Die nasse Schlittenfahrt

Der Hausfreund hat viel gute Freunde am Rhein auf und ab, zwischen

Friedlingen und Andernach, unter andern ein paar lose. Einer davon

versteht sich gut darauf, Kissen und Säcke auszustopfen, um weich

darauf zu sitzen, und man darf ihn rekommandieren. Zwei andere gute

Freunde von ihm sagten zueinander an einem schönen, kalten

Wintertag: "Wollen wir nicht auf dem Schlitten fahren?"--"Wohin?"--

"Zum Theodor." Sie nannten ihn nur mit dem Vornamen. Theodor heisst

er mit dem Vornamen. Also spannten sie den Rappen an den

Rennschlitten und legten einen Sack voll Spreu darauf, der Länge

nach, um weicher zu sitzen. Als sie bei dem guten Freund angelangt

waren, wurde lustig getrunken--der Wein lag ihm nie überzwerch im

Fass--: Schliengener, Böllinger, Steinenstatter, Vierundachtziger,

Achtziger, Vierundsiebenziger. Beim Vierundsiebenziger blieben sie

sitzen, bis der Abendstern über dem Wasgau funkelte und die

Bettglocken laut wurden in den Dörfern. Als die Bettglocken laut

wurden, sagte einer von ihnen: "Jetzt will ich anspannen, unser Weg

ist der weiteste." Der Theodor sagte: "Wahrscheinlich auch der

krümmste. Hüst um! Dort links ist die Stubentür." Denn der Gast

taumelte nach der Türe eines Milchschranks, in der Meinung, es sei

die Stubentür. Als sie auf dem Schlitten noch eins genommen hatten

zu St. Johannes' Segen und ungefähr an die Tannen gekommen waren,

wurde es beiden nass zwischen den Beinen. Der vordere dachte: "Soll

mir etwas passiert sein, oder ist mein Kamerad dahinten nicht

wasserfest? Der andere dachte: Schmelzen die Spreu im Spreuersack,

oder ist meinem Kameraden etwas passiert?--"Gevatter", stammelte

endlich der vordere, " es scheint mir, Ihr habt's euch kommod

gemacht. Ich hätt' Euch wohl ein paar Minuten lang das Leitseil

halten mögen."--"Gevatter", erwiderte der andere, "mir kommt's vor,

Ihr solltet nicht mehr saufen, als Ihr bei Euch behalten könnt."

Während sie aber so Wortwechsel treiben und jeder die Schuld auf den

andern warf, wurden sie immer nässer, und der Sack unter ihnen gab

immer mehr nach, bis sie auf dem harten Brette sassen.

"Mordsapperment, Ihr schwemmt mich noch über den Schlitten

hinunter", fuhr der zweite fort.--"Oder Ihr mich", erwiderte der

erste.--"Wenn ich nicht dasässe wie einer, der zwischen den zwei

Buckeln eines Trampeltieres reitet, ich läge schon lange auf dem

Boden, und die Stiefel sind mir bereits mitsamt den Füssen

angefroren am Schlittenkufen."--"Drum eben", erwiderte der erste.

"Woher kommt's, dass Euch das Wasser an den Beinen herabläuft?" Als

sie aber halbsteif nach Hause gekommen waren und die Spreu aus dem

Sacke ausleeren wollten, schoss etwas ganz anderes als Spreu heraus.

Da sagte der eine: "Ich glaube gar, der Schalk, der Theodor, hat uns

den Sack mit Schnee angefüllt. Darum sind wir so nass geworden." Der

andere sagte: "Es kömmt mir auch so vor."--Es war auch so.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 90 / 197 题