„Die Wunder der heiligen Elisabeth.“
Alsbald kündigte auch der Bildungsverein von Asch einen Vortrag an:
„Die Wunder der heiligen Elisabeth.“
Sofort verbot die k. k. Bezirkshauptmannschaft den Vortrag des
Bildungsvereins:
„da zu befürchten ist, daß der Vortragende den Gegenstand, im Gegensatz
zu Seiner Hochwürden, vom Standpunkt des gesunden Menschenverstandes
aus betrachten werde.“
Fragment
Denken, um zu leben, ist schwer. Wer Grundsätze hat, lebt nach
Grundsätzen -- das ist leichter.
Die Gründung
In Berlin war wieder einmal ein Theater gebaut worden.
Wermes, der kundige Thebaner, verschaffte sich und mir Eintritt zur
Eröffnungsvorstellung.
„Amice,“ sagte Wermes nach dem zweiten Akt, „ich schlage vor: wir
gehen. Sonst kommen unsre Überzieher in die Konkursmasse.“
Administration
Ich fabriziere jetzt mein patentiertes Busol oriental -- Mittel zur
Erzeugung voller Körperformen.
Der Österreichische Diözesankurier schreibt mir:
„Wir bedauern, mit Rücksicht auf unsre seit jeher festgehaltenen
Grundsätze, welche absolut unumstößlich sind, Ihr Inserat nicht bringen
zu können, außer Sie würden selbes im doppelten Umfang und mindestens
sechsmal bei Vorausbezahlung aufgeben. Doch können wir mit Rücksicht
auf den unsittlichen Charakter des Inserats einen Rabatt nicht
eintreten lassen.“
Schmuck
„Gnädigste haben wunderschöne Ringe.“
„Lauter Erbstücke. Nur der Ehering wird von Zeit zu Zeit erneuert.“
Psychiatrie
„Der Baron, der die Wechsel gefälscht hat, wird jetzt auf seinen
Geisteszustand beobachtet. Glauben Sie, daß er für verrückt erklärt
wird?“
„Dazu ist die Familie doch nicht vornehm genug.“
Die Uniform
Der Fachreferent ‚zur Festsetzung der Normen für die neue
Feldadjustierung‘ beantragte eines Tages:
die Militärgeistlichkeit wäre, ebenso wie die Truppe, mit einer Uniform
zu versehen, die sich vom Gelände möglichst wenig abhebt -- um die
Herren Superiore und Kuraten nicht unnötigerweis dem feindlichen Feuer
auszusetzen.
Der Vorstand der 13. Abteilung des k. u. k. Kriegsministeriums trat den
Akt an das Apostolische Feldvikariat ‚zur Äußerung‘ ab.
Der Feldvikar antwortete:
„Die Geistlichkeit steht unter dem besondern Schutz Gottes. Man stimmt
gleichwohl dem Vorschlag des Fachreferenten zu -- da bei der übergroßen
Portée und Durchschlagskraft der modernen Feuerwaffen erhöhte
Schutzmaßregeln rätlich erscheinen.“
Heringsdorf
„Seh, Moritz, de Abendröte! Wie ä rosa Seidenkleid, was sich der Himmel
hat angezogen -- unten ä Spitzenvolant von Brandung.“
„Nu, Jetty -- un der Posten Möven is Schund?“
Riedmann
Eines schönen Abends, gegen fünf Uhr früh, als kein Café mehr offen
war, hielt Oskar Riedmann endlich Einkehr in sich selbst.
„Ich weiß,“ sprach er, „ich falle manchen Menschen zur Last -- man sagt
mir nach, ich drängte mich den Leuten der Gesellschaft auf. Aber warum
dränge ich mich auf? Weil das die einzige Möglichkeit ist, anständigen
Umgang zu haben. Denn wenn ich mich an die Leute halten wollte, die
gern mit mir verkehren -- sag selbst: in was für Kreise geriete ich da?“
Die Berufskrankheit
In Venedig lernten wir ein nettes Ehepaar aus Deutschland kennen --
doch die Frau war vom Reisen keineswegs entzückt. Sie wollte wieder
heimkehren.
„Et is so peinlich,“ sagte sie, „mit meinem Mann. Er war doch ehemals
~maître d’hôtel~ -- un wenn nu jemand an ’t Jlas kloppt, springt er
unwillkürlich uff un rennt hin.“
Ein schwerer Fall
„Moritz, ich höre, du hast dich taufen lassen?“
„Noch nich -- gestern haben se erst angefangen.“
Grenze
Als ich noch bei der detaschierten Division in Petrinja diente, da kam
uns einmal der Korpskommandant besichtigen.
Ein gütiger Herr, ein gescheiter Herr -- doch voller Schrullen. Er
wollte, zum Beispiel, daß die Leutnante in den Familien der ältern
Offiziere verkehren.
„Herr Major,“ fragte er, „besuchen die Herren Offiziere auch Häuser?“
„Jawohl, Exzellenz,“ sprach der Major, „die jüngern Herrän schon. Ich
als Stabsoffizier lasse die Mädchän zu mir kommän.“
Budapest
„Du bist lustig, Janosch?“
„Jaj, Zigeuner hot gespielt so schöne Lied -- hab ich ihm gleich
hundert Gulden geben; aber nicht bei mir gehabt.“
Die naive Mutter
„Is ’s wahr, Frau Huberin, Ihnere Tochter hat sich a Klaans aus der
Stadt bracht?“
„Ja. Sie sagt, in der Säuglingslotterie hat sies gewonnen.“
Begeisterung
Wir sahen uns die großen Kavallerieübungen an. Doch als Laie versteht
man nichts davon.
Zum Glück fanden wir einen fachkundigen Interpreten im Obersten
Kutschera, einem Soldaten mit Leib und Seele.
Er erklärte uns:
„Der Zweck dieser grandiosen Übungen ist die Entscheidung der Frage: ob
unsre Reiterei Anschnall- oder Anschlagsporen tragen soll. Beide Arten
Sporen haben ihre Vorteile und Nachteile. Wie nun die Entscheidung
auch immer lauten mag: wenn der Befehl des Allerhöchsten Kriegsherrn
uns einst aufs Feld der Ehre ruft, wird Seiner Majestät altberühmte
Kavallerie freudig ihr Leben opfern -- ob mit Anschlag- oder mit
Anschnallsporen, oberhalb oder unterhalb des Absatzleders -- für Kaiser
und Vaterland.“
Die Dichter
„Was bist du denn so verstimmt?“
„Ah -- schreib ich da ein Drama über den Einfall des Cortez in Mexiko
-- mit dem Kämmerer Montezumas als Hauptperson -- und weiß nun keinen
Titel für das Stück.“
„Nenn es doch einfach nach diesem Kämmerer.“
„Ha -- der Mann heißt: Axtixcazintacatecatl.“
Der Süden
Wir in Österreich hatten endlich ein Arbeitsministerium.
Seine Exzellenz der Arbeitsminister war von seiner Reise nach Dalmatien
eben hochbefriedigt nach Triest zurückgekehrt.
Hochbefriedigt. Denn was er gesehen, ist herrlich gewesen: Orient und
Okzident, Strand und See, alte Städte und Paläste, Fels und Schroffen,
Zypressen, Olivenhaine.
„Warum,“ rief er, „sollte man dieses Dorado nicht dem Weltverkehr
eröffnen können? Warum sollte sich der goldführende Fremdenstrom nicht
nach Dalmatien lenken lassen? Warum die erlesene Pracht ...“
Da sah er nach der Uhr -- er wollte ja den Zug erreichen.
Die Uhr stand still.
In das Räderwerk war eine Wanze geraten und lag zerquetscht darin.
Turf
„Johnny, ist es wahr? Sie starten morgen nicht?“
„Ich hab Urlaub genommen. In Familienangelegenheiten. Mein Bruder wird
gehenkt.“
Mädi
In Wien lernte ich ein wunderniedliches Mädel kennen. Wir verstanden
uns im Augenblick -- und solang ich in Wien blieb -- von Mittwoch früh
bis Freitag abend, 9 Uhr 30 -- waren wir Ein Herz und Eine Seele.
Als ich abreiste, nahm sie weinend Abschied.
Und sprach:
„Adieu, Herzischatz, adieu! Behalt mich in gutem Angedenken! Nie hab
ich vorher geliebt, nie werde ich nachher lieben.“
Ich streichelte ihr bewegt das Haar.
„Und, Herzischatz, sei nicht bös, wenn ich dir ein kleines Andenken
anbiete.“
Sie reichte mir drei silberbeschlagene Spazierstöcke.
„Mädi! Pfui! Wie darfst du dir Auslagen für mich machen? Und gleich
drei Stöcke!“
„Oh, die kosten mich nichts -- die hat man in der letzten Woche bei mir
vergessen.“
Degeneration
„Fräulein -- nicht wahr -- Sie haben doch ein Kind von dem Marquis? Wo
ist es denn geblieben?“
„Z’Haus hab ichs in einer Zigarrenschachtel.“
Der Schüchterne
Ein Gymnasiallehrer aus Leipzig war bei uns zu Besuch.
Wir gingen in den See baden und forderten ihn auf, mitzuhalten.
Er zierte sich.
„Das hätte ich vorher wissen müssen,“ sagte er.
„Aber warum denn, Herr Oberlehrer?“
„... Das erstemal im Jahr bade ich gern allein.“
Fragment
Wenn ein Stück Erfolg hat, freut sich nur Ein Dichter.
Wenn es durchfällt, freuen sich alle.
Satisfaktion
Auf der letzten Redoute kriegte Doktor Groß Händel mit einem Studenten;
tags darauf waren die Sekundanten da und drohten mit Pistolen.
„Meine Herren,“ sagte Doktor Groß, „vor vierzehn Tagen hätte ichs noch
getan. Denn ich bin im Punkt der Ehre sehr empfindlich. Aber seither
ist meine Tante gestorben. Und von einem so schönen Vermögen weg? --
Nein.“
Die Vorstellung
Seine Königliche Hoheit geruhten, sich den Leutnant Grafen Saiblingen
vorstellen zu lassen.
Der Prinz:
„Ha ... ha ... ha ...“
Der Leutnant -- schmetternd:
„Zu Befehl, Kö’liche Hoheit!“
„Aber ... ich habe ... doch noch nichts gesagt. ...?“
„Dachte, Kö’liche Hoheit beabsichtigten zu fragen, ob ich schon mal nen
Hamster geschossen habe.“
Die Dame
Unlängst ging ich von einer längern Vereinssitzung nach Haus und
bemerkte eine einsame schlanke Dame knapp vor mir.
Natürlich hängte ich mich in sie ein.
Da fiel ein Schein Gaslicht auf sie, und ich ließ sie erschreckt wieder
los.
„Ja,“ sagte sie wehmütig, „mir tuts auch sehr leid, daß ich schon so
alt bin.“
Fragment
Denkmal? Die einen brauchens nicht, die andern verdienens nicht.
Abendkunst
Im Kabarett zu vorgerückter Stunde. Ich kriegte Händel mit einem
Studenten, der da zehn Flaschen Wein getrunken hatte und sich danach
benahm.
Der Herr Kabarettdirektor ergriff Partei für meinen Gegner. Und ich
hätte angefangen. Und man verbäte sich das. Dieses wäre ein Kunstlokal
mit Andacht.
Ich bestellte drei Pullen Sekt.
Sofort schmiß man den Studenten hinaus.
Kunst
Pfisterer, der Marinemaler, hatte Beziehungen zum Ministerium. Die
gedachte er auszunutzen, um seine Kriegsflotte loszuwerden. Er bat
Seine Exzellenz, den ‚Iltis‘ anzukaufen und als Staatspreis für die
Yachtregatta zu stiften.
„Lieber Meister,“ sprach Seine Exzellenz, „als Staatspreis werden
grundsätzlich nur Wertgegenstände gegeben -- niemals Bilder.“
Irrenhaus
„Junger Mann -- Sie sagen also, Sie sind vernünftig? Nun, die erste
Aufgabe des Seelenarztes ist, Sie von diesem Wahn zu heilen.“
Die Huldigung
Klagenfurt in Kärnten ist die Heimatstadt eines großen, großen
Staatsmanns.
Als sein sechzigster Geburtstag herannaht, tauchen mannigfache
Vorschläge auf, wie das Stadtkind zu ehren wäre; doch da eine starke
Minderheit im Gemeinderat der Politik Seiner Exzellenz abhold ist, wird
man über eine ehrende Depesche schwer hinausgehen können.
Selbst an dieser Depesche nörgelt die Opposition -- bis endlich, nach
langwierigen Verhandlungen, folgende Kompromißfassung zustande kommt:
„Genehmigen Eure Exzellenz die tiefergebensten Glückwünsche Ihrer
in Liebe und Verehrung zugetanen Heimatstadt. Die hervorragenden
Verdienste Eurer Exzellenz, die Ihren Namen weit über unsre
Grenzen berühmt gemacht haben, erfüllen uns alle mit Stolz und
Ergebenheit. Wir erwarteten aber bestimmt, daß Eure Exzellenz Ihre
vaterlandsverräterische Tätigkeit nunmehr einstellen werden.“
Fragment
Bei der Unsterblichkeit ist es wie auf der Straßenbahn: die wenigsten
Passagiere fahren bis zur Endstation mit.
Die Großstadt
In Berlin ~W.~, Ulmenstraße, spielte sich jüngst ein Unfall ab, der
schreckliche Folgen hätte haben können, wenn die Beteiligten ihre
Geistesgegenwart verloren hätten.
Ein Droschkengaul war scheu geworden und rannte quer durch das
neugebaute Haus Nr. 60 in die benachbarte Maaßenstraße.
Infolge der heftigen Erschütterung fiel im vierten Stockwerk des
beschädigten Hauses der Rentier Kuleicke vom Stuhl und störte die
Leute zwei Treppen tiefer beim Mittagessen, indem er sich auf die
Suppenterrine setzte.
Zum Glück war der Hauswirt besonnen genug, sofort auf den Dachboden zu
eilen und helfend einzugreifen.
Denn -- wär auch noch die schwere Hypothek eingestürzt, die auf Nr. 60
steht -- die Hausbewohner hätten ihr Leben unter den Trümmern lassen
müssen.
Leidenschaft
Der Bezirkskommissär Wyhlidal hat eine Braut. Täglich schreibt er ihr
-- täglich versichert er ihr, daß er sie wahnsinnig liebe.
Und unterstreicht das Wort ‚wahnsinnig‘ immer zweimal mit dem Lineal.
Revidiert
Friedrich der Große wollte den Park von Sanssouci vergrößern, doch
der Nachbar, ein Müller, gab seinen Grund und Boden für den vom König
gebotenen Preis nicht her.
Erstaunt und empört rief der Große Fritz:
„Narr, der du bist! Wer wird dir mehr für deine elende Windmühle zahlen
als ich, dein Herr, der König von Preußen?“
Und der Müller fest und bescheiden:
„~Il y a des juifs à Berlin.~“
Gussy Holl
kennt einen Satz, worin vierzehnmal ‚Mühsam‘ vorkommt:
„Mir is vor Mühsam mieß am Montag, mir is vor Mühsam mieß am
Dienstag ...“
Szene
„Weib! Ich weiß, du bist mir untreu. Eines Tages werde ich dich
ertappen, werde rasen, werde dich und ihn töten -- und das Ende wird
der Kerker sein ...“
Sie -- lächelnd:
„Sei ruhig, Männchen -- du wirst mich nie ertappen.“
Amerika
In manchen Staaten der Union ist das Verfahren der Ehescheidung
ungemein ausgebildet.
Nach Dakota, zum Beispiel, braucht man nur zu depeschieren:
„Ankomme 7 Uhr 30 morgens. Mister and Mistreß Smith.“
Pünktlich um 7 Uhr 30 erscheint ein Standesbeamter auf dem Bahnsteig
und übergibt Herrn und Frau Smith je eine Heiratsurkunde. Bei Herrn
Smith ist der Name der zweiten Frau, bei Mistreß Smith der Name des
zweiten Mannes offengelassen. Man kann ihn sofort hineinschreiben --
der Beamte hat einen Tintenstift mit.
Die Freundinnen
„Rätst du mir zu getrennten Schlafzimmern?“
„Gewiß -- wenigstens, solang du noch Braut bist.“
Rätsel
Ein Satz mit ‚Furie‘:
Vurjen Freitag waren wir im Theater.
Ein Satz mit ‚Bestie‘:
Gestern hat mich meine Frau ~in flagranti~ ertappt.
Die Folgen
Meine Base, die Gertrud, war von Kind auf die eiternde Wunde am Körper
unsrer Familie.
Mit vierzehn Jahren wußte sie durch schamloses Gebahren die
Aufmerksamkeit eines Majors auf sich zu lenken, der gegenüber wohnte,
und ließ sich von ihm zum Kaffee einladen.
Mit fünfzehn Jahren hatte sie ihr erstes Verhältnis, mit siebzehn ein
Kind.
Dann sank sie immer tiefer in den Pfuhl der Sünde.
Jetzt ist sie dreißig Jahre alt und besitzt zwei Villen in Baden und
ein dreistöckiges Haus in Wien.
Schüttelreim
Herr Kohn hat mit der Mame Streit.
Und wer ist schuld? Die stramme Maid.
Der Meister
Ein Verleger in Wien plante einen sensationell illustrierten Faust. Er
wandte sich an Meister Pfisterer von der Sezession.
„Ja, hm,“ sagte Pfisterer, „kann i auswendi wissen, ob i ’n Faust
illustrieren kann? Da müßt i eahm zerscht gelesen ham.“
Der verlorne Sohn
Fritz Megedow machte seiner Mutter, Exzellenz von Megedow, viel, viel
Sorge.
Er verließ das Vaterhaus und trieb sich jahrelang, Gott weiß wo, umher.
Sogar in Argentinien soll er gewesen sein -- direkt als Arbeiter.
In Paris war er jahrelang Koofmich und in London Agent.
Kurz: scheußlich.
Nun ist er endlich zurück und hat ein Fräulein Veilchenstein geheiratet.
Man kann, Jott sei Dank, wieder mit ihm verkehren -- er lebt vom Gelde
seiner Frau.
Der Kummer
Wir waren auf Ankow zur Hochzeit geladen:
Kielows, Kerbows, die Malchensberger Pollnows ... kurz: halb Pommern.
Meine Frau teilte ein Zimmer mit der Braut.
Das Mädel wälzte sich schlaflos im Bett.
„Was ist dir denn, Trude?“ fragte meine Frau.
„Ach, ich soll doch nu morgen heiraten. Wie viel Schinken hat denn ’n
Schwein?“
Der Sprachlehrer
Vor dem Strafgericht von Cadiz sollte ein deutscher Gymnasiallehrer
Zeugenschaft ablegen.
Ein Dolmetsch für Deutsch war nicht aufzutreiben -- man fragte den
Zeugen, ob er sonst noch eine Sprache beherrsche.
Er sagte:
„Ich bin Lehrer für Französisch.“
Also holte man einen Franzosen.
Der Gymnasiallehrer schilderte nun den Hergang, dessen Zeuge er gewesen
war -- redete und redete ... Der Dolmetsch hörte zu und begann zu
schwitzen und schwitzte endlich Bäche.
„Herr Richter,“ preßte er hervor, „ich fühle, der Herr spricht eine Art
Französisch -- aber -- ich weiß nicht, was es ist -- ich verstehe kein
Wort.“
Da holte man eine Gouvernante herbei.
Die verstand das Französisch des deutschen Kollegen herrlich -- sie
hatte es auch aus dem Plötz gelernt.
Sommeraufenthalt
„Ekelhaft dieses Leben auf dem Land! Keine Zeitung, überall frischer
Luftzug. Sogar gute Betten gibts -- nicht einmal ärgern kann man sich.“
Der Laureat
In Wien beriet jüngst ein Komitee über die Verleihung eines
literarischen Preises.
„Wissen S’, meine Herren,“ sagte der Vorsitzende, „kan jungen Düchter
geben mir den Preis nöt -- denn wer waaß, was ’r no amal gegen d’
Regürung schreiben wird -- daß er uns am End blamürt. Sondern dem
Hofrat Hasenmichel geben mir den Preis, für seine ‚Vaterländischen
Gedichte‘. Der is halb blöd, der wird sei Überzeugung sicher nimmer
ändern.“
Medizin
Wir sind auf dem besten Weg zur Bekämpfung des Krebses -- eine
Freudenkunde, die nur darum nicht überrascht, weil wir von unsern
Ärzten nichts Geringeres erwartet haben.
Professor Tilow-Berlin hat hundert Patienten den Krebs künstlich
eingeimpft, und es ist ihm nach jahrelangen Bemühungen gelungen, mit
dem aus den hundert Patienten gewonnenen Serum ein Kaninchen zu heilen.
Luther auf dem Reichstag zu Worms
„In der Woche zwier -- ich kann nicht anders -- Gott helfe mir --
Amen!“
Der landeskundige Beamte
Als mein Oheim noch Bezirksadjunkt in Neutra war, stürzte eines Tages
der Handelsmann Moische Affenhaut in die Kanzlei und schrie:
„Helfen Se, helfen Se, um Gottes willen, Herr Adjunktleben -- draußen
hat mä zwaa Jüden derschlogen.“
Mein Oheim winkte, und der Heiduck führte den armen Moische in den
Kotter.
Nach einer Stunde ward Moische Affenhaut wieder vorgeführt.
„Nu, Moische,“ fragte mein Oheim, „wo sennen deine zwaa toiten Jüden?“
„Herr Adjunktleben -- der aane bin iach, ün der andre ward jeden
Augenblick kümmen.“
Literatencafé
„August Junkermann hatte einen Schlaganfall.“
„Was ’ne Reklame für ihn!“
Der Lebemann
„Bei uns in der Familie hat jeder einen Sport: der Otto spielt Polo --
der Ferdi sammelt Pfeifenköpf -- un i bin Diplomat.“
Wissenschaft
Solang sich Professor Kandeldorfer darauf beschränkte, sein
philosophisches System mit Hilfe des alten Wortschatzes vorzutragen,
kümmerte sich keine Katze um ihn.
Er fühlte das und änderte eines Tages seine Taktik.
Er nannte nun, was bisher Materie geheißen hatte, „die Quantitative“;
Bewegung -- „Ferment“; Absicht -- „Logos“; Wille -- „Exaltation“;
Verstand und Vernunft zusammengenommen -- „die psychische Vitalität“.
Heut ist Professor Kandeldorfer Mitglied der Akademie der
Wissenschaften, Ehrendoktor der Universitäten Oxford, Lissabon und
Tiflis und wird demnächst gegen einen gleichwertigen amerikanischen
Gelehrten ausgetauscht werden.
Das Museum
Eines Tages erhob sich der alte Rubens aus dem Grab und ging den
Rubenssaal des Hofmuseums besehen.
„Ganz hübsch,“ sagte er. „Aber sagen Sie, Herr Musealdirektor: wer hat
all das Zeug gemalt?“
Der Segen des Alkohols
„Pasting,“ seggt John Tollin, „Se hebben dor sihr schön gegen den
Alkoholgenuß spraken -- äwer dat lett sick nich bestriden, dat de
Alkoholgenuß ock sin goden Folgen hett.
Ick harr dor enen Matrosen up mine ‚Florida‘, Bob Janson, en utpicht
Luder, weeten Se, de drünk sin Pint up enen Tog -- dree morgens, twee
an’n Middag un dree abends. En verfluchte Listung, weeten Se, een
Imperial gallon Rum an eenen Dag.
Da förd nu mine ‚Florida‘ in ene Balje up -- Ünnerwaterleck -- un
hurra, alle Mann int Boot. Bloot min leewe Bob Janson nich, dee wär to
besapen, dat hee nich kunn.
Un wat meenen Se, wat dor geschüht, Pasting?
De Bargungsdamper kümmt un freut sick all up een Drüttel von de Ladung,
wil de Besatzung, weeten Se, all weg is.
Un as nu allens schön verstäut is, da fallt min leewe Bob Janson ut sin
Koje int koole Waater un waackt up un will mit sine Retters gahn.
Un dat Strandamt, weeten Se, hett seggt: Dat is keen Bergung na
Artikel twintig -- dat is en ganz gewöhnliche Hülplistung na Paragraf
sößunddörtig, denn de Kahn weer doch vun de Besatzung nich verlaaten
-- un ick bün, dör Bob Jansons Pinten, mit dörtig Pund Hülpslohn
davunkamen.“
Redoute
„Da schminkt sie sich und donnert sich auf -- daweil is s’ a Preißin.“
Der freundliche alte Herr
Unlängst wurde ich in Kissingen einem freundlichen alten Herrn
vorgestellt und mußte ihm notgedrungen ein paar Worte sagen.
„Sind Sie ... schon lange hier?“ fragte ich.
„Das möcht sich mir wollen. Ich bin von Hälfte Mai.“
„Und ... bleiben Sie den ganzen Sommer über?“
„Da möchten wir uns gut haben -- ich fahr morgen furt.“
„... Nach Rußland, nicht wahr?“
„Warum denn nach Rußland?“ rief er. „Ich bin doch Professor von
daitscher Sprache af Prage Obrrgymnasium.“
Literatencafé
„Es gibt zwei Brüder Skowronnek. Der andre hat Talent.“
Der Arzt
Ob Sanzeno war vom Monte Roen ein Tourist abgestürzt und wurde, arg
zerschlagen, von barmherzigen Leuten nach Amblar gebracht. Nun hieß es,
rasch einen Arzt beischaffen.
Aber woher?
Zum Glück erinnerte sich jemand, daß gestern abend im Hotel von
Cavareno ein Arzt aus Dresden abgestiegen war. Und den holte man.
Er besichtigte den Verunglückten und sprach:
„Tja ...,“ sagte er, ... „wissen Se, ein Gutachten über Ihren Unfall
gann ich Ihnen gern erstatten. Aber helfen gann ich Ihnen nich. Ich bin
nämlich Gerichtsarzt.“
Glosse
„Vorsicht ist die Mutter der Weisheit.“
Wenn sie aber wirklich die Vorsicht selbst wäre, wäre sie überhaupt
nicht Mutter geworden.
Der Neugierige
„Sie leben in München? Kennen Sie da viele Dichter?“
„O -- zum Beispiel Ludwig Thoma.“
„Kennen Sie auch Thomas Frau und Thomas Mann?“
Der gute Ruf
Auf dem Weg nach Rügen kamen wir in Berlin an, da gedachten wir eine
Nacht zu bleiben.
Ich wollt unser Gepäck beheben, da zeigte sich, daß meine Frau den
Aufgabschein verloren hatte. Wir hielten uns nicht weiter auf und
fuhren ohne Gepäck ins Hotel.
„Nee,“ sagte der Portier, „Paare ohne Jepäck dürfen wa nich uffnehmen.“
Ich schlug Lärm und verlangte nach dem Wirt.
Er kam, ließ sich den Fall vortragen und zuckte die Achseln.
„Ick muß den juten Ruf von meenem Etablissemang wahren,“ sprach er.
„So spät am Abend könn wa keen Zimmer jeben -- an Paare, die wo nich
wenichstens nen Hutkarton mithaben.“
Maniküre
Wir saßen auf der Terrasse des Kurhotels.
Die Salome aus Frankfurt betrachtete ihre Hände und sprach:
„Mä verwildert af ’n Land. Ich wer müssen zu ener Manikür nach München.“
Und der Professor aus Münster:
„Sachen Se, cheehrte Frau: chlauben Se denn wirklich an das Wahrsaachen
aus der Hand?“
Die Brautnacht
Wir soupierten bei Pupp in Karlsbad, da erblickte ich im andern Saal
ein Pärchen, das mir bekannt schien.
„Weißt du denn nicht --,“ sagte meine Frau, „-- das ist doch Doktor
Teimer aus Dresden -- die hatten heute morgen Hochzeit.“
„Ah -- richtig!“
Und wir gingen schlafen.
In der Nacht polterte jemand an unsre Tür.
Das war Doktor Teimer, ungeheuer erregt, und verlangte, meine Frau zu
sprechen.
„Um Himmels willen, Gnädigste,“ rief er, „klären Sie meine Frau auf --
sie heult und will zu ihren Eltern.“
Diplomaten
„Ich blicke mit großer Besorgnis nach Berlin. Täglich kann von dort der
~lapsus belli~ kommen.“
Kaffeeklatsch
„Ihr Dienstmädchen, Frau Rätin, kommt Sonntags immer erst so spät heim?
Meins schon um neun Uhr abends.“
„Ah -- eine Perle!“
„Nein. Aber meine Stiefel sind ihr so eng.“
Die Beschwerde
Prinz Theobald von Makedonien hat seine Umgebung schon so manchesmal in
Schrecken versetzt: er stottert nämlich, und dadurch ergeben sich die
unangenehmsten Mißverständnisse.
Unlängst war der Prinz unterwegs nach Paris. In Amstetten hielt der
Zug, der Stationschef stand in Gala da.
Der Prinz ging auf ihn zu und sagte:
„I... i...ch be... be...schw..., i... i...ch be...schwere ...“
Der Beamte erbleichte.
Doch Seine Hoheit setzte leutselig fort:
„Ich beschwöre Sie, wo ist das Klosett?“
Anzeige
+Junge hübsche Dame+,
freidenkend und unabhängig, wünscht Briefwechsel mit älterm, reichen
Herrn
-- behufs Ehe. --
Zuschriften unter „Liebesglück 100“. Karte genügt. Komme sofort.
Margarethe
„Nicht jedes Mädchen fällt so rein.“
Der Kurarzt
Als ich nach Karlsbad kam, befragte ich Doktor Turner wegen meines
Darmleidens.
Er verordnete mir sieben Mühlbrunnen.
Ich klagte ihm auch über meine Nieren.
„Sieben Mühlbrunnen,“ sagte er wieder.
Ich wollte weggehen und fand meinen Regenschirm nicht.
„Fehlt Ihnen noch etwas?“ fragte Dr. Turner ein wenig ungeduldig.
„Der Schi...“
„Trinken Sie noch sieben Mühlbrunnen!“
Der Weltregisseur
„Herr Direktor,“ sprach ich eines Tags zu Reinhardt, „bei all Ihrer
Agilität verstehe ich nicht, wie Sie es fertigbringen, am 12. Mai in
Helsingfors zu spielen und am 14. in Lissabon.“