Jedermann kennt die Bilder- und Landkartenhändler, die im Land herum
ihre Waren, Bildnisse von Heiligen, Bildnisse von Kaisern und
Königen und Kriegsschauplätzen feil tragen. Aber für manchen kommen
sie wie die Storken ins Land, das heisst, er weiss nicht, woher sie
kommen. Von Pieve kommen sie, im Kanton Tessino, im Welschtirol, und
dieses Pieve dient zum Beweistum, was aus einem armen Dorfe werden
kann, wenn auf unverdrossene und sparsame Väter ebenso brave Söhne
und Enkel folgen. Und deswegen ist an einem solchen Bildermann mehr
zu sehen als an seinen Bildern allen. Pieve hat eine unfruchtbare
Gemarkung. Der Boden nährt seine Einwohner nicht. Lange behalfen
sich daher die armen Leute mühsam und kümmerlich mit einem Handel
von Feuersteinen, der eben nicht viel eintrug. Als aber der Besitzer
der berühmten Buch- und Kupferstichhandlung Remondini in Bassano
sah, wie unverdrossen und fleissig diese Leute waren, so vertraute
er ihnen anfangs schlechte, alsdann immer bessere Kupferstiche und
Helgen an, um damit einen bessere Handel zu treiben. Damit
durchzogen sie nun Tirol, die Schweiz und das angrenzende
Deutschland, und es ging schon besser. Sie hatten an den gemalten
Kaisern und Königen, Propheten und Aposteln selber mehr Freude als
an den plumpen Feuersteinen. Sie trugen auch leichter daran und
hatten mehr Gewinn. Bald brachten sie es so weit, dass sie den
Kupferstichhandel aus dem Fundament verstanden und mit eigenem Gelde
treiben konnten. Und was fast unglaublich ist, sie bildeten in
kurzer Zeit stehende Handelsgesellschaften in Augsburg, Strassburg,
Amsterdam, in Hamburg, Lübeck, Kopenhagen, Stockholm, Warschau und
Berlin. In allen diesen und noch mehrern Städten sind sie jahraus
jahrein mit grossen Vorräten von sehr kostbaren Kupferstichen und
Landkarten zu finden. Ja, eine Gesellschaft kam sogar bis nach
Tobolsk in Asien, und eine andere, welche aber missglückte, bis nach
Philadelphia in Amerika, lauter Leute aus dem armen Dörflein Pieve.
Neben diesen stehenden Bilderhandlungen aber durchwandern noch viele
andere von ihnen alle Länder von Europa, besonders Deutschland,
Polen, Preussen, Holland, Dänemark, Schweden, Russland, England und
Frankreich. Alle Mannsleute in Pieve kennen diesen Handel und
beschäftigen sich damit. Vor der französischen Revolution, als ihre
Geschäfte am glücklichsten vonstatten gingen, war zur Zeit des
Sommers ausser Kindern und alten Greisen keine männliche Person
daheim, aber alle kamen mit wohlerworbenem Gewinn zurück. Die Weiber
trieben unterdessen den Feldbau. Seit der Revolution und des Kriegs
an allen Enden und Orten hat dieser lebhafte Handel sehr gelitten.
Dennoch hat noch jede Familie von Pieve unaufhörlich einen Mann auf
der Reise. Schon in der frühen Jugend begleitet der Sohn den Vater
auf seinen Zügen, und wird dieser alt, so überlässt er dem Sohn das
Geschäft und bringt seine Jahre daheim in Ruhe und Wohlstand und mit
Ehren zu.
Das sind nun die Bilderhändler von Pieve. Der Rheinische Hausfreund
kennt fast alle, die am Rhein auf und ab auf den Strassen sind und
zieht vor jedem den Hut ab.