Die _Vorigen_, und _Barthold_.
_Barth._ Nun, meine Kinder, habt Ihr angefangen?
_Kolombine._ Nein, Papa! In der Sache sind wir eins; wir
können uns nur über die Rolle nicht vergleichen. Herr Harlekin
will es besser wissen als ich, und mich dünkt, in diesem Stück
könnte ich lange sein Meister seyn. Ich bin von Iugend auf bey
dem Schauspiele erzogen; bin so mannichmal Braut gewesen, und
muß es vermuthlich besser wissen als er.
_Barth._ Nun, Harlekin, so sollten Sie sich auch weisen
lassen. Kolombine führet Sie gewiß keinen unbekannten Weg.
_Kolombine._ O nein! Ich dachte es eben so zu machen wie
die selige Mama.
_Barth._ Wie ich meine selige Frau heirathete, folgte ich
ihr blindlings, und unsere Ehe würde nicht so gesegnet gewesen
seyn, wenn ich minder folgsam gewesen wäre. Sie war allzeit
fertig mich zu unterweisen, und ihr Exempel that bisweilen die
besten Dienste. Oft war mir ihr Unterricht sehr ungelegen; aber
das war, der Himmel weiß, ihre Schuld nicht.
_Harl._ Das Schlimmste sind meine Scrupel; und ich
begreife noch nicht, Herr Barthold, wie solche durch unsre
Comödie werden gehoben werden. Stellt Kolombine die Braut gut
vor, so werde ich denken: sie versteht ihre Rolle; und stellt
sie solche nicht gut vor, so werde ich denken, sie versteht
_noch_ eine Rolle. Und der Himmel weiß, ob sie nicht noch eine
dritte versteht. Es ist doch schlimm, daß man das Ding nicht
auf die Goldwage bringen kann.
_Barth._ Die beste Goldwage ist ein gutes Vertrauen; wer
das nicht hat, der ist schon wirklich betrogen; und wer es hat,
der ißt seinen Salat, schluckt eine Schnecke mit hinunter, und
findet ihn noch schmackhafter.
_Harl._ Ich mögte darauf Ihr Gast nicht seyn. Wer heiraten
will, muß nicht Blinde-Kuh spielen, sondern wohl zusehen was er
greift.
_Kolombine._ Oho! Herr Harlekin! itzt verstehe ich das
Ding mit der Goldwage. Auf ein Paar Aeßchen können Sie gewiß
rechnen, die ich schon verloren habe. Denn der Schneider hat
mir gar kein Eisen in meine neue Schnürbrust gemacht. Indeß,
da die Comödie aus ist, habe ich die Ehre mich Ihren Scrupeln
zu empfehlen.
_Barth._ Ich meyne es auch so. Beschlafen Sie die Sache!
Ein guter Traum ist im Heirathen oft die beste Entscheidung.
(Sie gehn Beyde ab.)
Fünfter Auftritt.
_Harlekin_. _Scapin_ und _Peter_.
_Harl._ (vor sich) O weh! der erste Versuch ist nicht zum
Besten abgelaufen. Itzt mögt' _ich_ wohl, nun will _sie_ nicht.
_Scapin._ Wird denn heute nicht gespielt? Herr Barthold hat
mich herbestellt, um den Freyer mit vorzustellen. Ich sehe aber
keine Anstalten.
_Peter._ Ich sollte auch einen vorstellen--
_Harl._ Ha, mein guter Peter, magst Du es denn gern thun?
_Peter._ O ja. Ich muß sonst immer nur die Lichter putzen;
wenn aber der Freyer gespielet wird, so--so küsse ich, wollt'
ich sagen, Cathrinchen.
_Harl._ Und Du, Scapin?
_Scapin._ Meine Rolle in diesem Stück ist immer nur ein
Puckel voll Schläge, und ich könnte eben nicht sagen, daß ich
solche jetzt nöthig hätte.
_Harl._ Hör' einmal, mein lieber Scapin! Ich weiß, Du bist
schlauer als mancher Dieb, der gehangen wird; ich muß Dir eins
im Vertrauen sagen.
_Peter._ Ich hoffe doch nichts von Cathrinchen?
_Harl._ Ich wäre wohl gesonnen, des Herrn Bartholds jüngste
Tochter Kolombinchen in allen Ehren zu heirathen--
_Peter._ Giebt es denn auch Heirathen in Unehren?
_Harl._ Allein, ich besorge, sie mögte schon--
_Peter._ Was mögte sie schon?
_Scapin._ Schweig, Peter, ich verstehe schon was
Harlekin meynt. Er besorgt, sie mögte schon einnal in
Unehren geheirathet haben.
_Peter._ Nun verstehe ich es auch--
_Harl._ Was meynst Du nun? Wie fange ich es an, um hinter
die Wahrheit zu kommen?
_Scapin._ Du mußt sie vorher probiren.
_Peter._ Bey meiner Treu, das ist vernünftig.
_Harl._ Allein, wie mache ich das?
_Peter._ O, das will ich wohl thun, wenn Sie es nicht
verstehen.
_Scapin._ Ich weiß was zu thun ist. Wolltest Du wohl,
Harlekin, ihr zu gefallen, eine Tracht Schläge vorlieb nehmen?
_Harl._ Die Schläge wohl, aber den Schimpf nicht.
_Scapin._ Nun da ist Rath zu. Höre, ich will Dir das Kleid
meines Herrn verschaffen. Du weißt, er ist Hauptmann, und eine
Uniform hat heut zu Tage viele Freyheiten; damit sollst Du
diesen Abend zu ihr gehen. Läßt sie Dich nun zum Hause hinaus
prügeln, so kannst Du glauben, daß sie die Krone von allen
ehrlichen Mädchen ist. Nimmt sie Dich aber an, küßt und umarmt
Dich, so nimmst Du das auf dem Marsche vorlieb, und weißt wie
viel die Glocke geschlagen.
_Harl._ O mein lieber Scapin, das ist unvergleichlich.
Ich danke Dir tausendmal für Deinen guten Rath. Mache mich
nur geschwind zum Hauptmann. Ich brenne vor Verlangen, jene
glückliche Tracht Schläge zu empfangen.
_Peter._ Ich wahrhaftig nicht. In meiner Heimath probirt
man die Mädchen ganz anders.
_Scapin._ In meiner auch. Aber man bekömmt zuweilen etwas,
was einem noch weit unangenehmer ist, als eine Tracht Schläge.
Nicht wahr, Harlekin?
_Harl._ O Scapin, Du bist der klügste Schelm, den ich in
meinem Leben gekannt habe. Mache nur geschwind, daß ich das
Kleid von Deinem Herrn bekomme. Ich hoffe doch nicht, daß er
es übel nehmen wird, wenn der Schimpf hiernächst darauf sitzen
bleibt?
_Scapin._ O im geringsten nicht. Eben das Kleid, was ich
Dir verschaffen will, hat schon mehrmal herhalten müssen. Ich
will hingehen um es Dir zu bringen. Du mußt mir aber auch
einmal wieder zu gefallen seyn, wenn Du nun ein Ehemann seyn
wirst.
(Scapin geht ab)