Moses Mendelssohn war jüdischer Religion und Handlungsbedienter bei
einem Kaufmann, der das Pulver nicht soll erfunden haben. Dabei war
er aber ein sehr frommer und weiser Mann und wurde daher von den
angesehensten und gelehrtesten Männern hochgeachtet und geliebt. Und
das ist recht. Denn man muss um des Bartes willen den Kopf nicht
verachten, an dem er wächst. Dieser Moses Mendelssohn gab unter
anderm von der Zufriedenheit mit seinem Schicksal folgenden Beweis.
Denn als eines Tages ein Freund zu ihm kam und er eben an einer
schweren Rechnung schwitzte, sagte dieser: "Es ist doch schade,
guter Moses, und ist unverantwortlich, dass ein so verständiger
Kopf, wie Ihr seid, einem Manne ums Brot dienen muss, der Euch das
Wasser nicht bieten kann. Seid Ihr nicht am kleinen Finger
gescheiter, als er am ganzen Körper, so gross er ist?" Einem andern
hätt' das im Kopf gewurmt, hätte Feder und Tintenfass mit ein paar
Flüchen hinter den Ofen geworfen und seinem Herrn aufgekündigt auf
der Stelle. Aber der verständige Mendelssohn liess das Tintenfass
stehen, steckte die Feder hinter das Ohr, sah seinen Freund ruhig an
und sprach zu ihm also: "Das ist recht gut, wie es ist, und von der
Vorsehung weise ausgedacht. Denn so kann mein Herr von meinen
Diensten viel Nutzen ziehen und ich habe zu leben. Wäre ich der Herr
und er mein Schreiber, ihn könnte ich nicht brauchen."