Der fromme Rat

Ein achtzehnjähriger Jüngling ging, noch unerfahren, katholisch und

fromm, zum ersten Mal aus der Eltern Haus auf die Wanderschaft. In

der ersten grossen Stadt auf der Brücke blieb er stehen und wollte

rechts und links ein wenig umschauen, weil er fürchtete, es möchten

ihm nimmer viel solche Brücken kommen, an welche unten und oben

solche Städte angebaut seien wie diese. Als er aber rechts

umschaute, kam daher von einer Seite ein Pater und trug das

hochwürdige Gut, vor welchem jeder Katholik niederkniet, der demütig

ist und es recht meint. Als er aber links umschaute, kam von der

andern Seite der Brücke auch ein Pater und trug auch das hochwürdige

Gut, vor welchem jeder Katholik niederkniet, der demütig ist und es

recht meint, und beide waren ihm schon ganz nahe, und beide waren im

Begriff, an ihm vorbeizugehen im nämlichen Augenblick, der eine

links von daher, der andere rechts von dorther. Da wusste sich der

arme Mensch nicht zu helfen, vor welchem hochwürdigen Gut er

niederknien, und welches er mit Gebet und Liebe grüssen soll, und es

war ihm auch schwer zu raten. Als er aber den einen Pater mit

Bekümmernis anschaute und ihn gleichsam mit den Augen fragte und

bat, was er tun sollte, lächelte der Pater wie ein Engel freundlich

die fromme Seele an und hob die Hand und den Zeigefinger gegen den

hohen und sonnenreichen Himmel hinauf. Nämlich vor dem dort oben

soll er niederknien und ihn anbeten. Das weiss der Hausfreund zu

loben und hochzuachten, obwohl er noch nie einen Rosenkranz gebetet

hat; sonst schrieb' er den lutherischen Kalender nicht.

Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes Eine Auswahl aus verschiedenen Quellen · 第 33 / 197 题