„Ich bitte die Herrschaften, auf den Weg zu achten! Nicht von den
Pfählen abzugehen ... Das Gelände ist hier durchwegs verschlammt, und
Sie geraten dabei leicht in die Gefahr, sich zu beschmutzen.“
Der Führer ging den Pfahlweg voran.
Zwei und zwei hintereinander folgte die Gesellschaft.
Es mochten gegen fünfzig Personen sein.
„So einen Pfahlweg haben wir immer für Seine Majestät anlegen müssen,
wenn sie einmal die Front besuchte“ – tat der deutsche Professor
geheimnisvoll, als ob er damit etwas ganz besonderes verriete.
Der Pfahldamm führte zunächst einen Schützengraben entlang, bog dann in
einer Brücke darüber hinweg und senkte sich abwärts, direkt mitten in
das Schützengrabensystem hinein.
Man sah auf den ersten Blick:
Alles war hier für die Fremden zugerichtet.
Es war eigentlich ein Schlachtfeld-Museum.
Auf blutgedüngtem historischem Boden. Das konnte man allenfalls gelten
lassen.
Aus einem Unterstand blinkte, wenn man das elektrische Licht andrehte,
ein Skelett hervor, den Stahlhelm noch auf und in der dürren
Knochenfaust Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett.
„Ganz wie bei Dante!“ flüsterte der neuvermählte Professor wieder seiner
Frau zu:
„_Lasciate ogni speranza, voi chi entrate!_ – Laßt, die ihr eingeht,
alle Hoffnung schwinden!“
Tiefe Furchen schnitten sich hin. Waren es Ackerfurchen oder Furchen,
von dem Todespflug der Granattrümmer gerissen!?
Mit unkenntlich entstelltem Kriegsgerät war rings hier der Boden
bestreut, rohe, verrostete Eisenstränge, spiralig in die Länge gedehnt,
oder, um und umgewickelt, zu einer komischen Verrenkung verstümmelt.
„Ich muß schon sagen, weit ergreifender, um so wievielmal menschlich
näher liegt uns das als ein Besuch zum Beispiel im Gletschergarten von
Luzern oder in den Bergwerken von Salzburg. Oder selbst als die
Passionsschauspiele von Oberammergau. Die bayerischen Königsschlösser
und Bayreuth mit einbegriffen ... Das hier ist zwar auch eine
Kreuzigung, aber man hat entschieden mehr davon.“
Auch der Milliardär staunte.
„Da werden einem die Schrecken des Krieges erst so recht eigentlich
gegenwärtig. Ein lebendiger Anschauungsunterricht das ... Wir, die wir
nicht die Gelegenheit gehabt haben, den Weltkrieg aus direkter Nähe ...
„Wir, die wir nicht Brust an Brust mit dem Schicksal rangen in großer
Zeit, nicht männlich Aug in Aug mit dem Grauen uns messen konnten –
„Wir, Unglückliche in einem gewissen Sinn, die wir nicht Schritt für
Schritt in zähem Kampf für den Sieg unseres Vaterlandes ringen durften –
„Wir, die wir zur Hölle der Etappe verurteilt –
„Wir, die wir nur in der grauen, eintönigen Stube, sei es in das Büro,
sei es in das Lazarett verbannt, nur ach, von fern von dem Fittich des
Kriegsgottes gestreift wurden – –“
Das Bedauern, den Krieg nicht miterlebt zu haben, war allgemein.
Viele nickten mit den Köpfen, einen Ausdruck von Wehmut um die Lippen,
sich selbst bemitleidend.
Alle beneideten aber den deutschen Professor, der bei jeder Gelegenheit
als deutscher Kriegsteilnehmer sich auswies.
„Einen historischen Moment von ungeheurer tragischer Größe haben Sie da
alle miteinander, meine Herrschaften, verpaßt ... Man müßte Ihnen
eigentlich sein herzlichstes Beileid aussprechen, Sie aufrichtig
bedauern“, triumphierte der Professor.
Doch allmählich verstummten die Klagen.
„Wir müssen uns eben trösten –
„Was vorbei ist, ist vorbei –
„Doch was nicht ist, kann noch werden –
„Dann werden wir uns ein solches Erlebnis bestimmt nicht wieder entgehen
lassen –
„Ich wenigstens nicht, darauf können Sie Gift nehmen!
„Hier haben wir doch nur noch die spärlichen Restbrocken sozusagen, die
von der Schlachtbank der Geschichte ...“
Alle beteuerten sich gegenseitig, schworen es sich hoch und heilig: im
Fall eines nächsten Krieges in vorderster Front ...
„Meine Herrschaften! Aber bitte!“ wandte sich der Führer inmitten
des allgemeinen Tumults einigen Damen und Herren zu, die
Photographenapparate dicht vor sich hindrückten.
„Photographieren ohne vorherige Genehmigung ist strengstens untersagt.
Im Hotel sind künstlerisch äußerst gelungene Ansichten von allen
Stellungen und von jedem Kriegsschauplatz in reicher Auswahl vorhanden
... Ich habe Sie zu Anfang der Exkursion ausdrücklich auf die
Vorschriften hingewiesen, die im Interesse aller Teilnehmer natürlich
auch eingehalten werden müssen ...“
Ein zusammengestürzter Unterstand wurde jetzt einer eingehenden
Besichtigung unterzogen.
Ganze Stapel von Konservenbüchsen, ausgerolltes zerknülltes Blech,
Patronentaschen, Granaten, mit gelben, grünen und blauen, aber auch
bunten Kreuzen bezeichnet, Geschütze, Maschinengewehr-Reserveteile lagen
wirr durcheinander und anscheinend wirklich noch völlig unberührt herum,
und große, rostbraune Flecken klebten tief in den Gebälken.
Der Führer erklärte:
„Getrocknetes Blut.“
„Ah ... choking ... Blut! Blu–u–u–t!“ echote es aus der Gesellschaft
zurück.
Auch einige Zettel waren an die Balken geheftet, sie aber sowohl wie die
ins Holz geschnitzten Inschriften waren nicht mehr zu entziffern. Nur
aus einer der Wandzeichnungen war noch zu erkennen, daß sie einmal einen
pornographischen Akt darstellte.
„Hier!“ begann der Führer weiter: „– ist jene berühmte Stelle, sowohl im
deutschen, wie auch im englischen, französischen und amerikanischen
Tagesbefehl öfter genannt, jene Stelle, die oft zwölfmal im Tag ihren
Besitzer wechselte ...“
Nichts weiter als einige graue Erdhaufen waren zu sehen.
„Hier sehen Sie einige kurze gebogene Messer, es ist die Nationalwaffe
der heroischen Sikhs, Meister im Gurgelabschneiden. Das riecht noch wie
frisch importiert aus Dschungeln und Urwald ... Und Nachts huschten
geduckt diese Gestalten, das Messer zwischen den Zähnen, über die
Schlachtfelder und machten bei den Gefallenen des Feindes die
„Stichprobe“ ... Hier sehen Sie weiter ein Instrument: es ist eine
Mundharmonika, ein harmloses Musikinstrument, wie es mit Vorliebe die
bayerischen Truppen benutzten ... Wie Sie sehen: hart aneinander wohnen
hier im Raum die Gegensätze ... Hier sind wir nun an dem ausgedehnten
Minenstollen, „Das Nadelöhr“ genannt, angelangt, bitte, bücken Sie sich
einmal und was sehen Sie! Sieht vielleicht einer der Herrschaften durch
das „Nadelöhr“ ins Himmelreich!? Keineswegs. Nein! Ganz und gar im
Gegenteil! Eingequetscht in das Maulwurfsloch, das sie sich selbst
gegraben haben, zwei brave Pioniere, umgekommen bei einem Gasüberfall,
den die Deutschen unvermutet angesetzt haben, während sie hier unter der
Erde, vom Geist der Pflichterfüllung beseelt, arbeiteten ... „Sei getreu
bis in den Tod und ich werde dir die Krone des Lebens reichen ...“ So
eben ist das Leben oder besser gesagt: der Krieg ...“
Die Schlachtfeldbesucher gaben ein dankbares Publikum ab für die
humoristischen Zutaten des Führers. „Ohne Humor, nein, da müßte so ein
Schlachtfeldbesuch zu einer unerträglichen Qual werden,“ meinten einige
mit Recht.
„Das sind ja gar keine Leichen, das sind ja Wachspuppen, oder wollen Sie
uns vielleicht weismachen, die hätten sich von selbst mumifiziert!?“
„Aber, meine Herrschaften! Pst!“ legte pfiffig blinzelnd der Führer den
Finger vor den Mund: „Auch hier gibt es allerlei Geheimnisse ... Also,
fahren wir fort nach diesem heiteren Intermezzo in unserer Wanderung
über die Schlachtfelder ...“
„Na, schadet nichts, zwischendurch einmal so ein Scherz. Auch ich habe
das natürlich gleich bemerkt. Gasleichen in konserviertem Zustand:
absurd, ein Unding, hebt sich von selbst auf ... Das war eben so ein
bißchen Castans Panoptikum ...“ schmollte jovial der Bankier. Räusperte
sich, einen gutmütigen Baß lachend.
„Auch hier haben sich, meine Herrschaften, wie Sie sehen, brave Soldaten
ihr Grab selbst gegraben, überdies soll auch, wie es heißt, ein General,
der den Frontabschnitt zufällig in diesem Augenblick inspizierte, mit
dabei sein. Ein Volltreffer von einem sogenannten „Schweren Brocken“ hat
der hier postierten Kompagnie rasch schmerzlos ein Ende bereitet.“
Es ging innerhalb des Schützengrabens an dieser Stelle mehrere Meter
tief hinab. Man hatte den Eindruck einer Senkgrube.
Einige von den Schlachtfeldbesuchern lüfteten die Hüte.
„Nicht immer aber ist es dabei so schmerzlos abgegangen, wir verlassen
diese Stellung und sehen vor uns ein umfangreiches Stacheldrahtverhau.
Der leichte Verwesungsgeruch, der sich auch jetzt noch deutlich
bemerkbar macht – –“
Einige Schlachtfeldbesucher schnupperten ...
„... es riecht wie eine Mischung aus Jauche und verbranntem Fleisch, in
der Soldatensprache, drastisch, wie sie nun einmal ist, „Offensivparfüm“
genannt, dieser leichte Verwesungsgeruch also läßt die Bedeutung dieser
schwärzlichen Knollen, die dort auf die Pfähle gespießt sind oder hier
zwischen den Drähten zappeln, leicht erraten. Es sind Menschen,
Soldatenleichen, also kurzum wiederum Menschen, ob Deutsche, Engländer,
Amerikaner oder Franzosen: das läßt sich nicht mehr mit absoluter
Bestimmtheit sagen. Leiche bleibt Leiche, und eine profane Weisheit ist
es, im Tod sind sich alle gleich, die verschiedenartige Kokarde, die sie
noch an den Mützen tragen, macht es nicht ... Der Blutkreislauf wird
geschlossen, die Blutkörperchen machen ihre letzte Runde und – stopp!
... Also, diese Drähte waren elektrisch geladen, Hochspannung, und –“
Einige Besucher wandten die Gesichter ab.
„Aber meine Herrschaften, stellen Sie sich doch nicht
gemütsverweichlichter oder zartbesaiteter, meinetwegen, als Sie in
Wirklichkeit sind! Sie müssen lernen, den Tatsachen, nackt und brutal,
wie sie nun einmal sind, ins Gesicht zu sehen. Hier können Sie beinahe
umsonst das Grauen lernen. Lassen Sie die Ihnen gebotene günstige
Gelegenheit nicht zum zweiten Mal unbenutzt an sich vorübergehen! Wer
weiß, wie lange noch? Auch die Schlachtfelder werden eines Tages in
Bausch und Bogen verramscht; jedes Ding auf Erden nimmt diesen Lauf, das
ist das Schicksal aller irdischen Güter, der Mensch mit inbegriffen ...
Wie Sie aber zugeben werden: der Weltkrieg war ein genialer Regisseur,
die von ihm inszenierten Landschaftsbilder besitzen heute, vier Jahre
später, noch die Macht, höchst suggestiv und unmittelbar auf das
Publikum zu wirken und es in eine Art magischen Bann zu schlagen ... So
kann der Schlachtfelderbesuch zum Sport werden, zur Leidenschaft. Wir
haben auch Dauerbesucher.“
„Es ist nicht halb so schlimm, hier aktiv gekämpft zu haben, als auf
diese Weise den Weltkrieg nachzuerleben“, bestätigte der deutsche
Professor.
„Folterqualen. Ein reines Martyrium ...“
Und mit einer erheblichen Gemütserleichterung stellte gewissermaßen im
Auftrag aller der Bankier fest:
„Jeder einzelne von uns kann nach vollbrachter Wanderung mit vollem
Recht von sich bekennen, er habe heute den leider von ihm versäumten
Weltkrieg in seiner tiefsten Tiefenwirkung und in seinem breitesten
Ausmaß nachgeholt. Man kann Buddhas Worte umdrehen und sagen: „Zu
erleben ist alles schön, mitanzusehen aber alles schrecklich.“ Ja, wir
können uns geradezu beglückwünschen, bald den ersten Teil einer im
wahrsten Sinne des Wortes lebensgefährlichen und heroischen Expedition
hinter uns zu haben ...“
„Und nun, meine Herrschaften, um diesen Ort, auf dem hier das Kruzifix
errichtet ist, hat sich eine heimliche Legende gewoben. Nach dem Glauben
der armen Bauern dieser Umgegend soll Christus des Nachts, gefolgt von
dem ganzen Stab der Apostel, der Seliggesprochenen und der Heiligen, wie
früher einst über das Meer, so heute über das Schlachtfeld wandeln.
Christus tastet dabei mit einer Art geistiger Wünschelrute den Erdboden
ab, um den Standort der Totenregimenter festzustellen ... Hier, an
dieser Stelle nun, sagen die armen Bauern, sei „Mund und Ohr“ der Erde.
Hier spreche Christus auf seiner Erdenwanderung mit den Toten. An dieser
Stelle befinde sich auch eine mystische „Naht“, an dieser Stelle finde
dereinst die Auferstehung aller Gläubigen statt ...“
Der Bankier trat interessiert vor.
„Was spricht Christus mit den Toten?“
„Er tröstet sie und bezeugt ihnen immer wieder von neuem, daß sie nicht
umsonst gestorben sind.“
„Zweifeln sie denn daran, daß sie für eine große und heilige Sache
gefallen sind?“
„Na und ob! Aber sehr! ... Manche von ihnen fluchen gewaltig, nach dem
Glauben der Bauern wenigstens, trommeln Mitternachts laut an die
Erdkruste mit ihren Knochenfäusten und knurren oft im Chor: „Für nichts
und nichts und wieder nichts!“ Sie schießen auch oft mit den Geschützen
unter der Erde, sie fechten mit dem Bajonett. Sie üben sich für den
„Großen Tag“.
„Für was für einen „Großen Tag“?
„An dem Christus der Welt die Rechnung präsentiert und an dem die
ungeheuere Schuld fällig geworden ist, und von den Schuldnern sofort in
bar beglichen werden muß. Die unter der Erde sind die Gläubiger ... Sie
halten Versammlungen ab, sie beraten sich, auch wenn sie dem Wahne
kurzsichtiger Menschen nach längst gestorben sind ... Und der „Große
Tag“ kommt. Da geht es hart auf hart. Da geht es: Aug um Aug, Zahn um
Zahn ... Es wird mit Blut bezahlt ...“
„Welches ist die Schuld, die bezahlt werden soll?“
„Allen denen, die zum Krieg gehetzt haben und allen denen, die dadurch,
daß sie feig und untätig während des Krieges geblieben sind, sich zu
Mitverantwortlichen am Kriegswahnsinn gemacht haben, legt Christus eine
Frage vor. Die Frage lautet: „Hast auch du, du kriegsbegeisterter
Vaterlandsfreund, deinen Schlachten-Sommer miterlebt, wo die Leichen vor
Hitze flüssig werden und anfangen, zu brodeln ... Im Kraut knisterts,
und wenn du hinschaust ... Ja, hast du das?“ Wer diese Frage nicht mit
„Ja, Herr!“ beantworten kann, ist hauptschuldig ... Dann gibt es aber
auch noch eine Schuld zweiten Grades, eine Mitschuld und eine
Nebenschuld ...“
„Und Christus beruhigt die unter der Erde und überzeugt sie vom
Gegenteil?“
„Er beruhigt sie eigentlich nicht, noch überzeugt er sie auch vom
Gegenteil. Keineswegs. Im Gegenteil. Er sagt gerade das Gegenteil vom
Gegenteil.“
„Was sagt Christus den Toten nach dem Glauben der armen Bauern?“
„Er spricht von einem Galgen, der an der Stelle des Kreuzstammes
aufgerichtet werden wird, und erzählt ihnen von einem
Menschengeschlecht, das glaubt, unter diesem Zeichen zu siegen. Zu
gleicher Zeit aber mit der Errichtung des Galgens kommt schon ein
anderer Galgen über diesen Galgen, der zweite Galgen setzt sich an die
Stelle des ersten, entthront ihn, Galgen überwindet den Galgen. Ja, der
Galgen wird vom Galgen selbst überwunden. Und der zweite Galgen ist
gesetzt, um daran alle Wucherer, Schieber und Ausbeuter des Volks
aufzuhängen ... Und Christus verspricht denen dort unten, ihrem
Rachegelüste vollauf Genüge zu tun. Alle die werde er unbarmherzig vor
sein Gericht ziehen, die sich auf Grund jener Herzblutopfer bereichert
haben, deren das Volk unsägliche auf dem Altar des Vaterlandes
dargebracht hat und – darbringt ... Diese Stelle hier, auf der wir
stehen, soll auch die Stelle sein, wo der erste Galgen in Erscheinung
tritt und von dem zweiten bald darauf überwunden wird ...“
„Ein modern frisierter, revolutionärer Christus! Hihihi ...“, kicherte
jemand.
Alle sprachen aufgeregt durcheinander.
Man stellte sich mit erhobenen Fäusten vor den Führer hin.
„Korruption! Korruption!“
„Ketzer! Verräter!“
Wutverzerrte Gesichter. Zornrollende Augen quollen.
Man hätte den Legenden-Erzähler lynchen können.
Nur der Bankier blieb ruhig.
„Das soll Christus sagen? Ausgerechnet: Christus?! Ein wenig sonderbare
Christen das, das müssen Sie doch selbst zugeben, die sich ihren
Christus so vorstellen. Ein roter Christus also, ein roter
Bauernchristus ... So wird eben auch das Allerheiligste von dem
ungebildeten und in den tieferen Wahrheitsgehalt der religiösen
Offenbarungen uneinsichtigen Pöbel in den Kot gezerrt. Ein
Bolschewisten-Christus, haha! Zum Hausgebrauch der Schmutzfinke,
Schlendriane, Gewohnheitsverbrecher und Hungerleider! Ein Christus mit
dem Messer zwischen den Zähnen und die Knarre auf dem Buckel!
Staatsgefährlich ist das, gotteslästerlich ...“
„Nicht doch!“ entgegnete ruhig der Führer.
„Die armen Bauern sprechen das auch nie laut und öffentlich aus. Aber
wovon den armen Bauern das Herz voll ist, davon träumen sie ... Es ist
eben ein Christus, zurechtgemacht für die Zeit, wie ihn sich die armen
Bauern, naiv wie sie nun einmal sind, vorstellen ...“
* * * * *