Im Jahre 1734, als der Franzos Sturm lief auf Philippsburg, und die
Reichstruppen lagen darin, steht ein Rekrut, ein Furtwanger, auf
einem einsamen Posten seitwärts vom Angriff und denkt: "Wenn's nur
nicht hieher kommt!" Indem wächst ganz leise eine französische
Grenadierkappe hinter dem Rempart herauf, und kommt ein Kopf nach
mit einem Schnauzbart, wie wenn der Mond aufgeht hinter den Bergen.
Denn ein paar Dutzend Waghälse hatten draussen eine Sturmleiter
angelegt, um unbeschrien auf den Rempart zu kommen, und sahen die
Schildwache nicht, dass eine da sei. Springt der Furtwanger herbei
und gibt dem Franzosen einen Stich. Pfeifen auf einmal Kugeln genug
um ihn her aus Windbüchsen, und geht ein zweites Franzosengesicht
auf hinter dem Rempart. Gibt ihm der Furtwanger auch einen Stich und
sagt: "Aber jetzt kommst du nimmer." Item: es kam der dritte und der
vierte und bis zum zwölften. Als der Sturm abgeschlagen war und der
Platzkommandant auf dem Platz herumritt, ob alles in der Ordnung
sei, sieht er von weitem die Sturmleiter und zwölf tote Franzosen
dabei, und wie er zu dem Posten kommt, fragt er den Furtwanger: "Was
hat's hier gegeben?"--"So?" sagt der Furtwanger, "Ihr habt gut
fragen. Wisst Ihr, dass mir einer mehr zu schaffen gemacht hat als
Euch alle? Nur zwölfmal hintereinander hat er angesetzt. Unten im
Graben muss er liegen." Denn er meinte, es sei immer der nämliche
gewesen, und es könne nur mit dem Bösen zugegangen sein, dass ihm
allemal hinter dem Bajonett die Wunde wieder heilte. Da lächelte der
Kommandant und die Offiziere, so mit ihm waren, und nahm ihm seinen
Unverstand nicht übel, sondern er liess ihm für jeden ein
Halbguldenstück Stechgeld bezahlen, und durfte er überdies selbigen
Abend auf Rechnung der Reichs-Operationskasse Wein trinken und Speck
essen, so viel er wollte.