Ein trüber Maiabend. Bei St. Sulpice läutet es wie zu einer
Volksversammlung. Ich gehe aber nicht in die Kirche, sondern zugleich mit
vielen anderen Menschen zum Kai. Wir sind alle schwarz gekleidet. Auf der
Brücke begegnen wir einem Zug Reiter; auch sie sind schwarz gekleidet und
halten Besen in den Händen: es ist ein ganzer Besenwald.
>Es ist die Revolution<, denke ich mir und höre, wie die Uhr an der
Notre-Dame schlägt; Schlag folgt auf Schlag, elf Schläge sind es. Jeder
Glockenschlag ist ein Vöglein mit lila Federn, das mich ins Herz pickt und
in meinem Herzen schmilzt.
»Sursum corda!«[*]
Ich bin aber schon weit weg, in St. Cloud. Es ist ein warmer, sonniger Tag.
Ich sehe eine bunte, festlich gekleidete Menge. Wir stehen um ein Podium
herum, auf dem Feuerwehrmänner mit Blasinstrumenten sitzen: es ist ein
Feuerwehrorchester. Wir alle warten auf etwas; die Feuerwehrmänner haben
schon die Instrumente an die Lippen gesetzt und warten auf ein Zeichen.
[Fußnote *: lat., Die Herzen in die Höhe!]
Da sehe ich ihn, wenn auch im Nebel, aber ich kann ihn doch erkennen:
Napoleon. Napoleon steht auf dem Podium und hält den Taktstock in der Hand.
Gleich schwingt er den Stock, gleich erdröhnt die Musik.
>Napoleon!< denke ich mir: >Das ist also Napoleon!< Ich blicke unverwandt
hin und will sein Gesicht sehen, ihm einmal in die Augen schauen, er aber
steht wie gefesselt da und wendet sich gar nicht um.
Und ich höre die Glocke von St. Sulpice und zugleich die Schläge der Uhr an
der Notre-Dame. Schlag folgt auf Schlag, elf Schläge sind es, und jeder
Glockenschlag ist ein Vöglein mit lila Federn, das mich ins Herz pickt und
in meinem Herzen schmilzt.
»Sursum Corda!«