Zwei Sprichwörter

aus: Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes

Ich kenne zwei Sprichwörter, und die sind beide wahr, wenn sie schon

einander widersprechen. Von zwei unbemittelten Brüdern hatte der

eine keine Lust und keinen Mut, etwas zu erwerben, weil ihm das Geld

nicht zu den Fenstern hereinregnete. Er sagte immer: "Wo nichts ist,

kommt nichts hin." Und so war es auch. Er blieb sein Leben lang der

arme Bruder Wonichtsist, weil es ihm nie der Mühe wert war, mit

einer kleinen Ersparnis den Anfang zu machen und nach und nach zu

einem größeren Vermögen zu kommen. So dachte der jüngere Bruder

nicht. Der pflegte zu sagen: "Was nicht ist, das kann werden." Er

hielt das wenige, was ihm von der Hinterlassenschaft der Eltern

zuteil geworden war, zusammen und vermehrte es nach und nach durch

eigene Ersparnisse, indem er fleißig arbeitete und zurückgezogen

lebte. Anfänglich ging es hart und langsam. Aber sein Sprichwort:

"Was nicht ist, das kann werden" gab ihm immer Mut und Hoffnung. Mit

der Zeit ging es besser. Er wurde durch unverdrossenen Fleiß und

Gottes Segen noch ein reicher Mann und ernährt jetzt die Kinder des

armen Bruders Wonichtsist, der selber nichts zu beißen und zu nagen

hat.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 196 / 197 题