehmer Herr, er

kann nur deutsch. Du aber? Dich verstehe ich. Und ich weiß, was ich von

Leuten zu halten habe, die meine Sprache reden.“

Der Lebemann

„Herr Silberstein, warum heiraten Sie nicht -- ein so strammer, junger,

reicher Mann?“

„Stramm, jung und reich -- das sind doch drei Gründe, ledig zu bleiben.“

Das Rassemerkmal

„Sie sind Schwedin, Gnädigste? Wann waren Sie mit Strindberg

verheiratet?“

Die Gnädige

Herr Willibald Dräsicke, Fabrikant aus Hannover, kam in sein Berliner

Stammhotel und sprach:

„’n Zimmer!“

„Ein oder zwei Betten, Herr Dräsicke?“

„Zwei. Meine Frau kommt mit dem Nachtzug aus Hannover nach.“

„Können wir der Gnädigen vielleicht nach ihrer Ankunft gleich das

Zimmer anweisen? Wie sieht die Gnädige aus? Blond? Schwarz? Klein?

Groß?“

„Donnerwetter,“ sagte Dräsicke, „das kann ich doch jetzt noch nich

wissen.“

Sport

„Polo spielen muß net a jeder Gebildete; aber Reschpekt vor an

Polospieler muß a jeder Gebildete haben.“

Anthropologie

„Herr Professor haben den Winter in Borneo verbracht?“

„Ja -- wir haben Grabungen veranstaltet, um das Zwischenglied zu finden

zwischen Menschen und Affen.“

„+Unter+ der Erde?“

Regierungskunst

Der Bezirkshauptmann von Lopatow in Ostgalizien erhielt von der

Statthalterei den Auftrag: ‚die ruthenische Propaganda im Bezirk zu

unterbinden, insbesondere auch dahingehende Volksversammlungen nach

Tunlichkeit zu verhindern‘.

Er erschien ein paar Tage darauf persönlich auf der Statthalterei.

„Nun, Herr Bezirkshauptmann?“

„Exzellenz, alljes georjdnet. Versammljungen schonj verbottjen.“

„Aus gesetzlichen Gründen?“

„Weggen Scharlach, Exzellenz.“

Der Statthalter atmete auf.

„Richtig, wir haben ja, Gott sei Dank, Scharlach. Für diesmal ists also

gegangen. Was werden wir aber nächstens tun, Herr Bezirkshauptmann?“

Da warf sich der Bezirkshauptmann in die Brust.

„Exzellenz,“ rief er, „so weitj verdinne ichj Ihren Vertrauen, daß so

lang ichj die Erre chabbe, zu sein Bezirkschauptmann von Lopatow, wirr

werrden immer chabben den nötigen Scharlach.“

Zensur

Man hatte mir in Wien ein Stück verboten.

Ich ging aufs Polizeipräsidium und sagte:

„Ich werde natürlich Einspruch gegen das Verbot erheben.“

Der Herr Polizeipräsident lächelte. Und fragte mich:

„Wie wollen Sie denn das machen?“

„Nun,“ sagte ich, „ich werde die Gründe des Verbots widerlegen.“

„Wissen Sie denn die Gründe?“

„Sie stehen doch in der amtlichen Entscheidung.“

Da lachte der Herr Polizeipräsident aber, daß er fast geborsten wäre.

„Mensch,“ rief er, „die amtliche Entscheidung enthält doch nur

Ausreden. Die Gründe behalten wir immer für uns.“

Der Rittmeister

„Kerl, Sie sind doch nicht der Schwadronskoch, daß Sie dreckig wie eine

Sau herumlaufen dürfen.“

1913

„In Berlin ham wa vier Genies: Scherl, Aschinger un Sudermann.“

Psychiatrie

Unlängst erhielt ich die Erlaubnis, die Landesirrenanstalt zu

besichtigen. Ich durfte durch alle Säle gehen und mit allen Kranken

sprechen.

Im siebenten Saal begegnete mir ein Mann in langem, grauem Kittel, mit

entsetzlich stierem Blick.

„Sie Armer,“ fragte ich ihn erschüttert, „wie lang sind Sie denn schon

hier?“

Er lächelte und sagte:

„Verzeihen Sie, ich bin der Anstaltsarzt.“

Ich war bodenlos verlegen und erschöpfte mich in Entschuldigungen.

„Oh, bitte, bitte,“ sagte der Vorstand, „eine solche Verwechslung kann

einem Fremden bei uns schon passieren. Die Ärzte in den Irrenanstalten

unterscheiden sich ja von den Patienten nur durch die Vorbildung.“

Diplomatie

Die Frau Legationsrätin erzählte mir:

„Der französische Botschafter hat uns zweimal nacheinander zum

Frühstück geladen. Wir müssen uns revanchieren.“

„Sie geben nun auch ein Frühstück, Gräfin?“

„Es macht zu viel Umstände. Wir werden Konzessionen in Persien machen.“

Die Flucht

Drei Insassinnen der Troppauer Irrenanstalt hatten beschlossen,

auszurücken. Sie schnürten ihre Bündelchen, legten sie gegen Abend an

die Gartenmauer -- und wenns dunkel wird, gehts los.

Eh es aber losging, flüsterte die gute alte Heubauerin:

„Warts noch ein bißl!“

Lief hinauf in die Direktion und sagte:

„Entschuldigen schon, Herr Primararzt -- ich küss die Hand. Un ich dank

auch scheen für alles Gute, was Sie mir erwiesen haben. Nämlich: mir

fliehen jetzt.“

Orientierung

„Herr Leutnant,“ rief der General, „Herr Leutnant, wo haben Sie Ihren

Kompaß?“

Ich erbleichte. Ich hatte keinen.

„Herr General, ich dachte ... bei dem klaren Wetter ... die Sonne stets

sichtbar ...“

„So,“ höhnte der Herr General, „die Sonne! Mensch, an der Sonne können

Sie höchstens erkennen, wo Süden ist -- aber niemals, wo Norden ist.“

Der Seßhafte

Das Personal des Hoftheaters war zu einer intimen Festvorstellung ins

herzogliche Schloß befohlen. Nach der Vorstellung: Tee und Cercle Ihrer

Hoheit, der Herzogin.

500 Schwänke · 第 5 / 8 段