Ich befinde mich in einem Schuppen. Der Schuppen gehört zum Pariser Hotel
de l'Univers. In dem Schuppen ist es sehr eng, zahllose Kisten stehen
umher, Haufen von Stroh und Sägemehl; es ist auch finster. Ich blicke
genauer hin und erkenne den Philosophen Sch. Der Philosoph sitzt auf einem
zerbrochenen Vogelbauer dicht vor der Tür; er hat einen Mantel mit
Lammfellkragen an, doch keinen Hut auf.
>Natürlich muß es so sein<, denke ich mir, >er hat seinen Hut verloren und
sitzt darum mit bloßem Kopf da.<
Wir sind aber nicht mehr im Schuppen, sondern gehen über ein Feld. Auf dem
Felde ist es öde, wir sehen nichts als Gebeine und Gräber, es ist ein
trauriges Land.
»Russisches Land! Armes Rußland! Schwarze Menschen, die sich gegen die
Mächtigen erhoben haben! Und das nennt sich ein gerechtes und wahrhaftes
Gericht!«
Der Philosoph bückt sich über ein Grab.
»An diesem Beispiel können Sie es sehen!« sagt er mir und reicht mir ein
Knäuel Gedärme.
Wir gehen schweigend von Grab zu Grab. Die Gräber sind offen. Ich sehe es
nicht, aber ich fühle, daß sich in ihnen etwas regt, und höre, wie schwerer
Goldbrokat knistert. Ich möchte gern in ein Grab hineinschauen, habe aber
furchtbare Angst.
»Du bist der Urheber dieses Blutvergießens«, schrie plötzlich jemand aus
einem Grabe. »Du bist der verdammte Feind, der Christusverkäufer, der
abgefeimte Schurke, der Feind Gottes!«
>Das ist die Moskauer Unbildung!< denke ich mir und sehe: durch das Feld
geht ein Pilger, sieht ganz wie unser Wassja der Barfüßige aus; über den
Lumpen trägt er einen Frack und hat an der Brust ein riesengroßes
steinernes Kreuz hängen. Der geweihte Pilger lächelt.
»Noli eos esse meliores!«[*] sagt er und lächelt.
[Fußnote *: lat., Wünsche sie dir nicht besser!]
»Vielleicht hat er auch recht«, sagt der Philosoph.
Wir stehen zu dritt vor dem offenen Grabe. Der Pilger lächelt.
»Dieser Wassja der Barfüßige hat ja auch keinen Hut auf!« Ich nahm mir den
Hut vom Kopfe und erwachte.