Zweyter Auftritt

_Die Vorigen_, und _Kolombine_.

_Barth._ Kolombine, Du sollst heute einmal die Braut seyn.

_Kolombine._ Ach, Papa, das bin ich gerne. Ich spiele nichts

lieber als Braut und Bräutigam.

_Harl._ (Vor sich) O Du-- Sie wissen aber doch, meine

schöne Kolombine, daß die Freyerey mit der Comödie ein Ende

hat.

_Kolombine._ Nun, so können wir ja dasselbige Stück noch

einmal spielen. Ich wollte, daß wir gar kein anderes auf unsrer

Bühne hätten; und fast mögte ich das Heirathen verreden, um

allzeit Braut zu bleiben. Ach, es ist so allerliebst Braut zu

seyn.

_Barth._ Man kann heirathen, und doch noch immer die Braut

spielen. Eine gute Partey kann man immer auf Abschlag nehmen;

und die jungen Mädchen thun übel, wenn sie die Hand eines

ehrlichen Mannes ausschlagen, um allzeit flattirt, adorirt,

courtisirt, carressirt, und endlich meprisirt zu werden. Bist

Du denn, meine Tochter, sonst noch nie die Braut als auf der

Schaubühne gewesen?

_Kolombine._ Nein, Papa.

_Barth._ Hören Sie wohl, Herr Harlekin?

_Harl._ Ich höre und sehe, Herr Barthold.

_Barth._ Wo ist Scapin und Peter? Sie sollen auch

herkommen, und den Freyer mitspielen. Isabelle, welche schon

oft die Braut vorgestellt, und erfahrner ist als Du, Kolombine,

soll Dir die rechte Manier zeigen.

_Kolombine._ O, Papa, ich will schon fertig werden,

ich verstehe es schon.

_Barth._ Nun, so macht Ihr Beyde den Anfang. Ich will

herumgehen, und den Uebrigen ihre Rollen ankündigen.

Die Tugend auf der Schaubühne oder: Harlekins Heirath; Ein Nachspiel in einem Aufzuge · 第 5 / 11 题