Man hat gemeint, die Guillotine sei's. Aber nein! Ein Mann, der
sonst seinem Vaterland viele Dienste geleistet hatte und bei dem
Fürsten wohl angeschrieben war, wurde wegen eines Verbrechens, das
er in der Leidenschaft begangen hatte, zum Tode verurteilt. Da half
nicht Bitten, nicht Beten. Weil er aber sonst bei dem Fürsten wohl
angeschrieben war, liess ihm derselbe die Wahl, wie er am liebsten
sterben wolle; denn welche Todesart er wählen würde, die sollte ihm
werden. Also kam zu ihm in den Turn der Oberamtsschreiber: "Der
Herzog will Euch eine Gnade erweisen. Wenn Ihr wollt gerädert sein,
will er Euch rädern lassen; wenn Ihr wollt gehenkt sein, will er
Euch henken lassen. Es hängen zwar schon zwei am Galgen, aber
bekanntlich ist er dreischläferig. Wenn Ihr aber wollt lieber
Rattenpulver essen, der Apotheker hat. Denn welche Todesart Ihr
wählen werdet, sagt der Herzog, die soll Euch werden. Aber sterben
müsst Ihr, das werdet Ihr wissen." Da sagte der Malefikant: "Wenn
ich denn doch sterben muss, das Rädern ist ein biegsamer Tod, und
das Henken, wenn besonders der Wind geht, ein beweglicher. Aber Ihr
versteht's doch nicht recht. Meines Orts, ich habe immer geglaubt,
der Tod aus Altersschwäche sei der sanfteste, und den will ich denn
auch wählen, und keinen andern", und dabei blieb er und liess sich's
nicht ausreden. Da musste man ihn wieder laufen und fortleben
lassen, bis er an Altersschwäche selber starb. Denn der Herzog
sagte: "Ich habe mein Wort gegeben, so will ich's auch nicht
brechen."
Dies Stücklein ist von der Schwiegermutter, die niemand gerne
umkommen lässt, wenn sie ihn retten kann.